Gestern Teilnehmer, heute Lehrer: Igor Neimans Weg beim Jugendtreff.kaz 2026 Zurück Veröffentlicht in 1. September 202623. September 2026 Für Igor Neiman begann die deutsche Sprache mit einem schulischen Interesse und wurde nach und nach Teil seines beruflichen Lebens. Heute ist er Magister der Fremdsprachenphilologie, Deutschlehrer und Teilnehmer junger Bildungsprojekte. Eine wichtige Etappe war für ihn der Jugendtreff.kaz 2026, wo er erstmals nicht mehr als Teilnehmer, sondern als Lehrer dabei war. Vom Übersetzer zum Lehrer 2020 schloss Igor das Sultan-Baimagambetow-Gymnasium im Dorf Auliekol im Gebiet Kostanay ab. Als er sich an der Kostanay Regional University namens Achmet Baitursynuly einschrieb, wählte er den Studiengang Übersetzungswesen. Für das Unterrichten interessierte er sich damals noch nicht. Während des Studiums wurde seine Begeisterung für die deutsche Sprache jedoch immer stärker. Igor interessierte sich nicht nur für praktische Sprachkenntnisse, sondern auch für die Struktur der Sprache, ihre Besonderheiten und Gesetzmäßigkeiten. Das führte ihn in den Masterstudiengang „Fremdsprachenphilologie“, den er 2026 abschloss. Die Hinwendung zur Pädagogik kam unerwartet. Vor dem zweiten Studienjahr im Master schlug ihm die Sprachkoordinatorin der Gesellschaft der Deutschen, Anna Jakowenko, vor, eine Deutschgruppe zu übernehmen. Igor beschloss, es zu versuchen, und genau diese Erfahrung wurde zum Beginn einer neuen beruflichen Richtung. Die deutsche Sprache: vom schulischen Interesse zum Beruf Deutsch selbstständig zu lernen begann Igor ungefähr in der achten oder neunten Klasse. Später besuchte er Sprachkurse in seinem Heimatdorf, anschließend setzte er das Lernen an der Universität und in den Kursen bei der „Wiedergeburt“ fort. Eine wichtige Erfahrung war die Reise nach Rumänien zu einem internationalen Jugendsprachprojekt für junge Menschen mit deutschen Wurzeln aus den GUS-Staaten und Osteuropa. Später nahm Igor an der Sprachakademie „Mach Mit“ teil, wo er seine Deutschlehrerin Olga Beder kennenlernte. Gemeinsam mit ihr besuchte er später Kurse zur Erhöhung seines Sprachniveaus. Eine weitere wichtige Etappe war die Teilnahme an Jugendtreff.kaz. Zum ersten Mal kam Igor als Teilnehmer zu dem Projekt, als es in Kostanay stattfand. Einige Zeit später kehrte er in einer anderen Rolle zurück, als Lehrer. Die erste Herausforderung Die Arbeit im Jugendlager wurde für Igor zu einer grundsätzlich neuen Erfahrung. Anders als im gewöhnlichen Unterricht reicht es hier für eine Lehrkraft nicht aus, dem Lehrbuch zu folgen: Man muss ständig neue Formate suchen, Aufgaben entwickeln und die Teilnehmenden in den Prozess einbeziehen. Die wichtigste Aufgabe bestand darin, jungen Menschen zu helfen, die Sprachbarriere zu überwinden, keine Angst vor Fehlern zu haben und Deutsch in lebendiger Kommunikation zu verwenden. Unterstützung erhielt er von seinen Kolleginnen Aljona Abdrakhmanowa und Vilimina Herzen, die über mehr pädagogische Erfahrung verfügten. Gemeinsam besprachen sie die Einheiten, teilten Ideen und halfen bei Fragen, die während der Arbeit entstanden. Zugleich merkt Igor an, dass auch er selbst etwas Neues ins Team einbringen konnte. Er ist nicht nur Lehrer Eine Besonderheit seiner Arbeit war der Wunsch, keine starre Distanz zwischen Lehrkraft und Teilnehmenden entstehen zu lassen. Viele Jugendliche kannte Igor bereits aus anderen Jugendprojekten: Mit einigen hatte er früher gelernt, mit anderen an Veranstaltungen teilgenommen. Deshalb war es ihm wichtig, Teil des gemeinsamen Teams zu bleiben, mit der Jugend nicht nur während des Unterrichts im Austausch zu sein und ihre Initiativen zu unterstützen. Das Lager gab ihm auch die Möglichkeit, an anderen Programmbereichen teilzunehmen. Igor besuchte Theater- und Tanzworkshops und nahm außerdem am abschließenden Flashmob teil. Diese Erfahrung zeigte ihm, dass ein modernes Jugendprojekt nicht nur Sprachlernen bedeutet, sondern auch ein Raum für Kreativität, Austausch und gemeinsame Entwicklung ist. Wenn aus Unterricht eine Idee wird Besonders in Erinnerung geblieben ist Igor seine erste Gruppe. Die Teilnehmenden beteiligten sich aktiv an Diskussionen und hatten keine Scheu, eigene Ideen vorzuschlagen. Eine der Einheiten war der Frage gewidmet, ob Werke, die mit künstlicher Intelligenz geschaffen wurden, künstlerischen Wert haben können. Die Diskussion entwickelte sich unerwartet zu einem kreativen Projekt: Die Jugendlichen beschlossen, eine Hymne des Lagers zu schreiben. Für eine Lehrkraft sind gerade solche Momente ein Zeichen dafür, dass etwas gelungen ist: wenn eine Unterrichtseinheit über das Geplante hinausgeht und zu einem Raum für selbstständige Kreativität wird. Eine Erfahrung, die die Zukunft veränderte Zu Beginn des Lagers beantwortete Igor die Frage, ob er noch einmal als Lehrer in einem solchen Format arbeiten möchte, mit Nein. Nach Abschluss des Projekts hatte sich seine Meinung geändert. Die positiven Rückmeldungen der Teilnehmenden und Kolleginnen und Kollegen sowie die Möglichkeit, das Ergebnis der eigenen Arbeit zu sehen, halfen ihm, den Beruf neu zu betrachten. Heute versteht er besser, mit welchen Schwierigkeiten eine Lehrkraft in einem Jugendlager konfrontiert sein kann, und weiß, wie man sich darauf vorbereitet. Vor Beginn von Jugendtreff.kaz 2026 absolvierte Igor außerdem einen fünftägigen Fortbildungskurs für Lehrkräfte am Goethe-Instituts in Almaty. Zuvor hatte er gemeinsam mit Olga Beder sein Deutschniveau an der Zweigstelle des Instituts in München verbessert. Zu seinen nächsten Plänen gehört es, das Deutschniveau C1 zu bestätigen, seine pädagogischen Fähigkeiten weiterzuentwickeln und eigene Unterrichtsmaterialien zu erstellen. Gleichzeitig schließt Igor eine Rückkehr zur Übersetzungstätigkeit nicht aus. Seine Geschichte zeigt, dass ein beruflicher Weg nicht immer durch die erste Wahl bestimmt wird. Manchmal hilft gerade eine unerwartete Herausforderung zu verstehen, in welche Richtung man weitergehen möchte. Für Igor wurde Jugendtreff.kaz zu einer solchen Herausforderung, zu einem Projekt, das ihm den Wechsel von der Rolle des Teilnehmers in die Rolle des Lehrers ermöglichte und ihn einen weiteren Schritt in seiner beruflichen Entwicklung machen ließ. „Der Perfektion sind keine Grenzen gesetzt“ und „Bis zur Unendlichkeit und noch viel weiter“, diese Worte beschreiben seine Haltung zu seinem weiteren Weg sehr treffend. Мария Горбачева Übersetzung: Anton Genza Поделиться ссылкой: