Dank für die Ernte Zurück Veröffentlicht in 14. Oktober 202615. Oktober 2026 Mitglieder des Seniorenklubs und des Jugendklubs erzählten von der Arbeit in ihren Gärten und davon, wie ihre Familien das Fest begehen. Dabei wurden Erfahrungen ausgetauscht, Rezepte verraten und Erinnerungen wachgerufen. Für herbstliche Trübsal bleibt den Aktiven der Vereinigung wenig Zeit. „Zum Traurigsein kommen wir gar nicht. Die Ernte muss eingebracht werden!“, sagt Nadezhda Chubich. Sie ist vor Kurzem 73 Jahre alt geworden und gehört damit im Seniorenklub noch zu den Jüngeren. In ihrem Garten am Haus hat alles seinen Platz. Die Beete sind sorgfältig angelegt, darin wachsen Tomaten, Gurken, Kartoffeln und Möhren. „Mit den Möhren hatte ich dieses Jahr kein Glück“, erzählt sie etwas enttäuscht. „Dafür sind die Kartoffeln hervorragend geworden, und Zwiebeln hatten wir reichlich. Ich habe Gemüse eingelegt und mariniert und aus den Beeren Marmelade gekocht. Was ich selbst nicht verarbeiten kann, gebe ich an Verwandte und Bekannte weiter. Jeden Morgen, wenn ich in den Garten gehe, begrüße ich die Natur und sage Danke. Für die Ernte und für all das Schöne.“ Ihre Kinder, Enkel und Urenkel macht sie schon früh mit der Gartenarbeit vertraut. „Ich liebe meinen Garten, und er gibt mir viel zurück. Diese Freude möchte ich auch an meine Familie weitergeben. Die Männer helfen beim Setzen und Ernten der Kartoffeln, die Frauen bei der Aprikosen- und Beerenernte. Ich zeige ihnen, wie man Gemüse einlegt und Marmelade kocht. Vielleicht brauchen sie das später gar nicht. Trotzdem möchte ich mein Wissen weitergeben.“ Auch Nina Sidorenko engagiert sich in der deutschen Gemeinschaft. In diesem Jahr hat sie 377 Gläser mit Eingemachtem und Marmelade gefüllt. Für die 83-Jährige ist das ungewöhnlich wenig. „Normalerweise komme ich auf mindestens 500 Gläser. Dieses Jahr habe ich es etwas ruhiger angehen lassen. Die Gesundheit macht sich eben bemerkbar. Ich habe immerhin drei Herzinfarkte überstanden und so viele Krankheiten, dass ich sie kaum noch zählen kann. Aber die Arbeit mit der Erde ist mir lieb und vertraut. Im Sommer stehe ich um vier Uhr morgens auf und gehe in den Garten. Dort arbeite ich ohne Pause bis zum Mittag. Mein Mann und ich vergessen dabei manchmal sogar das Essen. Er ist schon 90, steht mir immer zur Seite und hilft mit. Seit einem halben Jahrhundert bewirtschaften wir unseren Garten. Er ernährt uns. Manche erklären mich für verrückt und sagen, ich solle endlich aufhören. Aber ich kann einfach nicht.“ Dem Erntedankfest gingen in der Vereinigung mehrere Treffen zur Vorbereitung voraus. „Wir haben mit dem Seniorenklub und den Jüngeren einen Bastelnachmittag veranstaltet. Aus verschiedenen Materialien entstanden herbstliche Dekorationen. Außerdem haben wir darüber gesprochen, welche Bräuche und Feste es im Herbst bei den Wolgadeutschen gab und welche sich bis heute erhalten haben. Die Älteren erzählten von früher und verrieten einige ihrer Küchengeheimnisse“, berichtet Dmitri Schinkarenko, Organisator im Netzwerk der Begegnungszentren. Lidia Pawlukhina findet, dass sich heute niemand mehr bis zur Erschöpfung auf dem Feld abmühen müsse. „Meine Eltern und meine Großmutter erzählten mir, dass die Menschen nach all der harten Arbeit besonders zu schätzen wussten, was die Erde ihnen schenkte. Ihr Dank für die Ernte kam von Herzen. Es ging schließlich um das Überleben ganzer Dörfer. Viel hing davon ab, wie gut man in den warmen Monaten gearbeitet hatte. Heute ist es natürlich einfacher, an Lebensmittel zu kommen. Man kauft sie im Laden, sofern man das Geld dafür hat. Trotzdem gibt es Menschen, die einfach gern im Garten arbeiten. Mein Schwiegersohn Alexej ist so jemand. Er lebt das ganze Jahr über auf der Datscha, baut mit Begeisterung Tomaten und Kartoffeln an und zieht wunderbare Kräuter. Verkauft wird nichts, er verschenkt alles. Auch mir bringt er ständig etwas mit. Da bleibt mir gar nichts anderes übrig, als wieder Gemüse einzulegen. Ich fahre zwar auch zur Datscha, aber ausschließlich, um mich auszuruhen. Ich möchte einfach in der Sonne sitzen. Mit 78 Jahren habe ich mir das wohl verdient.“ Auch der Klub der deutschen Jugend in Aqtöbe feierte Erntedank. Zum Auftakt leitete Anastassija Berman eine Gesprächsrunde zur Geschichte und Bedeutung des Festes. Die Jugendlichen beschäftigten sich mit der Symbolik der Getreidegarben und erinnerten sich daran, wie Erntedank in den Familien der Kasachstandeutschen gefeiert wurde. Anastassija zeigte, wie diese Bräuche bis heute gepflegt und von einer Generation an die nächste weitergegeben werden. Anschließend wurde unter der Leitung von Valeria Koschelewa gebacken. Auf dem Programm stand ein Klassiker: Pflaumenkuchen. Die Jugendlichen bereiteten ihn gemeinsam zu und ließen das Treffen bei Tee und Kuchen ausklingen. Solche Treffen bieten den Mitgliedern des Jugendklubs Gelegenheit, sich auszutauschen und gemeinsam kreativ zu werden. Damit tragen sie dazu bei, die Kultur und Identität der deutschen Minderheit zu bewahren. Konstantin Sergejew Übersetzung: Anton Genza Поделиться ссылкой: