Zeit zum Lernen und Erinnern: Juli-Alltag im Deutschen Zentrum

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Juli ist keine Urlaubszeit: Im Deutschen Zentrum der Stadt Karaganda geht die aktive und vielfältige Arbeit weiter. Es finden Deutschkurse, kreative Treffen des Handarbeitskreises „Basteln“ sowie Veranstaltungen des „Seniorenklubs“ statt. Den Deutschunterricht leiten die Dozentinnen Natalja Diptan und Marina Stein. Das aktuelle und spannende Thema der letzten Treffen – „Urlaub und Reisen“ – stieß bei den Teilnehmenden auf großes Interesse.

Zur Erweiterung des Wortschatzes und des kulturellen Austauschs wurde der Sprachassistent aus Deutschland, Jochen Wilke, zum Unterricht eingeladen. Seine anschauliche Präsentation über Sehenswürdigkeiten Deutschlands machte die Stunde besonders lehrreich und lebendig. Die Teilnehmer stellten gerne Fragen, äußerten sich frei auf Deutsch und betonten, dass der Unterricht dadurch interessanter und lebensnaher geworden sei.

Parallel dazu treffen sich die Mitglieder des Seniorenklubs im Deutschen Zentrum zu den „Basteln“-Stunden unter der Leitung von Olga Iwkina. Das jüngste Treffen widmete sich dem Thema „Stricken und Häkeln bei den Russlanddeutschen“. Alle erzählten mit Begeisterung, wie ihre Großmütter und Urgroßmütter wunderschöne handgefertigte Arbeiten – gehäkelte Deckchen, Vorhänge und Tischdecken – erschufen. Viele brachten alte Stücke mit, die als Familienerbstücke erhalten geblieben sind. Besonderes Augenmerk lag auf der Häkeltechnik, die die Teilnehmenden weiterhin anwenden und weitergeben.

Jede Stunde endet mit einer herzlichen Teerunde und freundlichen Gesprächen, bei denen der lebendige Austausch, das Teilen von Erinnerungen und die aufmerksame, gegenseitige Zuwendung fortgesetzt werden.

So wird die Arbeit im Deutschen Zentrum zu einer lebendigen Brücke zwischen den Generationen. Hier verbinden Sprache, Traditionen, Handarbeit und gemeinsames Miteinander die Menschen und erfüllen den Alltag mit Sinn, Freundschaft und Respekt vor den Wurzeln.

Die Arbeit des Deutschen Zentrums zeigt, wie unterschiedlich Wege sein können, sich mit der eigenen Geschichte und Kultur zu beschäftigen. Für die einen ist es die deutsche Sprache, die sie schon seit vielen Jahren lernen und im Alltag anwenden möchten. Für andere sind es Handarbeit, Familiengeschichten oder Gegenstände, die an frühere Generationen erinnern. Gerade diese Verbindung von Lernen und persönlichem Austausch macht die Begegnungsangebote besonders wertvoll.

Das Thema „Urlaub und Reisen“ bot den Sprachkursteilnehmern nicht nur die Möglichkeit, neue Wörter und Redewendungen kennenzulernen. Gespräche über Reisen, Städte und Sehenswürdigkeiten schaffen auch einen persönlichen Bezug zur Sprache. Die Teilnehmer können über eigene Erfahrungen sprechen, Fragen stellen und feststellen, dass Deutsch nicht nur ein Unterrichtsfach ist, sondern ein lebendiges Mittel zur Kommunikation und zum kulturellen Austausch.

Auch die Treffen des SeniorClubs erfüllen eine wichtige Funktion. Alte Handarbeitstechniken wie das Häkeln sind ein Teil der Familiengeschichte vieler Russlanddeutscher. Wenn ältere Teilnehmer erzählen, wer ihnen diese Techniken beigebracht hat und welche Dinge früher im Haushalt entstanden, werden aus einfachen Handarbeiten persönliche Erinnerungen. Gleichzeitig erhalten jüngere Generationen die Möglichkeit, diese Kenntnisse kennenzulernen und weiterzuführen.

So entsteht im Deutschen Zentrum ein besonderer Raum, in dem Vergangenheit und Gegenwart miteinander verbunden werden. Lernen, Kreativität und persönliche Begegnungen ergänzen einander und tragen dazu bei, die deutsche Sprache und kulturelle Identität auch im Alltag lebendig zu halten. Die gemeinsamen Stunden zeigen dabei, dass Traditionen besonders dann Bestand haben, wenn sie nicht nur bewahrt, sondern gemeinsam erlebt und weitergegeben werden.

Bertaewa Gulmzhan

 

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