Sprache, Begegnungen und neue Bekanntschaften: vier Monate mit Alexander Steinborn

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Vier Monate bei der Gesellschaftlichen Vereinigung der Deutschen „Wiedergeburt“ in Semei waren geprägt von regem Austausch, neuen Begegnungen und der deutschen Sprache. Im Rahmen des Projekts „Einsetzung von Sprachassistenten des Goethe-Instituts in Kasachstan“ war hier der Sprachassistent Alexander Steinborn aus Deutschland tätig. Während dieser Zeit wurde er zu einem aktiven Teil des Vereinslebens.

Alexander beteiligte sich an verschiedenen Tätigkeitsbereichen von „Wiedergeburt“: Er führte Deutschunterricht durch, besuchte Veranstaltungen des Klubs der deutschen Jugend, tauschte sich mit Vertreterinnen und Vertretern der älteren Generation aus und arbeitete während des Sommerferienprogramms mit Kindern. Einen besonderen Platz nahm der von ihm organisierte Sprachklub ein. Dieser bot den Teilnehmenden eine zusätzliche Möglichkeit, die deutsche Sprache in einer entspannten und freundschaftlichen Atmosphäre zu üben.

Deutsch durch Austausch

Während seiner Tätigkeit führte Alexander Steinborn mehrere Deutschstunden sowohl online als auch in Präsenz durch. Die Angebote richteten sich an Teilnehmende der Sprachkurse und waren praxisorientiert. Im Mittelpunkt standen die Entwicklung kommunikativer Fähigkeiten, die Erweiterung des Wortschatzes, die Verbesserung der Aussprache und vor allem die Möglichkeit, Deutsch in wirklichen Gesprächssituationen zu verwenden.

Durch die Anwesenheit eines Muttersprachlers konnten die Teilnehmenden nicht nur lebendiges Deutsch hören, sondern auch ihre Sprachbarriere überwinden, sich in spontanen Gesprächen versuchen und mehr über das heutige Deutschland erfahren.

Beim Kennenlernen der Stadt und anderer Einrichtungen traf Alexander auch Studierende der Alikhan Bokeikhan University, die Deutsch lernen. Diese Begegnungen fanden in Form eines offenen Austauschs statt. Die Studierenden konnten ihre mündlichen Sprachkenntnisse mit einem Muttersprachler üben, Fragen stellen und über das Studium, den Alltag, die Kultur und die Besonderheiten Deutschlands sprechen.

Diese Begegnungen waren nicht nur im Hinblick auf das Deutschlernen hilfreich. Sie erweiterten die Vorstellungen der Studierenden von einem anderen Land und seiner Kultur, förderten die interkulturelle Kompetenz und zeigten neue Berührungspunkte zwischen Kasachstan und Deutschland.

Austausch, der verbindet

Ein wichtiger Teil von Alexanders Arbeit war seine Teilnahme an sprachlichen, kulturellen und jugendbezogenen Veranstaltungen. Er brachte sich aktiv in das Leben der deutschen Gesellschaft ein, lernte Mitglieder verschiedener Generationen kennen und wurde allmählich Teil eines großen und freundschaftlichen Teams.

Besonders wertvoll war, dass der Austausch nicht auf den Unterricht begrenzt blieb. Gemeinsame Veranstaltungen, Sprachklubs sowie Begegnungen mit Jugendlichen, Kindern und älteren Menschen schufen Raum für ungezwungene Gespräche und den Austausch von Erfahrungen.

Für die Mitglieder der Gesellschaft war dies eine Möglichkeit, Deutschland durch den direkten Kontakt mit einem Menschen aus diesem Land näher kennenzulernen. Alexander wiederum erfuhr mehr über Kasachstan sowie über die Kultur und die Traditionen der ethnischen Deutschen.

Besonders hervorzuheben ist der Beitrag von Olga Beder, der Kuratorin und methodischen Betreuerin der Spracharbeit von „Wiedergeburt“ in Semei. Während Alexanders gesamten Aufenthalts begleitete sie seine Tätigkeit organisatorisch und methodisch. Sie half ihm dabei, die Arbeit mit verschiedenen Gruppen aufzubauen und geeignete Formate für die Angebote zu finden.

Olga Beder unterstützte die Initiativen des Sprachassistenten und half, seine Ideen an die Bedürfnisse der Teilnehmenden anzupassen. Dank ihrer Mitwirkung fanden der Unterricht, die Sprachtreffen und die Klubs regelmäßig und inhaltlich gut vorbereitet statt. Die Teilnehmenden erhielten dadurch die Möglichkeit, ihre Deutschkenntnisse kontinuierlich im Austausch anzuwenden.

Alexander Steinborn berichtet: „Mir hat die Arbeit in Semei sehr gefallen, denn die Kursteilnehmenden und die Mitglieder der deutschen Minderheit waren sehr herzlich. Sie nahmen stets hoch motiviert und mit viel Begeisterung an all meinen – teilweise etwas unorthodoxen – Projektideen teil. Allgemein hat mir die familiäre Atmosphäre bei den Veranstaltungen sehr gefallen.

Besonders in Erinnerung bleiben mir die Sprachklubs, die oft länger als drei Stunden dauerten. Häufig brachte jeder etwas zu essen mit, und wir unterhielten uns lange und ungezwungen auf Deutsch. Auch der Kochworkshop, bei dem wir Kässpätzle machten, wird mir in Erinnerung bleiben, und besonders Olegs Ingenieurskunst, aus einer alten Plastikflasche eine provisorische Spätzlepresse zu bauen.

Ganz besonders werde ich mich an die etwas inoffizielleren Treffen im Sommer erinnern, bei denen wir Schaschlik gegessen und im Irtysch gebadet haben.

Meine Eindrücke von der Arbeit waren durchgehend positiv. Die „Wiedergeburt“ in Semei holt aus den zur Verfügung stehenden Mitteln das Maximum heraus. Ich wünschte, es gäbe mehr Räumlichkeiten für Veranstaltungen oder einen eigenen Raum für die Jugendgruppe, etwa mit einem Tischfußballtisch oder Ähnlichem.

Als ich Anfang April zum ersten Mal nach Semei kam, war dies zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Die Schneeschmelze zeigte die Stadt nicht gerade von ihrer schönsten Seite. Ich hatte in meinem Leben noch nie so viele Abstufungen der Farbe Grau gesehen. Als ich ankam, musste ich deshalb erst einmal schlucken und dachte mir, uff, das werden lange Monate, bis ich zurück nach Almaty darf.

Nach vier Monaten in Semei hat sich meine Meinung stark verändert. Wider Erwarten bin ich nun traurig, dass ich schon gehen muss. In Semei habe ich viele nette und interessante Menschen getroffen, neue Freunde kennengelernt und tolle Einblicke in die kasachische, usbekische und kasachstandeutsche Kultur bekommen. Es war eine großartige Zeit, an die ich mich gerne erinnern werde. Ich hoffe, dass ich Semei irgendwann noch einmal besuchen kann.“

Die Teilnehmenden des Projekts betonten, dass der Unterricht mit Alexander in einer entspannten und freundschaftlichen Atmosphäre stattfand, in der sich jeder frei und sicher fühlen konnte. Besonders wertvoll war, dass die Treffen nicht auf die Bearbeitung sprachlicher Aufgaben beschränkt blieben. Die Teilnehmenden konnten sich auf Deutsch unterhalten, ihre Fragen stellen, mehr über Deutschland, seine Kultur und seinen Alltag erfahren sowie Traditionen und Besonderheiten beider Länder miteinander vergleichen.

Während des Projekts wurde Alexander für viele Menschen nicht nur zu einem Sprachassistenten, sondern auch zu einem Teil des großen und freundschaftlichen Teams von „Wiedergeburt“. Die gemeinsamen Unterrichtsstunden, Begegnungen, Sprachklubs und Veranstaltungen schenkten den Teilnehmenden neues Wissen, interessante Bekanntschaften und viele herzliche Erinnerungen.

Maria Gorbatschowa

Übersetzung: Anton Genza

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