Je farbenfroher das Osterfest ist, desto heller ist das Jahrhundert Veröffentlicht in 27. April 201930. Juli 2020 Jedes Jahr an Ostern kommen die aktiven Mitglieder der Gesellschaft „Wiedergeburt“ Aktobe zusammen, um diesen strahlenden Tag zu feiern. Dieses Mal entschieden die Deutschen, etwas von der Tradition abzuweichen… – Es stellte sich heraus, dass viele nicht zur Veranstaltung kommen können, die gerne kommen würden. Einige feiern Ostern als Gäste bei Bekannten, andere im Kreis der Familie. Deshalb wurde nach Rücksprache entschieden, dass sich unsere aktiven Mitglieder etwas früher treffen. Gleichzeitig wollten wir aber trotzdem an die Bräuche erinnern, – erläutert die Leiterin der Theaterwerkstatt Inna Woloschina. Ostern ist in Deutschland ein hell strahlender Feiertag. Ein unveränderliches Merkmal ist die Bemalung von Ostereiern. Aber in Deutschland sind damit noch einige andere Traditionen verbunden. Meistens sind zur Zeit des Osterfestes noch keine Blätter an den Bäumen. Deshalb haben die Menschen mit der Zeit die Bäume mit verschiedenfarbigen Ostereiern geschmückt. Die Deutschen aus Aktöbe haben auch einen Osterbaum vorbereitet, und den haben sowohl die Kinder als auch die Erwachsenen geschmückt. Nach und nach kamen Bänder, Dinge aus Plastik und Eier dazu, aus denen die rohe Füllung ausgeblasen wurde. Die Besonderheit in diesem Jahr war der Markt der Handwerkskünstler. Elena Ignatowa, ein aktives Mitglied der Gesellschaft, hat eine Woche lang Osterkränze und Osterhasen in Handarbeit gebastelt. – Es ist der Hase, der an Ostern die Eier bringt und sie im Wald oder im Garten versteckt, und am Ostersonntag suchen sie die Kinder. Warum gerade ein Hase? Genau wie das Ei symbolisiert er das Leben und die Fruchtbarkeit. Deshalb ist der Schokoladenhase ein unverzichtbares Geschenk an Ostern zusammen mit den gefärbten Eiern, – erzählt Elena, die Handarbeiterin. Nach dem kleinen Konzert, welches die Mitwirkenden der deutschen Theaterwerkstatt und der Sonntagsschule arrangiert haben, wurde allen, die zu der Veranstaltung gekommen waren, angeboten, selbst ein Osterhäschen anzufertigen. – Außerdem werden an diesem strahlenden Tag üblicherweise Osterkörbe verschenkt, die mit Schokoladeneiern, Osterlämmern, Schäfchen und insbesondere Langohren aus Schokolade gefüllt sind, – führt Inna Woloschina fort über die Traditionen. – Noch ein unverzichtbares Merkmal ist der Osterkranz, der normalerweise an der Haustür aufgehängt wird. Was das Essen betrifft, so kochen die Deutschen bereits am Gründonnerstag Speisen, in denen die Farbe Grün vorherrscht: Suppen aus grünen Kräutern, Speisen aus Kohl und Spinat, Salate. Am Karfreitag wird normalerweise Fisch mit Knödeln und Bouillon gegessen. An Ostern selbst steht normalerweise gebratenes Lamm, Kaninchenfleisch oder Geflügel auf dem Tisch. Natürlich geht es aber auch nicht ohne Milchgebäck: das sind süße Osterkringel, Osterzöpfe und das Osterbrot. Wenn man sich in der orthodoxen Kirche normalerweise gegenseitig mit den Worten „Christus ist auferstanden“ – „Er ist wahrlich auferstanden“ begrüßt, so wünscht man sich in Deutschland ganz einfach gegenseitig „frohe Ostern!“ – „Ein frohes Osterfest!“ Dmitrij Schinarenko Ubersetzung: Philipp Dippl
Frohe Ostern! Veröffentlicht in 27. April 201930. Juli 2020 Farbenfroh und geschmackvoll wurde in Ridder und dem Dorf Berezowka im Kreis Glubokowsk das katholische Osterfest gefeiert, wo sich die Deutschen der gesamten Zweigfiliale der Gesellschaft „Wiedergeburt“ Ridder vereinigt haben. Nach Berezowka sind ebenfalls die Deutschen aus den Dörfern Predgornoje und Progress gekommen, um Ostern zu feiern. Die Vorsitzende der Gesellschaft „Wiedergeburt“ (LNKZ) Ljubow Ignatjewa gratulierte allen Landsleuten zum Osterfest und wünschte ihnen starke Gesundheit, Erfolg Herzlichkeit, Liebe und gute Stimmung, sie drückte allen Teilnehmern des Konzertes und den Zuschauern Worte der Dankbarkeit aus. Die Abgeordnete des Stadtparlaments Ridder und Vorsitzende des Verwaltungsrates der Deutschen im Gebiet Ostkasachstan Galina Gilderman übernahm die Organisation des Kaffeekranzes und die Zusammenstellung von Ostergeschenken für die Kinder. Elena Schkabakowa brachte Konditoreiwaren und Ostereier in einem farbenfrohen Korb zum Fest mit. Mit Worten der Gratulation sprach die Vorsitzende der Vereinigung der Soldatenmütter Ljubow Wilt. Die Kinder schmückten den Osterbaum mit Filzeiern, banden an ihn Seidenbänder, sprachen Wünsche aus und gingen am Ende mit Weidenzweigen zu den Gästen, klatschten und sangen: „Weide, Weide, Weidenzweig! Er schlägt uns bis wir weinen! Krankheit, geh schon in den Wald! Doch Gesundheit, die kann bleiben! – Seid gesund und glücklich, liebe Gäste!“ Es erklangen Osterlieder, das Publikum applaudierte den Interpreten der deutschen Polka und des Tanzes des Ostereis von ganzem Herzen. Strahlend wie immer trat das Ensemble „Edelweiß“ mit der Premiere der Tänze „Die Bekanntschaft“ und dem „Meditativen Tanz“ auf, welche vom landesweiten Seminar der ethnokulturellen Arbeit mitgebracht wurden. Der Höhepunkt des Festes war der Tango von Katarina und Wolodja Knaub. Zum Abschluss der Feierlichkeiten tranken alle Teilnehmer und Gäste Tee und probierten traditionelle deutsche Speisen, die von Marija Dik, Tatjana Feaktistinowa, Nadezhda Bener und Tatjana Kolesnikowa zubereitet wurden. Im Dorfclub in Berezowsk haben die Mitglieder der Zweigstelle der deutschen öffentlichen Vereinigung „Wiedergeburt“ und die Beteiligten der künstlerischen Eigeninitiative eine ebenso farbenfrohe Veranstaltung organisiert. Die ehrenvolle Bürgerin des Kreises Glubokowsk Marija Jakowlewna Pekur kam, um den Dorfbewohnern zu gratulieren: – Ostern, – sagte sie, – ist ein hell strahlendes Fest, welches die Völker verbindet und Liebe verbreitet. Die Künstler (von den Kleinsten bis zu den Veteranen) stellten einige Inszenierungen der Traditionen des deutschen Osterfestes vor. Die Allerkleinsten erzählten von den wichtigsten Ostersymbolen: den gefärbten Eiern und dem Osterhasen. Die deutschen Kinder glauben, dass gerade die Hasen die bunten Eier bringen. Sie kommen in der Nacht angelaufen und verstecken ihre Geschenke, und wer sie zuerst findet, der wird das ganze Jahr lang erfolgreich und reich sein. Die Mitwirkenden der Gruppe „Aquarell“ Gulsum Awischankysa, Aleksandr Gradunow und Wiktorija Frizorge trugen Gedichte auf Deutsch vor. Zusammen mit dem Hasen (Wika Olejnikowa) und dem Küken (Zhenja Semenowa) haben die Jungs und Mädels gespielt, getanzt und den Osterbaum geschmückt, der den paradiesischen Baum des Lebens symbolisiert. Die Ostertafel hat sich vor Speisen und Getränken gebogen, die von den aktiven Mitgliedern der Vereinigung und den Angehörigen des „Frauenclubs“ zubereitet wurden. Kuchen und Süßigkeiten, Ostereier und traditionelles Ostergebäck (Zuckerkuchen oder Streuselkuchen) wurde alles mit Grünzeug und Blumen verziert. Erna Bogomolowa aus dem Dorf Progress bewirtete zuerst alle, und teilte dann mit allen das Rezept für Schnitzelsuppe. – Schnitz, – erläuterte sie, – ist ein kleines Stück Obst, zum Beispiel Apfel. Zuerst muss man einen Brei aus Trockenfrüchten kochen. In die siedende Suppe gibt man mit Hife eines Teelöffels Eierschwemmschen (Spätzle oder Klößchen aus Mehl, Wasser, Eiern, Salz und Trinkwasser). Man lässt dies etwas aufkochen, fügt Salz hinzu, aber der Geschmack sollte süß bleiben. Vor dem Servieren der Suppe fügt man noch Sahne oder Smetana hinzu. Ein Gast der Festlichkeiten, Iwan Andreew, lobte seine Schwiegermutter, die Deutsche war und herrlich kochte: – Seitdem liebe ich die deutsche Küche, – sagt er. – Man sollte glauben, das sind sehr einfache Speisen, aber so lecker und sättigend. Eine lange Zeit lang fielen harte Prüfungen auf die Eltern meiner Frau Larisa. Sie waren gute und fleißige Menschen. Es freut mich sehr, dass ich heute auf dieser Feier sein kann. Erinnerungen und traditionelle Rezepte teilte Irina Burmistrowa (mit dem Mädchennamen Schil) mit den Anwesenden. Das Wissen über die deutsche Küche übernahm sie von ihrer Großmutter Erna Egorowna Popp und ihrer Schwester Olga, die in den Kriegsjahren mit den Familien aus dem Wolgagebiet deportiert wurden. Die einzigartigen kulinarischen Rezepte werden bis heute von Generation zu Generation weitergegeben. Es sind Rezepte eines guten Lebens! Ostern ist wirklich ein besonderer Feiertag. Die Mitwirkenden und Gäste dieser Feierlichkeit spürten hier ganz gewiss herzliche Wärme und Gemütlichkeit. Andrej Kratenko Ubersetzung: Philipp Dippl
Der Startschuss der Veranstaltungen zum Tag der Einheit des Volkes Kasachstans Veröffentlicht in 27. April 201915. Juli 2019 Im städtischen Haus der Freundschaft Semej fanden die Veranstaltungen aus Anlass des Tages der Einheit des Volkes Kasachstans statt. Im aktuellen Jahr wurde das Jahr der Jugend angekündigt, in dessen Zusammenhang mit den jungen Leitern der ethnokulturellen Zentren der Stadt Semej ein runder Tisch organisiert wurde, in dessen Verlauf sich die Teilnehmer und ihre Arbeit gegenseitig kennenlernten und gemeinsame Ideen und Pläne für die nahe Zukunft erörterten. Auf dem Treffen hat Aljona Talanowa, die Leiterin des Vereins „Glück“ zusammen mit dem aktiven Mitglied Wlad Rekk den Versammelten von den Tätigkeiten der Jugend der öffentlichen Vereinigung der Deutschen „Wiedergeburt“ erzählt. Weiterhin fand in der Aula ein Festkonzert statt, an dem die künstlerischen Kollektive der ethnokulturellen Zentren der Stadt teilnahmen. Von der deutschen Gesellschaft nahm die jüngste Gruppe des Ensembles „Einheit“ mit dem Tanz „Lustiges Aufräumen“ teil. Die Konzertteilehmer aller Altersstufen erfreuten die Zuschauer mit ihren Nummern und versetzten sie in eine warme Fühjahrsstimmung. Der 1. Mai ist der Feiertag der Einheit des Volkes Kasachstans, und es spielt keine Rolle, welche Nationalität oder welchen Glauben wir haben, wir leben nämlich in einem Land in Frieden, Einheit und Harmonie zusammen. Erinnern wir uns daran, schätzen und respektieren wir uns gegenseitig! Alles Gute zum Feiertag! Marija Gorbatschjowa Ubersetzung: Philipp Dippl
Die Gegenstände begannen zu erzählen. Die Traditionen deutscher Hochzeiten in Kasachstan Veröffentlicht in 27. April 201928. Juni 2020 Im virtuellen Museum der Deutschen Kasachstans sind in einer gemeinsamen Kollektion Objekte deutscher Hochzeitsrituale aus Ost-, Nord- und Zentralkasachstan vereint. Die charakteristischen Gegenstände der deutschen Hochzeiten werden aus den Beständen dreier Museen präsentiert: dem Architektur- und ethnografischen musealen Landschafts- und Naturpark des Gebietes Ostkasachstan (Stadt Ust-Kamenogorsk), dem Museum der Geschichte des oberen Tobol (Stadt Lisagowsk) und dem Museum der Geschichte der Deutschen des Gebietes Karaganda (Gebietsgesellschaft der Deutschen „Wiedergeburt“, Stadt Karaganda). Die Exponate betreffen die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts. Echte Bewunderung rufen heute die Hochzeitskränze der Museumskollektionen hervor. Aus Paraffinwachs oder transparentem Stoff, aus Papier und Draht wurden sie von Hand für jede Braut gefertigt. Eine Handwerksmeisterin aus Karaganda hat aus Fischschuppen und Silberfolie einen Kranz für die „silberne“ Hochzeit hergestellt, die im Gebiet Ostkasachstan stattfand. Aus goldener Folie wurde ein Kranz für eine „goldene“ Hochzeit gemacht, welche in den 1980er Jahren im Gebiet Kustanaj gefeiert wurde. Der Bräutigam auf einer deutschen Hochzeit trug ebenfalls Schmuck, der im gleichen Stil wie der Brautkranz ausgeführt war. Dieser Schmuck stellte eine Blumenkomposition in Miniatur mit Bändern dar, die am linken Revers des Jacketts befestigt wurde. Es gab die Tradition, Brustschmuck auch für die Freunde zu verwenden, die den Bräutigam und die Braut während der Hochzeit begleiteten. Der Hochzeitskranz und der Schmuck für den Bräutigam wurden nach der Hochzeit in einer hübsch gestalteten Schachtel oder einem Etui gelegt und viele Jahre lang aufgehoben. Der Moment, wenn die Braut den Hochzeitskranz ablegte, war einer der Schlüsselmomente im deutschen Hochzeitsritus, das geschah um Mitternacht, begleitet von Liedern und Gebeten. Nach dem Abnehmen des Kranzes wurde der Braut ein Kopftuch angelegt, um ihren Eintritt in den neuen Status als Ehefrau und Mutter zu symbolisieren. Es ist ein großes Glück, dass in den Museumsbeständen Brautkleider aus den 1950er und 1960er Jahren erhalten blieben. Viele derer, die wir im Verlauf der ethnografischen Expeditionen durch das Gebiet Kostanaj treffen konnten, haben sich erinnert, dass aus Mangel finanziellen Mitteln, insbesondere in den 1950er Jahren, dass Brautpaare am Hochzeitstag nicht speziell angefertigte Kleider getragen haben, sondern ganz einfach die beste Kleidung, die sie gerade hatten. Die stürmischen Ereignisse des 20. Jahrhunderts, die Politik und Ideologie des sowjetischen Staates, die schweren Jahre des Krieges und der Deportation, die ethnokulturellen Traditionen der benachbarten Völker haben zweifellos Einfluss auf die Familienrituale der kasachstanischen Deutschen ausgeübt. Julija Budanowa, stellvertretende Direktorin der wissenschaftlichen Arbeit des Kultur- und Geschichtsmuseums des oberen Tobol in Lisakwosk Ubersetzung: Philipp Dippl
Das virtuelle Museum der Deutschen der Republik Kasachstan Veröffentlicht in 27. April 201930. Juli 2020 Zu einem Fixpunkt bei der Erstellung des virtuellen Museums der Deutschen Kasachstans wurde das Projekt „Ethnokulturelle Expedition zur Suche und Erfassung von Informationen, Erstellung eines Registers, Bildung und Systematisierung eines Kataloges deutscher Museumskollektionen/-Exponate in Kasachstan“. Ein derartiges Projekt findet zum ersten Mal in der Republik statt. Die Organisation führt die öffentliche Stiftung „Kasachstanische Vereinigung der Deutschen „Wiedergeburt“ mit Unterstützung durch die Bundesregierung Deutschland durch. In der der ersten Etappe wurde eine Arbeitsgruppe gebildet und wissenschaftliche Mitarbeiter herangezogen, Historiker, Heimatforscher und Museumskuratoren. Sie hatten die mühsame Arbeit, das Register der deutschen Kollektionen in den Museen der Republik zusammenzustellen. Im Laufe des Jahres 2018 haben Spezialexpeditionen unter der Leitung von K. I. N. Julija Podoprigora die Suche und Zusammenstellung des Materials in den öffentlichen und staatlichen Museen des ganzen Landes durchgeführt. Sie besuchten 15 Orte in der Republik Kasachstan, unter denen sich Städte wie Pawlodar (Dörfer Uspenka, Rosowka), Semej (Kreis Beskaragajsk), Kostanaj, Lisakowsk, Ust-Kamenogorsk (Kreis Borodulichinsk, Dorf Schemonajch), Taraz und Almaty (Gebiet Almaty) befanden. Von den Spezialisten wurden mehr als 2000 Fotografien von Objekten der materiellen und immateriellen Kultur der kasachstanischen Deutschen gemacht und ausgewertet. Im darauffolgenden Stadium wurden alle Exponate erforscht, mit einer wissenschaftlichen Beschreibung versehen und systematisch katalogisiert. Man muss dazu bemerken, dass die Auswahl noch nicht abgeschlossen ist, der Staffellauf der kulturell-ethischen Gesellschaft der Deutschen „Wiedergeburt“ der Stadt Almaty ist im deutschen Kulturzentrum des Gebietes Kostanaj angekommen. Nun startete eine neue Etappe: die Präsentation der interessantesten Exponate der Museen in einem virtuellen Raum. Ein Teil der Kollektion wird den aufmerksamen Besuchern auf der Seite wiedergeburt.asia präsentiert; die restlichen Artefakte mit Beschreibung wurden auf die Accounts des Virtuellen Museums in den sozialen Netzwerken auf Facebook und Instagram gestellt. Hier wollten die Mitwirkenden des Projektes eine tiefere und mehr konkrete Präsentation der einmaligen Kollektion erreichen. Mit diesem Ziel haben die Mitarbeiterinnen Julija Budanowa und Tamara Wolkowa eine Reihe von Artikeln vorbereitet. Sie bringen den Lesern nicht nur die einzelnen Exponate näher, sondern auch die Kultur, die Bräuche und die Traditionen der Deutschen Kasachstans. Es kann sein, dass man beim Betrachten einem unbekannte Objekte entdeckt, und plötzlich taucht wieder etwas aus den Tiefen der Erinnerung auf. Es ist erstaunlich, zu beobachten, wie manchmal alltägliche, vertraute Dinge für uns zu historischen Raritäten werden. Allerdings muss man in der Lage sein, die entschwindende Vergangenheit festzuhalten, aus welcher, wie man weiß, die Zukunft erwächst. Ubersetzung: Philipp Dippl
Die Energie der Einheit – in einer gemeinsamen Sache Veröffentlicht in 27. April 201915. Juli 2019 Im Palast des Friedens und der Eintracht in der Hauptstadt fand am 29. April die Konferenz der 17. Sitzungsperiode der Volksversammlung Kasachstans „Die Formel des Friedens und der Eintracht: Einheit und Modernisierung“ statt. An der Arbeit der Sitzung nahmen mehr als eineinhalb tausend Menschen teil, darunter Mitglieder der Volksversammlung Kasachstans, die Vorsitzenden der ethnokulturellen Vereinigungen, die Leiter der politischen Parteien und der Religionskonfessionen, sowie die Repräsentanten der wissenschaftlichen und künstlerischen Intelligenz. Im Saal befanden sich Gäste aus Russland, der Türkei, Kirgistan und Deutschland. Unser Korrespondent Walerij Schewalje wandte sich mit der Bitte, seine ersten Eindrücke von der Arbeit der Sitzung der Volksversammlung Kasachstans mit uns zu teilen, an Albert Rau, den Vorsitzenden des Verwaltungsrates der öffentlichen Stiftung „Wiedergeburt“. Unser Elbasy, Nursultan Abischewitsch Nasarbajew, der die Sitzung eröffnete, betonte, dass er zum ersten Mal in einer neuen Funktion vor den Delegierten spricht. Wie bekannt ist, hat er vor kurzem den Posten des Präsidenten des Landes übergeben, wobei er die Leitung der führenden Partei „Nur Otan“, den Posten des Vorsitzenden des Sicherheitsrates des Landes sowie des Vorsitzenden der Volksversammlung behielt. Dies wurde getan, um die wichtigste Aufgabe des Landes zu lösen – eine sanfte Übergabe der höchsten Macht und den Erhalt des Friedens und der Sicherheit im Land. Heute durchleben dutzende Länder und Regionen in der Welt innere Konflikte aufgrund nationaler Zwietracht. Dadurch, dass er die wichtigsten und empfindlichsten Fäden der Kontrolle des Landes in der Hand hält, ist der Elbasy zuversichtlich im Erreichen der höchsten Ziele. Was die Rolle unserer Ethnie in der Entwicklung Kasachstans in allen Lebensspären betrifft, so wurde in der Ansprache Nursultan Nasarbajews die Aufgabe der effektiveren Nutzung der verwandtschaftlichen Verbindungen unserer Geschäftsmänner in der internationalen Zusammenarbeit klar benannt. In erster Linie betrifft dies die deutsche und die koreanische Ethnie. Darin liegt nichts widerrechtliches oder unethisches. Die öffentliche Bewegung „Wiedergeburt“ betreibt nämlich in den gesamten dreißig Jahren ihrer Arbeit in Kasachstan den Aufbau genau solcher Beziehungen. Der stellvertretende Vorsitzende des Verwaltungsrates der öffentlichen Stiftung „Wiedergeburt“ Ewgenij Bolgert ist Mitglied des Kaders des kasachisch-deutschen Wirtschaftsrates und stellvertretender Vorsitzender der nationalen Kammer der Unternehmer der Republik Kasachstan, was ihn maximal an die Erfüllung der Aufgabe des Elbasy annähert. Vor der eigentlichen Eröffnung der Sitzung der Volksversammlung Kasachstans haben wir, die Repräsentanten der deutschen Ethnie und unsere Landsleute aus Deutschland, ein entsprechendes Memorandum über die Zusammenarbeit zwischen der öffentlichen Stiftung „Wiedergeburt“ und der internationalen Organisation für Regionalentwicklung, dessen Vorsitzender Heinrich Zertik ist, unterschrieben. Von deutscher Seite aus sind bedeutende Geschäftsmänner Mitglied der Stiftung, hauptsächlich Leute, die aus unserem Land weggingen. Wir können also sagen, dass wir zu den zehn aktuellsten Ereignisse gehören. Man muss ebenso anmerken, dass seit Juni des laufenden Jahres in der öffentlichen Stiftung „Wiedergeburt“ die Arbeit eines Spezialisten zum Aufbau dieser Beziehungen und zur Suche und Förderung gemeinsamer deutsch-kasachischer Projekte in der Wirtschaft, Kultur und anderen Ebenen des Lebens unserer Länder begonnen hat. Ubersetzung: Philipp Dippl
Lilija Langanz: „Die deutsche Akribie lässt mir keine Ruhe“ Veröffentlicht in 27. April 201928. Juni 2020 – Lilija, sie sind die erfolgreiche Leiterin der Hochschule für Buchhaltung. Erzählen Sie bitte ein bisschen über sich. – Meine berufliche Karriere begann in der Abteilung der Buchhaltung in der Hochschule der Miliz (heute Polizeiakademie), wo ich drei Jahre lang arbeitete. Ich habe, so wie alle, als „Laufmädchen“ angefangen – gib, bring her, trage weg; anschließend haben sie mir die Kasse anvertraut. In der Position als buchhalterische Kassenwärtin habe ich ziemlich lange gearbeitet. Anschließend bin ich schrittweise auf eine neue Stufe vorgerückt, bin durch alle Abteilungen gegangen, wuchs zur stellvertretenden Hauptbuchhalterin heran. Ich habe dann verstanden, dass ich weiter möchte und habe mit der Hilfe von Kollegen eine neue Arbeit gefunden, bereits als Hauptbuchhalterin. Während ich nach dem Prinzip: „lerne aus den Fehlern der anderen“, gearbeitet habe, habe ich praktische Fähigkeiten erlangt, dank derer ich anschließend in der Abteilung Personal, Juristen, Programmierer und Buchhalter im eigenen Unternehmen einsparen konnte. Noch eine andere Belehrung der Älteren war die Redewendung: „Kümmere dich von jung auf um deine Ehre“. Ich habe immer ehrlich gearbeitet, ich habe mit Millionen hantiert und nie auch nur eine überschüssige Kopeke vom Arbeitgeber genommen. Von siebzehn Arbeitsstellen, die ich im Laufe meiner Erwerbstätigkeit inne hatte, sind dreizehn Direktoren direkt nach der Eröffnung meines Geschäfts für Dienstleistungen zu mir gekommen. Meine Familie lebte im Dorf Burundaj. Die Mutter hat in einer Zuckerfabrik gearbeitet, in dessen Wohnheim wir lebten. In einem Zimmerchen in diesem Gebäude befand sich die Buchhaltung. Dort gab es eine alte, morsche Tür, die ein kleines bisschen Abstand, so dass ein kleines, dünnes Kind, so wie ich, sich dünn machen und in den Lagerraum der Buchhaltungsunterlagen hindurchkriechen konnte. Ich erinnere mich, wie ich mit roter Farbe in die Archive eingedrungen bin und dort irgendwelche Sachen korrigiert haben. Auf diese Weise, ohne überhaupt genau zu wissen, was Buchhaltung, oder gar Business ist, habe ich verstanden, dass ich mein Leben den Zahlen widmen wollte. Jetzt, als fast 46-jährige Dame, verstehe ich, wie glücklich ich bin! Ich habe keine Zeit dazu aufgebracht, mich selbst und meinen Beruf zu finden, ich wusste konkret, was ich will, bin zielstrebig einem Plan gefolgt, habe studiert, schrittweise die Karriere aufgebaut, mir von Jahr zu Jahr neue Ziele auf meinem Weg gesetzt, sie erreicht und meine Erfahrung gesteigert. Als ich verstanden habe, dass ich bereit war, ins offene Meer zu schwimmen und nicht mehr „für den Onkel arbeiten“ wollte, habe ich eines Tages einfach allen Auf Wiedersehen gesagt und bin in die Welt des privaten Unternehmertums aufgebrochen. – Mit welcher Ausbildung sind Sie in die Geschäftswelt eingestiegen? – Zu Zeiten der Sowjetunion gab es einige Arten von Bildungseinrichtungen: Fachschulen, technische Hochschulen, Institute. Ich ging auf eine staatliche Einrichtung, die zur Kategorie der Fachschulen gehörte, allerdings den Namen „Hochschule für Buchhaltung“ trug. Nach drei Jahren schloss ich die Ausbildung mit Bestnoten ab und erhielt im Mai 1995 das rote Diplom in der Fachrichtung „Buchhaltung kommerzieller Organisationen“. Ich habe lange ohne höhere Ausbildung gearbeitet, aber die modernen Tendenzen und Trends haben ihre eigenen Regeln diktiert. Die Arbeitgeber haben es wie eine Losung wiederholt: „Der Besitz einer höheren Ausbildung der Arbeitnehmer ist obligatorisch“. Also ging ich im Jahr 2004 an die KazGU, wo ich den wohlverdienten Titel des Bachelor-Abschlusses erhielt. Lilija Langanz lässt sich von den Erfolgen nicht aufhalten, jedes Jahr bildet sie sich durch das absolvieren thematischer Kurse und Fortbildungsseminare im Zusammenhang mit der Einführung von Gesetzesänderungen usw. fort. Die beruflichen Qualitäten unserer Landesgenossin erlaubten es ihr, ihre Arbeit in den schweren Jahren gleich mit diversen Organisationen zu verbinden. Um das alles zu schaffen half ihr das höchstpersönlich erstelltes, einzigartiges Buchhaltungssystem, welches es Lilija erlaubte, den Zeitaufwand im Arbeitsprozess zu minimieren. Auf die Frage, wie sich ihr Geschäft entwickelt, antwortet Lilija so: – Ich betreibe mein eigenes Geschäft bereits seit 11 Jahren. Der Grundstein wurde im Jahr 2008 auf puren Enthusiasmus gelegt: Ich hatte 50.000 Tenge und all das bis dahin angesammelte Wissen und die Arbeitserfahrung mit Unternehmern. Die Jahre der produktiven Arbeit erlaubten es mir, die notwendige Summe für die erste Rate zum Kauf von Büroräumen aufzubringen, man kann sagen, die Räumlichkeiten meiner Träume. Und alles hat, so wie bei allen, von daheim angefangen. Auch der Staat unterstützte mein Geschäft. Ich habe einen günstigen Kredit im Programm zur Unterstützung von kleinen und mittleren Unternehmen von der Stiftung zur Entwicklung des Unternehmertums DAMU erhalten. So wurde am 22. März des laufenden Jahres mein eigenes Büro eröffnet. – Zeigen sich Ihre deutschen Wurzeln in Ihrer Arbeit? – Akribie, Pünktlichkeit und hohe Ansprüche! Sogar meine Schüler leiden darunter, noch mehr fällt es mir manchmal mit mir selbst schwer. Meine mathematische Denkweise und der Perfektionismus lässt mich nicht schlafen, wenn irgend ein Zettel nicht an seinem Platz liegt. Allerdings zieht gerade das Klienten an, viele kommen wegen unserem systematischen Ansatz und der besonderen Genauigkeit bei der Vorbereitung von Dokumenten zur Archivierung. Dank des von mir aufgebauten Systems haben wir bis heute elf Steuerprüfungen bestanden, durch welche keinerlei Beanstandungen, geschweige denn Strafen entstanden sind. Die Eltern von Lilija Langanz sind Deutsche. An den Vater und die Großeltern kann sich die kleine Lilija nicht erinnern, einzig bekannt ist, dass sie aus Odessa nach Kasachstan kamen. Die Vorfahren der mütterlichen Linie betreffend: Lilija erforschte zusammen mit ihrer Mutter den Stammbaum bis zur siebten Generation. Wie sich herausstellte, lebten die Verwandten zu Zeiten von Katharina II. Rund 30 Kilometer von Odessa entfernt, dort gab es das deutsche Dorf Elsass. Zu Beginn des zweiten Weltkrieges wurden sie nach Deutschland geschickt, wo sie bis 1949 lebten, dann versammelten sich die Familien von drei Brüdern, um zu entscheiden, wohin es weitergeht: einer ging nach Amerika, der zweite entschied sich dazu, in Deutschland zu bleiben, und der dritte, der Urgroßvater von Lilija, kam nach Kasachstan, in das kleine Dorf Burundaj im Gebiet Almaty. Bis zum Jahr 1954 lebten sie hier unter der Kommandatur. In den 1990er Jahren kehrte der größte Teil der Verwandtschaft nach Deutschland zurück, die zukünftige Geschäftsfrau und ihre Mutter entschieden allerdings, hier in Kasachstan zu bleiben, was für die Familie Langanz zur echten Heimat wurde: „Nachdem ich in Russland, Deutschland und anderen Ländern war, habe ich verstanden, dass gerade Kasachstan meine Heimat ist, und ich habe mich dazu entschieden, Kasachisch zu lernen!“ Interview: Anastasija Koroljewa Ubersetzung: Philipp Dippl
Wie ein ehemaliges Heimkind sozialer Unternehmer wurde Veröffentlicht in 27. April 201930. Juli 2020 Noch vor einem Jahr konnte sich der Unternehmer Gennadij Frank aus Uralsk nicht vorstellen, dass er einmal der Leiter der deutschen Gesellschaft des Gebietes Nordkasachstan sein würde. Jetzt ist alles anders – mehr als tausend Deutsche erwarten das Handeln des neuen Vorsitzenden, und der seinerseits versucht, sie nicht zu enttäuschen. Eine Folge der Umstände Die Vorfahren Genadijs waren Wolgadeutsche, welche in den Kreis Altai deportiert wurden. Bereits nach 1956 ging der Großvater mit der Großmutter nach Pawlodar, für den Bau eines Getreidekombinates. Nur wenig später gingen einige aus der Familie Frank nach Uralsk. Hier wurde im Jahr 1971 Genadij geboren. Im Alter von sieben Jahren landete der Junge im Kinderheim… Es war eine Vorsehung Nach dem Kinderheim ging der junge Mann auf die technische Berufsschule Samara. Nachdem er seine Berufsausbildung abgeschlossen hatte, diente Gennadij in der Armee. Anschließend ging er zurück in seine Heimatstadt, wo ihn unangenehme Neuigkeiten erwarteten: Die Wohnung der Eltern wurde in den Wohnraumbestand überführt. Im Akimat von Uralsk riet man ihm, sich an das Gericht zu wenden. Der junge Mann überstürzte nichts und entschied sich dazu, alles gründlich zu aufzuklären. Genadij ging an die Universität, trat in die juristische Fakultät ein, und schon im dritten Studienjahr reichte er eine Klage im Akimat ein. Er gewann die Sache. – Das war so etwas wie ein Zeichen. Die juristischen Kenntnisse helfen mir bis heute. Alles,w as ich jetzt kann, habe ich dank meines Fachgebietes, – sagt mein Gesprächspartner. Gennadij begann mit dem dritten Studienjahr als Rechtanwaltsgehilfe in der Nationalkammer zu arbeiten. – Es gab eine Schweißerei, in der einige Heimkinder arbeiteten. Später baten mich einige Gruppenkameraden um Hilfe bei der Dokumentation eines Individualunternehmens. Dort habe ich unternehmerische Erfahrung gesammelt. Im Jahr 2010 wandte sich die Leitung des Kinderhauses mit der Bitte an den diplomierten Spezialisten, Arbeitsplätze für Abgänger zu organisieren. Genau dies war der erste Schritt in das soziale Unternehmertum. Mit dem eigenen Beispiel Im Jahr 2013 kam Gennadij Frank an die Spitze des nordkasachstanischen Verbandes der Abgänger der Kinderheime und Schulinternate „Nur“. Kurz darauf entstand auf Grundlage des Verbandes das soziale Unternehmen „Schanyrak“. Die Hauptaufgabe ist, eine Berufsausbildung für die Abgänger aus Kinderheimen zu organisieren. Heute ist die TOO „Soziales Unternehmen „Schanyrak“ eine fachliche Basis, in der die Abgänger von Kinderheimen, Schulinternaten und auch Waisen, die ohne die Fürsorge ihrer Eltern zurückgeblieben sind, eine praktische Ausbildung in der Produktion absolvieren, Geld verdienen, Erfahrung und Arbeitspraxis, aber auch kaufmännische Fähigkeiten erwerben. – Wenn wir eine geschäftliche Initiative unterstützen, beginnen wir, zu verstehen, dass wir ein Gründerzentrum brauchen, in dem gezeigt wird, wie man arbeitet und Geld verdient. Wir haben eine Werkstatt eröffnet, in der die Abgänger der Kinderheime nach ihrer Ausbildung Arbeitswerkzeuge erhielten und bereits vorbereitete Dienstleistungen auf den Markt brachten.Wir haben eine beeindruckende Geschichte der sozialen Unternehmen – noch aus den Zeiten der Sowjetunion. Das grundlegende Ziel ist nicht der Verdienst, obwohl es eine kommerzielle Organisation ist. Mit der Arbeit lösen wir soziale Probleme, – betont Gennadij Arturowitsch. In den Jahren der Arbeit von „Schanyrak“ lernten mehr als einhundert Heimkinder und problematische Jugendliche. Praktisch alle von ihnen sind beschäftigt. Vielmehr haben einige sogar ein eigenes Geschäft eröffnet: – Wir sind keine gemeinnützige Organisation. Wir haben nicht das Ziel, die Alltagsprobleme der Jungs und Mädels zu lösen. Die Aufgabe ist, ihre unternehmerischen Initiativen zu unterstützen. Übermäßige Behütung führt zu Abhängigkeit, das brauchen wir nicht. Wir haben von Anfang an eine Geschäftsbeziehung – wir geben Wissen, die notwendigen Instrumente, weiter entwickeln sie sich selbstständig. Allerdings schafft es Gennadij Arturowitsch, alle Projekte seiner „Küken“ mitzuverfolgen. Immer gibt er irgendwo Tipps, leitet an, versucht es so zu machen, dass die Abgänger der Kinderheime weniger Fehler begehen. In „Schanyrak“ arbeitet alles präzise: es gibt eine Schule für die Berufsausbildung (eine Unternehmerschule und eine produktionspraktische Ausbildung zur Berufsspezialisierung). Es gibt die eigene Personalagentur „Arbeitsmarkt“, welche die Arbeitsvermittlung von angelernten Jugendlichen fördert, die Praktika und Arbeitserfahrungen gesammelt haben. Seinen Gewinn erhält das soziale Unternehmen aus der Produktion von Schmiede-, Karosserie-, Nähwerkstätten und Schweißereien. Mit Fürsorge für die Kinder In letzter Zeit hat sich die Richtgröße der Aktivitäten von „Schanyrak“ leicht verändert. Alle Werkstätten und Stützpunkte wurden in die Treuhand der Abgänger von Kinderheimen gegeben. Unter den „Fittichen“ von Gennadij Frank bleibt ein Schulungs- und Produktionskombinat, in dem unter anderem auch selbstständigen Bewohner von Uralsk über die Geschäftswelt unterrichtet werden. – Wir haben eine Nähwerkstatt zur Herstellung von weichen Spielmodulen eröffnet und angefangen, die Produkte unter der Handelsmarke „Balalar Kids“ herauszubringen. Das ist unsere Idee, die wir umgesetzt haben. Wir bieten Kinder-, Sport und Therapieutensilien aus eigener Produktion für Spielzimmer und Sensorikräume von Kindergärten, Sportstätten , Rehabilitations- und Unterhaltungszentren an. Wiederum stellen wir die Beschäftigung von Abgängern der Kinderheime sicher, – erläutert der Unternehmer. In kurzer Zeit verliebten sich die Kasachstaner in die Spielzeuge, Baukasten und Kinderzimmer aus der Uralsker Produktion. Die qualitativ hochwertige Ware ist in neun Regionen der Republik zu finden. Dem Ruf des Herzens folgend Soziales Unternehmertum ist nicht die Hauptarbeit von Gennadij Arturowitsch. Schon seit einigen Jahren arbeitet er in einem Großunternehmen. Vor der gesellschaftlichen Belastung schreckt Frank nicht zurück, er ist es gewohnt, anderen zu helfen. Vor einigen Monaten wurde dem aktiven Unternehmer aus Uralsk angeboten, die deutsche Gesellschaft „Heimat“ wachzurütteln. Er dachte kurz nach und stimmte zu: – Es war irgend ein inneres, unerklärliches Gefühl. Vielleicht der Ruf des Herzens. Der neue Vorsitzende hat viele Pläne. Einige von ihnen hat er mit uns geteilt. – Im sozialen Unternehmertum sind die Deutschen führend in Europa. Also warum sollten wir nicht ihre Erfahrung übernehmen? Wir treiben aktiv den Einsatz der deutschen Sprache voran. Dies ist nicht nur für die junge Generation wichtig, sondern ebenso für ältere Menschen, so ist doch die Kenntnis der Muttersprache ein Zeichen des Respekts an die eigenen Vorfahren. Wir wollen eine Sonntagsschule aufbauen, in der wir ein Kindertheater gründen. Wir ziehen aktiv die Jugend an, wir haben jetzt ideenreiche Jungs und Mädels, die sich nicht davor fürchten, ihre Ideen umzusetzen. Insgesamt gibt es viel Arbeit. Wir schaffen das. Denn hier ist das wichtigste, die Ziele und Aufgaben zu benennen und sie konsequent zu verfolgen, – fasst Gennadij Frank zusammen. Dmitrij Schinkarenko Ubersetzung: Philipp Dippl
Dort ist es gut, wo wir sind Veröffentlicht in 27. April 201928. Juni 2020 Wir fahren fort mit dem Zyklus von Materialien, die sich dem 30. Jubiläum der Nationalbewegung der Deutschen „Wiedergeburt“ widmen. Heute beantwortet die Fragen der Redaktion der Vorsitzende der Gesellschaft der Deutschen „Wiedergeburt“ in Zhambyl, Aleksandr Gibner. – Aleksandr Abramowitsch, in diesem Jahr feiert die Selbstorganisation der Deutschen ihr 30. Jubiläum seit dem Tag ihrer Entstehung, welche Meilensteine sind ihnen ganz besonders im Gedächtnis geblieben? – Diese Geschichte begann im Jahr 1989. Zu dieser Zeit war ich noch ein junger und unerfahrener Direktor einer Mittelschule, als ich das betriebseigene Bezirgskommittee der Partei der Stadt Dzhambul gerufen wurde. Die Einberufung in das Bezirkskommittee, sogar die persönliche, versprach nichts Gutes, und ich ging mit beunruhigenden Gedanken dorthin: „Was wird mir der kommende Tag bringen?“ Deshalb hat mich das Angebot der dritten Sekretärin des Gebietskommittees Raisa Kastaewna Edygenowa, als Initiator der Gründung der Gesellschaft der Deutschen aufzutreten, sehr überrascht. Ich habe das Angebot abgelehnt, aber ich habe mit der Nationalbewegung zusammengearbeitet, umso mehr, da wir in der Schule Klassen mit Intensivkursen Deutsch gegründet haben. Nach einiger Zeit verstand ich, dass die Arbeit der Gesellschaft der Deutschen in erster Linie auf die Werbung und die Ausstellung von Dokumenten zur Ausreise nach Deutschland zur dauerhaften Niederlassung ausgerichtet war. Diese Aufgabenverteilung war mir nicht recht, ich wollte mein Leben hier in Kasachstan organisieren, und ich hoffte auf einen Entwicklungsprozess der Sprache, der Kultur und des Selbstbewusstseins, aber das trat nicht ein. Die Entscheidung, aus dem Kader der Gesellschaft auszutreten, war nur diesem Umstand zuzurechnen. Ewald Fedorowitsch Trejze hat mich wieder zu „Wiedergeburt“ zurückgebracht. Unsere Absichten und Interessen fielen zusammen. Wir haben begonnen, uns mit der Sprache und der Kultur zu beschäftigen. Es entstanden künstlerische Kollektive in den Kreisen, Festivals wurden veranstaltet… Seitdem bin ich ständiges Mitglied der Gesellschaft, ihr Vizepräsident, und seit 2010 ihr Präsident. – Welche der angedeuteten Ziele wurden Ihrer Meinung nach erreicht, und vor welche Probleme stellt das moderne Leben „Wiedergeburt“? – In der ganzen Zeit wurde viel erreicht. Die Selbstorganisation der Deutschen Kasachstans entwickelte sich zu einer leistungsstarken und bedeutenden Vereinigung. Die Veranstaltungen, die von der Gesellschaft organisiert wurden, wurden zur Gewohnheit. Bei uns im Gebiet entstand das Kunstmuseum L. M. Brjummer. Im Heimatkundemuseum wurden die Ausstellungen „Ich erinnere mich an alles…“ (über Anne German) und „Die Deutschen im Gebiet Zhambyl“ eröffnet. Viele Deutsche haben Dank „Wiedergeburt“ die Muttersprache erlernt und die Kultur der deutshcen Ethnie kennengelernt. Kurz gesagt, wir fühlen uns wie Deutsche. Die Jugend bekam die Möglichkeit, in Deutschland zu studieren. Der älteren Generation helfen wir mit Lebensmitteln und Medikamenten. Für viele bedeutet dies enorm viel. – Wie sehen Sie die Zukunft der öffentlichen Stiftung „Wiedergeburt“ und der deutschen Ethnie in Kasachstan? – Die Migration ist natürlich nicht aufzuhalten. Aber wir sollten alles dafür tun, damit wir hier in Kasachstan gut und komfortabel leben können. Man muss für die Menschen solche Bedingungen schaffen, damit sie sich nicht fremd fühlen. Und dafür ist es notwendig, die Arbeit zum Erlernen der Muttersprache, der Geschichte und der Kultur der kasachstanischen Deutschen fortzuführen. Man muss den Deutschen helfen, damit sie ihre Nische in der Wirtschaft, der Wissenschaft und Kultur des Landes besetzen und ihre Fähigkeiten verwirklichen können. Viele unserer Projekte sind auf das Erreichen dieser Ziele ausgerichtet. Und dann sagen die Leute nicht „Dort ist es gut, wo wir nicht sind“, sondern „Dort ist es gut, wo wir sind“. Interview: Olesja Klimenko Übersetzung: Philipp Dippl
Wie heißt das auf Deutsch? Veröffentlicht in 25. April 201930. Juli 2020 Reiche Erfahrung in der Spracharbeit sammelte das deutsche Zentrum „Wiedergeburt“ Ostkasachstan (Stadt Ridder). Zu den effektivsten Praktiken gehören moderne Kommunikationstechnologien und volkstümliche Feiertage wie Weihnachten, Ostern oder das Erntedankfest. Die deutsche Sprache, die Erinnerung der Alten zusammen mit den Speisen erzeugt einen unvergesslichen Eindruck. Nach solchen Feiertagsveranstaltungen lernen die jungen und alten Vertreter der deutschen Ethnie mit noch größerem Willen ihre Muttersprache. – Seit 28 Jahren arbeitet unsere ethnokulturelle Vereinigung, – sagt die Vorsitzende der Gesellschaft „Wiedergeburt“ Ljubow Ignatjewa, – und in dieser ganzen Zeit hatte die deutsche Bevölkerung die Möglichkeit, Deutsch zu lernen. Sich ein Beispiel an den Großmüttern und Großvätern nehmend beginnen auch die jungen Leute, auch Deutsch zu reden. – Und wie ist die Situation mit dem deutschen Sprachunterricht insgesamt? – Im Rahmen des Programms zur Unterstützung der deutschen Minderheit des Innenministeriums Deutschlands läuft die Spracharbeit in den gewohnten Formen ab: das sind Intensiv- und traditionelle Kurse, Sprachzirkel für Erwachsene und Kinder. Eine Reihe solcher Projekte werden in der Form einer doppelseitigen Partnerschaft mit dem Goethe-Institut verwirklicht, die Möglichkeiten einer gemeinsamen Zusammenarbeit mit der Regierung der Republik Kasachstan zur Erarbeitung eines Programms zum Erhalt und zur Entwicklung der deutschen Sprache werden diskutiert. Mit dem Ziel zur Bekanntmachung der deutschen Sprache in der Republik Kasachstan wurden die Vorsitzenden des Bildungsministeriums der Republik Kasachstans, der Botschaft und des Generalkonsulats der Bundesrepublik Deutschland in Kasachstan, des Goethe-Instituts sowie des ZfA zu einem Treffen eingeladen. – Und kehrt denn die deutsche Sprache an die Schulen und Hochschulen des Landes zurück? – Der Kampf dafür zeigt bereits Resultate, ich war Teilnehmerin an der internationalen Sprachkonferenz „Die deutsche Sprache: Herausforderungen und Perspektiven der Lehre in Kasachstan“, welche nicht nur uns, die Repräsentanten der Deutschen Kasachstans, in Bewegung versetzte, sondern auch die unterschiedlichen Strukturen im Bildungssystem der Republik Kasachstan. Die Visiten im Ministerium, die Briefe mit den Appellen, die Treffen der interessierten Seiten, all diese Routine entwickelt sich schrittweise zu konkreten Schritten. In den Mittelschulen tauchte erneut das Recht auf die Wahl der Fremdsprachen auf: die Programme Deutsch für die 1. bis 4. Klassen wurden genehmigt, ihre Erarbeitung für Mittel- und Oberstufen ist im Gange. In naher Zukunft wird eine neue Generation Lehrbücher herausgegeben. Die öffentliche Stiftung „Kasachstanische Vereinigung der Deutschen „Wiedergeburt“ veranstaltet Weiterbildungsseminare für Deutschlehrer allgemeinbildender Schulen und trifft sich mit den Verwaltungen. – In unserer Region, – erzählt die Koordinatorin der Spracharbeit Klawdija Fomina, – leben mehr als 12,5 Tausend Deutsche und Mitglieder ihrer Familien, was die Nachfrage nach der Spracharbeit bestimmt. Die Menschen wollen ihre ethnische Identität bewahren, sich an ihre Kultur und Sprache klammern, sie streben danach, Deutsch so zu sprechen, wie ihre Vorfahren es gesprochen haben. Und deshalb geben wir Deutschkurse. In die speziellen Gruppen des Sprachprojektes kommen im wesentlichen (80%) Vertreter der deutschen Nationalität, Mitglieder der Gesellschaft „Wiedergeburt“: Arbeitssoldaten, verfolgte Bürger, aktive Mitglieder, Teilnehmer der Folklore- und Tanzensembles, Mitglieder des Jugendvereins, aber auch Vertreter anderer Ethnien, die aktiv am Leben der Gesellschaft teilnehmen. Sprachzirkel für Kinder gibt es in Ridder und in Schemonaich. Allerdings werden nicht nur Deutsch, sondern auch Kasachisch und Englisch in er Gesellschaft „Wiedergeburt“ LNKZ unterrichtet. – Alle unsere Sprachgruppen, – erklärt Klawdija Fomina, – werden unter Berücksichtigung des Sprachniveaus und des Alters der Zuhörer gebildet. Das Zentrum vereint vier Zweigstellen, in jeder von ihnen, ob es Ridder, Schemonaich oder der Kreis Glubokowskij ist, gibt es Deutschkurse, und jeder Interessierte kann daran teilnehmen. Alle Lehrkräfte haben Erfahrung in der sprachlichen Fachrichtung. Klawdija Fomina zum Beispiel lebte in einer deutschen Familie, erhielt unbezahlbare Übung im Sprechen und unterreichtet jetzt nicht nur, sondern koordiniert auch die gesamte Spracharbeit der Gesellschaft. Alle Lehrer verwenden in der Lehre moderne Kommunikationsmethoden, um denen, die es wünschen, vor allem die Fähigkeit zu Sprechen beizubringen und sich auf Deutsch unterhalten zu können, und erst danach kommen Grammatik und Orthografie. Zur Weiterbildung nehmen die Lehrkräfte an Seminaren und Konferenzen teil, besuchen Sprachakademien, veranstalten runde Tische, beteiligen sich an Sprachprojekten, welche nicht nur in Kasachstan stattfinden, sondern auch in Deutschland und Russland. Deutsch wird Kindern, Jugendlichen und erwachsenen Menschen gelehrt, insgesamt um die 120 Menschen. Sie lernen die deutsche Kultur und die Traditionen Deutschlands kennen, nehmen aktiv an Feiertagen teil, die im ethnokulturellen deutschen Zentrum stattfinden, welches für sie schon zu einem zweiten Zuhause geworden ist. – Die Teilnahme an den Sprachprojekten, – denkt Ljubow Ignatjewa, – fördert die Stärkung des nationalen Selbstbewusstseins, des gegenseitigen internationalen Verständnisses und des Einverständnisses, sie verstärkt dauerhaft die partnerschaftlichen Verbindungen und die Beziehungen mit dem deutschen Staat, den öffentlichen Stiftungen, den Sponsoren und den Unternehmern. Die Kenntnis der Muttersprache verstärkt ebenso das ethnische Selbstbewusstsein der Deutschen im multinationalen Kasachstan und unter den Bedingungen der Globalisierung. Mit vereinten Kräften werden wir ganz gewiss zu früheren Positionen im Erlernen und im Einsatz unserer Kenntnisse der deutschen Sprache zurückkehren. Andrej Kratenko Übersetzung: Philipp Dippl
Die gesellschaftliche Stiftung „Wiedergeburt“ hat den Status des Fördermittelgebers erhalten Veröffentlicht in 25. April 201920. September 2021 Gemäß Anhang Nr. 187 vom 11. April 2019 zum Beschluss der Regierung der Republik Kasachstan vom 9. April 2018 wurde die gesellschaftliche Stiftung „Kasachstanische Vereinigung der Deutschen „Wiedergeburt“ in das Verzeichnis internationaler und staatlicher Organisationen, ausländischer und kasachstanischer nichtstaatlicher öffentlicher Organisationen und Stiftungen, welche Fördermittel bereitstellen, aufgenommen. Die Aktivitäten der gesellschaftlichen Stiftung erstrecken sich auf soziale, kulturelle, bildende und wohltätige Bereiche. Die Arbeit der gesellschaftlichen Stiftung „Wiedergeburt“ ist nicht auf die Erwirtschaftung von Gewinnen ausgerichtet. Für diese Art der Tätigkeiten sieht der Gesetzgeber die Möglichkeit für Steuervergünstigungen vor. Die Begriffe „Fördermittel“ und „Fördermittelgeber“ ist in Kasachstan ausschließlich für diese Ziele definiert. Damit der Empfänger auf sie Anspruch erheben kann, muss die Organisation, die die „Fördermittel“ vergibt, d. h. der „Fördermittelgeber“ eine Reihe von Bedingungen erfüllen und verbindlich in das durch den Erlass der Regierung der Republik Kasachstans definierte Verzeichnis eingetragen werden. Die Organisationen, die Fördermittel freisetzen, jedoch nicht in dem entsprechenden Verzeichnis eingetragen sind, erhalten keine Steuervergünstigungen. Auf diese Weise erleichtert der erlangte Status des Fördermittelgebers die Arbeit der regionalen öffentlichen Organisationen, die im Programm zur Unterstützung der deutschen Ethnie auf dem Gebiet Kasachstans bestehen. Die gesellschaftliche Stiftung hat sich an das Finanzministerium mit der Bitte gewendet, das Verfahren zum Einsatz des entsprechenden Erlasses im Hinblick auf die Funktionsweise der Steuervergünstigungen der Stiftung und der regionalen Gesellschaften bei der Umsetzung der Projektarbeit zu erläutern. Übersetzung: Philipp Dippl
BIZ: Wir arbeiten an einer Perspektive! Veröffentlicht in 21. April 201930. Juli 2020 Im Deutschen Haus der Stadt Almaty fand die erweiterte Sitzung des Vorstandes des Institutes für ethnokulturelle Bildung (BiZ, Stadt Moskau) statt. Die Repräsentanten der Partnerländer erörterten Strategien zur Entwicklung des Institutes sowie neue Wege der Zusammenarbeit. Die Pläne für die Zukunft teilten der Direktor des BiZ Andrej Lejman und der Vorsitzende des Vorstandes Oleg Schtraler. – Oleg Franzewitsch, Andrej Richardowitsch, bereits seit mehr als 25 Jahren läuft die Bildungs- und Forschungstätigkeit und werden Diplomanwärter vorbereitet. In diesen Jahren wurde viel erreicht. Wie geht es weiter? Lejman: Gerade heute haben wir davon geredet, dass das Institut die derzeitige Entwicklungsstufe durchlaufen hat und in eine neue eintritt. Wir haben den Weg überwunden vom Begegnungszentrum in Mamontovka, wo sich die Russlanddeutschen in ihrer Muttersprache miteinander unterhalten und ihre Kultur kennenlernen konnten, zur Durchführung thematischer Seminare und zur Vorbereitung von Animatoren in Moskau. Und im Jahr 2012, als die Arbeitskompetenzen des Informations- und Bildungszentrums von der Internationalen Union der deutschen Kultur übernommen wurden, wurde das Zentrum für ehtnokulturelle Bildung BiZ geschaffen. Auf diese Weise erreichte unsere Tätigkeit eine professionellere Ebene: neben der Animation haben wir begonnen, Programme zur Steigerung der Qualifikation und zusätzliche Bildungsmaßnahmen durchzuführen. Heute wurde auf der Konferenz des internationalen Koordinationsrates das Programm zur Entwicklung des Institutes von 2020 bis 2025 diskutiert.Die Formierung einer Arbeitsgruppe wurde beschlossen, welche ein neues Programmdokument bis zum Ende des Jahres erarbeiten soll. Wie das neue BiZ aussehen wird? Die Zeit wird es zeigen. Wir müssen die internationale Zusammenarbeit mit Hochschulen ausbauen, unter anderem mit Deutschland; das bedeutet die Partnerschaften im Rahmen des internationalen BiZ erhalten und ausbauen, seine Teilnehmerländer sind Kasachstan, Usbekistan, Russland, Kirgistan und die Ukraine; auch müssen die Programme, die für die national-kulturelle Autonomie erarbeitet wurden, auf einem höheren Niveau umgesetzt werden. Darunter fallen nicht nur die Russlanddeutschen, sondern auch die Vertreter anderer Ethnien, die im Bereich der Realisierung einer staatlichen nationalen Politik arbeiten.Schtraler: Die Tatsache, dass es heute das Institut für ethnokulturelle Bildung gibt, bringt viele Verpflichtungen mit sich: vorallem dafür, dass wir Fachleute auf ihrem Gebiet vorbereiten. Eine unserer wichtigsten Ausrichtungen bleibt die Sprache. Wir haben das System der Animatoren erhalten und versuchen, es weiterzuentwickeln, und das nicht nur unter Erwachsenen, sondern unter jungen Schülern, genauso wie im Bereich der Vorschulbildung. Wichtig bleibt die Ausrichtung, die mit der Entwicklung der Kultur und der Traditionen zusammenhängt, wir haben die Möglichkeiten der Zusammenarbeit des Institutes mit künstlerischen Vereinigungen untersucht. Die Entwicklung einer Selbstorganisation findet in verschiedene Richtungen statt: kreativ, geschäftlich, auf die Jugend ausgerichtet – das ist das, was unser Tätigkeitsfeld erweitert und es ermöglicht, eine größere Anzahl Deutscher mit verschiedenen Interessen zu erreichen. Und die Aufgaben, welche wir auf der Konferenz gelöst haben, liegen in unserem aktuellen Betätigungsfeld und bleiben als Perspektive bestehen. – Fernunterricht deutsche Sprache. Wie entstand dieses Projekt? Was ist seine methodische Basis? L.: Das Projekt entstand aus dem Bedarf heraus. Noch vor einigen Jahren haben wir gesagt, dass nicht alle Menschen, die in den abgelegenen Ecken unseres Landes leben, in die Zentren kommen können, wo Deutschunterricht angeboten wird. Also wurden ein paar Gruppen gebildet, in welchen der Unterricht mittels Skype entstand. Und vor eineinhalb Jahren, als die Digitalisierung des reichen kulturellen Erbes zu einem der priorisierten Projekte des Institutes wurde, wurde die Idee des Online-Unterrichts vorgeschlagen. Seitdem haben wir mit den Teams von zwei Hochschulen, der MGIMO und der MGLU, sowie der Hauptreferentin für Spracharbeit Natalja Kozlowa, verantwortlich für die ethnokulturelle Komponente, begonnen, das Lehrbuch „Hallo, Nachbarn! NEU“ mit zusätzlichen Grammatik- und Phonetikübungen anzureichern. Dank der Tatsache, dass „Hallo, Nachbarn! NEU“ schon lange existiert, ist der Online-Kurs leicht wiedererkennbar. Die Übungen sind aus dem Lehrbuch selbst entnommen, Material aus zusätzlichen Publikationen wurde eingebaut und zusätzlich wurde ein Phonetikkurs unter der Leitung von Poman Matweew hinzugefügt. – Als Sie in Almaty waren, haben Sie an der Messe „Bildung und Karriere“ teilgenommen. Wie sehen Sie die Zusammenarbeit mit kasachstanischen Organisationen in diesem Bereich? L.: Unser Stand auf der Messe hat sich hauptsächlich an Lehrer gerichtet. Wir haben Programme zur Weiterqualifizierung sowie den Kurs zur Fernlehre der deutschen Sprache vorgestellt. Wir haben gehofft, Lehrer zu gewinnen, weil wir genau durch sie unsere eigentliche Zielgruppe erreichen, die Jungs und Mädels für die Möglichkeit, Deutsch zu lernen, zu interessieren. Wir haben auch das Lehrbuch „Deutsch mit Schrumdi“ präsentiert, welches sich an Lehrkräfte für Vorschulbildung richtet. Wir hoffen, dass sich Lehrer dafür interessieren werden und sie es in ihre Programme mit einfließen lassen. Sch.: Natürlich ließ die Messe vermuten, dass sich eher Bildungseinrichtungen präsentieren, in denen junge Leute sowohl die Grundausbildung als auch Zusatzausbildungen erhalten, trotzdem,wie ich schon gesagt hatte, arbeiten wir an einer Perspektive. – Die Partnerschaft BiZ-Kasachstan. Wie bewerten Sie die Perspektiven der Zusammenarbeit mit der öffentlichen Stiftung „Kasachstanische Vereinigung der Deutschen „Wiedergeburt“? Sch.: Die Zusammenarbeit mit Olga Schtejn läuft direkt in mehrere Richtungen, in den letzten Jahren ist sie gewachsen, genauso wie ihre Bedeutung gewachsen ist. Vor fünf Jahren haben wir ein Memorandum über die Zusammenarbeit unserer Selbstorganisationen unterzeichnet. Seitdem hat sich viel verändert und jetzt organisieren wir die Zusammenarbeit bereits in der neuen Struktur der Deutschen Kasachstans. Die Konferenz des Vorstandes brachte die Möglichkeit, Kontakte herzustellen und Berührungs- und Entwicklungspunkte zu finden. Wir haben etwas, worin wir Erfahrungen austauschen können. Dies sind viele interessante Entscheidungen und für die kasachstanischen Deutschen kalkulierte Projekte, welche durch die Strukturen des BiZ unter Miteinbeziehung der Spezialisten der öffentlichen Stiftung leben. Sie kommen oft zu uns und schauen, wie wir unsere Arbeit organisieren, wie wir mit den vermittelnden Organisationen, dem Innenministerium Deutschlands, usw. interagieren… Ihrerseits können die Spezialisten des BiZ, zum Beispiel Lena Mironowa, Praktika machen und die Erfahrungen an die Deutschen Kasachstans in Fragen der Entwicklung der Selbstorganisation und der Umsetzung von Projektaktivitäten weitergeben. Deshalb glaube ich, dass unsere Konferenz einen neuen Impuls der Zusammenarbeit gibt. – In diesem Jahr sind es 30 Jahre seit der Gründung der Allunionsgesellschaft der sowjetischen Deutschen „Wiedergeburt“. Wie sehen Sie heute die Zukunft der Organisation der ethnischen Deutschen? Sind irgendwelche Veranstaltungen im Zusammenhang mit diesem Datum geplant? Sch.: Eine wesentliche Veranstaltung, die wir in diesem Jahr planen, wird deine lehrpraktische Konferenz sein.Sie wird vom 20. bis zum 24. November in Jekaterinburg stattfinden. Wir haben diesen Ort vor allem deshalb ausgewählt, weil der Vorsitzende des Koordinationsrates zur Gründung der BOCH „Wiedergeburt“ der ehemals aus Nizhnij Tagil stammende Iwan Iwanowitsch Kronewald war. Zwischen 1965 und 1989 nahm er aktiv an einigen Delegationen nach Moskau teil, deren Ziel die Rehabilitation der sowjetischen Deutschen war. Im Rahmen der Konferenz wird es nicht nur eine Diskussion über die Geschichte der Selbstorganisation geben, sondern auch die Neuauflage eines Geschichtslehrbuches. Es wurde vorgeschlagen, dessen Namen von „Geschichte der Deutschen Russlands“ in „Geschichte der russischen Deutschen“ zu ändern. Unsere Vorfahren stammten nämlich, unabhängig davon, in welchem Land wir heute leben, aus dem Russischen Imperium. Die Spezialisten beschäftigen sich mehr mit der Geschichte der Deutschen bis 1955, aber die Periode des Tauwetters unter Chruschtschjow und besonders die Jahre nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion sind sehr schlecht aufgearbeitet. Hier liegt noch ein großes Aktivitätsfeld nicht nur für Wissenschaftler, sondern auch für Praktiker. Viele von ihnen sind auch heute noch aktiv handelnde Mitglieder unserer Organisation. L.: Wiedergeburt ist in seinem Kern eine Renaissance, die Wiedergeburt dessen, was es eine Zeit lang nicht gab. Und unter modernen Bedingungen sind 30 Jahre sehr viel. Wir müssen mit der Zeit Schritt halten und in die Zukunft blicken, uns entwickeln, neue, zeitgenössische Formen entwickeln. Die heutige Welt ist eine hochtechnologisierte Welt, und sie verändert sich so dermaßen schnell, dass es notwendig ist, sich zuallererst auf die Jugend zu verlassen und neue digitale Formen und andere innovative Projekte zu entwickeln. Darin liegt wahrscheinlich die Entwicklung von „Wiedergeburt“. Interview: Veronika Likhobabina Übersetzung: Philipp Dippl
Ein in seinen Taten glorreicher Mensch Veröffentlicht in 21. April 201930. Juli 2020 Die Frisins aus Chromtau (ungefähr 90 Kilometer von Aktobe entfernt) kennt Jung und Alt. Und wie kann man sie nicht kennen wenn die Haustüre bei ihnen Gästen immer offen steht. Jedem, über die Türschwelle schreitet, wird duftender Tee und Käsekuchen gereicht, und noch dazu beschenkt mit einer Portion Lebensmut und guter Laune. In Enge, aber nicht gekränkt Die Ahnen der Dynastie von Iwan Iwanowitsch Frisin und Lidija Gotlibowna Schtango wurden im Jahr 1941 während der Repressionen aus der Ukraine vertrieben. Sie trafen sich in Kasachstan. – Ich habe hier zuerst als Viehbauer in einer Kolchose in Kyzylkaim gearbeitet. In dieser Zeit war es sehr schwer, an vielem hat es gefehlt. Aber wir waren glücklich. Es gab echte Freundschaft, die Menschen haben sich in allem gegenseitig unterstützt. Dank der gemeinsamen Arbeit konnten wir überleben. Ich erinnere mich, dass sie uns bei einer kasachischen Großmutter einquartierten. Genau dort haben wir kasachisch gelernt. Meine zukünftige Frau habe ich im Jahre 1950 kennengelernt. Es lebte sich schwer, weshalb wir keine Hochzeit gefeiert haben. Es war einfach niemandem nach feiern zumute: wir hatten kein Essen, wir hatten kein Geld, – erzählte der alte Frisin vor einigen Jahren. Die Eheleute, die acht Kinder aufzogen, haben sich nie über ihr Schicksal beschwert, sondern wiederholten, dass es besser ist, sich durch Taten zu beweisen, damit man dem Leben auf Erden würdig ist. Die tatkräftigen und fleißigen Frisins scheuten nicht die Arbeit und haben das Land sehr geliebt. Noch im Alter züchteten sie Vögel und pflanzten einen Gemüsegarten an. – Ich verstehe die nicht, die weggehen. Hier lässt es sich gut leben, es gibt alles, man muss sich nur anstrengen. Und die, die gehen, vermissen hinterher ihre Heimat, – sagte Iwan Frisin. Vor einigen Jahren ging der Stammesvater und im letzten Jahr verließ uns auch Lidija Gotlibowna… Die Arbeit respektieren und die Traditionen achten Die Kinder und Enkel der Fisins arbeiten schon seit vielen Jahren im Donsker Bergbaukombinat. Wie sich herausstellte, dass die große Familie alles zusammengerechnet dem Kombinat fast 450 Jahre geopfert hat. Die Frisins stehen hier gut da, alle wissen, dass sie niemanden im Stich lassen. Jetzt ist Wiktor, der Sohn von Iwan und Lidija, der Familienälteste. Seine Frau Irina ist eine wahre Meisterin im Organisieren von Feierlichkeiten, und außerdem eine Kennerin des Familienstammbaumes und der Familiengeschichte. Sie ist der Nationalität nach Ukrainerin, aus der Familie von Anatolij und Jekaterina Gnip aus Chromtau. Sie heiratete, und konnte sich nicht vorstellen, dass in einer deutschen Familie alle in fließendem Kasachisch reden. Zuerst war das schwer, aber dann gewöhnte sie sich daran. Aber auch ihre Muttersprache haben sie nicht vergessen. Es kommt vor, dass sie thematische Abende veranstalten, die den Vorfahren gewidmet sind. Unsere wichtigste Lebensregel: gewissenhaft und mit voller Hingabe arbeiten. Bis zum Jahr 1988 arbeitete Irina in dem Kombinat und ging dann aufgrund ihres Gesundheitszustandes in den Ruhestand. Jetzt passt sie auf die Enkel auf, näht und betreibt Perlenstickerei. – Ich weiß nicht, woher ich das habe. In irgendeinem Moment hat es mich zu dieser Kunstform hingezogen, habe schrittweise alle Feinheiten verstanden. Wissen Sie, das ist nicht nur gut für die Motorik der Hände, sondern beruhigt ganz allgemein. Im Moment habe ich viele Arbeiten mit religiösen Themen, ich liebe auch die Natur, – sagt die Meisterin. Wiktor Iwanowitsch hat noch zwei Monate bis zur Rente. Er liebt seine Arbeit, könnte Stunden von ihr erzählen. Seine Hobbys sind angeln und sein Obstgarten. Hier ruht der alte Frisin die Seele und den Körper aus. – Genauso wie die Eltern hauen auch wir nicht nach Deutschland ab. Wir vergessen unsere historische Heimat nicht, erinnern uns an die Sprache, halten uns an die Bräuche und Traditionen, aber jetzt alles hinwerfen und weggehen, das ist nichts für uns. Kommt doch besser zu uns – euch wird duftender Tee und Käsekuchen gereicht, ihr werdet zu Essen bekommen und obendrein auch noch mit guter Laune beschenkt. Das ist all die Jahre erprobt worden, – spricht Wiktor mit einem Lächeln. Dmitrij Schinkarenko Übersetzung: Philipp Dippl
Das Spiel ist der selbstverständliche Mechanismus zur Erkenntnis der Welt. Veröffentlicht in 20. April 201930. Juli 2020 Zeit mit seinen Freunden verbringen ist unbezahlbar. Und zusammen mit ihnen Brettspiele zu spielen ist noch dazu lustig und interessant. Heute, da die Rede von Brettspielen ist, denkt der Spießbürger zuerst an Domino und Kartenspiele, Schach und Dame. Allerdings können Brettspiele auch in Form eines Wettkampfes stattfinden, der mit Leichtigkeit Fingerfertigkeit und Scharfsinn demonstriert, euer Glück prüft und euch außerdem das kulturelle Erbe verschiedener Länder und Völker näher bringt! Von alledem haben wir von Michail Tejfel erfahren, als im Deutschen Haus ein Spieleabend mit dem Namen „Spiele der Völker der Welt“ stattfand. Die aktiven Mitglieder des Vereins der deutschen Jugend „Vorwärts“ raten allen Vereinen, bei Jugendtreffen Brettspiele zu verwenden. Sie versichern: da bleibt niemand gleichgültig! Kulbutto („das Stehaufmännchen“), Frankreich. Das Spiel besteht aus einer speziellen Tischplatte mit acht Kugeln. Das Ziel ist, die Kugeln mit Hilfe der Bewegung der Tischplatte in die Löcher zu rollen. Das Geheimnis besteht im kegelförmigen Standfuß, der es ermöglicht das Spielfeld leicht zu bewegen. Zhulbak, Holland (entstand im 18. Jahrhundert auf Basis des englischen Spiels Shuffleboard). Es gehört zur Kategorie der Sportbrettspiele. Zu dem Spaß gehören Holzscheiben, welche in Löcher getrieben werden müssen. Jeder Spieler hat 30 Versuche, die Scheiben in eine der vier Löcher zu schießen. Es gewinnt der, der die meisten Punkte erzielt. Meeresbillard oder Novus. Dieses lettische Spiel gilt als Nationalsport. Es entstand zwischen 1925 und 1927 und war besonders unter Seeleuten sehr beliebt. Für das Spiel braucht man einen speziellen Tisch aus echtem Holz, dessen Oberfläche in vier Zonen unterteilt ist; Spielsteine in zwei verschiedenen Farben und vier Löcher. Die Aufgabe des Spiels ist es, als erster mit Hilde des Billardstocks seine Spielsteine in die Löcher zu schlagen. Shuffleboard, England. Es entstand zuerst in mittelalterlichen Trinkkneipen, als die Gäste Geldmünzen über den Tisch schnipsten und versuchten, die Stellen zu treffen, die die meisten Punkte erzielten. Dschakkolo, Holland. Während des Krieges war das Spiel verboten, aber es erhielt im Jahr 1965 in Amsterdam ein zweites Leben. Der Kern des Spiels ist es, Holzscheiben in spezielle Taschen auf dem Spielbrett zu rollen. Brettspiele waren zu jeder Zeit beliebt, davon erzählt die jahrhundertealte Geschichte. Wir sind uns sicher, dass es nur wenige gibt, die ein spannendes Spiel mit ihren Freunden und Verwandten verweigern würden. Und das Alter spielt hier keine Rolle! Die ganze Videoreportage der Veranstaltung könnt ihr auf dem Fernsehsender „Менің Қазақстаным“ sehen. Wir möchten den Organisatoren des Treffens danken, besonders Michail Tejfel von der Vereinigung der Sportbrettspiele Almaty, der Deutschen Allgemeinen Zeitung und allen Jungs und Mädels, die an dem spannenden Spieleabend teilgenommen haben. „Wie kann man die Kultur eines Landes kennenlernen? Ohne Zweifel durch das Spiel!“, befindet Michail Tejfel. Kristina Libricht und Jekaterina Lojtschenko Übersetzung: Philipp Dippl
„Eins, Zwei, Drei“ in Kasachstan! Veröffentlicht in 20. April 201921. Mai 2019 Im Haus der Freundschaft in Almaty wurden zwei Teile der berühmten Kinotrilogie „Eins, Zwei, Drei“ aufgeführt. Die Veranstaltung fand mit der Unterstützung des Institutes für ethnokulturelle Bildung (BiZ, Moskau) unter aktiver Mithilfe des deutschen Jugendvereins „Vorwärts“ (Almaty) statt. Die Gäste der Aufführung, unter denen sich sowohl Schüler und Studenten befanden, die Deutsch lernen, als auch Lehrer, Vertreter ethnokultureller Vereinigungen, Journalisten und Kinokritiker, schätzten die Ideen des Filmes sehr. „Eins, Zwei, Drei“ ist eine Kinotrilogie für Kinder und Jugendliche, die von der Wechselwirkung zwischen den russischen und deutschen Kulturen erzählt. Die Schöpfer des Films versuchten, die moderne Jugend dazu zu motivieren, ihre Muttersprache zu lernen, welche schrittweise ihre Position auf dem Gebiet Kasachstans und Russlands zurückerlangt. Diese Art von Projekten tragen sehr dazu bei. Julija Tjukalowa: „Der Abend verlief in sehr warmer, aufschlussreicher, und ganz besonders in sehr motivierender Atmosphäre. Der Film „Eins,Zwei, Drei“ erzählt die gutherzige und frische Geschichte der Freundschaft zwischen einem Jungen und einem Mädchen, in dessen Verlauf die beiden Helden die Sprache des jeweils anderen lernen mussten. Der Film erwies sich als sehr lehrreich und zeigte, wie wichtig die Kenntnis einer Fremdsprache manchmal ist und wie viele Farben, aufregende Momente und interessante Bekanntschaften diese Kenntnis ins Leben bringen kann. Sehr angenehm waren die vorhandenen Untertitel, die dazu beigetragen haben, das Deutsche schneller aufzunehmen. Eine nicht unwichtige Rolle im Film spielte die Internationalität, die Freundschaft und die Verdichtung von Kulturen demonstrierte. Alle Gäste durchlebten die wärmsten und behaglichsten Emotionen. Nachdem ich den Film gesehen hatte, entbrannte der Wunsch noch mehr, Deutsch zu lernen und ich habe verstanden, dass es sich lohnt, solche Veranstaltungen so oft wie möglich zu besuchen.“ Artjom Larin: „Die Kinovorstellung hat mir großes ästhetisches Vergnügen bereitet. Mich überraschte das Spiel der Schauspieler, die dem Zuschauer echte Gefühle und Erlebnisse bringen konnten. Der Film lässt einen nachdenken über die Notwendigkeit, Deutsch zu lernen, er bringt eine so starke Motivation, dass man nicht ohne Freude bleiben kann. Vielen Dank für die Möglichkeit so einen wunderbaren Film zu sehen. Ich kann die Fortsetzung kaum erwarten.“ Ebenso konnten im Rahmen der Kinovorführung die aktiven Mitglieder des KNM „Vorwärts“ Anastasija Plotnikowa kennenlernen, die stellvertretende Vorsitzende des „Jugendring der Russlanddeutschen“. Die Mitglieder des Vereins der deutschen Jugend drücken ihre große Dankbarkeit dem ganzen Filmteam aus, welches an der Trilogie gearbeitet hat, dem Insitut BiZ und den Repräsentanten des Hauses der Freundschaft für die Möglichkeit, diesen wundervollen Film kennenzulernen. Andrej Lejman: „Verehrte Zuschauer, wir wollten uns ebenso bei euch bedanken. Wir sind sehr froh, dass euch unsere Arbeit gefallen hat. Wir erhalten verschiedene Reaktionen, aber es läuft alles auf eines hinaus: der Film ist eindeutig ein Motivationsfaktor, um Deutsch zu lernen, er ist interessant und die heranwachsende Generation unserer Landsleute in Deutschland veranlasst er ebenso dazu, die Muttersprache nicht zu vergessen. Das Team arbeitet effektiv, unsere Helden wachsen mit dem Film und bald kommt der dritte Teil. Bis bald!“ Kristina Libricht und Jekaterina Lojtschenko Übersetzung: Philipp Dippl
Tanzen und sich perfektionieren Veröffentlicht in 20. April 201930. Juli 2020 In Almaty fand das siebte internationale Wettkampffestival in verschiedenen Kategorien „Planet der Künste“ und das zweite internationale Wettkampffestival „Indigo“ statt, an welchen die Schützlinge des Tanzensembles „Einheit“ der öffentlichen Stiftung der Deutschen „Wiedergeburt“ der Stadt Semej teilnahmen und Preise gewannen. Auf dem Wettbewerb wurden strahlende Tanznummern in allen Altersstufen präsentiert. Der Tanz „Ach, Odessa“ gewann den Grand-Prix in der Altersstufe von 10 bis 12 Jahren. Die kleinsten Tänzer (5-9 Jahre), die zum ersten Mal an einem Wettbewerb teilnahmen, belegten den ersten Platz mit dem Tanz „Rotkäppchen und alle, alle“. Die älteren Teilnehmer (13-15 Jahre) nahmen die ersten und zweiten Plätze mit nach Hause. Walerija Rajkowa, 12 Jahre alt, Teilnehmerin des Ensembles: „Ich tanze seit sechs Jahren. Ich nehme nicht zum ersten Mal an einem Wettbewerb teil und freue mich immer sehr, wenn wir es schaffen, einen Preis zu gewinnen. Man spürt sofort, dass man es nicht umsonst macht, man gibt sich komplett der geliebten Sache hin, und dann ist es sehr angenehm, wenn die Leute die Leistungen des Ensembles sehen und sie wertschätzen“. Marija, Ljapina, Lehrerin: „Internationale Wettbewerbe sind Antrieb nicht nur für unsere Schützlinge, sondern auch für mich selbst. Tanzen, sich perfektionieren, am Körper arbeiten, das ist das wichtigste. Und wenn man dies erfolgreich mit einer aktiven Freizeitgestaltung kombiniert, werden die Ferien unvergesslich. In diesem Jahr schafften wir es, gleich an zwei Wettbewerben teilzunehmen, und alle gezeigten Nummern haben Preise gewonnen. Obwohl die Konkurrenten würdig und stark waren (Gruppen aus Russland, Kirgistan und Kasachstan), gelang es unseren Kindern, den höchsten Preis, den Grand Prix, in ihrer Kategorie zu erkämpfen. Wir beglückwünschen „Einheit“ zu den neuen Erfolgen und wünschen weiterhin viel Erfolg und viele Siege! Marija Gorbatschjowa Übersetzung: Philipp Dippl
Die erste AGDM-Jugendtagung Veröffentlicht in 20. April 201930. Juli 2020 Vom 4. bis zum 7. April fand in dem kleinen dänischen Städtchen Kniwsberg, wo auf kleinem Raum die Deutschen Dänemarks zusammenleben, der Kongress der Repräsentanten der deutschen Minderheit aus fünfzehn Ländern statt.Die Gesandte Kasachstans auf diesem Treffen war Marija Borisewitsch, die Vorsitzende der Union der deutschen Jugend Kasachstans. Drei Tage lang wurden von den Vertretern der JEV (Jugen Europäischer Volksgruppen) organisierte Workshops für die Teilnehmer des Kongresses veranstaltet, in denen Fragen zur Bedeutung des „Minderheiten“-Konzeptes erörtert und Aufgaben und Herausforderungen der deutschen Jugend diskutiert wurden. Im Ergebnis wurden Ziele und Richtungen der zukünftigen Arbeit mit deutschen Jugendorganisationen definiert und eine Reihe von Kompetenzen des Jugendkoordinators des AGDM benannt, dessen Wahl der Hauptgrund für das Treffen war. In diese Position wurde Patrik Lompart, der Vorsitzende der Karpatendeutschen der Slowakei, gewählt, sein Stellvertreter wurde Ewgenij Wagner, Vorsitzender des deutschen Jugendverbandes Russlands. Die Teilnehmer des Treffens lernten im Detail die Geschichte der Deutschen Dänemarks kennen und erfuhren einiges über das Bildungssystem, in welchem für die Kinder und Jugendlichen die deutsche Sprache gleichberechtigte Muttersprache neben dem Dänischen ist. In den Gymnasien lernen die Schüler nach dem dänischen Bildungssystem, aber in deutscher Sprache. Dabei können sich die Absolventen bei Schulabschluss zwei Abschlussprüfungen ablegen (das dänische und das deutsche), was ihnen die Möglichkeit gibt, an den Hochschulen jedes der genannten Länder zu studieren. Das Projekt erlaubte es den Teilnehmern nicht nur, die Tätigkeiten und die grundlegenden Ausrichtungen der Arbeit der Jugendorganisation verschiedener Länder kennenzulernen und Erfahrungen in diesem Feld auszutauschen, sondern auch mögliche Gemeinschaftsprojekte zu besprechen und zu planen. Für die Union der deutschen Jugend Kasachstans diente das Treffen als neuer Schritt in der Entwicklung einer erfolgreichen Zusammenarbeit. Marija Borisewitsch Übersetzung: Philipp Dippl
Ein Abend der Erinnerung an Gerold Belger fand in Petropawlowsk statt Veröffentlicht in 20. April 201930. Juli 2020 Der berühmte Schriftsteller und Publizist, staatliche und gesellschaftliche Persönlichkeit, Übersetzer künstlerischer Werke aus der kasachischen und deutschen Sprachen ins Russische wäre in diesem Jahr 85 Jahre alt geworden. Am 10. April fand in der zweiten Heimat von Gerold Karlowitsch ein Abend der Erinnerung an diesen großen Menschen statt. Der Rat der Veteranen und das Kollektiv der ökonomisch-technischen Hochschule organisierte unter der Leitung von Aleksandr Merk diese Veranstaltung und lud die Landsleute, Klassenkameraden und Dorfgenossen des Schriftstellers ebenfalls zu dem Treffen ein. Besonders viele Erinnerungen erklangen über die Familie, über die Eltern von Gerold Karlowitsch. Der Vater, Karl Belger war militärischer Feldsanitäter, verwaltete einen Feldgeburtsstützpunkt und versorgte mehr als zehn kasachische Dörfer. Er brachte mehr als 1200 kasachische Kinder auf die Welt. „Ihn liebten alle, ihm vertrauten sie, und unter den Dorfbewohnern von Karl-aga oder Beleke galt er als der am meisten verehrte Mensch, und der Name Belger wurde in der Umgebung zum Synonym für das Wort „Arzt“. Die Dorfbewohner sagten: „Ich kam zum Belger aus der Region, ich zeigte mich dem Belger aus dem Gebiet, der Belger riet mir etwas.“ Die Mutter, Anna Dawydowna, arbeitete als Krankenschwester an medizinischen Stützpunkt, und auch sie wurde sehr geliebt. Sie, genauso wie der Vater, verstand kasachisch sehr gut, sprach es aber nicht. Dafür hatte sie aber ein phänomenales Gedächtnis, sie kannte alle Kinder im Kreis, wer, wo und wann sie geboren wurden, wie sie hießen. Überaus symbolträchtig fand die Veranstaltung in dem Museum statt, welches vn dem Landsmann Gerold Belgers Aleksandr Merk geschaffen wurde. Die Stellvertreterin der öffentlichen Stiftung „Kasachstanische Vereinigung der Deutschen „Wiedergeburt“ Swetlana Schubina verlas allen Anwesenden den Appell der Witwe des Schriftstellers Raisa Zakirowna Chismatulina und der Tochter Irina Kowaljowa-Belger: „Liebe Freunde! Liebe Landsleute! Liebe Volksgenossen! Ich bin sehr glücklich darüber, dass die derzeitige Veranstaltung auf der von unserem Ehemann und Vater so geliebten nordkasachischen Erde stattfindet, in seiner zweiten Heimat. „Jeder Mensch sollte neben seiner ersten, großen Heimat ganz gewiss eine zweite, kleine Heimat haben, seine heimatliche Gegend, sein vertrautes Eckchen auf der Erde, sein Feld, sein Wäldchen, ein einsames Plätzchen am Ufer eines stillen Flüsschens, wenigstens seinen geliebten Busch in der Nähe des Hauses. Jeder, ob freiwillig oder unfreiwillig, wandert in der Welt umher oder wird dazu gezwungen, umherzuwandern, hinterlässt unbemerkt hier und dort ein Teilchen seiner Seele, verliert sich allmählich, beraubt sich und verwandelt sich in einen vom Wind getriebenen Steppenläufer. Unglücklich ist derjenige, der sich nicht an seinen Geburtsort, an sein Land erinnert, aber dreifach unglücklich ist jener, an den sich die Erde selbst nicht erinnert, denn sie, die Erde, ist wie deine eigene Mutter, sie ist dein allerletzter Glaube, deine allerletzte Hoffnung im Leben, und wenn du für sie in Vergessenheit gerätst, dann bist du bereits überhaupt kein Mensch mehr, sondern verwest, Asche und Staub.“ Leider Gottes kommt man zu einer so einfachen, scheinbar offensichtlichen Wahrheit nur durch eine große alltägliche und moralische Erfahrung. Manchmal auf Kosten schwerer Verluste. Kasachstan… Heimat, geliebtes Heimat vielsprachiger Stämme. „Meine“, – nennen eine Million sowjetischer Deutscher. Sowjetisches Vaterland… „Mein“ – nennen es zwei Millionen Bürger der deutschen Nation. „Meine“, „Mein“, „Wir“, – erklingen stolz die vielen Stimmen eines gemeinsamen Chores. Meine Heimat. Unauslöschlich. Ewig. Wie ein Mensch. Wie die Liebe. Wie das Leben“. Diese Zeilen, die Gerold Berger vor langer Zeit im Jahr 1986 geschrieben hat, sollen heute an Sie alle gerichtet sein. Sie tragen zeitlosen Charakter in sich, so wie vieles, über das er schrieb, sprach, was dieser echte Patriot seiner Heimat sagte und hinterließ. Was hatte er vorausgesagt, vor was hat er gewarnt und prognostiziert. Tief davon überzeugt, dass seine Zeit gerade erst beginnt… Erinnern Sie sich, lesen Sie, hören Sie seine Stimme! Eine Stimme wie eine Stimmgabel. Sie ist aufrichtig, wahrhaftig und präzise. Wir bedanken uns für ihre Treue, für das Interesse an der Kreativität und an der Person Gerold Belger. Wir wünschen ihnen viel Glück und einen offenen, ehrlichen, gütigen und aufrichtigen Dialog… Wir wünsche allen die Erhellung ihrer Haltung! Mit tiefem Respekt Raisa Chismatulina und Irina Kowaljowa-Belger“. Irina plant, die gesamten Informationen über die vergangene Veranstaltung der einzigen heute noch lebenden Schwester von Gerold Karlowitsch zu übermitteln. Sie lebt heute in Deutschland, aber alle Landsleute können sich noch gut an sie erinnern. Belger hat Menschen geliebt, er liebte uns alle und hat uns allen vererbt, Menschen zu sein, egal was auch sein möge. Wahrscheinlich ist dies die aller schwierigste Aufgabe im Leben eines jeden. Den Menschen in sich zu bewahren. Belger gelang dies. Jetzt soll es uns allen gelingen. Swetlana Schubina Übersetzung: Philipp Dippl
Kurse in der Hauptstadt Russlands Veröffentlicht in 19. April 201930. Juli 2020 Die Weiterbildung der Mitarbeiter wird in den deutschen Gesellschaften schon lange praktiziert. Das Moskauer Institut für ethnokulturelle Bildung veranstaltet regelmäßig Modulkurse, in welchen die Teilnehmer innovative Arbeitsformen kennenlernen und in effektivem Management geschult werden. In diesem Jahr wurde auch das soziale Feld nicht ausgelassen. Im Deutsch-Russischen Haus in Moskau fand das erste Modul des Weiterbildungskurses „Moderne Technologien der sozialen Arbeit mit Empfängern von Sozialleistungen in den öffentlichen Organisationen russischer Deutscher“, an welchem zwanzig Teilnehmer aus Russland, Usbekistan, und Kasachstan teilgenommen haben. Im Laufe von fünf Tagen haben die Kursteilnehmer die Projekte der Sozialzentren für russische Deutsche und die Möglichkeiten der Stiftung „Alter im Glück“, kennengelernt, welche zur Unterstützung älterer Menschen und Behinderter unter den rechtlichen Rahmengrundlagen für Sozialhilfe und den allgemeinen Charakteristiken des Prämiensystems für entsprechende Bürgerkategorien organisiert wird. An einem der Tage trafen die Kursteilnehmer die Doktoren Bernhard Haberl und Doris Herbst-Schmitt. Sie teilten europäische Erfahrungen in der Sozialarbeit und erzählten über die Struktur und die Finanzierung der Pflege älterer Menschen in Deutschland, ebenso über die Möglichkeiten zur Erlangung des Berufes des Spezialisten für Altenpflege in der Bildungseinrichtung „Dr. Wiesent Schulen“. Doktor Wolfram Gebauer aus der Schule „Seni Vita“ erzählte über die Berufsausbildung zum Krankenpfleger. Er merkte an, dass in Deutschland solche Berufe wie Spezialist in der Altenpflege oder Spezialist für Familienpflege in drei Lehrjahren direkt nach Beendigung der Mittelschule erlernen kann. Allerdings benötigt man für den Abschluss der dreijährigen Berufsausbildung zum Beruf Krankenpfleger oder Behindertenpfleger eine Arbeitserfahrung in dem Bereich von nicht weniger als zwei Jahren. Besonders interessant und hilfreich war meiner Meinung nach der Block „Besonderheiten der immateriellen Motivation“. Hier hat der Trainer des Entwicklungszentrums „Pride“, Andrej Kopnin, erzählt und an Beispielen aufgezeigt, wie man effektive Methoden der immateriellen Motivation der Mitarbeiter in die Arbeit mit einfließen lässt. Überaus lebhaft verlief der praktische Teil des Trainings, während dem die Teilnehmer die Möglichkeit hatten, ihr kreatives Potential in vollem Umfang umzusetzen. Die Auswahl der Themen und Referenten verdient sicherlich besondere Komplimente – selbst bekanntes Material, welches unter einem anderen Licht präsentiert wurde, wurde anders wahr genommen. Alle Lehrkräfte verdienen Respekt, man spürt, dass sie echte Profis sind, die schon viel erreicht und viel zu teilen haben – nicht aus theoretischer, sondern aus praktischer Sicht. Die größte Überraschung für mich war das Treffen des früheren Bewohners von Ust-Kamenogorsk und heutigen Direktor des Instituts für ethnokulturelle Bildung, der in seinen Schuljahren nicht selten seine Zeit in dem deutschen Kulturzentrum „Wiedergeburt“ Ostkasachstan verbrachte. Ich möchte meine große Dankbarkeit den Organisatoren des Kurses ausdrücken für die Möglichkeit, praktische Kenntnisse zu erlangen, welche ich im Laufe der Umsetzung der Sozialprojekte unserer Gesellschaft anwenden kann. Natalja Kazakowa Übersetzung: Philipp Dippl
Das Festival der deutschen Kultur in Karaganda Veröffentlicht in 19. April 201930. Juli 2020 Als eine der ersten in Kasachstan hat die Gebietsgesellschaft „Deutsches Zentrum „Wiedergeburt“ Karaganda mit einem farbenfrohen Fest den 30. Geburtstag der Bewegung der Deutschen „Wiedergeburt“ begangen. Das Fest, an dem Tanz- und Gesangsgruppen der Stadt und des Gebiets teilgenommen haben, fand mit der Unterstützung der KGU «Қоғамдық келісім» des Bürgermeisteramts des Gebietes Karaganda statt. Das zweite regionale Festival ist für den 12. Mai in der Stadt Saran geplant. Das deutsche Zentrum Karaganda entstand im Jahr 1989 als eines der ersten in Kasachstan. Es war die Zeit des Ausbruchs nationalen Selbstbewusstseins, und die Deutschen ragen aktiv hervor in der Wiederbelebung ihrer nationalen Kultur, der Muttersprache, der Traditionen und Bräuche. Zahlreiche Gäste kamen, um den Jubilaren zu gratulieren, unter ihnen auch jene, die am Ursprung der Entstehung des Zentrums standen. Der Vorsitzende des deutschen Zentrums und Mitglied der Volksversammlung Kasachstans Wiktor Eduardowitsch Kist merkte in seiner Begrüßungsrede an: „30 Jahre – das ist gleichzeitig viel und wenig. Wenig, um in einem Leben alle Dinge zu erledigen und alle Wünsche zu erfüllen. Um sich bewusst zu werden, dass wir auf dem richtigen Weg stehen und den richtigen Weg gehen. Ich möchte alle zum 30 jährigen Jubiläum von „Wiedergeburt“ beglückwünschen, die die Beziehung zur deutschen Gemeinschaft aufrechterhalten, ganz besonders unsere Menschen aus Karaganda! Ich wünsche familiären Wohlstand, Glück und alles Beste“. Kasachstan wurde für die Deutschen, die viele Belastungsproben durchlebten, eine echte Heimat. Viele von denen, die gegangen sind, erinnern sich für immer an den Steppenrand, der einst ihre Verwandten aufnahm. So wie auch Wiktorija Kist, die einen Teil von sich selbst in die Entstehung des Zentrums „Wiedergeburt“ einbrachte, heute in Deutschland lebt, und niemals die Heimat Kasachstan vergisst. Sie kam sehr gerne zum Feiertag, um ihre Landsleute zu beglückwünschen. Mit Warmen Worten wendete sich der stellvertretende Direktor der KGU «Қоғамдық келісім» Kuanysch Oralchanowitsch Ospanow an die Adresse der Anwesenden. Er schenkte dem Zentrum ein wundervolles Bild, welches eine unvergessliche Dekoration sein wird. Heute besitzt die Gesellschaft „Wiedergeburt“ alles das, wonach im Laufe dieser 30 Jahre gestrebt wurde: ein hohes Ansehen, erarbeitete Erfahrung und Traditionen, die die Nachfolge der nächsten Generation festigen, sie zu Respekt zu den Älteren, zur Muttersprache und zur Kultur erziehen. Den Staffelstab der Festivals hat Karaganda an Saran und Schachtinsk übergeben. Bis zum nächsten Mal, Freunde! Nadezhda Frizen Übersetzung: Philipp Dippl
Zur Frage des Erhalts der deutschen Sprache Veröffentlicht in 19. April 201930. Juli 2020 Der Verwaltungsrat der öffentlichen Stiftung „Kasachstanische Vereinigung der Deutschen „Wiedergeburt“ erörterte am 1. Februar 2019 die Frage über die Maßnahmen zur Rückkehr der deutschen Sprache in das Schulbildungssystem. Der Rat stellte fest, dass es spürbare Erfolge bei der Wiederaufnahme des deutschen Sprachunterrichts in den Mittelschulen gibt. Am 4. September 2018 wurde der Erlass des Ministers für Bildung und Wissenschaft der Republik Kasachstans Nr. 144 „über die Feststellung staatlicher allgemeinverbindlicher Bildungsstandards entsprechender Bildungsstufen“ unterzeichnet. In Übereinstimmung mit dem Erlass erhielten Eltern von Schulkindern das Recht auf die Wahl der Fremdsprache, so wie dies bereits früher angewandt wurde. Die Formulierung „Englische Sprache“ wurde in „Fremdsprache“ umgeändert, was die Möglichkeit zum Erlernen der deutschen Sprache als erste Fremdsprache gleichberechtigt mit Englisch gewährleistet. Bis heute sind Programme für die aktualisierte Lehre der deutschen Sprache für die 1-bis 4. Klasse ausgearbeitet und genehmigt, Programme für die Klassen 5 bis 12 werden entwickelt. Für die erfolgreiche Einführung der deutschen Sprache ins Schulprogramm zum 1. September 2019 wird in der nächsten Zeit ein Lehrbuch entsprechend der neuen Anforderungen herausgegeben. Mit dem Ministerium für Bildung und Wissenschaft der Republik Kasachstan wurde eine Vereinbarung über die Erhöhung der Anzahl von Zuschüssen erreicht, die vom Staat für die Ausbildung in der Fachrichtung „Lehrer der deutschen Sprache“ freigesetzt werden. An den Bildungsminister wurde ein Aufruf mit der Bitte gerichtet, Veränderungen in den einheitlichen Regeln zur Zulassung zu den Hochschuleinrichtungen der Republik Kasachstan vorzunehmen und Abiturienten zu erlauben, im laufenden akademischen Jahr sowohl Englisch als auch Deutsch als Fremdsprache zu wählen, was eine vollwertige Auswahl für die entsprechende Fachrichtung erlaubt und der Beginn der Wiederherstellung der Rechte der deutschen Sprache im Bildungssystem unserer Republik bedeuten kann. Aber es müssen noch viele Anstrengungen in den Regionen zur Verwirklichung dieser Ziele überwunden werden. Gruppen von Erstklässlern können ab einer Anzahl von sechs Schulkindern, die Deutsch lernen möchten, und natürlich bei vorhandenen Lehrkräften, gebildet werden. Durch den Vorsitzenden des Verwaltungsrates und Deputierten der Maschilis des Parlaments der Republik Kasachstan, A. P. Rau, wurde an die Bürgermeister der Gebiete und Städte ein Appell mit dem Ersuchen zur Durchführung einer Überprüfung der Schulen über vorhandene Deutschlehrer gerichtet. Die Schuldirektoren sind dazu angehalten, die Eltern vor der Aufnahme der Kinder in die erste Klasse mit Informationen über die Möglichkeiten der Wahl von Deutsch als erste Fremdsprache sowie über die Erstellung von deutschen Sprachgruppen ab einer Anzahl von sechs Interessenten zu versorgen. Albert Pawlowitsch sprach mit praktisch jedem stellvertretenden Akim der Region, der für die Bildung zuständig ist, über das Wesentliche der angenommenen Änderungen und die Notwendigkeit der jeweiligen Behörden, denen ihre Unterstützung anzubieten, die Deutsch lernen möchten. Die Rede ist nicht nur von Schülern mit deutscher Nationalität. Jedoch eröffnet die Beherrschung der deutschen Sprache viele neue Möglichkeiten für die Jugend. Durch eine konsequente Zusammenarbeit der regionalen Gesellschaften , der Schuldirektoren und der Eltern werden alle notwendigen Voraussetzungen für die Wiederaufnahme des Deutschunterrichts in den Schulen ab dem 1. September des laufenden Jahres getroffen. Am 10. April hat sich die Koordinatorin der Spracharbeit der öffentlichen Stiftung „Wiedergeburt“ Swetlana Schubina in der Schulverwaltung des Gebietes Nordkasachstan mit Spezialisten getroffen, die für die gegenwärtige Ausrichtung verantwortlich sind. Und bereits am 11. April fand auf Grundlage der KGU „Erstes Gymnasium“ der Stadt Petropawlowsk ein Treffen zwischen der den Repräsentanten der Verwaltung, den Schuldirektoren des Gebietes Nordkasachstan und den Lehrern statt. Die Teilnehmer erörterten die Perspektiven in der Entwicklung der deutschen Sprache in Kasachstan und entwarfen einen Plan für gemeinsame Handlungen. Das Akimat des Gebietes Nordkasachstan sendete eine offizielle Antwort über die Schulen ermittelt wurden, die im Schuljahr 2019 – 2010 Deutsch als erste Fremdsprache gewählt haben. Auf der vorliegenden Liste stehen fünf Schulen: das Korneewer Gymnasium im Gebiet Esil, das KGU Gymnasium „Best“, das erste Gymnasium, die Mittelschule Nr. 7 und die Mittelschule Nr. 10 in der Stadt Petropawlowsk. Es ist wichtig, das große Interesse der Anwesenden anzusprechen. Das Potenzial der Wiederherstellung der deutschen Sprache vom Standpunkt des Lehrpersonals aus gesehen bleibt bestehen, und in die Schulen kann noch eine große Anzahl an Pädagogen zurückkehren. Die Leiter der regionalen öffentlichen Vereinigungen „Wiedergeburt“ müssen sich persönlich mit den Vertretern der zuständigen Bildungsbehörden treffen, die Situation erklären, Fragen beantworten, das bereits Erreichte kommentieren, gemeinsam Wege zur Entwicklung der deutschen Sprache aufzeigen und mit ihnen über die Motivation und die Vorurteile der Beherrschung der deutschen Sprache sprechen. Die Wiederherstellung des Status der deutschen Sprache in Kasachstan hängt heute von den gemeinsamen Anstrengungen des Staates und der Gesellschaft ab, und diese beiden Seiten müssen in ihren Bestrebungen geeint sein! Swetlana Schubina Übersetzung: Philipp Dippl
Realisierung des Programms zur Unterstützung der deutschen Ethnie im Gebiet Nordkasachstan Veröffentlicht in 19. April 201930. Juli 2020 Am 1. Februar des laufenden Jahres hat der Verwaltungsrat der öffentlichen Stiftung „kasachstanische Vereinigung der Deutschen „Wiedergeburt“ eine überaus wichtige Frage erörtert – Die Finanzierung der Projektaktivitäten der OO „SKONKZ „Wiedergeburt“ (Stadt Petropawlowsk) im Rahmen der Erfüllung des Förderungsvertrages. Im Jahr 2018 wurde die Finanzierung zwei Mal ausgesetzt aufgrund von Versäumnissen der Rechenschaftsberichte zum festgesetzten Termin. In diesem Zusammenhang stieß die Stiftung auf das Problem, die Deutschen der Region nicht ohne die ihnen zustehende Hilfe alleine zu lassen. Mitte Januar des diesen Jahres fand eine Reise der Mitarbeiter der Stiftung und der Mitglieder des Verwaltungsrates nach Petropawlowsk statt, in dessen Verlauf die Gründe für die instabile Arbeit der Gesellschaft im Programm zur Unterstützung identifiziert wurden. Der Leitung der Gesellschaft wurde die Notwendigkeit von Ordnung in der Schriftführung angeführt, vor allem in der Finanzberichterstattung und in der Umsetzung der Empfehlungen, die als Resultat des Monitoring und zur zukünftigen Vermeidung des Scheiterns der Berichterstattung ausgegeben wurden. Als Ergebnis der Diskussion wurde eine Entscheidung getroffen: ausgehend von den Interessen der Gemeinschaft der Deutschen Nordkasachstans wird die Projektarbeit in der Region durch die OO „SKONKZ „Wiedergeburt“ unter der Bedingung der strengen Einhaltung der geltenden Regeln und Bestimmungen sowie der vierteljährlichen Kontrolle der Umsetzung der Projektaktivitäten im Programm zur Unterstützung der deutschen Ethnie in Kasachstan wiederaufgenommen. Ungeachtet der großen Anstrengungen seitens des Verwaltungsrates der öffentlichen Stiftung „Wiedergeburt“ gelang es dem ausführenden Büro leider bis zum heutigen Tage nicht, die Projektarbeit der OO „SKONKZ „Wiedergeburt“ in Ordnung zu bringen. In Abstimmung mit der finanzierenden Organisation wurde die Entscheidung über die direkt von der öffentlichen Stiftung „Wiedergeburt“ ausgehenden Finanzierung an die Sacharbeiter und Begünstigten der Projektaktivitäten im Gebiet Nordkasachstan getroffen. Dank dem reibungslosen Vorgehen wurde ein Projekt zur Ausgabe von Lebensmittelhilfen umgesetzt. Insgesamt erhielten 528 Begünstigte Hilfe, von ihnen 175 Städter und 351 Dorfbewohner: dies sind Rentner, Menschen mit eingeschränkten Möglichkeiten, Bedürftige und sozial benachteiligte Schichten der Bevölkerung mit deutscher Nationalität. Ein Sozialkoordinator leistet Beratungsdienstleistungen und setzt das Projekt zur Erstattung von Medikamentenkosten um. Im ersten Quartal 2019 wurden ebenfalls zwei Sprachgruppen organisiert und ein interessanter Deutschkurs durchgeführt. Heute arbeiten in der Stadt Petropawlowsk fünf Sprachgruppen, von denen eine für Kinder und eine für Jugendliche ist. In naher Zukunft beginnt die Arbeit des Projektes des Netzwerks der Begegnungszentren, welches es erlaubt, die Anstrengungen zum Erhalt der Bräuche, Traditionen und Kultur der Deutschen im Gebiet Nordkasachstan zu konzentrieren. Im Rahmen des Projektes sind Arbeitszirkel geplant: Theaterzirkel, Gesangsgruppen und Kurse zur angewandten Kunst. Die ersten Resultate ihrer Arbeit demonstrieren die Teilnehmer der kreativen Gruppen und der Sprachprojekte an den Osterfeierlichkeiten. Des weiteren können die Deutschen im Gebiet Nordkasachstan an Sprachwettbewerben, Festivals, Tagen der deutschen Sprache und Kultur und an allen Veranstaltungen teilnehmen, die von der öffentlichen Stiftung „Wiedergeburt“ durchgeführt werden. Das Exekutivbüro und die Koordinatoren vor Ort sind daran interessiert, wie man so viele Landsleute wie möglich in die Tätigkeit der regionalen Selbstorganisation miteinbeziehen könnte. Die öffentliche Stiftung „Kasachstanische Vereinigung der Deutschen „Wiedergeburt“ drückt Aleksandr Andreewitsch Merk, dem Direktor der wirtschaftlich-technischen Hochschule für die geleistete Förderung in der Umsetzung von Projekten, für die Organisation von Sprachkursen und Arbeitszirkeln ihren Dank aus. A. A. Merk war einer der Beteiligten an der Entstehung von „Wiedergeburt“ im Gebiet Nordkasachstan und konnte in dieser schwierigen Periode nicht gleichgültig bleiben. Die Umsetzung des Programms zur Unterstützung der deutschen Ethnie bildet einen wichtigen Faktor in der Effektivität der Projektaktivitäten der öffentlichen Stiftung „Wiedergeburt“ und richtet sich an alle Deutschen Kasachstans. Übersetzung: Philipp Dippl
Witalij Schaber – der neue Staatsanwalt des Gebietes Ostkasachstan Veröffentlicht in 19. April 201930. Juli 2020 Nach Meldung des Pressedienstes der Staatsanwaltschaft des Gebietes Ostkasachstan wurde auf Weisung des Generalstaatsanwalts der Republik Kasachstan Wiktor Nikolajewitsch Schaber (geboren 1978) in die Funktion des ersten stellvertretenden Staatsanwalts des Gebietes Ostkasachstan ernannt. Witalij beendete die juristische Fakultät der staatlichen Universität Ostkasachstans. Der Dienst in den Behörden der Staatsanwaltschaft begann im Jahr 2002 als Assistent des Staatsanwalts des Kreises Schemonaichsk. Danach hatte er sukzessive die Tätigkeiten des Staatsanwaltes und des leitenden Staatsanwaltes der Administration, des stellvertretenden Vorgesetzten der Administration der Gebietsstaatsanwaltschaft, sowie des Sstellvertretenden Staatsanwaltes der Stadt Ust-Kamenogorsk inne. Von 2010 bis 2014 leitete er die Staatsanwaltschaft der Stadt Ridder. In der Periode von 2014 bis 2016 war er Staatsanwalt im Kreis Zyrjanowsk. Bis zur jetzigen Ernennung arbeitete er als stellvertretender Staatsanwalt des Gebietes. Das Dienstalter in den Behörden der Staatsanwaltschaft beträgt mehr als 16 Jahre. Ein großartiger Beamter und Beistand für die Justiz. Übersetzung: Philipp Dippl
Brücken der Freundschaft und der Partnerschaft errichten Veröffentlicht in 19. April 201930. Juli 2020 Am vergangenen Freitag fand im zentralen Büro des NPP „Atameken“ das nächste Treffen der Mitglieder des Business-Clubs statt, welches von der öffentlichen Stiftung „Kasachstanische Vereinigung der Deutschen „Wiedergeburt“ organisiert wurde. Der Club wurde vor nicht allzu langer Zeit gegründet, in erster Linie zur Konsolidierung der Aktivitäten deutscher Unternehmer. Doch nicht jeder Geschäftsmann kommt wegen der Hilfe oder Beratung, sie sind es gewohnt, sich auf ihre Stärken zu verlassen. Deshalb ist es so wichtig, den Unternehmern eine Reihe von Dienstleistungen anzubieten, die den Wert des Unternehmens steigern und unmittelbare Probleme lösen. Diese Meinung äußerte der stellvertretende Vorsitzende des Verwaltungsrates der öffentlichen Stiftung „Wiedergeburt“ und seit kurzem stellvertretender Vorsitzender der Direktion der nationalen Kammer der Unternehmer Kasachstans „Atakemen“ Ewgenij Bolgert. Der Business-Club entstand und entwickelt sich immer noch wie ein Teil der öffentlichen Selbstorganisation, aber mit dem Ziel einer baldigen Transformation in ein Dienstleistungsunternehmen. Den Rechtsschutz sicherstellen, Hilfestellungen in schwierigen Situationen anbieten, und bei Bedarf Kräfte zur Erfüllung gemeinsamer Aufgaben bündeln – was gibt es nicht alles für Situationen im Leben. Die Organisatoren des Clubs sind bestrebt, verschiedene Gruppen unserer Geschäftsmänner anzunähern, woraus womöglich freundschaftliche Beziehung entstehen können. Die Wirtschaft der einfachen Dinge Im Rahmen der Konferenz kam die Sprache auf die Realisierung des staatlichen Programms zur vergünstigten Kreditvergabe kleiner und mittlerer Unternehmen der Industrie und des Sektors AKP. In der Terminologie des Business-Clubs bedeutet dies die „Wirtschaft der einfachen Dinge“. Die Teilnehmer haben übereinstimmend den Nutzen und die Aktualität des Programms hervorgehoben, welches kleinen Unternehmen die Möglichkeit gibt, sich weiterzuentwickeln, unter Gewährleistung eines Marktes für Waren und Dienstleistungen, welcher neue Arbeitsplätze schafft. Dies ist übrigens eine der Voraussetzungen für den Erhalt eines Darlehens. Die Kreditzahlen sind schwer zu ignorieren: 15% pro Jahr bei Kompensation aus dem Budget, 7% zugunsten des Kreditnehmers und der Bank. Neun Banken der zweiten Ebene haben sich bereits dem Service des Programms angeschlossen und mehr als 300 Geschäftsprojekte zur Erörterung angenommen, mehr als 20 wurden genehmigt und erhalten Zuschüsse. Im Club formiert sich eine Fraktion von Geschäftsmännern, welche die Union der deutschen Jugend Kasachstans betreut. Dies ist bereits ein Blick in die Zukunft. Es ist geplant, die Jungunternehmer mit den Veteranen der Marktökonomie zusammenzubringen, um die junge Generation so leicht wie möglich auf Kurs zu bringen. Die Formen der Betreuung werden diskutiert. Der Leiter der Universitätsvereinigung „WIUIM“ Andrej Schnitkowski besuchte ebenfalls das Treffen. Er kam mit den Befugnissen, eine Struktur zu bilden, welche die Interessen des Kapitals und der Arbeitskraft, in erster Linie der jungen, vereint. „Wir werden Bildung nach Kasachstan importieren, und nicht die Gehirne unserer Jugend ins Ausland exportieren“, – versicherte A. Schnitkowski. Auf dem Treffen wurden die neuen Mitglieder des Clubs vorgestellt, Vorschläge zur Erarbeitung eines Loyalitätsprogramms und der Anfertigung einer Clubkarte diskutiert, und das Datum für das nächste Treffen festgelegt, welches bereits im Mai stattfindet. Walerij Schewalje Übersetzung: Philipp Dippl
Ein neuer Impuls in der Entwicklung der nationalen deutschen Kultur Veröffentlicht in 8. April 201930. Juli 2020 In Kemerovo fand ein Seminar für Leiter von Vokal- und Gesangsgruppen der deutschen Gesellschaften statt, welches vom Moskauer Institut der ethnokulturellen Erziehung organisiert wurde. Aus Kasachstan haben Swetlana Rutz, die Leiterin der Kinder- und Jugendgesangsgruppen der Gesellschaft der Deutschen Akmolinsk, und Wera Filippowa, die die Gesangs- und Instrumentengruppen „Juwel“ und „Singende Herzen“ der deutschen Gesellschaft im Gebiet Zhambyl leitet, an der Veranstaltung teilgenommen. Irina Moltschanowa und I. Wulf erzählten den Teilnehmern über die Notwendigkeiten in der Bildung der Organisationsstrukturen der TORN (künstlerische Ausrichtung in der Arbeit der Organisation der Deutschen), welche das künstlerische Schaffen, Musik, Theater, Literatur, Choreografie, Medien und moderne Formen der Kunst (Foto, Video, Lichtinstallationen, usw.) vereinen. Die Schlüsselziele sind die Unterstützung der Kulturrepräsentanten und die Verwirklichung ihres Potentials, die Förderung neuer Talente, die Entwicklung der kulturellen Identität innerhalb der deutschen Gesellschaft. Im Rahmen des Workshops „die Methodik der Arbeit mit deutschen Liedern in selbstständigen Kollektiven in den deutschen Kulturzentren“ demonstrierte Irina Moltschanowa Singproben, Artikulations- und Atemübungen und Begrüßungskanons. Der Dozent der RAN namens Gnesinych Jurij Naumkin führte den Workshop „Volksgesänge mit Rhythmen angelehnt an die deutsche Gesangsfolklore“, „Solo und Ensemblegesang mit Begleitung durch Volksinstrumente“ und „Traditionelle deutsche und österreichische Lieder. Die Technik des Jodelns“ durch. Roman Matweew hat die Zuhörer mit theoretischen und praktischen Übungen in der deutschen Gesangsphonetik begeistert. Besonderen Eindruck hinterließ der Auftritt der Gesangs- und Choreografiegruppe „Präludium“ unter der Leitung von Ewgenij Netschaewoj. Ich möchte den Organisatoren meinen Dank aussprechen für dieses so inhaltsreiche und interessante Seminar. Wir sind uns sicher, dass uns diese Veranstaltung einen neuen Impuls in der Entwicklung der nationalen deutschen Kultur bringen wird. Übersetzung: Philipp Dippl
Gefangener der Pastellzeichnung Veröffentlicht in 8. April 201930. Juli 2020 In der Gesellschaft „Wiedergeburt“ in Ridder haben die Teilnehmer der Schule des dritten Alters, Kinder, Jugendliche und alle Freunde der darstellenden Künste die Werke der Künstlerin Antonina Fedorowa kennengelernt. Sie malt mit verschiedenfarbigen Pastellkreiden, ihre Arbeiten gelingen so ausdrucksstark und sinnlich, dass man nicht gleichgültig bleiben kann. Der Name Antonina fliel im letzten Sommer, als im Kunstmuseum des Gebietes die Abschlussveranstaltung der republikanischen Pleinairmalerei „Altaj – die Perlen Kasachstans“ stattfand. Zu dieser Zeit haben sich mehr als zwanzig Künstler, die aus verschiedenen Landesteilen nach Ostkasachstan kamen, im Ferienheim „Kok-Tau“ im Tajyntinsker Nadelwald versammelt. – Die Natur ist eine solche Quelle der Inspiration, aus welcher Künstler aller Zeiten schöpften. Man kann ein unbedeutendes Staubkorn herannehmen und aus ihm so viel machen, weil es für sich selbst schön ist. Ähnliche Pleinairmalereien haben Mäzene auf dem Gutshof Abramzewo veranstaltet. Die Künstler konnten frei schaffen, ohne an die tägliche Routine zu denken. Denen, die sich zum Pleinair versammelt hatten, offenbarte sich eine mächtige Präsentation verschiedener Weltanschauungen, so wie auf einer Palette. Das ist großartig! Die persönliche Ausstellung von Antonina eröffnete im städtischen Ausstellungssaal in Ridder. Als sie die Künstlerin vorstellte, erzählte die Kunsthistorikerin Ljubow Zaitzewa, dass Tonja Fedorowa am 7. November 1991 in Leninogorsk im Gebiet Ostkasachstan geboren wurde. Die Mutter von Tonja, Elena Edmundowna (geborene Wajnbender) arbeitet als Ikonenmalerin und ist Mitglied in der Union der Künstler Kasachstans. Von 2004 bis 2008 lernte Antonina in der Kindermalschule von Ridder. Im Jahr 2010 beendete sie das physisch-mathematische Lyzeum und ging an die MGTU namens A. N. Kosygin in die Fachrichtung „Kunstdesign von Trachten“. Während der Ausbildung hat sie an internationalen Wettbewerben teilgenommen. Im Jahr 2015 hat sie ihr Diplom mit Bestnote verteidigt und ist in ihre Heimatstadt zurückgekehrt. Heute ist sie Malerin und Kunsthandwerkerin. Antonina Fedorowa ist Mitglied der nationalen Union der Pastellmaler Russlands. Ihre Arbeiten befinden sich in den Sammlungen des Ostkasachstanischen Kunstmuseums und in Privatkollektionen Kasachstans, Russlands und Deutschlands. Sie nahm am allrussischen Jugenforum „Schritt in die Zukunft“ (2011), am öffentlichen Jugendwettbewerb Kuststylisten für Mode „Formel des Stils“ (2014), am Designfestival „Totchka.RU“, an den internationalen Wettbewerben „Die Nadel der Admiralität“ und „Exercise“, am Moskauer Wettbewerb der Modeschöpfer und an der Ausstellung „Von der Studienpraxis zur künstlerischen Stylistin“ teil. Sie erhielt die Ehrenurkunde für Kostümskizzen im Wettbewerb der japanischen Modeschule „Sugino“. Im Jahr 2018 hat sie an der Kunstausstellung „Das Werk unserer Landsleute“ in Ridder und der Ausstellung der Finalisten des Wettbewerbs „Meine Pleinairmalerei“ im Rahmen des Kunstfestivals „Bunte Berge 2018“ teilgenommen. Mit Freude über das Werk von Antonina Fedorowna antwortete die Vorsitzende der öffentlichen Vereinigung „Wiedergeburt“ des deutschen Kulturzentrums Leninogorsk Ljubow Ignatjewa: „Tonja ist unser Sternchen, unser ganzer Stolz!“ Die Mutter von Antonina, Elena Edmundowna ist eine Nachfahrin Wolgadeutscher – ihre Eltern Edmund Aleksandrowitsch und Elmira Adamowna Wajnbender wurden als Kinder nach Kasachstan gebracht. In Ridder sind sie aufgewachsen, haben eine Familie gegründet und haben die meiste Zeit ihres Lebens verbracht, im Jahr 1999 gingen sie zusammen mit ihrem ältesten Sohn nach Deutschland. Die Arbeiten von Antonina Fedorowna kann man in ihrem kunstvollen Online-Tagebuch (https://www.yooying.com/tonyafeo) betrachten. Neben ihren Arbeiten und Fotografien teilt die junge Frau dort auch interessante Gedanken und Emotionen mit den Lesern. Andrej Kratenko Übersetzung: Philipp Dippl
In allem sollte Disziplin sein Veröffentlicht in 8. April 201930. Juli 2020 Die Armbanduhr auf dem kleinen ledernen Kissen erinnert Wiktor Rejtenbach an diese schrecklichen 24 Stunden, welche für seine Eltern zur erzwungenen Aussiedlung aus der Stadt Chanlar in der Aserbaidschanischen SSR bestimmt waren. Das Landgut wurde im Jahr 1733 von den Brüdern Rejtenbach gegründet, als sie sich auf der Suche nach den besten Parzellen auf den fruchtbaren Böden Aserbaidschans niederließen. Im Oktober 1941 gingen die Eltern mit den kleinen Jungen Sigfrid und Wiktor in das Unbekannte.Man brachte sie auf offene Pritschenwaggons, auf der Reise bauten sie Dächer. Auf dem Weg hat man den Vater, so wie viele andere, in die Arbeitsarmee weggeholt. Von dort kam er als Invalide zurück. „Wir kamen in das Gebiet Akmolinsk: in das Dorf Jagodnoje, dann nach Zhanaturmys, solange uns noch kein fester Wohnort in Zhurawljowko zugewiesen wurde. Ich erinnere mich, wie man uns in eine Jurte zu einer kasachischen Familie gesteckt hat. Die Hausherrin, die nicht ein einziges Wort Russisch verstand, weinte ununterbrochen. Sie hatte nichts, um ihre eigene Familie zu ernähren, und da kamen wir. Um zu überleben, lernte ich, Getreide mit der Mühle zu mahlen und gab die Hälfte des Mehls immer an diese Frau. Das ganze Leben lang habe ich mich an die Worte des Hausherren erinnert: „Söhnchen, lerne zu arbeiten, lerne zu überleben!“. Wir haben überlebt. Weil alle Bewohner dieses Ortes, unabhängig von der Nationalität, geholfen haben, wo es ging. Seit der Kindheit unterschied sich Wiktor durch die unbezwingbare Energie, durch seine Absichten. Er war immer die Stütze der Familie. Er hat erfolgreich die Schule beendet, hat die Ausbildung am tierärztlichen Technikum Akmolinsk fortgeführt. Das erste Ausbildungspraktikum absolvierte er in der Kirow-Kolchose im Gebiet Pawlodar, dessen Vorsitzender Georgij Schinf ihn zu sich zur Arbeit einlud. Nachdem er das Technikum mit Bestnote abschloss, ging Wiktor an das tierärztliche Institut in Almaty, und kehrte in die Kolchose bereits mit dem roten Diplom zurück. So begann der Lauf seiner Diensttätigkeit: vom Cheftierarzt bis zum Vorsitzenden. An die 25 Jahre Arbeit in dieser Kolchose erinnert sich Wiktor Genrichowitsch mit nostalgischen Gefühlen. Sie haben die heimischen Rassen erhalten und neue aus Russland, dem Baltikum und Deutschland hergebracht. „Es erfreut mich, dass Kasachstan seinen Weg in der Viehzucht beibehalten hat. Heute gibt es natürlich weniger Vieh, aber die Beziehung zur Zucht ruft Achtung hervor“, – sagt mein Gesprächspartner. Als Mensch mit einer aktiven Lebensposition hat Wiktor Fridrichowitsch immer angeführt: „Mach es so wie ich! Mach es besser!“ – sind seine Prinzipien. Und in der zweiten Hälfte der 1970er Jahre hat er die Produktion von Geflügelfleisch und Eiern bedeutend gesteigert und Technologien zur Geflügelzucht und Zucht der Rasse Broiler eingeführt. Als späterer Direktor der Sowchose „Grenzsoldat“ im Kreis Ermalowsk (1978) hat es Rejtenbach geschafft, den Landwirtschaftsbetrieb zu einem der größten in der Region Pawlodar zu machen. Die Erfolge sprechen für sich: der Eintrag in das Buch des Arbeitsruhms im Gebiet (1981), in das goldene Ehrenbuch der Kasachischen SSR (1981); Überreichung des Roten Arbeitsbanners „In den Händen“ bis zum Jahr 1989. „Wir, die drei Direktoren Karl Blatz, Jakow Gering und ich, haben immer miteinander gewetteifert. Dieser Kampf war toll, fair, aber rigoros. Wir haben gegenseitig Erfahrungen ausgetauscht, und unser Wissen weitergegeben“, . Erinnert sich Wiktor Fridrichowitsch. Jedwede Sache, die ihm angetragen wurde, hat er zur Perfektion gebracht: er wurde im Jahr 1989 zum Direktor des sich im Bau befindlichen Schweinezuchtkomplexes ernannt, der bereits im Jahr 1992 in die Sowchose „Freundschaft“ reorganisiert wurde, als dessen Direktor Rejtenbach bis zu seiner Pensionierung arbeitete. Wo auch immer dieser wahre Profi mit seinem Fuß auftrat, blühte alles auf und erwachte zum Leben, egal in welchem Bereich: betrieblich, sozial-kommunal oder kulturell. Unter ihm wurden drei Stammfarmen geschaffen, Das Haus der Kultur und des Lebens, Kindergärten und Schulen gebaut, Sanitätspunkte, Kaufhäuser und 10200 Quadratkilometer Wohnfläche errichtet (Sowchose „Grenzsoldat“). Rejtenbach ist stolz darauf, dass er seinen Beruf niemals gewechselt hat. Bis heute richten sich Menschen für Rat und Unterstützung an ihn. So wurde er, bereits nach „Grenzsoldat“ und in Rente, vom Generaldirektor Wjatscheslaw Ruf in die Funktion des Beraters geladen. „Ruf war ein toller Kerl!“ ruft Wiktor Fridrichowitsch. – Er hat seine Sache richtig gemacht, wirtschaftlich. Jetzt zeigt sich die Erfahrung: von der Schlachtung und Verarbeitung bis zum Verbraucher allerhöchste Produktionsqualität. Meine Rolle bestand darin, technologischen Fortschritt zu erarbeiten. Die Idee von Ruf war es, dass Respekt zur Rüstung des Betriebes in den Kolchosen und Sowchosen dienen sollte. Ich bin stolz, dass auch ich meinen Beitrag dazu geleistet habe“. Als ich im Familienarchiv kramte, fand ich einen interessanten Brief: „Im Laufe vieler Jahre haben Sie es fertig gebracht, gewissenhafte Arbeit mit öffentliche Aktivitäten zu vereinen, womit Sie zu einem aktiven Mentor der Jugend geworden sind. Durch die persönliche Verantwortung für die Sache haben Sie sich die wohlverdiente Autorität und die Liebe ihrer Verwandten und Bekannten verdient“. Was kann man diesen großen Worten noch hinzufügen? Die Heimat hat W. F. Rejtenbach seinen Verdienst in der Entwicklung der Landwirtschaft, in der Aneignung der Neulandgewinnung und in der aktiven Planung hoch angerechnet. Er wurde mehrfach mit Medaillen, Urkunden und Dankesschreiben ausgezeichnet. Er besitzt zwei „Orden der roten Arbeit“ und einige Jubiläumsmedaillen, die verschiedenen Ereignissen im Leben des Landes und der Region zugeordnet werden. Über die Eltern erzählt er viel und bereitwillig. „Wir sind Schwaben“. Die Mama, Gilda Ernesowna Gljot, war Hausfrau, und der Vater, Fridrich Fridrichowitsch Rejtenbach hat zuerst als Sekretär im Dorfrat gearbeitet, dann als wirtschaftlicher Buchhalter. Im Alltag waren die Eltern Landwirte und Weinbauern. Sie haben Äpfel und Weintrauben angebaut.“ Als Wiktor in Almaty studierte, hat er die Eltern dort hin gebracht. Sie haben ein Häuschen gefunden und begannen, dort zu leben. Dort sind sie auch beide begraben. Heimlich teilt er mit: „Es gab eine Zeit, da wollte ich gehen (mit der allerersten Welle). Es wurde abgelehnt. Ein Damm, der die sowjetische Ordnung stärkte. Später, als die Regeln gelockert wurden, konnte ich gehen, aber da habe ich abgelehnt. Natürlich ist die Verindung zur historischen Heimat stark, aber es hat sich viel in Kasachstan geändert. Ein Lob an Nasarbajew: Kasachstan führt in allen Beziehungen, was die interethnische Harmonie betrifft. Jede Nation hat ihre Nische. Dies ermutigt dazu, genauso wie die kasachische und die russische die Muttersprache zu lernen. Wir, die Deutschen, achten auf die Entwicklung unserer Kinder: wie lernen sie die Sprache, in welchen Räumen lernen sie, wie freunden sie sich mit den anderen Nationen an. Das alles ist wichtig“. Wenn man auf diesen großen, strammen Mann blickt, der seinen Optimismus in 85 Jahren nie verlor, entsteht unwillkürlich Sympathie zu ihm. Wie lebt denn heute Wiktor Fridirchowitsch? – Das Ehrenmitglied des Vorstands der Gesellschaft der Deutschen „Wiedergeburt“ in Pawlodar, Vorsitzender des Ältestenrates reicht seine Erfahrung an die Jugend weiter: „In allem sollte Disziplin sein. Bleibt in jeder beliebigen Situation mit den Menschen ehrlich, fleißig, prinzipientreu. Glaubt an eure Kräfte, seid aktiv“. Ljudmila Bewz Übersetzung: Philipp Dippl
Eine für die Deutschen nützliche Gesellschaft aufbauen Veröffentlicht in 8. April 201930. Juli 2020 Der Vorsitzende der Gesellschaft der Deutschen des Gebietes Atyrau Oleg Schmal weiß alles über die Ölförderung, liebt Motorradfahren und verweht anderen Menschen niemals Hilfe. Vorsitzender der deutschen Gesellschaft – das ist ein selbstgewähltes, verantwortungsvolles und in höchstem Maße selbstloses Amt. Wer möchte schon in seiner Freizeit öffentliche Belastungen auf sich laden? Pädagogen, Geschäftsmänner, Ärzte, Repräsentanten dieser und anderer Berufe haben die Vereinigung der Deutschen Kasachstans angeführt, aber so etwas gab es in der Geschichte von „Wiedergeburt“ noch nicht: Vor kurzem wurde die Leitung der deutschen Gesellschaft der Region Atyrau dem Ölförderungsingenieur und Motorradfahrer Oleg Schmal anvertraut. Familiäre Werte Der Name Schmal ist im Gebiet Atyrau bekannt. Der Vater des gegenwärtigen Vorsitzenden, Iosif Iosifowitsch ist ein angesehener Mensch und Leiter einer Firma zur Ölförderung. – Wir haben eine große Familie, wir halten alle zusammen, so wie es uns der Großvater und Urgroßvater beigebracht haben. Wir bewahren die Familiengeschichte, um sie an unsere Kinder weiterzugeben. – sagt Oleg. Im Jahr 1941 wurden der Urgroßvater Iwan Michajlowitsch Schal und die Großmutter Anna Aleksandrowna (Zejwald) zusammen mit den Kindern nach Sibirien deportiert. Das raue Klima im Dorf Tymsk und die harten Bedingungen in der der Kommandantur unterstehenden Siedlung waren eine harte Bewährungsprobe für die Neuankömmlinge. Unter der Kommandantur abreiteten sie bis ins Jahr 1957. Erst nach dem Tod Stalins erhielt die Familie Schmal ihre Pässe zurück und die Erlaubnis, ohne das Recht auf Rückkehr in die Heimat zu gehen. Die Neulandgewinnung begann und die Böden des Altaigebietes lockten mit Freiheit. Dahin gingen sie. Dort, in der Region Altai, im Dorf Tabuny, hat Zinaida Schmal ihren Sohn Oleg geboren, aber da die junge Mutter sofort nach der Geburt nach Pawlodar ging, wurde das Kind bereits in Pawlodar registriert. Der Vater von Oleg kam nach der Schule nach Kasachstan, ging auf die Industriehochschule Pawlodar. Nach dem Abschluss wurde er nach Mangyschlak verwiesen, wo er als Handwerker in einer Maschinenwerkstadt arbeitete, später wechselte er in die Komsomol- und Parteiarbeit, und seit 1989 leitete er die sozialökonomische Abteilung des Gebietskommittees der Partei Gurjewsk. Nachdem Kasachstan die Unabhängigkeit erlangte, organisierte Iosif Schmal ein Unternehmen, welches später als eines der ersten im Land eine Lizenz zur Ölförderung erhielt. Zum lernen ist es nie zu spät Seit der frühesten Kindheit entwickelte sich Oleg zu einem wissbegierigen Jungen, er las viel, ging in Gruppen, Zirkeln, Sportabteilungen. Er war der älteste der Pionierabteilung der Schule, Vorsitzende der Komsomolzelle, und wer weiß, wohin ihn das Schicksal gebracht hätte, wäre nicht das Jahr 1991 gewesen. Er ging auf die polytechnische Hochschule, hat die Ausbildung abgebrochen, er ging weg, um Wissen in den USA zu erwerben. Er kam zurück, erhielt den Hochschulabschluss im Fachbereich „Ökonomie und Management in der Wirtschaft“, ging anschließend auf die polytechnische Hochschule für Öl und Gas Atyrau. Parallel dazu arbeitete er in den größten Ölförderbetrieben der Region. Er erhielt eine gute Berufserfahrung. Seit 2004 arbeitet er im Unternehmen des Vaters. Immer in der Nähe – Die Gesellschaft der Deutschen ist mir nicht fremd. Im Jahr 1997 war ich einer ihrer Organisatoren, half, habe versucht, nützlich zu sein. Als sich Aleksandr Fillipowitsch Dumler dazu entschied, in Rente zu gehen, wurde ich in einer allgemeinen Versammlung ausgewählt, und das war der Beginn von etwas neuem in meinem Leben, – erzählt Oleg Schmal mit Begeisterung. Die Position in der Funktion des Vorsitzenden ist eine Herausforderung für mich selbst. Eine neue Schule des Lebens und der Erfahrung: – In diesem Jahr begehen wir das Jubiläum von „Wiedergeburt“. Der Anfang der 90er Jahre war eine schwierige Zeit, und in dieser Zeit hat die Gesellschaft vielen Deutschen geholfen, ihr Leben zu ordnen. Einige gingen, andere haben sich zusammengeschlossen und Antworten auf aufwühlende Fragen bekommen. Im Land blieben die, die Kasachstan als ihr Heim angesehen haben. Das bedeutet, dass die Gesellschaft und die Stiftung „Kasachstanische Vereinigung der Deutschen „Wiedergeburt“ mit der Zeit auf die Beine kommen musste, sich entwickeln mussten. Es sollte eine Umgebung des gegenseitigen Verständnisses geschaffen werden, wo die Menschen sich gegenseitig helfen, eine Arbeit zu finden, ein Geschäft voranzubringen. Die Diaspora bleibt nur spannend, wenn sie sich nach vorne bewegt. Bis heute sind circa 400 Deutsche im Gebiet Atyrau geblieben, unter ihnen viele ältere Menschen. Es ist schwierig, die Arbeit der Gesellschaft in Bewegung zu bringen, aber es ist durchaus möglich. Es gab einen Misserfolg zwischen Schülern und Pensionären. Diese Fehleinschätzung versuchen wir, zu beheben. Niemand ist niemandem etwas schuldig, aber wir bewegen uns fort zu einem gemeinsamen Ziel. Je weiter wir gehen, desto deutlicher zeichnet sich der Horizont ab. Und der könnte anders aussehen als zu Beginn der Reise. Vor uns eröffnen sich neue Perspektiven. Es ist wichtig zu verstehen, dass die Menschen verschiedene Wege gehen, um an ihre Ziele zu gelangen. Wir suchen uns unsere eigenen, und werden sie auf jeden Fall finden, – reflektiert Oleg Schmal. Dies ist kein Hobby, sondern ein Zustand der Seele Neben der Hauptarbeit gibt es auch ein Hobby. Die Sprache ist vom Motorradclub „Wheels Brothers“, zu deren Organisator und Leiter Oleg wurde. In den sieben Jahren seiner Existenz wurde er zu einem der größten in Kasachstan. Das größte und ungewöhnlichste Projekt, das von der Vereinigung verwirklicht wurde, ist die Motorradrundfahrt „Mein Land“. Die Teilnehmer der Rundfahrt haben mehr als 50.000 Kilometer in Kasachstan zurückgelegt und mehr als 90 Tage auf der Straße verbracht. Die erste Rundfahrt fand im Jahr 2014 im Rahmen des Projekts „Менің Елім – Mein Land“ statt. Das Ziel der Expedition ist, Fahrtrouten zu kreieren, um zu ermöglichen, die historischen Orte Kasachstans kennenzulernen. Dies ist ein echter Beitrag zur Entwicklung des Öko-, Bildungs, Erlebnis, und Extremtourismus. – Der Club – das ist das Leben, welches brodelt und nicht müde wird. Wir planen eine internationale Motorradtour mit dem Namen „Auf den Spuren der Vorfahren“. Die Idee basiert auf der Erschließung der längsten Route der Neuen Seidenstraße aus China bis nach Westeuropa mit dem Besuch der sakralen Orte Kasachstans. Die Strecke beträgt circa 12.000 Kilometer. Das Ziel des Projekts ist es, vom spirituellen Reichtum, der modernen Entwicklung und der ethnisch-kulturellen Einheit der Völker unseres unabhängigen Heimatlandes zu erzählen. SO etwas hat vor uns noch niemand gemacht. Ob es uns gelingt, unsere Idee zu verwirklichen oder nicht, wird die Zeit zeigen, aber wir werden es anstreben, – versichert Oleg Schmal. Dmitrij Schinarenko Übersetzung: Philipp Dippl
„Europa leben- Wandel gestalten!“ Veröffentlicht in 6. April 201930. Juli 2020 Das Jugendcamp wird vom 30.07.2019 bis zum 11.08.2019 in der Casa Jakab Antal durchgeführt. Das Programm des Sommercamps besteht aus Sprachunterricht in Projektform und Workshops zur Vermittlung methodischer und inhaltlicher Fertigkeiten und Kompetenzen. Teilnahmebedingungen: Jugendliche im Alter von 14 bis 17 Jahren; Deutschkenntnissen mindestens der Niveaustufe A2; Teilnehmerbetrag: 100,00 EUR pro Teilnehmer/-in. BewerberInnen aus Kasachstan (3 Plätze + 1 Begleitperson) und Kirgisistan (3 Plätze + 1 Begleitperson). Jugendliche können sich bis zum 20.04.2019 bewerben. Goethe-Institut Kasachstan, Bejbitschilik-Str. 8, 010000 Astana, Kasachstan, Tel: +7 7172 571240, Email: Svetlana.Umirova.extern@goethe.de Übersetzung: Philipp Dippl
Es gibt jemanden, um den man sich kümmern muss und auf den man sich in seinen Sorgen verlassen kann Veröffentlicht in 5. April 201930. Juli 2020 Mehr als 700 Repräsentanten der deutschen Ethnie leben unter dem Dach des Zentrums für Sozialleistungen (ZSU) der Gesellschaft der Deutschen „Wiedergeburt“ der Hauptstadt. Darüber berichtete ihr Koordinator Elena Schwarz unserem Korrespondenten. Zwei Mal in der Woche kommen zehn bis zwölf Menschen in das deutsche Kulturzentrum, ziehen Sportklamotten an, nehmen spezielle Stöcke in die Hand und begeben sich in den nächsten Park. Dies ist die Sektion des Nordic Walking. Unter den Trainierenden sind Menschen der unterschiedlichsten Altersgruppen und Biografien. Die aktivste Teilnehmerin des Marsches ist Aleksandra Korotkowa, die vor kurzem 90 (!) Jahre alt wurde. Die jüngste der Gruppe ist Olga Root (sie ist fast halb so alt). Aber mit den Veteranen mithalten schafft nicht jeder. Bewegung, frische Luft, Kommunikation – das ist die größte Belohnung für die Teilnehmer dieser Ausflüge. Auf der Liste Angelegenheiten und Anliegen des ZSU stehen auch eher prosaische, aber nicht weniger wertvolle Dinge. Vor mir liegt eine Liste der Arbeit mit den Begünstigten: Invaliden, Rehabilitierte, Arme, kinderreiche Familien… Die Zahlen sind unterschiedlich, aber jeder von ihnen ist Mensch. Die Grafiken von Arbeitslosen, Waisenkindern, Invaliden und Menschen in Pflegeheimen sind mit Nullen gefüllt. Das heißt, es sieht alles gar nicht mal so schlecht aus. Und welche Wohltaten erhalten die Deutschen kostenlos von der Stiftung „Wiedergeburt“? Zwei Mal im Jahr begibt sich vom Büro der Regionalgesellschaft der Hauptstadt ein Personenwagen „Chevrolet“ auf die lange Reise, bis zur Decke vollgeladen mit Lebensmitteln für den täglichen Bedarf. Das ist Zucker, Pflanzenfett, Gretschka, Nudeln, Reis oder Tee. Neben den Bewohnern der Hauptstadt betreut das ZSU Landsleute, die in den Kreisen des Gebietes leben. Derer gibt es acht: Arschalinsk, Akkul, Astrachan, Ermentau, Egendykol, Kurgaldschinsk, Zelinograd und Schotandinsk. Und wo man die stadtnahen Kreise in zwei Stunden erreichen kann, so dauert die Fahrt in die entfernteren den ganzen Tag. In Akkul und Erejmentau gibt es eigenen Zweigstellen, die von Olesja Sejwald und Nina Kuznetzowa geleitet werden: sie benachrichtigen über die Ankunft der Lebensmittellieferungen, treffen und begleiten die Transporte aus der Hauptstadt. Außerdem gibt die Gesellschaft für die Prozente der Bankkonten Kranken mit chronischen Krankheiten Ausgleichszahlungen für Medizin, die in der Apotheke gekauft wurde. Ebenso arbeitet das ZSU der Hauptstadt erfolgreich mit der Zahnklinik AZAT-DENTEC zusammen. Die Repräsentanten der deutschen Gesellschaft erhalten hier ermäßigten Zahnersatz und andere Hilfeleistungen. Die Akademie für Senioren Ebenso geheimnisvoll sind die Gruppenfahrten für die Arbeitsveteranen in das erstklassige Kurheim „Zhumbaktas“ gekennzeichnet, welches sich auf dem Gebiet des bekannten Kurortes Burabaj befindet. Zuerst waren dies übliche Kuraufenthalte. Heute wird nur noch der Vormittag zur Stärkung der Gesundheit aufgebracht. In der zweiten Tageshälfte finden Deutschkurse, Computerkurse und Informationsveranstaltung zum Kennenlernen der Traditionen und Bräuche der deutschen Ethnie statt. An den letzten Fahrten nahmen auch Jugendliche und Kinder teil – und es gab keinerlei Auseinandersetzungen zwischen den Generationen. Ganz im Gegenteil konnte man demonstrativ gegenseitige Wertschätzung und rührende Fürsorge füreinander beobachten. Übrigens gehen die Computerkurse im Stadtbüro weiter: Die Großmütter und Großväter meistern eifrig den Umgang mit den Notebooks, die speziell zur Erfüllung dieser Aufgabe angeschafft wurden. Wenn man die schmalen Korridore des früheren Kindergartens entlang läuft, hört man hinter den Türen der kleinen Zimmer und Lehrsäle, wie eine Kinderstimme fleißig eine bekannte Melodie aus der deutschen Folklore summt… Und hier werden die Zahlenwörter wiederholt. Und dort ist Stille: Mit den Computern wird durch Kopfhörer kommuniziert… Aber an manchen Tagen der Woche klingen durch das ganze Büro die Lieder unserer Omas aus der Gesangsgruppe „Späte Blumen“. Dann ist es hier lustig, aber auch etwas traurig, weil man nur schwer die erste Spalte des Berichts vergessen kann. In ihr stehen nur zwei Ziffern: 3 + 1 Witwe eines Arbeitssoldaten. Nennen wir die Arbeitssoldaten beim Namen: Rudolf Zelmer (96 Jahre), Iwan Friz (95 Jahre), Lilija Tajchreb (95 Jahre). Insgesamt leben in der Hauptstadt und den bereits genannten Kreisen mehr als 17.000 Repräsentanten der deutschen Ethnie. Und das bedeutet, dass es für die Stiftung „Wiedergeburt“ jemanden gibt, um den sie sich kümmern muss, und auf den man sich mit seinen Sorgen verlassen kann. Walerij Schewalje Übersetzung: Philipp Dippl
Kultur spielend leicht kennenlernen Veröffentlicht in 5. April 201930. Juli 2020 Michail Wiktorowitsch Tejfel ist der Präsident des Verbandes des Tischspielsports der Stadt Almaty, Schiedsrichter auf überregionaler Ebene im Tischspielsport der Russischen Föderation und Deutscher väterlicherseits. Sein Hobby seit der Kindheit ist der Radiofunkverkehr. Sein Hobby hat er zum Beruf gemacht und so ist er bereits seit acht Jahren Generaldirektor der TOO „RadioTelecommunicationCompany“, welche die Belieferung von professioneller Radiofunkausrüstung und die Telekommunikation führender Unternehmen in Japan, China und Russland bereitstellt. – Michail Wiktorowitsch, erzählen Sie mir ein bisschen was über sich selbst. – Seit meiner Kindheit war mein Hobby die Funktechnik. Schon in der 7. oder 8, Klasse habe ich angefangen, Sachen zu löten und zusammenzubauen. Zu dieser Zeit habe ich einen der bekanntesten Funkfan Kasachstans kennengelernt – Gennadi Chonin. Mich hat alles interessiert, was mit der Welt der Radiotechnik zusammenhängt, in meiner Freizeit habe ich Radioempfänger und Funksender gebaut, habe mit verschiedenen Antennen experimentiert, an Wettbewerben teilgenommen und in allen Einzelheiten sämtliche Details in diesem Bereich studiert. Dieses Hobby hat mich mein ganzes Leben begleitet, lediglich die Ausstattung und die technischen Möglichkeiten haben sich geändert. So bin ich trotz meiner Sehschwäche mein Hobby mit dem Traum von der Luftfahrt vereint und bin auf das Institut für staatliche Luftfahrtingenieure nach Riga in die Fakultät für radioelektronische Ausrüstung für Flughäfen gegangen. In unserem Institut gab es eine gemeinschaftliche Amateurradiostation, wo wir unsere erlernten Kenntnisse in der Praxis konnten. Nach fast sechs Jahren der Ausbildung habe ich den sehnlichst gewünschten Fachberuf erlangt – Funkgenieur. In meiner Kompetenz lag alles, was mit den Landesystemen, mit Radar und der Funknavigation am Flughafen zusammenhing. Ich habe im vierten Lehrjahr, im Jahr 1984, geheiratet, und noch dort in Riga wurde unser Sohn Sergej geboren. Im Jahr 1987 kam ich durch Zuteilung in das vereinte Luftgeschwader Uralsk, wo ich drei Jahre als leitender Ingenieur MWL (lokale Luftlinien) arbeitete und eine kolossale Erfahrung erlangte. Der Funk ist für mich Eintauchen in einen Raum, der sich von unserem Leben völlig unterscheidet. Mit Hilfe von Radiowellen kann man mit jedem beliebigen Land auf unserer Erde in Kontakt treten, man braucht dazu lediglich eine Funkstation und eine Antenne … keinerlei Drähte. Außerdem ist es für mich ein Sport. Ich nehme regelmäßig an verschiedenen Wettkämpfen teil: Ich habe eine goldene und vier Bronzemedaillen in Radiofunkmeisterschaften der Republik Kasachstan gewonnen, einige habe ich in internationalen Wettkämpfen erlangt. – Was hat Sie dazu motiviert, sich mit dem Erlernen und der Herstellung von Tischspielen zu beschäftigen? Sind die denn populär? – Ich habe diese Spiele in Lettland kennengelernt. Vor dem ersten Semester sind wir in eine Kolchose geschickt worden, um Kartoffeln zu ernten. Aus der ganzen Union kamen fremde Kerle, die sich langsam gegenseitig kennenlernten, so entstanden jahrzehntelange Freundschaften. Interessanterweise war kein einziger Lette unter ihnen. Wir wurden im örtlichen Haus der Kultur untergebracht. Vor der großen Leinwand des Kinos standen unsere Betten, irgendwo dort sah ich diesen ungewöhnlichen Tisch: Ein Meter auf ein Meter, vier Löcher und Flache Spielsteine. Das war „Novuss“, ein lettisches Spiel, welches im Jahr 1925 als Sport anerkannt wurde. Es kam ursprünglich aus Indien mit dem Namen „Karrum“, im Spielverlauf mussten die Teilnehmer die Spielscheiben mit schwupps in die Löcher schießen. Seemänner haben den Tisch vergrößert, Billardstöcke hinzugefügt und als Resultat „Novuss“ erhalten. Das Spiel wird auch oft „Seemannsbillard“ wegen den flachen Scheiben anstatt runder Kugeln, die sich bei starkem Seegang nicht wegbewegen, genannt. In den Jahren 1981 bis 1987 erlebte das Spiel den Höhepunkt seiner Popularität. „Novuss“ konnte man überall finden, so wie die Tischtennisplatte in meiner Heimat Kasachstan. Die Regeln waren wirklich einfach, heute füllen die Nuancen und Feinheiten des Spielverlaufs 24 Seiten. Bei der Rückkehr nach Kasachstan geriet das Spiel in Vergessenheit, und erst im Jahr 2004 habe ich den Hausnachbarn über mein früheres Hobby erzählt. Was war ich überrascht, als mir meine Kinder vor ein paar Jahren zum Geburtstag genau dieses Spiel aus meiner Studentenzeit schenkten. So habe ich dank der Unterstützung meiner Familie mein Interesse zu dem Spiel neu entwickelt, habe den Präsidenten des „Novuss“-Verbandes in Sankt Petersburg kennengelernt. Er hat mir die Regeln geschickt, und im verlauf des Gesprächs entfachte in uns die Idee, das Spiel in Kasachstan bekannt zu machen. Zusammen starteten wir die Herstellung und brachten 19 Spieltische verschiedener Spiele nach Kasachstan. Das Interesse war riesig, etwas neues begeistert doch immer. Sowohl Kinder als auch Erwachsene vergessen ihre Telefone und Gadgets. Die Spiele garantieren lebendige Diskussionen und positive Eindrücke. – Ihre Familienschöpfung – der Kinderspielclub „Balalaroom“. Wie hat alles angefangen? – Ich war hingerissen von der Idee, die Benutzung von Smartphones zu minimieren und familiäre Werte zurückzubringen, wir haben uns dazu entschlossen, an dem Projekt zur Unterstützung junger Unternehmer „Bau dein Business auf“ der Stiftung „Sabi“ teilzunehmen. Die Bewerbung hat mein ältester Sohn Sergej eingereicht. Zuerst kam unser Projekt unter die acht Finalisten, und wir haben eine Förderung erhalten – 20.000 Dollar zur Entwicklung des Geschäfts. Alle haben sich zu Tode geschuftet: wir haben eine Halle gemietet, Ausrüstung hergeschafft, gelernt, die Spiele der Völker der Welt herzustellen und dies angestellten Handwerkern beigebracht. Mit der Kraft des ganzen Teams haben wir 40 Spieltische hergestellt und uns dazu entschieden, den Kinderspielclub „Balalaroom“ zu eröffnen. Wir haben eine geeignete Räumlichkeit gefunden und angefangen, uns zu entfalten, wir haben Wohltätigkeitsaktionen veranstaltet. Mehr und mehr Besucher kamen, unter ihnen auch Kinder mit Einschränkungen. Wir haben alles kostenlos gestaltet, aber die Miete und andere Ausgaben haben uns dazu gezwungen, zum Kommerz zurückzukehren. Wir haben verschiedene Varianten durchprobiert und uns dazu entschieden, eine ausländische Praxis zu übernehmen – „Paywhatyouwant“ („Bezahle soviel du willst“). Schritt für Schritt kam das Geschäft in Gang, wir haben angefangen, Feste und Geburtstage zu feiern. Mann musste sich vorher anmelden. Und plötzlich kam es wie ein Donnerschlag aus dem Himmel: „Das Gebäude ist verkauft“. Also haben wir alles, was dort war, nach Hause geschafft und die Leute entlassen… – Wie bekannt ist, betreiben Sie wohltätige Projekte… . Als wir alle Spiele abgeholt haben, blieb eine Frage – wohin können wir sie bringen? Die Kinder mit Einschränkungen haben mit großem Vergnügen bei uns gespielt, die Übungen haben ihnen Freude gebracht und hatten einen positiven Einfluss auf ihr Wohlbefinden. Also haben wir entschieden, die Spiele an Kinderinternate und Behindertenheime zu geben. Im Moment arbeite ich mit den Stiftungen „ehrenamtliche Gesellschaft „Barmherzigkeit“ (DOM), „Autismus besiegen“, mit Internaten für Taube und für Kinder mit Sprachstörungen und Störungen des Bewegungsapparates, sowie mit dem Zentrum „RUCh“. Zwei bis drei Mal die Woche gebe ich Unterricht. Mir gefällt die wohltätige Arbeit, besonders motivieren mich die Reaktionen in Form von Lächeln und Erfolgen meiner Zöglinge, für die das, was sie jetzt schaffen, bis dahin unmöglich erschien. – Ihre Tätigkeit bringt den Kindern mit Einschränkungen nicht nur Freude, sondern spürbare Nutzen. Gibt es denn konkrete Beispiele ihrer Genesung? – Ich bin kein Spezialist vom medizinischen Standpunkt aus, aber an meine Beobachtungen anknüpfend kann ich sagen, dass es Erfolge gibt. Als ich gerade erst kam, konnten die Kinder die Spielsteine nicht nehmen, jetzt können sie sie festhalten und ins Ziel treffen. Sie haben gelernt, die Punkte zu zählen, was sie ebenfalls früher nicht konnten. Das Spiel motiviert die Jugendlichen. Die Kinder mit einer Verletzung des Bewegungsapparates, die nicht die physischen Möglichkeiten zum spielen haben, versuchen, den Billardschläger zu nehmen und zu spielen zu beginnen, und ich helfe ihnen dabei, passe das Spiel an die konkreten Voraussetzungen an. So hat sich beispielsweise ein Kind mit nur einem Arm für das Spiel „Novuss“ interessiert, aber für das Spiel braucht man leider den zweiten, den stützenden Arm. Wir haben versucht, einen Lösungsweg zu finden und haben uns so etwas wie eine Klammer ausgedacht, die man wie eine Stütze verwenden kann. Ich führe immer den Fall als Beispiel an, als sich auf einer Ausstellung unserer Spiele in einem der Kinderzentren ein Mädchen mit Zerebralparese für ein Spiel interessierte, sie stand auf und ging 5 oder 7 Meter, zur großen Überraschung und Begeisterung der Mutter… So eine große Motivation kommt in den Kindern auf, wenn sie solche Spiele sehen. – Sie haben mit einem Spiel aus dem fernen Lettland angefangen, jetzt begeistern Sie mit Tischspielen der Völker der Welt. Welches Potential besitzt die deutsche Ethnie in der Entwicklung dieser Bewegung, sehen sie Perspektiven zu einer Zusammenarbeit? – Wir haben Spiele aus Holland, Israel, Kanada, den Vereinigten Staaten von Amerika, Italien und Frankreich erlernt und nachgebildet. Die größte Anzahl an für uns interessanten Vorbildern haben wir in England gefunden, so sehr wir uns allerdings bemüht haben, solche Spiele in Deutschland zu finden, waren unsere Versuche nicht von Erfolg gekrönt. Es gab leider niemanden, der mir die Traditionen der deutschen Ethnie vermitteln konnte, aber wir wären sehr glücklich und dankbar über jegliche Information über großflächige deutsche Spiele und würden mit Freude ihre Entwicklung und Verbreitung in Kasachstan übernehmen. Denn auf welche Weise kann man die Kultur eines Landes kennenlernen? Ohne Zweifel durch ein Spiel! Interview: Anastasija Koroljewa Übersetzung: Philipp Dippl
„Tschüss, Plastik! Hallo, Stofftaschen!“ Veröffentlicht in 1. April 201930. Juli 2020 „Tschüss, Plastik! Hallo, Stofftaschen!“ ist eines der besonderen Projekte, welches unvergessliche Spuren in den Herzen und Seelen von jedem Teilnehmer hinterlassen hat. Alles begann mit einem Anruf von Olga Stein: „Taras, wollt Ihr an einem Seminar teilnehmen?“ So bekamen wir Informationen zum Ablauf. Das war der Beginn, nach dem uns niemand mehr stoppen konnte. Zuerst wurde in allen Gruppen von dem Projekt erzählt, die Lehrerinnen in den Schulen wurden angerufen, mit den Kolleginnen in der Hochschule wurde gesprochen, dann wurde eine Liste der Teilnehmer zusammengestellt. Diese Liste wuchs mit jedem Tag, so dass wir Angst hatten, dass die Stofftaschen nicht reichen würden. Das hätte passieren können, aber Lukas Netter, der Sprachassistent vom SLZ Kostanaj, der im Rahmen des Projektes „Förderung der deutschen Minderheit“ im Auftrag des Goethe-Instituts Kasachstans dieses Projekt durchführte, hat uns gerettet, so dass wir noch 50 Stoffbeutel mehr bekommen haben! Und dann …. 2 Wochen Vorbereitung vergingen. Unsere Teilnehmer waren nicht aufzuhalten, ihre blühende Kreativität und Fantasie waren nicht nur erstaunlich, sondern auch ansteckend. Rund um die Uhr kamen Ideen und gab es Diskussionen. Eine der Teilnehmerinnen, Nelli Ssafin, schlug vor, ein Puzzle aus den Taschen zu konstruieren, so dass jede Tasche einen Teil von einem Bild enthält. Für einige Zeit herrschte in unserer Whatsapp-Chat eine ungewöhnliche Stille… Wir „verdauten“ die Idee… Und dann gab es eine Explosion von Vorschlägen und Emotionen! Was für ein Bild könnte das sein? In welcher Farbe? Mit wie vielen Taschen machen wir das? Mit allen oder sollen die Kinder vom Kinderklub „Edelweiß“ eigene Bilder haben? Machen wir Slogans? – diese Frage führte zu neuen Diskussionen. Jeden Tag wurden neue und neue Sprüche geboren: „Stofftasche, sei mit, Plastiktüte lieber nicht!“, „Mensch, bei dem Einkaufen denk sofort an Verpackungshaufen!“, „Ich bin kein Plastik, bin Textil! Ökosicherheit – mein Stil!“, „Der Plastiktüte sage „Nein!“! Öko-Tasche muss da sein!“, und noch viele mehr… Das war eine neue Linie im Projekt: deutsche Sprache in voller Schönheit, das gab dem Projekt neue Schattierungen. Wir warteten ungeduldig auf Lukas Netter und auf das Seminar, obwohl wir auch viel zu tun hatten: ein Bild für das Puzzle auswählen, die Räume für den Workshop vorbereiten, Schablonen für die jüngeren Teilnehmer herstellen usw. Das Bild… Wir haben viel gelesen und lange recherchiert, bevor wir ein Bild ausgewählt haben. Wussten Sie, dass mehr als jede zweite kleine Schildkröte Plastik im Magen hat? Das war eine schockierende Information, die niemanden in unserem Team kalt gelassen hat. Und endlich ist der Tag gekommen. Lukas Netter unterstützte jede unserer Initiativen, half jedem der Teilnehmer, machte mit. Es ist wirklich erstaunlich, wie viel er im Laufe von drei Tagen gemacht hat: er besuchte den Sprachkurs, traf sich mit den Studenten, half beim Karneval im Vorschulzentrum „Wunderkind“, machte Videos mit den Jugendlichen, diskutierte mit den Schülern von der Schule des Fakultativunterrichtes…. Das war eine sehr angenehme und interessante Bekanntschaft und eine sehr produktive Zusammenarbeit! Der Work-Shop verflog wie in einer Minute. Nach der Präsentation über Plastikschaden bildeten wir drei Teams: „Schildkröte“, „Slogans-Fans“ und „freie Künstler“. Es gab sogar Familien, die mit ihren Kindern zusammen etwas gemalt hatten. Eine unbeschreibliche Atmosphäre herrschte in unserem Büro. Man hörte Deutsch, deutsche Lieder, Lachen… Lukas half an jedem Tisch, betreute jede Gruppe. Nach etwa drei Stunden waren wir fertig. Die Fotos können vielleicht unsere Stimmung nicht herüberbringen, aber man sieht die Leute, die nach diesem Seminar etwas anders geworden sind. Umweltfreundlicher? – Eindeutig! Freunde geworden? – Zweifellos! Wird man sie öfter bei uns im Büro sehen? – Bestimmt! Das Projekt läuft weiter. Wir machen Fotos mit unseren Stofftaschen, denken uns neue Themen für sie aus und lachen miteinander bei den Treffen, so, wie es alle Leute machen, die etwas gemeinsam erlebt haben. Irina Gilinskaja Übersetzung: Philipp Dippl
Von den Sowjetdeutschen zu den Kasachstandeutschen Veröffentlicht in 29. März 201930. Juli 2020 Es war ein Ereignis, das Hoffnungen weckte: Am 29. März 1989 wurde die Unionsgesellschaft der Sowjetdeutschen „Wiedergeburt“ gegründet. Es war nicht nur der erste landesweite Verband der deutschen Minderheit in der Sowjetunion, es war die erste Organisation in der UdSSR überhaupt, der eine nationale Zugehörigkeit zugrunde lag. Die Gründung der Gesellschaft war ein weiterer Schritt zur erhofften Wiederherstellung der wolgadeutschen Autonomie in der Sowjetunion und erfolgte parallel zu einer entstehenden Emigrationsbewegung: Allein zwischen 1987 bis 1991 verließen 450.000 Deutsche die Sowjetunion in Richtung „historische Heimat“. Sie wollten auch aufgrund der sich verschlechternden wirtschaftlichen Lage die Rehabilitation nicht abwarten. Nach dem Zerfall der Sowjetunion siedelten bis Mitte der 2000er Jahre weitere 1,8 Millionen Russlanddeutsche aus den postsowjetischen Staaten nach Deutschland aus. Der Anfang vom Ende Erste deutsche Siedler kamen bereits seit dem 14. Jahrhundert nach Russland. Seit der Machtübernahme von Katharina der Großen 1762, die selbst aus Preußen stammte, erfolgte eine massenhafte Ansiedlung deutscher Kolonisten in verschiedenen Regionen des Russischen Imperiums – vor allem in der Wolga-Region, am nördlichen Schwarzmeer, im Kaukasus und in der Nähe von St. Petersburg. Im ausgehenden 19. Jahrhundert zogen die Nachkommen der Kolonisten in den Nordkaukasus, den Süd-Ural, nach Sibirien, Kasachstan und Zentralasien weiter. Nach der Machtübernahme der Bolschewiki spielten die Deutschen eine besondere Rolle in den Plänen von Lenin und Stalin. Die Gründung der Arbeitskommune der Wolgadeutschen erfolgte am 19. Oktober 1918. Es entstand in den heutigen russischen Oblasten Saratow und Wolgograd das erste deutschsprachige Gemeinwesen. Basierend auf der Grundlage einer radikal-sozialistischen Ideologie sollte sie den Kommunismus auch ins Deutsche Reich weitertragen. Aus der Arbeitskommune wurde 1924 eine Autonome Sozialistische Sowjetrepublik (ASSR), deren Hauptstadt Engels hieß und in der Deutsch die Amtssprache war. Etwa 370.000 Deutsche lebten in der ASSR und machten so etwa Zweidrittel der dortigen Bevölkerung aus. Die Autonomie führte zu einer Konsolidierung der deutschen Sprache und Kultur in der Sowjetunion. Das Ende des wolgadeutschen Kulturerbes kam in Raten. Die Machtergreifung Hitlers in Deutschland 1933 schürte das Misstrauen der sowjetischen Machthaber in die deutsche Bevölkerung. Es folgten erste Säuberungswellen, und im September und Oktober 1941 wurden innerhalb von sechs Wochen fast alle Deutschen deportiert und die Wolgadeutsche Republik aufgelöst. Der Historiker Edwin Warkentin fasst die Bedeutung der Wolgadeutschen Autonomie so zusammen: „Was 1918 mit verheißungsvollen Versprechungen der bolschewistischen Revolutionsführer begann, war, im Nachhinein betrachtet, bereits das Ende auf Raten eines fast 200-jährigen wolgadeutschen sowie russlanddeutschen Kulturerbes in Russland.“ Anzahl der deutschen Bevölkerung im Russischen Imperium und in der UdSSR (nach Angaben der Volkszählung in Tausend Personen) Verstärkte Organisation der Deutschen Nach dem Tod Stalins und im Zuge der Entstalinisierung erfolgte 1964 eine Teilrehabilitierung der Russlanddeutschen. Sie standen nicht mehr unter Generalverdacht, den sowjetischen Machthabern gegenüber illoyal zu sein. Doch die Deutschen wollten mehr: Unter Führung von Schriftstellern und überlebenden Funktionären der Wolgadeutschen ASSR forderten sie die Wiederherstellung eben dieser. Dabei betonten sie nicht ihre Treue zum Sowjetsystem. Ihnen ging es vor allem um die Gleichberechtigung mit anderen Sowjetbürgern. Maßnahmen wurden vor allem in der Kasachischen SSR getroffen: 1964 begann das Rundfunk- und Fernsehstudio Karaganda einmal im Monat in deutscher Sprache zu senden. Ab 1966 erschien in Zelinograd die deutschsprachige Zeitung „Freundschaft“, und im in Alma-Ata ansässigen Verlag „Kasachstan“ wurde eine deutsche Abteilung eingerichtet. Doch vor allem die Aussicht auf eine Ausreise in die Bundesrepublik oder die DDR im Rahmen von Familienzusammenführungen nutzen die Sowjetdeutschen, um Druck auszuüben. Sie organisierten eine unionsweite informelle Bürgerinitiative und führten Sitzstreiks in Moskau und Tallinn durch. 1973 gab es kleinere Demonstrationen in Karaganda, Issyk und Rudny. Proteste gegen ein autonomes Gebiet Um die deutsche Bevölkerung zu befrieden, schlug eine Kommission tatsächlich vor, ein deutsches Autonomes Gebiet zu gründen, dessen Zentrum Jermentau sein sollte. Das Gebiet sollte aus fünf Regionen der benachbarten Gebiete Karaganda, Kokschetaw, Pawlodar und Zelinograd bestehen. Gegen diese Pläne stemmte sich allerdings die kasachische Bevölkerung, für die das Gebiet rund um Jermentau von großer religiöser und historischer Bedeutung ist. Vor allem junge Menschen gingen auf die Straße und demonstrierten im Juni 1979 gegen die Errichtung eines deutschen Autonomen Gebiets. Die Kasachin Altynschasch Bejsembajewa erinnert sich: „Am Tag, an dem der Beschluss angenommen werden würde, hätte ich mich selbst angezündet. Ich wäre lieber gestorben als aufzugeben.“ Auch die Deutschen waren von der Idee nicht überzeugt, da sie keinen gleichwertigen Ersatz für die Wolgarepublik in dem Vorschlag sahen. Ein anderer Punkt für das Selbstverständnis der Deutschen war die Sprache, die in den Nachkriegsjahren immer mehr an Bedeutung verlor. Gründe hierfür waren die Urbanisierung, die Entsendung von russischsprechenden Fachleuten in deutsche Siedlungen, interethnische Eheschließungen und fehlende Verwendungsmöglichkeiten im Beruf und im öffentlichen Leben. Bezeichneten 1979 noch 64,5 Prozent der Kasachstandeutschen Deutsch als Muttersprache, lag dieser Anteil zehn Jahre später nur noch bei 54,4 Prozent. Zeit für eine kasachstandeutsche Identität Die Gründung der „Wiedergeburt“ weckte 1989 zwar Hoffnungen, die allerdings nicht mehr erfüllt wurden. Die Gesellschaft ging im Juni 1991 im Internationalen Verband der deutschen Kultur (IVDK) auf, der mehr als 500 Organisationen in den ehemaligen Sowjetrepubliken vereint. Seit 1997 gibt es in der Russischen Föderation zudem die „Föderale Nationale Kulturautonomie der Russlanddeutschen“, die sich für eine vollständige Rehabilitation und die Wiederherstellung der wolgadeutschen Autonomie einsetzt. In Kasachstan heißt die Organisation der deutschen Minderheit noch immer „Wiedergeburt“. Bei der Volkszählung 2009 identifizierten sich noch etwa 180.000 Kasachstaner als Deutsche. Damals gaben 16 Prozent Deutsch als Muttersprache an. Der Verband der Deutschen Kasachstans ist mittlerweile eine gesellschaftliche Stiftung und sitzt in Astana. 20 regionale Gesellschaften gibt es. In der ehemaligen Hauptstadt Almaty steht das „Deutsche Haus“. Früher saßen hier auch einmal deutsche Kulturmittlerorganisationen, wie zum Beispiel das Goethe-Institut. Nach wie vor gibt es zwar eine deutschsprachige Zeitung in Kasachstan, aber sowohl die deutschsprachige Fernsehsendung als auch das deutschsprachige Radioprogramm wurden eingestellt. Wirtschaftlich werden die Kasachstandeutschen als Partner für Deutschland angesehen. Sie genießen nicht nur einen guten Ruf, sondern sind auch als Unternehmer tätig – insbesondere in der Landwirtschaft. Mit Unterstützung aus der Bundesrepublik wird versucht, die deutsche Kultur und Sprache soweit wie möglich am Leben zu erhalten. Aufgrund der Dreisprachenpolitik hat die Bedeutung des Deutschen in der Bildungslandschaft Kasachstans jedoch erheblich abgenommen, und tatsächlich sind es weniger die Kasachstandeutschen, die im Deutschunterricht die Nase vorn haben. 30 Jahre nach Gründung der „Wiedergeburt“ müssen sich die Deutschen in Kasachstan fragen, wie viel deutsche Kultur sie wirklich noch repräsentieren. Mit Dirndl und Lederhosen wird ein Klischee bedient, dass es auch in allen anderen Ländern auf der Welt gibt – ganz ohne Minderheit. Statt auf ein Deutschsein zu pochen, das auf „deutschem Blut“ und deutschen Vorfahren beruht, die vor Jahrhunderten an die Wolga und in andere Teile des Russischen Imperiums gekommen waren, wird es Zeit eine eigene kasachstandeutsche Identität zu entwickeln. Othmara Glas Übersetzung: Philipp Dippl
Das Gedenken der Menschen ist die höchste Anerkennung Veröffentlicht in 29. März 201930. Juli 2020 Der alte Hase der Gesellschaft „Wiedergeburt“ Aktobe, Irina Tschupilko berät schon seit vielen Jahren die Deutschen ihrer Region. Sie füllt Dokumente aus, berät, verrät und erinnert sich in den freien Minuten daran, wie es früher war, an der Schwelle zur Unabhängigkeit. In der Gesellschaft der Deutschen ist es selten still. Die Mädels hängen ununterbrochen über ihren Papieren, Berichten, Konsultationen. Die Mädels – das sind vier charmante Damen, eine schöner wie die andere. Jede hat ihre Arbeit. Inga ist die Vorsitzende der Gesellschaft, sie hält alles zusammen. Tantjana ist die Buchhalterin: Steuern, Bilanzen, Zahlen – keiner bewältigt diese Arbeit besser als sie. Elena ist die Koordinatorin der Sozialarbeit: sie hört zu, hilft, teilt den Großmüttern und Großvätern ihr Grundkontinent zu. Irina Borisowna ist die führende Spezialistin. Von ihr erzählen wir ein bisschen später. – Ich kam in die Gesellschaft Mitte der 90er Jahre, als die zweite Welle der Spätaussiedler aufkam. Es waren so viele Leite, dass wir bis neun Uhr abends arbeiteten. Wir haben Dokumente ausgefüllt, versucht, so schnell wie möglich zu helfen, – erzählt meine Gesprächspartnerin bei einer Tasse starken, frisch gebrühten Kaffees. Übrigens half insbesondere Kaffee, die Erschöpfung zu bewältigen. Heute ist dieses Getränk ein unverzichtbares Attribut der Gesellschaft. Mit ihm beginnt der Morgen für die Mitarbeiter. „Völlig entspannt soll man arbeiten, und keine Kaffeekränzchen abhalten!“ – hat irgendjemand gesagt und hat doch nicht recht. Dies ist so eine Tradition, die es in jedem Kollektiv geben sollte, damit die Arbeit in positiver Stimmung abläuft. Übrigens ist die positive Stimmung das, was „Wiedergeburt“ Aktobe von anderen unterscheidet. Mit den Jahren verändern sich die Menschen, aber das Lächeln bleibt unverändert, die freundlichen Worte und die Freundlichkeit, mit der hier jedem begegnet wird, der hereinkommt. Ebenso wird Zielstrebigkeit und Enthusiasmus in heiliger Ehre gehalten. Vor zwei Jahrzehnten wollten viele Aktöbinsker Deutsch lernen. Einige Gruppen zählten mehr als dreißig Leute. – Von unserer Seite gab es immer Unterstützung in der Spracharbeit. Bei uns arbeiteten großartige Lehrer, die meisterhaft mit den Wörtern umgingen. Zu den Pädagogen bildeten sich Schlangen – alle wollten nicht nur Deutsch lernen, sondern sich auf Literatursprache verständigen, – erinnert sich Irina Tschupilko. In banger Erwartung warteten wir auf die Ankunft der Lehrer aus Deutschland. Als sie in die Schule Nr. 11 eingeladen wurden, haben sie nicht nur Wissen mitgebracht, sondern auch Literatur, die stetig den Bibliotheksbestand auffüllte. Die Kursteilnehmer überhäuften die Lehrer mit Fragen: das Leben in der historischen Heimat interessierte doch jeden. Am Vorabend der Entstehung Kasachstans befand sich die Gesellschaft in einer kleinen Wohnung. „Eng, aber nicht übel“, – erzählten die Deutschen lachend. Übrigens gab es nie sehr viel Personal – üblicherweise drei bis vier Personen. Aber auch Freiwillige haben geholfen, sie haben einen großen Beitrag zur Entwicklung der Gesellschaft geleistet. Kurz darauf prangte das Schild „Wiedergeburt“ an einem Büro des Hauses der Kultur der Chemiker, und bereits zu Beginn der zweitausender Jahre zog die Gesellschaft zusammen mit allem liebgewonnenen Hausrat in eine Wohnung im Stadtteil „Elektron“, wo man sie bis heute findet. Der Herbst bleibt den Aktobinskern lange im Gedächtnis: In dieser Zeit des Jahres fanden die Tage der deutschen Kultur statt – ein originelles Festival, zu welchem die Kinder und Jugendliche aus den Kreisen des Gebietes kamen. Der besondere Stolz ist der Jugendklub der „Nuller“. Die Vorsitzende ist Elena Obodinskaja. Die junge Frau schaffte es, ein super Team zusammenzubringen, alle kamen zu ihr, vertrauten ihr und unterstützten sie. Die Jugendlager, die interessanten Themenseminare, die Spiele und Wettbewerbe – das ist lediglich ein kleines Bröckelchen von dem, was es in 15 Jahren gab. Die Jugend „brannte“ und war der Antrieb für das deutsche Leben der Region. – Der Chor „Veilchen“ ist heute ein Nationalchor, damals hat alles gerade erst angefangen. Er wurde schnell populär, und die Lieder der „Veilchen“ liebten viele. Die Deutschen aus Aktobe, die nach Deutschland gingen, hören sie noch immer an. Aber das Gedenken der Menschen ist die größte Anerkennung in unserer Arbeit, – stellt Irina Borisowna fest. Jeden Tag finden neue Ereignisse in der Gesellschaft statt: Klienten kommen, Dokumente werden ausgefüllt, Kurse werden gehalten, Veranstaltungen werden geplant, und ständig verweilt man bei Kaffee, Professionalität und Wohlwollen. Dmitrij Schinkarenko Übersetzung: Philipp Dippl
„Ich bin seit dem ersten Tag aktives Mitglied von „Wiedergeburt“ Veröffentlicht in 29. März 201930. Juli 2020 Iwan Egorowitsch Sartison, Veteran der deutschen Nationalbewegung „Wiedergeburt“, Korrespondent bei „Neues Leben“ und „Freundschaft“. – Iwan Egorowitsch, wann haben Sie die Arbeit der Allunionsgesellschaft der sowjetischen Deutschen „Wiedergeburt“ kennengelernt? – Ich bin seit dem ersten Tag aktives Mitglied von „Wiedergeburt“, seit dem Jahr 1989. Als ich in Almaty lebte, war ich im Vorstand unseres Kulturzentrums, welcher zu dieser Zeit von dem Redakteur der deutschen Zeitung „Freundschaft“ Konstantin Erlich geleitet wurde. Die nationale Thematik hat mich schon immer gereizt, ich habe versucht, genau diese Fragen auf den Seiten von „Neues Leben“ und „Freundschaft“ zu beleuchten. – Was sind die Besonderheiten der deutschen Bewegung dieser Zeit? – Zuallererst würde ich anmerken, dass die ganze Arbeit ehrenamtlich ablief. Die Leute haben uneigennützig zum Wohle ihres Volkes gearbeitet, ohne weder die private Zeit, noch private Mittel in Betracht zu ziehen. Zu dieser Zeit brannte das Problem der Emigration, wir haben praktisch mit jedem, der ging, geredet, haben versucht, zu helfen. Außerdem haben wir am Aufbau der regionalen Strukturen der Deutschen in ganz Kasachstan gearbeitet. Darin bestand zu dem Moment unsere Hauptaufgabe. – Sie stehen an den Ursprüngen der nationalen Bewegung in Kasachstan, an welche strahlenden Momente erinnern Sie sich? – Ich erinnere mich, wie ich auf Bitte von Wilhelm Tommi, einem Mitarbeiter des Gebietskommittees der Kommunistischen Partei, dabei mitgeholfen habe, die Gesellschaft der Deutschen im Gebiet Taldykorgan von Null ab aufzubauen. Wilhelm Tommi war gut vertraut mit der Arbeit unserer Gesellschaft in Almaty, er hat nicht ein Mal bei den Sitzungen gefehlt, deshalb hat er sich an mich gewendet mit der Bitte, eine ähnliche Struktur bei sich in der Region zu kreieren, wo er der erste Vorsitzende wurde. Ebenso wollte ich die Tätigkeit der „Wiedergeburt-Bank“ erwähnen, die entstand, um in den verwegenen 90er Jahren das Privateigentum der Deutschen zu schützen, die zur ständigen Niederlassung nach Deutschland gingen, ebenso um die Regionalgemeinschaften der Deutschen „Wiedergeburt“ zu unterstützen. Ich bin mit dem Leiter der Bank Wladimir Bekker zu den Vorsitzenden der Kolchosen und den Direktoren der Kolchosen gefahren. Die Bank wurde schnell sehr bekannt, von 72 Banken, die zu dieser Zeit bestanden, nahm „Wiedergeburt“ den 16. Platz ein. Leider existierte sie nur 4 Jahre lang, bis der Zufluss von Kapital abnahm. – Am 25. August 1994 wurde in Almaty das Deutsche Haus eröffnet. Was bedeutete dieses Ereignis für die kasachstanischen Deutschen? – Natürlich war dies ein bedeutsames Ereignis, dem viele Gäste beiwohnten, darunter Repräsentanten staatlicher Strukturen beider Länder – Kasachstan und Deutschland. Ich wurde eingeladen in der Funktion des Pressesekretärs der Gesellschaft der Deutschen Almaty. Nach der Eröffnung des Deutschen Hauses wurde die gesamte Arbeit zur Unterstützung der deutschen Minderheit völlig anders organisiert. Wo früher, wie ich schon gesagt hatte, alles auf öffentlicher Basis und privater Initiativen beruhte, begannen, jetzt durch die Unterstützung des Innenministeriums von Deutschland im Deutschen Haus festangestellte Mitarbeiter zu arbeiten, die festen Lohn erhielten. Schrittweise kam die Arbeit in Ordnung, es gab wenig, aber dafür professionelles Personal. Das Deutsche Haus wurde unterstützte viele: überall wurden Deutschkurse organisiert, Bedürftige erhielten medizinische und humanitäre Hilfe, fanden juristische Beratung. Mir bleibt die Visite des Oberhauptes unseres Staates Nursultan Nasarbaew und der Besuch von Roman Herzog, dem Bundespräsidenten Deutschlands gut im Gedächtnis. – Welchen ihrer Mitarbeiter möchten Sie erwähnen? – Zuallererst Wilhelm Tommi. Das war ein herausragender Mensch, der sich, ungeachtet dessen, dass er Parteimitglied war, immer an den Interessen der deutschen Ethnie erfreut und eng mit anderen ethnokulturellen Vereinigungen zusammengearbeitet hat. Eine nicht unbedeutende Rolle in der Bewegung der Deutschen Kasachstans spielten Eduard Airich, der verdiente Nationaltrainer der UdSSR, Gerold Belger, Schriftsteller und Übersetzer, und Adam Merz, Mitarbeiter des deutschen Radios. – Iwan Egorowitsch, was wüschen Sie ihren Landsleuten zu diesem Jubiläumsjahr? – Das allerwichtigste ist, das zu bewahren, was wir bis zum heutigen Tag erarbeitet haben und besitzen. Wir sind der Bundesregierung Deutschland für die langjährige Unterstützung der deutschen Minderheit in Kasachstan sehr dankbar. Unser Land ist heute zu neuen Kräften gekommen und wir müssen bereits an neuen Realitäten entsprechend den Anforderungen unserer Zeit arbeiten. In dieser Zeit ist schon viel passiert, und in diesen Jahren gab es nicht nur Gewinne, sondern auch Verluste. Deshalb ist es sehr wichtig, dieses Klima und die warmen gegenseitigen Beziehungen sogar zu den kleinen Gesellschaften, sei es die Hauptstadt, seine Städte oder die Dörfer, zu bewahren. Es ist wichtig, Kontakte zu allen ethnokulturellen Zentren der Republik im Rahmen der Zusammenarbeit mit der Versammlung des Volkes Kasachstans aufzubauen. Ich bin froh, dass die Arbeit zum Erhalt der deutschen Sprache gedeiht, besonders mit den Kindern, die Bildungsmöglichkeiten in den Schulen suchen. Alles dies hilft, die Nachfolge sicherzustellen, und unsere langjährige Arbeit verschwindet nicht mit den Jahren. Das Deutsche Haus soll erhalten bleiben als Zentrum, welches schon seit vielen Jahren eine Diskussionsplattform bildet und zum Wohl der deutschen Minderheit arbeitet. Beschützt und unterstützt euch gegenseitig! – Vielen Dank für das Interview! Interview: Olesja Klimenko Übersetzung: Philipp Dippl
Glauben und Vertrauen finden, wiederaufleben Veröffentlicht in 29. März 201930. Juli 2020 Das Wort „Wiedergeburt“ wurde zum Symbol für die sowjetischen Deutschen, welches die Wiedergeburt sowohl der deutschen Autonomie als auch der Ethnie selbst betrifft. Aus den Erinnerungen des berühmten Schriftstellers, Literaturkritikers und Übersetzers Gerold Berger: „Das ungereimte Schicksal der Deutschen der UdSSR, an welchem sie selbst keine Schuld hatten, das Verhängnis – kein abstraktes, sondern konkretes in Person der Lenker des Schicksals, der überheblichen Führer, unmenschlicher Erlasse, unsinniger Ideologien, stumpfsinniger Politik und wilder Stereotype (all dies ist vereint unter dem schwammigen Begriff der „ausgeprägten Realien“) haben jenen, den Deutschen, die Seelen verstümmelt, einen abstoßenden Stempel aufgedrückt, ihnen unsympathische Korrekturen in ihrer Psyche, in ihren Verhaltensweisen, in ihren Beziehungen eingebracht. Was zu sagen bleibt: Unglück ist eine schlechte Schule… Jahrzehntelang in den Menschenrechten eingeschränkt stand man unter dem Joch der Kommandantur, durchlebte die Leidenswege des Geächteten und wurde doch nicht durchgelassen zu den öffentlich-administrativen Rechtsinstitutionen des Staates, man ist daran gewöhnt, dass man alles für ihn entschied… Inzwischen ist es an der Zeit, sein Schicksal auf die eigenen Schultern zu nehmen, Willen und Energie zu offenbaren, beharrlich das Eigene zu verfolgen… Es ist viel aufzuholen. Vor allem, um die verfluchte Schüchternheit zu überwinden, den Minderwertigkeitskomplex zu beseitigen, von der lange und hartnäckig die halb tote Seele durchsetzt war. Kurz gesagt, die Wiedergeburt steht bevor. Darin liegt der ganze Kern. Nur darin findet sich die nationale Errettung: Der Nation neues Leben und neue Kräfte einhauchen, das Verlorene Krümel für Krümel aufsammeln, die Seele aufmuntern, Glaube und Vertrauen gewinnen – wiedergeboren werden“. Nach Moskau brechen Delegationen der sowjetischen Deutschen auf, mit Appellen der Wiederherstellung der Gerechtigkeit in den Beziehungen des deutschen Volkes, und insbesondere der Wiedergeburt der Autonomie der Wolgadeutschen. Die Probleme der sowjetischen Deutschen werden auf dem Juniplenum des ZK der KPdSU im Jahr 1989 erörtert. Und für die Unterstützung der Regierung der UdSSR in der Wiederherstellung der Autonomen Sowjetrepublik der sowjetischen Deutschen wurde ein Koordinationszentrum gebildet, zu dessen Vorsitzenden Genrich Grout gewählt wurde. In allen Ecken der Sowjetunion beginnt Aufklärungsarbeit über die Geschichte und Kultur der Deutschen. Alle diese Schritte führten systematisch zur Bildung der Allunionsgesellschaft der sowjetischen Deutschen (VOSN) „Wiedergeburt“, was auf der vergangenen konstituierten Konferenz in Moskau vom 29. bis zum 31. März 1989 angekündigt wurde. Auf der Sitzung waren 105 Delegierte anwesend, welche die Interessen von über zwei Millionen sowjetischer Deutscher vertreten, für die Wiederherstellung der Autonomen Republik der Wolgadeutschen und den Erhalt und die Entwicklung der nationalen Kultur und der Sprache eintreten. Auf der Konferenz wurde das höchste Führungsorgan der VOSN „Wiedergeburt“ gewählt (Koordinationsrat), welches sich aus 33 Personen zusammensetzt. Kasachstan vertraten in Moskau Delegierte aus Alma-Ata und aus den Gebieten Zelinograd, Karaganda, Pawlodar, Semipalatinsk und Kustanaj. Nicht wenige von ihnen wurden in den Koordinationsrat gewählt, insbesondere der stellvertretende Direktor des Deutschen Dramatischen Theaters Jakob Fischer, der bekannte Schriftsteller und Kritiker Gerold Berger und der legendäre Nationaltrainer der UdSSR im Rasenhockey Eduard Airich. Genrich Grout hat sie auf seiner Reise nach Alma-Ata im Jahr 1988 im Vorfeld der 4. Delegation der sowjetischen Deutschen kennengelernt. Die Treffen fanden in den Redaktionsräumen der deutschen Zeitung „Freundschaft“ (heute „Deutsche Allgemeine Zeitung“) statt, welche in dieser Zeit von Konstantin Erlich geleitet wurde, der große Autorität unter den sowjetischen Deutschen besaß. Übersetzung: Philipp Dippl
Помнить все и жить достойно. К 30-летию ВОСН «Возрождение». Veröffentlicht in 29. März 201930. Juli 2020 Albert Rau, der Vorsitzende des Verwaltungsrates der öffentlichen Stiftung „Kasachstanische Vereinigung der Deutschen „Wiedergeburt“, Abgeordneter der Mazhilis des Parlaments der Republik Kasachstan. – Albert Pawlowitsch, vor dreißig Jahren hat sich die öffentliche Organisation der deutschen Ethnie „Wiedergeburt“ gebildet. Wie war das? – Das Jahr 1989 war der Höhepunkt der Perestrojka in der UdSSR, die Entlarvung des Identitätskultes, die Rehabilitierten der unschuldig Verurteilten, alles das bewegte das Leben in dem riesigen Land. Gleichzeitig zeigte sich auch das Bild einer allgemeinen Müdigkeit vom Entgleiten der Ideen, vom Mangel an einer realen Veränderung in der Umgestaltung der wirtschaftlichen, kulturellen und politischen Beziehungen im Land. Mir bleibt der erste Kongress der Deutschen der UdSSR in Moskau im Gedächtnis. Man muss den Mut unserer alten Landsmänner erwähnen, die den nicht gerade geringen Widerstand der Unionsmächte spürten und es trotzdem schafften, den Kongress zu organisieren und durchzuführen. Dieses Ereignis fiel absolut unpassend mit der Durchführung des Referendums über den Erhalt der UdSSR zusammen, und wir wurden aufgefordert, den Kongress nicht abzuhalten, sondern nach Hause zu fahren. Natürlich wurden die Menschen von ihren Emotionen überspült, der Damm des Schweigens brach. Die Nachrichten aus dem Kreml machten uns wütend, wieder nur halbherzig: Ihr erhaltet kulturelle Autonomie, autonome Erziehung vergesst ihr. Es blieb im Gedächtnis, wie uns zur Zeit des zweiten Kongresses im Oktober 1991 am Kinotheater „Oktjabr“ Menschen aus Saratow mit Plakaten mit der Aufschrift: „wir sind in 42 nicht gegangen, und jetzt lassen wir es nicht zu!“ getroffen haben. Auf dem Kongress ertönten die Forderungen, alle nach Kaliningrad, dem früheren Königsberg, zu fahren, auch andere Varianten wurden diskutiert. In dieser lärmenden Uneinigkeit wurde nicht eine einzige Entscheidung getroffen. Eine Welle der Emigration brach los. Einen „Antrag“ beschaffen und abhauen – das wurde zum wichtigsten Ziel vieler deutscher Familien. In dieser Atmosphäre formierte sich „Wiedergeburt“. Zu dieser Zeit wurde ich damit betraut, die städtische Gesellschaft in Lisakowsk zu leiten. – Welche der Pläne von vor dreißig Jahren wurden umgesetzt und was wurde von der Tagesordnung gestrichen? Vor welche Probleme stellt das moderne Leben die Vereinigung „Wiedergeburt“? – In diesen dreißig Jahren wurde eine arbeitsfähige Struktur der Selbstorganisation und der regionalen Gesellschaften geschaffen. In den ersten zehn Jahren hing die meiste Arbeit mit den Problemen derer zusammen, die zurück in die historische Heimat wollten, aber die Tagesordnung hat sich verändert. Die Zentrale frage lautet, wie man denen helfen kann, die geblieben sind und für immer bleiben werden? Es gibt nicht wenige Probleme: der Erhalt der Muttersprache und der Traditionen, die Stärkung der verschiedensten Verbindungen mit der historischen Heimat, Hilfe für die Arbeitssoldaten und bedürftige Familien. Man muss denjenigen Tribut zollen, die an der Gründung der republikanischen Organisation stehen: Ch. Driller, K. Erlich, A. Merz, A. Dederer, der die Assoziation der öffentlichen Vereinigungen der Deutschen Kasachstans seit mehr als 24 Jahren leitet. Sie haben es geschafft, nicht nur die aktive Arbeit zu organisieren, sondern auch eine systematische Zusammenarbeit mit Deutschland aufzubauen. Natürlich war das Verschwinden der deutschen Sprache aus dem Schulunterricht für uns ein riesiger Verlust. Obwohl die Situation auch jetzt nicht gerade einfach ist, sie verändert sich zu unseren Gunsten. – Wie sehen Sie die Zukunft der Stiftung und allgemein der deutschen Ethnie in Kasachstan? – Ich präzisiere: Wir sind die Gesellschaft der kasachstanischen Deutschen „Wiedergeburt“, die Stiftung ist nur eine Organisationsform. Es wurde viel erreicht. Aber das Leben geht weiter, neue Generationen kommen, die Probleme und ihre Lösungsansätze, verändern sich, die Form der Arbeit mit den Menschen verändert sich. Wir müssen uns nach vorne bewegen, neue Technologien der Aktivitäten und Kommunikation erschließen, um unsere Hauptaufgaben zu lösen: die Bewahrung der deutschen Sprache, unserer nationalen Kultur, die gemeinsame historische Erinnerung. Im Moment findet die Arbeit zum Programm zur Entwicklung der deutschen Gesellschaft Kasachstans statt. Wir lernen von den entsprechenden Erfahrungen Polens, Ungarns und Russlands. Natürlich besitzt jede Diaspora seine eigenen Bedingungen, aber die Ziele sind die gleichen. Im September und Oktober veranstalten wir eine Konferenz, die dem 30-jährigen Jubiläum der Gesellschaft „Wiedergeburt“ gewidmet ist. Dies wird nicht nur ein Fest, sondern auch eine Debatte über das Programm der Entwicklung der deutschen Ethnie in der nahen Zukunft und in den fernen Perspektiven. Ich hoffe, dass dieses Ereignis uns die Kraft und die kreative Inspiration für die umfangreiche Arbeit zum Wohle der Deutschen Kasachstans geben wird. Interview: Walerij Schewalje Übersetzung: Philipp Dippl
Kasachstan und Deutschland – starke Verbindungen zu gegenseitigem Vorteil Veröffentlicht in 27. März 201930. Juli 2020 Im Rahmen der kasachstanisch-deutschen zwischenparlamentarischen Kooperation fand vom 11. bis zum 13. März in Berlin ein Arbeitsbesuch der parlamentarischen Delegation der Republik Kasachstan, bestehend aus dem stellvertretenden Vorsitzenden der Mazhilis des Parlaments der Republik Kasachstans Wladimir Bozhko und dem Deputierten der Mazhilis des Parlaments der Republik, Kasachstan Albert Rau statt. Das grundlegende Ziel des Besuchs war die Diskussion von Fragen zur zwischenparlamentarischen Zusammenarbeit und die Überreichung von offiziellen Einladungen im Namen der Spitzen der Parlamente von Kasachstan, Russland und Südkorea an die Führung des Bundestags und Bundesrates der Bundesrepublik Deutschland zur Teilnahme an 4. Konferenz der Parlamentssprecher der eurasischen Länder zum Thema „Großes Eurasien: Dialog. Vertrauen. Partnerschaft“, welches am 23. und 24. September 2019 in Astana stattfindet. In diesem Kontext hat die Delegation bilaterale Treffen mit dem ersten Vizepräsidenten des Bundestages der Bundesrepublik Deutschland Hans-Peter Friedrich und mit der ständigen stellvertretenden Direktorin des deutschen Bundesrates, Staatssektretärin Ute Rettler durchgeführt, in dessen Verlauf im Auftrag des Vorsitzenden der Mazhilis des Parlaments der Republik Kasachstan Nurlan Nigmatulin, die offiziellen Einladungen zu dem erwähnten parlamentarischen Forum in Astana an den Präsidenten des Bundestages Wolfgang Schäuble und den diesjährigen Präsidenten des Bundesrates Daniel Günther (Ministerpräsident des Landes Schleswig-Holstein) überreicht wurden. Im Verlauf der Verhandlungen mit dem Vorsitzenden der parlamentarischen Gruppe „Deutschland – Zentralasien“ im deutschen Bundestag Mandfred Grund fand ein konstruktiver Meinungsaustausch zu Fragen der Entwicklung der Region Zentralasien, der internationalen Tagesordnung und den bilateralen Beziehnungen statt. Ebenso fanden Treffen der Delegierten mit stellvertretenden Bundesminister für Wirtschaft und Energie der BRD und Ko-präsident der deutsch-kasachischen zwischenstaatlichen Arbeitsgruppe (MRG) im Bereich der ökonomischen Handelszusammenarbeit, Eckhard Franz und dem geschäftsführenden Direktor des Ostausschusses der deutschen Wirtschaft Michael Harms statt. Die wichtigsten Punkte der kommenden zwischenstaatlichen Kommission zwischen Kasachstan und Deutschland in den Fragen der ethnischen Deutschen, welche ungefähr Ende Mai in Astana stattfindet, hat Albert Rau, der Vorsitzende des Verwaltungsrates der öffentlichen Stiftung „Wiedergeburt“, und Bernd Fabrizius, Bevollmächtigter der Bundesregierung der BRD zu Fragen der nationalen Minderheiten und Spätaussiedlern, erörtert. Die Kommission zwischen unseren Ländern wird schon viele Jahre lang durchgeführt, und die nächste Konferenz wird bereits die 17. sein. Sie bildet ein wichtiges Forum, auf dem Fragen der umfassenden Unterstützung der deutschen Ethnie Kasachstans unter der Teilnahme der Vertreter der Ministerien und Partnerorganisationen beider Seiten behandelt werden. Dies gestattet eine produktive Lösungsfindung vieler Fragen. So waren die vorrangigen Fragen der Erhalt und die Entwicklung der deutschen Sprache in Kasachstan und Erleichterungen in der Visapflicht für Bürger der deutschen Nationalität, welche in unserer Republik leben. Insgesamt hat der Besuch der parlamentarischen Delegation einen zusätzlichen Impuls für die weitere Entwicklung der zwischenstaatlichen Zusammenarbeit der Republik Kasachstan und der Bundesrepublik Deutschland gegeben und hat das beiderseitige Interesse in die Realisierung der nächsten Etappe der handelswirtschaftlichen und Investitionszusammenarbeit durch den intensiven Austausch von zukunftsorientierter Erfahrung und der Realisierung von gemeinsamen Großprojekten in verschiedenen Bereichen der Wirtschaft Kasachstans aufgezeigt. Übersetzung: Philipp Dippl
Alles Gute zum Nouruz-Fest! Veröffentlicht in 25. März 201930. Juli 2020 Nauryz ist das Symbol für Erneuerung, Reinigung, Liebe und Schönheit! Mögt ihr immer gute Vorsätze und eine ausgezeichnete Stimmung haben! Наурыз – жаңару мен тазару, махаббат пен сұлүлық мерекесі! Әрқашан жаныңыз ізгі, көңіліңіз көтеріңқі болсын! Liebe Freunde! Die Union der deutschen Jugend Kasachstans wünscht von ganzem Herzen alles Gute zum Feiertag Nauryz! Wir wünsche euch Erfolg, einen klaren Himmel über den Köpfen, familiäres Wohlergehen, häusliche Gastfreundschaft, Liebe, Fürsorge und gegenseitiges Verständnis. Unsere freundschaftliche Mannschaft wünscht Frieden und Gelassenheit, Glück und Wärme! Es ist bekannt, dass Kasachstan ein internationales Land ist. Ein Land, in dem Menschen verschiedener Völker, Konfessionen und mit verschiedenen Bräuchen leben. Genau deshalb gab es in den Städten verschiedene Umzüge und Volksfeste, wo die Bürger in Freundschaft Lieder in verschiedenen Sprachen sangen, Nauryz Kozhe tranken und sich gegenseitig zu diesem wunderschönen frühlingshaften Feiertag beglückwünschten. Die Vereine der deutschen Jugend machten da keine Ausnahme und nahmen aktiv an den Nauryz-Feierlichkeiten teil. Die aktiven Mitglieder aus Almaty traten auf dem Arbat mit einem Workshop für deutsche Polka auf und nahmen an den Umzügen auf den Hauptstraßen der Stadt teil. Und in Taraz fand ein zehntägiger Feiermarathon zu Nauryz statt! Der VDJ „Juwel“ nahm an zwei Konzerten auf dem Hauptplatz der Stadt und an der Eröffnung der Allee der Jugend „Zhastar“ teil. Der Verein der deutschen Jugend „Glück“ war Teilnehmer an dem Stadtfest Nauryz. Zusammen mit Repräsentanten anderer Ethnien hat unsere Jugend den Tanz der Völker Kasachstans aufgeführt. Und die Kindertanzgruppe „Einheit“ trat auf der Bühne mit einer kunstvollen Nummer auf. Übersetzung: Philipp Dippl
Die Geheimnisse des Erfolgs eures Artikels, Veröffentlicht in 25. März 201930. Juli 2020 oder wie der Jounalistik-Workshop im VDJ „Vorwärts“ ablief An jedem beliebigen Ort der Welt ist die Entwicklung der Massenmedien eng verflochten mit der nationalen Geschichte, der Wirtschaft und vor allem mit der Politik. Die DAZ, die politische, kulturelle und bildungspolitische Geschehnisse beleuchtet, ist die einzige Zeitung der deutschen Ethnie in den Ländern Zentralasiens. Die Deutsche Allgemeine Zeitung betätigt sich nicht nur mit der Betrachtung von Ereignissen, sondern tritt auch selbst oft als Organisator in Erscheinung. So fand ein Workshop zur Arbeit im Bereich Journalismus und Artikelerstellung für die jungen Aktivisten statt. Die Moderatorin des Workshops war die Korrespondentin der DAZ, Anastasija Koroljowa. Die Teilnehmer erfuhren, was Journalismus ist, worin sich Presse von Radio- oder Fernsehjournalismus unterscheidet und welche Vorteile das Internet in diesem Bereich bietet. Interaktive Übungen wurden gestaltet, von denen eine war, Überschriften zu gestalten. Den Zuhörern wurde angeboten, sich die Titel für echte Artikel der „DAZ“ auszudenken. Sie haben sowohl mit russischen, als auch mit deutschen Texten gearbeitet. Im Anschluss haben die Teilnehmer ihre Varianten vorgelesen und sie mit den Originaltiteln verglichen. Es zeigte sich, dass unsere Jungs und Mädels über eine unerschöpfliche Fantasie und Originalität verfügen. Von zehn vorgestellten Überschriften waren drei sehr nahe an den realen Vorbildern. Hierbei ist das Fazit, dass die Überschrift sehr wichtig ist, das erste, was der Leser sieht bevor er den Artikel liest, ist sein Titel. Viele beurteilen ihn und entscheiden dann, ob sie den Artikel weiter lesen oder nicht. Ebenso rief der Aufbau eines guten Artikels das Interesse der aktiven Mitglieder hervor. Der niedergeschriebene Text sollte auf die fünf W-Fragen antworten: Wer? Was? Wo? Warum? Wann? Wenn der Korrespondent konsequent diese Fragen beantwortet, taucht der Leser in das Material ein und empfängt die Informationen mit Interesse. Um den behandelten Stoff zu verfestigen, haben die Teilnehmer die Rollen eines Interviewers und des Gesprächspartners eingenommen. Die Jungs und Mädels bewiesen einen kreativen Ansatz und präsentierten sowohl ein klassisches, straffes Interview in der besten Tradition der Deutschen Welle, aber auch lustige Stand-Ups, während sie die Interviews spielten. Der vergangene Workshop zeigt bereits seine positiven Resultate. Und das bestätigen natürlich die Bewertungen der Teilnehmer: „Der Unterricht war zwar leicht und unterhaltsam, aber der wichtigste Ansatz kam bei den Jugendlichen an: wie leicht Neuigkeiten über Ereignisse, Veranstaltungen und interessante Fakten zum Leser kommen. Wer jedoch in unserem Informationszeitalter in Unkenntnis bleibt, ist dem Tode nahe.“ Elzhan Naribaew „Ich bin Leserin der „DAZ“ und war sehr froh, an diesem Journalismus-Workshop teilzunehmen. Dank ihm habe ich viel neues und interessantes über diesen Bereich unseres Lebens gelernt. Es lohnt sich, die dynamische Informationszufuhr hervorzuheben. Üch würde gerne an mehr solcher Workshops teilnehmen, die den Aufstieg der Sozialen Medien, Journalismus oder Fotografie und Film behandeln!“ Iljas Bostanow „Wir konnten uns auf dem vergangenen Workshop wie Journalisten der DAZ fühlen. Das Programm hat Anastasija Koroljowa vorbereitet, die auch erzählt hat, wie man Rubriken entwickelt oder kompetent und interessant Artikel schreibt. Ebenso haben wir Fakten und Regeln aus dem Social-Media-Bereich kennengelernt, im Detail erfahren, was ein Interviewer ist und wie seine Arbeit aussieht. Der Workshop hat es uns erlaubt, neue Kenntnisse und Eindrücke zu erlangen, dafür sind wir den Organisatoren sehr dankbar.“ Kristin Kobelewa Viele haben auch davon Notiz genommen, dass man die Zeitung in den sozialen Medien abonnieren kann, um über die neuesten Nachrichten aus dem Leben der kasachstanischen Deutschen und der deutschen Kultur auf dem Laufenden zu bleiben, dazu rufen wir auch dich auf, lieber Leser! Übersetzung: Philipp Dippl
Potential wecken Veröffentlicht in 25. März 201930. Juli 2020 In der Stadt Almaty fand vom 18. bis zum 22. März ein Theater-Workshop für die Gewinner des 4. Theaterfestivals „Deutsch auf der Bühne“ statt, welcher vom Goethe-Institut Kasachstan organisiert wurde. Der Workshop bot ein Kreativlabor zur Herstellung des Bühnenbilds und zum Theaterbetrieb selbst an. Er erlaubte den Teilnehmern, tiefer in den Charakter der Wechselwirkungen in einem Theater einzudringen und Erfahrungen unter der Leitung der Berliner Schauspieldozentin Klaudia Bartolomejzik zu sammeln. Dies förderte die Kommunikation auf Deutsch und diente einer guten Praxiserfahrung. Täglich: physische und praktische Übungen, Training des Sprechapparates und verschiedene Arten der Improvisation, Arbeit mit der Intonation und noch viel mehr wurde für die Projektteilnehmer vorbereitet. Alle haben ihre theoretischen und praktischen Kenntnisse in Bereich der Theaterkunst erweitert und gleichzeitig die Möglichkeit erhalten, ihre erlangen Kenntnisse und Fähigkeiten in der Praxis auszuprobieren. Wir konnten mit einem der Teilnehmer des Workshops, Kristina Girschfeld, ein Interview führen: „Das Seminar dauerte 5 Tage und von Beginn an gab es komplizierte Aufgaben: wir mussten uns an die neue Umgebung gewöhnen, damit zurechtkommen, dass unsere Lehrerin nur auf Deutsch redet, und einem neuen Arbeitstempo folgen. Aber mit jedem Tag wurde es leichter, interessanter und ertragreicher. Als wir mit deutschen Texten arbeiteten, haben wir sie zuerst zerlegt, um zu verstehen, wie sie zu spielen sind, welche Gefühle und Emotionen wir darstellen müssen, und anschließend haben wir unsere Rolle auf der Bühne aufgeführt. Aber am meisten hat mir Improvisation gefallen. Davon gab es sehr viel. Wenn du solche Szenen spielst, sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt und, ungeachtet dessen, dass es sehr schwierig ist, ist es wahnsinnig interessant! Ich habe festgestellt, dass wir nicht nur Schauspieler sein konnten, sondern auch mit dem Blick eines Regisseurs an die Arbeit herangehen konnten. Und die deutsche Sprache! Mit jedem Tag haben wir Informationen schneller aufgenommen und sie in besserer Qualität umgesetzt. Ich glaube, nach diesem Workshop hat jeder der Teilnehmer seine Sprachkenntnisse verbessert“. Als Ergebnis kann man sagen, dass das Ziel der Reise erreicht wurde. Es wurden kolossale Erfahrungen gemacht, die ganz bestimmt in der späteren künstlerischen Arbeit angewendet wird! Übersetzung: Philipp Dippl
Backrezept für Brezeln Veröffentlicht in 20. März 201930. Juli 2020 Zutaten: Für den Teig: 600 Gramm Mehl, 2 Teelöffel Salz, 20 Gramm frische Hefe (oder 7 Gramm trockene), eine Prise Zucker, 450 Milliliter leicht angewärmte Milch Für die Lauge: 1 Liter Wasser, 30 Gramm Speisesoda Außerdem: Grobes Salz, Sesam, Mohn Schritt 1: Mehl mit Salz vermischen, Hefe und Zucker in Milch auflösen. Alles zusammen zu einem weichen, elastischen Teig verkneten, wenn nötig noch etwas Mehl hinzugeben. Abdecken und an einem warmen Ort etwa 40 bis 60 Minuten stehenlassen. Der Teig muss sich auf das doppelte ausdehnen. Schritt 2: Wenn der Teig aufsteigt, dann etwas kneten und in zwanzig gleiche Teile schneiden. Aus jedem Stück einen kleine Wurst rollen, etwa 60 Zentimeter lang, in der Mitte sollte sie etwas dicker sein, und die Brezel formen. Den Ofen auf 200 Grad heizen. Für die Lauge Wasser zum kochen bringen und Soda hinzufügen. Die Temperatur verringern und vorsichtig Brezel für Brezel einzeln in die heiße Lauge geben. Die Brezel sollte sich 30 bis 60 Sekunden in der Lauge befinden. Schritt 3: Die Brezel mit einem großen Schaumlöffel (kein Aluminiumlöffel) aus der Lauge holen und auf ein Backblech mit Backpapier legen, oder das Backblech mit Margarine einschmieren. Von oben die Brezel leicht anschneiden und jetzt kann man sie mit grobem Salz, Sesam oder Mohn bestreuen. 15 bis 20 Minuten backen, bis die richtige Farbe erreicht ist. Übersetzung: Philipp Dippl
Wertvolle Zeit für die Gemeinschaft Veröffentlicht in 20. März 201930. Juli 2020 Als sie den kulinarischen Tag planten, haben die Organisatoren der Veranstaltung, die Mitarbeiter der Gesellschaft der Deutschen „Wiedergeburt“ in Aktobe, gezweifelt: werden denn auch die Großmütter daran teilnehmen? Der Grund für die Absage liegt in ihrem Alter – und das ist keine Kapriole, für mehrere Stunden am Herd stehen kann nämlich längst nicht jede ältere Frau. Allerdings sind die Befürchtungen nicht eingetreten – die Senioren, die den ganzen Winter lang die Geselligkeit vermisst haben, sind mit Freude zum deutschen kulinarischen Workshop gekommen. So einen großen „Tag der Küche“ gab es übrigens lange nicht mehr – ungefähr zwei dutzend Großmütter, mit Rezepten gewappnet, haben ihre Enkel mitgebracht und mit guter Laune in die Schlacht zu den Herdplatten und Öfen gestürzt. Der besondere Unterschied des aktuellen Workshops liegt darin, dass gleich mehrere Personen als Chefköche auftraten. Die Frauen haben Erfahrung, deshalb hat jede versucht, ihre Kochkünste zu präsentieren. – Um ehrlich zu sein, für eine so große Zuhörerschaft zu kochen ist ziemlich aufregend, aber ich denke, dass wir das schaffen, – teilte eine der Teilnehmerinnen, Wiktorija Worozhinzewa, ihre Gedanken. – Für mich ist das eine große Freude, deshalb habe ich mich entschieden, zu kommen. Um so mehr, da mir solch erfahrene Hausfrauen helfen werden. Die Liebe zur Kochkunst bekam Wiktorija von der Schwiegermutter anerzogen. Genau diese brachte unserer Meisterin die Geheimnisse der deutschen Küche bei. Lidija Pawluchina erwarb sich schon vor langem den Ruhm als eine der besten Konditorinnen in Aktobe, deshalb wurde ihre Oberherrschaft über den Küchentisch noch nicht einmal diskutiert. Noch ein aktives Mitglied der Gesellschaft „Wiedergeburt“, Lilija Palij, wollte seine Fähigkeiten unter Beweis stellen. Genau auf ihnen lag die Hauptarbeit des Workshops. Es wurde entschieden, gleich mehrere Gerichte vorzuführen: ein traditioneller Kartoffelsalat und Backwaren – Brezeln, Berliner und Krebli. – Viele haben manche Regeln und Feinheiten bei der Zubereitung von deutschen Teigwaren schon vergessen. Diese kulinarischen Tage sind ein guter Anlass zum Treffen und zum Austausch, und um von daheim rauszukommen. Und ein bisschen Übung stört nie. Die Rezepte sind nicht sehr kompliziert, aber interessant, – merkt Lilija Edwinowna an. Jede Hausfrau weiß, dass Teig eine besondere Herangehensweise benötigt, hier sollte es keinen Platz für Hektik und Eile geben. Und außerdem ist wichtig, dass man die Zutaten für die zukünftigen Krapfen und Brötchen unbedingt mit guter Laune mischt. – Berliner sind diese Krapfen mit Füllung. Besonders die Kinder lieben sie, aber die Erwachsenen sind auch nicht abgeneigt, sie zu probieren. Brezeln, insbesondere salzige, mögen die Deutschen ganz besonders mit bernsteinfarbenen Getränken, und Krebli sind Krapfen ähnlich wie Schürzkuchen, aber weicher, – erklärt Wiktorija. Übrigens wurde zur Hilfe unserer Köche auch die Leiterin der Theaterwerkstatt „Denk´ Mal“ Inna Woloschina gerufen, die in sich selbst das Talent eine guten Köchin gefunden hat. Wie es sich zeigte, hatte sie ein tolles Rezept für Krebli in Reserve. Das Geheimnis der Kartoffelspeisen Solange der Teig ging, haben sich unsere Damen dazu entschieden, sich mit den Kartoffeln zu befassen. Darin ist Lidija Pawluchina ein großer Experte: – Bei uns zuhause wurde immer ein traditioneller Kartoffelsalat zubereitet. Heute sind hunderte verschiedene Varianten bekannt, aber als wir Kinder waren, war etwas anderes wichtig – die Zwiebeln ordentlich zu schneiden und die Kartoffeln richtig zu würzen. Das Geheimnis liegt darin, dass man nicht hetzen darf – wir schneiden die Kartoffeln nicht in Würfel, sondern in dünne Halbkreise, und die Zwiebeln übergießen wir sofort mit Öl, wenn es geht mit aromatischem. Hier haben wir uns dazu entschieden, eine Variation des Salates mit frischen Kräutern und eingelegten Gurken zuzubereiten. Um es vorwegzunehmen, dass das Gericht ausgezeichnet gelungen ist. Die Zeit schritt planmäßig zur Mahlzeit voran, deswegen freuten sich die Kinder am meisten über die knusprigen Krebli. – Wer nicht arbeitet, der isst auch nicht, – urteilt Polina Zaporozhetz, während sie geschickt mit dem Nudelholz hantiert. Eine Schülerin, die aufmerksam jede Handlung der Köche registriert, hat sich ebenfalls entschieden, einen starken Beitrag zu dieser spannenden Sache beizutragen. „Daheim werde ich das auf jeden Fall probieren, ich werde den Eltern eine Freude machen“, – lächelt das Mädchen. Solange die Brezeln im Ofen braun wurden, haben die Jugendlichen und die Großmütter mit vereinten Kräften mit den Berlinern angefangen. Übrigens waren die deutschen Krapfen in wenigen Minuten aufgegessen, so lecker sind sie geworden. – Ich besuche nicht zum ersten Mal ein Konitor-Workshop, aber ein solches gegenseitiges Einverständnis und so eine Einigkeit sehe ich zum ersten Mal. Jeder versucht sich einzubringen, so dass es besser für die gemeinsame Sache wird. Wissen Sie, solche Veranstaltungen sind auch dazu wichtig, um die Erinnerungen an die Rezepte der Speisen aufzufrischen, welche wir leider schon vergessen. Aber das sind doch unsere historischen Wurzeln, ein Teil unserer Kultur, – betonte Olga Fjodorowna. Der Workshop endete traditionell: zu aromatischem Tee und leckerem Gebäck tauschten die Großmütter Neuigkeiten aus, erzählten über ihre Pläne und fühlten sich, wie zuhause. Manchmal braucht es so wenig, um Menschen ein Stückchen Wärme und Aufmerksamkeit zu schenken. Dmitrij Schinkarenko Übersetzung: Philipp Dippl
Der Stärkste von allen ist der, der Gutes tut Veröffentlicht in 20. März 201930. Juli 2020 Das Schlimmste ist die Einsamkeit. Besonders im Alter, wenn ein Mensch schwerkrank und hilflos ist. Aber es gibt gute Menschen, die jeden Tag bei jedem Wetter zu ihren Schützlingen hetzen, medizinische Hilfe leisten, warme Mahlzeiten bringen, in der Wohnung aufräumen, und außerdem noch zuhören und sich unterhalten. Für all dies sind die alten Menschen ihnen grenzenlos dankbar. Von allen bedeutenden Sozialprojekten, welche die öffentliche Vereinigung „Wiedergeburt“ Ostkasachstan in der Region Ridder durch die Unterstützung der Bundesregierung Deutschland realisiert werden, ist die wahrscheinlich gefragteste die Aktion „Pflege daheim“. – Die spezielle Gruppe in diesem Projekt, – sagt die Koordinatorin der Sozialarbeit Olga Kloster, – sind frühere Arbeitssoldaten, alte und einsame Menschen, denen der Haushalt schwer fällt, sie können bereits nicht mehr Lebensmittel im Geschäft kaufen, ihre Körperhygiene können sie nicht mehr pflegen. Krankheiten erschweren das Leben, einige können das Haus nicht mehr verlassen, andere sind ans Bett gefesselt. In einer solchen Situation ist Einsamkeit besonders schlimm. Sie wäre unerträglich, wenn es nicht unsere Sozialarbeiter gäbe. Sie retten im wahrsten Sinne des Wortes die alten Menschen, wenn sie kommen, um ihnen zu helfen… In der Region, die die regionale Gesellschaft Ridder umfasst, leben rund 3500 ethnische Deutsche, von ihnen sind etwa 1000 Mitglieder der Gesellschaft „Wiedergeburt“. Ihre Mitarbeiter haben eine Liste der Bürger erstellt, welche nicht ohne fremde Hilfe auskommen können und tägliche Pflege benötigen. Das Projekt beinhaltet auch die Ausübung von sanitären, hygienischen und medizinischen Dienstleistungen (Behandlungen und Verbandwechsel, Kontrolle der Behandlung durch einen zugewiesenen Arzt), Lieferung von warmen Mahlzeiten und Ernährung von Schwerkranken. Neben dem Willen zu dieser Sache sind auch verschiedene Kenntnisse notwendig. Deshalb wurde entschieden, Tatjana Bogdaewa zur Ausbildung nach Deutschland zu schicken. Als sie zurückkam, hat sie die erlangten Kenntnisse mit den Kollegen geteilt. Im Verlauf der Arbeit an dem Projekt haben sich zwei Gruppen von je sechs Personen gebildet. In die erste kamen Kranke, die ans Bett gefesselt sind. Mit ihnen arbeitet Tatjana Kolesnikowa. Die alten Menschen vergöttern diese Frau. Sie ist jetzt alles für sie: Krankenschwester Pflegerin, Ernährerin, Postbotin und Psychotherapeutin. Der Grund für eine solche Haltung zu sich selbst sieht Tatjana Iwanowna in der großen Liebe, die sie für ihre Schützlinge aufnimmt. Für einen alten, kranken Menschen ist es manchmal schon eine riesige Kraftaufwendung, sich selbst zu waschen. Aber wenn Tatjana auftaucht, sind alle Probleme im Nu gelöst. Mit Herzlichkeit spricht sie von der deutschen Gesellschaft „Wiedergeburt“: – Es ist ein Zentrum der Freundschaft, in dem es für alle warm und wohlig ist, hier wird einem alles gezeigt und beigebracht. Als ich Rentnerin wurde, bin ich durch einen glücklichen Zufall hier gelandet und habe mit der Sozialarbeit im Projekt „Ambulante Pflege“ begonnen. Das Personal ist sachkundig, die Mannschaft ist stark und steht geschlossen zusammen. Unsere Vorsitzende Ljubow Ignatjewa ist ein kompetenter Mensch, der die Initiative ergreift. „Sie ist unser Sonnenschein!“ – sagen meine Schützlinge über sie. – Und wer sind Ihre Schützlinge? – Menschen im Alter von 70 bis 95 Jahren, – erzählt Tatjana, – jeder von ihnen hat eine schwere Krankheit. In der Kindheit und Jugend haben viele Krieg und Repressionen durchlebt. Zum Beispiel wurde Tamara Andreewna Gawrilowa aus der Ukraine nach Kasachstan geschickt. Sie lebt jetzt alleine, sie hat ihren Ehemann und ihre Kinder beerdigt. Sie besticht durch Schlichtheit, Lebensfreude und Liebe zur Erde. Marija Teodorowna Sokolowa ist auch alleine, sie hat die Parkinson-Krankheit. Sie kennt ihre Muttersprache gut, die Kommunikation fällt ihr leicht. Eine strahlende Persönlichkeit ist Marija Karlowna Wagner. Sie lebt ihre Erinnerungen. SI eliebt es zu reden, und ich höre gerne zu. – Heißt das, Ihnen ist nicht langweilig mit ihnen? – Ach woher denn!? Wenn ich mich mit diesen wundervollen Menschen unterhalte, wenn ich sie pflege, dann lerne ich sehr viel. Glauben Sie mir, es ist eine lohnende Arbeit. Die einsamen Menschen benötigen nicht nur Lebensmittel und Reinigung, aber auch mehr Mitgefühl, Aufmerksamkeit, Aufrichtigkeit. Meine Aufgabe ist es, einem Menschen zu helfen, seine Ängste und Sorgen loszuwerden, moralisch zu unterstützen und Zuversicht in sich selbst zu geben. Zur zweiten Gruppe des Projektes „Pflege daheim“ gehören Menschen, die teilweise in der Lage sind, sich in ihrem Haus selbst zu versorgen, aber die trotzdem Hilfe benötigen. Sie sind nicht in der Lage, den Boden zu putzen, einkaufen zu gehen oder Medizin zu kaufen. In dieser Kategorie arbeitet Tatjana Bogdaewa. Sie ist Spezialistin in der Pflege, sie begleitet diese Menschen ins Krankenhaus, geht mit ihnen spazieren und hilft ihnen beim kochen. „Tiefe Verbeugung und vielen Dank dafür, dass Sie immer offenherzig und bereit dazu sind, zuzuhören und zu helfen!, – antworten diese weisen, alten Menschen auf die Fürsorge, sie geizen nicht mit Wörtern der Dankbarkeit, gerichtet an Ljubow Ignatjewa, Tatjana Kolesnikowa, Nadezhda Benner, Jekaterina Sitnikowa und Olga Kloster. – Der Stärkste von allen ist der, – erklärt Tatjana, – der Gutes tut… Andrej Kratenko Übersetzung: Philipp Dippl
Inspiration, die zu neuen Projekten motiviert Veröffentlicht in 20. März 201930. Juli 2020 Bereits seit 10 Jahren zieht der musikalisch-literarische Salon „Begeisterung“ im Haus der Freundschaft Pawlodar seine Stammgäste an. Er findet jedes Jahr im März statt und öffnet in Freundschaft seine Türen für alle Interessenten. Und in diesem Jahr waren die aktivsten Teilnehmer die kreativen Gruppen der Gesellschaft der Deutschen „Wiedergeburt“ Pawlodar, die von echten Profis geleitet werden: die Theaterwerkstatt „Faden“ (Jurij Skorobogatow), die Volksgesangsgruppe „Wir“ (Nadezhda Fedkewitsch), die Tanzgruppe „Paradies“ (Nadezhda Fedosowa), die am meisten ehrenvolle und angesehene Gruppe von „Wiedergeburt“, „Nette Frauen“ (Irina Snezhkowa), sowie die Zuhörer der Deutschkurse und die Mitglieder des Seniorenvereins. Über was könnte man sich an den ersten Frühlingstagen unterhalten? Natürlich über das Leben, die Liebe, den Frühling. Von Jahr zu Jahr bleibt diese wunderbare Tradition unverändert: das gegenseitige Schenken von musikalischen und poetischen Blumen, die sich aus poetischen Werken herausbilden, aus klassischen und schöpferischen, aus musikalischen Blüten, die von professionellen Sängern und Hobbymusikanten des Kollektivs der Gesellschaft der Deutschen „Wiedergeburt“ in Pawlodar verschenkt werden. Das Leben. Die Liebe. Das Werk. Diese Begriffe hängen unzertrennlich zusammen. „Wenn im Herzen Liebe lebt, kann man alles überwinden“, – teilte Marija Minz (Koren), die am Vorabend den ersten Platz in dem internationalen Wettbewerbsfestival „Dream Fest“ gewann, mit den Gästen des Salons. Über die Liebe sangen die Frauen und Mädchen – Irina Zwonarjowa, Violetta Naklonnaja und Anastasija Minz, zauberhafte Stimmen, die buchstäblich durch den Salon schwebten und tief in die Seele und das Herz vordrangen. Es folgten ihnen die männlichen Stimmen: der saftige, faszinierende Bariton von Iwan Woronin (Die Liebe ist frei wie ein Vogel“) und Hadi Kozhechmet („Erste Liebe“). Gesungen wurde auf Russisch, Italienisch und Deutsch. Elegante Kleider unterstrichen und betonten die romantische Ausrichtung des Abends. Ein lustiges und scherzhaftes Lied wechselte sich zuweilen mit traurigen lyrischen Motiven ab. Die Männer lasen Gedichte, und zusammen mit ihnen ertöhnten Blok, Asadow, Esenin und Majakowskij. Anna Kitschsewa führte Prosa auf und gab Marina Zwetaewa unsichtbare Präsenz (Monolog der Sonja aus „Erzählungen über Sonja“). Viele Urheberwerke wurden vorgetragen. Das inspirierende Werk von Freunden und Bekannten teilten Walentina Schimon („Ich will einen Blumenstrauß“, Irina Samarina), und Jekaterina Obidenko („Hach, der Monat März“, Irina Iljina), Irina Zwonarjowa („Wen ich brauche“, Zlatenzija Zolotowaja) und Jaroslaw Grebjonkin („Der Sinn des Lebens steckt in den Kleinigkeiten“), Timofej Gromow („Friedhof der Rosen“), der übrigens die Zuschauer mit seiner ausdrucksstarken Vorstellung verzauberte, und Wiktor Dirksen („Blumen auf der Fensterbank“), Elena Bajbert („Das Gebet der Mutter über Düsseldorf“) und Walerij Woronin („Wir sind nicht geflogen“). Die Theaterwerkstatt „Faden“ zeigte die Kurzgeschichte „Phönix aus Papier“ von Oleg Nauman, einem Schauspieler der Werkstatt. Die Liebe ist ein großes Gefühl, vielschichtig und allumfassend. Die Liebe zur Mutter, zu einer Frau, zu den Eltern, den Kindern, zu den Verwandten. Die Liebe inspiriert die schönsten Taten. Und deshalb teilten die Teilnehmer dieser frühlingshaften, romantischen literarischen Magie so aufrichtig ihre Emotionen. „Wir haben allen Spielraum gegeben. Sie haben die Aufführungen gesehen, verschiedenartig im Stil, im Genre, in den Emotionen. Heute haben wir Gedichte, Lieder, Arien und Balladen gehört, und es freut mich sehr, dass es sehr viele Autorenwerke gab. Ich danke unserer Jugend für den herzlichen, behaglichen Abend, dafür, dass er so aufrichtig im Ausdruck eurer Gefühle war. Ich wünsche mir sehr, dass sich jeder von euch selbst liebt, und dass diese Liebe hilft, diejenigen Menschen zu lieben, die euch nahe sind, die euch jeden Tag umgeben. Und wenn wir lernen, dies zu tun, wird die Welt eine bessere, eine gutherzigere sein. Heute sind unter uns nämlich nicht zufällig sowohl Kinder als auch Menschen in ehrwürdigem Alter. Wir haben scharfe Themen berührt, und bei manchen funkelten Tränen, aber dies, so bin ich mir sicher, waren Tränen einer hellen Traurigkeit. Das bedeutet, es wurden die verborgendsten Ecken der menschlichen Seele berührt. Und das ist angenehm“, – sagte Olga Litnewskaja, stellvertretende Vorsitzende der Gesellschaft der Deutschen „Wiedergeburt“ in Pawlodar, und setzte einen wunderschönen Akzent in die Arbeit des Salons, als sie die Verse ihrer Lieblingspoetin Silvia Kaputikjan „In der Kristallvase“ vorlas. Ljudmila Bewz Übersetzung: Philipp Dippl
Das Fest „Die Vogelhochzeit“ Veröffentlicht in 18. März 201930. Juli 2020 Den Winter lieben wir natürlich alle, besonders seinen Beginn, aber das ist alles nichts im Vergleich zur wunderschönen Ankunft des Frühlings. Und zum Erwecken der Frühlingsstimmung muss man strahlende Feste feiern, die in Erinnerung bleiben. Für das deutsche Volk ist dies die „Vogelhochzeit“. Es wird darauf geachtet, dass nach dem langen Winter die Vögel „Hochzeit feiern“, das heißt, sie flechten Nester, legen Eier, und genau in dieser Zeit werden für die Kinder lustige Feierlichkeiten veranstaltet. Am 24. Februar haben sich in der öffentlichen Vereinigung der Deutschen „Wiedergeburt“ der Stadt Semej die Zuhörer der Sonntagsschule, der Deutschkurse für Kinder, die jungen Tänzer des Ensebles „Einheit“ zusammen mit dem Seniorenverein und dem Verein der deutschen Jugend „Glück“ in der Aula des Hauses der Freundschaft versammelt, um zusammen die Vogelhochzeit zu feiern. Olga Beder, die Kuratorin der Sprachprojekte der Gesellschaft der Deutschen „Wiedergeburt“ und die Moderatorin dieses Feiertags, hat alle mit seinen Traditionen und Bräuchen bekannt gemacht. Die Teilnehmer haben die Rätsel super gelöst. Die Vokalgruppe der Sonntagsschule „Glocken“ debütierte mit den Liedern der „Vogelhochzeit“. Wiktorija Woronika-Dalinger, die Solistin der Gesangsgruppe des Vereins der deutschen Jugend „Glück“ freute sich sehr über die Auftritte aller. Zum Ende der Veranstaltung bekamen die Kinder Süßigkeiten in Form von Vögeln, welche für sie die Vertreter der älteren Generation der Gesellschaft – der Seniorenverein – zubereitet haben. Marija Gorbatschjowa Übersetzung: Philipp Dippl
„Jugend und Kunst“ Veröffentlicht in 18. März 201930. Juli 2020 Die Jungs und Mädels des Vereins der deutschen Jugend „Diamant“ (Stadt Astana) Haben das Nationalmuseum der Republik Kasachstan besucht, in welchem eine Ausstellung mit dem Namen „Altes. Neues. Großartiges und Einzigartiges“ stattfindet. Das Treffen im Museum fand im Rahmen des Projektes „Schule der freiwilligen Bildung“ der Gesellschaft der Deutschen „Wiedergeburt“ in Astana und im Gebiet Akmolinsk statt. In der Ausstellung wurden die Arbeiten von großen Künstlern und kasachstanischen Meistern vorgestellt. Dies ist ein Dialog der Genies über Jahrhunderte und Kontinente hinweg – eine einmalige Gelegenheit, ein Teil der hohen Kunst mit dem Blick durch das Prisma unserer Zeit zu werden. Besonderes Interesse bei der Jugend haben die Arbeiten des herausragenden deutschen Malers der Epoche der Renaissance, einem der strahlenden Künstler der nordischen Renaissance, Albrecht Dürer (1471 – 1528) ausgelöst. Seinen Bildern liegt die Menschengestalt zugrunde – der Schöpfer, der Erbauer, welcher im Zentrum des Universums steht und keine Grenzen seiner Möglichkeiten sieht. „Besonderen Dank gilt Ajman Maksutowna, welche für uns eine faszinierende Führung veranstaltet und uns mit den Arbeiten der großen Künstler bekannt gemacht hat. Besonders angenehm war es zu realisieren, dass einige unter ihnen Deutsche waren, so wie wir. Jeder von uns sah die Bilder auf eine Art und Weise, die uns zum Nachdenken veranlasst hat“, – so haben die Mitglieder des Vereins der deutschen Jugend „Diamant“ ihre Eindrücke mitgeteilt. Alena Rener Übersetzung: Philipp Dippl
Fotograffiti? Spielend einfach! Veröffentlicht in 15. März 201930. Juli 2020 Angelina Golodowa hat einen Workshop für die aktiven Mitglieder des Vereins der deutschen Jugend der Stadt Almaty durchgeführt, in dem die Jungs und Mädels selbstständig ein Fotograffiti herstellen konnten. Es kamen farbenfrohe und lustige Arbeiten heraus. Angelina lernte diese Technik auf dem Seminar „Medien in der Jugendarbeit“ (Berlin, 2018) kennen, welche vom Jugendbund djo-Deutscher Regenbogen initiiert wurde. Wir haben gelernt, ein Portrait von uns mittels einer Schablone und Sprühdosen herzustellen. Die Jungs und Mädels zeigten Kreativität, und es war sehr interessant, sie zu beobachten. Es erzeugte große Aufmerksamkeit bei den aktiven Mitgliedern anderer Vereine. Deshalb erzählen wir, wie man einen solchen Workshop durchführt. Schritt 1 – der Einkauf Kaufe Leinwände, Sprühdosen, Cuttermesser, Wachstischdecken (damit der Tisch nicht eingefärbt wird), man kann auch gewöhnliches Linoleum nehmen, und Folie zum Laminieren (diese sollte dick sein für die Schablone). Schritt 2 – Bearbeitung eines Fotos Man kann ein Schnappschuss in schwarz/weiß umwandeln und den Kontrast auf die höchste Stufe stellen. Wenn ihr vorhabt, ein Farbbild zu machen, übermalt die Skizze mit verschiedenfarbigen Markern entsprechend eurem Geschmack. Es kommt als Resultat eine Schablone mit schraffierten oder übermalten Flächen heraus, welches ihr ausschneidet und mit Farbe ausfüllt. WICHTIG! Bevor man die Schablone macht, muss man einige wichtige Dinge beachten, eines sind die sogenannten Brückchen. Diese halten die Inselchen fest, welche andernfalls einfach beim ausschneiden aus der Schablone herausfallen würden. Schritt 3 – Schablone Schneidet mit einer scharfen Haushaltsschere ordentlich kleine Stückchen Karton an den Stellen aus, wo Sie später Farbe hinzufügen möchten. Es ist immer angenehmer, zuerst die kleinen Stücke, und anschließend die größeren Fragmente auszuschneiden, weil je mehr Material ihr entfernt, desto weniger steif und desto feiner wird die Schablone, was die Arbeit daran erschwert. WICHTIG! Haltet die Schablone fest und schneidet langsam und genau. Seied vorsichtig und haltet die Finger entfernt von den Schneidklingen der Schere. Und vergesst nicht, dies auf der Unterlage zu machen. Schritt 4 – Vorbereitung Befestigt die Schablone mit Tesafilm auf der Leinwand. Jetzt ist alles bereit, und wir können mit der Herstellung des Graffiti beginnen! WICHTIG! Vergewissert euch, dass die Schablone vernünftig an der Oberfläche haftet. In Zwischenräume zwischen ihr und der Leinwand kann später Farbe gelangen, was die Darstellung verfälscht. Und denkt daran, die Farbe nur in gut gelüfteten Räumen zu verwenden. Schritt 5 – Aufbringen der Farbe Schüttelt die Sprühdosen, sodass ein Geräusch zu hören ist. Danach haltet die Dose in einem Abstand von 20-25 Zentimetern zur Leinwand und richtet den Strahl in geradem Winkel zur Oberfläche. Fahrt nun mit der Hand fließend von Seite zu Seite, um gleichmäßig Farbe aufzutragen. WICHTIG! Versucht, nicht bis zum Rand der Schablone zu sprühen, sonst entstehen verschmierte Grenzen rund um das Bild, die den Eindruck des Graffiti zerstören können. Schritt 6 – Fertigstellung des Graffiti. Nachdem ihr über die ganze Schablone Farbe gespritzt habt, untersucht genau die gefärbten Stücke. Fügt zusätzliche Schichten Farbe auf nicht genügend eingefärbte Fragmente hinzu. Sprüht Farbe auf unscharfe Stellen, damit sie scharfe Umrisse bekommen. Wartet ungefähr 30 Sekunden, dann kann man vorsichtig die Schablone abnehmen und sein Meisterwerk begutachten! Übersetzung: Philipp Dippl
Wir haben noch eine Chance! Veröffentlicht in 15. März 201930. Juli 2020 In der deutschen Gesellschaft „Wiedergeburt“ in der Stadt Kokschetau fand der Workshop des Goethe-Instituts „Gestalte deinen Stoffbeutel“ statt, und wir, der Verein der deutschen Jugend „Zodiak“ haben mit großem Vergnügen daran teilgenommen! Die Veranstaltung hat die Sprachassistentin Lilija Kirsch durchgeführt. Man musste uns nur anleiten, so dass wir gemeinsam und fröhlich angefangen haben, unsere eigenen Öko-Taschen herzustellen! Während wir unsere Taschen dekorierten, genossen wir die Geselligkeit und hörten gute Musik. Die Arbeiten der Jungs und Mädels fielen sehr kreativ aus. Früher hatte ich oft fragen zur Ökologie unserer Umwelt, und wusste natürlich von derartigen Problemen in Kasachstan, aber zu dieser Zeit sah ich keine konkreten Wege zur Lösung dieser Probleme. Eine Öko-Tasche erwies sich als sehr gute Möglichkeit, unserer Natur zu helfen, ich glaube, es lohnt sich absolut, sie zu benutzen! Ich habe bereits drei ähnliche Taschen, aber bis zum Workshop wusste absolut nichts über sie. So zeigte sich, dass die Geschichte ihrer Herkunft absolut lohnenswert ist. Diese Taschen wurden als Alternative zu Plastiktüten hergestellt, im Kampf gegen die Umweltverschmutzung. Wenn ich mich jetzt mit meinen Freunden treffe, die auch am Workshop teilgenommen haben, fällt mir auf, dass sie ihre Taschen aktiv benutzen. Und das bedeutet nur eins: wir haben noch eine Chance! Übersetzung: Philipp Dippl
Die Verabschiedung des Winters in der Stadt Semej Veröffentlicht in 15. März 201921. Mai 2019 Seit der Antike haben verschiedene Völker ihre eigenen Bräuche, den Winter zu verabschieden und den Frühling willkommen zu heißen. Bei der russischen Ethnie ist dies das Maslenitza-Fest, und bei den Deutschen ist es der Fasching. In diesem Jahr hat die öffentliche Vereinigung der Deutschen „Wiedergeburt“ in der Stadt Semej zusammen mit russischen und kasachischen ethnokulturellen Zentren ein Fest organisiert. In Deutschland werden große Feste jedes Jahr veranstaltet, genau 46 Tage vor Ostern. Am Sonntag findet in vielen Städten der Karneval statt. Jeder zählt es zu seiner Pflicht, in einem Narrenkostüm auf die Straße zu gehen und den Winter zu verabschieden. Die Mitwirkenden unserer Gesellschaft haben einen kleinen Umzug veranstaltet und sich farbenfrohe Kostüme und Masken angezogen, nach der Tradition muss man nämlich auf jeden Fall das Gesicht verbergen, damit der Winter im nächsten Jahr nicht die wiedererkennt, die ihn hinausgetrieben haben. Olga Beder, die Betreuerin der Sprachprojekte der Gesellschaft, hat alle Bürger zum Feiertag beglückwünscht und erzählte über die Besonderheiten des deutschen Karnevals. Der Statthalter, der Moderator des Karnevals, Kirill Uwarow, benachrichtigte alle über den Beginn des Umzugs, und die Jugend zusammen mit den Kindern des Deutschkurses setzten sich mit bunten Bändern in Bewegung, um die Geister des Winters in die wohlverdienten Ferien zu verabschieden. Die Vokalgruppe des VdJ „Glück“ trug unter der künstlerischen Leitung von Oksana Fomina die Akapellaversion der Hymne Baden-Württembergs „Der reichste Fürst“ vor. Um endgültig vom Winter Abschied zu nehmen, haben die Jugendlichen mit den Kindern verschiedene Spiele, Wettbewerbe und Späße durchgeführt. Mit allem möglichen kann man den Winter verjagen: mit Besen, mit Ruten, mit Bällen und mit Schneeschlachten. Alle winterlichen Rätsel wurden gelöst, alle Märchen erzählt, und es wurde reichlich geschrien, um vom Winter Abschied zu nehmen. Oksana Fomina, die Leiterin der Jugend- und Kindergesangsgruppen unserer Gesellschaft, lernte mit den Jugendlichen die Feiertagslieder. Im Januar diesen Jahres nahm Oksana Jurjewna am Seminar „Von der Kenntnis zur Schöpfung“ teil, welches in Borowoje stattfand. Sie lernte dort viel über das Fest Fasching und wandte ihre Kenntnisse in der Praxis bei der Organisation des Umzugs an. Die Veranstaltung ging mit der Verbrennung der Strohpuppe zu Ende, es wurde reichlich Blinis genascht, alle wurden nach Hause oder zum Festkonzert im städtischen Haus der Kultur geleitet, wo das Ensemble „Einheit“ mit Tanznummern teilnahm. Alle haben den Winter mit großem Vergnügen verabschiedet, doch leider kommt er in unserer Region bereits am Anfang November zurück und geht Mitte März, wenn auch nicht immer. Marija Gorbatschjowa Übersetzung: Philipp Dippl
Der Feiertag „Tag der Dankbarkeit“ in Semej Veröffentlicht in 15. März 201930. Juli 2020 Im städtischen Haus der Freundschaft fand ein Feiertagskonzert anlässlich des Tages der Dankbarkeit statt. Die ethnokulturellen Vereinigungen der Stadt haben sich gegenseitig ihre Liebe und Anerkennung zum Ausdruck gebracht. Die Gäste der Feierlichkeiten lernten das Kunsthandwerk der Zentren kennen und lauschten Liedern in verschiedenen Sprachen unseres multinationalen Staates. Die kreativen Gruppen stellten in strahlender Nationaltracht Volkstänze vor. Von Seiten der öffentlichen Vereinigung der Deutschen „Wiedergeburt“ in der Stadt Semej richteten in deutscher Sprache die aktiven Mitglieder des Vereins der deutschen Jugend „Glück“, Sofija Beder und Kirill Uwarow allen ihre Glückwünsche zum Feiertag aus. Sofija trug das von allen geliebte und bekannte Lied „Sonnenkreis“ in vier Sprachen vor: auf Kasachisch, Russisch, Deutsch und Englisch. Sie zeigte damit, dass wir in unserem Land dank der Versammlung des Volkes Kasachstans unsere Muttersprache lernen und die Kultur, die Traditionen und die Bräuche unserer Ethnie bewahren können. Ebenfalls erfreute die Gesangsgruppe „Einheit“ alle Versammelten mit deutschen Volksliedern. An diesem Tag fand im Zentrum der ergänzenden Vorschulerziehung „Wunderkind“ die Veranstaltung „Wir sind die Kinder eines Landes“ statt, auf welcher die Zöglinge die Geschichte des Feiertages kennenlernten, Volksspiele spielten und in einem Rundtanz der Freundschaft Lieder in verschiedenen Sprachen sangen. Marija Gorbatschjowa Übersetzung: Philipp Dippl
Gute Menschen unterstützten eine willensstarke Frau Veröffentlicht in 15. März 201930. Juli 2020 Am 11. März verließ uns eines der ehrenvollsten Mitglieder der Gesellschaft der Deutschen im Gebiet Zhambyl – Paulina Konstantinowna Grundentaller. Paulina Konstantinowna wurde am 10. Juni 1931 im Kaukasus in die Familie eines Kolchosenvorsitzenden, in welcher es vier Kinder gab, geboren. Der Vater wurde im Jahr 1936 verhaftet und als Volksfeind verurteilt. Da ihm Verrat des Vaterlandes vorgeworfen wurde, wurden die Kinder sofort von der Schule ausgeschlossen, es wurde verboten, mit ihnen zu reden oder ihnen zu helfen. Es gab keine Arbeit, Hilfe kam nur vom älteren Bruder, der sich bemühte, den jüngeren Brüdern und Schwestern, deutsche Ordnung und Verantwortung anzuerziehen. Zum Beispiel warf er einen Beutel mit Weizen oder Mehl und rief: „Das ist eine solche Schweinerei, wie ein Schweinestall im Hof, und jetzt räumt gefälligst alles auf!“ Sie haben seit frühester Kindheit gearbeitet. Und mit Beginn des Krieges kam neues Leid – die Deportation. Die ganze Familie wurde nach Nordkasachstan gebracht. Mit zehn Jahren lernte die kleine Paulina, selbstständig und furchtlos zu sein. Mit 12 saß sie am Steuer eines Traktors, arbeitete, wo und mit wem es nötig war, das Brot musste verdient werden. Auf den Feldern wurde die Ernte eingefahren. Im Norden Kasacshtans tritt der Herbst sehr früh ein, und in den Nächten kam der Frost. An einem dieser Tage gingen alle nach einem harten Arbeitstag nach Hause, und die kleine Paulina blieb ganz alleine in der Steppe, als Tochter eines Volksfeindes, und niemand hatte das Recht, ihr zu helfen. In der Steppe ist es sehr kalt und dunkel, der Mond ist nicht zu sehen, nur die Sterne funkeln. Ein paar Mal fing das kleine Mädchen an, zu rennen, um warm zu werden, ist anschließend vom Kampf gegen die Kälte müde geworden, legte sich hin schaute nur noch auf die blinkenden Sternchen. Es schneite, Paulina war erschöpft, ihre Augen schlossen sich, aber plötzlich haben sie irgendwelche starken Arme aufgehoben, haben sie in einen Pelz gewickelt und sie an sich gedrückt. Als sie sich aufwärmte und die Augen öffnete, sah sie einen alten Kasachen, der sie anschaute, mit der Zunge schnalzte und den Kopf schüttelte. Und am morgen wurde ihr Retter weggeführt, irgend jemand hat ihn denunziert. Paulina blieb in seiner Familie. Als der Sohn des Hausherren aus dem Krieg zurückkam, hat er Paulina nicht ein Mal einen Vorwurf gemacht (aus der Erinnerung von Paulina Konstantinowna) Sie lebte auf der Kolchose Stachanow im Norden Kasachstans bis zum Jahr 1953. In 1954 ging sie nach Temirtau zu ihrem älteren Bruder, wo sie die Verwaltung von Erntetechnik erlernte. Im Jahr 1971 zog sie mit 5 Kindern an der Hand in das Dorf Druzhba (heute Mojynkum), arbeitete ohne Wochenende und Urlaub als Melkerin. Dort haben gutherzige Menschen die verantwortungsvolle, schmächtige, aber willensstarke Frau unterstützt – das waren der Direktor der Sowchose Walimamedow und der Vorsitzende des Arbeitskomitees Sadenkow. Sie haben der Mutter von vielen Kindern geholfen, auf den Beinen zu bleiben. Paulina Konstantinowa sprach auf drei Sprachen fließend. Die beherrschte Kasachisch und Deutsch in Perfektion. Mit großer Liebe und Respekt äußerte sie sich über die Kasachen. Heute hinterlässt Paulina eine große und eng vereinte Familie: fünf Kinder, 13 Enkel und 9 Urenkel. Die Gesellschaft der Deutschen im Gebiet Zhambyl spricht den Verwandten und Nahestehenden von Paulina Konstantinowa ihr tiefes Beileid aus. Übersetzung: Philipp Dippl
Freude über den Frühling in Semej Veröffentlicht in 15. März 201930. Juli 2020 Der Lieblingsfeiertag der wunderschönen Hälfte der Menschheit, der 8. März, bringt immer viel herzliches und warme Glücksgefühle mit sich. Die öffentliche Vereinigung der Deutschen „Wiedergeburt“ der Stadt Semej hat diese Seite nicht übergangen und allen Frauen gratuliert. Traditionellerweise fand die Veranstaltung im Haus der Freundschaft statt, wo die kreativsten, aktivsten und talentiertesten Männer der ethnokulturellen Vereinigungen allen mit einem Feiertagskonzert eine Freude bereiteten. Unaufhörliche Komplimente, Lieder und Tänze – alles dies wurde unseren lieben Damen gewidmet. Die Tanzgruppe „Einheit“ schenkte die Tanzkomposition „Rotkäppchen“, welche alle mit positiver Stimmung und Erinnerungen an eine wunderbare Kindheit auflud. Im Zentrum der vorschulischen Erziehung „Wunderkind“ wurde eine Nachmittagsvorstellung für Mütter organisiert. Die Jungs und Mädels haben so viele Nummern vorbereitet: Lieder, Tänze, Gedichte in deutscher Sprache und lustige Szenen aus dem Alltag einer Mutter. Die Kinder haben die Eltern mit ihren Erfolgen und Errungenschaften in den kreativen Aktivitäten erfreut, und die Mütter, zu Tränen gerührt, empfingen Glückwünsche. Auf dem Feiertagstreffen im Verein der Senioren haben die Damen ihren strahlendsten Schmuck angelegt und sind mit einem Hauch von Frühlingsgefühlen zur Feier erschienen. Swetlana Kirdjaschkina, die Leiterin des „Nordic-Walking-Clubs“, teilte mit den Versammelten einfach eund erschwingliche Geheimnisse der Schönheit. Die Vertreter des Vereins der deutschen Jugend „Glück“ führten das Spiel „Feld der Wunder“ auf, in welchem man auf einfache Fragen zum internationalen Frauentag antworten musste. Und denen, die aufgrund ihres Gesundheitszustandes das Haus nicht verlassen können, hat der Sozialarbeiter der Gesellschaft Ewgenij Timofeew persönlich eine Freude mit Frühlingsblumen und Geschenken gemacht. Walentina Irinakowa: „Ein großes Dankeschön für die Glückwünsche. Es ist sehr erfreulich, dass ihr uns nicht vergesst und besucht, wann es geht“. Wir wünschen allen lieben Damen alles Gute zum Beginn des Frühlings! Marija Gorbatschjowa Übersetzung: Philipp Dippl
Die Farben des Lebens und frühlingshafte Versöhnung Veröffentlicht in 15. März 201930. Juli 2020 Die junge Künstlerin Elena Schlapak war die Preisträgerin des Wettbewerbs zum internationalen Frauentag. Woher Elena die Leidenschaft für die Kunst hat, das weiß nicht einmal sie selbst. Vielleicht von ihrer deutschen Urgroßmutter, die eine intelligente Person war, vielleicht haben sich auch einfach nur die Sterne so entwickelt. – Ich male seit der frühesten Kindheit. Es kommt vor, dass ich eine freie Minute habe, und dann greife ich nach dem Bleistift und nach dem Pinsel. Ich liebe auch Sprachen, Deutsch und Englisch gefällt mir besonders. Ich wollte sogar Übersetzerin werden, aber die Eltern haben sich anders entschieden und übergaben mich nach der 9. Klasse an das künstlerische Lyzeum, – sagt die junge Frau. Zwei Jahre als „Künstlerin“ waren nicht umsonst: Elena erlernte nicht nur verschiedene Maltechniken, sondern erweiterte ihren Horizont. Besonders gefielen ihr die Arbeiten europäischer Künstler. Kurz darauf ging sie auf die Universität namens Zhubanow, wo sie den Beruf des Designers erlernte. Danach das Magisterstudium in Almaty. Und schon seit zwei Jahren unterrichtet die junge Frau an einer privaten Hochschule. Die Arbeit mit den Studenten gefällt ihr, den jungen Leuten die Liebe zu den schönen Dingen beibringen – das ist das, von was Elena geträumt hat. Sie vergisst auch nicht ihre Selbstentfaltung, probiert sich in unterschiedlichen Techniken aus. Vor kurzem haben die Behörden von Aktöbe den traditionellen Wettbewerb zum 8. März angekündigt. Das Thema ist für die Künstler kein neues – „Frühling. Frauen. Blumen“. Außer den anerkannten Meistern des Pinsels und der Farbe wurde entschieden, dass sich auch junge Schöpfer beweisen können. Insgesamt wurden circa 30 Bilder zum Wettbewerb eingereicht. Unter ihnen ist die Arbeit der 26 jährigen Elena Schlapak, welche sie ganz einfach „Versöhnung“ genannt hat. – Der Name ist von selbst gekommen – er hat meine Stimmung in diesem Augenblick widergespiegelt. An dem Bild habe ich zwei Wochen lang gearbeitet. Es ist eine sehr monochrome Arbeit auf starkem Papier, auf dem ich Tusche und Liner verwendet habe. Da ich zum ersten Mal an solch einer Ausstellung teilnehme, habe ich mir große Sorgen gemacht, obwohl mir irgend etwas gesagt hat, dass ich unter den Gewinnern sein werde, – erzählt meine Gesprächspartnerin. Und sie hat sich nicht geirrt: das Debüt verlief absolut erfolgreich – der zweite Platz und ein Preisgeld von 15.000 Tenge – ein sehr gutes Resultat in diesem Wettbewerb. Nach den Worten Elenas möchte sie in diesem Jahr mehr über die Kultur von Deutschland herausfinden, und sie plant, einen Workshop über die Werke berühmter deutscher Künstler durchzuführen. Dmitrij Schinkarenko Übersetzung: Philipp Dippl
Deutsche Lieder sind selbst in der Traurigkeit fröhlich Veröffentlicht in 15. März 201930. Juli 2020 Mit 55 Jahren beginnt das Leben erst. So hat es Rawil Gafarow im letzten Jahr gesagt. Er erinnerte sich an das, was erreicht wurde. Er teilte seine Pläne mit. Und dann ging irgendetwas kaputt, machte dem Organismus zu schaffen. Der künstlerische Leiter siechte dahin, aber versuchte, das Äußere zu wahren. Er ging hinaus auf die Bühne, versuchte zu scherzen und zu lachen. Spielte und sang… Durch die Kraft des Schicksals gelangte der Tatare Rawil Gafanow in das Dorf Michajlowka, wo die Deutschen einen großen Teil der Bevölkerung ausmachten. Gerade dort fühlte der junge Mann die Anziehungskraft zur deutschen Sprache und zu den Liedern. – Die deutschen Lieder sind schön und melodisch, besonders in Dur, sie trauern sogar auf optimistische Weise, – sagte Rawil Uspanowitsch. Zuerst hat er ehrenamtlich einen Liederkreis für deutsche Volkslieder geleitet, dann wurde er künstlerischer Leiter. Und vor 20 Jahren, im Jahr 1999, hat er Mädels zusammengetrommelt und begann, mit ihnen zu üben. Nach einem Jahr war „Veilchen“ so stark, dass es am ersten Fest der Völkerfreundschaft teilnahm, nur kurz darauf veröffentlichten sie ihre erste CD „Feierzeit“. Im Jahr 2008 erhielt der Chor „Veilchen“ den Titel des Volkes. Das Repertoire ist erstaunlich: von Kompositionen des 17. Jahrhunderts bis zur Moderne, der Chor bleibt nicht auf der Stelle stehen, er wuchs und gedieh. Die Lieder erklangen auf Deutsch, Kasachisch, Russisch und Englisch. „Veilchen“ ist Gewinner von internationalen und landesweiten Wettbewerben, sie haben erobert und erobern die Herzen aller Liebhaber qualitativ hochwertiger Musik und Musik mit Seele. Alle diese Verdienste sind das Resultat der mühevollen Arbeit von Rawil Gafanow. Er ist heute nicht mehr unter uns, aber seine Art und Weise und seine Stimme blieb nicht nur auf den Videoaufzeichnungen erhalten. Sie werden immer auftauchen, wenn die Rede auf „Veilchen“ ist. Nicht nur in Kasachstan, sondern auch weit über seine Grenzen hinaus weiß man: „Veilchen“, das ist Rawil Gafanow. Er hat sich völlig dem Chor der Entfaltung der deutschen Kultur gewidmet. Ruhe in Frieden, strahlender Mensch… Übersetzung: Philipp Dippl
Wir sind für gutes Deutsch! Veröffentlicht in 15. März 201930. Juli 2020 Bereits zum vierten Mal haben die Zuhörer der Kommunikationskurse und -kreise für Erwachsene der Gebietsgesellschaft der Deutschen „Wiedergeburt“ in Pawlodar, die Mitglieder des Jugendvereins „Lenz“ und die Teilnehmer der Kindersprachkreise die allrussische offen Aktion „Tolles Diktat“ unterstützt, welche seit 2013 mit dem Ziel der Verbreitung der deutschen Sprache und der Entwicklung einer hohen Schriftsprache stattfindet. In diesem Jahr haben bei der Aktion 213 Erwachsene und 70 Kinder aus Pawlodar, Ekibastuz, Aksu und den Dörfern Rozkowka, Lugansk, Nowotschernojarka, Uspenka und Scherbakty im Gebiet Pawlodar teilgenommen. Im Vergleich zum letzten Jahr hat die Zahl derer, die ihre Schreibkompetenz überprüfen wollen, zugenommen, viele haben nicht zum ersten Mal mitgemacht. Die „Schüler“ haben mit Freude Diktate geschrieben, jeder wollte sein Niveau in der deutschen Grammatik herausfinden. Man muss anmerken, dass das Publikum Repräsentanten verschiedener Altersgruppen beinhaltete. Das sind Kinder, Heranwachsende, Jugendliche, Erwachsene, die jüngsten sind 11 bis 12, und die ältesten über 70 Jahre alt. Ein Diktat schreiben ist nicht einfach, aber erfreulicherweise haben sieben Teilnehmer nicht einen einzigen Fehler gemacht. „Es war interessant, seine Kenntnisse einzuschätzen, solch eine Arbeit hilft, die Regeln zu festigen und sich die Wörter zu merken“, sagt Anna Efimenko aus Ekibastuz. „Ein sehr interessantes und hilfreiches Projekt, es regt das bewusste Streben zur Verbesserung der Schreibkompetenz an“, – bestätigen Swetlana Gess und Walentina Iwaschenko. „Das Diktat ist aufschlussreich und interessant. In einem kleinen Text haben wir das Schicksal des deutschen Theaters in Kasachstan seit seiner Gründung im 17. Jahrhundert bis zur Wiedergeburt im Jahr 1980 nachverfolgt“, – teilt Ljudmila Zolotarewa aus Ekibastuz mit. „Ich denke, dass dies eine notwendige Aktion ist, sie hilft, sein Sprachniveau zu überprüfen, sie fördert die Entwicklung der Schreibfertigkeiten. Bei der Teilnahme verstehst du, was das ist, deutsche Identität, du spürst deine Zugehörigkeit zu ihr“, – meint Marija Wiktorowna Schmidt aus dem Dorf Uspenka. Und tatsächlich waren die Texte aller Schwierigkeitsstufen den russischen Deutschen und ihrer Kultur gewidmet. Wir hoffen, das es uns mit unserer Teilnahme gelungen ist, einen Beitrag zur Verbreitung der deutschen Sprache in Kasachstan zu leisten. Nadezhda Stepanowa, Betreuerin der Deutschkurse Übersetzung: Philipp Dippl
Mit 60 Jahren beginnt das Leben erstaunlich Veröffentlicht in 8. März 201930. Juli 2020 Im städtischen Haus der Freundschaft in Semej fand die feierliche Eröffnung des „Zentrums für aktives Älterwerden“ statt. Die öffentliche Vereinigung der Deutschen „Wiedergeburt“ arbeitet seit einigen Jahren aktiv mit der älteren Generation der Gesellschaft zusammen. Es gibt verschiedene Zirkel und Kurse: der „Verein der Senioren“, „Kurse für Computerkompetenzen“, die „Schule des dritten Lebensalters“, den „Nordic-Walking-Club“, ebenso findet sehr viel Arbeit im sozialen Bereich statt. Am Tag der Eröffnung haben die Lehrkräfte der deutschen Vereinigung ihre Erfahrungen in der Arbeit mit älteren Menschen mitgeteilt. Die Repräsentanten des starken Geschlechts bemühten sich, miteinander Schach oder Dame zu spielen. Diese Hälfte hat sehr gut aufgezeigt, welche Übungen zur gesundheitlichen Unterstützung des Körpers man selbst durchführen kann, und welche man lieber in der Sporthalle durchführen sollte.Die Gesangsgruppen der Stadt, der „Chor der Veteranen“ und „Quelle“, haben alle mit Gesangsnummern erfreut und demonstriert, wie Singen die Gesundheit verbessert und das Leben verlängert. Während sie ihre Kunstfertigkeiten in verschiedenen Aktivitäten demonstrierten, haben die Menschen der älteren Altersgruppe versucht, alle Versammelten davon zu überzeugen, dass man ungeachtet des Alters, egal ob du 50 oder 70 bist, neue Talente entwickeln einen aktiven Lebensstil führen kann. Swetlana Kirdjaschkina, die Leiterin des „Nordic-Walking-Clubs“, erzählte allen über den Nutzen dieser Sportart für die ältere Generation und teilte mit allen die Geheimnisse der Gesundheit, des langen Lebens und der guten Laune. „Nordic Walking existiert noch nicht sehr lange, circa seit 20 Jahren. Sein Pate war ein finnischer Skiläufer. Um seine physische Kondition zu aufrechtzuerhalten, hat er angefangen, im Sommer mit Stöcken auf Asphalt, Kies, Sand, u.s.w. zu laufen. Es hat sich gezeigt, dass diese Art der Belastung sehr effektiv ist, weil nicht nur der untere Teil des Körpers beansprucht wird, sondern auch hochgelegene Schlüsselstellen. Mit jedem Tag wird Nordic Walking populärer. Heute können wir „Skandinaviern“ in Grünanlagen, Parks oder an Uferpromenaden begegnen. Es ist eine zugängliche Sportart, weil von Menschen jeden Alters durchgeführt wird. Außerdem ist sie ungefährlich: Sie gehen mit Stöcken – die Beine sind durch die Stöcke gestützt. Der Nutzen ist gegen viele Krankheiten spürbar. Und auch finanziell ist es keine Last, man braucht kein Abonnement im Fitnessstudio, man braucht keine Spezialausrüstung. Im Zeitaufwand ist es bequem: wenn Sie es nicht schaffen, an Übungsgruppen teilzunehmen, können Sie individuell üben. Technisch ist es sehr zugänglich, schon 2 bis 3 Stunden mit einem Trainer reichen, und Sie beherrschen schon alles. Wenn wir über die medizinischen Aussagen reden, ist es notwendig, anzumerken, dass Nordic Walking das Herzgefäßsystem, den Bewegungs- und Stützapparat, das Muskelsystem und alle anderen Organe stärkt. Heute empfehlen viele Ärzte Menschen mit Bluthochdruck genau diese Sportart, weil diese diese Bewegungsart die Verringerung des Blutdrucks befördert. Auch Diabetiker können den Sport ausüben, im Allgemeinen gibt es praktisch keine Grenzen, aber nur ein Arzt und ein Trainer können Ihnen die Trainingsintensität und die Trainingsdauer zeigen, welche Sie mit Ihren Erkrankungen für diesen Sport aufwenden können. Und das allerwichtigste ist, es ist nie zu spät damit zu beginnen, sich selbst die nötige Zeit zu schenken. Sie haben Ihr ganzes Leben gearbeitet, Kinder großgezogen, jetzt kümern Sie sich um die Enkel. Jeder von Ihnen hat Respekt verdient und kann sich erlauben, sich mit geliebten Dingen zu beschäftigen, sich mit Gleichgesinnten auszutauschen und neue Interessen und Hobbys zu finden. Ich wünsche allen gute Gesundheit, Glück und Freude über jeden verlebten Tag“, – betont Swetlana Kirdjaschkina. Ungeachtet dessen, dass das Zentrum eben erst seine Türen geöffnet hat, hat es große Pläne und Ideen. Wir hoffen, dass es uns mit gemeinsamen Kräften gelingt, einen großen Teil der älteren Bevölkerung für einem aktiven Lebensstil zu gewinnen. Marija Gorbatschjowa Übersetzung: Philipp Dippl
„Qonaq qelse, qut qeler“ – „Gast im Haus – Glück im Haus“ Veröffentlicht in 7. März 201930. Juli 2020 Gastfreundschaft liegt dem kasachischen Volk im Blut. Davon erzählt seine langjährige Geschichte. In einer kasachischen Familie wurde für Gäste schon immer ein reichhaltiger Dastarchan eingedeckt und und ihnen waren die Ehrenplätze vorbehalten. Die Zeit vergeht, aber die Traditionen bleiben. In unserem Staat leben 18 Millionen Menschen in Frieden und Eintracht, Repräsentanten verschiedener Ethnien, die sich mit Respekt und Achtung dem kasachischen Volk gegenüber verhalten, seinen Bräuchen und seiner Kultur. Darüber muss man unbedingt reden am Tag der Dankbarkeit. Veranstaltungen zu Ehren des Feiertags fanden überall in unserer multinationalen Republik statt. Im Haus der Freundschaft in Almaty fand ein Festkonzert statt, dessen Gäste wundervolle Aufführungen der Welt- und der heimischen Klassik, Auftritte von Artisten und Repräsentanten der ethnokulturellen Vereinigungen genießen konnten. In der Stadt Taraz im Palast der Versammlung des Volkes Kasachstans fand ein glänzendes Konzert statt, an welchem die Mitglieder des Vereins der deutschen Jugend „Juwel“ teilgenommen haben. Das Programm beinhaltete Theateraufführungen, sowie Musik- und Gesangsnummern. Die Leiterinnen des Jugendvereins der Stadt Semej Aljona Talanowa und Olga Beder haben ein kleines Zusammentreffen aus Anlass des Tages der Dankbarkeit organisiert. Es fand die Aufführung eines sozialen Videofilms statt, und die Anwesenden konnten einer Geschichte aus dem Leben von Gertrude Platajs über die die Barmherzigkeit der Kasachen lauschen. Die aktiven Mitglieder des Vereins „Diamant“ und der Vorsitzende der Gesellschaft der Stadt Astana und des Gebietes Akmola Igor Berg haben an einer Veranstaltung zum Tag der Dankbarkeit teilgenommen, bei der sie Blumen an dem Monument „Қазақ халқына мың алғыс“ niedergelegt haben. Die Mitglieder des Jugendvereins „Lenz“ besuchten den „Unterricht der ethnischen Kultur“, der an der PGU stattgefunden hat. Dort haben sie einen Vortrag darüber gehört, wie das kasachische Volk zu Zeiten der Deportation den Angehörigen verschiedener Ethnien Hilfe und Unterstützung leistete, die unter Zwang umgesiedelt wurden. Der Tag der Dankbarkeit ist ein Tribut an die Einheit, an den Frieden und die Harmonie in unserer Geschichte. Kristina Libricht, Ekaterina Lojtschenko Übersetzung: Philipp Dippl
Knie nieder vor diesem Boden Veröffentlicht in 7. März 201930. Juli 2020 Deportierung… dahinter standen verschiedene Ereignisse. Aber es gibt keine Rechtfertigung dafür, dass auf dem Weg Kinder und Alte starben. Für viele wurde die Hungersteppe der neue Wohnort… Gut, wenn es Sommer ist: das Weidefutter rettet, die formbare Erde gewährt Unterkunft, erlaubt es, eine Erdhütte zu graben. Und wenn es Winter ist…? Wahrscheinlich war es der Wille des Allmächtigen: deportiert in die Große Steppe. Denn Barmherzigkeit und großes Mitgefühl schlummert im Herzen des Kasachen. Der Tag der Dankbarkeit. Dieser nationale Feiertag verbirgt die sowohl die Tränen des Glücks, als auch die Tränen der Trauer. Wie alles ablief auf der Veranstaltung „Tag der Dankbarkeit“ – „Алғыс айту күні“ der Versammlung des Volkes Kasachstans der Oblast Pawlodar. Ida Smirnowa (Majbach), die Älteste der Gesellschaft der Deutschen „Wiedergeburt“ Pawlodar, erzählt: „Ich war überhaupt erst zwei Monate alt (Meine Mutter hatte sechs von uns Kindern), als die Familie aus Saratow deportiert wurde. Ich weiß aus Erzählungen, dass wir in Viehwaggons transportiert wurden. Nach der langen, beschwerlichen Reise nach Kasachstan wurde Papa und der älteste Bruder (16 Jahre) in die Arbeitsarmee mitgenommen. Wir sind in der Kolchose namens Thälmann gelandet. Uns hat man bei einer 80 Jährigen, deutschen Großmutter einquartiert, deren Tochter sich ebenfalls in der Arbeitsarmee befand. Bei ihr lebten vier Enkelkinder. Sie gaben uns ein Zimmer. Von den Sachen blieben nur ein Koffer mit Windeln für das Baby und ein paar Klamotten. Wir haben auf dem Boden geschlafen, der mit Stroh bedeckt war, das die Kinder aus der Scheune geholt hatten. Wir haben immer gehungert. Mama, die 90 Jahre alt wurde, hat am Abend immer gesagt: „Kinder, vergesst nie, was das kasachische Volk für uns getan hat. Denkt daran: wenn die Kasachen nicht wären, würden wir an Hunger und Kälte sterben“. Drei kasachsiche Familien lebten auf der Kolchose. Ich erinnere mich mit Dankbarkeit an Oma Sarsembaewa, die uns immer zu sich gerufen, uns um einen runden Tisch gesetzt und uns in kleine Stückchen gebrochene Zuckerbrocken spendiert hat. Ich verbeuge mich tief vor dem kasachstanischen Volk. Ich bin dem Schicksal dankbar, dass meine Eltern genau nach Kasachstan gekommen sind“. Die Deutschen des Gebietes Kasachstans haben dem Präsidenten der Republik Kasachstan für die Möglichkeit gedankt, sich in ihrer Muttersprache zu unterhalten, dafür, dass die junge Generation sie erlernen kann, und die Ältesten ihnen die kulturellen Traditionen übertragen können. Der Saal wurde ausgefüllt von dem Lied „Heimat“, aufgeführt von der Gesangsgruppe „Nette Frauen“. Eindringlich erklangen die Wörter des Leiters des Sekretariats, des stellvertretenden Vorsitzenden der ANK des Gebietes Sejsembaj Zhetpysbaew: „Lassen Sie unser gemeinsames Haus Kasachstan, welches am Anfang des großen Bauprojektes eines friedlichen Zusammenlebens vieler Völker steht, nicht in einem tosenden Meer negativer Ereignisse untergehen. Dankbare Völker, von den Kasachen aufgenommen, gedenken an die 30er und 40er Jahre des vergangenen Jahrhunderts und werden sie nie vergessen. Genauso wie tausend gerettete Kasachen dem russischen Volk gedenken werden, die ihnen Obdach in der fürchterlichen Zeit des Golodomor in den 30er Jahren gewährt haben. Dank allen, die heute Abend mit uns sind“. Glück allen und für unsere Herzen unauslöschliche Güte. Fremdes Leid auf sich nehmen wie das eigene – ist das nicht die größte Gabe der menschlichen Existenz? Ljudmila Bewz Übersetzung: Philipp Dippl
„TriKotaZh“ Veröffentlicht in 7. März 201930. Juli 2020 Seit einigen Jahren lockt die Pawlodarer der lustige, rebusartige Name einer kleinen Kette von Geschäften „TriKotaZh“ (die drei Katzen „Zh“) an, von denen das erste im Jahr 2012 eröffnet wurde. Nach den Worten der Direktorin Anastasija Bart ist es in einem Moment des Lebens so gekommen, dass naturreine Kleidung für die eigenen Kinder (für den Sohn, der übrigens die deutsche Sprache liebt, und für die Töchter) fehlte: „Zu dieser Zeit gab es praktisch niemanden, der so etwas machte. Alles musste aus Russland hergefahren werden“. Es kam der Gedanke, warum nicht probieren, das eigene Geschäft zu starten? Wir haben das erste Geschäft eröffnet, haben russische Ware hergebracht. Bald darauf das zweite, alles haben wir direkt in den Fabriken eingekauft. Als ich eine von ihnen besuchten, kam mir der Gedanke: „Und warum können wir nicht so nähen, wie unsere Nachbarn?“ Seitdem sind natürlich einige Jahre vergangen, aber schrittweise haben wir eine Belegschaft gebildet und haben angefangen, unsere Produktion herauszubringen“. Das erste unserer Sozialprojekte – Nähen von Kleidung für frühgeborene Kinder – wurde durch die Bitte einer Bekannten ausgelöst (Ihr Kind wurde mit einem Gewicht unter einem Kilogramm geboren). Eine Sache, die auf den ersten Blick unbedeutend erscheint, in der Praxis stellte es sich aber als nicht so einfach heraus. Anastasija ist sehr stolz auf dieses Projekt und auf die Tatsache, dass sie einer Notleidenden helfen konnte. Die Nähmannschaft arbeitet mit Hygienebuch. Die Rohmaterial und Zubehör werden von guter russischer Qualität eingekauft („Und wie sehr würden wir gerne unser kasachstanisches Material verwenden“, – träumt Bart). Sie können es nicht riskieren, mit nur einem Lieferanten zu arbeiten: sie haben die allerkleinsten Kunden. „Wir schätzen unsere Klienten sehr: die gesamte Produktion unterzieht sich einer Dampfbehandlung und wird auf einzelne Verpackungen aufgeteilt“. Heute, wo es zwei Filialen in der Stadt gibt, träumen die „TriKotaZhniki“ davon, an den Geburtsort zurückzukehren, wo sie ein Jahr lang gearbeitet haben (dabei hat ihnen die Handels- und Unternehmenskammer „Atameken“ geholfen), aber die Räumlichkeiten wurden plötzlich für eine Wachmannschaft benötigt. Mit der Zeit hat sich gezeigt, was ihre Produktion erfordert: die Frauen rüsten sich nun als „Boten“, die an das andere Ende der Stadt fahren, um alles Notwendige für ihre Kleinen zu kaufen. Zur Fertigung werden hier Strickwaren, Flanell und Kattun verwendet, – naturreine und für den Körper angenehme Stoffe, weich und gemütlich, so wie sie sein müssen für die Fertigung von Flügelhemdchen und Windeln. Anastasija träumt von vielem. Sie möchte so vielen Früh- und Neugeborenen wie möglich helfen, erstens durch die Eröffnung eines Geschäfts im Geburtenzentrum, zweitens durch die Förderung der eigenen Produktion, damit die Menschen nicht ausländischer Ware hinterherjagen müssen, drittens mehr Transparenz der Informationen für alle Unternehmer und viertens die Teilnahme an Märkten und Messen, auf denen man seine Ware einem großen Bevölkerungskreis vorstellen kann. Die Direktorin ist stolz darauf, dass sie im Jahr 2018 den republikanischen Wettbewerb „Bestes Produkt Kasachstans“ für die Nominierung „Produkte für die Bevölkerung“ gewonnen haben und jetzt für einen Zeitraum von vier Jahren das Markenzeichen benutzen dürfen, mit welchem ihre Produkte ausgezeichnet wurden. „Wir haben das Allerbeste für das Baby“, bekräftigt die Unternehmerin. Anastasija Bart bestärkt die engen wirtschaftlichen Verbindungen zur TPP „Atakemen“ und ist sich sicher, dass sie eine gesunde Konkurrenz auf dem Markt Kasachstans darstellen. Ihre Produktion beschränkt sich nicht nur auf die Region Pawlodar (Ekibastuz, Irtyschsk), sondern erstreckt sich auf den Groß- und Einzelhandel der ganzen Republik: Kokschetaw, Aktau, Atyrau, Schymkent. Schon jetzt startet die Herstellung eines neuen Artikels – Chemisekleider für Frauen. Falls sie zufällig an der Nähfirma und den Geschäften der Kette „TriKotaZh“ vorbeikommen, schauen Sie auf jeden fall herein. Ich bin mir sicher, Sie werden etwas für die Seele finden, für sich und für Ihren Kleinen… Ljudmila Bewz Übersetzung: Philipp Dippl
Wer auf der Welt ist die allerliebste? Veröffentlicht in 7. März 201930. Juli 2020 Bereits seit 12 Jahren findet in Aktobe der allerschönste Wettbewerb „Miss Freundschaft“ statt, der dem Internationalen Frauentag gewidmet ist. Die Besonderheit an ihm ist, dass um die Krone charmante Repräsentantinnen verschiedener ethnokultureller Vereinigungen kämpfen. Verblüffen verführte Zuschauer (und solche kamen auch in den Saal) eroberten Wettbewerbsteilnehmerinnen. Sechs Wettbewerbsteilnehmerinnen traten an, um die anspruchsvollen Zuschauer (und im Saal fanden sich diese) in Erstaunen zu versetzen. Interessanterweise ließen die Organisatoren der Veranstaltung sogar zwei Repräsentantinnen aus dem gleichen ethnokulturellen Zentrum zur Teilnahme zu: eine persönliche Einladung bekam auch noch ein aktives Mitglied der deutschen Gesellschaft „Wiedergeburt“. – Kann sein, dass meine Aktivitäten eine Rolle gespielt haben, kann sein dass es auch etwas anderes war … ich weiß es nicht. Es war unerwartet und erfreulich, – gab die Teilnehmerin aus dem Volkschor „Veilchen“, Irina Gontscharowa zu Geständnis. Die, die oft auf ähnlichen Wettbewerben sind, wissen sehr gut, dass sich der Ablauf immer nach identischem Muster entwickelt, lediglich die Fassade und die Personen werden ausgetauscht. Nur hin und wieder versuchen die Organisatoren, mit etwas frischem zu überraschen. Mit Verzückung ist ihnen das diesmal gelungen. „Miss Freundschaft“ bestand aus fünf Etappen: die traditionelle Vorstellung, die Talentrunde, das Defilee, Frage-Antwort-Runde und der „Genuss“. Ich, die ich vorausgelaufen bin, sage, dass nicht eine einzige der Teilnehmerinnen gepatzt hatte. Natürlich ist es schwierig, die Vorstellung der 15-Jährigen Polina Bukina aus der EKO „Slawen“ und die 21-Jährige Rosalija Ischakowa aus dem tatarisch-baschkirischen Zentrum „Schatlyk“ gleichermaßen zu bewerten, aber die Jury hat sich als absolut unparteiisch erwiesen. Eine weitere Teilnehmerin der Gesellschaft der Deutschen war Diana Schurygina. Die Schülerin der 11. Klasse begeistert sich schon lange für das Theater, und erst vor kurzem hat sie sich als Drehbuchautorin versucht. Das Outfit, mit dem sie die Bühne betrat, hat ganz besonders ihre Grazie und Raffinesse hervorgehoben. – Ich fühle mich selbstbewusst vor den Zuschauern. Ich hatte Zweifel an meinem Können, als angekündigt wurde, dass wir ein alkoholfreies Nationalgetränk zubereiten sollen, – erinnert sich die junge Frau. Was kann man auf der Bühne in fünf Minuten mit den griffbereiten Mitteln vorbereiten? Normalerweise sind das Cocktails, mit Milch oder aus Früchten. Diana ging einen Schritt weiter und überraschte die Jurymitglieder mit Glühwein: – Ich habe auf einer deutschen Internetseite ein interessantes Rezept für alkoholfreien Glühwein gefunden, bei dem statt Wein Kirschsaft verwendet wird. Ich habe das Rezept daheim ausprobiert – und die Familie und meine Freunde waren begeistert. Ich entschied, dass es Zeit für eine Überraschung war… Die Schiedsrichter waren tatsächlich angenehm überrascht, wo doch aus fünf Personen nicht einer jemals dieses Getränk nach deutschem Rezept probiert hat. Und noch weiter an die Spitze Nach fast zwei Stunden wurde das Ergebnis bekanntgegeben. – Es war überaus schwierig, die allerbeste auszuwählen, da doch jede aus den Wettbewerberinnen strahlend, voll Harmonie und talentiert ist. Ich hätte jeder die Krone überreicht, weil doch die, die auf der Bühne standen, schon Gewinnerinnen waren. – Dies sind wundervolle junge Frauen, die eine große Zukunft haben, – fasste der Vorsitzende der Zweigstelle Aktöbe „Zhas Otan“, Asylzhan Burkitalin zusammen. Und so hat Diana Schurygina den Titel „Miss Eleganz“ gewonnen, und Irina Gontscharowa wurde die Trägerin des Preises der Zuschauersympathien. – Unter den Teilnehmerinnen gab und gibt es keinerlei Meinungsverschiedenheiten. Ganz im Gegenteil haben wir uns gegenseitig unterstützt. Ja, diesmal hat es nicht geklappt, die Beste zu werden, aber vor uns liegt das ganze Leben, – sagen die aktiven Mitglieder von „Wiedergeburt“ Diana und Irina mit einem Lächeln. Dmitrij Schinkarenko Übersetzung: Philipp Dippl
Bits und Bytes werden uns auf ewig verbinden Veröffentlicht in 7. März 201930. Juli 2020 Besitz, Kirche und Schule waren die Säulen der Ideologie der deutschen Siedler. Sie haben sie aus Deutschland in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts mitgebracht und haben, bereits als Untertanen des Russischen Imperiums, mit aller Kraft versucht, die Treue zu den Traditionen ihere europäischen Vorfahren zu bewahren. Was kann denn nun die auf dem Gebiet der Republik verstreuten Überbleibsel der einst viele Tausend Menschen zählenden Ethnie von sowjetischen, jetzt kasachstanischen Deutschen einen? Wie kann man die Lieder, die Gebräuche und Traditionen der alten Generation in Erinnerung behalten, um mit den geringst möglichen Verlusten dieses Erbe an die Jungen zu übergeben, unseren Kindern und Enkelkindern? Wie kann man die Geburts- und Familiennamen der Deutschen vor dem Vergessen bewahren, den gesetzesgemäßen Prozess der Integration unserer Ethnie trennen von der allmählichen Assimilierung innerhalb des freundschaftlichen Umfelds mit anderen kasachstanischen Völkern? Akzeptieren denn unsere Erben diesen Staffellauf, der durch hunderte Jahre Krieg, Repressionen und harte Arbeit hindurch getragen wurde? Zu vergangenen Werten zurückzukehren, die gleichermaßen für unsere gesamte Ethnie geeignet sind, ist heute kaum mehr zu schaffen. Die Kirche ist bei uns vom Staat getrennt, und viele Gemeindemitglieder gehen aus Tradition in das Gotteshaus. Die Schule hat sich stark verändert, und in unserem Fall wird sie dem Schutz der deutschen Ethnie, oder um genauer zu sein, mit ihrer Identifikation mit der deutschen Nation, überhaupt nicht gerecht. Mit Sorge beobachten wir die Vorbereitung des Beginns der neuen Deutschklassen und Gruppen um neuen Schuljahr – wird es denn klappen? Wie ist es mit dem Besitz? Die Urbanisierung hat die Bevölkerungsbasis an verschiedene Pole des Wohlstands und des Zugriffs auf materielle Güter getrieben. Wir unterhalten uns darüber mit dem Vorsitzenden des Verwaltungsrates der öffentlichen Stiftung „Wiedergeburt“ Albert Rau. Die Erforschung seiner Familiengeschichte wurde zu seinem Hobby. Er suchte Informationen über seine Vorfahren in Archiven in Saratov, Odessa und Deutschland, hat fünf Jahre lang Materialien für ein Buch zusammengetragen, hat dafür nicht wenig Zeit und Geldmittel aufgebracht. Er hatte Glück mit der Suche in der Linie mütterlicherseits, gebürtig aus dem Kreis Krasnodar: In Stuttgart existiert eine Landsmannschaft der bessarabischen Deutschen, deren Vorfahren in den 30er Jahren des 19. Jahrhunderts aus Baden-Württemberg nach Russland emigrierten. Sie sind die Nachkommen der hunderttausend Deutschen, die im Jahr 1940 vor der Vereinigung Bessarabiens mit der UdSSR nach Deutschland zurückkehren wollten. Die Grundidee der bessarabischen Gemeinschaft ist die Zusammenlegung der Kräfte und Mittel, um von ihren Vorfahren zu erhalten was noch existiert. Zum Instrument zur Realisierung dieser Idee wurde unter anderem das Internet. Ein Programm, in welches die Familie ihren genealogischen Stammbaum eintragen, wurde sehr populär in Deutschland. Mit dessen Hilfe lassen sich Verwandte rund um den Erdball aufspüren und die eigene Position in der Gesellschaft stärken. Es ist klar, dass die Menschen in Deutschland in reicheren Verhältnissen leben, als wir. Das bedeutet, dass sie auch mehr Möglichkeiten haben. Und wir? Wir haben doch auch die öffentliche Stiftung „Wiedergeburt“, die nicht gerade wenig tut, um der deutschen Ethnie komfortablere Lebensumstände zu schaffen. Deutsche Sprachkurse, Folklorefeste, Die Ausgabe von Lebensmitteln und Medizin für bedürftige Landsleute – alles das ist wunderbar und notwendig in der heutigen Zeit. Und was ist der Gedanke dieser Arbeit? Was sehen wir vor uns, wohin gehen wir? Feiertage kommen und gehen, Sprachkurse sind auch irgendwann beendet. Und was bleibt? Albert Rau hat mir vor dem Hintergrund unseres Gespräches das von ihm herausgegeben Buch „Die Geschichte meiner Familie“ gezeigt. Der reflektierte Zeitabschnitt verdient großen Respekt – von 1533 bis 2014 (!). Jetzt existiert etwas, um es den Nachkommen zu hinterlassen. Es ist verständlich, dass aus vielen Gründen nicht alle diese schriftstellerische Heldentat von Albert Rau wiederholen können. Meiner Meinung nach muss auch nicht die breite Öffentlichkeit diese Andenken lesen, da dort auch viel persönliches aufgeführt ist. Aber auf was Albert Pawlowitsch stolz sein kann, sind die vielen Entdeckungen. Zum Beispiel dass die Familie nicht einmal ein Foto des Onkels aus der mütterlichen Linie besaß, der bei Baumfällarbeiten im Norden verschwand, aber als Ergebnis der Suche gelang es, nicht nur ein Foto und ein Protokoll seiner Verhaftung (Dorf Wannowskoje, Kreis Krasnodar, Dezember 1929) zu finden, sondern auch das Protokoll seiner Befragung, in welcher der Onkel seine ganze Lebensgeschichte erzählte und wie er sich den Titel des „Feindes der Sowjetmacht“ verdiente. Und deshalb ist das Internet mit seinen schier grenzenlosen Möglichkeiten genau das, was benötigt wird. Albert Pawlowitsch hat sich selbst überzeugt, als er außer dem üblichen Schriftwechsel und den Anfragen die zahlreichen Informationsressourcen nutzte. Und jetzt reichen die Wurzeln seines genealogischen Stammbaums ungefähr zwei Jahrhunderte tief in die Geschichte. Und alles Dank der Tatsache, dass es weit entfernte Verwandte gibt, die ihre eigenen Forschungen anstellten. Wenn auch nur eine einzige Person mit den Menschen übereinstimmt, die in jemandes Stammbaum existieren, dann findet das Programm dies auf jeden Fall heraus. Und falls wir gemeinsame Vorfahren haben und sich ihre Stammbäume auf diese Weise überschneiden, dann erhalten Sie weitere Informationen über ihre Entdeckungen. Es gibt nicht nur eines dieser Programme. Aber besonderer Beliebtheit erfreut sich die internationale Plattform https://www.myheritage.com. Kann es also sein, dass uns die Digitalisierung in unserer weiteren Arbeit mit der Geschichte der kasachstanischen Deutschen helfen wird? Am 14. und 15. Mai diesen Jahres findet in Astana die internationale praktische Bildungskonferenz „Die Deutschen Kasachstans: historische Erinnerung der Ethnie und die Digitalisierung der Informationsquellen“ statt. Die Reihe an Problemen, die zur Diskussion stehen, ist vielfältig: die Analyse des Wissensstandes zur Geschichte und des Archivüberblicks zur deutschen Ethnie, Aufbau eines Online- und virtuellen Museums der Deutschen Kasachstans, Untersuchung der erfolgreichen Erfahrungen Deutschlands in der Benutzung von Informationstechnologien und Ressourcen zur historischen Forschung, und so weiter. Nach unseren Informationen findet in Deutschland und in anderen Ländern schon seit einigen Jahren die Digitalisierung verschiedenster Prozesse statt. In dieses Projekt sind die Archive und die Kirchen des Vaterlandes aktiv eingebunden. Es werden solch alte Manuskripte digitalisiert, dass man es sich kaum vorstellen kann. In der Epoche der Globalisierung wollen alle ihren Platz in der Geschichte behaupten. Und auch uns wird es nicht schaden, uns darum zu kümmern. Genrich Braun Übersetzung: Philipp Dippl
„Wir werden die nicht vergessen, die uns aufgenommen haben“ Veröffentlicht in 6. März 201930. Juli 2020 Am Tag der Dankbarkeit haben junge Sprecher der deutschen Theaterwerkstatt „Denk´ mal“ Gedichte über die schwere Zeit der Deportation vorgetragen. Repressionen, Deportation, Verfolgung. Durch diese Wörter weht der Hauch von Kälte und Schrecken. Vor vielen Jahren litten dutzende Ethnien unter dem Regime. Heute gedenken ihre Nachkommen mit Dankbarkeit denen, die in ihren Häusern Deutsche, Tataren, Polen oder Koreaner aufgenommen haben. In der Aula der Schule Nr. 11 Aktöbe ist es still. Etwas später kommen die Jungs und Mädels aus der Theaterwerkstatt „Denk´ mal“ an, sie beginnen langsam, sich dem Leben einer welterfahrenen Frau anzunähern. Es bleibt Zeit, über das nachzudenken, was vor vielen Jahren geschah. Mir hilft dabei Gerold Berger. Auf dem Tisch liegen seine Arbeiten: Übersetzungen, Bücher. Bücher über ihn. Er ging, aber sein Erbe blieb. Ein großer Mensch! – Er ist wahrhaft groß, – rezitierte gleichsam die Leiterin der Werkstatt Inna Woloschina meine Gedanken. – Er hat sehr viel für das kasachische und das deutsche Volk getan. Er hat sich niemals über sein Schicksal beklagt, er hat es einfach angenommen und gemacht. Gerold Karlowitsch wird hier geliebt, wenn es die Zeit ergibt, aber ihn zu lesen ist schwer. Und heute, als der Zuschauerraum voll besetzt war, haben sie auf der Bühne über sein Schicksal berichtet, seinen Stellenwert in der Geschichte Kasachstans und Deutschlands. Und danach gab es Gedichte. Scharfe Zeilen aus dem Werk der Journalistin und Poetin Bella Iordan, die viele Jahre lang in Kasachstan lebte: „Wir erinnern uns nicht an unsere Urgroßväter, Wir haben sie rundweg vergessen, und in den armseligen Biografien werden unsere Urgroßväter nicht geführt…“ Die Wörter sind scharf und hart, so wie eine Orfeige der Törichten, der Vergessenen, derer, an die sich keiner mehr erinnert. In der Aula der Schule Nr. 11 lag Stille. Vor einer Stunde war ich hier alleine, jetzt waren dutzende Menschen hier mit mir. Alle durchlebten wir die gleichen Gefühle, und jeder hatte Tränen in den Augen. – Das ist leider die Wahrheit unseres Lebens, – gestand später eine gekommenen Großmütter. – Wir vergessen, denen zu danken, dank derer wir jetzt leben. Die Gedichte berührten die Tiefe der Seele. In der Aula ist wieder stille… Es ist Zeit, darüber nachzudenken, wer wir sind und was von uns übrigbleibt. Dmitrij Schinkarenko Übersetzung: Philipp Dippl
Bewegen wir uns nach vorne! Veröffentlicht in 5. März 201930. Juli 2020 Im Empfangsbüro der öffentlichen Stiftung „Kasachstanische Vereinigung der Deutschen „Wiedergeburt“ in der Stadt Astana fand am 1. Februar unter Vorsitz von Albert Rau die turnusmäßige Sitzung des Verwaltungsrates statt. Zur Diskussion wurden eine Reihe von Fragen vorgelegt, die für die Aktivitäten der Selbstorganisation der Deutschen Kasachstans und für die Realisierung des Programms zur Unterstützung der deutschen Ethnie von Belang sind. Eine Konzeption zur Jugendpolitik wurde angenommen, welche von der Leiterin der Union der deutschen Jugend Kasachstans Marija Borisewitsch vorgestellt wurde. Das Dokument wurde vorab in der „Deutschen Allgemeinen Zeitung“ und im Internet auf dem Portal der Deutschen Kasachstans www.wiedergeburt.kz veröffentlicht. Die öffentliche Diskussion erlaubte es, alle Anmerkungen zu berücksichtigen und grundlegende strategische Stoßrichtungen der Jugendpolitik der Stiftung in den kurzfristigen und langfristigen Perspektiven zu definieren. Es wurde der Verlauf der Ausarbeitung des Programms zur Entwicklung der deutschen Ethnie geprüft. Momentan erarbeiten die Leiter der Gruppe die Aufteilung des Programms in die Hauptrichtungen: Jugend, ethnische Identität und Kultur, deutsche Sprache und Bildung, Weiterentwicklung der Selbstorganisation, soziale Leitlinie, Entwicklung des Unternehmertums, Partnerschaft und Media. Es wurde entschieden, den Prozess der Ausarbeitung des Programms übereinstimmend mit den festgelegten Zeitplänen und Fristen zu regeln. Die Ergebnisse der Abonnentenkampagne der republikanischen deutschen Zeitung „Deutsche Allgemeine Zeitung“ für das Jahr 2019 verkündete das Mitglied des Verwaltungsrates, Direktor der TOO „DAZ-Asia“ Robert Gerlitz. In diesem Jahr wurde das Hauptaugenmerk auf die abgelegenen bewohnten Punkte der Republik, an denen die deutsche Ethnie lebt, gelegt. Die Idee „Ein Dorf – Ein Exemplar der Zeitung“ haben die Regionalgesellschaften der Deutschen „Wiedergeburt“ aktiv unterstützt, effektiver als alle anderen waren dies die Gesellschaften Pawlodar, Taldykorgan, Zhambyl, Akljubinsk und die Gesellschaft der Deutschen der Stadt Astana und des Gebietes Akmola. Mit den Worten von Robert Gerlitz verlangt eine solche Zusammenarbeit jede mögliche Anerkennung, da es als Beispiel für die anderen Gesellschaften dient und hilft, unsere Hauptmission zu realisieren – die Konsolidierung der Deutschen Kasachstans. In jeder Sitzung des Verwaltungsrates wird der Verlauf der Umsetzung des Veranstaltungsplans zur Erfüllung der Entscheidungen der gesamtnationalen Konferenz der Delegierten erörtert. Es sei angemerkt, dass im wesentlichen Veranstaltungen in Übereinstimmung mit dem Plan durchgeführt werden. Es gibt Erfolge im Bereich der Entwicklung der deutschen Sprache und der Rückkehr ihrer Lehre in den Mittelschulen, in der Digitalisierung der Aktivitäten der Stiftung und der Regionalgesellschaften, sowie in der Entwicklung des Unternehmertums. Momentan legen nicht alle Mitglieder des Verwaltungsrates das notwendige Engagement an den Tag, was, im besten Falle, zur Einschränkung der Teilnahme an ihren Sitzungen führt. Der Veranstaltungsplan ist auf dem Portal www.wiedergeburt.kz einzusehen, die Informationen über ihre Durchführung wird laufend aktualisiert. Eine ernste Frage, welche bei der Sitzung erörtert wurde, ist die Finanzierung der Projektarbeit OO „SKONKZ „Wiedergeburt“ (Stadt Petropawlowsk) im Rahmen der Erfüllung des Vertrages über Zuschüsse. Im Jahr 2018 wurde die Finanzierung zwei Mal ausgesetzt aufgrund von Versäumnissen bei der Berichtübermittlung innerhalb der festgelegten Fristen. In diesem Zusammenhang ist die Stiftung auf das Problem gestoßen, wie man trotzdem den Deutschen der Region die ihnen zustehenden Hilfe zukommen lässt. Dank eines abgestimmten Vorgehens gelang es, ein Projekt zur Ausgabe von Lebensmitteln zu realisieren. Mitte Januar diesen Jahres fand eine Reise von Mitarbeitern der Stiftung und Mitgliedern des Verwaltungsrats nach Petropawlowsk statt, in dessen Verlauf die Gründe für die instabile Arbeit der Gesellschaft im Hilfsprogramm festgestellt wurden. Die Leitung der Gesellschaft wurde auf die Notwendigkeit der Verfahrenssteuerung in der Büroarbeit aufmerksam gemacht, vor allem im Finanzrechnungswesen und in der Umsetzung von Richtlinien, die aufgrund der Resultate des Monitoring und zur Vermeidung von Störungen in der künftigen Berichterstattung ausgesprochen wurden. Nach den Ergebnissen der Debatte wurde die Entscheidung angenommen: ausgehend von den Interessen der Gesellschaft der Deutschen Nordkasachstans wird die Projektarbeit in der Region durch OO „CKONKZ „Wiedergeburt“ unter der Bedingung der strengen Einhaltung der geltenden Regeln und Positionen und vierteljährliche Kontrolle der Umsetzung der Projektaktivitäten im Programm zur Unterstützung der deutschen Ethnie in Kasachstan wiederaufgenommen. Hierbei wurde beschlossen, dass im Falle von Verstößen gegen die Ausführungen der Verträge des Exekutivbüros der Gesellschaft SKO der Status des unzuverlässigen Partners zugewiesen wird, die Finanzierung wird für eine Dauer von einem Jahr beendet. Die Finanzierung der Projektaktivitäten wird durch die öffentliche Stiftung direkt zwischen dem Träger und dem Begünstigten durchgeführt. Das Monitoring der Qualität der Programmrealisierung zur Unterstützung der deutschen Ethnie ist ein wichtiger Effektivitätsfaktor aller Projektaktivitäten. Das ist die gemeinsame Position aller und in erster Linie der Finanzmittel gebenden Organisation – dem Innenministerium Deutschlands. Daher wurde eine Anweisung genehmigt, die die Ordnung zur Durchführung des Fernmonitorings festlegt. Ebenso wurde im Rahmen der Sitzung eine Reihe von Dokumenten angenommen, welche helfen werden, Projektaktivitäten der Selbstorganisation mit höherer Qualität aufzubauen. Angenommen wurde die „Bestimmungen über Auszeichnungen“, „Bestimmungen der Zentren für Sozialleistungen“ und „Bestimmungen über die Aktivitäten der Projektmanager in den regionalen öffentlichen Vereinigungen der Deutschen „Wiedergeburt“. Zum Abschluss wurde die Entscheidung zur Feier des 30-jährigen Jubiläums der Gründung der Nationalbewegung der Deutschen „Wiedergeburt“ getroffen. Nach den Worten der Teilnehmer ist dies ein denkwürdiger Meilenstein im Schicksal des deutschen Volkes Kasachstans, und die Veranstaltung soll auf entsprechendem Niveau stattfinden. Deshalb soll das grundlegende Ziel nicht nur das Gedenken an das Vergangene sein, sondern auch der Blick in die Zukunft unseres Volkes. Übersetzung: Philipp Dippl
Steht der Karneval schon vor der Tür Veröffentlicht in 5. März 201930. Juli 2020 Die fünfte Jahreszeit hat schon begonnen und in ganz Deutschland ertönt es „Alaaf“, „Helau“, „Ahoi“, „Narri Narro“. Die Tradition des Karnevals ist uralt und stammt noch von den mittelalterlichen Deutschen. Zu dieser Zeit haben sie Masken aufgesetzt Tierfelle umgelegt, um die guten Geister zu wecken und den Frühling zu locken. Und so haben wir entschieden, dem nicht nachzustehen und auch Fasching in Almaty zu veranstalten und den Frühling herbeizurufen! Die Vorbereitungen zum Karneval begannen lange vor der eigentlichen Feier. Wir haben Kostüme genäht, unter Anleitung der Leiterin des Bastelzirkels Galina Larinowa Karnevalsmasken gebastelt, Unter Leitung der Regisseurin und Choreografin Oksana Focht deutsche traditionelle Tänze (Bandeltanz) geprobt und mit den Teilnehmern der Kindergesangsgruppe und der Chorleiterin Kristina Esau-Strogatzkaja lustige Lieder (Es geht nichts über die Gemütlichkeit) eingeübt. Und so hat sich am 2. März genau um 14 Uhr unter den Klängen von Musik, Trommeln, Lautsprechern, Lärm und Gekreische ein farbenfroher kostümierter Umzug mit den Butzen und lustigen Liedern an der Spitze zum Richtplatz in Bewegung gesetzt, wo die Hauptveranstaltung stattfand – mit der Verbrennung der Strohpuppe unter den Schreien der Menschenmenge: „Hallo Frühling“ wurde der Frühling zur Ankunft gerufen! Anschließend begann allgemeiner Jubel und Heiterkeit! Gelächter, Späße, Musik, Lieder und Tänze – alles mischte sich im Hof des deutschen Hauses! Unter den Organisatoren des Festes, unter den Teilnehmern, unter den Gästen oder den Mitgliedern der Gesellschaft „Wiedergeburt“ aus Almaty und Talgar gab es niemanden, der teilnahmslos oder gelangweilt war. Von Klein bis Groß tanzten und sangen alle! Alles endete mit einer allgemeinen Teerunde mit traditionellem deutschen Gebäck, zu welchem mit Gastfreundschaft und Herzlichkeit die Teilnehmer des Vereins der deutschen Jugend „Vorwärts“ eingeladen haben. Was es hier nicht alles gab: Pfannkuchen mit Honig und Marmelade, Krapfen, Krebl und viele andere Naschereien, welche die Teilnehmer und Gäste mitgebracht haben! Die Feier hat allen viel positive Energie und echte Frühlingsstimmung geschenkt! Helau Alaaf und viel Spaß! Mit Liebe KNM „Vorwärts“! Libricht Kristina, Lajtschenko Jekaterina Übersetzung: Philipp Dippl
Die fünfte Jahreszeit geht durch Kasachstan! Veröffentlicht in 4. März 201930. Juli 2020 Fasching – das ist die Möglichkeit, es noch einmal „krachen zu lassen“ vor dem Beginn der christlichen, vorösterlichen Fastenzeit. Während des Karnevals muss man mit aller Kraft fröhlich sein, sich mit Faschingskostümen verkleiden und einfach herumalbern. Diese Woche wird sogar „die fünfte Jahreszeit“ genannt, wenn der Winter mit lustigen Tänzen und Schwofen verabschiedet wird und der lange erwartete Frühling willkommen geheißen wird. Am 3. März fand im deutschen Zentrum „Wiedergeburt“ in der Stadt Karaganda die Faschingsfeier statt. An dem Programm nahmen Richter, der Bürgermeister, ein Ausrufer und die Geister des Frühlings und des Winters teil. Alles war wie erwartet: Die Richter und das Volk erhoben die Anklage gegen den Bürgermeister, und der Ausrufer erzählte den Gästen über die Traditionen des Karnevals. Die Gäste erwarteten Tänze, Lieder, spannende Spiele und natürlich die Verbrennung des Strohmanns. Ebenso wurde am 3. März in der Gesellschaft der Deutschen im Gebiet Zhambyl Fasching begangen. Den aktiven Mitgliedern der deutschen ethnokulturellen Vereinigung und des Vereins der deutschen Jugend „Juwel“ gelang es mit vereinten Kräften, die Farben des deutschen Karnevals zum sprühen zu bringen. Schon in guter Tradition wurde in Astana der Winter verabschiedet und der langersehnte Frühling willkommen geheißen. Das Haus der Freundschaft öffnete mit Gastfreundschaft seine Türen weit für alle, die diese Feier begehen wollten. Tanzen, Lieder, Berliner, Süßigkeiten und noch viel mehr erwartete die Gäste an diesem wunderbaren Faschingsfest! In Almaty wurden die Geister des Winters durch die Verbrennung eines Strohmannes vertrieben, und anschließend wurde mit gemeinsamen Tänzen der Frühling begrüßt. Farbenfrohe Kostüme und Masken und lustige Stimmung waren die wichtigsten Merkmale des vergangenen Festes. Übersetzung: Philipp Dippl
Swetlana Olenburger – Chefköchin der italienisch-amerikanischen Küche „Opposto“ Veröffentlicht in 2. März 201930. Juli 2020 Im Vorfeld des schönsten und liebevollsten Feiertags, des 8. März, haben die Männer der Gesellschaft der Deutschen „Wiedergeburt“ in Astana und dem Gebiet Akmolinks die Damen zu einem außergewöhnlichen Abend eingeladen – einem Abend der gastronomischen Entdeckungen, der in dem Hotel- und Restaurantkomplex „Traditional“ von Markenchef Alischer Kasymow (Stadt Astana) und Chefköchin der italiensich-amerikanischen Küche „Opposto“ Swetlana Olenburger (Hamburg, Deutschland) durchgeführt wurde. – Swetlana, was hat Sie dazu bewegt, den Beruf des Kochs zu wählen, der zu einem Teil ihres Lebens wurde? – Ich habe die SPTU Nr. 5 in Zelinograd im Fachbereich Koch und Konditor abgeschlossen. Nach drei Jahren Ausbildung bin ich direkt in den Beruf eingestiegen, aber dass ich mal Profi in dieser Sache werden würde, konnte ich mir wirklich nicht vorstellen. Alles kommt mit der Übung. Und ich hatte Glück mit sehr guten Lehrmeistern, mit jedem von ihnen verbesserte ich meine Fertigkeiten, erfuhr etwas neues. Und jetzt stehe ich bereits 27 Jahre lang in der Küche und kann getrost sagen, dass das eine gute Erfahrung, aber nicht das Maximum ist. Jedes Jahr verändert sich irgendetwas, die gastronomischen Zyklen sind wie eine Mode, immer gibt es Tendenzen der aktuellen Zeit. Deshalb nehme ich mit Freude an verschiedenen Veranstaltungen teil, wo ich meine Erfahrung weitergeben kann, genauso wie ich mir von Kollegen etwas abschauen kann. Und heute mit meinem Partner, dem Chefkoch Alischer, haben wir uns, als wir das Essen kreiert haben, gegenseitig unsere Geheimnisse verraten, und ich habe für mich viel neues gelernt. Nicht umsonst sagt man: „Es gibt keine Grenze der Perfektion!“ Und genau so ist es! – Sind Sie ursprünglich aus Zelinorgrad? – Ich bin in Zelinograd geboren und aufgewachsen, habe dort 30 Jahre lang gelebt. Und jetzt lebe ich schon seit drei Jahren in Deutschland. Ich bin in die historische Heimat gegangen, um näher bei den Angehörigen zu sein. – Swetlana, interessieren Sie sich denn für die Geschichte ihrer Familie? Für die wichtigen deutschen Wurzeln, dafür wie ihre Vorfahren in Kasachstan landeten? – Ich weiß nur soviel, dass meine Verwandten sowohl mütterlicher als auch väterlicherseits am Kuban lebten. Und zur Zeit des Großen Vaterländischen Krieges wurden sie nach Kasachstan deportiert. – Vermissen Sie denn jetzt ihre Heimat? Mit welchen Gefühlen kommen Sie nach Kasachstan zurück? – Ich lebe jetzt seit drei Jahren in Deutschland. Das ist keine sehr lange Zeit, und für mich ist es immer sehr bewegend, in die Heimat zurückzukehren, dort hin, wo ich aufgewachsen bin und gelebt habe. Um ehrlich zu sein, ich vermisse es, obwohl ich manchmal sage, dass es nicht stimmt. Besonders schwer war es im ersten Jahr, aber die Unterstützung und die Verbindung mit den Verwandten hilft sehr. – Sie sind jetzt ein Profi der für landestypische Speisen verschiedener Nationen, aber was wurde in ihrer Familie gekocht, gibt es Rezepte deutscher Gerichte, die bei euch Tradition waren? – Als ich ein kleines Mädchen war, war die Speise der Krönung in unserer Familie Strudel. Meine Oma und Mutter haben uns oft damit verwöhnt. Jetzt, wo ich schon in Deutschland lebe, habe ich mich vergewissert, dass sie ihn nicht zubereiten. Es ist keine Süßspeise, sondern eine zweite Hauptspeise, die aus Schweinerippchen, Sauerkraut, Kartoffeln und Teig zusammengesetzt ist. – Swetlana, wie gelang es Ihnen, in so kurzer Zeit Ihren Beruf in Deutschland anerkennen zu lassen? Heute, wo wir Ihre Meisterwerke probieren durften, möchte ich sagen, dass Sie eine große Meisterin sind. Wir haben mit Ungeduld neue Speisen erwartet, während wir daran gedacht haben, wie Sie uns noch überraschen können? Jede Speise ist für sich außergewöhnlich – nicht nur lecker, sondern auch schön! – Vielen Dank, das ist mir sehr angenehm! Als ich nach Deutschland kam, habe ich ein Jahr gebraucht, um die Anerkennung meiner Dokumente zu erhalten – den Nachweis des Berufes und die Aneignungen der Qualifikationen. Danach habe ich bereits in einem Restaurant gearbeitet. Zu der Zeit habe ich Deutsch noch nicht so gut beherrscht, es war ein bisschen kompliziert, aber der Chefkoch hat nicht erwartet, dass ich eine solche Erfahrung habe. Einmal hat er einer Frau an der Bar erzählt: „Sie ist noch besser als ich!“ Das wurde dem Besitzer des Restaurants bewusst, und ich stieg schnell auf, nach einem halben Jahr war ich bereits Chefköchin. – Sind Sie extra nach Astana gekommen, um an dem gastronomischen Abendessen teilzunehmen? – Nicht nur. Ich wurde als Mitglied der Jury des ersten internationalen Festivals der jungen Küche „DelaRukHORECAS-2019“ eingeladen, welches vom 27. Februar bis zum 1. März in Almaty stattfand. Und ich bin sehr glücklich darüber, dass ich es geschafft habe, sowohl daran teilzunehmen und auch am heutigen Abend alle Anwesenden mit meinen Kreationen zu bewirten. Hiermit endete unser Dialog, und für mich selbst habe ich ein kleines Resümee gezogen: wo auch immer du bist, wo auch immer du lebst, wenn du eine geliebte Sache machst, dann wirst du auf jeden Fall zum Profi, und das nimmt dir keiner weg. Interview: Ewgenija Gizik Übersetzung: Philipp Dippl
Tag der Dankbarkeit und Barmherzigkeit Veröffentlicht in 2. März 201930. Juli 2020 Seit dem Jahr 2016 gibt es auf Initiative des Oberhaupts unseres Staates Nursultan Nasarbajew in Kasachstan einen neuen Feiertag – den Tag der Dankbarkeit, der am 1. März gefeiert wird. Dies ist ein ausgezeichneter Anlass, dem kasachischen Volk und den Vertretern anderer Ethnien, welche auf dem Gebiet unserer multinationalen Heimat leben, noch ein weiteres Mal für ihre Toleranz und Gastfreundschaft zu danken. Einen großen Dank sprechen an diesem Tag auch wir aus, die Deutschen, alle, die in vollem Maße selbst den Moloch der stalinschen Repressionen durchlebten: Deportation, Arbeitsarmee, das Regime in den Sonderkolonien. In den schweren Kriegsjahren, aber auch in den Tumulten der Nachkriegszeit haben die Kasachen uns mit offenem Herzen empfangen, haben Blut und Brot geteilt. Und dafür danken wir wieder und wieder dem kasachischen Volk, denn genau seine Barmherzigkeit, die aufrichtige Güte und der Großmut half unseren Vorfahren, zu überleben und Fuß zu fassen auf dem neuen Land, welches heute für uns zum Elternhaus geworden ist. Daran erinnern sich auch tausende deutscher Familien, die in verschiedenen Zeiten nach Deutschland übersiedelten und den nachfolgenden Generationen von der Größe der kasachischen Seele erzählen. Sie kommen gerne nach Kasachstan zurück und bauen an einer soliden Brücke freundschaftlicher Beziehungen zwischen unseren Ländern. Einmal hat der bekannte Schriftsteller und Übersetzer Gerold Berger, gleichermaßen allen Kasachstanern nahestehend: gesagt: „Zum Menschen haben mich meine Eltern, das heimatliche Aul und das Buch gemacht.“ Mit der Familie an das Ufer des Esil verbannt, hat er sich hier aufrichtig in alles verliebt: malerische Orte, die Sprache, die Bräuche und die Traditionen des kasachischen Volkes, welches für ihn heimisch geworden ist. Und diese aufrichtige Zuneigung zu Kasachstan hat ihre Reflexion in einer Reihe seiner Werke gefunden, welche als Vermächtnis für die nächsten Generationen widerhallen – man muss sich an seine Wurzeln erinnern, an die Geschichte, auch an die tragische, aber die wichtigsten sind die, die geholfen haben, den schweren Bedingungen standzuhalten. Und die kasachstanischen Deutschen folgen dem Auftrag ihres berühmten Landsmanns. Im Namen der öffentlichen Stiftung „Kasachstanische Vereinigung der Deutschen „Wiedergeburt“ danken wir ebenso der Versammlung des Volkes Kasachstans für den riesigen Beitrag zur Gewährleistung zwischenethnischer Harmonie im modernen Kasachstan, für die tägliche informative, bildende und erzieherische Arbeit, an welcher alle unsere Regionalgesellschaften aktiv beteiligt sind. Übersetzung: Philipp Dippl
„Tschüss Plastik! Hallo Stoffbeutel!“ in Semej Veröffentlicht in 2. März 201930. Juli 2020 Die Umwelt in unserem Land vermüllt. Und wie oft denken wir über dieses Problem nach? Normalerweise im Herbst oder im Frühling, wenn wieder die Freiwilligensamstage beginnen. Es macht glücklich, dass in den letzten paar Jahren viele öffentliche Organisationen nicht nur ökologische Ausflüge veranstalten, im wesentlichen beispielsweise in einen Nadelwald oder an ein Flussufer, aber auch unterschiedliche Aktionen zum Wohl unserer Umwelt organisieren. Den Mitarbeitern des Goethe-Insituts ist der Zustand unseres ökologischen Systems ebenfalls nicht gleichgültig, und um so viele junge Menschen wie möglich für dieses Problem zu gewinnen, veranstalten sie in verschiedenen Städten Kasachstans den Workshop „Gestalte Deinen Stoffbeutel! Tschüss Plastik! Hallo Stoffbeutel!“ Am 23. Februar waren die Zuhörer der Deutschkurse, Jugendliche im Alter von 13 bis 25 Jahren der öffentlichen Vereinigung der Deutschen „Wiedergeburt“ in der Stadt Semej Teilnehmer des Workshops zur Herstellung von Ökotaschen. Der Sprachassistent des Deutschzentrums der Stadt Kostanaj, Lukas Netter hat die Anwesenden über die Probleme informiert, die im Zusammenhang mit der Verwendung von Tüten aus Polyethylen entstehen. Wenn jeder eine farbenfrohe und bequeme Stofftasche besitzt, die man nicht nur ein Mal sondern zu jeglichen Anlässen verwenden kann, dann wirkt sich das vorteilhaft auf den Zustand der Atmosphäre aus. Die Sprachassistenten veranstalten den Workshop „Gestalte deinen Stoffbeutel“ in verschiedenen Städten Kasachstans, in welchen die Teilnehmer über ökologische Probleme in der modernen Welt informiert und dazu aufgefordert werden, Plastiktüten durch Ökotaschen mit persönlicher Gestaltung zu ersetzen. Lukas Netter hat bereits Treffen in Kostanaj, Pawlodar und Semej durchgeführt. Es ist erfreulich zu sehen, dass die Jugend mit großem Interesse an diesem Projekt teilnimmt und jede Stadt mehr und mehr mit ihrer Gastfreundschaft, mit ihrem Interesse an der Problematik der Naturverschmutzung und dieser Weise der Bekämpfung, wie den Ökotaschen, überrascht. Konstantin Jankowskij, ein Zuhörer des Deutschkurses: „Es ist schön, die Jugendlichen bei dieser Aktion zu sehen, wo doch das Schicksal des Planeten so sehr von uns abhängt. Es war sehr interessant, sich mit Lukas Netter zu unterhalten. Er hat uns von dem realen Problem der Verschmutzung des Planeten mit Plastik erzählt und uns die ökologischen Beutel überlassen, welche wir ganz nach unserer Fantasie mit Stiften und Farbe bemalt haben, damit sie farbenfroher werden und sich einprägen. Ich denke, dass diese Aktion sehr nützlich ist, immerhin müssen wir alle mit allen Mitteln versuchen, unsere Natur zu schützen“. Alina Katzedorn, eine Zuhörerin des Deutschkurses und aktives Mitglied des Vereins der deutschen Jugend „Glück“: „Es war sehr angenehm, in einer solch warmen und freundschaftlichen Atmosphäre zu arbeiten. Alles fand auf hohem Niveau statt. Wir waren so begeistert, dass wir gar nicht mitbekommen haben, wie schnell die Zeit verging. Vielen gelang es, auf die Taschen echte Meisterwerke zu malen. Ich freue mich sehr über meinen Ökobeutel, den ich auf jeden Fall benutzen werden. Ich bedanke mich sehr bei Lukas Netter für die Zeit, die er unserem Verein der deutschen Jugend geschenkt hat“. Die Arbeiten aller Teilnehmer könnt ihr auf dem Sozialen Netzwerk Instagram unter dem Hashtag #stoffbeutelkika finden. Das ist noch eine weitere Möglichkeit, aktiv dieses wichtige Projekt voranzubringen und noch mehr Menschen auf die ökologischen Probleme aufmerksam zu machen. Nach Abschluss können die farbenfrohesten und am meisten benutzten Taschen interessante Preise gewinnen. Marija Gorbatschjowa Übersetzung: Philipp Dippl
Eine Idee? Der Beginn einer ganzen Geschichte… Veröffentlicht in 2. März 201930. Juli 2020 Viele würden zustimmen, dass das Warten auf einen Feiertag eine nicht weniger freudige und aufregende Zeit ist, als der Feiertag selbst. Stimmt es denn nicht? Und die aktiven Mitglieder des Vereins der deutschen Jugend „Vorwärts“ stimmen damit auch überein: am Vorabend von Fasching sind wir in die Stadt Talgar aufgebrochen, um allen Interessierten von den Festlichkeiten zu erzählen und Karnevalsmasken zu basteln. Kinder, ihre Eltern und Senioren kamen in die Schule Nr. 5 – alle sollten an diesem Tag das Herannahen dieses unglaublich strahlenden und wirklich faszinierenden Ereignisses spüren – den Faschingskarneval! Die aktiven Mitglieder des Vereins der deutschen Jugend Artjom Larin und Arina Barbanakowa haben die Geschichte des Festes und der Karnevalsmasken aufgespürt, und ebenso erzählt, was man üblicherweise eine Woche vor Anbruch der Feierlichkeiten erledigt. Im Verlauf des Bastelns der Karnevalsmasken wurden Seidenbänder, Spitzen, Federn, glitzernde Pailletten und Glasperlen verwendet. Die Ergebnisse der Arbeit gerieten überaus strahlend und originell. Edan Gerliz und Wasilina Martyn haben einen Tanzworkshop organisiert und halfen den Kindern, neue Tanzschritte zu meistern. Ebenso haben wir eine interaktive Deutschstunde durchgeführt. Wir hoffen, dass viele ihren Wortschatz aufgefüllt haben. Wir haben es auf jeden Fall! Und außerdem: wir sind mehr geworden! In der Stadt Talgar werden wir eine Zweigstelle des Vereins der deutschen Jugend eröffnen! Ein Wettbewerb für den besten Namen und das beste Logo ist schon angekündigt. Beeilt euch, daran teilzunehmen, und vielleicht wird eure Idee der Beginn einer ganz neuen Geschichte sein! Kristin Kobelewa, KNM „Vorwärts“ Übersetzung: Philipp Dippl
Ein edler Mensch mit dunklem Schicksal Veröffentlicht in 2. März 201930. Juli 2020 Die Gesellschaft der Deutschen im Gebiet Dschambyl hat einen literarischen Empfang zu Ehren eines bedeutenden Ereignisses organisiert – Des 100. Geburtstags der berühmten Poetin Rosa Pflug. Die Aktiven Mitglieder der deutschen Gesellschaft und die Mitglieder des Seniorenvereins, Jugendliche, Seminarteilnehmer, Schüler und Lehrer haben sich im Café „Elba“ in Taraz versammelt, um die Gedichte der Berühmten Poetin zu hören und vorzutragen. Rosa Pflug wurde im Jahr 1919 in dem Dorf Antonowka im Gebiet Saratow geboren. Sie hat die Schule und das Technikum abgeschlossen, aber die Familie konnte von einem ruhigen Leben nur träumen. Vor Kriegsbeginn wurde der Vater verhaftet, im Herbst 1941 wurde die Mutter von Rosa nach Kasachstan deportiert, zusammen mit ihr 8 Kinderlein, unter ihnen auch die junge Lyrikerin. Einige Jahre ihres Lebens fern der Heimat hat sie als Dorflehrerin für Deutsch gearbeitet. Schon zu dieser Zeit veröffentlichten die Zeitungen „Neues Leben“ und „Freundschaft“ ihre Gedichte, Erzählungen und Novellen. Die junge Frau, die in ihren Gedichten von der Schönheit des heimatlichen Kreises und der unerschütterlichen Liebe zum Leben sprach, die Einsamkeit und Schmerz schilderte, wusste zu dieser Zeit noch nicht, dass ihre Poesie eine bedeutende Spur in der Kultur der Deutschen Kasachstans hinterlassen würde. Im Jahr 1994 emigrierte die Dichterin in die historische Heimat und lebte für mehr als zwanzig Jahre in Berlin. Im März 2016, am Vorabend der Ausgabe des Erlasses zum Tag der Dankbarkeit, starb Rosa Pflug. Andernfalls, so sind wir uns sicher, hätte ihre Feder dem Volk Kasachstans noch zahlreiche wundervolle Werke gewidmet. Polina Tscherepowskaja Übersetzung: Philipp Dippl
Die helfende Hand vergisst man nie Veröffentlicht in 2. März 201930. Juli 2020 Die Aktjubinsker Deutschen erinnern sich mit Dankbarkeit an die, die sie vor vielen Jahren auf ihrer Erde willkommen hießen. In diesem Jahr wird der Tag der Dankbarkeit zum dritten Mal veranstaltet, gleichwohl hat es der Feiertag in dieser nur kurzen Zeitspanne geschafft, von allen Kasachstanern geliebt zu werden. Die multinationale Zusammensetzung unseres Landes entstand nicht in einem Jahr – einige litten unter den Repressionen der Vorkriegsjahre, viele Vertreter verschiedener Ethnien wurden bereits im Großen Vaterländischen Krieg deportiert, andere kamen überhaupt erst auf der Suche nach einem besseren Leben nach Kasachstan. Jeder Aussiedler – ob gezwungen oder freiwillig – hat seine eigene Geschichte. In diesem Jahr erreicht Anna Iosifnowa Gorinaja (Mädchenname Dil) das 85. Lebensjahr. Sie durchlebte die Repressionen und den Krieg und sie weiß, was Kälte und Hunger bedeuten. – Ich bin eigentlich aus Leningrad, – sagt meine Gesprächspartnerin mit Stolz. – Allerdings wurden wir fünf Tage nach meiner Geburt nach Tbilisi gebracht (wir nannten die Stadt Tiflis). Mama kam in einer Schuhfabrik unter, und Vater arbeitete in einer Fabrik, die Knöpfe herstellte. Wir haben in einer Baracke gelebt, aber wir haben uns nicht beschwert. Alles war gut, wir arbeiteten in der Gewissheit, dass es bei uns neun Kinder gab, die wir alle versorgen wollten. Die Nachricht vom Krieg war wie ein Donner unter freiem Himmel, und nach ein paar Tagen wurde den deutschen Familien gesagt, sich zu versammeln. Ein Zug, eine Fähre, dann wieder ein Zug. Und auf die Fragen, die den Soldaten von den Heimatvertriebenen aufgezwungen wurden, haben sie nur geschwiegen. Wohin wir gebracht werden und warum – keiner wusste es. Die letzte Reise – eine von vielen Stationen in den Steppen Nordkasachstans. Ab hier gab es nur noch Ochsenkutschen, so dass die örtlichen Bewohner weinten beim Anblick der Hungernden und Verlorenen. Die Mutter – Jekaterina Iwanowna Dil – konnte sich kaum auf den Beinen halten, das Kleinste der Kinder hat keine 40 Tage überlebt… Die Kolchose der politischen Abteilung im Süden Kasachstans hat die Neuankömmlinge auf gute Art und Weise aufgenommen, die örtliche Bevölkerung hat versucht, den Vertriebenen zu helfen, dieser hat ein Brot gebracht, jener hat mit Milch ausgeholfen. – Die Väter kamen sofort in die Arbeitsarmee, und aus uns wurden immer weniger – insbesondere Medizin gab es keine, so wurden die Kinder von Krankheiten dahingerafft. Der Vater kam im Jahr 1943 zurück. So sehr zusammengeschlagen und krank, dass er nur noch kurz auf der Erde lebte. Wir blieben zu zweit mit der Mutter, ansonsten war keiner mehr übrig… – verstummt die Großmutter. Anna Iosifowna erging es etwas besser als den anderen ihrer Landsmänner: in dem südlichen Klima konnte man Mungobohnen sammeln (eine Bohnenart), sobald es hell wurde, gingen die Kinder auf die Felder, zu den Weizenähren. Und im Süden gab es auch noch Baumwolle. Die Baumwollfelder schienen für das neunjährige Kind grenzenlos zu sein. – Wir haben uns nie beschwert. Es kam vor, dass wir einige Tage lang nichts zu essen hatten, aber das hielten wir aus. Es war für alle schwierig. Wir gingen auf die Felder und sammelten den Weizen, es gab so viel davon, dass man dachte, er wäre überall, – seufzt die Veteranin der Arbeitsfront. Was hat dem kleinen Mädchen Anna diese Kraft verliehen? Vielleicht die Hoffnung, dass der morgige Tag kommt und den Krieg beendet, vielleicht der Lebenswille trotz aller Lasten des Schicksals. Die Freundschaft prüft die Dauer, Stolz und Barmherzigkeit den Krieg. Tausende und abertausende Deutsche, Koreaner, Bulgaren, Armenier, Ukrainer, Aserbaidschaner und andere Ethnien werden sich in Dankbarkeit daran erinnern, dass sie vor vielen Jahren nicht der Not überlassen wurden, sondern dass ihnen diese dringende Hand der Hilfe ausgestreckt wurde. Dmitrij Schinkarenko Übersetzung: Philipp Dippl
Glückwünsche dem Verein der deutschen Jugend Kasachstan (VdJK) zum Geburtstag Veröffentlicht in 2. März 201930. Juli 2020 Die Jugend ist der „ewige Motor“ der Zukunft, und die Union der deutschen Jugend Kasachstans ist dafür ein strahlendes Beispiel. Schon seit 23 Jahren verwirklichen wir uns aktiv in verschiedenen Lebensbereichen und erhalten dabei unsere ethnische Identität. Der Geburtstag des VdJK ist die regelmäßige Schwelle zu neuen Errungenschaften und Erfolgen, welche uns in einer strahlenden Zukunft erwarten! Übersetzung: Philipp Dippl
Aufruf an die Deutschen Kasachstans Veröffentlicht in 1. März 201930. Juli 2020 Liebe Landsleute! Ich wende mich an Sie, die Deutschen Kasachstans, mit Sorge um das Schicksal der deutschen Sprache in unserer Gemeinschaft. Sie verschwindet rasend aus dem Alltag, aus unserer Kommunikation in der Familie, mit den Lieben und mit Freunden. Kann denn ein Mensch, der die deutsche Sprache nicht kennt, Deutscher sein? Möglicherweise kann er, aber wie kann er dann den ethnischen Reichtum besitzen, den man einer heranwachsenden Generation nur durch die Muttersprache vermitteln kann? Die Zugehörigkeit zu einer Nation definiert sich nicht über die biologische Vererbung, nicht über die Daten im Pass, sondern durch die bewusste Heranführung zu kulturellen Traditionen, durch die Treue zu den geistigen Werten, welche den Inhalt unserer Geschichte bilden, durch alles, was man in erster Linie durch Sprache erfährt. Sie wissen, dass im 20. Jahrhundert auf das Schicksal des deutschen Volkes schwere Erschütterungen und Bewährungsproben hinabfielen. Das schwere Schicksal traf auch die deutsche Sprache. Auf ihr (oftmals ausschließlich mit ihr) verständigten sich mehr als 420.000 Deutsche, die im Herbst 1941 nach Kasachstan deportiert wurden. Auf Deutsch beteten in der Trudarmee und den Lagern heimlich unsere Eltern, Großmütter und Großväter. In der Muttersprache unterhielten sie sich in den Familien und bewahrten und behüteten sie behutsam auf diese Weise. Im Jahr 1955 wurde das Dekret „Über die Aufhebung der Einschränkung in der Rechtsstellung der Deutschen und der Mitglieder ihrer Familien, welche sich in den Spezialgebieten befinden“ erlassen, und bereits im Jahr 1957 wurde in den Schulen mit der Lehre der deutschen Sprache als Muttersprache begonnen. Es war nie sehr einfach, aber sogar unter den Bedingungen der Repressionen und der Verfolgung hat unser Volk seine Rechte auf den Erhalt und die Lehre der Muttersprache verteidigt. Es ist noch nicht lange her, da gehörte auf allen allgemeinbildenden Schulen die deutsche Sprache zu der Liste der obligatorischen Lehrfächern. Aber im Laufe der letzten zehn Jahre mit dem Übergang zum dreisprachigen Lehrsystem ist sie praktisch aus dem Lehrprozess völlig herausgefallen. Bis zu einem bestimmten Moment bestand ein großes Risiko, dass die deutsche Sprache völlig und für immer aus dem kasachischen Bildungssystem verschwindet und wir unwiderruflich das verlieren, was über Jahre angesammelt wurde. Es war notwendig, Sofortmaßnahmen zur Stärkung der Position der deutschen Sprache zu ergreifen. Nach der gesamtnationalen Konferenz im Oktober 2017 wurde die Wiederherstellung des Status der deutschen Sprache in den Schulen, ihr Erhalt und ihre Entwicklung zur priorisierten Ausrichtung der Aktivitäten der öffentlichen Stiftung „Wiedergeburt“. Und wir haben viel erreicht. Der Staat in Person des Bildungsministeriums bekräftigte das Interesse darin, dass die deutsche Sprache ihren rechtmäßigen Platz in den mittleren und höheren Schulen einnimmt. Für unsere Kinder gibt es jetzt wieder die Möglichkeit Deutsch von der ersten Klasse an zu lernen. Dafür wurden alle notwendigen Rechtsvorschriften übernommen, es wurden aktualisierte Programme für die ersten bis vierten Klassen erarbeitet, ein Schulbuch der neuen Generation ist in Arbeit,welches bis zum 1. September 2019 herausgegeben wird. Die Schulleitungen sind dazu verpflichtet, Deutschunterricht zu organisieren bei mindestens 5 bis 6 Interessenten, und natürlich, wenn es eine Lehrkraft gibt. Auf Basis der staatlichen Universität namens Sch. Ualichanow Kokschetau werden schon seit zwei Jahren Gruppen zukünftiger Deutschlehrer aus den Jugendlichen, die mit Finanzmitteln der deutschen Bundesregierung studieren, gebildet. Das Ministerium für Bildung und Wissenschaft der Republik Kasachstan verspricht, den Studenten der Fachrichtung „Lehrer für deutsche Sprache“ mehr Zuschüsse zukommen zu lassen. Es gibt nicht wenige Probleme, aber wir sind bereit, diese systematisch zu lösen. Aber der grundlegende Punkt ist immer noch der Wusch der Eltern der Schüler bei der Wahl des Sprachunterrichts: Deutsch oder Englisch. Je größer das Bewusstsein für die Notwendigkeit ist, unseren Kindern die deutsche Sprache beizubringen, desto stärker ist die Bevölkerung darin bestrebt, sie als Schulfach zu wählen. Ich mache keinen Hehl daraus, für mich war es ein Schock, als im letzten Jahr in meiner Heimatstadt Lisakowsk im Gebiet Kostanaj auf das Angebot des Schuldirektors, Deutsch zu lernen, die Eltern von acht (!) deutschen Erstklässlern mit einer Verweigerung reagierten. Ihre Entscheidung sei dadurch motiviert gewesen, da sie nicht planten, nach Deutschland überzusiedeln. Die Eltern von Schülern anderer Nationalitäten: Kasachen, Tataren, Russen, wollten, dass ihre Kinder Deutsch lernen, und unsere haben es abgelehnt! Selbstverständlich können alle Deutsch lernen, unabhängig von ihrer Nationalität, so wie es früher war, als eine Hälfte der Klasse Deutsch gewählt hat, die andere Hälfte Englisch oder Französisch. Aber in erster Linie muss es bei uns, den Vertretern der deutschen Ethnie, einen Anreiz zum erlernen der Muttersprache geben. Mit der Wahl der deutschen Sprache geben die deutschen Eltern ihrem Kind die Möglichkeit, ihr Volk und ihre ethnische Kultur zu lieben, das Gefühl des Nationalstolzes zu erleben. Der Präsident des Landes Nursultan Abischewitsch Nasarbaew hing die Latte für die heimische Bildung sehr hoch. Sie soll wettbewerbsfähig werden, von hoher Qualität und so ausgelegt sein, dass die Absolventen der kasachstanischen Schulen ihre Ausbildung an ausländischen Hochschulen fortsetzen können. Deutsch zu können hilft, die Türen zu den besten europäischen Universitäten zu öffnen. Das allerwichtigste ist ein anständiges Zeugnis und die Beherrschung von Sprachen. Deutsche Stiftungen finanzieren zahlreiche Austauschprogramme, Praktika und Sommerschulen für ausländische Studenten. Eine der wichtigsten Bedingungen für die Teilnahme in diesen Projekten ist, dass man Deutsch kann. Viele unserer Landsmänner haben Kasachstan nach Deutschland verlassen, die ihre eigene „Brücke der Zusammenarbeit“ in vielen Bereichen haben, und die Kenntnis von Deutsch fördert die Stärkung dieser Brücke. Es gibt eine Fülle an Argumenten, die für das Deutschlernen sprechen. Darüber muss man reden, sich mit den Eltern der Erstklässler unterhalten, mit den Lehrern und den Schuldirektoren, mit den Vertretern der Bildungsorgane. Dennoch ist für unsere Ethnie nationales Selbstbewusstsein als Verständnis seiner Zugehörigkeit zur deutschen Nation, die Herausbildung der Grundlagen des Charakters des ethnischen Deutschen und die Erzeugung von Verhaltensnormen, welche sich durch das Erlernen der deutschen Sprache formieren, das allerwichtigste. Verehrte Landsleute, möglicherweise haben in den Regionen vor Ort noch nicht alle die notwendigen Informationen erhalten, nicht alle verstehen, dass die Wiedergeburt der deutschen Sprache Realität ist, es ist ein Erfolg, der von uns allen abhängt. Natürlich müssen vor allem die regionalen Gesellschaften „Wiedergeburt“, die Aktivisten der deutschen Bewegung zu den Initiatoren der Rückkehr der deutschen Sprache in die Schulen werden. Das ist keine einfache Aufgabe, etwas wiederherstellen ist immer anstrengend. Schon in einem Monat beginnt die Erfassung der zukünftigen Erstklässler, und die Eltern sollten gut informiert sein und ihre Rechte kennen. Sie sollten sie kennen und realisieren. Es hängt von jedem von uns ab, ob die deutsche Sprache noch eine Chance erhält, ob ihr Erlernen aktiv in den Bildungsprozess in Kasachstan eingebunden wird. Unsere Organisation heißt „Wiedergeburt“, und so sollen wir alle zusammen unsere Muttersprache wiederbeleben. Nur mittels aktiver Zusammenarbeit können wir eine bessere Zukunft für unsere Kinder und Enkelkinder fördern! Achtung! Landsleute, erwacht!!! Entweder jetzt, oder es wird zu spät sein!!! Wenn wir es nicht tun, dann wird es kein anderer niemals mehr tun! Hochachtungsvoll und hoffnungsvoll, Albert Rau, Abgeordneter der Mazhilis des Parlamentes der Republik Kasachstan, Vorsitzender des Verwaltungsrates der öffentlichen Stiftung „Wiedergeburt“ Übersetzung: Philipp Dippl
Fasching! Fasching! Fasching… Veröffentlicht in 21. Februar 201930. Juli 2020 Viele verbinden wahrscheinlich verschiedene Assoziationen mit diesem Wort, zum Beispiel den Karneval von Venedig, totale Rätselhaftigkeit, tolle Kostüme, Masken, Pracht und Mysterien. Für die einen ist es ein Neujahrsfeiertag, für uns – Deutsche – ist es eine Tradition, die aus dem Mittelalter stammt. Die Durchführung des Faschingskarnevals ist für die Gesellschaft der Deutschen „Wiedergeburt“ der Stadt Astana und des Gebietes Akmolinsk schon zu einer alljährlichen, lieben Tradition geworden. Dieses Mal wurde das Ereignis zusammen mit dem Haus der Freundschaft durchgeführt, welches mit großer Gastfreundschaft seine Türen für alle Interessenten geöffnet hat. Der Karneval begann mit dem von allen geliebten Flashmob und mit der „Berliner Polka“. Es gab viele interessante Spiele und eine Theateraufführung. Und mit den einstudierten „Schreien“ haben sich die Kinder und Eltern zum künstlerischen Karnevalsumzug begeben um die bösen Geister zu verjagen und den Winter zu verabschieden. Die größten Wirbelwinde waren unsere Senioren… Und alles endete mit dem Tanz der Jugendlichen mit den Bändern und der festlichen Teetafel. Wir freuen uns immer über Gäste und erwarten Euch in den Kreisen unserer großen, freundschaftlichen Familie – der Gesellschaft der Deutschen „Wiedergeburt“! Ewgenija Gizik Übersetzung: Philipp Dippl
Weg mit dem Winter, mach Platz für den Frühling Veröffentlicht in 21. Februar 201930. Juli 2020 Die Deutschen, die im Gebiet Aktjubinsk leben, denken nicht daran, ihre Traditionen zu vergessen. Viel mehr vergrößert sich mit jedem Jahr die Zahl derer, die mehr über die deutsche Kultur erfahren wollen. In diesen Tagen steht jeder von ihnen mit einem kleinen Teil mit der Geschichte in Berührung und nimmt sogar am Karneval zur Verabschiedung des Winters teil. Die Schüler der deutschen Sonntagsschule, die Jungs und Mädels der Theaterwerkstadt „Denk´ mal“ und die Vertreter der älteren Generation haben die Aufgabe übernommen, die kälteste Zeit des Jahres zu verabschieden. Der traditionelle Veranstaltungsort ist die Schule Nr. 11. Unter den Menschen aus Aktjubinsk hat die Bildungsstätte schon vor Langem den inoffiziellen Status einer Insel der deutschen Kultur erhalten. – Es gibt eine interessante Studie, die belegt, dass die russischen Deutschen Nachkommen der Schwaben sind, die vor mehr als zwei Jahrhunderten nach Russland umgesiedelt sind. Deshalb haben wir für unserer Vorstellung genau die schwäbische Variante des Karnevals als Grundlage ausgewählt, – erklärt die Organisatorin der Veranstaltung Inna Woloschina. Der historische Exkurs ist nicht vergebens – in der kleinen Aula, wo an einem frühen Sonntag Morgen die Jungs und Mädels zusammengekommen sind, herrschte Stille. Die Unterstufenschüler, die Älteren Schüler und die Senioren haben aufmerksam der Pädagogin gelauscht, die über ihre Vorfahren erzählte. – In Wirklichkeit hatten die Frauen drei Sorgen: die Küche, die Kinder und die Kirche. Aber an diesem Tag haben die lieben Damen Freiheiten bekommen. Sie konnten auch herumtollen, – erzählt Inna Woloschina. – Der Lieblingsstreich der Hausfrauen, die die Puppen tanzen ließen: die Krawatte von Unbekannten abschneiden. Und als Wiedergutmachung stand den Männern ein Kuss zu. Der Dienstag des Karnevals ist dem Kinderfasching gewidmet, ebenso findet die „Vogelhochzeit“ statt. In der Rolle der Vögel stecken die allerjüngsten Teilnehmer des Faschings. Um das Kpostüm vorzubereiten, vergingen für die kleine Sofija Sosina mehrere Abende. Natürlich ist sie nicht ohne die Hilfe ihrer Mutter ausgekommen. – Wir haben so viel Neues über den Karneval erfahren! Es ist in der Tat sehr aufschlussreich sowohl für Kinder wie auch für Erwachsene. Im täglichen Trubel vergisst man irgendwie über die Traditionen und Bräuche unserer Vorfahren, und dank solcher Veranstaltungen wird alles verständlich, – berichtet Marija Sosina von ihren Eindrücken. Der Karneval endete mit der traditionellen Austreibung des Winters, der „davongelaufen“ ist, als er die Teilnehmer des Faschings in Aktjubinsk hörte. Die müden, aber glücklichen „Karnevalisten“ erwartete ein gedeckter Tisch. Goldbraunes Gebäck – köstliche Kuchen, Kekse, Lebkuchen, Brezeln, Berliner, Blinis und Salzgebäck – haben Begeisterung hervorgerufen. Hier haben die Senioren (Natürlich nicht ohne die Hilfe ihrer Enkel) und die Teilnehmer an der Sonntagsschule zusammen mit den Eltern ihre ganze kulinarische Klasse gezeigt. – Das ist ein Energieschub, das ist gute Laune, es ist eine zusätzliche Gelegenheit zur Geselligkeit. Wir sind immer mit großer Freude bereit, unsere Erfahrungen, unser kulinarisches Wissen und unsere Rezepte weiterzugeben, die noch von unseren Großmüttern stammen, – merkt mit einem Lächeln Lidija Pawluchina an. Es ist erstaunlich, aber am Tag nach der Verabschiedung des Winters ist es in Aktobe wärmer geworden. Ob es das Zusammentreffen verschiedener Umstände war, oder die Bewohner der Stadt den Frühling wirklich so sehr vermisst haben, dass ihre Wünsche gehört wurden, in naher Zukunft wird die Kälte auf jeden Fall nicht mehr in unsere Mitte zurückkehren! Dmitrij Schinkarenko Übersetzung: Philipp Dippl
Mit einem Faden verbunden Veröffentlicht in 21. Februar 201930. Juli 2020 Die Handwerksmeisterin Olesja Riffel aus Aktjubinsk hat die japanische Strickkunst Amigurumi erlernt und erfreut jetzt Kinder und Erwachsene mit ihrem Blick auf die Welt. Der Morgen beginnt für Olesja Riffel mit einem Lächeln, und mit ihm geht ihr Tag auch zu Ende. Was versetzt sie in eine solche Stimmung, ohne dass sie ihren inneren Dämonen erlaubt, herauszukommen? – Ich habe einfach gelernt, meine Emotionen zu kontrollieren, das ist zwar nicht sehr leicht, aber es ist möglich, erzählt Olesja, und einige Minuten später erklärt sie die Geheimnisse ihrer Gelassenheit. Meine Gesprächspartnerin ist dreißig Jahre alt. Sie kann sich schon selbst nicht mehr daran erinnern, wann sie Nadel und Faden in die Hand genommen hat. In ihrer Kindheit hat dem Mädchen, das ohne Eltern aufgewachsen ist, die Tante das stricken beigebracht. Zu erst waren es kleine Söckchen, danach Schals und Jäckchen. Zu dieser Zeit hat sie noch nicht gewusst, dass viele Jahre später ihr Hobby zu etwas viel Größerem heranwachsen würde. Ihre Inspiration schöpft Olesja aus allem: sei es ein Spaziergang mit dem Hund an einem Frühlingstag, oder ein Angelausflug im Sonne, oder die stille Jagt im Herbst. Manchmal kann eine Vision durch das Gespräch mit einem Menschen entstehen, manchmal kommt sie aus dem Nichts, aus der Stille… – Für das erste Püppchen – es war ein kleiner Pinguin – habe ich ungefähr zwei Wochen gebraucht. Als ich auf das Resultat blickte, hat sich irgendwas in mir verändert, ich habe verstanden, dass es das war, wonach ich viele Jahre gesucht habe, – teilt die Handarbeiterin offenherzig mit. Heute gilt Olesja Riffel fast als die begabteste Meisterin im Amigurumi. Sie strickt für Kinder und für Erwachsene. Es ist eine bewiesene Tatsache: wenn ein Mensch ein gestricktes Tier wenigstens ein paar Minuten betrachtet, wird er von Stress befreit, und wenn er es sogar noch in den Händen hält, dann lindert es die Müdigkeit wie mit einem Handschlag. Jeden Tag rufen dutzende Menschen bei Olesja an und erläutern, was sie genau sehen möchten. Sie übernimmt nicht alles, sie sagt, sie beherrscht noch nicht alle Feinheiten des japanischen Strickens. – Es ist schwer, einen Gesichtsausdruck zu treffen, weil es hier wichtig ist, Emotionen und Stimmungen zu vermitteln, damit der zukünftige Besitzer auch zufrieden ist. Wenn es mir in der Seele traurig ist, dann nehme ich den Strickauftrag nicht an, andernfalls überträgt sich meine Stimmung auf die Puppen – sagt Olesja. – Jedem Püppchen gebe ich ein Stück meiner Seele, das ist für mich sehr wichtig. Übrigens ist Stricken nicht wirklich ein profitables Geschäft: ein großer Teil des Verdienten geht für den Kauf von Materialien weg. Erst seit kurzem interessiert sich die Meisterin für europäische Kultur, insbesondere erregten deutsche Volkspüppchen ihre Aufmerksamkeit, mit welchen sie sich noch beschäftigen möchte, um die Erinnerung an die Vorfahren, die in Deutschland lebten, zu bewahren. – Ich versuche, und hoffe, dass die Bewohner von Aktjubinsk meine Vorhaben positiv bewerten werden, – so teilt Olesja Riffel ihre Pläne mit. Dmitrij Schinkarenko Übersetzung: Philipp Dippl
Zentrum für aktives Älterwerden Veröffentlicht in 21. Februar 201930. Juli 2020 Mit Unterstützung durch die Partei „Nur Otan“ und durch die Volksversammlung des Gebietes Pawlodar wurde innerhalb des Hauses der Freundschaft das Zentrum für aktives Älterwerden eröffnet. Auch die Gesellschaft der Deutschen „Wiedergeburt“ der Stadt Pawlodar nahm an der Eröffnung des Zentrums teil. Die Eröffnung wurde zu einer Zusammenkunft der mittleren und älteren Generation, es gab Präsentationen durch das Öko-Studio, Clubs zu den Interessen der Älteren, eine Vorstellung von Nationalspeisen durch die Jugendabteilung, sowie einen Auftritt im Konzertprogramm (Irina Zwonarjowa, „Pariser Tango“). Der stellvertretenden Vorsitzenden Olga Litnewskaja wurde auf interessante Art und Weise das Programm des Projektes „Schule des dritten Alters“ vorgestellt: „Wir wollen immer unsere Veteranen unterstützen, ihnen helfen, sich aktiv, munter und mit allen Kräften und Energie zu fühlen. Schon seit acht Jahren gibt es in unserer Gesellschaft die „Schule des dritten Alters“, welche wir gegründet haben zur Miteinbeziehung in aktive Betätigungen derer, welche bereits i die wohlverdiente Rente gegangen sind. Wir sehen unsere Aufgabe in der Unterstützung der Pensionäre, damit sie nicht den Glauben an sich selbst verlieren, um ihnen zu zeigen, dass sie von allen gebraucht werden, und ebenso um ihnen Wissen und Fertigkeiten zu vermitteln, die im Zeitalter der neuen Technologien notwendig sind. Zu den aktivsten Teilnehmern der Schule zählen bis heute ungefähr 50 Personen. Für sie werden Kunsttherapien, Massage- und Selbstmassageschulungen, allerlei Vorlesungen oder Gespräche mit Psychologen organisiert. Im Zentrum „Wiedergeburt“ wird alles berücksichtigt: sowohl physische Beanspruchung, als auch kulturelle Mußestunden für die Menschen im vorangeschrittenen Alter. Dies ist ein skandinavischer Zugang, Unterrichtseinheiten an verschiedenen Trainingsgeräten, Yoga, Fitness, aber auch die Organisation von Literatur- oder musikalischen Zirkeln. „Wir arbeiten eng zusammen mit Abteilungen des Gesundheitswesens und mit Sozialprogrammen, mit Spezialisten, die sehr gerne über neue Gesetze oder Möglichkeiten berichten. Die Teilnahme an der „Schule des dritten Alters“ hilft, sich selbst in Schwung zu halten. Im letzten Jahr haben wir die besondere Notwendigkeit gespürt, zusätzlich auch noch den Gesundheitsverein „ZOZh“ zu bilden, welcher momentan 13 Menschen zählt. Für die Anhänger eines aktiven Lebensstils bieten wir die jetzt sehr populäre skandinavische Herangehensweise an, Teilnahme an Straßen-Workouts, ebenso an Fitness-Yoga, – teilte Olga Litnewskaja mit. – Bei uns in der Gemeinschaft gibt es auch unsere Hochbetagten. Das ist Jakow Andrejas (95 Jahre), Elisaweta Leonawitschus und Emma Terentjewa (94 Jahre), Lilija Janzen und Marija Sytschik (93 Jahre)“. Ljudmila Bebz Übersetzung: Philipp Dippl
Kommunikation: virtuell oder real – was ist besser? Veröffentlicht in 18. Februar 201930. Juli 2020 Am 2. Februar stellten sich auf der Bühne des republikanischen deutschen dramatischen Theaters unter den Mühen ihrer Teilnehmer die Theaterwerkstatt des Vereins der deutschen Jugend der kulturethnischen Gesellschaft der Deutschen „Wiedergeburt“ mit der Theateraufführung „Wir sind im Kontakt“ dem Urteil der Zuschauer. Die Kreativleiter und Initiatoren waren Oksana Focht und der Assistent des Regisseurs Eduard Gomberg, die sich für das Experiment sowohl im Rahmen eines gegebenen sozialen Problems, als auch im kollektiven Bewusstseins des Szenariums. Und der Plan ging auf! Das Thema, das den Jugendlichen vorgeschlagen wurde, ist ihnen wohlbekannt und ist möglicherweise das aktuellste in der modernen Welt. Smartphones, Tablets, Computer spielen in unserem Leben nicht nur eine besonders wichtige Rolle, sondern macht uns oft zu Geiseln einer künstlichen Wirklichkeit. Die Vor- und Nachteile einer solchen Wirklichkeit zu durchschauen, so wie die virtuelle Gesellschaft, haben unsere jungen Schauspieler versucht. Es gelang den Teilnehmern, in der Aufführung sowohl die guten als auch die schlechten Seiten des modernen Lebens in den sozialen Netzwerken zu reflektieren. Einerseits ist es eine Wohltat, die es uns ermöglicht, mit den nahen Menschen an jedem Ort der Welt zu kommunizieren, andererseits könnten wir der Realität beraubt werden, in der wir tatsächlich existieren. Virtuelle oder reale menschliche Kommunikation, was ist besser? Genau diese Frage erörterten die Jugendlichen. Die Zuschauer, unter denen sich viele Eltern mit Kindern befanden, haben die vom Kollektiv geleistete Arbeit hoch geschätzt, die daraus hinauslief, dass der Austausch der realen Wirklichkeit mit der virtuellen Welt ein großes Problem und ein Leiden der Gegenwart ist. Immerhin hat schon Saint-Exupery in seinem Werk „Der kleine Prinz“ erläutert, dass es für die Menschen nur einen wahren Luxus geben kann – und das ist die menschliche Kommunikation. Julija Tjukalowa und Angelina Golodowa, VDJ „Vorwärts“ Übersetzung: Philipp Dippl
Konservierte Sprache und Kultur Veröffentlicht in 18. Februar 201930. Juli 2020 Der Sonntag begann im deutschen Zentrum „Wiedergeburt“ in der Stadt Schymkent so wie immer. Die Unterrichtsstunden verliefen nach Stundenplan: die Gesangsgruppe mit der Leiterin Margarita Kin an der Spitze hat neue Lieder eingeübt, die Teilnehmer der Sonntagsschule für Kinder „Sonnenschein“ haben Deutsch gelernt, die Administration hat, so wie immer, über Dokumenten gebrütet und die Kinder aus dem Jugendclub haben eine Überraschung für Marianne vorbereitet, eine Staatsbürgerin aus Deutschland, die nach Schymkent gekommen ist, um praktische Übungen in der öffentlichen Vereinigung „Rechtszentrum der Fraueninitiative „Сана Сезім“ durchzuführen. Sie wurde zum sonntäglichen Gast des Deutschzentrums. Elena Martynowa, die Leiterin der Sonntagsschule für Kinder, hat sich dazu entschieden, die Kinder und die Jugendlichen zu einer gemeinsamen Gruppe zusammenzulegen und für alle einen kulinarischen Workshop zu organisieren, welcher von dem aktiven Mitglied der Gesellschaft Irina Kurz durchgeführt wurde. Sie hat ihre Wahl für Quarkplätzchen getroffen. Die jungen Konditoren haben gekonnt Teig geknetet, und die kleinen Gastronomen haben leidenschaftlich raffinierte sandfarbene Figuren geformt und sie reichlich mit Puderzucker bestreut. Marianne wurde die wichtigste Aufgabe anvertraut – die fertigen Waren auf das Backblech zu legen und sie in den Ofen zu schieben. Alles endete mit einer großen Teerunde, wo die wichtigste Leckerei der mit Schokolade und kandierten Früchten überzogene Gugelhupf war, ein hunderte Jahre altes Rezept. Bei der Teilnahme an diesen Veranstaltungen ertappte ich mich bei den Gedanken an die Wichtigkeit des Zusammenhalts, wenn Kinder unterschiedlichen Alters, gefesselt von einer interessanten Sache, ihre Gadgets vergessen und sich an den Eindrücken des Passierten erfreuen. Und was bleibt Marianne im Gedächtnis? Für sie war es eine Entdeckung, dass im sich weit von Deutschland entfernt befindenden Schymkent ethnische Deutsche leben, die Traditionen und Bräuche, Sprache und Kultur bewahren, die sich an die Geschichte der ersten deutschen Aussiedler erinnern und das Gedenken an die Opfer der Stalinschen Repressionen in Ehre halten. Diana Kurz Übersetzung: Philipp Dippl
Lebendige Geschichte Veröffentlicht in 18. Februar 201921. Mai 2019 Sich an die erlebten Seiten der Geschichte der Russlanddeutschen erinnern sowie einen Eindruck gewinnen, wie sich ihr Leben weiterentwickelte, konnten die Teilnehmer des „Vereins der Senioren“ der öffentlichen Vereinigung der Deutschen „Wiedergeburt“ der Stadt Semej während des runden Tisches „Lebendige Geschichte“, der von Alisa Groschewaja und Ignat Speschilowij durchgeführt wurde. Im Verlauf der Diskussion stellte Alisa den Versammelten die Präsentation „Die Geschichte der Deutschen in Russland und der UdSSR“ vor und erzählte, welchen Weg sie gingen, wohin sie umgesiedelt wurden, und wie ihr Leben verlief. Ekaterina Gorjaewa (Borg), eine der Teilnehmerinnen des Treffens, hat Dokumente und Archivunterlagen mitgebracht, die die Erinnerungen daran wachhalten, wie ihre Familie aus Russland nach Kasachstan geriet, wie ihre Jugendjahre verliefen, wie ihr der Universitätszugang aufgrund ihrer Nationalität verweigert wurde. Ekaterina Sokirko hat ihre große und vereinte Familie vorgestellt. Zwei Ekaterinas – Schwestern dritten Grades, die sich während ihren Vorträgen in den wichtigsten Episoden ergänzten. Die Geschichten sind bei jedem unterschiedliche, aber der gleiche Leidensfaden spannt sich durch sie, das gleiche Erlebte und die gleichen Tränen. Es tröstet, dass die Menschen nicht aufgegeben und trotzdem an einer glänzenden Zukunft gearbeitet haben. Alle zukünftigen Generationen müssen das historische Erbe bewahren. Und das allerwichtigste ist, das fürchterliche Geschehen nicht zu wiederholen, welches das Schicksal von Millionen zerstört und verändert hat. Sämtliche Erzählungen wurden auf Video festgehalten, so dass Alisa und Ignat demnächst einen kurzen historischen Film über die Deportation der Russlanddeutschen nach Kasachstan und ihr Leben im Gebiet Ostkasachstan zusammenstellen können. Marija Gorbatschjowa Übersetzung: Philipp Dippl
Das Leben aus dem Linsenfokus Veröffentlicht in 16. Februar 201928. Juni 2020 Der Fotograf der Nationalgarde der Republik Kasachstan Vyacheslav Gelbling – eine sehr vielseitige Persönlichkeit – liebte den Gesellschaftstanz, das Radiobusiness, den Beruf des Möbelmachers, Mechanikers, Schweißers, Waggonbauers, Fahrers. Das Schicksal gab ihm die Möglichkeit, sich selbst zu testen, und er lehnte es nicht ab. Vyacheslav Gelbling kennen in der Armee fast alle. Vielleicht ist er der einzige Fähnrich in Kasachstan, der sich frei an eine Person wenden kann, die einen Rang hat, von Privatpersonen bis zu Generälen. Und er rühmt sich mit seinem Ruf nicht, er benimmt sich einfach und bescheiden. Dies fasziniert sowohl den gewöhnlichen Soldaten als auch die Chefs. Es gibt keine Person, die Geschenken gleichgültig ist. Vyacheslav Konstantinovich zieht es vor, mehr zu geben als zu nehmen. Als er am 8. März vor genau fünfzig Jahren geboren wurde, schenkte er seiner Mutter ein wunderbares Geschenk. – Ich habe eine positive Einstellung zum Frauentag. In meiner Familie gibt es jetzt drei Frauen – meine Ehefrau, meine Tochter und meine Enkelin, um die ich besorgt bin. Ich versuche sie mit kleinen Geschenken zu erfreuen. Aber die Blumen sind natürlich immer ein Muss an diesem Feiertag. Gelbling hat sein ganzes Leben lang nie an seinem Geburtstag studiert oder gearbeitet. Wir, die Verbannten … Die Unterdrückung hat auch die Familie Gelbling nicht umgangen, deren Vorfahren im Dorf Shpeer im Gebiet Odessa lebten. Spät in der Nacht wurde die deutsche Familie nach Polen gefahren, von dort mit dem Militärzug nach Kasachstan. Hier in der Perekatnaya-Station der Region Turgay trafen sich die Eltern von Vyacheslav. Unter den Bewohnern der Siedlung befanden sich viele Deutsche und auch Kasachen, Kirgisen, Armenier, Inguschen und Litauer. Wir haben zusammengelebt, uns gegenseitig geholfen. „Mein Vater kannte die Sprachen aller, die im Dorf lebten, er hatte ein phänomenales Gedächtnis. Er war eine einzigartige Person – er zeichnete gut, spielte Gitarre, Klarinette, Saxophon und drei Arten von Akkordeon. Er war der Chef des lokalen Freizeit- und Erholungszentrums und ein Projektionist, er liebte das Fotografieren. Vielleicht bin ich nach ihm kommend, so neugierig auf ihn?“, erinnert sich Vyacheslav Gelbling. Mit Sport sehr vertraut – Damals gab es keine Computer, aber ich mochte es nicht, mich zu langweilen. Mit den Nachbarn schnitzen die Jungen die Schiffe aus Holz. Es klappte ziemlich gut. Ich habe Sport geliebt, am liebsten aber Mannschaftssportarten. Er war einer der Besten im Fußball, im Handball. Nicht schlecht beim Radfahren. Mir wurde klar, dass man in guter körperlicher Verfassung sein müsse. Das ist sehr nützlich für mich im Leben, sagt Vyacheslav. Die erste Begegnung mit einem Foto fand im Alter von 15 Jahren statt. Ein neugieriger Typ wurde in einen Behälter mit Wasser, einem Entwicklertablett gestellt und … begann dort ein Stück Karton herunterzulassen. – Damals hatten wir den Ausdruck: „Wenn Sie möchten, dass Ihr Freund Habenichts wird, geben Sie ihm eine Kamera.“ Es reicht nicht aus, die Technik selbst zu besitzen, Sie benötigen einen Foto-Vergrößerer, einen glänzenden Film. Ich erinnere mich, wie ich im ersten Monat zehn Filme zerstört habe. Aber es war interessant, die Grundlagen zu lernen. Ich liebte es, Menschen und ihre Gefühle zu fotografieren. Er entwickelte nachts Fotos, und am nächsten Tag verteilte er sie einfach – der Fotograf teilt. Vom Zug zum Radio Nach der achten Klasse betritt Vyacheslav unerwartet für alle die Eisenbahnschule. – Mein Vater sagte, ich würde niemals an einem „Stück Eisen“ arbeiten, er wollte, dass ich mich mit Fotografie beschäftige, aber seine Worte überzeugten mich nicht. Drei Jahre später war ich bereits Ersatzmann in der Zugbesatzung, dann als Lokführer. Die Arbeit an der Eisenbahn für zwei Jahre befreite die Jungs von der Armee, aber ich wollte dem Mutterland dennoch Dienst leisten. Als ich gerade 18 Jahre alt wurde, wandte ich mich an das Kommissariat. Die Einberufung war groß, aber es fehlten Funktelegraphisten. Ich beschloss, etwas Neues für mich zu lernen. Drei Monate Ausbildung und im Herbst wurde ich als Spezialist für Funkabteilungen zur Armee gebracht. Ein interessantes Detail, ohne zu hören, Vyacheslav – der einzige aus der Gruppe, der die zweite Klasse der Telegrafenbetreiber belegte. „Vielleicht sind das die Gene, aber ich habe sogar das Morsealphabet auswendig gelernt. Ich habe in Taschkent gedient, mit Waffen und Munition. Wir haben unsere Einheiten in Afghanistan mit allem versorgt, was sie brauchen. Liebe auf den ersten Blick Vyacheslav, der nach Hause zurückkehrte, wollte nicht als Maschinist arbeiten. Nachdem er sich Zeit zum Nachdenken gegeben hatte, schaute der junge Mann in das Tanzsaalstudio, in dem er kurz vor dem Wehrdienst noch gelernt hatte. – Und dann sah ich Sie … kurz, schlank, wunderschön. Ich mochte sie sofort, sogar ein Freund sagte, dass Irina meine Frau werden würde. Ein Jahr später ist es passiert. Das ist Schicksal. Arbeiter werden immer gebraucht Tselinogradselmash war in der gesamten Union für seine Technologie bekannt. Dort bekam der Mann einen Job als Elektroschweißer, aber er gab seine Leidenschaft für die Gesellschaftstanz nicht auf, und in seiner Freizeit besuchte er das Studio. – Vater war dagegen, aber ich bestand erneut darauf. Und als es ein Berichtskonzert gab, trat ich so gut auf, dass er die Tränen nicht zurückhalten konnte. Er arbeitete mehrere Monate als Schweißer, dann als Wender, Assistenzfahrer und Auto-Compiler in einer der Werkstätten des Werks. Er erlernte den Beruf des Metallgießers. Und wieder Wehrdienst Der Beginn der „rasenden 90er“ überraschte die junge Familie Gelbling (damals hatte Vyacheslav schon zwei Kinder) nicht. Dies liegt daran, dass das Familienoberhaupt gerne arbeitete, sodass er immer einen Deal finden konnte. Er qualifizierte sich erneut als Möbelbauer und arbeitete etwa ein Jahr in der Sicherheitsstruktur. Und entschied sich 1995, in den Innendienst der Innertruppen zu gehen. – Ich bin seit drei Jahren vom Chef des Radiosenders zum Kommandanten des Kommunikationszuges aufgestiegen – vom Unteroffizier zum Feldwebel. Die Arbeit ist interessant und hängt mit meiner jugendlichen Leidenschaft zusammen, ich dachte, ich würde in den Ruhestand gehen. Und wieder intervenierte der Fall … In seiner Freizeit fotografierte Vyacheslav Konstantinovich die Soldaten – und die Jungs waren erfreut, und für den Fähnrich – eine gute Gelegenheit, Erfahrungen zu sammeln. – 1997 zog die Redaktion der Militärzeitung Kalkan nach Astana, und ein Jahr später wurde mir angeboten, mich als Militärjournalist zu versuchen. Unser Chefredakteur war Major Viktor Freidenberg. Wir sind beide Deutsche, aber es ergaben sich hierdurch keinerlei Vorteile für mich. Die erste Aufgabe bestand darin, einen Bericht vom Petropavlovsker Militärinstitut zu erstellen. Für mein Geld habe ich eine Filmrolle gekauft, ich habe ihn so gut ich konnte gedreht. Tatsächlich kamen von den sechs Filmen nur vier Schüsse in die Zeitung, der Major war nicht glücklich. Später kamen Herausgeber und Pressefotografen auf einen gemeinsame Nenner, der Major lehrte die Kunst des Militärjournalismus und lehrte, Zeit und Personal zu sparen. Wenn der Standard neun Schüsse pro Bild zuließ, wurden nur drei Vyacheslav zugewiesen. – Dies ist Professionalität, der Kopf funktioniert besser – nicht nur, um einen Knopf zu drücken, sondern um es richtig zu machen. Seit fünf Jahren reist Gelbling mehrmals durch ganz Kasachstan, um das schwierige Armeeleben zu zeigen. – Militärjournalist zu sein ist harte Arbeit. Ich war praktisch nie zu Hause, die Kinder sind ohne mich groß geworden. Hier braucht man Genauigkeit und Achtsamkeit, man muss wissen, wen und wie man aufnehmen kann und wen oder was nicht. Soldaten und Offiziere werden den Artikel sicher ausschneiden, nach Hause schicken, aufbewahren. Also trage ich folglich die volle Verantwortung dafür. In Eile nach einem Schnappschuss Nachdem alle Redaktionen in Astana längst auf Digitalkameras umgestiegen waren, arbeiteten in Kalkan immer noch auf alte Weise. Chef Freidenberg war ein großer Fan der Filmrolle. Die Zeit bestimmte jedoch etwas anderes. – Wir waren die letzten in der Hauptstadt, die Filmkameras eingesetzt haben, aber dann haben wir erkannt, dass die Zahlen ausschalggebend waren: schneller, besser, sparsamer. Einst boten sie an, im Videostudio der Nationalgarde zu arbeiten, ich stimmte zu. Neben den Bildern in der Zeitung begann er als technischer Designer zu arbeiten. So zog er sich im Mai 2015 mit 47 Jahren zurück. Ruhe zu genießen und nichts zu tun ist jedoch nicht für Vyacheslav Gelbling. Nach einigen Wochen hat der erfahrene Fotokorrespondent bereits als Zivilist für die Kalkan-Zeitung und das Berkut-Magazin gearbeitet. – Ich kann es nicht ohne militärische Untertanen aushalten, ich mag die Tatsache, dass es keine zweite Einstellung gibt: Ich habe es geschafft, ein Foto zu machen – also gut, wenn nicht bedeutete es, dass dies meine persönliche Fehlberechnung war. Oft muss man im Hintergrund jagen, daher kenne ich den Preis für jeden von ihnen. Es gibt keine Eingriffe, hier ist das echte Leben, so wie es wirklich ist. Mit der Entwicklung der Technologie sind Fotojournalisten viel einfacher geworden, aber niemand hat die Selbstdisziplin abgebrochen. Ich versuche also, aus zwei oder drei Versuchen gute Aufnahmen zu machen. Merkmal bestanden Heute wird Vyacheslav Gelbling jungen Leuten eine Chance geben: Ein erfahrener Fotojournalist kennt die Kraft des Teamgeistes, schätzt seine Freunde und seine Familie. Und er verbessert ständig seine Fähigkeiten, jedes Mal, wenn er an sich arbeitet und seine Fototechnik perfektioniert. – Ich finde es einfacher, dass ich die moralische Grenze überschritten habe, dem Mutterland meinen Dienst geleistet und ihm treu gedient habe. Meine Enkelin wächst, in meiner Freizeit erstelle ich Fotobücher für unsere Familie. Und der Fähnrich kocht auch noch gern. Besonders seine gut gemachten Strudel werden nach dem Rezept einer alten Großmutter hergerichtet. – Ida Frantsevna kochte sie auf dem Überhauofen. Sie stellte den Kessel auf, schloss den Deckel und er durfte nicht geöffnet werden. Und die Großmutter überprüfte die Bereitschaft des Gerichts durch den Geruch. Und sie lag erstaunlicherweise niemals falsch. Vielleicht ist das vererbbar, aber in unserer Familie machen wir selten Fehler. Im Leben versuchen wir das zu tun, was unsere Instinkte uns vorsagen, und deshalb überwinden wir alle Widrigkeiten und Schwierigkeiten mit einem klaren Gewissen. Dmitry Schinkarenko Übersetzung: Philipp Dippl
Gerold Belger – ein einzigartiger Schriftsteller, Übersetzer und Publizist Veröffentlicht in 16. Februar 201928. Juni 2020 Die Einrichtung eines Gedenkzimmers im Leseraums einer Bibliothek ist wohl ein sehr seltenes Phänomen. Dennoch gibt ein solches Zimmer, das in der Nationalbibliothek der Republik Kasachstan eingerichtet wurde und an Gerold Karlovich Belger erinnert. Belger – ein einzigartiger Schriftsteller, Übersetzer, Publizist. Er ist wahrscheinlich der einzige, der gleichermaßen in drei Sprachen gearbeitet hat: Kasachisch, Deutsch und Russisch. In ihrer Entwicklung als Schriftsteller und Persönlichkeit spielte die Bibliothek eine entscheidende Rolle. Nach dem Angriff des faschistischen Deutschlands auf die Sowjetunion wurden alle Russlanddeutschen auf nationaler Ebene einem Völkermord unterworfen und nach Sibirien und den Republiken Zentralasiens verbannt. Belger kam somit nach Kasachstan, in das Dorf, in dem nur Kasachen lebten. Die Deportation war der Grund, warum Gerold nicht rechtzeitig zur Schule ging. Er fing an, sich zu Hause Kenntnisse in der Arithmetik und anderen Fächern anzueignen. Durch die Kommunikation mit den Bewohnern Aul’s beherrschte er schon bald die kasachische Sprache. Gerolds Vater brachte ihm das Lesen und Schreiben bei. Auf Vorschlag seines Vaters begann er bald ein Tagebuch zu führen – eine Art Bericht darüber, was in diesem Jahr gemacht wurde. Darin reflektierte er, wie das Familienleben verlief. Nach dieser Zeit waren diese Aufzeichnungen sehr interessant zu lesen. Das Tagebuch führte er bis an sein Lebensende. Es erscheint jetzt in vier Bänden, von denen der erste bereits veröffentlicht wurde. „Sinop – ein kleiner Inder“ – das erste Buch, das Gerold von seinem Vater überreicht bekam. Mutige Abenteuer eines kleinen Indianers und seines Fuchsjungen las er Dutzende Male erneut. Es war dieses Buch, das in ihm eine Leidenschaft für das Lesen erweckte. An langen Winterabenden las er auf Bitten seines Vaters laut aus dem „Kurzer Geschichtskurs der KPdSU (Bolschewisten)“ vor, und sein Vater erhöhte damit sein ideologisch-politisches Wissen. In diesen Kindheitsjahren las Gerold alles, was ihm in die Hände fiel, einschließlich der medizinischen Bücher seines Vaters. Diese Liebe des „Deutschen Kindes“ zum Lesen wurde von den Bewohnern schnell bemerkt und man gab ihm bei jeder Gelegenheit Bücher. Seine Leidenschaft für das Lesen war so groß, dass er Bücher gegen jedes seiner Spielzeuge austauschte, und mit großer Freude erwarb er sie auf Russisch sowie auf Deutsch und Kasachisch. Sein Freund Asker gab ihm einen ziemlich alten Band Zhambyls in lateinischer Sprache. Der siebenjährige Gerold scheint im Leben seiner Dorfmitbewohner aufzugehen und nimmt gern an zahlreichen Feiertagen der Kasachen teil. Gierig nimmt er das Leben um sich herum auf, erfasst die kasachischen nationalen Traditionen und den Klang der kasachischen Sprache. Er ist nicht scheu gegenüber der eigenartigen Natur der Kasachen, ihre Kultur, in die er sich nach und nach verliebt. Kasachen teilen nämlich gern alles, was sie haben. Das große Interesse zum Wissen ermöglicht es ihm, das Leben der Kasachen bis ins kleinste Detail zu erlernen. Er sitzt lange neben der Großmutter des Nachbarn, Zayra, die sich nie von ihrem hölzernen Spinnrad trennte, und erfährt von ihr, dass die Kasachen etwa zehn Wollsorten haben und jede ihren eigenen Namen hat. So ist er an die abwechslungsreiche Tiefe der kasachischen Rede gewöhnt und entdeckt viele Schattierungen eines Wortes. Der künftige brillante Kenner der kasachischen Sprache nimmt die Vitalität zweier Sprachen auf, wie ein Fohlen, das mit Milch von zwei Müttern gefüttert wird. Aus solchen Fohlen wachsen nach den Gesetzen der Natur und den Legenden der Nomaden mächtige, vollblütige Tulpare. Der Legende nach war dies der Tulpar des großen Kabanbai-Kubas. Eine besondere Rolle bei der Persönlichkeitsentwicklung von Gerold spielten kasachische Freunde. Von ihnen, den Bewahrern alter Traditionen, bekommt Belger eine Vorstellung von der reichen Folklore der Kasachen, von Märchen, Legenden und Erzählungen. Quelle der reichen Erfahrung für den neugierigen Jungen wurden gerade diese Bewahrer der geheimnisvollen alten Legenden, die an durchlebte Leidenschaften und die früheren Zeiten des alten Dorfs erinnerten: Großvater Jergali, Berkutchi Abilmazhin, Sept-Hoca, Tayshik, Brüder Hufschmiede Omar und Kospan, Postbote Nurken. Alle wurden später zu Helden der Werke des Schriftstellers. Besonders nahe wurde ihm der Dorfälteste Yergali-ata. Er verbrachte Stunden damit, das Spiel der Kinder zu beobachten und ihnen jedes Mal mit hausgemachten Köstlichkeiten zu verwöhnen. Er prüfte auch regelmäßig das Wissen der Kinder über die Vorfahren, die jeder Kasache bis zur siebten Generation kennen sollte. In einem Gespräch mit dem Großvater Yergali verstand Gerold Belger die Wichtigkeit dieses Wissens und die Achtung des Respekts vor den Aksakals, die das Bindeglied für die Nachkommen der vergangenen Generationen sind. Anders als seine Altersgenossen konnte Gerold seine Vorfahren nicht bis zur siebten Generation nennen und beschränkte sich auf den Namen seines Urgroßvaters und war deshalb äußerst besorgt. Großvater Yergali, der seine Aufregung sah, beruhigte ihn: „Für den Deutschen ist das genug.“ Der kleine Gerold war besonders beeindruckt von der Ehrlichkeit und dem Selbstwertgefühl der kasachischen Aksakals. Das Leben unter den Kasachen zeigte Gerold die enorme Bedeutung des Liedes in der kasachischen Gesellschaft. Dies war eine weitere Entdeckung des neugierigen jungen Mannes. Er bemerkte sofort den Stil der Kasachen, die im Gegensatz zu den Deutschen, die Polyphonie sangen, gemeinsam zu singen. Kasachische Lieder, „gespaltene, fließende, herzliche, langwierige, manchmal traurige, dann jubelnde“, eroberten das Herz des deutschen Jungen. Mit angehaltenem Atem hört Gerold Belger kasachische Lieder, die unter dem freien und endlosen Steppenhimmel über den festlichen Dastarkhan strömen. Die Kraft und die Fülle, mit denen die würdevollen Lieder der Steppe von der Brust der Steppe erklangen, rühren und inspirieren ihn. Das Leben der Belgers im Exil wurde allmählich besser. Irgendwie sprachen Gerolds Freunde unter sich darüber, worauf sich jeder von ihnen zukünftig konzentrieren würde. Jemand sagte, er würde der Vorsitzende des Aulrats werden, ein Anderer Schulleiter, ein Weiterer sollte Vorsitzender einer Farm werden. Als sich Freunde den ruhigen Gerold wandten, erklärte er: „Ich werde Schriftsteller.“ Kein Kollege hat sich jemals einen solchen Beruf vorgestellt. In der fünften Klasse, ein Klassenkamerad von Gera, einem Skeptiker Shayakhmet, als er von der Absicht des „deutschen Jungen“ hörte, Schriftsteller zu werden, rief er scherzhaft aus: „Wenn du Schriftsteller wirst, werde ich mir die Nase abschneiden!“. Viele Jahre später, als Gerold Karlovich bereits ein anerkannter Schriftsteller war, besuchte ihn sein Jugendfreund Shayahmet. Nach einem wundervollen Abend voller Erinnerungen im gastfreundlichen Dastarkhan sagte Shayakhmet: „Kerey, ich habe nicht alle deine Bücher gelesen, denn man findet sie im Dorf nicht, vielleicht schaue ich am Abend noch einmal nach ihnen?“. Am Morgen gibt der Freund, der die ganze Nacht damit verbracht hat, die Arbeiten des Schriftstellers zu lesen, fröhlich zu: „Nun, Kerey, Sie sind ein echter Schriftsteller, hier ist meine Nase, schneide sie ab!“. Der Traum, Schriftsteller zu werden, wird im Laufe der Jahre immer stärker. Gleichzeitig erkennt Gerold, dass unermüdliche Arbeit notwendig ist, um diesen Traum zu verwirklichen. Gerold ging gleich in die 2. Klasse und übersprang somit gleich eine Klasse. Zu dieser Zeit sprach er bereits fließend Russisch und Deutsch. Arithmetik konnte er bereits auf dem Niveau der 4. Klasse. Es gab einige Probleme mit der kasachischen Sprache. Zunächst waren bestimmte kasachische Töne für ihn schwierig. Aber in der 4. bis 5. Klasse sprach er Kasachisch genauso wie seine Kollegen, die Kasachen, und schrieb sogar noch besser. Zhangeldy Mukanov hatte einen besonderen Einfluss auf die Entstehung von Gerolds Liebe zur kasachischen Literatur. Er beschränkte sich nicht auf den Unterricht als Teil des Schullehrplans, sondern inszenierte die Werke der Klassiker der kasachischen Literatur auf der Schulbühne. Ein besonderer Erfolg wurde die Tragödie „Abai“. Der Lehrer selbst spielte in der Produktion eine wichtige Rolle – Abai. „Das war mal ein Ereignis!“, erinnert sich Gerold Belger. „Von allen Dörfern auf beiden Seiten des Ishims versammelten sich Zuschauer, und Alt und Jung erlebten das spirituelle Drama des großen Dichters, nahmen jedes Wort seiner brennenden Monologe auf und bewunderten jede erbrachte Silbe.“ Von diesem Moment an begann die Leidenschaft für Belger mit der Arbeit von Auezov und Abay, die bis zu seinem Lebensende dauerte. Die im Exil lebende Lehrerin für russische Sprache und Literatur, Maria Petrowna Egorova, hatte auf den deutschen Jungen keinen geringeren Einfluss. Ehemaliger Lehrer des Pädagogischen Instituts in Leningrad arbeitete nach der Deportation zunächst als Kalbzüchterin. Sie ging zur Schule und arbeitete in zwei Schichten, sie sammelte abends Kinder und las ihnen russische Klassiker vor. Klänge klassischer Musik ergossen sich aus dem Grammophon, das sie mitgebracht hatte, begleitet von den Vorträgen von Maria Petrowna über die Arbeit und das Leben der Komponisten. Kostümbälle und Ausstellungen, die vom Theaterkreis geleitetet wurden, „brachte, wie Gerold sich erinnerte, „die Kultur und Spiritualität den Aul-Kindern näher“. Maria Petrowna konnte in Gerold systematische Lesefähigkeiten einbringen. Unter ihrer Führung bereichert ein neugieriger Student sein Vokabular mit russischen Wörtern und lernt viel Neues über die Arbeit russischer und ausländischer Komponisten, Schriftsteller, Künstler. „Diese ruhige, ungewöhnlich bescheidene, scheinbar unauffällige Frau hat es geschafft, eine Kerze der Freundlichkeit, der Menschlichkeit und des Wissens in den Seelen vieler Jugendlicher zu entzünden. Wir sind ihr alle viel schuldig “, schrieb G. Belger viele Jahre später. Seit der sechsten Klasse schreibt und veröffentlicht Gerold Gedichte und schreibt Artikel in Schul- und Regionalzeitungen. Gerold, der nach einem Sturz vom Pferd im Bett liegen musste, machte es ihm leichter, Bücher zu lesen. Er las alle Bücher aus der Bibliothek der Schule und des Dorfrats erneut und erlangte unter den Dorfbewohnern den Ruf eines Bücherwurms. Dies wurde durch die Tatsache bestätigt, dass der Junge ständig das Buch von K. Marx ‚Kapital‘ mit sich trug, das er geschenkt bekommen hatte. Die Krankheit zeigte im Jungen ein neues Merkmal seines Charakters – in jeder Situation, auch in einer hoffnungslosen, erweiterte er neue Horizonte. Nachdem er in der Zeitung „Pionier Kasachstans“ die Regeln des Schachspiels entdeckt hatte, lernte er das Spielen ohne Hilfe und brachte seinen Kameraden dieses Spiel bei. Gerold interessierte sich ernsthaft für die Theorie dieses Spiels, bekam darauf Lehrbücher wie „Theorie des Schachspiels“ von Lasker und „Endspiel“ von Rabinovich. Auf seine Initiative hin begann die Schule, Schachturniere zu organisieren, bei denen er immer der Gewinner wurde. Die Fähigkeit, gut Schach zu spielen, hat Herold im späteren Leben oftmals vorangebracht. Am frühen Morgen des Juni 1954 machte sich der junge Gerold auf den Weg nach Alma-Ata. Er bewarb sich an der Fakultät für russische Sprache und Literatur des Kasachischen Pädagogischen Instituts nach Abay. Erfolgreich bestand er die Prüfungen, wurde aber wieder nicht aus dem gleichen nationalistischen Grund übernommen. Aber dank der tatkräftigen Fürsprache des zweiten Sekretärs des Zentralkomitees des Komsomol, eines Landsmanns, der zur selben Schule wie Gerold ging, und in guten Beziehung zum Direktor der Hochschule stand, und dem der äußerst mutwillige Junge gefiel, konnte er so bald in die Gruppe „B“ der Fakultät für Literatur der Kasachischen Pädagogischen Hochschule Abaya aufgenommen werden. Belger lernte begeistert und gierig. Für ihn, den Dorfjungen, war alles neu. Er kam kaum aus der Bibliothek heraus. Er schreibt wissenschaftliche Berichte und Thesen und prüft alles genau und besucht die Musikvorlesungen. Seit den ersten Studientagen besucht er die wissenschaftliche Studentengesellschaft. Die Aktivität des Schüler auf Krücken zieht die Aufmerksamkeit der Lehrer auf sich, viele von ihnen haben sich für immer in Gerold verliebt. Einer dieser Lehrer war ein Sprachwissenschaftler, der Türkologe Sarsen Amanzholov. Nach einem Gespräch mit einem neugierigen deutschen Studenten in Kasachisch über kasachische Dialekte sagte er: „Für mich ist es wichtig, dass Sie Kasachisch und Deutsch kennen und Ihr Russisch ist nicht so wichtig. Die Deutschen hinterließen tiefe Spuren in der Turkologie der Kultur und Sprache der Kasachen. Und Sie tun gut daran, sich in diese Richtung zu entwickeln. Es gibt viele Deutsche unter den Türkologen, und ich habe enormes Material zur Türkologie, das von deutschen Wissenschaftlern geschrieben wurde. Ich spreche kein Deutsch, ich habe nur ein paar Englischkenntnisse und deshalb möchte ich Sie zum Türkologen machen. Ich hoffe, Sie können und möchten diesen Weg wählen. Deshalb, lerne! Nach dem Abschluss werde ich Sie zu meiner Graduiertenschule bringen.“ Gerold war im siebten Himmel. Er hatte schon lange von Turkologie geträumt. Der Rat des Professors inspirierte den jungen Mann. Die weiten Perspektiven, die der Professor anwies, drehten sich immer wieder im Kopf. Im Bewusstsein von Gerold drückten sich die Worte über die Rolle deutscher Wissenschaftler in der Geschichte Kasachstans mit besonderer Wärme aus. Für Herold war dies wichtig, vor allem in dem Moment, als sein Volk einer abscheulichen Ideologie als Geisel zum Opfer kam und die Willkür dieser Macht erlitt. Rektor Malik Gabdullin, der Belger äußerst vorzug, gab seinem besten und dauerhaften Schachpartner das Recht, an Vorträgen teilzunehmen. Ab diesem Zeitpunkt wird Gerold nur noch in allgemeinen Vorlesungen am Institut gezeigt. Den Rest der Zeit verbringt er von zehn Uhr morgens bis zehn Uhr abends in der Pushkin-Bibliothek. In der Bibliothek verbrachte er lange Zeit damit, in Bücherverzeichnissen zu stöbern und Literatur zu Linguistik, Pädagogik und Philosophie zu bestellen. In dicken Notizbüchern stellt er Auszüge her und bereichert sein kargeres Wissen über Literatur, die Welt und Kultur im Allgemeinen. Auf Ersuchen von Gabdullin erhielt er bald die Erlaubnis, in einem speziellen Bibliotheksfonds zu arbeiten. Er sitzt stundenlang in der Abteilung eines seltenen Fonds und blättert durch Kuriositäten, alte Folianten. Die Bibliotheksleitung sieht den ungewöhnlichen Eifer des armen Schülers auf Krücken und bringt Belger zu einem separaten Tisch mit Lampe in einer gemütlichen Graduiertenschule. Gerold konnte nicht von einem größeren Glück träumen. Die öffentliche Bibliothek wurde zu seiner eigentlichen Universität. Der Rektor des Instituts Malik Gabdullin freute sich über den Erfolg seiner Gemeinde.„Nun, Kari, zufrieden? – fragte er während der Schachkämpfe. – Warum müssen Sie allen Müll in den Vorlesungen hören? Ihr Vorteil ist, dass Sie wissen, was Sie wissen wollen. Und Sie teilen sich Ihre Zeit selbst ein.“ Bei Tests und Prüfungen zeigte Gerold den Lehrern seine Vorlesungsunterlagen und Arbeitsbücher. Die Quellen, aus denen er sein Wissen zog, zeigten sich mit merkwürdigen Namen und Buchtiteln. Seine Schlussfolgerungen widersprachen häufig anerkannten Lehrplaninstallationen und den allgemeinen Ordnungen gesetzlicher Vorlesungen. Einige Lehrer hatten eine Vorliebe für die Unabhängigkeit und den jugendlichen Umgang mit dem Schüler Belger, sie lobten ihn für Fleiß und Fleiß, aber der größte Teil der Lehrer waren durch diesen Eifer und die Sturheit eindeutig irritiert. Diese Lehrer forderten, dass er als Antwort auf Prüfungen und Prüfungen das wiederholen sollte, was sie in ihren Vorlesungen gesagt hatten. Die alte Professorin für Pädagogik und der orthodoxe Professor für marxistische Philosophie waren besonders zügellos. Sie mochten es offensichtlich nicht, dass Belger mit unbekannten Quellen operierte, die häufig als verboten galten. In der pädagogischen Prüfung bekam Gerold einen Schein mit einer Frage zu den pädagogischen Ansichten von Nadezhda Konstantinovna Krupskaya. G. Belger ging ausführlich davon aus, dass Krupskaya im Wesentlichen keine pädagogischen Ansichten hat, dass sie nicht Johann Heinrich Pestalozzi und nicht Konstantin Dmitrievich Ushinsky und nicht einmal Ibrai Altynsarin ist. Ihre flachen, banalen, zusammenstellbaren Artikel über die Bildung von Frauen, über das Bildungsprogramm, über die Jugend und über die Pionierbewegung bedeuten laut Belger nicht einen gebrochenen Penny, sondern es handelt sich dabei um völlig betrügerische Wahrheiten, die durch eine unscheinbare und grausame, langweilige didaktische Sprache ausgedrückt werden, die alle ihre sozialen Aspekte ausmacht. Die pädagogische Leistung der Partei liegt in der Tatsache, dass sie die Frau eines proletarischen Führers war. Später sagte Gerold Karlovich folgendes dazu: „Eine gebrechliche alte Professorin verlor augenblicklich alle ihr vorgetäuschten Grad und ihre Steifheit. Sie runzelte das runzlige Gesicht, ließ die massive Brille von einer schlaffen langen Nase fallen, lehnte sich in ihrem Stuhl zurück und starrte den Prüfling aufmerksam an. – Entschuldigen Sie bitte, wer sind Sie? – Student. Die alte Professorin schauderte, hob ihre Augen: – Welche Fakultät? – Methodik – Wie lautet der Nachname? – Gerold Belger. „Ich erinnere mich an so einen nicht.“ Die alte Frau hielt ihre Empörung kaum zurück. „Ich habe keine Vorlesungen besucht. Ich lerne selbständig in der Bibliothek. Mit Erlaubnis des Rektors des Instituts. „Das sehe ich, dass Sie selbstständig lernen.“ Das habe ich Ihnen aber nicht beigebracht!“ Pause. Gerold dachte darüber nach, wie es nun weitergehen sollte. Diese altmodische Frau könnte ihn leicht durch die Prüfung fallen lassen. Warum braucht sie einen solchen Studenten, der nur Unsinn redet? – „Das habe ich Ihnen nicht beigebracht!“, wiederholte die alte Professorin bedrohlich mit Druck. – „Das gebe ich zu.“ – „Also ist Krupskaya Ihrer Meinung nach kein Pädagoge?“ – „Ich weiß es nicht. Es ist jedoch nicht wert, ernsthaft über pädagogische Ansichten zu sprechen.“ – „So also?!“, schüttelte es die alte Frau. – Und was sollen wir tun? Geben Sie Ihr Anrechnungsbuch. – „Ich habe sie nicht bei mir“, sagte Gerold. – „Auch noch?! – rief die alte Frau entsetzt. – „Sie haben wohl Angst ich würde es Ihnen verderben?“ – „Um ehrlich zu sein, ja. Ich mache mir Sorgen. – „Sind sie etwa ein Musterschüler?“ – „Bis heute – ja.“ Die alte Frau beruhigte sich ein wenig. „In Ordnung, Gelehrter, in einer Woche werden Sie zur erneuten Prüfung antreten. Geben Sie eine Zusammenfassung ab, und zwar zu Krupskaya. „Eine Woche später, nachdem der Student Belger mit „ausgezeichnet“ bewertet worden war, sagte der Professor: „Gehen Sie! Und halten Sie Ihre klugen Gedanken bei sich. Sonst endet das Ganze noch schlecht, glauben Sie mir!“ Mit dem Philosophiedozenten fiel es eindeutig schwieriger aus. Er erlaubte kein freies Denken und lehnte die Prüfung ab …Belger glaubte zu Recht, dass die Bibliothek ihm bei allen Prozessen, Unglücksfällen und Krankheiten half, Schriftsteller von drei Nationen zu werden, 75 Bücher zu erstellen und ungefähr zweitausend Artikel zu veröffentlichen. Gedenkkabinett – Anerkennung des Verdienstes und der Größe von Gerold Karlovich Belger. Vladimir Auman, verdienter Kulturarbeiter der Republik Kasachstan Übersetzung: Philipp Dippl
Iwan Matweewitsch Vetstejn Veröffentlicht in 15. Februar 201921. Mai 2019 Iwan Matweewitsch Vetstejn, geboren am 15.01.1951, im Dorf Osjornoje, im Kreis Kostanaj, Gebiet Kostanaj. Ausbildung: Landwirtschaftsinsititut Zelinograd, Agrarwissenschaftler, 1977. Arbeitserfahrung: Die Arbeitstätigkeit als Bauer begann in der Sowchose „Der Kasachstaner“, anschließend war er leitender Landwirt, aber im Jahr 1984 kehrte er in sein Heimatdorf Osjornoe zurück, leitete und leitet bis heute die TOO namens „Karl Marx“, welche als einer der besten Landwirtschaftsbetriebe des Kreises gilt. Dank seiner kompetenten Verwaltung wurde eine fortschrittliche Viehzucht aufgebaut und eine ausgezeichnete Infrastruktur im Dorf errichtet. Heute besitzt der Betrieb 25 Tausend Hektar Boden. Er widmet seine Aufmerksamkeit nicht nur dem Erhalt sozialer Einrichtungen, sondern auch ihres Ausbaus, das ist das Kulturzentrum, ein Café, eine Ambulanz und eine Schule. Vor kurzem wurde eine neue Turnhalle aus Mitteln des Betriebes in der Summe von 100 Millionen Tenge gebaut. Und alles das ist für die Dorfbewohner, für die Jugend… Auszeichnungen: Orden: „Parasat“ – 1990; Medaille: „50 Jahre Neulandgewinnung“ – 2004; Orden: „Otan“ – 2009. Er ist Ehrenbürger des Kreises Kostanaj, Gebiet Kostanaj. Wissenschaftliche Arbeiten, Veröffentlichungen, Reden: In mehr als 20 Jahren als Leiter des landwirtschaftlichen Großbetriebes TOO „Karl Marx“ hat I. Vetstejn mehrfach Artikel in Kreis- und Regionalzeitungen zu den Ergebnissen des neuen Landwirtschaftsjahrs veröffentlicht, er stellte scharfsinnig Fragen zur Lösung vorhandener Probleme in der Viehzucht und im Ackerbau der Region. Er ist ständiges Mitglied auf landesweiten wissenschaftlich-praktischen Konferenzen und Tagungen zum Thema der Landwirtschaft, er hat auf diesen Foren an der Vorbereitung von Resolutionen und normativen Dokumenten teilgenommen. Beitrag zum Gemeindeleben Kasachstans, zur Entwicklung der deutschen Ethnie auf dem Territorium der Republik: Iwan Matweewitsch Vetstejn ist seit deren Gründung (1991) Mitglied der deutschen Regionalorganisation „Wiedergeburt“. I. Vetstejn stand am Ursprung der Gründung der Organisation selbst vor mehr als 25 Jahren. M. Vetstejn ist Delegierter aller Kongresse der Deutschen Kasachstans. Seinen Landwirtschaftsbetrieb besuchen fortwährend die aktiven Botschafter Deutschlands in der Republik Kasachstan, internationale Delegationen oder Geschäftsmänner. Im Dezember 2016 hat die Regionalkonferenz der Deutschen zum wiederholten Male I. M. Vetstejn zum Mitglied des Gebietsrates der Deutschen im Gebiet Kostanaj gewählt. I. M. Vetstejn ist Mitglied des regionalen Ensembles der Völker Kasachstans, Mitglied des deutschen Wirtschaftszentrums des Gebietes Kostanaj und Mitglied Regionalkammer der Wirtschaftsunternehmen „ Атамекен“ Übersetzung: Philipp Dippl
Die deutsche Sprache: Wir sind bereit, jeden Preis zu bezahlen Veröffentlicht in 15. Februar 201921. Mai 2019 Vom 3. bis zum 6. Februar fand in Astana das Seminar der Deutschlehrer der allgemeinbildenden Schulen der Republik statt. Es sein angemerkt, dass die Eröffnung der Veranstaltung am Sonntag stattfand, als es drau0en auf der Straße minus 40 Grad hatte! Aber wir Deutschen können sogar einen Tag am Wochenende in einen ganzen Arbeitstag verwandeln. Weiter lesen „Die deutsche Sprache: Wir sind bereit, jeden Preis zu bezahlen“
Jakow Schalo Veröffentlicht in 13. Februar 201921. Mai 2019 Jakow Jakowlewitsch Schalo wurde 1916 in der deutschen „Kolonne“ „Sonnental“ im Kreis Gulkewitsch in der Provinz Krasnodar geboren. Das ganze Leben lang erinnerte er sich mit Wärme und Trauer an dieses schöne Dorf: gepflegt, sauber und blühend. Jakow, der früh seine Eltern verlor, wurde von der Liebe und Fürsorge der älteren Schwester Lidia und des Bruders Aleksandr erwärmt. Der Bruder brachte ihm bei, auf der Ziehharmonika und auf der Mandoline zu spielen, das Bestreben des Vaters zur Bildung und das Interesse an der Mathematik ermutigte ihn. Zusammen schmiedeten sie Pläne, träumten, wie der jüngere Bruder Jascha studieren wird. Zum Ende des Jahres 1937 wurde Aleksandr aufgrund der Denunziation eines „Gutmenschen“ verhaftet und in ein Lager gebracht. Seine Frau, Matrjona, eine Russin, erwirkte die Erlaubnis und ist mit ihrer Tochter dem Mann nachgefolgt. Ganz zu Beginn des Krieges während der allgemeinen Mobilmachung wurde Jakow in die Armee eingezogen, wo er in Schnellkurse zum Artilleriekommandanten geschickt wurde. Gekämpft hat er nur kurz, er erhielt eine Verwundung und eine Prellung, durch welche sein Gehör beeinträchtigt wurde. Nach der Herausgabe eines Dekrets des Präsidiums des obersten Sowjets der UdSSR vom 28. August 1941 setzte sich die Maschine der Repression rücksichtslos auch in „Sonnental“ in Bewegung. Die deutschen Familien wurden nach Kasachstan geschickt. Seine Verwandten fand Jakow erst am Ende der 1960er Jahren wieder, im Gebiet Kostanai, aber die Schwester war schon nicht mehr unter den Lebenden. Die Repressionen haben sein Schicksal hart getroffen. Der junge Offizier, Frontsoldat, Mitglied der Partei wurde in eine Sonderabteilung gerufen, wo sie trocken sagten: „Genosse Schalo, in diesen schweren Zeiten müssen Sie als Kommunist ins Hinterland“. „Ich verstand und wusste, wovon gesprochen wurde, – erinnerte sich Jakow, – Ich habe meinen Parteiausweis aus der Tasche geholt, legte ihn auf den Tisch und sagte, wenn der Kommunist Schalo nicht an die Front muss, dann kommt das Hinterland auch ohne den Kommunisten Schalo aus“. Für diese Wahrheit hätte er im nächsten Schützengraben erschossen werden können. Jung, glühend, gekränkt in seinen größten Gefühlen und Bestrebungen dachte er nicht über die Konsequenzen nach. Hunderte Frontsoldaten der „unpassenden“ Nationalität wurden mit dem Konvoi auf eine große Insel im Fluss Don transportiert, wo sie unter freihem Himmel die Entscheidung über ihr Schicksal erwarteten. Am 12. September 1941wurde Jakow Jakowlewitsch Schalo als Angehöriger deutschen Nationalität mit tausenden anderen entrechteten Deutschen in überfüllten Zügen in unbekannte Roichtung geschickt. Erst am 18. Oktober 1941 kam er in einem Spezialgebiet an und wurde in das Gebiet Karaganda in der Kasachischen SSR geschickt. Am 10. Dezember 1941 wurde er in die Arbeitsarmee eingezogen, in das Baubataillon Nr. 1 des Unternehmens „Pribalchaschstroj“. Und so arbeitete er bis zu seiner Pensionierung am 22.03.1971 in der OSMU Nr. 1 des Unternehmens „Pribalchaschstroj“ in der Stadt Balchasch. Seine Familie bewahrt seine zahlreichen Auszeichnungen, Urkunden, Wimpel, Medaillen und der Orden „Abzeichen der roten Arbeit“ auf. Wie vermutet war die Familie nicht gerade klein. Er liebte seine fünf Kinder, er war streng, anspruchsvoll, aber gerecht. Viel im Haus hat er mit seinen eigenen Händen errichtet. Aus dem Nichts hat er auf unserem steinigen Boden eine Datscha hochgezogen, hat eigenhändig eine Garage gebaut. Und den Söhnen hat er das Arbeiten beigebracht. Jakow hat das ganze Leben viel gearbeitet, er hatte viele Hobbys: er liebte die Musik, fotografierte, kümmerte sich sehr um sein altes Motorrad, er hat es immer selbst repariert. Jakow schätzte die Freundschaft seiner Freunde sehr, die er noch auf dem Weg von der Front nach Kasachstan kennenlernte, das sind German Gorn und Wilhelm Ewert. Verwandte hatten sie beide keine in Balchasch. Sie waren das ganze Leben befreundet, halfen einander, unterstützten sich gegenseitig und sagten von sich selbst: „Wir sind einheimischer als die Einheimischen“. Trotz des schweren Lebens, die erlebte Demütigung hat die Freunde nicht verbittert, hat ihre Seelen nicht verhärtet. Sie blieben ihr ganzes Leben Arbeiter, gütige Familienväter, gute Menschen. Übersetzung: Philipp Dippl
Pawel Frisen Veröffentlicht in 13. Februar 201921. Mai 2019 Pawel Petrowitsch Frisen wurde im Jahr 1888 geboren. Die Jungend verbrachte er in der Kunstschule Charkow. Er setzte seine Ausbildung in der Moskauer Hochschule für Malerei, Bildhauerei und Architektur. Die Ausbildung abschließen konnte er nicht, er ging zum Militärdienst an die Kaukasische Front des ersten Weltkrieges. In den 1920er Jahren arbeitete im Atelier von Juon, aber die schwierige Materialversorgung zwang ihn, die Lehre aufzugeben und eine Lehrtätigkeit zuerst in Krasnodar, später am pädagogischen Institut in Melitopol aufzunehmen. Im Jahr 1935 wurde er wegen falscher Anschuldigungen verhaftet, anschließend saß er im Karlag, was Pawel Petrowitsch 11 Jahre seines Lebens kostete. Nach der Freilassung blieb er in Karaganda. Bis 1966 führte er eine Malschule im Kulturpalast der Bergarbeiter. Seine Schüler waren die heute bekannten Maler L. Smagljuk, A. Syrow, Ju. Wolf und S. Konurow. Er beschäftigte sich mit Malerei. Das künstlerische Gesamtwerk des Künstlers besteht in der Basis aus kleinen Studien, die in den besten realistischen Traditionen der 60er Jahre ausgeführt wurden. Pawel Petrowitsch Frisen starb im Jahr 1978 in Karaganda. Übersetzung: Philipp Dippl
Artur Fonwisin Veröffentlicht in 13. Februar 201921. Mai 2019 Artur Wladimirowtisch Fonwisin (1882-1973) war Künstler. Er wurde am 30. Dezember 1882 in Riga geboren. Zwischen 1901 und 1904 studierte er an der Moskauer Hochschule für Malerei, Bildhauerei und Architektur bei K. Gorkij und W. Bakscheewa. Anschließend war er in München im Aletier von Gerdner und Gejmaqn. Seit 1907 nahm er an Ausstellungen teil, unter diesen waren Expositionen solch berühmter Vereinigungen wie die „blaue Rose“, das „goldene Vlies“, „Stefanos“, „Welt der Kunst“, „Karo-Balett“ oder „Makowetz“. Zwischen 1915 und 1922 lebte er in Tambow, führt ein Studio für bildende Künste. Ab 1923 lehrt er am Kunsttechnikum Nischni-Nowgorod, im Jahr 1926 kehrte er nach Tambow zurück. Ab 1929 lebte er in Moskau, in dieser Zeit ging er vollständig zur Aquarelltechnik über. Zwischen 1942 und 1943 lebte er für 10 Monate in Karaganda, wohin er wegen seiner deutschen Abstammung geschickt wurde. Die Künstler P. P. Kontschalowskij, S. D. Lebedewa, B. I. Muchina, W. E. Tatalin und der Architekt L. W. Rudnew erreichten einen Empfang bei dem stellvertretenden Vorsitzenden der Kommission der Parteikontrolle des Zentralkommittees der VKP (b) R. S. Semljatschki und mit ihrer Hilfe wurde Fonwisin aus Karaganda entlassen. Im Jahr 1943 erhielt der Künstler die Erlaubnis, nach Moskau zurückzukehren, wo er die Aquarellserie „Karaganda“ schuf. Im Jahr 1958 gab es eine persönliche Ausstellung im MOSCh, in 1969 im Haus der Union der Künstler der UdSSR, im Jahr 1984 gab es eine posthume Ausstellung im zentralen Haus der Kunst. A. W. Fonwisin starb im Jahr 1973. Übersetzung: Philipp Dippl
Genrich Fogeler Veröffentlicht in 13. Februar 201921. Mai 2019 Genrich Eduardowitsch Fogeler (1871-1942) war Künstler. Er wurde im Jahr 1871 in Bremen geboren. Er studierte an der Akademie der Künste im Fachbereich Malerei (Düsseldorf 1890-1895). Er ist weithin bekannt als einer der Gründer des Arbeitskreises der Künstler „Worpswede“. Er hat einen bedeutenden Beitrag zur Entwicklung der künstlerischen Richtung „Jugendstil“ geleistet. Er war Teilnehmer an der Revolution (Bremen 1919), seit 1924 war er Mitglied der Kommunistischen Partei Deutschlands. Im Jahr 1923 heiratete er die Tochter des in Moskau lebenden Ju. Marchleskij. Im Jahr 1929 wurde er als Spezialist zur Planung von dörflichen Siedlungen (im Zusammenhang mit der Kollektivierung) in die Sowjetunion eingeladen. Im Jahr 1931 ging er endgültig nach Moskau. Er arbeitete als Architekt, Kunstkritiker, schrieb und illustrierte Zeitungsartikel und Bücher, organisierte Ausstellungen. Seit 1934 war er Mitglied der Moskauer Union der Künstler. In den ersten Monaten des großen vaterländischen Krieges schrieb er Texte und fertigte Zeichnungen für antifaschistische Flugblätter für die Front an, im Moskauer Radio appellierte er an die deutschen Kämpfer und Bewohner des „dritten Reiches“. Zu Beginn des Septembers 1941 wurde er nach Kasachstan geschickt (in das Dorf Korneevka). Aufgrund seiner schlechten Gesundheit konnte er die Arbeiten in der Dorfsowchose nicht ausführen. Er starb ohne Existenzgrundlage im Jahr 1942 an Unterernährung und Krankheit im Dorfkrankenhaus der Sowchose namens S. M. Budennij nahe Karaganda. Übersetzung: Philipp Dippl
Jakob Fischer Veröffentlicht in 13. Februar 201921. Mai 2019 Jakob Fischer wurde am 14.08.1955 in dem deutschen Dorf Tobolino im Gebiet Südkasachstan geboren. Von 1972 bis 1977 studierte er an der Universität der Stadt Schymkent Geschichtswissenschaften, anschließend von 1978 bis 1982 am Fremdspracheninstitut Almaty. Von 1982 bis 1991 war Jakob Fischer Stellvertreter des Direktors des Deutschen Theaters der Stadt Temirtau. Die Idee des ersten Allunions-Kulturfestival der sowjetischen Deutschen in der Nachkriegszeit, welches im Jahr 1988 in Temirtau stattfand und ein bedeutendes und bewegendes Ereignis im Leben der sowjetischen Deutschen wurde, ist Jakob Fischer zuzurechnen. Er hat viel geschafft auf dem Posten des Stellvertreters des Direktors des Theaters, ebenso viel hat er getan als Initiator und Organisator des zweiten Allunionsfestival der deutschen Kultur in Alma-Ata im Jahr 1990. Im Jahr 1991 siedelt Jakob Fischer nach Deutschland um. Im Jahr 1992 wird Herr Fischer Referent im Zusammenhang mit dem Gemeinwesen der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland. In Zusammenarbeit mit Josef Schleicher hat er seit 1993 in verschiedenen Ecken Deutschlands die Ausstellung „Volk auf Reise“ veranstaltet, welche über das Schicksal und das Leben der Russlanddeutschen erzählt. Für die Landsmannschaft der Deutschen aus Russland wurden zwei Audio-CDs mit Liedern der Deutschen aus Kasachstan und Sibirien herausgegeben, unter dessen Interpreten sich Jakob Fischer und Katharina Riesling befinden, die ebenfalls aus Kasachstan (Dschambul) stammt und Schauspielerin am Deutschen Theater Temirtau ist. Übersetzung: Philipp Dippl
Sergej Iwanowitsch Blok Veröffentlicht in 13. Februar 201921. Mai 2019 Sergej Iwanowitsch Blok; Geboren am 12.06.1969, im Dorf Fjodorowka, Kreis Fjodorowka, Gebiet Kostanaj; Ausbildung: pädagogische Hochschule Kostanaj, Turnlehrer, Sportpädagoge, 1990; Staatliche Universität Kostanaj, Fakultät „Finanzen und Kreditwesen“, 2010. Arbeitserfahrung: Vorsitzender der öffentlichen Vereinigung „Regionalzentrum der deutschen Kultur „Wiedergeburt“ Kostanai“ seit 2013, einstimmig auf der Regionalkonferenz der Deutschen im Gebiet Kostanaj im Dezember 2016 wiedergewählt zum Vorsitzenden des OO KONKZ „Wiedergeburt“ bis Ende 2019. Er hat seine Tätigkeit als Einzelunternehmer im Jahr 1992 begonnen. Die im Jahr 1997 von Sergej Iwanowitsch gegründete Firma bewährte sich in Kasachstan als Großproduzent für Milchprodukte. Die Erzeugnisse, die von der TOO „MILCH“ und TOO „PK Vita“ (Unternehmen, deren Gründer S. I. Blok ist) produziert werden, sind auf dem kasachstanischen Markt unter der Handelsmarke „Neuer Tag“ bekannt. In das Privatgeschäft stieg er ab 1993 ein, welches im Laufe der Zeit zu einem Großunternehmen zur Herstellung von Milchprodukten heranwuchs. Die Handelsmarke „Neuer Tag“ wurde 2001 registriert. Heute produzieren die beiden Fabriken ein großes Sortiment an Milchprodukten. Im Juni 2017 nahm das Unternehmen unter der Führung von Sergej Iwanowitsch eine Linie zur Eisherstellung in Betrieb. Die Belegschaft beträgt mehr als 500 Menschen, die sich auf 4 Standorte verteilen. Zwischen 2011 und 2016 war er Deputierter im städtischen Regionalkommittee. S. I. Blok ist Mitglied im Regionalrat des Klubs der Sponsoren, Mitglied des Kuratoriums der Staatlichen Universität namens Ibraj Altynsarin Kostanaj, Mitglied im OJUL „Milchunion Kasachstans“, Mitglied der Partei „Nur Otan“. Er ist Leiter des Kuratoriums der Kostanajer Kammer des Unternehmens „Atameken“. Er beschäftigt sich permanent mit Wohltätigkeitsaktionen. Auszeichnungen: Im Jahr 2006 wurde er ausgezeichnet mit der Medaille „ Ерен еңбегі үшін“, Im April 2011 erhielt der Direktor der TOO „MILCH“ Sergej Iwanowitsch Blok das Dankesschreiben des Präsidenten der Republik Kasachstan Nursultan Abischewitsch Nasarbaew für die erfolgreiche Implementierung von Betriebsanlagen auf höchstem internationalen Standard in der Milchproduktion der Firma „MILCH“ in der Stadt Kostanaj. Im Jahr 2014 wurde er mit dem Orden „Құрмет“ ausgezeichnet. Wissenschaftliche Leistungen, Publikationen, Artikel: Auf der Regionalkonferenz der deutschen Organisation im Dezember 2016 hielt er einen Vortrag über das Programm von grundlegenden Änderungen in den Aktivitäten der deutschen Gemeinden der Region, ausgerichtet auf größere Selbstständigkeit und Verantwortung der deutschen Minderheit vor den globalen Herausforderungen für die moderne kasachstanische und postsowjetischer Gesellschaft. Im Februar 2018 war er Mitverfasser des Buches über W. I. Dwuretschenskij, Begründer der Landwirtschaftswissenschaften in Nordkasachstan. Im April 2018 trat er mit der Idee der Errichtung eines „Ressourcenzentrums“ der Digitalisierung der Landwirtschaftsgeschäfts auf Grundlage deutscher wirtschaftlicher Erfahrungen im Gebiet Kostanaj hervor. Beitrag zum gesellschaftlichen Leben Kasachstans, Entwicklung der deutschen Ethnie auf dem Gebiet der Republik: Als Leiter der deutschen Gemeinde des Gebietes Kostanaj ist S. I. Blok der Vordenker der Gründung und Eröffnung (in 2014) des „Deutschen Hauses Kostanaj“. Das ist die öffentliche Niederlassung und Vertretung der deutschen Minderheit in der Region. Das Gebäude und seine Ausstattung wurde auf allerhöchstem Niveau ausgeführt, inklusive dem umliegenden Bereich, der für Veranstaltungen der deutschen Gemeinde hergerichtet wurde. Dieses Büro haben in den letzten zwei bis drei Jahren der Botschafter der Bundesrepublik Deutschland in Kasachstan Rolf Mafael, der Leiter der Adenauer-Stiftung in Kasachstan Thomas Helm, die Vertreter des DAAD-Programms in Kasachstan, Abgeordnete des Bundestages und Teilnehmer internationaler Wirtschaftspartnerprogramme zwischen Kasachstan und Deutschland besucht. I. Blok ist sehr aktiver Vertreter des Regionalensembles der Völker Kasachstans, der die deutsche Diaspora auf regionaler Ebene repräsentiert. Es gibt Programme zum juristischen Schutz der Mitglieder der Organisation und ein Mikrokreditsystem für deutsche Kleinunternehmen. Es findet aktive Arbeit in der Formung der Assoziation der deutschen Geschäftsmänner des Gebietes Kostanaj statt. Es wurden (in 20018) einige Konferenzen des deutschen Businesszentrums durchgeführt, als dessen Organisator ebenso S. I. Blok spricht. Übersetzung: Philipp Dippl
Konstantin Erlich Veröffentlicht in 13. Februar 201921. Mai 2019 Konstantin Wladimirowitsch Erlich wurde am 24.03.1948 in dem Dorf Schelannom in Kreis Odessa in der Oblast Omsk geboren, wohin sein Vater im Jahr 1941 aus der Autonomen Sowjetrepublik der Wolgadeutschen deportiert wurde. Als er nach Beendigung der Mittelschule in den Armeedienst kam, entwickelte K. Erlich bemerkenswerte Tendenzen zum Journalismus, besuchte eine entsprechende Ausbildung und publizierte sogar in der Armeezeitung „Der sowjetische Soldat“. Mit Beendigung des befristeten Dienstes, ging Erlich auf das pädagogische Institut Omsk, wo sehr gute Kenntnisse in Deutsch und Englisch erwarb und im Jahr 1975 die philologische Fakultät abschloss. Von 1974 bis 1978 war Erlich Redakteur des Deutschen Radios, zuerst im Gebiet Omsk, anschließend beim Republikradio in Alma-Ata. Danach arbeitete er für 10 Jahre in der Funktion des Redakteurs im Verlag „Kasachstan“ in der Hauptstadt der Republik. Da er sich sehr gut als Spezialist für die Problematik der sowjetischen Deutschen bewährte, wurde Erlich die Führung Kasachstans auf ihn aufmerksam. Im Jahr 1988 wurde ihm der Posten des Hauptredakteurs der deutschen republikanischen Zeitung „Freundschaft“ anvertraut (heute „Deutsche Allgemeine Zeitung“). Seinen Beruf in den deutschen Redaktionen und Verlagen vereinte K. Erlich mit der gleichzeitigen Erforschung der Geschichte der sowjetischen Deutschen. Zu diesem Thema hat er noch zu Zeiten der schwer festgefahrenen UdSSR, im Jahre 1982, sein erstes Buch „Lose Blätter“ publiziert. Bereits nach einem Jahr erschien sein zweites Buch „Panorama der sowjetdeutschen Literatur“ – Literaturgeschichtlicher Überblick. Anschließend hat Erlich fünf Jahre lang Grundlagenforschung betrieben, welche im Jahr 1988 in Alma-Ata unter dem Namen „Lebendiges Erbe. Aufzeichnungen zur Siedlungsgeographie und Kulturgeschichte der Deutschen in Russland und der Sowjetunion“ das Licht der Welt erblickte. Das Buch wurde in Fragmenten in russischer Übersetzung in der Zeitung „Freundschaft“ veröffentlicht. Das Buch, welches noch in der Vor-Perestroika-Zeit geschrieben wurde, war und bleibt die einzige, die vollständigste und stärkste Untersuchung in der Geschichte der russischen Deutschen in der gesamten Nachkriegszeit. In diesem Buch tritt K. Erlich nicht nur als Historiker auf, sondern auch als Politiker. Mit dem Material dieses Buches erlangte Erlich im Jahre 1990 in der noch nicht zerfallenen DDR den akademischen Grad des Doktors der Geschichtswissenschaften. Sich fortwährend mit der Problematik der sowjetischen Deutschen auseinandersetzend, schloss sich Konstantin Erlich, von Kopf bis Fuß ein Sohn unseres leidgeprüften Volkes, rechtmäßig dem politischen Prozess an der Rehabilitierung seines Volkes an. Mit der verantwortungsvollen Aufgabe des Chefredakteurs der republikanischen deutschen Zeitung in Kasachstan, wo die Hälfte aller deportierten Deutschen der UdSSR lebten, war Erlich natürlich an gewisse, kaum spürbare Grenzen des Systems gebunden, die man zu jeder Zeit achten musste. Deshalb konnte er nicht offen Kritik gegen dieses System äußern, so wie andere Aktivisten in der Bewegung zur Rehabilitierung der Deutschen am Ende der 80er Jahre. Und doch, einer der durchschlagenden Momente in der Entstehung der Nationalbewegung der Deutschen in der UdSSR wurde die Veröffentlichung des Interviews mit Genrich Grout, dem Vorsitzenden des „Koordinationszentrums der sowjetischen Deutschen zur Wiederherstellung der Autonomen Sowjetrepublik der Wolgadeutschen (dem Vorläufer von „Wiedergeburt“) in der Zeitung „Freundschaft“ am Ende des Jahres 1988. Durch diese Publikation von Konstantin Erlich wurde das ganze Drama des Schicksals der sowjetischen Deutschen öffentlich gemacht und ferner ein Handlungsprogramm zur Rehabilitierung des verfolgten Volkes gefordert. Einen solch mutigen (ebenso vollständig durchdachten und wohlüberlegten), politischen Schritt gab es bis dahin in noch keinem Verlag der UdSSR. Nach dieser Veröffentlichung des Programms erfuhr die Nationalbewegung der Deutschen in der UdSSR den notwendigen Anlauf, welche die russischen Deutschen im März 1989 in Moskau zur offiziellen Gründung der Gesellschaft der sowjetischen Deutschen „Wiedergeburt“ führte. Übersetzung: Philipp Dippl
Genrich Ejchler Veröffentlicht in 13. Februar 201921. Mai 2019 Genrich Leopoldowitsch Ejchler (1900-1953) stammte aus dem Lehrerumfeld der Stadt Karaganda der 40er und 50er Jahre des letzten Jahrhunderts. Ich wollte gerne, da ich schon im reifen Erwachsenenalter bin, einen Blick auf das reiche Archiv unseres Lehrers werfen. Es half mir die Witwe von Genrich Leopoldowitsch, Nina Fedorowna Chodnja, Ärztin und Aspirantin der Medizin. In zwei Abenden, in denen wir kaum das halbe Archiv sichteten, trug ich genug Material für eine Zeitungspublikation zusammen. Sie erschien in der Zeitung „Industrielles Karaganda“. Die Mitautoren waren B. S. Waisberg, Schulabsolvent des Jahres 1951 der Schule Nr. 3, und R. A. Kleschew, der die Schule Nr. 1. abschloss. Als Einwohner von Petersburg stand G. Ejchler mit 16 Jahren auf der Seite des aufständischen Volkes und stürmte das Winterpalais. Er kämpfte gegen die Weißen bei Swijaschsk und bei Kiew, er verteidigte Petrograd gegen Judenitsch, die ganzen drei Jahre lang, die der Bürgerkrieg loderte. Danach kamen fruchtbare Arbeitsjahre in sowjetischen Behörden, in Redaktionen von Journalen in Novosibirsk und Jekaterinburg, im Volkskommissariat für Bildung der Russischen Sozialistischen Föderativen Sowjetrepublik, er lernte die Krupskaja kennen und arbeitete unter ihrer Leitung. Gleichzeitig studierte G. L. Ejchler aktiv. Er erhielt das Diplom für den Abschluss des Studiums der Arbeiter des sowjetischen Baugewerbe an der Kommunistischen Universität. Extern legte er Studienprüfungen an der MGU ab, im Jahr 1933 schloss er die Aspirantur am Programm-methodischen Institut des Volkskommissariats für Bidlung der RSFSR ab. Die Dokumente erzählen, dass Ejchler einer der Organisatoren eines Kinoverlages für Kinder und Jugendliche war. Genau hier wurde Genrich Leopoldowitsch als Redakteur bekannt und verdienten sich solche Schriftsteller wie B. Schitkow, L. Kassil, S. Marschak, E. Blaginina, N. Ilina und andere einen Namen. In den zehn Vorkriegsjahren redigierte Ejchler die Bücher des Verlages „Junge Garde“ und war Redakteur des Kinderverlages und Journals „Wissen ist Stärke“. Genrich Leopoldowitsch war der erste Redakteur der Werke des jungen Konstantin Paustowskij, woran sich der Schriftsteller mit Dankbarkeit auf den Seiten seines letzten „Buches der Irrfahrten“ erinnerte: „Kara Bugas“ gab der Kinderbuchverlag heraus. Der Redakteur war der frühere baltische Seemann Genrich Ejchler. An ihn können sich alle sogenannten „Kinderbuchautoren“ der alten Generation gut erinnern. In den 30er Jahren begann der Kinderbuchverlag mit der Herausgabe der Bücherserie „Schulbibliothek“. G. L. Ejchler nahm an der Redaktion von über hundert Büchern dieser Serie teil und hat sich oft mit A. M. Gorki getroffen – Aleksej Maksimowitsch hat eine sorgfältige Auswahl an Literatur für Kinder getroffen. Die Aufzeichnungen der Gespräche mit A. M. Gorki sind auf den Seiten Ejchlers erhalten, ebenso wie die Aufzeichnungen der Treffen mit L. M Rejsner, V. V. Majakovski und anderen Schriftstellern. Nach Karaganda kam G. L. Ejchler, der talentierte Redakteur und Pädagoge, aus dem Dorf Litwinowskoje im Kreis Osakarowsk, wohin er als Deutscher aus Moskau im Herbst 1941 gebracht wurde. Weder die Ehe mit der Ärztin Nina Fedorowna Chodnja, noch die noch vor dem Krieg verteidigte Doktorarbeit konnte ihn retten. Im Kreis Osakarowsk wurde geplant, 4400 Deutsche unterzubringen. Ejchler war mütterlicherseits Russe und hätte sich Andrej Jegorow nennen können, hätte ich nicht mit 16 Jahren beim Eintritt in die Partei der Bolschewiken den Nachnamen des Vaters gewählt, begeistert von den Ideen der Weltrevolution und von den Abbildern der berühmten deutschen Revolutionäre. Nach Karaganda konnte Ejchler im Jahr 1948 übersiedeln, er hat Literatur an der Schule Nr. 3 unterrichtet. Der Direktor der Schule L. I. Agranowski (1918-1986) jubelte. G. L. Ejchler ergänzte die Reihe der Lehrexperten. Die stellvertretende Schulleiterin B. Ja. Schpajcher freundete sich mit der Ehefrau des Lehrers N. F. Chodnja an. In der Schule Nr. 3 haben in dieser Zeit E. Ja. Karasjowa, I. A. Kolywanow, B. K. Riss, N. K. Lokschin, M. I. Rewina, W. G. Wasilenko, Ch. O. Olschabaewa, N. N. Panarina, G. U. Kagermanow und W. E. Gurina unterrichtet. Das Mitglied der Partei der Bolschewiken seit 1917 Genrich Leopoldowitsch betonte in Unterrichtsstunden und Vorlesungen, er war auch Lektor im Stadtkommittee der Partei Karaganda, immer die herausragende Rolle W. I. Lenins im Aufbau der UdSSR. Seine Schüler hat Genrich Leopoldowitsch auch nach der Schule nicht vergessen. Er führte Briefverkehr mit dutzenden Absolventen, half allen in schweren Lebenssituationen, denen er helfen konnte. Für den großen Beitrag zur Bildung der Jugend wurde G. L. Ejchler in Karaganda mit der Medaille „Für die verdiente Tapferkeit“. Der später schwer erkrankte G. L. Ejchler verlor nie seinen Optimismus. In einem seiner Briefe an E. Rusakowa schreibt er: „Ich klammere mich an das Gleiche Wunder, an das die sich geklammert hatten, die im Krieg von den Toten auferstanden sind – der große Wille zum Leben, die Liebe zum Leben und zu den Menschen, und das Gefühl der parteiischen Verantwortlichkeit, wenn man das so sagen kann. Ich denke, man muss ein Mensch für andere sein, solange nicht die letzten Kräfte versagen – im Namen der Zukunft, in welche ich im tiefsten Kern glaube. In meiner jetzigen Arbeit liegt das Leben, der Sinn, die Pflicht der Partei. Ich weiß jetzt, was möglicherweise die wirklich schwierigste Arbeit ist: die Erziehung der neuen Menschen. Davon bin ich hingerissen. Wenn ich unter meinen Schülern und Zöglingen bin, wenn ich mit Sachen für Sie beschäftigt bin, dann vergesse ich völlig meine Stellung. Und wissen Sie was? Von mir erzählen können nur meine Schüler…“ L. Ejchler starb im Februar 1953. Die ganze Schule verabschiedete sich von diesem strahlenden Menschen. Gefesselt und emotional bleibt er in der Erinnerung seiner Schüler, heutige mit einstimmiger Meinung, dass das bewegte Leben von G. L. Ejchler in Karaganda und Im Gebiet Karaganda nicht in Würde bewertet wird. Die Versuche, den Namen G. L. Ejchlers in das regionale enzyklopädische Handbuch aufzunehmen, blieben im Jahre 1986 und auch in 2008 erfolglos. Das handschriftliche Erbe von G. L. Ejchler zerstreute sich durch findige Hände, es wurde zum Handelsgegenstand. Im Jahr 2005 besuchte ich in der Schule Nr. 3 das Absolvententreffen verschiedener Jahrgänge. Nach den Feierlichkeiten gingen sieben „Mohikaner“ auf den alten Michailowsker Friedhof. An den Gräbern von Genrich Leopoldowitsch und Nina Fedorowna ist ein dickes Gestrüpp aus wilden Rosen grün geworden… Die klare, aufrechte, vertraute Stimme von Genrich Leopoldowitsch Ejchler erklingt weiter in meiner Erinnerung. Übersetzung: Philipp Dippl
Vladimir Ejfert Veröffentlicht in 13. Februar 201921. Mai 2019 Vladimir Aleksandrowitsch Ejfert 81884-1960) war Künstler. Er wurde im August 1884 in Saratow geboren. Der Beginn seiner künstlerischen Tätigkeit fällt in de 1920er Jahre, als er im Jahr 1922 die Ausbildung in den künstlerisch höchsten Malateliers von Astrachan abschloss, wirkte er an der Schaffung der Bildergalerie namens Kustodiew mit. Im Jahr 1923 wurde er zur Arbeit nach der Parteilinie nach Saratow geschickt. Im Jahr 1926 wurde vom Zentralkommittee nach Moskau zur Arbeit im Volkskommissariat für Bildungswesen als wissenschaftlicher Sekretär abberufen. Zwischen 1926 und 1928 ist er Mitglied der Gesellschaft „Zhar-Zvet“. Die bevorzugten Genres der Mitglieder der Gesellschaft waren Landschaftsmalerei und Stillleben. Diesen Genres blieb er im Verlauf seines ganzen Lebens treu, dabei hat er sich nicht selten auch mit Porträten beschäftigt. Von 1928 bis 1931 war Ejfert Mitglied der Gesellschaft der Moskauer Künstler, welche die Malerei als Waffe zur aktiven Umgestaltung des Lebens und als vollkommene malerische Form auf der Suche nach der tieferen Bedeutung verstand. Hierin führte die Vereinigung der Künstler eine Freundschaft mit I. E. Grabar. In den 1930er Jahren arbeitete er als Antiquitätenexperte in den Handelsvertretungen der UdSSR in Deutschland und Frankreich, von 1936 bis 1939 als Direktor des GMII namens A. S. Puschkin. Ab 1939 war Ejfert Mitglied der Moskauer Union der sowjetischen Künstler. Mit Beginn des Krieges wurde er als Deutscher in das Gebiet Karaganda geschickt. Der Künstler lebte einige Jahre lang in der Sowchose namens Puschkin, später zog er nach Karaganda. Hier arbeitete V. A. Ejfert als Künstler im Klub namens Kirow und leitete eine Malschule, wo seine Schüler die Künstler G. G. Gilewskij, A. Zoj, JU. S. Evseev und V. P. Busch waren. V. A. Ejfert starb im Jahr 1960 in Karaganda. Übersetzung: Philipp Dippl
Im Kampf gegen das Alter gewinnt… die Gesellschaft „Wiedergeburt“ Veröffentlicht in 8. Februar 201930. Juli 2020 Die öffentliche Vereinigung „Wiedergeburt“ Ostkasachstan (Region Ridder) baut die zielgerichtete soziale Hilfe aus. In neun Jahren Arbeit haben mehr als 1400 ethnische Deutsche Hilfe erhalten. Nach den Worten von Olga Kloster, der Koordinatorin der Sozialarbeit, sind alle wichtigen Projekte der Gesellschaft Ridder mit Unterstützung durch die Bundesregierung Deutschland verwirklicht worden. Die Zielgruppe sind frühere Arbeitssoldaten, alte Menschen, Familien mit vielen Kindern, Behinderte und Familien mit geringem Grundeinkommen. Aktuell bleibt die Beschaffung von Medikamenten und medizinischer Ausrüstung, sowie die Dienstleistungen von Zahnersatz eine offene Frage. Diese Unterstützung erfolgt in der Region Ridder, sowie in den Regionen Glubokowsk, Schemonaichinsk und Ulansk. – In allen unseren Projekten – wie Olga Kloster anmerkt – sind sachkundige Spezialisten beteiligt, die Erfahrungen in Kasachstan, Russland und Deutschland gesammelt haben. Insbesondere gefordert sind solche Initiativen zur Unterstützung der ethnischen Deutschen wie „Pflege für das Haus“, „Die Schule des dritten Alters“, „Soziale Hilfe“ oder „Seniorenakademie“. Mit großem Dank reagieren die älteren Menschen auf die Hilfeleistungen wie „Pflege für das Haus“, welche von Tatjana Bogdaewa und Tatjana Kolesnikowa durchgeführt werden. Olga Kloster erzählt über ihre Arbeit: „Ich biete Beratung an zu Fragen der Rechtssituation zur Rehabilitierung von Opfern der politischen Massenrepressionen, ich übernehme notwendige Auskünfte zu Wohnbedingungen, ich überwache die jährlichen Aktualisierungen der Bankgeschäfte der jeweiligen Arbeitssoldaten, Mittellosen, Behinderten und Mitgliedern ihrer Familien. Außerdem arbeite ich eng zusammen mit den Dorf- und Regionalverwaltungen und den Behörden für Sozialleistungen“. Für die erfolgreiche Umsetzung all dieser Pläne muss man Freiwillige aus der Gruppe der aktiven Mitglieder gewinnen. In dem Dorf Glubokoe ist das Anna Skosarewa, imk Gebiet Ulansk Jekaterina Satymbaewa, in Schemonaichinsk Wera Sobolewa, in der Stadt Ridder Nadeschda Bener. Sie alle sind verantwortungsvolle und aktiv arbeitende Menschen. Die Vertreter der deutschen Ethnie erhalten rechtzeitig und umfassend Informationen zur Arbeit der Gesellschaft, um ihr Umfeld zeitnah miteinzubeziehen, in das gesellschaftliche Leben einzubinden, um die älteren Menschen aktiv in kulturelle Freizeitaktivitäten zu engagieren, Vorträge von Ärzten, Exkursionen, Ausstellungen anzubieten und an staatlichen und nationalen deutschen Feiertagen teilzunehmen. – Viele unserer Pläne würden nur auf dem Papier existieren, – merkt Olga Kloster an – wenn es nicht die Unterstützung der Bundesregierung Deutschlands gäbe. Sie ist unbezahlbar. Ebenso darf man auch die große Unterstützung der Sponsorin Galina Gildermann nicht unbemerkt lassen, der Vorsitzenden des Verwaltungsrates und Deputierte des Stadtparlamentes. Auch die Unternehmerin Swetlana Wolzhenina unterstützt uns. Zweifellos begünstigt alles, was die Gesellschaft unternimmt, der Verbesserung der Lage der verletzlichen Schicht der deutschen Bevölkerung und erhöht die Lebensqualität der älteren Menschen. Andrej Kratenko Übersetzung: Philipp Dippl
Sich zu erholen ist gut, und sich nutzbringend zu erholen, sogar noch besser! Veröffentlicht in 8. Februar 201930. Juli 2020 Die Winterferien verliefen für die Jugendlichen aus unserer Region, den Mitgliedern des Vereins der deutschen Jugend „Spitze“ der Stadt Schachtinsk, genauso wie für die Vereine der deutschen Jugend der Städte Karaganda und Saran lebhaft und fröhlich, und das wichtigste – sie waren nützlich. In dem Erholungsheim „Zhosaly“ in der Stadt Karkaralinsk wurde die Jugendsprachfreizeit „Winter-UNI: Weg zum Erfolg“ veranstaltet, für welches die Organisatorin Kristina Samosledowa, die Leiterin des deutschen Zentrums „Wiedergeburt“ in Schachtinsk verantwortlich war. Das Programm war so aufgebaut, dass der Lernprozess fröhlich und interessant ablief. Jeder Zuhörer, der Deutsch lernte, hat dabei noch seine Gesundheit und seine Kräfte gestärkt. Der Unterricht fand in der Form des Sprachniveaus A1 statt, es wurden Lernmaterialien ausgegeben, Audio- und Videoformate sowie moderne Unterrichtstechnik verwendet, ebenso haben die Zuhörer in den Werkstätten „Selbstentwicklung“ (Training zur Persönlichkeitsentwicklung zur Entwicklung von Führungsqualitäten), „Kunstwerk“ (Kreativarbeit) und „Teambuilding“ (Sporteinheiten und Spiele) gearbeitet. Am letzten Tag haben die Kinder Prüfungen und Examen abgelegt, auf dessen Ergebnisse sie die Teilnahmeurkunden und die Zeugnisse der Probeexamen für Deutsch A1 überreicht bekamen. Diese haben 95% der Teilnehmer erfolgreich abgeschlossen. Die Kinder haben sich so sehr miteinander angefreundet, dass sie sich nun gegenseitig besuchen, zusammen Zeit verbringen und gemeinsame Pläne für die Zukunft schmieden. Kristina Samosledowa Übersetzung: Philipp Dippl
Arzt zu sein ist eine Berufung Veröffentlicht in 8. Februar 201930. Juli 2020 Ewgenij Timofeew ist Chirurg, HNO-Arzt und seit 2018 Koordinator der sozialen Projekte der öffentlichen Vereinigung der Deutschen „Wiedergeburt“ in der Stadt Semej. Der Arzt mit achtjähriger Arbeitserfahrung teilt die Geheimnisse eines guten Wohlbefindens mit den Menschen der älteren Generation. Heute existiert eine große Anzahl an Informationsquellen über die Gesundheit: Zeitungen Journale, Bücher und das, wohin wir uns meistens mit jeglichen Fragen wenden – das Internet. Und gerade dort bekommen wir nicht immer richtige Auskünfte. Die Gebrechen, mit denen sich die älteren Patienten meistens an den Chirurgen wenden, sind Osteoporose, Arthrose und Oberschenkelhalsbrüche. Arthrose ist die Veränderung der Gelenkoberfläche, die zu einer Verletzung der Gelenkbeweglichkeit führt. Oftmals entsteht sie in den Knien aufgrund von Übergewicht, welches eine große Belastung auf die jeweiligen Gelenke ausübt, welche dann absacken. Es ist daher wichtig, in seinen Speiseplan Lebensmittel mit Kollagen aufzunehmen, Sülze in Aspik oder Marmelade. Ewgenij Igorewitsch erinnert daran, dass für ein gutes Selbstbefinden in jedem Fall eine aktive Lebensweise wichtig ist, man sollte Turnübungen machen, Stresssituationen vermeiden, sich gesund ernähren und versuchen, bei schlechtem Wetter zuhause zu bleiben, genauso sollte man sich immer rechtzeitig an einen Spezialisten wenden. In der Gesellschaft der Deutschen kann man mit jedweder Frage zu Ewgenij Igorewitsch kommen, er wird gewissenhaft zuhören und Empfehlungen geben, an welchen Arzt man sich wenden sollte oder wie man sich selbst helfen kann. Er hält Vorträge in der „Schule des dritten Alters“, gibt Ratschläge und zeigt verschiedene Übungen aus dem Gymnastikprogramm für Augen, Ohren und Finger. Ewgenij Igorewitsch trifft sich mit allen seinen Patienten und verabschiedet sie mit einem Lächeln auf den Lippen, wünscht eine Erstarkung für den Organismus durch Ruhephasen, und das wichtigste – positiv denken, schließlich hängt von unseren Emotionen vieles im Leben ab. Verlieren Sie nicht den Glauben in sich selbst und ihre Kräfte, und bleiben Sie immer gesund! Marija Gorbatschjowa Übersetzung: Philipp Dippl
Lieben bis zum Ende Veröffentlicht in 8. Februar 201930. Juli 2020 Die Premiere des Theaterstücks „Kalter Tango“ hinterließ eine Masse an Emotionen, mit welchen sich die Zuschauer nicht zurückhielten: es gab Tränen, stehenden Applaus und Stolz. Stolz auf das, wie gewöhnliche Schüler aus Aktöbinsk die Atmosphäre der Kriegsjahre vermitteln können. Im Juni 2017 kam das Kriegsdrama von Pawel Tschuchrai „Kalter Tango“ auf die große Leinwand. Es ist ein schwieriger Film, seine Bedeutungslast zwingt den Zuschauer dazu, nicht nur das Erlebte der Filmhelden mitzufühlen, sondern auch sich aller Ungerechtigkeiten und Belastungen zweier Regime bewusst zu werden: dem faschistischen und dem stalinschen. Ein Jahr später entschied sich Diana Schurygina, zu dieser Zeit noch Schülerin der Zehnten Klasse an der Schule Nr. 11 in Aktöbinsk dazu, eine kleine Vorstellung zum Tag des Sieges vorzubereiten. „Als ich den Film zum ersten Mal gesehen habe, tat es mir im Herzen weh, jeder Moment stach direkt in die Seele. Anschließend habe ich verstanden, dass ich mehr will, als eine einfache Vorstellung für einen Wettbewerb. Aber alleine würde ich das nicht schaffen, darum habe ich mich an die Leiterin der deutschen Theaterwerkstatt Inna Woloschina gewendet“ – erinnert sich Diana. Bis zur Verwirklichung der Idee vergingen für die Schüler einige Monate: die seltenen Proben (praktisch die ganze Zeit wird für den Schulunterricht und zusätzliche Schulstunden verwendet) wurden durch den großen Wunsch, die Beharrlichkeit und den Fleiß jedes Teilnehmers ausgeglichen. Und vor kurzem fand im Saal des Hauses der Freundschaft die Premiere statt… Krieg ist ein schlimmes Wort, aber noch fürchterlicher war es für die, die ihn durchleben mussten. Das ist nicht nur der Tod auf dem Schlachtfeld, das ist auch Hunger, Schrecken, Misstrauen, Mutmaßungen… außerhalb des Theaters der Kriegshandlungen. Maks ist Jude, der als Kind die faschistische Invasion in Litauen erlebt hat. Zusammen mit seiner Schwester und Mutter wurde er in ein Lager verschleppt, aber ihm gelang die Flucht. Als er nach Hause zurückkommt, entdeckt er dort fremde Menschen. Sie lassen ihn übernachten, als er erzählt, dass alle seine Verwandten erschossen wurden. Wie sich später herausstellt, wird dies eine schicksalshafte Nacht. Die Tochter der neuen Hausherren Lajma, eine Altersgenossin von Maks, spürt Sympathie für den glücklosen Jungen. Viele meinen, dass es zu früh ist, in solch jungem Alter über die Liebe zu reden, aber die Kinder denken anders. Ein heller Geistesblitz, der aber (in diesem Moment) nicht in etwas größeres heranwachsen kann. Ein Streit zwischen Lajma und Maks schafft eine Barriere zwischen den beiden. Es vergehen zehn Jahre. Maks, der jetzt bereits Offizier der NKWD ist, kehrt wieder in seine Heimatstadt zurück und trifft die, von der er in all den Jahren geträumt hat. Beide begreifen noch nicht, dass sie nicht zusammen sein können. In der Zeit der faschistischen Okkupation hat der Vater von Lajma in einer Kohlenmine gearbeitet. Jetzt ist er ein Volksfeind. Ihm droht die Erschießung. Für Maks ist sie die Tochter eines Verräters, der indirekt ein verhasstes Regime unterstützt hat. Ein Dilemma – Liebe oder Blutrache? Der junge Mann entscheidet sich für ersteres. Er möchte seine Liebe retten, bietet an zu fliehen, aber es ist bereits zu spät. Sie sind beide durch den Tod bedroht. Maks wird angeboten, einen Zettel zu unterschreiben und sich als Spion zu bezichtigen. Dafür versprechen die Tschekisten, das Mädchen freizulassen. Der Sträfling stimmt zu. In dem Moment, als er seine Unterschrift auf das Dokument setzt, entscheidet sich seine Lajma zum Selbstmord. Zwei Tage später wird Maks erschossen… Ein Spiel aus dem Herzen Ich dachte, solche Aufführungen sind noch zu schwierig für Schulkinder, aber ich habe mich geirrt. Die ganze Aufführung wurde in 40 Minuten gepackt, trotzdem bleibt das Gesehene noch einige Tage in mir stecken. Die Laienschauspieler haben so gut gespielt, dass niemand seine Emotionen zurückhalten konnte. Und das war auch nicht nötig. In solchen Momenten schämt man sich nicht für die Tränen… Der Bühnenpartner von Diana, Willi Amuchamedow (Maks) spielte glänzend! Nach seinen Worten war das allerwichtigste, die Emotionen des Helden genau wiederzugeben. „Es ist eine solch subtile Arbeit, die keine Fehler zulässt. Niemand weiß, wer wir in 10 oder 20 Jahren sein werden. Aber eines kann ich sicher sagen: das, was wir zusammen mit der deutschen Theaterwerkstatt machen, ist eine unbezahlbare Erfahrung, welche uns in Zukunft noch sehr nützlich sein wird. Und diese aufregenden Momente, diese Tränen, diese Emotionen! Von ihnen werden wir unseren Kindern und Enkelkindern erzählen“. Dmitri Schinkarenko Übersetzung: Philipp Dippl
Neue Ideen im Business Club der Deutschen Kasachstans Veröffentlicht in 2. Februar 20193. Juni 2022 Am 25. Januar fand in den Wänden der Gesellschaftlichen Stiftung „Vereinigung der Deutschen Kasachstans „Wiedegeburt“ (Astana) ein regelmäßiges Unternehmertreffen im Rahmen des Business Clubs statt. Bereits zum zweiten Mal wurde die Gesellschaft zu einer Dialogplattform für Geschäftsleute der Republik. Vertreter verschiedener Wirtschaftszweige, vom Dienstleistungssektor bis hin zu großen Produktionsunternehmen, kamen zusammen, um ihre Unternehmen vorzustellen, Geschäftsideen und Projekte auszutauschen. Albert Rau, Leiter der Selbstorganisation der Kasachstan-Deutschen, betonte die Bedeutung des Aufbaus der Beziehungen zwischen Unternehmern und der Selbstorganisation der Deutschen Kasachstans. Dies ist eine für beide Seiten vorteilhafte Zusammenarbeit, da die Gemeinschaft immer bereit ist, Geschäftsleuten bei der Suche nach Investitionen und Unterstützung auf politischer Ebene zu helfen. Unternehmer ihrerseits werden als aktivster Teil der Bevölkerung bei der Selbstorganisation in der Jugendarbeit, im Sozialschutz und in der Bildung immer nützlich sein. Vladimir Braun, Generaldirektor der SVS-Unternehmensgruppe, dem Marktführer des kasachischen Marktes für die Wartung von Lastkraftwagen, Lieferungen von Spezialausrüstung, Motorölen und Ersatzteilen, trat dem Unternehmerclub der Deutschen Kasachstans bei. Im Rahmen des Treffens wurden auch Präsentationen von Unternehmen wie der LS-Group, die Abdichtungs- und Brandschutzarbeiten und den Verkauf der entsprechenden Materialien durchführt, und ISC, das im Bereich der IT-Technologien tätig ist vorgetragen. Von großem Interesse war die Präsentation der Leiterin der Abteilung des Internationalen Menschenrechtszentrums (IHR) des Zentrums für Mediation in der Region Pawlodar, Olga Erlikh, die die Teilnehmer in die Methode der alternativen vorgerichtlichen Beilegung von Streitigkeiten durch Mediation einführte. Geschäftsleute teilten mit großem Interesse und Offenheit ihre Erfahrungen und ihr Wissen miteinander. Regelmäßige Treffen des Business Clubs werden nach Meinung von Veranstaltern und Teilnehmern auf jeden Fall dazu dienen, neue Kontakte zu knüpfen und gemeinsame Ideen umzusetzen.
Wirksame Sprache der Diplomaten Veröffentlicht in 18. Januar 201930. Juli 2020 Fast alle Wissenschaftler und Denker fordern die Erhaltung des sprachlichen Reichtums. Ihre Empfehlungen werden auch in der Sonntagsschule Aktyubinsk der Gesellschaft der Deutschen „Wiedergeburt“ befolgt, in der Grundkenntnisse der deutschen Sprache vermittelt werden. Deutsch wird traditionell als die Sprache der Diplomaten und Unterhändlern angesehen. Durch die in Etappen begriffene Studienkunst nähern sich die Deutschen mit besonderer Ehrfurcht und Respekt. Die Sprache des siebten Tages Eine der ersten Sonntagsschulen in Aktobe wurde 2006 von der Gesellschaft der Deutschen „Wiedergeburt“ organisiert. – Damals gab es in unserer Region keine vergleichbaren Bildungseinrichtungen, aber in Kasachstan gab es bereits ein Netzwerk von deutschen Sonntagsschulen. Wir haben uns die Arbeit unserer Kollegen angeschaut und beschlossen, die Erfahrung von Karaganda zu nutzen, – sagte der Organisator der Sonntagsschule und der Vorsitzende der Gesellschaft „Wiedergeburt“ Aktyubinsk, Inga Smolinets. – Bei der Beherrschung der deutschen Sprache als Muttersprache ist das Prinzip der Kontinuität und die Reihenfolge des Lernens von Kindheit an der wichtigste Faktor. Es ist wichtig zu vermitteln, dass es nicht nur notwendig ist, die Sprache als Werkzeug zum Erhalt der deutschen Identität zu studieren, sondern auch die Geschichte der Deutschen, ihre Kultur und ihr Leben zu verstehen und zu akzeptieren, um unsere Traditionen und Riten unserer Generationen zu durchlaufen. All dies ist ein wesentlicher Bestandteil der Erhaltung der ethnischen Kulturkomponente der Deutschen. Von Jahr zu Jahr steigt die Zahl der Menschen, die die Geheimnisse der deutschen Sprache erlernen möchten: Wenn die Sonntagsschule im vergangenen Jahr 17 Kinder besuchte, müssen in diesem Jahr zwei Altersgruppen eingeführt werden, d.h. mindestens dreißig Kinder. – Auch die Kinder, die letztes Jahr am Unterricht teilgenommen haben, haben sich gerne für den Unterricht angemeldet. Außerdem haben wir neue Schüler bekommen “, sagt Inna Voloshina, Lehrerin der Fächer Deutsche Sprache und regionale Geographie und Verantwortliche für den Kreativ-Workshop der Sonntagsschule „Denk´ mal!“. Es ist möglich, die Kinder sofort zu interessieren: das Alphabet in Form von Szenen zu studieren, „durch Länder zu reisen“ in Form von Theateraufführungen, Kunsthandwerk und kreativem Denken… die Lehrer sind für jede Lektion verantwortlich. Es scheint, wer will am Sonntagmorgen aufstehen und wieder am Schreibtisch sitzen? Aber Kinder kommen gerne hierher. Verschiedene moderne Techniken und Methoden des Deutschunterrichts ermöglichen es den Schülern, die Sprache viel schneller zu erlernen. – Jetzt haben wir eine ausgezeichnete pädagogische und methodische Basis, aber das Wichtigste ist, dass wir mit Seele und voller Verantwortung dafür lehren, dass Deutsch das Recht hat, die Traditionen des Lernens und Lehrens fortzusetzen! – behauptet Inna Anatolyevna. Konversationskurs Vor einem Jahr hatte der Elektronikingenieur Artyom Gurkovsky keine Ahnung, welche Möglichkeiten deutsche Sprachkenntnisse bieten würden. Seine Frau Lydia Wolf ist Deutsche, sie spricht ihre Muttersprache einigermaßen, aber ohne ständige Übung geraten viele Sätze in Vergessenheit. Also beschloss Artyom, an Gesprächen teilzunehmen. – Viele Leute denken, es sei Langeweile, am Schreibtisch zu sitzen und sich die Regeln und monotone Vorträge anzuhören. Es hängt alles von dem Lehrer und dem Zuhörer selbst ab, soweit er daran interessiert ist, die Sprache zu lernen. Von der ersten Stunde an habe ich mich in die Sprache, die Kultur der Deutschen, ihre Traditionen und ihre Küche verliebt “, sagt Artyom. Von September bis April beherrschte der Mann innerhalb ein paar Monaten die Sprache auf der Stufe A1. Dies erlaubte ihm, mit seiner Frau auf Deutsch und zu Hause zu sprechen. Artyom wird nicht damit aufhören, vor ein paar Wochen hat er sich wieder für Kurse angemeldet, jetzt in einer fortlaufenden Gruppe: – Wir haben drei Söhne, also haben sich die Ältesten auch für Kurse eingeschrieben. Deutschkenntnisse eröffnen zusätzliche Möglichkeiten für den Hochschulzugang. Ja, und überhaupt ist das Lesen der Literatur im Original viel schöner. Ich arbeite in einer Fabrik. Wir haben deutsche Geräte, jetzt kann ich die Anweisungen frei lesen, so dass es keine Ungenauigkeiten gibt. Die erfahrenste Lehrerin, Tatjana Epifanova, unterrichtet seit 22 Jahren Deutsch in der regionalen Gesellschaft „Wiedergeburt“ und hat sich als kompetenter und verantwortungsbewusster Spezialist etabliert. – Vor einigen Jahren ist das Interesse an der deutschen Sprache zurückgegangen, aber jetzt hat wieder ein Aufschwung seitens der Gesellschaft in Aktobe begonnen. Es ist erfreulich, dass sie sich nicht nur für die Sprache interessieren, sondern auch für die Traditionen und Bräuche der Deutschen, ihre Kultur. Kommen Sie zusammen mit ihren Familien. Deutschkurse der regionalen deutschen Gesellschaft werden übrigens mit finanzieller Unterstützung des Bundesinnenministeriums organisiert. Der Unterricht dauert mehrere Monate, es gibt sowohl Anfänger- als auch Fortgeschrittenenkurse. Der Unterricht wird dreimal wöchentlich angeboten. Löffel Teer Bis vor kurzem galt die Sekundarschule Nr. 11 als eine der ältesten in Kasachstan, wo Deutsch unterrichtet wird. Die erste Lektion in der Sprache von Goethe und Schiller bestand vor mehr als einem halben Jahrhundert. Durch ein gründliches Studium der deutschen Sprache konnten Absolventen einer Bildungseinrichtung renommierte Universitäten in Deutschland besuchen und in großen deutschen Konzernen und Unternehmen arbeiten. In den letzten zehn Jahren hat die Schule die engsten Verbindungen zu Lehrern deutscher Schulen und Universitäten hergestellt. – Leider hat die Schule, die sich auf die Dreisprachigkeit konzentriert, vor einigen Jahren die deutsche Komponente aufgegeben – Englisch hat sich als prioritär erwiesen. Der Deutschunterricht blieb eine Wahloption für Schüler der Klassen 5 bis 8, also zwei Stunden pro Woche “, sagt Inga Smolinets. – Die Basis- und Unterrichtsmaterialien sind ausgezeichnet. Es scheint, dass die deutsche Sprache viel von ihrer Position verloren hat, aber in diesem Jahr haben das Ministerium für Bildung und Wissenschaft und die gesellschaftliche Stiftung „Vereinigung der Deutschen Kasachstans „Wiedergeburt“ ein Memorandum unterzeichnet, das die ursprüngliche Position der deutschen Sprache in den Schulen wiederherstellen soll. – Wir werden versuchen, den Eltern der Kinder zu vermitteln, dass die Positionen der deutschen Sprache wiederhergestellt werden. Es gibt bereits eine vorläufige Vereinbarung mit dem Direktor der Schule Nr. 11 über die gemeinsame Arbeit in dieser Richtung, so dass wir im nächsten Schuljahr Gruppen von Erstklässlern für den Deutschunterricht einführen können“, betont Inga Nikolaevna. Dmitry Shinkarenko Übersetzung: Manuel Gross