Eine Bewegung, die verbindet: Jelisaveta Wysochina-Flakh Weg im Verband der deutschen Jugend Kasachstans

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Die Geschichte von Jelisaveta Wysochina-Flakh ist untrennbar mit dem deutschen Theater und der Jugendbewegung Kasachstans verbunden. Das Theater wurde für sie nicht nur zum Beruf, sondern auch zu einem Raum, in dem die Kultur der ethnischen Deutschen bewahrt wurde, neue Ideen entstanden und Freundschaften wuchsen, die die Zeit überdauert haben.

1992 wurde Jelisaveta Studentin der Deutschen Theaterakademie. Es handelte sich um eine besondere Aufnahmegruppe, die eingerichtet worden war, um das Deutsche Theater in Kasachstan zu erhalten: Viele Schauspielerinnen und Schauspieler wanderten damals nach Deutschland aus, und das Theater brauchte eine neue Generation von Künstlerinnen und Künstlern. Bereits im zweiten Studienjahr, 1994, begann Jelisaveta am Deutschen Theater zu arbeiten. Die junge Truppe wirkte an der Eröffnung des Deutschen Hauses in Almaty mit und ging in Kasachstan auf Tournee. Am Ende der vierjährigen Ausbildung war vom früheren Ensemble nur noch eine Schauspielerin am Theater geblieben. Deshalb war es gerade die Jugend, die den Staffelstab übernehmen und seine Geschichte fortsetzen musste.

Der erste Lageraufenthalt und der Beginn eines langen Weges

1996 fand das erste republikanische Jugendsprachlager statt. Vertreterinnen und Vertreter des Deutschen Theaters wurden nicht nur als Teilnehmende eingeladen, sondern auch als Organisatoren des kreativen Programms. Aus dem ersten Jahrgang der Deutschen Theaterakademie kamen vier Vertreterinnen und Vertreter des höheren Studienjahres, bereits angehende Schauspielerinnen und Schauspieler. Zu ihnen stießen vier Studierende des zweiten Studienjahres. Gemeinsam mit ihnen brachte das Projekt deutsche Jugendliche aus verschiedenen Städten Kasachstans zusammen.

Obwohl das erste Sprachlager noch vergleichsweise klein war, erwies sich seine Bedeutung als groß. Es wurde zu einem der Ausgangspunkte für die Entwicklung der deutschen Jugendbewegung im Land. Die Teilnehmenden kehrten mit neuen Bekanntschaften und Ideen in ihre Städte zurück, um sie herum sammelten sich Gleichgesinnte, Jugendklubs entstanden und eigene Projekte wurden ins Leben gerufen.

Ein besonders wichtiger Bestandteil dieser Begegnungen war die deutsche Sprache. Der Wunsch, in ein Sprachlager zu kommen, wurde zu einer zusätzlichen Motivation, Deutsch zu lernen und die eigenen Kenntnisse zu verbessern. Gleichzeitig boten die Jugendprojekte weit mehr als nur Sprachpraxis: Sie waren ein Raum für Austausch, für die Begegnung mit der eigenen Kultur und Geschichte, für Kreativität und für gemeinsame Erfahrungen.

Nach und nach entstanden selbstständige Initiativen. In Almaty wurde zum Beispiel ein Projekt für einen Computerklub entwickelt und gefördert. Mit der Zeit gab es in der Stadt mehrere deutsche Jugendvereinigungen, von denen einige unabhängig voneinander arbeiteten. Besonders deutlich wurde das während eines Wintersprachprojekts in Rudny. Die Jugend aus Almaty reiste dorthin in drei getrennten Gruppen an, die verschiedene Organisationen vertraten. Jelisaveta, die an dem Projekt als Pädagogin teilnahm und Schauspielunterricht gab, war überrascht: Die jungen Menschen lebten in derselben Stadt, beschäftigten sich mit derselben Sache und interessierten sich für deutsche Kultur, kannten einander aber kaum.

Nach ihrer Rückkehr nach Almaty schlug sie vor, eine Art Tag der offenen Tür durchzuführen. Interessierte konnten ins Kulturzentrum, in den Computerklub oder ins Deutsche Haus kommen, die Teilnehmenden anderer Vereinigungen kennenlernen und mehr über deren Arbeit erfahren. Diese Treffen waren weder verpflichtend noch besonders groß angelegt. Doch nach und nach halfen sie den jungen Menschen, miteinander bekannt zu werden, ins Gespräch zu kommen und sich an gemeinsamen Initiativen zu beteiligen.

Theater in den Jugendlagern

Bis zu ihrer Abreise nach Moskau im Jahr 1999 arbeitete Jelisaveta als Pädagogin in Jugendsprachlagern in Borowoje, Rudny, Bayanaul, Taldyqorghan, Schymkent und Karaganda. Sie leitete Schauspielkurse und half den Teilnehmenden, Hemmungen zu überwinden, kreative Fähigkeiten zu entfalten und den Umgang miteinander zu lernen.

Besonders in Erinnerung blieb ihr das Projekt in Karaganda. Bis zum letzten Moment glaubten viele nicht, dass Jelisaveta wirklich kommen könnte: Zu diesem Zeitpunkt war sie Mutter eines einen Monat alten Babys. Erst als die Jugendlichen sie auf dem Bahnsteig aus dem Zug steigen sahen, waren sie endgültig überzeugt, dass sie tatsächlich mit ihnen arbeiten würde.

In die Theaterlabore kamen ganz unterschiedliche Teilnehmende. Manche waren gehemmt und unsicher, andere nahmen die Bühnenübungen zunächst nicht ernst. Doch nach und nach ließen sie sich auf die Arbeit ein, lernten, Gefühle auszudrücken, und entdeckten neue Fähigkeiten in sich. Später begegnete Jelisaveta einigen Teilnehmenden ihrer Labore unter den Studierenden einer besonderen Aufnahmegruppe an der Theaterhochschule für das Deutsche Theater wieder. In ihrer Berufswahl steckte auch ein Stück ihrer Arbeit.

Das Deutsche Theater in Moskau

1999 ging Jelisaveta nach Moskau, wo sie am Aufbau eines deutschen Theaters auf der Grundlage des von Heinrich Martens gegründeten Deutschen Hauses mitwirkte. In dieser Zeit arbeitete sie eng mit Olga Wideger, heute Martens, zusammen, der ersten Vorsitzenden der deutschen Jugendbewegung Kasachstans. Jelisaveta erinnert sich an Olga als an einen Menschen von erstaunlicher Energie, eine der wichtigsten Initiatorinnen und Impulsgeberinnen der aktiven Jugendarbeit. Gemeinsam setzten sie zahlreiche Projekte um.

Der Aufbau des Theaters verlangte von dem jungen Team Vielseitigkeit. Neben der Schauspielarbeit war Jelisaveta Requisiteurin, Kostümbildnerin und Sprachtrainerin. Außerdem half sie den Schauspielerinnen und Schauspielern, das von der Choreografin einstudierte Tanzprogramm zu üben. Die Aufgaben überschnitten sich oft, denn alle verband ein gemeinsames Ziel. Wie Jelisaveta sich erinnert: „Die Aufgabe war, ein Theater aufzubauen, und wir haben es aufgebaut.“

Die Arbeit ging weit über die Bühne hinaus. Jelisaveta nahm an Seminaren teil, die der Kultur, den Traditionen und Bräuchen der Russlanddeutschen gewidmet waren. Den theoretischen Teil übernahm die Forscherin Schischkina-Fischer, während Jelisaveta half, das kulturelle Material in szenisches Handeln zu übersetzen. Durch das Schauspiel erfuhren die Teilnehmenden nicht nur etwas über Rituale und Traditionen, sondern erlebten sie auf der Bühne. Das Theater wurde so zu einer Form, kulturelle Erinnerung von einer Generation an die nächste weiterzugeben.

Rückkehr nach Almaty

Anfang der 2000er Jahre kehrte Jelisaveta nach Almaty zurück. In die aktive Arbeit im Deutschen Haus fand sie jedoch nicht sofort zurück. Zunächst lebten die deutschen Traditionen vor allem innerhalb der Familie weiter: Feste wurden gefeiert, Bräuche bewahrt, und Jelisaveta versuchte, sie an ihre Kinder weiterzugeben.

Mit der Zeit verstand Jelisaveta, wie wichtig es ihr war, ihrem Kind zu zeigen: Was zu Hause geschieht, sind nicht einfach „Mamas Traditionen“, sondern Teil der Kultur und Geschichte eines ganzen Volkes. Die Suche nach Ostereiern sollte zum Beispiel nicht nur als Familienspiel wahrgenommen werden, sondern als Tradition, die Generationen miteinander verbindet. Dieses Verständnis führte sie erneut ins Deutsche Haus. Jelisaveta wollte, dass Kinder um sich herum Gleichgesinnte sehen und spüren, dass sie zu einer großen Gemeinschaft gehören.

Wenn sie über die Bedeutung des Zusammenschlusses spricht, verwendet sie ein einfaches Bild: Einen einzelnen Zweig kann man leicht zerbrechen, einen ganzen Besen dagegen viel schwerer. So wird auch Kultur widerstandsfähiger, wenn sie nicht von einem einzelnen Menschen, sondern von einer ganzen Gemeinschaft bewahrt wird.

Zu dieser Zeit existierte der Computerklub bereits nicht mehr, am Kulturzentrum gab es kaum noch Jugend, und die Hauptaktivitäten konzentrierten sich im Deutschen Haus. Vorsitzende der Jugendvereinigung war Nadezhda Burluzkaja. Jelisaveta beteiligte sich wieder an kulturellen und kreativen Projekten, und mit ihr kamen auch ihr Sohn und ihre Nichte zu den Veranstaltungen.

Jelisaveta Sohn wuchs mit Begegnungen, Festen und Initiativen auf und wurde später selbst aktiver Teilnehmer der deutschen Jugendbewegung. Auch er begann, an ihren Projekten teilzunehmen. So wurde aus einer Familientradition nach und nach sein eigenes Interesse und seine eigene Erfahrung.

Eine Freundschaft, die die Zeit überdauert hat

Jugendprojekte brachten Dutzende Menschen aus verschiedenen Städten zusammen. Gemeinsam verbrachte Tage machten aus den Teilnehmenden ein echtes Team, und viele Bekanntschaften wurden mit der Zeit zu festen Freundschaften.

Einmal kam Jelisaveta zu einer Veranstaltung nach Astana, die nicht mit der deutschen Bewegung verbunden war. Als die örtlichen Aktiven von ihrer Ankunft erfuhren, holten sie sie aus einem ungemütlichen Wohnheim ab und brachten ihr warme Fäustlinge und eine Mütze. Für Jelisaveta wurde diese Geschichte zu einem von vielen Beispielen dafür, wie Verbindungen, die einst entstanden waren, auch Jahre später weiterlebten.

Heute bleibt sie ihrem Beruf treu und wirkt an unabhängigen kreativen Projekten mit. Auch während ihrer Gastspiele sind immer wieder alte Freunde in ihrer Nähe. In Kokshetau kamen Vertreterinnen und Vertreter des deutschen Zentrums zu ihrer Aufführung, in Astana saßen Olga Stein und ihre Tochter im Publikum, und in Schymkent wurde Jelisaveta von Dmitri Eitner empfangen, dank dem sie auch Turkestan besuchen konnte.

Die Geografie veränderte sich, doch das Gefühl einer großen Familie blieb.

Begegnung nach 30 Jahren

Besonders symbolisch war ein Treffen von Teilnehmenden der Bewegung drei Jahrzehnte später. Die Initiative dazu ging von Anastasia Kamerlokh aus, früher eine aktive Teilnehmerin des Pawlodarer Klubs. Nach ihrem Umzug nach Deutschland kehrte sie wiederholt mit verschiedenen Projekten nach Kasachstan zurück. Später beschloss sie, Jugendaktive zusammenzubringen, die einst an der deutschen Bewegung Kasachstans beteiligt waren und heute in verschiedenen Städten Deutschlands leben.

Auch Jelisaveta folgte der Einladung. Wieder zusammen kamen Olga Martens, Olga Stein, ehemalige Vorsitzende und Aktive der Jugendklubs aus Atyrau, Kostanay, Aqtöbe, Karaganda, Schymkent, Zhezkazgan, Astana und anderen Städten, insgesamt etwa 30 Menschen. In den vergangenen Jahren hatten sie unterschiedliche Berufe gewählt, waren in verschiedene Städte und Länder gezogen, hatten aber das Gefühl der Zusammengehörigkeit bewahrt. Für Jelisaveta liegt genau darin eine der wichtigsten Leistungen der Bewegung, deren Grundlagen bereits 1996 gelegt wurden: Die Projekte halfen nicht nur, Sprache und Kultur zu bewahren, sondern schufen menschliche Verbindungen, die stärker waren als Zeit und Entfernung.

Rückkehr ins Lager nach 30 Jahren

2026 wurde Jelisaveta Vysochina-Flakh Teilnehmerin des Jubiläumssprachlagers Jugendtreff.kaz „Dreißig, Jung sind WIR. Aktiv seit 1996“, das dem 30-jährigen Bestehen des Verbands der deutschen Jugend Kasachstans gewidmet war. Das Projekt brachte junge Deutsche aus verschiedenen Regionen des Landes rund um Sprache, Geschichte, Kultur und Identität zusammen. Für Jelisaveta war es eine besondere Rückkehr: 1996 hatte sie am allerersten Sprachlager in Borowoje teilgenommen, drei Jahrzehnte später kam sie, um ihre Erinnerungen und ihre berufliche Erfahrung mit einer neuen Generation zu teilen.

Im Rahmen des Programms leitete sie ein Theaterlabor. Dessen Inhalt unterschied sich jedoch von den Übungen der ersten Jahre. Früher ging es vor allem darum, die Teilnehmenden lockerer zu machen und schauspielerische Fähigkeiten zu entwickeln. Heute wurde das Theater vor allem zu einem Instrument, um die Sprachbarriere zu überwinden. Dafür wählte Jelisaveta die Technik des Playback-Theaters, ein lebendiges improvisatorisches Format.

Viele junge Menschen verfügen über einen gewissen Wortschatz, haben aber Schwierigkeiten, wenn sie auf Deutsch sprechen sollen: Sie haben Angst vor Fehlern, formulieren den Gedanken zunächst auf Russisch, übersetzen ihn dann und sprechen ihn erst danach aus. Playback verschiebt den Schwerpunkt. Statt der Frage „Spreche ich richtig?“ entsteht für die Teilnehmenden eine andere Aufgabe: Was spiele ich? Wie reagiere ich auf mein Gegenüber? Wie gebe ich eine Situation wieder?

Es gibt keine langen Monologe und kein kompliziertes Auswendiglernen. Man muss handeln und improvisieren, hier und jetzt. Jede und jeder konnte unabhängig vom eigenen Deutschniveau mitmachen. Wenn ein Wort fehlte, konnte der Gedanke einfacher ausgedrückt oder durch eine Geste, eine Emotion oder eine Handlung vermittelt werden. Entscheidend war, nicht stehenzubleiben und keine Angst davor zu haben, zu sprechen.

Für Jelisaveta ist es grundsätzlich wichtig, dass Theater in Sprachprojekten nicht zum „Theater um des Theaters willen“ wird. Es soll helfen, vom passiven Wissen der deutschen Sprache zum lebendigen Sprechen überzugehen und jungen Menschen zu zeigen, dass man auf Deutsch nicht nur Aufgaben erfüllen, sondern auch kommunizieren, spielen, improvisieren und nach und nach denken lernen kann.

Jelisaveta Rückkehr nach 30 Jahren wurde zu einem Symbol der Kontinuität zwischen den Generationen. Einst hatte sie gemeinsam mit anderen Aktiven an der Entstehung der Bewegung mitgewirkt. Heute gibt sie ihre gesammelten Erfahrungen an neue Teilnehmende weiter.

In drei Jahrzehnten haben sich Formate und Arbeitsmethoden verändert. Geblieben ist jedoch das Wichtigste: der Wunsch, junge Menschen rund um die deutsche Sprache, Kultur und gemeinsame Geschichte zusammenzubringen. Für Jelisaveta bleibt das Theater bis heute nicht nur ein Beruf, sondern auch eine Möglichkeit, Menschen zu verbinden, ihre Fähigkeiten freizulegen und ihnen zu helfen, die Verbindung zu ihren Wurzeln zu spüren.

Jelisaveta hofft, dass das Korn, das in diesen Tagen gesät wurde, aufgehen wird. Vielleicht werden die Jugendlichen in den Jugendklubs ihrer Städte weiter Theater spielen, eigene Studios und Inszenierungen schaffen und sich mit der Zeit auf Theaterfestivals wiederbegegnen, wo sie ihr Können zeigen können. Sie wünscht sich, dass diese Arbeit nicht mit dem Ende des Lagers abgeschlossen ist, sondern zu einer großen, lebendigen und gehaltvollen Theaterbewegung heranwächst, die jungen Menschen hilft, Deutsch zu lernen, innere Freiheit zu gewinnen und Vertrauen in die eigenen Kräfte zu entwickeln.

Und die Freundschaft, die in den ersten Sprachlagern und gemeinsamen Projekten entstanden ist, lebt weiter. Gerade diese Kontinuität, gegenseitige Unterstützung und Weitergabe von Erfahrung an die nächsten Generationen sind zu einem der wichtigsten Vermächtnisse der deutschen Jugendbewegung Kasachstans geworden.

Maria Gorbatschowa

Übersetzung: Anton Genza

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