Deutsche Lieder sind selbst in der Traurigkeit fröhlich

Mit 55 Jahren beginnt das Leben erst. So hat es Rawil Gafarow im letzten Jahr gesagt. Er erinnerte sich an das, was erreicht wurde. Er teilte seine Pläne mit. Und dann ging irgendetwas kaputt, machte dem Organismus zu schaffen. Der künstlerische Leiter siechte dahin, aber versuchte, das Äußere zu wahren. Er ging hinaus auf die Bühne, versuchte zu scherzen und zu lachen. Spielte und sang…

Durch die Kraft des Schicksals gelangte der Tatare Rawil Gafanow in das Dorf Michajlowka, wo die Deutschen einen großen Teil der Bevölkerung ausmachten. Gerade dort fühlte der junge Mann die Anziehungskraft zur deutschen Sprache und zu den Liedern.

– Die deutschen Lieder sind schön und melodisch, besonders in Dur, sie trauern sogar auf optimistische Weise, – sagte Rawil Uspanowitsch.

Zuerst hat er ehrenamtlich einen Liederkreis für deutsche Volkslieder geleitet, dann wurde er künstlerischer Leiter. Und vor 20 Jahren, im Jahr 1999, hat er Mädels zusammengetrommelt und begann, mit ihnen zu üben. Nach einem Jahr war „Veilchen“ so stark, dass es am ersten Fest der Völkerfreundschaft teilnahm, nur kurz darauf veröffentlichten sie ihre erste CD „Feierzeit“. Im Jahr 2008 erhielt der Chor „Veilchen“ den Titel des Volkes.

Das Repertoire ist erstaunlich: von Kompositionen des 17. Jahrhunderts bis zur Moderne, der Chor bleibt nicht auf der Stelle stehen, er wuchs und gedieh. Die Lieder erklangen auf Deutsch, Kasachisch, Russisch und Englisch. „Veilchen“ ist Gewinner von internationalen und landesweiten Wettbewerben, sie haben erobert und erobern die Herzen aller Liebhaber qualitativ hochwertiger Musik und Musik mit Seele. Alle diese Verdienste sind das Resultat der mühevollen Arbeit von Rawil Gafanow.

Er ist heute nicht mehr unter uns, aber seine Art und Weise und seine Stimme blieb nicht nur auf den Videoaufzeichnungen erhalten. Sie werden immer auftauchen, wenn die Rede auf „Veilchen“ ist. Nicht nur in Kasachstan, sondern auch weit über seine Grenzen hinaus weiß man: „Veilchen“, das ist Rawil Gafanow. Er hat sich völlig dem Chor der Entfaltung der deutschen Kultur gewidmet. Ruhe in Frieden, strahlender Mensch…

Übersetzung: Philipp Dippl

Wir sind für gutes Deutsch!

 Bereits zum vierten Mal haben die Zuhörer der Kommunikationskurse und -kreise für Erwachsene der Gebietsgesellschaft der Deutschen „Wiedergeburt“ in Pawlodar, die Mitglieder des Jugendvereins „Lenz“ und die Teilnehmer der Kindersprachkreise die allrussische offen Aktion „Tolles Diktat“ unterstützt, welche seit 2013 mit dem Ziel der Verbreitung der deutschen Sprache und der Entwicklung einer hohen Schriftsprache stattfindet.

In diesem Jahr haben bei der Aktion 213 Erwachsene und 70 Kinder aus Pawlodar, Ekibastuz, Aksu und den Dörfern Rozkowka, Lugansk, Nowotschernojarka, Uspenka und Scherbakty im Gebiet Pawlodar teilgenommen. Im Vergleich zum letzten Jahr hat die Zahl derer, die ihre Schreibkompetenz überprüfen wollen, zugenommen, viele haben nicht zum ersten Mal mitgemacht. Die „Schüler“ haben mit Freude Diktate geschrieben, jeder wollte sein Niveau in der deutschen Grammatik herausfinden. Man muss anmerken, dass das Publikum Repräsentanten verschiedener Altersgruppen beinhaltete. Das sind Kinder, Heranwachsende, Jugendliche, Erwachsene, die jüngsten sind 11 bis 12, und die ältesten über 70 Jahre alt. Ein Diktat schreiben ist nicht einfach, aber erfreulicherweise haben sieben Teilnehmer nicht einen einzigen Fehler gemacht.

„Es war interessant, seine Kenntnisse einzuschätzen, solch eine Arbeit hilft, die Regeln zu festigen und sich die Wörter zu merken“, sagt Anna Efimenko aus Ekibastuz. „Ein sehr interessantes und hilfreiches Projekt, es regt das bewusste Streben zur Verbesserung der Schreibkompetenz an“, – bestätigen Swetlana Gess und Walentina Iwaschenko. „Das Diktat ist aufschlussreich und interessant. In einem kleinen Text haben wir das Schicksal des deutschen Theaters in Kasachstan seit seiner Gründung im 17. Jahrhundert bis zur Wiedergeburt im Jahr 1980 nachverfolgt“, – teilt Ljudmila Zolotarewa aus Ekibastuz mit.

„Ich denke, dass dies eine notwendige Aktion ist, sie hilft, sein Sprachniveau zu überprüfen, sie fördert die Entwicklung der Schreibfertigkeiten. Bei der Teilnahme verstehst du, was das ist, deutsche Identität, du spürst deine Zugehörigkeit zu ihr“, – meint Marija Wiktorowna Schmidt aus dem Dorf Uspenka. Und tatsächlich waren die Texte aller Schwierigkeitsstufen den russischen Deutschen und ihrer Kultur gewidmet.

Wir hoffen, das es uns mit unserer Teilnahme gelungen ist, einen Beitrag zur Verbreitung der deutschen Sprache in Kasachstan zu leisten.

Nadezhda Stepanowa, Betreuerin der Deutschkurse

Übersetzung: Philipp Dippl

Mit 60 Jahren beginnt das Leben erstaunlich

Im städtischen Haus der Freundschaft in Semej fand die feierliche Eröffnung des „Zentrums für aktives Älterwerden“ statt.

Die öffentliche Vereinigung der Deutschen „Wiedergeburt“ arbeitet seit einigen Jahren aktiv mit der älteren Generation der Gesellschaft zusammen. Es gibt verschiedene Zirkel und Kurse: der „Verein der Senioren“, „Kurse für Computerkompetenzen“, die „Schule des dritten Lebensalters“, den „Nordic-Walking-Club“, ebenso findet sehr viel Arbeit im sozialen Bereich statt. Am Tag der Eröffnung haben die Lehrkräfte der deutschen Vereinigung ihre Erfahrungen in der Arbeit mit älteren Menschen mitgeteilt.

Die Repräsentanten des starken Geschlechts bemühten sich, miteinander Schach oder Dame zu spielen. Diese Hälfte hat sehr gut aufgezeigt, welche Übungen zur gesundheitlichen Unterstützung des Körpers man selbst durchführen kann, und welche man lieber in der Sporthalle durchführen sollte.Die Gesangsgruppen der Stadt, der „Chor der Veteranen“ und „Quelle“, haben alle mit Gesangsnummern erfreut und demonstriert, wie Singen die Gesundheit verbessert und das Leben verlängert. Während sie ihre Kunstfertigkeiten in verschiedenen Aktivitäten demonstrierten, haben die Menschen der älteren Altersgruppe versucht, alle Versammelten davon zu überzeugen, dass man ungeachtet des Alters, egal ob du 50 oder 70 bist, neue Talente entwickeln einen aktiven Lebensstil führen kann.

Swetlana Kirdjaschkina, die Leiterin des „Nordic-Walking-Clubs“, erzählte allen über den Nutzen dieser Sportart für die ältere Generation und teilte mit allen die Geheimnisse der Gesundheit, des langen Lebens und der guten Laune.

„Nordic Walking existiert noch nicht sehr lange, circa seit 20 Jahren. Sein Pate war ein finnischer Skiläufer. Um seine physische Kondition zu aufrechtzuerhalten, hat er angefangen, im Sommer mit Stöcken auf Asphalt, Kies, Sand, u.s.w. zu laufen. Es hat sich gezeigt, dass diese Art der Belastung sehr effektiv ist, weil nicht nur der untere Teil des Körpers beansprucht wird, sondern auch hochgelegene Schlüsselstellen.

Mit jedem Tag wird Nordic Walking populärer. Heute können wir „Skandinaviern“ in Grünanlagen, Parks oder an Uferpromenaden begegnen. Es ist eine zugängliche Sportart, weil von Menschen jeden Alters durchgeführt wird. Außerdem ist sie ungefährlich: Sie gehen mit Stöcken – die Beine sind durch die Stöcke gestützt. Der Nutzen ist gegen viele Krankheiten spürbar. Und auch finanziell ist es keine Last, man braucht kein Abonnement im Fitnessstudio, man braucht keine Spezialausrüstung. Im Zeitaufwand ist es bequem: wenn Sie es nicht schaffen, an Übungsgruppen teilzunehmen, können Sie individuell üben. Technisch ist es sehr zugänglich, schon 2 bis 3 Stunden mit einem Trainer reichen, und Sie beherrschen schon alles. Wenn wir über die medizinischen Aussagen reden, ist es notwendig, anzumerken, dass Nordic Walking das Herzgefäßsystem, den Bewegungs- und Stützapparat, das Muskelsystem und alle anderen Organe stärkt. Heute empfehlen viele Ärzte Menschen mit Bluthochdruck genau diese Sportart, weil diese diese Bewegungsart die Verringerung des Blutdrucks befördert. Auch Diabetiker können den Sport ausüben, im Allgemeinen gibt es praktisch keine Grenzen, aber nur ein Arzt und ein Trainer können Ihnen die Trainingsintensität und die Trainingsdauer zeigen, welche Sie mit Ihren Erkrankungen für diesen Sport aufwenden können.

Und das allerwichtigste ist, es ist nie zu spät damit zu beginnen, sich selbst die nötige Zeit zu schenken. Sie haben Ihr ganzes Leben gearbeitet, Kinder großgezogen, jetzt kümern Sie sich um die Enkel. Jeder von Ihnen hat Respekt verdient und kann sich erlauben, sich mit geliebten Dingen zu beschäftigen, sich mit Gleichgesinnten auszutauschen und neue Interessen und Hobbys zu finden. Ich wünsche allen gute Gesundheit, Glück und Freude über jeden verlebten Tag“, – betont Swetlana Kirdjaschkina.

Ungeachtet dessen, dass das Zentrum eben erst seine Türen geöffnet hat, hat es große Pläne und Ideen. Wir hoffen, dass es uns mit gemeinsamen Kräften gelingt, einen großen Teil der älteren Bevölkerung für einem aktiven Lebensstil zu gewinnen.

Marija Gorbatschjowa

Übersetzung: Philipp Dippl

„Qonaq qelse, qut qeler“ – „Gast im Haus – Glück im Haus“

Gastfreundschaft liegt dem kasachischen Volk im Blut. Davon erzählt seine langjährige Geschichte. In einer kasachischen Familie wurde für Gäste schon immer ein reichhaltiger Dastarchan eingedeckt und und ihnen waren die Ehrenplätze vorbehalten. Die Zeit vergeht, aber die Traditionen bleiben.

In unserem Staat leben 18 Millionen Menschen in Frieden und Eintracht, Repräsentanten verschiedener Ethnien, die sich mit Respekt und Achtung dem kasachischen Volk gegenüber verhalten, seinen Bräuchen und seiner Kultur. Darüber muss man unbedingt reden am Tag der Dankbarkeit. Veranstaltungen zu Ehren des Feiertags fanden überall in unserer multinationalen Republik statt. Im Haus der Freundschaft in Almaty fand ein Festkonzert statt, dessen Gäste wundervolle Aufführungen der Welt- und der heimischen Klassik, Auftritte von Artisten und Repräsentanten der ethnokulturellen Vereinigungen genießen konnten.

In der Stadt Taraz im Palast der Versammlung des Volkes Kasachstans fand ein glänzendes Konzert statt, an welchem die Mitglieder des Vereins der deutschen Jugend „Juwel“ teilgenommen haben. Das Programm beinhaltete Theateraufführungen, sowie Musik- und Gesangsnummern.

Die Leiterinnen des Jugendvereins der Stadt Semej Aljona Talanowa und Olga Beder haben ein kleines Zusammentreffen aus Anlass des Tages der Dankbarkeit organisiert. Es fand die Aufführung  eines sozialen Videofilms statt, und die Anwesenden konnten einer Geschichte aus dem Leben von Gertrude Platajs über die die Barmherzigkeit der Kasachen lauschen.

Die aktiven Mitglieder des Vereins „Diamant“ und der Vorsitzende der Gesellschaft der Stadt Astana und des Gebietes Akmola Igor Berg haben an einer Veranstaltung zum Tag der Dankbarkeit teilgenommen, bei der sie Blumen an dem Monument „Қазақ халқына мың алғыс“ niedergelegt haben.

Die Mitglieder des Jugendvereins „Lenz“ besuchten den „Unterricht der ethnischen Kultur“, der an der PGU stattgefunden hat. Dort haben sie einen Vortrag darüber gehört, wie das kasachische Volk zu Zeiten der Deportation den Angehörigen verschiedener Ethnien Hilfe und Unterstützung leistete, die unter Zwang umgesiedelt wurden.

Der Tag der Dankbarkeit ist ein Tribut an die Einheit, an den Frieden und die Harmonie in unserer Geschichte.

Kristina Libricht, Ekaterina Lojtschenko

Übersetzung: Philipp Dippl

Knie nieder vor diesem Boden

 Deportierung… dahinter standen verschiedene Ereignisse. Aber es gibt keine Rechtfertigung dafür, dass auf dem Weg Kinder und Alte starben. Für viele wurde die Hungersteppe der neue Wohnort… Gut, wenn es Sommer ist: das Weidefutter rettet, die formbare Erde gewährt Unterkunft, erlaubt es, eine Erdhütte zu graben. Und wenn es Winter ist…? Wahrscheinlich war es der Wille des Allmächtigen: deportiert in die Große Steppe. Denn Barmherzigkeit und großes Mitgefühl schlummert im Herzen des Kasachen.

Der Tag der Dankbarkeit. Dieser nationale Feiertag verbirgt die sowohl die Tränen des Glücks, als auch die Tränen der Trauer. Wie alles ablief auf der Veranstaltung „Tag der Dankbarkeit“ – „Алғыс айту күні“ der Versammlung des Volkes Kasachstans der Oblast Pawlodar.

Ida Smirnowa (Majbach), die Älteste der Gesellschaft der Deutschen „Wiedergeburt“ Pawlodar, erzählt: „Ich war überhaupt erst zwei Monate alt (Meine Mutter hatte sechs von uns Kindern), als die Familie aus Saratow deportiert wurde. Ich weiß aus Erzählungen, dass wir in Viehwaggons transportiert wurden. Nach der langen, beschwerlichen Reise nach Kasachstan wurde Papa und der älteste Bruder (16 Jahre) in die Arbeitsarmee mitgenommen. Wir sind in der Kolchose namens Thälmann gelandet. Uns hat man bei einer 80 Jährigen, deutschen Großmutter einquartiert, deren Tochter sich ebenfalls in der Arbeitsarmee befand. Bei ihr lebten vier Enkelkinder. Sie gaben uns ein Zimmer. Von den Sachen blieben nur ein Koffer mit Windeln für das Baby und ein paar Klamotten. Wir haben auf dem Boden geschlafen, der mit Stroh bedeckt war, das die Kinder aus der Scheune geholt hatten. Wir haben immer gehungert. Mama, die 90 Jahre alt wurde, hat am Abend immer gesagt: „Kinder, vergesst nie, was das kasachische Volk für uns getan hat. Denkt daran: wenn die Kasachen nicht wären, würden wir an Hunger und Kälte sterben“. Drei kasachsiche Familien lebten auf der Kolchose. Ich erinnere mich mit Dankbarkeit an Oma Sarsembaewa, die uns immer zu sich gerufen, uns um einen runden Tisch gesetzt und uns in kleine Stückchen gebrochene Zuckerbrocken spendiert hat. Ich verbeuge mich tief vor dem kasachstanischen Volk. Ich bin dem Schicksal dankbar, dass meine Eltern genau nach Kasachstan gekommen sind“.

Die Deutschen des Gebietes Kasachstans haben dem Präsidenten der Republik Kasachstan für die Möglichkeit gedankt, sich in ihrer Muttersprache zu unterhalten, dafür, dass die junge Generation sie erlernen kann, und die Ältesten ihnen die kulturellen Traditionen übertragen können. Der Saal wurde ausgefüllt von dem Lied „Heimat“, aufgeführt von der Gesangsgruppe „Nette Frauen“.

Eindringlich erklangen die Wörter des Leiters des Sekretariats, des stellvertretenden Vorsitzenden der ANK des Gebietes Sejsembaj Zhetpysbaew: „Lassen Sie unser gemeinsames Haus Kasachstan, welches am Anfang des großen Bauprojektes eines friedlichen Zusammenlebens vieler Völker steht, nicht in einem tosenden Meer negativer Ereignisse untergehen. Dankbare Völker, von den Kasachen aufgenommen, gedenken an die 30er und 40er Jahre des vergangenen Jahrhunderts und werden sie nie vergessen. Genauso wie tausend gerettete Kasachen dem russischen Volk gedenken werden, die ihnen Obdach in der fürchterlichen Zeit des Golodomor in den 30er Jahren gewährt haben. Dank allen, die heute Abend mit uns sind“.

Glück allen und für unsere Herzen unauslöschliche Güte. Fremdes Leid auf sich nehmen wie das eigene – ist das nicht die größte Gabe der menschlichen Existenz?

Ljudmila Bewz

Übersetzung: Philipp Dippl

„TriKotaZh“

Seit einigen Jahren lockt die Pawlodarer der lustige, rebusartige Name einer kleinen Kette von Geschäften „TriKotaZh“ (die drei Katzen „Zh“) an, von denen das erste im Jahr 2012 eröffnet wurde.

Nach den Worten der Direktorin Anastasija Bart ist es in einem Moment des Lebens so gekommen, dass naturreine Kleidung für die eigenen Kinder (für den Sohn, der übrigens die deutsche Sprache liebt, und für die Töchter) fehlte: „Zu dieser Zeit gab es praktisch niemanden, der so etwas machte. Alles musste aus Russland hergefahren werden“.

Es kam der Gedanke, warum nicht probieren, das eigene Geschäft zu starten? Wir haben das erste Geschäft eröffnet, haben russische Ware hergebracht. Bald darauf das zweite, alles haben wir direkt in den Fabriken eingekauft. Als ich eine von ihnen besuchten, kam mir der Gedanke: „Und warum können wir nicht so nähen, wie unsere Nachbarn?“ Seitdem sind natürlich einige Jahre vergangen, aber schrittweise haben wir eine Belegschaft gebildet und haben angefangen, unsere Produktion herauszubringen“.

Das erste unserer Sozialprojekte – Nähen von Kleidung für frühgeborene Kinder – wurde durch die Bitte einer Bekannten ausgelöst (Ihr Kind wurde mit einem Gewicht unter einem Kilogramm geboren). Eine Sache, die auf den ersten Blick unbedeutend erscheint, in der Praxis stellte es sich aber als nicht so einfach heraus.

Anastasija ist sehr stolz auf dieses Projekt und auf die Tatsache, dass sie einer Notleidenden helfen konnte. Die Nähmannschaft arbeitet mit Hygienebuch. Die Rohmaterial und Zubehör werden von guter russischer Qualität eingekauft („Und wie sehr würden wir gerne unser kasachstanisches Material verwenden“, – träumt Bart). Sie können es nicht riskieren, mit nur einem Lieferanten zu arbeiten: sie haben die allerkleinsten Kunden. „Wir schätzen unsere Klienten sehr: die gesamte Produktion unterzieht sich einer Dampfbehandlung und wird auf einzelne Verpackungen aufgeteilt“.

Heute, wo es zwei Filialen in der Stadt gibt, träumen die „TriKotaZhniki“ davon, an den Geburtsort zurückzukehren, wo sie ein Jahr lang gearbeitet haben (dabei hat ihnen die Handels- und Unternehmenskammer „Atameken“ geholfen), aber die Räumlichkeiten wurden plötzlich für eine Wachmannschaft benötigt. Mit der Zeit hat sich gezeigt, was ihre Produktion erfordert: die Frauen rüsten sich nun als „Boten“, die an das andere Ende der Stadt fahren, um alles Notwendige für ihre Kleinen zu kaufen. Zur Fertigung werden hier Strickwaren, Flanell und Kattun verwendet, – naturreine und für den Körper angenehme Stoffe, weich und gemütlich, so wie sie sein müssen für die Fertigung von Flügelhemdchen und Windeln.

Anastasija träumt von vielem. Sie möchte so vielen Früh- und Neugeborenen wie möglich helfen, erstens durch die Eröffnung eines Geschäfts im Geburtenzentrum, zweitens durch die Förderung der eigenen Produktion, damit die Menschen nicht ausländischer Ware hinterherjagen müssen, drittens mehr Transparenz der Informationen für alle Unternehmer und viertens die Teilnahme an Märkten und Messen, auf denen man seine Ware einem großen Bevölkerungskreis vorstellen kann.

Die Direktorin ist stolz darauf, dass sie im Jahr 2018 den republikanischen Wettbewerb „Bestes Produkt Kasachstans“ für die Nominierung „Produkte für die Bevölkerung“ gewonnen haben und jetzt für einen Zeitraum von vier Jahren das Markenzeichen benutzen dürfen, mit welchem ihre Produkte ausgezeichnet wurden. „Wir haben das Allerbeste für das Baby“, bekräftigt die Unternehmerin.

Anastasija Bart bestärkt die engen wirtschaftlichen Verbindungen zur TPP „Atakemen“ und ist sich sicher, dass sie eine gesunde Konkurrenz auf dem Markt Kasachstans darstellen. Ihre Produktion beschränkt sich nicht nur auf die Region Pawlodar (Ekibastuz, Irtyschsk), sondern erstreckt sich auf den Groß- und Einzelhandel der ganzen Republik: Kokschetaw, Aktau, Atyrau, Schymkent. Schon jetzt startet die Herstellung eines neuen Artikels – Chemisekleider für Frauen. Falls sie zufällig an der Nähfirma und den Geschäften der Kette „TriKotaZh“ vorbeikommen, schauen Sie auf jeden fall herein. Ich bin mir sicher, Sie werden etwas für die Seele finden, für sich und für Ihren Kleinen…

Ljudmila Bewz

Übersetzung: Philipp Dippl

Wer auf der Welt ist die allerliebste?

Bereits seit 12 Jahren findet in Aktobe der allerschönste Wettbewerb „Miss Freundschaft“ statt, der dem Internationalen Frauentag gewidmet ist. Die Besonderheit an ihm ist, dass um die Krone charmante Repräsentantinnen verschiedener ethnokultureller Vereinigungen kämpfen. Verblüffen verführte Zuschauer (und solche kamen auch in den Saal) eroberten Wettbewerbsteilnehmerinnen.

Sechs Wettbewerbsteilnehmerinnen traten an, um die anspruchsvollen Zuschauer (und im Saal fanden sich diese) in Erstaunen zu versetzen.

Interessanterweise ließen die Organisatoren der Veranstaltung sogar zwei Repräsentantinnen aus dem gleichen ethnokulturellen Zentrum zur Teilnahme zu: eine persönliche Einladung bekam auch noch ein aktives Mitglied der deutschen Gesellschaft „Wiedergeburt“.

– Kann sein, dass meine Aktivitäten eine Rolle gespielt haben, kann sein dass es auch etwas anderes war … ich weiß es nicht. Es war unerwartet und erfreulich, – gab die Teilnehmerin aus dem Volkschor „Veilchen“, Irina Gontscharowa zu Geständnis.

Die, die oft auf ähnlichen Wettbewerben sind, wissen sehr gut, dass sich der Ablauf immer nach identischem Muster entwickelt, lediglich die Fassade und die Personen werden ausgetauscht. Nur hin und wieder versuchen die Organisatoren, mit etwas frischem zu überraschen. Mit Verzückung ist ihnen das diesmal gelungen.

„Miss Freundschaft“ bestand aus fünf Etappen: die traditionelle Vorstellung, die Talentrunde, das Defilee, Frage-Antwort-Runde und der „Genuss“. Ich, die ich vorausgelaufen bin, sage, dass nicht eine einzige der Teilnehmerinnen gepatzt hatte. Natürlich ist es schwierig, die Vorstellung der 15-Jährigen Polina Bukina aus der EKO „Slawen“ und die 21-Jährige Rosalija Ischakowa aus dem tatarisch-baschkirischen Zentrum „Schatlyk“ gleichermaßen zu bewerten, aber die Jury hat sich als absolut unparteiisch erwiesen.

Eine weitere Teilnehmerin der Gesellschaft der Deutschen war Diana Schurygina. Die Schülerin der 11. Klasse begeistert sich schon lange für das Theater, und erst vor kurzem hat sie sich als Drehbuchautorin versucht. Das Outfit, mit dem sie die Bühne betrat, hat ganz besonders ihre Grazie und Raffinesse hervorgehoben.

– Ich fühle mich selbstbewusst vor den Zuschauern. Ich hatte Zweifel an meinem Können, als angekündigt wurde, dass wir ein alkoholfreies Nationalgetränk zubereiten sollen, – erinnert sich die junge Frau.

Was kann man auf der Bühne in fünf Minuten mit den griffbereiten Mitteln vorbereiten? Normalerweise sind das Cocktails, mit Milch oder aus Früchten. Diana ging einen Schritt weiter und überraschte die Jurymitglieder mit Glühwein:

– Ich habe auf einer deutschen Internetseite ein interessantes Rezept für alkoholfreien Glühwein gefunden, bei dem statt Wein Kirschsaft verwendet wird. Ich habe das Rezept daheim ausprobiert – und die Familie und meine Freunde waren begeistert. Ich entschied, dass es Zeit für eine Überraschung war…

Die Schiedsrichter waren tatsächlich angenehm überrascht, wo doch aus fünf Personen nicht einer jemals dieses Getränk nach deutschem Rezept probiert hat.

Und noch weiter an die Spitze

Nach fast zwei Stunden wurde das Ergebnis bekanntgegeben.

– Es war überaus schwierig, die allerbeste auszuwählen, da doch jede aus den Wettbewerberinnen strahlend, voll Harmonie und talentiert ist. Ich hätte jeder die Krone überreicht, weil doch die, die auf der Bühne standen, schon Gewinnerinnen waren. – Dies sind wundervolle junge Frauen, die eine große Zukunft haben, – fasste der Vorsitzende der Zweigstelle Aktöbe „Zhas Otan“, Asylzhan Burkitalin zusammen.

Und so hat Diana Schurygina den Titel „Miss Eleganz“ gewonnen, und Irina Gontscharowa wurde die Trägerin des Preises der Zuschauersympathien.

– Unter den Teilnehmerinnen gab und gibt es keinerlei Meinungsverschiedenheiten. Ganz im Gegenteil haben wir uns gegenseitig unterstützt. Ja, diesmal hat es nicht geklappt, die Beste zu werden, aber vor uns liegt das ganze Leben, – sagen die aktiven Mitglieder von „Wiedergeburt“ Diana und Irina mit einem Lächeln.

Dmitrij Schinkarenko

Übersetzung: Philipp Dippl

Bits und Bytes werden uns auf ewig verbinden

Besitz, Kirche und Schule waren die Säulen der Ideologie der deutschen Siedler. Sie haben sie aus Deutschland in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts mitgebracht und haben, bereits als Untertanen des Russischen Imperiums, mit aller Kraft versucht, die Treue zu den Traditionen ihere europäischen Vorfahren zu bewahren. Was kann denn nun die auf dem Gebiet der Republik verstreuten Überbleibsel der einst viele Tausend Menschen zählenden Ethnie von sowjetischen, jetzt kasachstanischen Deutschen einen? Wie kann man die Lieder, die Gebräuche und Traditionen der alten Generation in Erinnerung behalten, um mit den geringst möglichen Verlusten dieses Erbe an die Jungen zu übergeben, unseren Kindern und Enkelkindern? Wie kann man die Geburts- und Familiennamen der Deutschen vor dem Vergessen bewahren, den gesetzesgemäßen Prozess der Integration unserer Ethnie trennen von der allmählichen Assimilierung innerhalb des freundschaftlichen Umfelds mit anderen kasachstanischen Völkern? Akzeptieren denn unsere Erben diesen Staffellauf, der durch hunderte Jahre Krieg, Repressionen und harte Arbeit hindurch getragen wurde?

Zu vergangenen Werten zurückzukehren, die gleichermaßen für unsere gesamte Ethnie geeignet sind, ist heute kaum mehr zu schaffen. Die Kirche ist bei uns vom Staat getrennt, und viele Gemeindemitglieder gehen aus Tradition in das Gotteshaus. Die Schule hat sich stark verändert, und in unserem Fall wird sie dem Schutz der deutschen Ethnie, oder um genauer zu sein, mit ihrer Identifikation mit der deutschen Nation, überhaupt nicht gerecht.

Mit Sorge beobachten wir die Vorbereitung des Beginns der neuen Deutschklassen und Gruppen um neuen Schuljahr – wird es denn klappen? Wie ist es mit dem Besitz? Die Urbanisierung hat die Bevölkerungsbasis an verschiedene Pole des Wohlstands und des Zugriffs auf materielle Güter getrieben.

Wir unterhalten uns darüber mit dem Vorsitzenden des Verwaltungsrates der öffentlichen Stiftung „Wiedergeburt“ Albert Rau. Die Erforschung seiner Familiengeschichte wurde zu seinem Hobby. Er suchte Informationen über seine Vorfahren in Archiven in Saratov, Odessa und Deutschland, hat fünf Jahre lang Materialien für ein Buch zusammengetragen, hat dafür nicht wenig Zeit und Geldmittel aufgebracht. Er hatte Glück mit der Suche in der Linie mütterlicherseits, gebürtig aus dem Kreis Krasnodar: In Stuttgart existiert eine Landsmannschaft der bessarabischen Deutschen, deren Vorfahren in den 30er Jahren des 19. Jahrhunderts aus Baden-Württemberg nach Russland emigrierten.

Sie sind die Nachkommen der hunderttausend Deutschen, die im Jahr 1940 vor der Vereinigung Bessarabiens mit der UdSSR nach Deutschland zurückkehren wollten. Die Grundidee der bessarabischen Gemeinschaft ist die Zusammenlegung der Kräfte und Mittel, um von ihren Vorfahren zu erhalten was noch existiert. Zum Instrument zur Realisierung dieser Idee wurde unter anderem das Internet. Ein Programm, in welches die Familie ihren genealogischen Stammbaum eintragen, wurde sehr populär in Deutschland. Mit dessen Hilfe lassen sich Verwandte rund um den Erdball aufspüren und die eigene Position in der Gesellschaft stärken.

Es ist klar, dass die Menschen in Deutschland in reicheren Verhältnissen leben, als wir. Das bedeutet, dass sie auch mehr Möglichkeiten haben. Und wir? Wir haben doch auch die öffentliche Stiftung „Wiedergeburt“, die nicht gerade wenig tut, um der deutschen Ethnie komfortablere Lebensumstände zu schaffen. Deutsche Sprachkurse, Folklorefeste, Die Ausgabe von Lebensmitteln und Medizin für bedürftige Landsleute – alles das ist wunderbar und notwendig in der heutigen Zeit.

Und was ist der Gedanke dieser Arbeit? Was sehen wir vor uns, wohin gehen wir? Feiertage kommen und gehen, Sprachkurse sind auch irgendwann beendet. Und was bleibt?

Albert Rau hat mir vor dem Hintergrund unseres Gespräches das von ihm herausgegeben Buch „Die Geschichte meiner Familie“ gezeigt. Der reflektierte Zeitabschnitt verdient großen Respekt – von 1533 bis 2014 (!). Jetzt existiert etwas, um es den Nachkommen zu hinterlassen. Es ist verständlich, dass aus vielen Gründen nicht alle diese schriftstellerische Heldentat von Albert Rau wiederholen können. Meiner Meinung nach muss auch nicht die breite Öffentlichkeit diese Andenken lesen, da dort auch viel persönliches aufgeführt ist.  Aber auf was Albert Pawlowitsch stolz sein kann, sind die vielen Entdeckungen. Zum Beispiel dass die Familie nicht einmal ein Foto des Onkels aus der mütterlichen Linie besaß, der bei Baumfällarbeiten im Norden verschwand, aber als Ergebnis der Suche gelang es, nicht nur ein Foto und ein Protokoll seiner Verhaftung (Dorf Wannowskoje, Kreis Krasnodar, Dezember 1929) zu finden, sondern auch das Protokoll seiner Befragung, in welcher der Onkel seine ganze Lebensgeschichte erzählte und wie er sich den Titel des „Feindes der Sowjetmacht“ verdiente.

Und deshalb ist das Internet mit seinen schier grenzenlosen Möglichkeiten genau das, was benötigt wird. Albert Pawlowitsch hat sich selbst überzeugt, als er außer dem üblichen Schriftwechsel und den Anfragen die zahlreichen Informationsressourcen nutzte. Und jetzt reichen die Wurzeln seines genealogischen Stammbaums ungefähr zwei Jahrhunderte tief in die Geschichte. Und alles Dank der Tatsache, dass es weit entfernte Verwandte gibt, die ihre eigenen Forschungen anstellten. Wenn auch nur eine einzige Person mit den Menschen übereinstimmt, die in jemandes Stammbaum existieren, dann findet das Programm dies auf jeden Fall heraus. Und falls wir gemeinsame Vorfahren haben und sich ihre Stammbäume auf diese Weise überschneiden, dann erhalten Sie weitere Informationen über ihre Entdeckungen. Es gibt nicht nur eines dieser Programme. Aber besonderer Beliebtheit erfreut sich die internationale Plattform https://www.myheritage.com.

Kann es also sein, dass uns die Digitalisierung in unserer weiteren Arbeit mit der Geschichte der kasachstanischen Deutschen helfen wird? Am 14. und 15. Mai diesen Jahres findet in Astana die internationale praktische Bildungskonferenz „Die Deutschen Kasachstans: historische Erinnerung der Ethnie und die Digitalisierung der Informationsquellen“ statt. Die Reihe an Problemen, die zur Diskussion stehen, ist vielfältig: die Analyse des Wissensstandes zur Geschichte und des Archivüberblicks zur deutschen Ethnie, Aufbau eines Online- und virtuellen Museums der Deutschen Kasachstans, Untersuchung der erfolgreichen Erfahrungen Deutschlands in der Benutzung von Informationstechnologien und Ressourcen zur historischen Forschung, und so weiter. Nach unseren Informationen findet in Deutschland und in anderen Ländern schon seit einigen Jahren die Digitalisierung verschiedenster Prozesse statt. In dieses Projekt sind die Archive und die Kirchen des Vaterlandes aktiv eingebunden. Es werden solch alte Manuskripte digitalisiert, dass man es sich kaum vorstellen kann.

In der Epoche der Globalisierung wollen alle ihren Platz in der Geschichte behaupten. Und auch uns wird es nicht schaden, uns darum zu kümmern.

 Genrich Braun

Übersetzung: Philipp Dippl

„Wir werden die nicht vergessen, die uns aufgenommen haben“

 Am Tag der Dankbarkeit haben junge Sprecher der deutschen Theaterwerkstatt „Denk´ mal“ Gedichte über die schwere Zeit der Deportation vorgetragen.

Repressionen, Deportation, Verfolgung. Durch diese Wörter weht der Hauch von Kälte und Schrecken. Vor vielen Jahren litten dutzende Ethnien unter dem Regime. Heute gedenken ihre Nachkommen mit Dankbarkeit denen, die in ihren Häusern Deutsche, Tataren, Polen oder Koreaner aufgenommen haben.

In der Aula der Schule Nr. 11 Aktöbe ist es still. Etwas später kommen die Jungs und Mädels aus der Theaterwerkstatt „Denk´ mal“ an, sie beginnen langsam, sich dem Leben einer welterfahrenen Frau anzunähern. Es bleibt Zeit, über das nachzudenken, was vor vielen Jahren geschah. Mir hilft dabei Gerold Berger. Auf dem Tisch liegen seine Arbeiten: Übersetzungen, Bücher. Bücher über ihn. Er ging, aber sein Erbe blieb. Ein großer Mensch!

– Er ist wahrhaft groß, – rezitierte gleichsam die Leiterin der Werkstatt Inna Woloschina meine Gedanken. – Er hat sehr viel für das kasachische und das deutsche Volk getan. Er hat sich niemals über sein Schicksal beklagt, er hat es einfach angenommen und gemacht.

Gerold Karlowitsch wird hier geliebt, wenn es die Zeit ergibt, aber ihn zu lesen ist schwer. Und heute, als der Zuschauerraum voll besetzt war, haben sie auf der Bühne über sein Schicksal berichtet, seinen Stellenwert in der Geschichte Kasachstans und Deutschlands.

Und danach gab es Gedichte. Scharfe Zeilen aus dem Werk der Journalistin und Poetin Bella Iordan, die viele Jahre lang in Kasachstan lebte:

„Wir erinnern uns nicht an unsere Urgroßväter,

Wir haben sie rundweg vergessen,

und in den armseligen Biografien

werden unsere Urgroßväter nicht geführt…“

Die Wörter sind scharf und hart, so wie eine Orfeige der Törichten, der Vergessenen, derer, an die sich keiner mehr erinnert.

 In der Aula der Schule Nr. 11 lag Stille. Vor einer Stunde war ich hier alleine, jetzt waren dutzende Menschen hier mit mir. Alle durchlebten wir die gleichen Gefühle, und jeder hatte Tränen in den Augen.

– Das ist leider die Wahrheit unseres Lebens, – gestand später eine gekommenen Großmütter. – Wir vergessen, denen zu danken, dank derer wir jetzt leben. Die Gedichte berührten die Tiefe der Seele.

In der Aula ist wieder stille… Es ist Zeit, darüber nachzudenken, wer wir sind und was von uns übrigbleibt.

Dmitrij Schinkarenko

Übersetzung: Philipp Dippl

Bewegen wir uns nach vorne!

Im Empfangsbüro der öffentlichen Stiftung „Kasachstanische Vereinigung der Deutschen „Wiedergeburt“ in der Stadt Astana fand am 1. Februar unter Vorsitz von Albert Rau die turnusmäßige Sitzung des Verwaltungsrates statt.

Zur Diskussion wurden eine Reihe von Fragen vorgelegt, die für die Aktivitäten der Selbstorganisation der Deutschen Kasachstans und für die Realisierung des Programms zur Unterstützung der deutschen Ethnie von Belang sind.

Eine Konzeption zur Jugendpolitik wurde angenommen, welche von der Leiterin der Union der deutschen Jugend Kasachstans Marija Borisewitsch vorgestellt wurde. Das Dokument wurde vorab in der „Deutschen Allgemeinen Zeitung“ und im Internet auf dem Portal der Deutschen Kasachstans www.wiedergeburt.kz veröffentlicht.

Die öffentliche Diskussion erlaubte es, alle Anmerkungen zu berücksichtigen und grundlegende strategische Stoßrichtungen der Jugendpolitik der Stiftung in den kurzfristigen und langfristigen Perspektiven zu definieren.

Es wurde der Verlauf der Ausarbeitung des Programms zur Entwicklung der deutschen Ethnie geprüft. Momentan erarbeiten die Leiter der Gruppe die Aufteilung des Programms in die Hauptrichtungen: Jugend, ethnische Identität und Kultur, deutsche Sprache und Bildung, Weiterentwicklung der Selbstorganisation, soziale Leitlinie, Entwicklung des Unternehmertums, Partnerschaft und Media. Es wurde entschieden, den Prozess der Ausarbeitung des Programms übereinstimmend mit den festgelegten Zeitplänen und Fristen zu regeln.

Die Ergebnisse der Abonnentenkampagne der republikanischen deutschen Zeitung „Deutsche Allgemeine Zeitung“ für das Jahr 2019 verkündete das Mitglied des Verwaltungsrates, Direktor der TOO „DAZ-Asia“ Robert Gerlitz. In diesem Jahr wurde das Hauptaugenmerk auf die abgelegenen bewohnten Punkte der Republik, an denen die deutsche Ethnie lebt, gelegt. Die Idee „Ein Dorf – Ein Exemplar der Zeitung“ haben die Regionalgesellschaften der Deutschen „Wiedergeburt“ aktiv unterstützt, effektiver als alle anderen waren dies die Gesellschaften Pawlodar, Taldykorgan, Zhambyl, Akljubinsk und die Gesellschaft der Deutschen der Stadt Astana und des Gebietes Akmola. Mit den Worten von Robert Gerlitz verlangt eine solche Zusammenarbeit jede mögliche Anerkennung, da es als Beispiel für die anderen Gesellschaften dient und hilft, unsere Hauptmission zu realisieren – die Konsolidierung der Deutschen Kasachstans.

In jeder Sitzung des Verwaltungsrates wird der Verlauf der Umsetzung des Veranstaltungsplans zur Erfüllung der Entscheidungen der gesamtnationalen Konferenz der Delegierten erörtert. Es sei angemerkt, dass im wesentlichen Veranstaltungen in Übereinstimmung mit dem Plan durchgeführt werden. Es gibt Erfolge im Bereich der Entwicklung der deutschen Sprache und der Rückkehr ihrer Lehre in den Mittelschulen, in der Digitalisierung der Aktivitäten der Stiftung und der Regionalgesellschaften, sowie in der Entwicklung des Unternehmertums. Momentan legen nicht alle Mitglieder des Verwaltungsrates das notwendige Engagement an den Tag, was, im besten Falle, zur Einschränkung der Teilnahme an ihren Sitzungen führt. Der Veranstaltungsplan ist auf dem Portal www.wiedergeburt.kz einzusehen, die Informationen über ihre Durchführung wird laufend aktualisiert.

Eine ernste Frage, welche bei der Sitzung erörtert wurde, ist die Finanzierung der Projektarbeit OO „SKONKZ „Wiedergeburt“ (Stadt Petropawlowsk) im Rahmen der Erfüllung des Vertrages über Zuschüsse. Im Jahr 2018 wurde die Finanzierung zwei Mal ausgesetzt aufgrund von Versäumnissen bei der Berichtübermittlung innerhalb der festgelegten Fristen. In diesem Zusammenhang ist die Stiftung auf das Problem gestoßen, wie man trotzdem den Deutschen der Region die ihnen zustehenden Hilfe zukommen lässt. Dank eines abgestimmten Vorgehens gelang es, ein Projekt zur Ausgabe von Lebensmitteln zu realisieren.

Mitte Januar diesen Jahres fand eine Reise von Mitarbeitern der Stiftung und Mitgliedern des Verwaltungsrats nach Petropawlowsk statt, in dessen Verlauf die Gründe für die instabile Arbeit der Gesellschaft im Hilfsprogramm festgestellt wurden. Die Leitung der Gesellschaft wurde auf die Notwendigkeit der Verfahrenssteuerung in der Büroarbeit aufmerksam gemacht, vor allem im Finanzrechnungswesen und in der Umsetzung von Richtlinien, die aufgrund der Resultate des Monitoring und zur Vermeidung von Störungen in der künftigen Berichterstattung ausgesprochen wurden.

Nach den Ergebnissen der Debatte wurde die Entscheidung angenommen: ausgehend von den Interessen der Gesellschaft der Deutschen Nordkasachstans wird die Projektarbeit in der Region durch OO „CKONKZ „Wiedergeburt“ unter der Bedingung der strengen Einhaltung der geltenden Regeln und Positionen und vierteljährliche Kontrolle der Umsetzung der Projektaktivitäten im Programm zur Unterstützung der deutschen Ethnie in Kasachstan wiederaufgenommen. Hierbei wurde beschlossen, dass im Falle von Verstößen gegen die Ausführungen der Verträge des Exekutivbüros der Gesellschaft SKO der Status des unzuverlässigen Partners zugewiesen wird, die Finanzierung wird für eine Dauer von einem Jahr beendet. Die Finanzierung der Projektaktivitäten wird durch die öffentliche Stiftung direkt zwischen dem Träger und dem Begünstigten durchgeführt.

Das Monitoring der Qualität der Programmrealisierung zur Unterstützung der deutschen Ethnie ist ein wichtiger Effektivitätsfaktor aller Projektaktivitäten. Das ist die gemeinsame Position aller und in erster Linie der Finanzmittel gebenden Organisation – dem Innenministerium Deutschlands. Daher wurde eine Anweisung genehmigt, die die Ordnung zur Durchführung des Fernmonitorings festlegt.

Ebenso wurde im Rahmen der Sitzung eine Reihe von Dokumenten angenommen, welche helfen werden, Projektaktivitäten der Selbstorganisation mit höherer Qualität aufzubauen. Angenommen wurde die „Bestimmungen über Auszeichnungen“, „Bestimmungen der Zentren für Sozialleistungen“ und „Bestimmungen über die Aktivitäten der Projektmanager in den regionalen öffentlichen Vereinigungen der Deutschen „Wiedergeburt“.

Zum Abschluss wurde die Entscheidung zur Feier des 30-jährigen Jubiläums der Gründung der Nationalbewegung der Deutschen „Wiedergeburt“ getroffen.

Nach den Worten der Teilnehmer ist dies ein denkwürdiger Meilenstein im Schicksal des deutschen Volkes Kasachstans, und die Veranstaltung soll auf entsprechendem Niveau stattfinden. Deshalb soll das grundlegende Ziel nicht nur das Gedenken an das Vergangene sein, sondern auch der Blick in die Zukunft unseres Volkes.

Übersetzung: Philipp Dippl

Steht der Karneval schon vor der Tür

 Die fünfte Jahreszeit hat schon begonnen und in ganz Deutschland ertönt es „Alaaf“, „Helau“, „Ahoi“, „Narri Narro“.

Die Tradition des Karnevals ist uralt und stammt noch von den mittelalterlichen Deutschen. Zu dieser Zeit haben sie Masken aufgesetzt Tierfelle umgelegt, um die guten Geister zu wecken und den Frühling zu locken. Und so haben wir entschieden, dem nicht nachzustehen und auch Fasching in Almaty zu veranstalten und den Frühling herbeizurufen!

Die Vorbereitungen zum Karneval begannen lange vor der eigentlichen Feier. Wir haben Kostüme genäht, unter Anleitung der Leiterin des Bastelzirkels Galina Larinowa Karnevalsmasken gebastelt, Unter Leitung der Regisseurin und Choreografin Oksana Focht deutsche traditionelle Tänze (Bandeltanz) geprobt und mit den Teilnehmern der Kindergesangsgruppe und der Chorleiterin Kristina Esau-Strogatzkaja lustige Lieder (Es geht nichts über die Gemütlichkeit) eingeübt.

Und so hat sich am 2. März genau um 14 Uhr unter den Klängen von Musik, Trommeln, Lautsprechern, Lärm und Gekreische ein farbenfroher kostümierter Umzug mit den Butzen und lustigen Liedern an der Spitze zum Richtplatz in Bewegung gesetzt, wo die Hauptveranstaltung stattfand – mit der Verbrennung der Strohpuppe unter den Schreien der Menschenmenge: „Hallo Frühling“ wurde der Frühling zur Ankunft gerufen! Anschließend begann allgemeiner Jubel und Heiterkeit! Gelächter, Späße, Musik, Lieder und Tänze – alles mischte sich im Hof des deutschen Hauses! Unter den Organisatoren des Festes, unter den Teilnehmern, unter den Gästen oder den Mitgliedern der Gesellschaft „Wiedergeburt“ aus Almaty und Talgar gab es niemanden, der teilnahmslos oder gelangweilt war. Von Klein bis Groß tanzten und sangen alle!

Alles endete mit einer allgemeinen Teerunde mit traditionellem deutschen Gebäck, zu welchem mit Gastfreundschaft und Herzlichkeit die Teilnehmer des Vereins der deutschen Jugend „Vorwärts“ eingeladen haben. Was es hier nicht alles gab: Pfannkuchen mit Honig und Marmelade, Krapfen, Krebl und viele andere Naschereien, welche die Teilnehmer und Gäste mitgebracht haben!

Die Feier hat allen viel positive Energie und echte Frühlingsstimmung geschenkt!

Helau Alaaf und viel Spaß! Mit Liebe KNM „Vorwärts“!

Libricht Kristina, Lajtschenko Jekaterina

Übersetzung: Philipp Dippl

Die fünfte Jahreszeit geht durch Kasachstan!

Fasching – das ist die Möglichkeit, es noch einmal „krachen zu lassen“ vor dem Beginn der christlichen, vorösterlichen Fastenzeit.  Während des Karnevals muss man mit aller Kraft fröhlich sein, sich mit Faschingskostümen verkleiden und einfach herumalbern. Diese Woche wird sogar „die fünfte Jahreszeit“ genannt, wenn der Winter mit lustigen Tänzen und Schwofen verabschiedet  wird und der lange erwartete Frühling willkommen geheißen wird.

Am 3. März fand im deutschen Zentrum „Wiedergeburt“ in der Stadt Karaganda die Faschingsfeier statt. An dem Programm nahmen Richter, der Bürgermeister, ein Ausrufer und die Geister des Frühlings und des Winters teil. Alles war wie erwartet: Die Richter und das Volk erhoben die Anklage gegen den Bürgermeister, und der Ausrufer erzählte den Gästen über die Traditionen des Karnevals. Die Gäste erwarteten Tänze, Lieder, spannende Spiele und natürlich die Verbrennung des Strohmanns.

Ebenso wurde am 3. März in der Gesellschaft der Deutschen im Gebiet Zhambyl Fasching begangen. Den aktiven Mitgliedern der deutschen ethnokulturellen Vereinigung und des Vereins der deutschen Jugend „Juwel“ gelang es mit vereinten Kräften, die Farben des deutschen Karnevals zum sprühen zu bringen.

Schon in guter Tradition wurde in Astana der Winter verabschiedet und der langersehnte Frühling willkommen geheißen. Das Haus der Freundschaft öffnete mit Gastfreundschaft seine Türen weit für alle, die diese Feier begehen wollten. Tanzen, Lieder, Berliner, Süßigkeiten und noch viel mehr erwartete die Gäste an diesem wunderbaren Faschingsfest!

In Almaty wurden die Geister des Winters durch die Verbrennung eines Strohmannes vertrieben, und anschließend wurde mit gemeinsamen Tänzen der Frühling begrüßt. Farbenfrohe Kostüme und Masken und lustige Stimmung waren die wichtigsten Merkmale des vergangenen Festes.

Übersetzung: Philipp Dippl

Swetlana Olenburger – Chefköchin der italienisch-amerikanischen Küche „Opposto“

Im Vorfeld des schönsten und liebevollsten Feiertags, des 8. März, haben die Männer der Gesellschaft der Deutschen „Wiedergeburt“ in Astana und dem Gebiet Akmolinks die Damen zu einem außergewöhnlichen Abend eingeladen – einem Abend der gastronomischen Entdeckungen, der in dem Hotel- und Restaurantkomplex „Traditional“ von Markenchef Alischer Kasymow (Stadt Astana) und Chefköchin der italiensich-amerikanischen Küche „Opposto“ Swetlana Olenburger (Hamburg, Deutschland) durchgeführt wurde.

– Swetlana, was hat Sie dazu bewegt, den Beruf des Kochs zu wählen, der zu einem Teil ihres Lebens wurde?

– Ich habe die SPTU Nr. 5 in Zelinograd im Fachbereich Koch und Konditor abgeschlossen. Nach drei Jahren Ausbildung bin ich direkt in den Beruf eingestiegen, aber dass ich mal Profi in dieser Sache werden würde, konnte ich mir wirklich nicht vorstellen. Alles kommt mit der Übung. Und ich hatte Glück mit sehr guten Lehrmeistern, mit jedem von ihnen verbesserte ich meine Fertigkeiten, erfuhr etwas neues.

Und jetzt stehe ich bereits 27 Jahre lang in der Küche und kann getrost sagen, dass das eine gute Erfahrung, aber nicht das Maximum ist. Jedes Jahr verändert sich irgendetwas, die gastronomischen Zyklen sind wie eine Mode, immer gibt es Tendenzen der aktuellen Zeit. Deshalb nehme ich mit Freude an verschiedenen Veranstaltungen teil, wo ich meine Erfahrung weitergeben kann, genauso wie ich mir von Kollegen etwas abschauen kann. Und heute mit meinem Partner, dem Chefkoch Alischer, haben wir uns, als wir das Essen kreiert haben, gegenseitig unsere Geheimnisse verraten, und ich habe für mich viel neues gelernt. Nicht umsonst sagt man: „Es gibt keine Grenze der Perfektion!“ Und genau so ist es!

Sind Sie ursprünglich aus Zelinorgrad?

– Ich bin in Zelinograd geboren und aufgewachsen, habe dort 30 Jahre lang gelebt. Und jetzt lebe ich schon seit drei Jahren in Deutschland. Ich bin in die historische Heimat gegangen, um näher bei den Angehörigen zu sein.

– Swetlana, interessieren Sie sich denn für die Geschichte ihrer Familie? Für die wichtigen deutschen Wurzeln, dafür wie ihre Vorfahren in Kasachstan landeten?

– Ich weiß nur soviel, dass meine Verwandten sowohl mütterlicher als auch väterlicherseits am Kuban lebten. Und zur Zeit des Großen Vaterländischen Krieges wurden sie nach Kasachstan deportiert.

– Vermissen Sie denn jetzt ihre Heimat? Mit welchen Gefühlen kommen Sie nach Kasachstan zurück?

– Ich lebe jetzt seit drei Jahren in Deutschland. Das ist keine sehr lange Zeit, und für mich ist es immer sehr bewegend, in die Heimat zurückzukehren, dort hin, wo ich aufgewachsen bin und gelebt habe. Um ehrlich zu sein, ich vermisse es, obwohl ich manchmal sage, dass es nicht stimmt. Besonders schwer war es im ersten Jahr, aber die Unterstützung und die Verbindung mit den Verwandten hilft sehr.

– Sie sind jetzt ein Profi der für landestypische Speisen verschiedener Nationen, aber was wurde in ihrer Familie gekocht, gibt es Rezepte deutscher Gerichte, die bei euch Tradition waren?

– Als ich ein kleines Mädchen war, war die Speise der Krönung in unserer Familie Strudel. Meine Oma und Mutter haben uns oft damit verwöhnt. Jetzt, wo ich schon in Deutschland lebe, habe ich mich vergewissert, dass sie ihn nicht zubereiten. Es ist keine Süßspeise, sondern eine zweite Hauptspeise, die aus Schweinerippchen, Sauerkraut, Kartoffeln und Teig zusammengesetzt ist.

– Swetlana, wie gelang es Ihnen, in so kurzer Zeit Ihren Beruf in Deutschland anerkennen zu lassen? Heute, wo wir Ihre Meisterwerke probieren durften, möchte ich sagen, dass Sie eine große Meisterin sind. Wir haben mit Ungeduld neue Speisen erwartet, während wir daran gedacht haben, wie Sie uns noch überraschen können? Jede Speise ist für sich außergewöhnlich – nicht nur lecker, sondern auch schön!

 – Vielen Dank, das ist mir sehr angenehm! Als ich nach Deutschland kam, habe ich ein Jahr gebraucht, um die Anerkennung meiner Dokumente zu erhalten – den Nachweis des Berufes und die Aneignungen der Qualifikationen. Danach habe ich bereits in einem Restaurant gearbeitet. Zu der Zeit habe ich Deutsch noch nicht so gut beherrscht, es war ein bisschen kompliziert, aber der Chefkoch hat nicht erwartet, dass ich eine solche Erfahrung habe. Einmal hat er einer Frau an der Bar erzählt: „Sie ist noch besser als ich!“ Das wurde dem Besitzer des Restaurants bewusst, und ich stieg schnell auf, nach einem halben Jahr war ich bereits Chefköchin.

– Sind Sie extra nach Astana gekommen, um an dem gastronomischen Abendessen teilzunehmen?

 – Nicht nur. Ich wurde als Mitglied der Jury des ersten internationalen Festivals der jungen Küche „DelaRukHORECAS-2019“ eingeladen, welches vom 27. Februar bis zum 1. März in Almaty stattfand. Und ich bin sehr glücklich darüber, dass ich es geschafft habe, sowohl daran teilzunehmen und auch am heutigen Abend alle Anwesenden mit meinen Kreationen zu bewirten.

Hiermit endete unser Dialog, und für mich selbst habe ich ein kleines Resümee gezogen: wo auch immer du bist, wo auch immer du lebst, wenn du eine geliebte Sache machst, dann wirst du auf jeden Fall zum Profi, und das nimmt dir keiner weg.

Interview: Ewgenija Gizik

Übersetzung: Philipp Dippl

Tag der Dankbarkeit und Barmherzigkeit

Seit dem Jahr 2016 gibt es auf Initiative des Oberhaupts unseres Staates Nursultan Nasarbajew in Kasachstan einen neuen Feiertag – den Tag der Dankbarkeit, der am 1. März gefeiert wird. Dies ist ein ausgezeichneter Anlass, dem kasachischen Volk und den Vertretern anderer Ethnien, welche auf dem Gebiet unserer multinationalen Heimat leben, noch ein weiteres Mal für ihre Toleranz und Gastfreundschaft zu danken.

Einen großen Dank sprechen an diesem Tag auch wir aus, die Deutschen, alle, die in vollem Maße selbst den Moloch der stalinschen Repressionen durchlebten: Deportation, Arbeitsarmee, das Regime in den Sonderkolonien. In den schweren Kriegsjahren, aber auch in den Tumulten der Nachkriegszeit haben die Kasachen uns mit offenem Herzen empfangen, haben Blut und Brot geteilt. Und dafür danken wir wieder und wieder dem kasachischen Volk, denn genau seine Barmherzigkeit, die aufrichtige Güte und der Großmut half unseren Vorfahren, zu überleben und Fuß zu fassen auf dem neuen Land, welches heute für uns zum Elternhaus geworden ist.

Daran erinnern sich auch tausende deutscher Familien, die in verschiedenen Zeiten nach Deutschland übersiedelten und den nachfolgenden Generationen von der Größe der kasachischen Seele erzählen. Sie kommen gerne nach Kasachstan zurück und bauen an einer soliden Brücke freundschaftlicher Beziehungen zwischen unseren Ländern.

Einmal hat der bekannte Schriftsteller und Übersetzer Gerold Berger, gleichermaßen allen Kasachstanern nahestehend: gesagt: „Zum Menschen haben mich meine Eltern, das heimatliche Aul und das Buch gemacht.“ Mit der Familie an das Ufer des Esil verbannt, hat er sich hier aufrichtig in alles verliebt: malerische Orte, die Sprache, die Bräuche und die Traditionen des kasachischen Volkes, welches für ihn heimisch geworden ist.

Und diese aufrichtige Zuneigung zu Kasachstan hat ihre Reflexion in einer Reihe seiner Werke gefunden, welche als Vermächtnis für die nächsten Generationen widerhallen – man muss sich an seine Wurzeln erinnern, an die Geschichte, auch an die tragische, aber die wichtigsten sind die, die  geholfen haben, den schweren Bedingungen standzuhalten. Und die kasachstanischen Deutschen folgen dem Auftrag ihres berühmten Landsmanns.

Im Namen der öffentlichen Stiftung „Kasachstanische Vereinigung der Deutschen „Wiedergeburt“ danken wir ebenso der Versammlung des Volkes Kasachstans für den riesigen Beitrag zur Gewährleistung zwischenethnischer Harmonie im modernen Kasachstan, für die tägliche informative, bildende und erzieherische Arbeit, an welcher alle unsere Regionalgesellschaften aktiv beteiligt sind.

Übersetzung: Philipp Dippl

„Tschüss Plastik! Hallo Stoffbeutel!“ in Semej

Die Umwelt in unserem Land vermüllt. Und wie oft denken wir über dieses Problem nach? Normalerweise im Herbst oder im Frühling, wenn wieder die Freiwilligensamstage beginnen. Es macht glücklich, dass in den letzten paar Jahren viele öffentliche Organisationen nicht nur ökologische Ausflüge veranstalten, im wesentlichen beispielsweise in einen Nadelwald oder an ein Flussufer, aber auch unterschiedliche Aktionen zum Wohl unserer Umwelt organisieren. Den Mitarbeitern des Goethe-Insituts ist der Zustand unseres ökologischen Systems ebenfalls nicht gleichgültig, und um so viele junge Menschen wie möglich für dieses Problem zu gewinnen, veranstalten sie in verschiedenen Städten Kasachstans den Workshop „Gestalte Deinen Stoffbeutel! Tschüss Plastik! Hallo Stoffbeutel!“

Am 23. Februar waren die Zuhörer der Deutschkurse, Jugendliche im Alter von 13 bis 25 Jahren der öffentlichen Vereinigung der Deutschen „Wiedergeburt“ in der Stadt Semej Teilnehmer des Workshops zur Herstellung von Ökotaschen. Der Sprachassistent des Deutschzentrums der Stadt Kostanaj, Lukas Netter hat die Anwesenden über die Probleme informiert, die im Zusammenhang mit der Verwendung von Tüten aus Polyethylen entstehen. Wenn jeder eine farbenfrohe und bequeme Stofftasche besitzt, die man nicht nur ein Mal sondern zu jeglichen Anlässen verwenden kann, dann wirkt sich das vorteilhaft auf den Zustand der Atmosphäre aus.

Die Sprachassistenten veranstalten den Workshop „Gestalte deinen Stoffbeutel“ in verschiedenen Städten Kasachstans, in welchen die Teilnehmer über ökologische Probleme in der modernen Welt informiert und dazu aufgefordert werden, Plastiktüten durch Ökotaschen mit persönlicher Gestaltung zu ersetzen. Lukas Netter hat bereits Treffen in Kostanaj, Pawlodar und Semej durchgeführt. Es ist erfreulich zu sehen, dass die Jugend mit großem Interesse an diesem Projekt teilnimmt und jede Stadt mehr und mehr mit ihrer Gastfreundschaft, mit ihrem Interesse an der Problematik der Naturverschmutzung und dieser Weise der Bekämpfung, wie den Ökotaschen, überrascht.

Konstantin Jankowskij, ein Zuhörer des Deutschkurses: „Es ist schön, die Jugendlichen bei dieser Aktion zu sehen, wo doch das Schicksal des Planeten so sehr von uns abhängt. Es war sehr interessant, sich mit Lukas Netter zu unterhalten. Er hat uns von dem realen Problem der Verschmutzung des Planeten mit Plastik erzählt und uns die ökologischen Beutel überlassen, welche wir ganz nach unserer Fantasie mit Stiften und Farbe bemalt haben, damit sie farbenfroher werden und sich einprägen. Ich denke, dass diese Aktion sehr nützlich ist, immerhin müssen wir alle mit allen Mitteln versuchen, unsere Natur zu schützen“.

Alina Katzedorn, eine Zuhörerin des Deutschkurses und aktives Mitglied des Vereins der deutschen Jugend „Glück“: „Es war sehr angenehm, in einer solch warmen und freundschaftlichen Atmosphäre zu arbeiten. Alles fand auf hohem Niveau statt. Wir waren so begeistert, dass wir gar nicht mitbekommen haben, wie schnell die Zeit verging. Vielen gelang es, auf die Taschen echte Meisterwerke zu malen. Ich freue mich sehr über meinen Ökobeutel, den ich auf jeden Fall benutzen werden. Ich bedanke mich sehr bei Lukas Netter für die Zeit, die er unserem Verein der deutschen Jugend geschenkt hat“.

Die Arbeiten aller Teilnehmer könnt ihr auf dem Sozialen Netzwerk Instagram unter dem Hashtag #stoffbeutelkika finden. Das ist noch eine weitere Möglichkeit, aktiv dieses wichtige Projekt voranzubringen und noch mehr Menschen auf die ökologischen Probleme aufmerksam zu machen. Nach Abschluss können die farbenfrohesten und am meisten benutzten Taschen interessante Preise gewinnen.

Marija Gorbatschjowa

Übersetzung: Philipp Dippl

Eine Idee? Der Beginn einer ganzen Geschichte…

Viele würden zustimmen, dass das Warten auf einen Feiertag eine nicht weniger freudige und aufregende Zeit ist, als der Feiertag selbst. Stimmt es denn nicht? Und die aktiven Mitglieder des Vereins der deutschen Jugend „Vorwärts“ stimmen damit auch überein: am Vorabend von Fasching sind wir in die Stadt Talgar aufgebrochen, um allen Interessierten von den Festlichkeiten zu erzählen und Karnevalsmasken zu basteln.

Kinder, ihre Eltern und Senioren kamen in die Schule Nr. 5 – alle sollten an diesem Tag das Herannahen dieses unglaublich strahlenden und wirklich faszinierenden Ereignisses spüren – den Faschingskarneval!

Die aktiven Mitglieder des Vereins der deutschen Jugend Artjom Larin und Arina Barbanakowa haben die Geschichte des Festes und der Karnevalsmasken aufgespürt, und ebenso erzählt, was man üblicherweise eine Woche vor Anbruch der Feierlichkeiten erledigt. Im Verlauf des Bastelns der Karnevalsmasken wurden Seidenbänder, Spitzen, Federn, glitzernde Pailletten und Glasperlen verwendet. Die Ergebnisse der Arbeit gerieten überaus strahlend und originell. Edan Gerliz und Wasilina Martyn haben einen Tanzworkshop organisiert und halfen den Kindern, neue Tanzschritte zu meistern. Ebenso haben wir eine interaktive Deutschstunde durchgeführt. Wir hoffen, dass viele ihren Wortschatz aufgefüllt haben. Wir haben es auf jeden Fall!

Und außerdem: wir sind mehr geworden! In der Stadt Talgar werden wir eine Zweigstelle des Vereins der deutschen Jugend eröffnen! Ein Wettbewerb für den besten Namen und das beste Logo ist schon angekündigt. Beeilt euch, daran teilzunehmen, und vielleicht wird eure Idee der Beginn einer ganz neuen Geschichte sein!

Kristin Kobelewa, KNM „Vorwärts“

Übersetzung: Philipp Dippl

Ein edler Mensch mit dunklem Schicksal

Die Gesellschaft der Deutschen im Gebiet Dschambyl hat einen literarischen Empfang zu Ehren eines bedeutenden Ereignisses organisiert – Des 100. Geburtstags der berühmten Poetin Rosa Pflug.

Die Aktiven Mitglieder der deutschen Gesellschaft und die Mitglieder des Seniorenvereins, Jugendliche, Seminarteilnehmer, Schüler und Lehrer haben sich im Café „Elba“ in Taraz versammelt, um die Gedichte der Berühmten Poetin zu hören und vorzutragen.

Rosa Pflug wurde im Jahr 1919 in dem Dorf Antonowka im Gebiet Saratow geboren. Sie hat die Schule und das Technikum abgeschlossen, aber die Familie konnte von einem ruhigen Leben nur träumen. Vor Kriegsbeginn wurde der Vater verhaftet, im Herbst 1941 wurde die Mutter von Rosa nach Kasachstan deportiert, zusammen mit ihr 8 Kinderlein, unter ihnen auch die junge Lyrikerin. Einige Jahre ihres Lebens fern der Heimat hat sie als Dorflehrerin für Deutsch gearbeitet. Schon zu dieser Zeit veröffentlichten die Zeitungen „Neues Leben“ und „Freundschaft“ ihre Gedichte, Erzählungen und Novellen.

Die junge Frau, die in ihren Gedichten von der Schönheit des heimatlichen Kreises und der unerschütterlichen Liebe zum Leben sprach, die Einsamkeit und Schmerz schilderte, wusste zu dieser Zeit noch nicht, dass ihre Poesie eine bedeutende Spur in der Kultur der Deutschen Kasachstans hinterlassen würde. Im Jahr 1994 emigrierte die Dichterin in die historische Heimat und lebte für mehr als zwanzig Jahre in Berlin.

Im März 2016, am Vorabend der Ausgabe des Erlasses zum Tag der Dankbarkeit, starb Rosa Pflug. Andernfalls, so sind wir uns sicher, hätte ihre Feder dem Volk Kasachstans noch zahlreiche wundervolle Werke gewidmet.

Polina Tscherepowskaja

Übersetzung: Philipp Dippl

Die helfende Hand vergisst man nie

Die Aktjubinsker Deutschen erinnern sich mit Dankbarkeit an die, die sie vor vielen Jahren auf ihrer Erde willkommen hießen.

In diesem Jahr wird der Tag der Dankbarkeit zum dritten Mal veranstaltet, gleichwohl hat es der Feiertag in dieser nur kurzen Zeitspanne geschafft, von allen Kasachstanern geliebt zu werden. Die multinationale Zusammensetzung unseres Landes entstand nicht in einem Jahr – einige litten unter den Repressionen der Vorkriegsjahre, viele Vertreter verschiedener Ethnien wurden bereits im Großen Vaterländischen Krieg deportiert, andere kamen überhaupt erst auf der Suche nach einem besseren Leben nach Kasachstan. Jeder Aussiedler – ob gezwungen oder freiwillig – hat seine eigene Geschichte.

In diesem Jahr erreicht Anna Iosifnowa Gorinaja (Mädchenname Dil) das 85. Lebensjahr. Sie durchlebte die Repressionen und den Krieg und sie weiß, was Kälte und Hunger bedeuten.

– Ich bin eigentlich aus Leningrad, – sagt meine Gesprächspartnerin mit Stolz. – Allerdings wurden wir fünf Tage nach meiner Geburt nach Tbilisi gebracht (wir nannten die Stadt Tiflis). Mama kam in einer Schuhfabrik unter, und Vater arbeitete in einer Fabrik, die Knöpfe herstellte. Wir haben in einer Baracke gelebt, aber wir haben uns nicht beschwert. Alles war gut, wir arbeiteten in der Gewissheit, dass es bei uns neun Kinder gab, die wir alle versorgen wollten.

Die Nachricht vom Krieg war wie ein Donner unter freiem Himmel, und nach ein paar Tagen wurde den deutschen Familien gesagt, sich zu versammeln. Ein Zug, eine Fähre, dann wieder ein Zug. Und auf die Fragen, die den Soldaten von den Heimatvertriebenen aufgezwungen wurden, haben sie nur geschwiegen. Wohin wir gebracht werden und warum – keiner wusste es.

Die letzte Reise – eine von vielen Stationen in den Steppen Nordkasachstans. Ab hier gab es nur noch Ochsenkutschen, so dass die örtlichen Bewohner weinten beim Anblick der Hungernden und Verlorenen. Die Mutter – Jekaterina Iwanowna Dil – konnte sich kaum auf den Beinen halten, das Kleinste der Kinder hat keine 40 Tage überlebt…

Die Kolchose der politischen Abteilung im Süden Kasachstans hat die Neuankömmlinge auf gute Art und Weise aufgenommen, die örtliche Bevölkerung hat versucht, den Vertriebenen zu helfen, dieser hat ein Brot gebracht, jener hat mit Milch ausgeholfen.

– Die Väter kamen sofort in die Arbeitsarmee, und aus uns wurden immer weniger – insbesondere Medizin gab es keine, so wurden die Kinder von Krankheiten dahingerafft. Der Vater kam im Jahr 1943 zurück. So sehr zusammengeschlagen und krank, dass er nur noch kurz auf der Erde lebte. Wir blieben zu zweit mit der Mutter, ansonsten war keiner mehr übrig… – verstummt die Großmutter.

Anna Iosifowna erging es etwas besser als den anderen ihrer Landsmänner: in dem südlichen Klima konnte man Mungobohnen sammeln (eine Bohnenart), sobald es hell wurde, gingen die Kinder auf die Felder, zu den Weizenähren.

Und im Süden gab es auch noch Baumwolle. Die Baumwollfelder schienen für das neunjährige Kind grenzenlos zu sein.

– Wir haben uns nie beschwert. Es kam vor, dass wir einige Tage lang nichts zu essen hatten, aber das hielten wir aus. Es war für alle schwierig. Wir gingen auf die Felder und sammelten den Weizen, es gab so viel davon, dass man dachte, er wäre überall, – seufzt die Veteranin der Arbeitsfront.

Was hat dem kleinen Mädchen Anna diese Kraft verliehen? Vielleicht die Hoffnung, dass der morgige Tag kommt und den Krieg beendet, vielleicht der Lebenswille trotz aller Lasten des Schicksals.

Die Freundschaft prüft die Dauer, Stolz und Barmherzigkeit den Krieg. Tausende und abertausende Deutsche, Koreaner, Bulgaren, Armenier, Ukrainer, Aserbaidschaner und andere Ethnien werden sich in Dankbarkeit daran erinnern, dass sie vor vielen Jahren nicht der Not überlassen wurden, sondern dass ihnen diese dringende Hand der Hilfe ausgestreckt wurde.

Dmitrij Schinkarenko

Übersetzung: Philipp Dippl

Glückwünsche dem Verein der deutschen Jugend Kasachstan (VdJK) zum Geburtstag

Die Jugend ist der „ewige Motor“ der Zukunft, und die Union der deutschen Jugend Kasachstans ist dafür ein strahlendes Beispiel. Schon seit 23 Jahren verwirklichen wir uns aktiv in verschiedenen Lebensbereichen und erhalten dabei unsere ethnische Identität.

Der Geburtstag des VdJK ist die regelmäßige Schwelle zu neuen Errungenschaften und Erfolgen, welche uns in einer strahlenden Zukunft erwarten!

Übersetzung: Philipp Dippl

Aufruf an die Deutschen Kasachstans

Liebe Landsleute!

Ich wende mich an Sie, die Deutschen Kasachstans, mit Sorge um das Schicksal der deutschen Sprache in unserer Gemeinschaft. Sie verschwindet rasend aus dem Alltag, aus unserer Kommunikation in der Familie, mit den Lieben und mit Freunden. Kann denn ein Mensch, der die deutsche Sprache nicht kennt, Deutscher sein? Möglicherweise kann er, aber wie kann er dann den ethnischen Reichtum besitzen, den man einer heranwachsenden Generation nur durch die Muttersprache vermitteln kann? Die Zugehörigkeit zu einer Nation definiert sich nicht über die biologische Vererbung, nicht über die Daten im Pass, sondern durch die bewusste Heranführung zu kulturellen Traditionen, durch die Treue zu den geistigen Werten, welche den Inhalt unserer Geschichte bilden, durch alles, was man in erster Linie durch Sprache erfährt. Sie wissen, dass im 20. Jahrhundert auf das Schicksal des deutschen Volkes schwere Erschütterungen und Bewährungsproben hinabfielen. Das schwere Schicksal traf auch die deutsche Sprache. Auf ihr (oftmals ausschließlich mit ihr) verständigten sich mehr als 420.000 Deutsche, die im Herbst 1941 nach Kasachstan deportiert wurden. 

 Auf Deutsch beteten in der Trudarmee und den Lagern heimlich unsere Eltern, Großmütter und Großväter. In der Muttersprache unterhielten sie sich in den Familien und bewahrten und behüteten sie behutsam auf diese Weise. Im Jahr 1955 wurde das Dekret „Über die Aufhebung der Einschränkung in der Rechtsstellung der Deutschen und der Mitglieder ihrer Familien, welche sich in den Spezialgebieten befinden“ erlassen, und bereits im Jahr 1957 wurde in den Schulen mit der Lehre der deutschen Sprache als Muttersprache begonnen. Es war nie sehr einfach, aber sogar unter den Bedingungen der Repressionen und der Verfolgung hat unser Volk seine Rechte auf den Erhalt und die Lehre der Muttersprache verteidigt. 

 Es ist noch nicht lange her, da gehörte auf allen allgemeinbildenden Schulen die deutsche Sprache zu der Liste der obligatorischen Lehrfächern. Aber im Laufe der letzten zehn Jahre mit dem Übergang zum dreisprachigen Lehrsystem ist sie praktisch aus dem Lehrprozess völlig herausgefallen. Bis zu einem bestimmten Moment bestand ein großes Risiko, dass die deutsche Sprache völlig und für immer aus dem kasachischen Bildungssystem verschwindet und wir unwiderruflich das verlieren, was über Jahre angesammelt wurde. Es war notwendig, Sofortmaßnahmen zur Stärkung der Position der deutschen Sprache zu ergreifen. 

 Nach der gesamtnationalen Konferenz im Oktober 2017 wurde die Wiederherstellung des Status der deutschen Sprache in den Schulen, ihr Erhalt und ihre Entwicklung zur priorisierten Ausrichtung der Aktivitäten der öffentlichen Stiftung „Wiedergeburt“.  

 Und wir haben viel erreicht. Der Staat in Person des Bildungsministeriums bekräftigte das Interesse darin, dass die deutsche Sprache ihren rechtmäßigen Platz in den mittleren und höheren Schulen einnimmt. 

 Für unsere Kinder gibt es jetzt wieder die Möglichkeit Deutsch von der ersten Klasse an zu lernen. Dafür wurden alle notwendigen Rechtsvorschriften übernommen, es wurden aktualisierte Programme für die ersten bis vierten Klassen erarbeitet, ein Schulbuch der neuen Generation ist in Arbeit,welches bis zum 1. September 2019 herausgegeben wird. Die Schulleitungen sind dazu verpflichtet, Deutschunterricht zu organisieren bei mindestens 5 bis 6 Interessenten, und natürlich, wenn es eine Lehrkraft gibt. Auf Basis der staatlichen Universität namens Sch. Ualichanow Kokschetau werden schon seit zwei Jahren Gruppen zukünftiger Deutschlehrer aus den Jugendlichen, die mit Finanzmitteln der deutschen Bundesregierung studieren, gebildet. Das Ministerium für Bildung und Wissenschaft der Republik Kasachstan verspricht, den Studenten der Fachrichtung „Lehrer für deutsche Sprache“ mehr Zuschüsse zukommen zu lassen. 

 Es gibt nicht wenige Probleme, aber wir sind bereit, diese systematisch zu lösen. Aber der grundlegende Punkt ist immer noch der Wusch der Eltern der Schüler bei der Wahl des Sprachunterrichts: Deutsch oder Englisch. Je größer das Bewusstsein für die Notwendigkeit ist, unseren Kindern die deutsche Sprache beizubringen, desto stärker ist die Bevölkerung darin bestrebt, sie als Schulfach zu wählen. 

 Ich mache keinen Hehl daraus, für mich war es ein Schock, als im letzten Jahr in meiner Heimatstadt Lisakowsk im Gebiet Kostanaj auf das Angebot des Schuldirektors, Deutsch zu lernen, die Eltern von acht (!) deutschen Erstklässlern mit einer Verweigerung reagierten. Ihre Entscheidung sei dadurch motiviert gewesen, da sie nicht planten, nach Deutschland überzusiedeln. Die Eltern von Schülern anderer Nationalitäten: Kasachen, Tataren, Russen, wollten, dass ihre Kinder Deutsch lernen, und unsere haben es abgelehnt! 

 Selbstverständlich können alle Deutsch lernen, unabhängig von ihrer Nationalität, so wie es früher war, als eine Hälfte der Klasse Deutsch gewählt hat, die andere Hälfte Englisch oder Französisch. Aber in erster Linie muss es bei uns, den Vertretern der deutschen Ethnie, einen Anreiz zum erlernen der Muttersprache geben. Mit der Wahl der deutschen Sprache geben die deutschen Eltern ihrem Kind die Möglichkeit, ihr Volk und ihre ethnische Kultur zu lieben, das Gefühl des Nationalstolzes zu erleben. 

 Der Präsident des Landes Nursultan Abischewitsch Nasarbaew hing die Latte für die heimische Bildung sehr hoch. Sie soll wettbewerbsfähig werden, von hoher Qualität und so ausgelegt sein, dass die Absolventen der kasachstanischen Schulen ihre Ausbildung an ausländischen Hochschulen fortsetzen können. Deutsch zu können hilft, die Türen zu den besten europäischen Universitäten zu öffnen. Das allerwichtigste ist ein anständiges Zeugnis und die Beherrschung von Sprachen. Deutsche Stiftungen finanzieren zahlreiche Austauschprogramme, Praktika und Sommerschulen für ausländische Studenten. Eine der wichtigsten Bedingungen für die Teilnahme in diesen Projekten ist, dass man Deutsch kann.  

 Viele unserer Landsmänner haben Kasachstan nach Deutschland verlassen, die ihre eigene „Brücke der Zusammenarbeit“ in vielen Bereichen haben, und die Kenntnis von Deutsch fördert die Stärkung dieser Brücke. 

 Es gibt eine Fülle an Argumenten, die für das Deutschlernen sprechen. Darüber muss man reden, sich mit den Eltern der Erstklässler unterhalten, mit den Lehrern und den Schuldirektoren, mit den Vertretern der Bildungsorgane. Dennoch ist für unsere Ethnie nationales Selbstbewusstsein als Verständnis seiner Zugehörigkeit zur deutschen Nation, die Herausbildung der Grundlagen des Charakters des ethnischen Deutschen und die Erzeugung von Verhaltensnormen, welche sich durch das Erlernen der deutschen Sprache formieren, das allerwichtigste. 

 Verehrte Landsleute, möglicherweise haben in den Regionen vor Ort noch nicht alle die notwendigen Informationen erhalten, nicht alle verstehen, dass die Wiedergeburt der deutschen Sprache Realität ist, es ist ein Erfolg, der von uns allen abhängt. 

 Natürlich müssen vor allem die regionalen Gesellschaften „Wiedergeburt“, die Aktivisten der deutschen Bewegung zu den Initiatoren der Rückkehr der deutschen Sprache in die Schulen werden. Das ist keine einfache Aufgabe, etwas wiederherstellen ist immer anstrengend. Schon in einem Monat beginnt die Erfassung der zukünftigen Erstklässler, und die Eltern sollten gut informiert sein und ihre Rechte kennen. Sie sollten sie kennen und realisieren. Es hängt von jedem von uns ab, ob die deutsche Sprache noch eine Chance erhält, ob ihr Erlernen aktiv in den Bildungsprozess in Kasachstan eingebunden wird. 

 Unsere Organisation heißt „Wiedergeburt“, und so sollen wir alle zusammen unsere Muttersprache wiederbeleben. Nur mittels aktiver Zusammenarbeit können wir eine bessere Zukunft für unsere Kinder und Enkelkinder fördern! 

 Achtung! Landsleute, erwacht!!! Entweder jetzt, oder es wird zu spät sein!!! Wenn wir es nicht tun, dann wird es kein anderer niemals mehr tun! 

  Hochachtungsvoll und hoffnungsvoll, Albert Rau, Abgeordneter der Mazhilis des Parlamentes der Republik Kasachstan, Vorsitzender des Verwaltungsrates der öffentlichen Stiftung „Wiedergeburt“ 

Übersetzung: Philipp Dippl

Fasching! Fasching! Fasching…

 Viele verbinden wahrscheinlich verschiedene Assoziationen mit diesem Wort, zum Beispiel den Karneval von Venedig, totale Rätselhaftigkeit, tolle Kostüme, Masken, Pracht und Mysterien. Für die einen ist es ein Neujahrsfeiertag, für uns – Deutsche – ist es eine Tradition, die aus dem Mittelalter stammt.

Die Durchführung des Faschingskarnevals ist für die Gesellschaft der Deutschen „Wiedergeburt“ der Stadt Astana und des Gebietes Akmolinsk schon zu einer alljährlichen, lieben Tradition geworden. Dieses Mal wurde das Ereignis zusammen mit dem Haus der Freundschaft durchgeführt, welches mit großer Gastfreundschaft seine Türen für alle Interessenten geöffnet hat.

Der Karneval begann mit dem von allen geliebten Flashmob und mit der „Berliner Polka“. Es gab viele interessante Spiele und eine Theateraufführung. Und mit den einstudierten „Schreien“ haben sich die Kinder und Eltern zum künstlerischen Karnevalsumzug begeben um die bösen Geister zu verjagen und den Winter zu verabschieden. Die größten Wirbelwinde waren unsere Senioren… Und alles endete mit dem Tanz der Jugendlichen mit den Bändern und der festlichen Teetafel.

Wir freuen uns immer über Gäste und erwarten Euch in den Kreisen unserer großen, freundschaftlichen Familie – der Gesellschaft der Deutschen „Wiedergeburt“!

Ewgenija Gizik

Übersetzung: Philipp Dippl

Weg mit dem Winter, mach Platz für den Frühling

 Die Deutschen, die im Gebiet Aktjubinsk leben, denken nicht daran, ihre Traditionen zu vergessen. Viel mehr vergrößert sich mit jedem Jahr die Zahl derer, die mehr über die deutsche Kultur erfahren wollen. In diesen Tagen steht jeder von ihnen mit einem kleinen Teil mit der Geschichte in Berührung und nimmt sogar am Karneval zur Verabschiedung des Winters teil.

Die Schüler der deutschen Sonntagsschule, die Jungs und Mädels der Theaterwerkstadt „Denk´ mal“ und die Vertreter der älteren Generation haben die Aufgabe übernommen, die kälteste Zeit des Jahres zu verabschieden. Der traditionelle Veranstaltungsort ist die Schule Nr. 11. Unter den Menschen aus Aktjubinsk hat die Bildungsstätte schon vor Langem den inoffiziellen Status einer Insel der deutschen Kultur erhalten.

– Es gibt eine interessante Studie, die belegt, dass die russischen Deutschen Nachkommen der Schwaben sind, die vor mehr als zwei Jahrhunderten nach Russland umgesiedelt sind. Deshalb haben wir für unserer Vorstellung genau die schwäbische Variante des Karnevals als Grundlage ausgewählt, – erklärt die Organisatorin der Veranstaltung Inna Woloschina.

Der historische Exkurs ist nicht vergebens – in der kleinen Aula, wo an einem frühen Sonntag Morgen die Jungs und Mädels zusammengekommen sind, herrschte Stille. Die Unterstufenschüler, die Älteren Schüler und die Senioren haben aufmerksam der Pädagogin gelauscht, die über ihre Vorfahren erzählte.

– In Wirklichkeit hatten die Frauen drei Sorgen: die Küche, die Kinder und die Kirche. Aber an diesem Tag haben die lieben Damen Freiheiten bekommen. Sie konnten auch herumtollen, – erzählt Inna Woloschina. – Der Lieblingsstreich der Hausfrauen, die die Puppen tanzen ließen: die Krawatte von Unbekannten abschneiden. Und als Wiedergutmachung stand den Männern ein Kuss zu.

Der Dienstag des Karnevals ist dem Kinderfasching gewidmet, ebenso findet die „Vogelhochzeit“ statt. In der Rolle der Vögel stecken die allerjüngsten Teilnehmer des Faschings. Um das Kpostüm vorzubereiten, vergingen für die kleine Sofija Sosina mehrere Abende. Natürlich ist sie nicht ohne die Hilfe ihrer Mutter ausgekommen.

– Wir haben so viel Neues über den Karneval erfahren! Es ist in der Tat sehr aufschlussreich sowohl für Kinder wie auch für Erwachsene. Im täglichen Trubel vergisst man irgendwie über die Traditionen und Bräuche unserer Vorfahren, und dank solcher Veranstaltungen wird alles verständlich, – berichtet Marija Sosina von ihren Eindrücken.

Der Karneval endete mit der traditionellen Austreibung des Winters, der „davongelaufen“ ist, als er die Teilnehmer des Faschings in Aktjubinsk hörte.

Die müden, aber glücklichen „Karnevalisten“ erwartete ein gedeckter Tisch. Goldbraunes Gebäck – köstliche Kuchen, Kekse, Lebkuchen, Brezeln, Berliner, Blinis und Salzgebäck – haben Begeisterung hervorgerufen. Hier haben die Senioren (Natürlich nicht ohne die Hilfe ihrer Enkel) und die Teilnehmer an der Sonntagsschule zusammen mit den Eltern ihre ganze kulinarische Klasse gezeigt.

– Das ist ein Energieschub, das ist gute Laune, es ist eine zusätzliche Gelegenheit zur Geselligkeit. Wir sind immer mit großer Freude bereit, unsere Erfahrungen, unser kulinarisches Wissen und unsere Rezepte weiterzugeben, die noch von unseren Großmüttern stammen, – merkt mit einem Lächeln Lidija Pawluchina an.

Es ist erstaunlich, aber am Tag nach der Verabschiedung des Winters ist es in Aktobe wärmer geworden. Ob es das Zusammentreffen verschiedener Umstände war, oder die Bewohner der Stadt den Frühling wirklich so sehr vermisst haben, dass ihre Wünsche gehört wurden, in naher Zukunft wird die Kälte auf jeden Fall nicht mehr in unsere Mitte zurückkehren!

Dmitrij Schinkarenko

Übersetzung: Philipp Dippl

Mit einem Faden verbunden

Die Handwerksmeisterin Olesja Riffel aus Aktjubinsk hat die japanische Strickkunst Amigurumi erlernt und erfreut jetzt Kinder und Erwachsene mit ihrem Blick auf die Welt.

Der Morgen beginnt für Olesja Riffel mit einem Lächeln, und mit ihm geht ihr Tag auch zu Ende. Was versetzt sie in eine solche Stimmung, ohne dass sie ihren inneren Dämonen erlaubt, herauszukommen?

– Ich habe einfach gelernt, meine Emotionen zu kontrollieren, das ist zwar nicht sehr leicht, aber es ist möglich, erzählt Olesja, und einige Minuten später erklärt sie die Geheimnisse ihrer Gelassenheit.

Meine Gesprächspartnerin ist dreißig Jahre alt. Sie kann sich schon selbst nicht mehr daran erinnern, wann sie Nadel und Faden in die Hand genommen hat. In ihrer Kindheit hat dem Mädchen, das ohne Eltern aufgewachsen ist, die Tante das stricken beigebracht. Zu erst waren es kleine Söckchen, danach Schals und Jäckchen. Zu dieser Zeit hat sie noch nicht gewusst, dass viele Jahre später ihr Hobby zu etwas viel Größerem heranwachsen würde.

Ihre Inspiration schöpft Olesja aus allem: sei es ein Spaziergang mit dem Hund an einem Frühlingstag, oder ein Angelausflug im Sonne, oder die stille Jagt im Herbst. Manchmal kann eine Vision durch das Gespräch mit einem Menschen entstehen, manchmal kommt sie aus dem Nichts, aus der Stille…

– Für das erste Püppchen – es war ein kleiner Pinguin – habe ich ungefähr zwei Wochen gebraucht. Als ich auf das Resultat blickte, hat sich irgendwas in mir verändert, ich habe verstanden, dass es das war, wonach ich viele Jahre gesucht habe, – teilt die Handarbeiterin offenherzig mit.

Heute gilt Olesja Riffel fast als die begabteste Meisterin im Amigurumi. Sie strickt für Kinder und für Erwachsene. Es ist eine bewiesene Tatsache: wenn ein Mensch ein gestricktes Tier wenigstens ein paar Minuten betrachtet, wird er von Stress befreit, und wenn er es sogar noch in den Händen hält, dann lindert es die Müdigkeit wie mit einem Handschlag. Jeden Tag rufen dutzende Menschen bei Olesja an und erläutern, was sie genau sehen möchten. Sie übernimmt nicht alles, sie sagt, sie beherrscht noch nicht alle Feinheiten des japanischen Strickens.

– Es ist schwer, einen Gesichtsausdruck zu treffen, weil es hier wichtig ist, Emotionen und Stimmungen zu vermitteln, damit der zukünftige Besitzer auch zufrieden ist. Wenn es mir in der Seele traurig ist, dann nehme ich den Strickauftrag nicht an, andernfalls überträgt sich meine Stimmung auf die Puppen – sagt Olesja. – Jedem Püppchen gebe ich ein Stück meiner Seele, das ist für mich sehr wichtig.

Übrigens ist Stricken nicht wirklich ein profitables Geschäft: ein großer Teil des Verdienten geht für den Kauf von Materialien weg.

Erst seit kurzem interessiert sich die Meisterin für europäische Kultur, insbesondere erregten deutsche Volkspüppchen ihre Aufmerksamkeit, mit welchen sie sich noch beschäftigen möchte, um die Erinnerung an die Vorfahren, die in Deutschland lebten, zu bewahren.

– Ich versuche, und hoffe, dass die Bewohner von Aktjubinsk meine Vorhaben positiv bewerten werden, – so teilt Olesja Riffel ihre Pläne mit.

Dmitrij Schinkarenko

Übersetzung: Philipp Dippl

Zentrum für aktives Älterwerden

Mit Unterstützung durch die Partei „Nur Otan“ und durch die Volksversammlung des Gebietes Pawlodar wurde innerhalb des Hauses der Freundschaft das Zentrum für aktives Älterwerden eröffnet. Auch die Gesellschaft der Deutschen „Wiedergeburt“ der Stadt Pawlodar nahm an der Eröffnung des Zentrums teil. Die Eröffnung wurde zu einer Zusammenkunft der mittleren und älteren Generation, es gab Präsentationen durch das Öko-Studio, Clubs zu den Interessen der Älteren, eine Vorstellung von Nationalspeisen durch die Jugendabteilung, sowie einen Auftritt im Konzertprogramm (Irina Zwonarjowa, „Pariser Tango“).

Der stellvertretenden Vorsitzenden Olga Litnewskaja wurde auf interessante Art und Weise das Programm des Projektes „Schule des dritten Alters“ vorgestellt: „Wir wollen immer unsere Veteranen unterstützen, ihnen helfen, sich aktiv, munter und mit allen Kräften und Energie zu fühlen. Schon seit acht Jahren gibt es in unserer Gesellschaft die „Schule des dritten Alters“, welche wir gegründet haben zur Miteinbeziehung in aktive Betätigungen derer, welche bereits i die wohlverdiente Rente gegangen sind. Wir sehen unsere Aufgabe in der Unterstützung der Pensionäre, damit sie nicht den Glauben an sich selbst verlieren, um ihnen zu zeigen, dass sie von allen gebraucht werden, und ebenso um ihnen Wissen und Fertigkeiten zu vermitteln, die im Zeitalter der neuen Technologien notwendig sind.

Zu den aktivsten Teilnehmern der Schule zählen bis heute ungefähr 50 Personen. Für sie werden Kunsttherapien, Massage- und Selbstmassageschulungen, allerlei Vorlesungen oder Gespräche mit Psychologen organisiert. Im Zentrum „Wiedergeburt“ wird alles berücksichtigt: sowohl physische Beanspruchung, als auch kulturelle Mußestunden für die Menschen im vorangeschrittenen Alter. Dies ist ein skandinavischer Zugang, Unterrichtseinheiten an verschiedenen Trainingsgeräten, Yoga, Fitness, aber auch die Organisation von Literatur- oder musikalischen Zirkeln.

„Wir arbeiten eng zusammen mit Abteilungen des Gesundheitswesens und mit Sozialprogrammen, mit Spezialisten, die sehr gerne über neue Gesetze oder Möglichkeiten berichten. Die Teilnahme an der „Schule des dritten Alters“ hilft, sich selbst in Schwung zu halten. Im letzten Jahr haben wir die besondere Notwendigkeit gespürt, zusätzlich auch noch den Gesundheitsverein „ZOZh“ zu bilden, welcher momentan 13 Menschen zählt. Für die Anhänger eines aktiven Lebensstils bieten wir die jetzt sehr populäre skandinavische Herangehensweise an, Teilnahme an Straßen-Workouts, ebenso an Fitness-Yoga, – teilte Olga Litnewskaja mit. – Bei uns in der Gemeinschaft gibt es auch unsere Hochbetagten. Das ist Jakow Andrejas (95 Jahre), Elisaweta Leonawitschus und Emma Terentjewa (94 Jahre), Lilija Janzen und Marija Sytschik (93 Jahre)“.

Ljudmila Bebz

Übersetzung: Philipp Dippl

Kommunikation: virtuell oder real – was ist besser?

Am 2. Februar stellten sich auf der Bühne des republikanischen deutschen dramatischen Theaters unter den Mühen ihrer Teilnehmer die Theaterwerkstatt des Vereins der deutschen Jugend der kulturethnischen Gesellschaft der Deutschen „Wiedergeburt“ mit der Theateraufführung „Wir sind im Kontakt“ dem Urteil der Zuschauer. Die Kreativleiter und Initiatoren waren Oksana Focht und der Assistent des Regisseurs Eduard Gomberg, die sich für das Experiment sowohl im Rahmen eines gegebenen sozialen Problems, als auch im kollektiven Bewusstseins des Szenariums. Und der Plan ging auf!

Das Thema, das den Jugendlichen vorgeschlagen wurde, ist ihnen wohlbekannt und ist möglicherweise das aktuellste in der modernen Welt. Smartphones, Tablets, Computer spielen in unserem Leben nicht nur eine besonders wichtige Rolle, sondern macht uns oft zu Geiseln einer künstlichen Wirklichkeit. Die Vor- und Nachteile einer solchen Wirklichkeit zu durchschauen, so wie die virtuelle Gesellschaft, haben unsere jungen Schauspieler versucht. Es gelang den Teilnehmern, in der Aufführung sowohl die guten als auch die schlechten Seiten des modernen Lebens in den sozialen Netzwerken zu reflektieren. Einerseits ist es eine Wohltat, die es uns ermöglicht, mit den nahen Menschen an jedem Ort der Welt zu kommunizieren, andererseits könnten wir der Realität beraubt werden, in der wir tatsächlich existieren. Virtuelle oder reale menschliche Kommunikation, was ist besser? Genau diese Frage erörterten die Jugendlichen.

Die Zuschauer, unter denen sich viele Eltern mit Kindern befanden, haben die vom Kollektiv geleistete Arbeit hoch geschätzt, die daraus hinauslief, dass der Austausch der realen Wirklichkeit mit der virtuellen Welt ein großes Problem und ein Leiden der Gegenwart ist. Immerhin hat schon Saint-Exupery in seinem Werk „Der kleine Prinz“ erläutert, dass es für die Menschen nur einen wahren Luxus geben kann – und das ist die menschliche Kommunikation.

Julija Tjukalowa und Angelina Golodowa, VDJ „Vorwärts“

Übersetzung: Philipp Dippl

Konservierte Sprache und Kultur

Der Sonntag begann im deutschen Zentrum „Wiedergeburt“ in der Stadt Schymkent so wie immer. Die Unterrichtsstunden verliefen nach Stundenplan: die Gesangsgruppe mit der Leiterin Margarita Kin an der Spitze hat neue Lieder eingeübt, die Teilnehmer der Sonntagsschule für Kinder „Sonnenschein“ haben Deutsch gelernt, die Administration hat, so wie immer, über Dokumenten gebrütet und die Kinder aus dem Jugendclub haben eine Überraschung für Marianne vorbereitet, eine Staatsbürgerin aus Deutschland, die nach Schymkent gekommen ist, um praktische Übungen in der öffentlichen Vereinigung „Rechtszentrum der Fraueninitiative „Сана Сезім“ durchzuführen. Sie wurde zum sonntäglichen Gast des Deutschzentrums.

Elena Martynowa, die Leiterin der Sonntagsschule für Kinder, hat sich dazu entschieden, die Kinder und die Jugendlichen zu einer gemeinsamen Gruppe zusammenzulegen und für alle einen kulinarischen Workshop zu organisieren, welcher von dem aktiven Mitglied der Gesellschaft Irina Kurz durchgeführt wurde. Sie hat ihre Wahl für Quarkplätzchen getroffen.

Die jungen Konditoren haben gekonnt Teig geknetet, und die kleinen Gastronomen haben leidenschaftlich raffinierte sandfarbene Figuren geformt und sie reichlich mit Puderzucker bestreut. Marianne wurde die wichtigste Aufgabe anvertraut – die fertigen Waren auf das Backblech zu legen und sie in den Ofen zu schieben. Alles endete mit einer großen Teerunde, wo die wichtigste Leckerei der mit Schokolade und kandierten Früchten überzogene Gugelhupf war, ein hunderte Jahre altes Rezept.

Bei der Teilnahme an diesen Veranstaltungen ertappte ich mich bei den Gedanken an die Wichtigkeit des Zusammenhalts, wenn Kinder unterschiedlichen Alters, gefesselt von einer interessanten Sache, ihre Gadgets vergessen und sich an den Eindrücken des Passierten erfreuen. Und was bleibt Marianne im Gedächtnis? Für sie war es eine Entdeckung, dass im sich weit von Deutschland entfernt befindenden Schymkent ethnische Deutsche leben, die Traditionen und Bräuche, Sprache und Kultur bewahren, die sich an die Geschichte der ersten deutschen Aussiedler erinnern und das Gedenken an die Opfer der Stalinschen Repressionen in Ehre halten.

Diana Kurz

Übersetzung: Philipp Dippl

Lebendige Geschichte

Sich an die erlebten Seiten der Geschichte der Russlanddeutschen erinnern sowie einen Eindruck gewinnen, wie sich ihr Leben weiterentwickelte, konnten die Teilnehmer des „Vereins der Senioren“ der öffentlichen Vereinigung der Deutschen „Wiedergeburt“ der Stadt Semej während des runden Tisches „Lebendige Geschichte“, der von Alisa Groschewaja und Ignat Speschilowij durchgeführt wurde.

Im Verlauf der Diskussion stellte Alisa den Versammelten die Präsentation „Die Geschichte der Deutschen in Russland und der UdSSR“ vor und erzählte, welchen Weg sie gingen, wohin sie umgesiedelt wurden, und wie ihr Leben verlief. Ekaterina Gorjaewa (Borg), eine der Teilnehmerinnen des Treffens, hat Dokumente und Archivunterlagen mitgebracht, die die Erinnerungen daran wachhalten, wie ihre Familie aus Russland nach Kasachstan geriet, wie ihre Jugendjahre verliefen, wie ihr der Universitätszugang aufgrund ihrer Nationalität verweigert wurde. Ekaterina Sokirko hat ihre große und vereinte Familie vorgestellt. Zwei Ekaterinas – Schwestern dritten Grades, die sich während ihren Vorträgen in den wichtigsten Episoden ergänzten.

Die Geschichten sind bei jedem unterschiedliche, aber der gleiche Leidensfaden spannt sich durch sie, das gleiche Erlebte und die gleichen Tränen. Es tröstet, dass die Menschen nicht aufgegeben und trotzdem an einer glänzenden Zukunft gearbeitet haben. Alle zukünftigen Generationen müssen das historische Erbe bewahren. Und das allerwichtigste ist, das fürchterliche Geschehen nicht zu wiederholen, welches das Schicksal von Millionen zerstört und verändert hat.

Sämtliche Erzählungen wurden auf Video festgehalten, so dass Alisa und Ignat demnächst einen kurzen historischen Film über die Deportation der Russlanddeutschen nach Kasachstan und ihr Leben im Gebiet Ostkasachstan zusammenstellen können.

Marija Gorbatschjowa

Übersetzung: Philipp Dippl

Das Leben aus dem Linsenfokus

Der Fotograf der Nationalgarde der Republik Kasachstan Vyacheslav Gelbling – eine sehr vielseitige Persönlichkeit – liebte den Gesellschaftstanz, das Radiobusiness, den Beruf des Möbelmachers, Mechanikers, Schweißers, Waggonbauers, Fahrers. Das Schicksal gab ihm die Möglichkeit, sich selbst zu testen, und er lehnte es nicht ab.

Vyacheslav Gelbling kennen in der Armee fast alle. Vielleicht ist er der einzige Fähnrich in Kasachstan, der sich frei an eine Person wenden kann, die einen Rang hat, von Privatpersonen bis zu Generälen. Und er rühmt sich mit seinem Ruf nicht, er benimmt sich einfach und bescheiden. Dies fasziniert sowohl den gewöhnlichen Soldaten als auch die Chefs.
Es gibt keine Person, die Geschenken gleichgültig ist. Vyacheslav Konstantinovich zieht es vor, mehr zu geben als zu nehmen. Als er am 8. März vor genau fünfzig Jahren geboren wurde, schenkte er seiner Mutter ein wunderbares Geschenk.

– Ich habe eine positive Einstellung zum Frauentag. In meiner Familie gibt es jetzt drei Frauen – meine Ehefrau, meine Tochter und meine Enkelin, um die ich besorgt bin. Ich versuche sie mit kleinen Geschenken zu erfreuen. Aber die Blumen sind natürlich immer ein Muss an diesem Feiertag. Gelbling hat sein ganzes Leben lang nie an seinem Geburtstag studiert oder gearbeitet.

Wir, die Verbannten …

Die Unterdrückung hat auch die Familie Gelbling nicht umgangen, deren Vorfahren im Dorf Shpeer im Gebiet Odessa lebten. Spät in der Nacht wurde die deutsche Familie nach Polen gefahren, von dort mit dem Militärzug nach Kasachstan. Hier in der Perekatnaya-Station der Region Turgay trafen sich die Eltern von Vyacheslav. Unter den Bewohnern der Siedlung befanden sich viele Deutsche und auch Kasachen, Kirgisen, Armenier, Inguschen und Litauer. Wir haben zusammengelebt, uns gegenseitig geholfen.

„Mein Vater kannte die Sprachen aller, die im Dorf lebten, er hatte ein phänomenales Gedächtnis. Er war eine einzigartige Person – er zeichnete gut, spielte Gitarre, Klarinette, Saxophon und drei Arten von Akkordeon. Er war der Chef des lokalen Freizeit- und Erholungszentrums und ein Projektionist, er liebte das Fotografieren. Vielleicht bin ich nach ihm kommend, so neugierig auf ihn?“, erinnert sich Vyacheslav Gelbling.

Mit Sport sehr vertraut

– Damals gab es keine Computer, aber ich mochte es nicht, mich zu langweilen. Mit den Nachbarn schnitzen die Jungen die Schiffe aus Holz. Es klappte ziemlich gut. Ich habe Sport geliebt, am liebsten aber Mannschaftssportarten. Er war einer der Besten im Fußball, im Handball. Nicht schlecht beim Radfahren. Mir wurde klar, dass man in guter körperlicher Verfassung sein müsse. Das ist sehr nützlich für mich im Leben, sagt Vyacheslav.

Die erste Begegnung mit einem Foto fand im Alter von 15 Jahren statt. Ein neugieriger Typ wurde in einen Behälter mit Wasser, einem Entwicklertablett gestellt und … begann dort ein Stück Karton herunterzulassen.

– Damals hatten wir den Ausdruck: „Wenn Sie möchten, dass Ihr Freund Habenichts wird, geben Sie ihm eine Kamera.“ Es reicht nicht aus, die Technik selbst zu besitzen, Sie benötigen einen Foto-Vergrößerer, einen glänzenden Film. Ich erinnere mich, wie ich im ersten Monat zehn Filme zerstört habe. Aber es war interessant, die Grundlagen zu lernen. Ich liebte es, Menschen und ihre Gefühle zu fotografieren. Er entwickelte nachts Fotos, und am nächsten Tag verteilte er sie einfach – der Fotograf teilt.

Vom Zug zum Radio

Nach der achten Klasse betritt Vyacheslav unerwartet für alle die Eisenbahnschule.

– Mein Vater sagte, ich würde niemals an einem „Stück Eisen“ arbeiten, er wollte, dass ich mich mit Fotografie beschäftige, aber seine Worte überzeugten mich nicht. Drei Jahre später war ich bereits Ersatzmann in der Zugbesatzung, dann als Lokführer. Die Arbeit an der Eisenbahn für zwei Jahre befreite die Jungs von der Armee, aber ich wollte dem Mutterland dennoch Dienst leisten. Als ich gerade 18 Jahre alt wurde, wandte ich mich an das Kommissariat. Die Einberufung war groß, aber es fehlten Funktelegraphisten. Ich beschloss, etwas Neues für mich zu lernen. Drei Monate Ausbildung und im Herbst wurde ich als Spezialist für Funkabteilungen zur Armee gebracht.

Ein interessantes Detail, ohne zu hören, Vyacheslav – der einzige aus der Gruppe, der die zweite Klasse der Telegrafenbetreiber belegte.

„Vielleicht sind das die Gene, aber ich habe sogar das Morsealphabet auswendig gelernt. Ich habe in Taschkent gedient, mit Waffen und Munition. Wir haben unsere Einheiten in Afghanistan mit allem versorgt, was sie brauchen.

Liebe auf den ersten Blick

Vyacheslav, der nach Hause zurückkehrte, wollte nicht als Maschinist arbeiten. Nachdem er sich Zeit zum Nachdenken gegeben hatte, schaute der junge Mann in das Tanzsaalstudio, in dem er kurz vor dem Wehrdienst noch gelernt hatte.

– Und dann sah ich Sie … kurz, schlank, wunderschön. Ich mochte sie sofort, sogar ein Freund sagte, dass Irina meine Frau werden würde. Ein Jahr später ist es passiert. Das ist Schicksal.

Arbeiter werden immer gebraucht

Tselinogradselmash war in der gesamten Union für seine Technologie bekannt. Dort bekam der Mann einen Job als Elektroschweißer, aber er gab seine Leidenschaft für die Gesellschaftstanz nicht auf, und in seiner Freizeit besuchte er das Studio.

– Vater war dagegen, aber ich bestand erneut darauf. Und als es ein Berichtskonzert gab, trat ich so gut auf, dass er die Tränen nicht zurückhalten konnte.

Er arbeitete mehrere Monate als Schweißer, dann als Wender, Assistenzfahrer und Auto-Compiler in einer der Werkstätten des Werks. Er erlernte den Beruf des Metallgießers.

Und wieder Wehrdienst

Der Beginn der „rasenden 90er“ überraschte die junge Familie Gelbling (damals hatte Vyacheslav schon zwei Kinder) nicht. Dies liegt daran, dass das Familienoberhaupt gerne arbeitete, sodass er immer einen Deal finden konnte. Er qualifizierte sich erneut als Möbelbauer und arbeitete etwa ein Jahr in der Sicherheitsstruktur. Und entschied sich 1995, in den Innendienst der Innertruppen zu gehen.

– Ich bin seit drei Jahren vom Chef des Radiosenders zum Kommandanten des Kommunikationszuges aufgestiegen – vom Unteroffizier zum Feldwebel. Die Arbeit ist interessant und hängt mit meiner jugendlichen Leidenschaft zusammen, ich dachte, ich würde in den Ruhestand gehen.

Und wieder intervenierte der Fall … In seiner Freizeit fotografierte Vyacheslav Konstantinovich die Soldaten – und die Jungs waren erfreut, und für den Fähnrich – eine gute Gelegenheit, Erfahrungen zu sammeln.

– 1997 zog die Redaktion der Militärzeitung Kalkan nach Astana, und ein Jahr später wurde mir angeboten, mich als Militärjournalist zu versuchen. Unser Chefredakteur war Major Viktor Freidenberg. Wir sind beide Deutsche, aber es ergaben sich hierdurch keinerlei Vorteile für mich. Die erste Aufgabe bestand darin, einen Bericht vom Petropavlovsker Militärinstitut zu erstellen. Für mein Geld habe ich eine Filmrolle gekauft, ich habe ihn so gut ich konnte gedreht. Tatsächlich kamen von den sechs Filmen nur vier Schüsse in die Zeitung, der Major war nicht glücklich.

Später kamen Herausgeber und Pressefotografen auf einen gemeinsame Nenner, der Major lehrte die Kunst des Militärjournalismus und lehrte, Zeit und Personal zu sparen. Wenn der Standard neun Schüsse pro Bild zuließ, wurden nur drei Vyacheslav zugewiesen.

– Dies ist Professionalität, der Kopf funktioniert besser – nicht nur, um einen Knopf zu drücken, sondern um es richtig zu machen.

Seit fünf Jahren reist Gelbling mehrmals durch ganz Kasachstan, um das schwierige Armeeleben zu zeigen.

– Militärjournalist zu sein ist harte Arbeit. Ich war praktisch nie zu Hause, die Kinder sind ohne mich groß geworden. Hier braucht man Genauigkeit und Achtsamkeit, man muss wissen, wen und wie man aufnehmen kann und wen oder was nicht. Soldaten und Offiziere werden den Artikel sicher ausschneiden, nach Hause schicken, aufbewahren. Also trage ich folglich die volle Verantwortung dafür.

In Eile nach einem Schnappschuss

Nachdem alle Redaktionen in Astana längst auf Digitalkameras umgestiegen waren, arbeiteten in Kalkan immer noch auf alte Weise. Chef Freidenberg war ein großer Fan der Filmrolle. Die Zeit bestimmte jedoch etwas anderes.

– Wir waren die letzten in der Hauptstadt, die Filmkameras eingesetzt haben, aber dann haben wir erkannt, dass die Zahlen ausschalggebend waren: schneller, besser, sparsamer. Einst boten sie an, im Videostudio der Nationalgarde zu arbeiten, ich stimmte zu. Neben den Bildern in der Zeitung begann er als technischer Designer zu arbeiten. So zog er sich im Mai 2015 mit 47 Jahren zurück.

Ruhe zu genießen und nichts zu tun ist jedoch nicht für Vyacheslav Gelbling. Nach einigen Wochen hat der erfahrene Fotokorrespondent bereits als Zivilist für die Kalkan-Zeitung und das Berkut-Magazin gearbeitet.

– Ich kann es nicht ohne militärische Untertanen aushalten, ich mag die Tatsache, dass es keine zweite Einstellung gibt: Ich habe es geschafft, ein Foto zu machen – also gut, wenn nicht bedeutete es, dass dies meine persönliche Fehlberechnung war. Oft muss man im Hintergrund jagen, daher kenne ich den Preis für jeden von ihnen. Es gibt keine Eingriffe, hier ist das echte Leben, so wie es wirklich ist. Mit der Entwicklung der Technologie sind Fotojournalisten viel einfacher geworden, aber niemand hat die Selbstdisziplin abgebrochen. Ich versuche also, aus zwei oder drei Versuchen gute Aufnahmen zu machen.

Merkmal bestanden

Heute wird Vyacheslav Gelbling jungen Leuten eine Chance geben: Ein erfahrener Fotojournalist kennt die Kraft des Teamgeistes, schätzt seine Freunde und seine Familie. Und er verbessert ständig seine Fähigkeiten, jedes Mal, wenn er an sich arbeitet und seine Fototechnik perfektioniert.

– Ich finde es einfacher, dass ich die moralische Grenze überschritten habe, dem Mutterland meinen Dienst geleistet und ihm treu gedient habe. Meine Enkelin wächst, in meiner Freizeit erstelle ich Fotobücher für unsere Familie.

Und der Fähnrich kocht auch noch gern. Besonders seine gut gemachten Strudel werden nach dem Rezept einer alten Großmutter hergerichtet.

– Ida Frantsevna kochte sie auf dem Überhauofen. Sie stellte den Kessel auf, schloss den Deckel und er durfte nicht geöffnet werden. Und die Großmutter überprüfte die Bereitschaft des Gerichts durch den Geruch. Und sie lag erstaunlicherweise niemals falsch. Vielleicht ist das vererbbar, aber in unserer Familie machen wir selten Fehler. Im Leben versuchen wir das zu tun, was unsere Instinkte uns vorsagen, und deshalb überwinden wir alle Widrigkeiten und Schwierigkeiten mit einem klaren Gewissen.

Dmitry Schinkarenko

Übersetzung: Philipp Dippl

Gerold Belger – ein einzigartiger Schriftsteller, Übersetzer und Publizist

Die Einrichtung eines Gedenkzimmers im Leseraums einer Bibliothek ist wohl ein sehr seltenes Phänomen. Dennoch gibt ein solches Zimmer, das in der Nationalbibliothek der Republik Kasachstan eingerichtet wurde und an Gerold Karlovich Belger erinnert.

Belger – ein einzigartiger Schriftsteller, Übersetzer, Publizist. Er ist wahrscheinlich der einzige, der gleichermaßen in drei Sprachen gearbeitet hat: Kasachisch, Deutsch und Russisch. In ihrer Entwicklung als Schriftsteller und Persönlichkeit spielte die Bibliothek eine entscheidende Rolle.

Nach dem Angriff des faschistischen Deutschlands auf die Sowjetunion wurden alle Russlanddeutschen auf nationaler Ebene einem Völkermord unterworfen und nach Sibirien und den Republiken Zentralasiens verbannt. Belger kam somit nach Kasachstan, in das Dorf, in dem nur Kasachen lebten.

Die Deportation war der Grund, warum Gerold nicht rechtzeitig zur Schule ging. Er fing an, sich zu Hause Kenntnisse in der Arithmetik und anderen Fächern anzueignen. Durch die Kommunikation mit den Bewohnern Aul’s beherrschte er schon bald die kasachische Sprache. Gerolds Vater brachte ihm das Lesen und Schreiben bei. Auf Vorschlag seines Vaters begann er bald ein Tagebuch zu führen – eine Art Bericht darüber, was in diesem Jahr gemacht wurde. Darin reflektierte er, wie das Familienleben verlief. Nach dieser Zeit waren diese Aufzeichnungen sehr interessant zu lesen. Das Tagebuch führte er bis an sein Lebensende. Es erscheint jetzt in vier Bänden, von denen der erste bereits veröffentlicht wurde.

„Sinop – ein kleiner Inder“ – das erste Buch, das Gerold von seinem Vater überreicht bekam. Mutige Abenteuer eines kleinen Indianers und seines Fuchsjungen las er Dutzende Male erneut. Es war dieses Buch, das in ihm eine Leidenschaft für das Lesen erweckte. An langen Winterabenden las er auf Bitten seines Vaters laut aus dem „Kurzer Geschichtskurs der KPdSU (Bolschewisten)“ vor, und sein Vater erhöhte damit sein ideologisch-politisches Wissen. In diesen Kindheitsjahren las Gerold alles, was ihm in die Hände fiel, einschließlich der medizinischen Bücher seines Vaters. Diese Liebe des „Deutschen Kindes“ zum Lesen wurde von den Bewohnern schnell bemerkt und man gab ihm bei jeder Gelegenheit Bücher. Seine Leidenschaft für das Lesen war so groß, dass er Bücher gegen jedes seiner Spielzeuge austauschte, und mit großer Freude erwarb er sie auf Russisch sowie auf Deutsch und Kasachisch. Sein Freund Asker gab ihm einen ziemlich alten Band Zhambyls in lateinischer Sprache.

Der siebenjährige Gerold scheint im Leben seiner Dorfmitbewohner aufzugehen und nimmt gern an zahlreichen Feiertagen der Kasachen teil. Gierig nimmt er das Leben um sich herum auf, erfasst die kasachischen nationalen Traditionen und den Klang der kasachischen Sprache. Er ist nicht scheu gegenüber der eigenartigen Natur der Kasachen, ihre Kultur, in die er sich nach und nach verliebt. Kasachen teilen nämlich gern alles, was sie haben.

Das große Interesse zum Wissen ermöglicht es ihm, das Leben der Kasachen bis ins kleinste Detail zu erlernen. Er sitzt lange neben der Großmutter des Nachbarn, Zayra, die sich nie von ihrem hölzernen Spinnrad trennte, und erfährt von ihr, dass die Kasachen etwa zehn Wollsorten haben und jede ihren eigenen Namen hat. So ist er an die abwechslungsreiche Tiefe der kasachischen Rede gewöhnt und entdeckt viele Schattierungen eines Wortes. Der künftige brillante Kenner der kasachischen Sprache nimmt die Vitalität zweier Sprachen auf, wie ein Fohlen, das mit Milch von zwei Müttern gefüttert wird. Aus solchen Fohlen wachsen nach den Gesetzen der Natur und den Legenden der Nomaden mächtige, vollblütige Tulpare. Der Legende nach war dies der Tulpar des großen Kabanbai-Kubas.

Eine besondere Rolle bei der Persönlichkeitsentwicklung von Gerold spielten kasachische Freunde. Von ihnen, den Bewahrern alter Traditionen, bekommt Belger eine Vorstellung von der reichen Folklore der Kasachen, von Märchen, Legenden und Erzählungen. Quelle der reichen Erfahrung für den neugierigen Jungen wurden gerade diese Bewahrer der geheimnisvollen alten Legenden, die an durchlebte Leidenschaften und die früheren Zeiten des alten Dorfs erinnerten: Großvater Jergali, Berkutchi Abilmazhin, Sept-Hoca, Tayshik, Brüder Hufschmiede Omar und Kospan, Postbote Nurken. Alle wurden später zu Helden der Werke des Schriftstellers.

Besonders nahe wurde ihm der Dorfälteste Yergali-ata. Er verbrachte Stunden damit, das Spiel der Kinder zu beobachten und ihnen jedes Mal mit hausgemachten Köstlichkeiten zu verwöhnen. Er prüfte auch regelmäßig das Wissen der Kinder über die Vorfahren, die jeder Kasache bis zur siebten Generation kennen sollte. In einem Gespräch mit dem Großvater Yergali verstand Gerold Belger die Wichtigkeit dieses Wissens und die Achtung des Respekts vor den Aksakals, die das Bindeglied für die Nachkommen der vergangenen Generationen sind. Anders als seine Altersgenossen konnte Gerold seine Vorfahren nicht bis zur siebten Generation nennen und beschränkte sich auf den Namen seines Urgroßvaters und war deshalb äußerst besorgt. Großvater Yergali, der seine Aufregung sah, beruhigte ihn: „Für den Deutschen ist das genug.“ Der kleine Gerold war besonders beeindruckt von der Ehrlichkeit und dem Selbstwertgefühl der kasachischen Aksakals.

Das Leben unter den Kasachen zeigte Gerold die enorme Bedeutung des Liedes in der kasachischen Gesellschaft. Dies war eine weitere Entdeckung des neugierigen jungen Mannes. Er bemerkte sofort den Stil der Kasachen, die im Gegensatz zu den Deutschen, die Polyphonie sangen, gemeinsam zu singen. Kasachische Lieder, „gespaltene, fließende, herzliche, langwierige, manchmal traurige, dann jubelnde“, eroberten das Herz des deutschen Jungen.

Mit angehaltenem Atem hört Gerold Belger kasachische Lieder, die unter dem freien und endlosen Steppenhimmel über den festlichen Dastarkhan strömen. Die Kraft und die Fülle, mit denen die würdevollen Lieder der Steppe von der Brust der Steppe erklangen, rühren und inspirieren ihn. Das Leben der Belgers im Exil wurde allmählich besser.

Irgendwie sprachen Gerolds Freunde unter sich darüber, worauf sich jeder von ihnen zukünftig konzentrieren würde. Jemand sagte, er würde der Vorsitzende des Aulrats werden, ein Anderer Schulleiter, ein Weiterer sollte Vorsitzender einer Farm werden. Als sich Freunde den ruhigen Gerold wandten, erklärte er: „Ich werde Schriftsteller.“ Kein Kollege hat sich jemals einen solchen Beruf vorgestellt. In der fünften Klasse, ein Klassenkamerad von Gera, einem Skeptiker Shayakhmet, als er von der Absicht des „deutschen Jungen“ hörte, Schriftsteller zu werden, rief er scherzhaft aus: „Wenn du Schriftsteller wirst, werde ich mir die Nase abschneiden!“. Viele Jahre später, als Gerold Karlovich bereits ein anerkannter Schriftsteller war, besuchte ihn sein Jugendfreund Shayahmet. Nach einem wundervollen Abend voller Erinnerungen im gastfreundlichen Dastarkhan sagte Shayakhmet: „Kerey, ich habe nicht alle deine Bücher gelesen, denn man findet sie  im Dorf nicht, vielleicht schaue ich am Abend noch einmal nach ihnen?“. Am Morgen gibt der Freund, der die ganze Nacht damit verbracht hat, die Arbeiten des Schriftstellers zu lesen, fröhlich zu: „Nun, Kerey, Sie sind ein echter Schriftsteller, hier ist meine Nase, schneide sie ab!“.

Der Traum, Schriftsteller zu werden, wird im Laufe der Jahre immer stärker. Gleichzeitig erkennt Gerold, dass unermüdliche Arbeit notwendig ist, um diesen Traum zu verwirklichen. Gerold ging gleich in die 2. Klasse und übersprang somit gleich eine Klasse. Zu dieser Zeit sprach er bereits fließend Russisch und Deutsch. Arithmetik konnte er bereits auf dem Niveau der 4. Klasse. Es gab einige Probleme mit der kasachischen Sprache. Zunächst waren bestimmte kasachische Töne für ihn schwierig. Aber in der 4. bis 5. Klasse sprach er Kasachisch genauso wie seine Kollegen, die Kasachen, und schrieb sogar noch besser.

Zhangeldy Mukanov hatte einen besonderen Einfluss auf die Entstehung von Gerolds Liebe zur kasachischen Literatur. Er beschränkte sich nicht auf den Unterricht als Teil des Schullehrplans, sondern inszenierte die Werke der Klassiker der kasachischen Literatur auf der Schulbühne. Ein besonderer Erfolg wurde die Tragödie „Abai“. Der Lehrer selbst spielte in der Produktion eine wichtige Rolle – Abai. „Das war mal ein Ereignis!“, erinnert sich Gerold Belger. „Von allen Dörfern auf beiden Seiten des Ishims versammelten sich Zuschauer, und Alt und Jung erlebten das spirituelle Drama des großen Dichters, nahmen jedes Wort seiner brennenden Monologe auf und bewunderten jede erbrachte Silbe.“ Von diesem Moment an begann die Leidenschaft für Belger mit der Arbeit von Auezov und Abay, die bis zu seinem Lebensende dauerte.

Die im Exil lebende Lehrerin für russische Sprache und Literatur, Maria Petrowna Egorova, hatte auf den deutschen Jungen keinen geringeren Einfluss. Ehemaliger Lehrer des Pädagogischen Instituts in Leningrad arbeitete nach der Deportation zunächst als Kalbzüchterin. Sie ging zur Schule und arbeitete in zwei Schichten, sie sammelte abends Kinder und las ihnen russische Klassiker vor. Klänge klassischer Musik ergossen sich aus dem Grammophon, das sie mitgebracht hatte, begleitet von den Vorträgen von Maria Petrowna über die Arbeit und das Leben der Komponisten. Kostümbälle und Ausstellungen, die vom Theaterkreis geleitetet wurden, „brachte, wie Gerold sich erinnerte, „die Kultur und Spiritualität den Aul-Kindern näher“. Maria Petrowna konnte in Gerold systematische Lesefähigkeiten einbringen. Unter ihrer Führung bereichert ein neugieriger Student sein Vokabular mit russischen Wörtern und lernt viel Neues über die Arbeit russischer und ausländischer Komponisten, Schriftsteller, Künstler. „Diese ruhige, ungewöhnlich bescheidene, scheinbar unauffällige Frau hat es geschafft, eine Kerze der Freundlichkeit, der Menschlichkeit und des Wissens in den Seelen vieler Jugendlicher zu entzünden. Wir sind ihr alle viel schuldig “, schrieb G. Belger viele Jahre später.

Seit der sechsten Klasse schreibt und veröffentlicht Gerold Gedichte und schreibt Artikel in Schul- und Regionalzeitungen. Gerold, der nach einem Sturz vom Pferd im Bett liegen musste, machte es ihm leichter, Bücher zu lesen. Er las alle Bücher aus der Bibliothek der Schule und des Dorfrats erneut und erlangte unter den Dorfbewohnern den Ruf eines Bücherwurms. Dies wurde durch die Tatsache bestätigt, dass der Junge ständig das Buch von K. Marx  ‚Kapital‘ mit sich trug, das er geschenkt bekommen hatte.

Die Krankheit zeigte im Jungen ein neues Merkmal seines Charakters – in jeder Situation, auch in einer hoffnungslosen, erweiterte er neue Horizonte. Nachdem er in der Zeitung „Pionier Kasachstans“ die Regeln des Schachspiels entdeckt hatte, lernte er das Spielen ohne Hilfe und brachte seinen Kameraden dieses Spiel bei. Gerold interessierte sich ernsthaft für die Theorie dieses Spiels, bekam darauf Lehrbücher wie „Theorie des Schachspiels“ von Lasker und „Endspiel“ von Rabinovich. Auf seine Initiative hin begann die Schule, Schachturniere zu organisieren, bei denen er immer der Gewinner wurde. Die Fähigkeit, gut Schach zu spielen, hat Herold im späteren Leben oftmals vorangebracht.

Am frühen Morgen des Juni 1954 machte sich der junge Gerold auf den Weg nach Alma-Ata. Er bewarb sich an der Fakultät für russische Sprache und Literatur des Kasachischen Pädagogischen Instituts nach Abay. Erfolgreich bestand er die Prüfungen, wurde aber wieder nicht aus dem gleichen nationalistischen Grund übernommen. Aber dank der tatkräftigen Fürsprache des zweiten Sekretärs des Zentralkomitees des Komsomol, eines Landsmanns, der zur selben Schule wie Gerold ging, und in guten Beziehung zum Direktor der Hochschule stand, und dem der äußerst mutwillige Junge gefiel, konnte er so bald in die Gruppe „B“ der Fakultät für Literatur der Kasachischen Pädagogischen Hochschule Abaya aufgenommen werden. Belger lernte begeistert und gierig. Für ihn, den Dorfjungen, war alles neu. Er kam kaum aus der Bibliothek heraus. Er schreibt wissenschaftliche Berichte und Thesen und prüft alles genau und besucht die Musikvorlesungen. Seit den ersten Studientagen besucht er die wissenschaftliche Studentengesellschaft.

Die Aktivität des Schüler auf Krücken zieht die Aufmerksamkeit der Lehrer auf sich, viele von ihnen haben sich für immer in Gerold verliebt. Einer dieser Lehrer war ein Sprachwissenschaftler, der Türkologe Sarsen Amanzholov. Nach einem Gespräch mit einem neugierigen deutschen Studenten in Kasachisch über kasachische Dialekte sagte er: „Für mich ist es wichtig, dass Sie Kasachisch und Deutsch kennen und Ihr Russisch ist nicht so wichtig. Die Deutschen hinterließen tiefe Spuren in der Turkologie der Kultur und Sprache der Kasachen. Und Sie tun gut daran, sich in diese Richtung zu entwickeln. Es gibt viele Deutsche unter den Türkologen, und ich habe enormes Material zur Türkologie, das von deutschen Wissenschaftlern geschrieben wurde. Ich spreche kein Deutsch, ich habe nur ein paar Englischkenntnisse und deshalb möchte ich Sie zum Türkologen machen. Ich hoffe, Sie können und möchten diesen Weg wählen. Deshalb, lerne! Nach dem Abschluss werde ich Sie zu meiner Graduiertenschule bringen.“

Gerold war im siebten Himmel. Er hatte schon lange von Turkologie geträumt. Der Rat des Professors inspirierte den jungen Mann. Die weiten Perspektiven, die der Professor anwies, drehten sich immer wieder im Kopf. Im Bewusstsein von Gerold drückten sich die Worte über die Rolle deutscher Wissenschaftler in der Geschichte Kasachstans mit besonderer Wärme aus. Für Herold war dies wichtig, vor allem in dem Moment, als sein Volk einer abscheulichen Ideologie als Geisel zum Opfer kam und die Willkür dieser Macht erlitt.

Rektor Malik Gabdullin, der Belger äußerst vorzug, gab seinem besten und dauerhaften Schachpartner das Recht, an Vorträgen teilzunehmen. Ab diesem Zeitpunkt wird Gerold nur noch in allgemeinen Vorlesungen am Institut gezeigt. Den Rest der Zeit verbringt er von zehn Uhr morgens bis zehn Uhr abends in der Pushkin-Bibliothek. In der Bibliothek verbrachte er lange Zeit damit, in Bücherverzeichnissen zu stöbern und Literatur zu Linguistik, Pädagogik und Philosophie zu bestellen.

In dicken Notizbüchern stellt er Auszüge her und bereichert sein kargeres Wissen über Literatur, die Welt und Kultur im Allgemeinen. Auf Ersuchen von Gabdullin erhielt er bald die Erlaubnis, in einem speziellen Bibliotheksfonds zu arbeiten. Er sitzt stundenlang in der Abteilung eines seltenen Fonds und blättert durch Kuriositäten, alte Folianten. Die Bibliotheksleitung sieht den ungewöhnlichen Eifer des armen Schülers auf Krücken und bringt Belger zu einem separaten Tisch mit Lampe in einer gemütlichen Graduiertenschule.

Gerold konnte nicht von einem größeren Glück träumen. Die öffentliche Bibliothek wurde zu seiner eigentlichen Universität. Der Rektor des Instituts Malik Gabdullin freute sich über den Erfolg seiner Gemeinde.„Nun, Kari, zufrieden? – fragte er während der Schachkämpfe. – Warum müssen Sie allen Müll in den Vorlesungen hören? Ihr Vorteil ist, dass Sie wissen, was Sie wissen wollen. Und Sie teilen sich Ihre Zeit selbst ein.“

Bei Tests und Prüfungen zeigte Gerold den Lehrern seine Vorlesungsunterlagen und Arbeitsbücher. Die Quellen, aus denen er sein Wissen zog, zeigten sich mit merkwürdigen Namen und Buchtiteln. Seine Schlussfolgerungen widersprachen häufig anerkannten Lehrplaninstallationen und den allgemeinen Ordnungen gesetzlicher Vorlesungen. Einige Lehrer hatten eine Vorliebe für die Unabhängigkeit und den jugendlichen Umgang mit dem Schüler Belger, sie lobten ihn für Fleiß und Fleiß, aber der größte Teil der Lehrer waren durch diesen Eifer und die Sturheit eindeutig irritiert. Diese Lehrer forderten, dass er als Antwort auf Prüfungen und Prüfungen das wiederholen sollte, was sie in ihren Vorlesungen gesagt hatten.

Die alte Professorin für Pädagogik und der orthodoxe Professor für marxistische Philosophie waren besonders zügellos. Sie mochten es offensichtlich nicht, dass Belger mit unbekannten Quellen operierte, die häufig als verboten galten.

In der pädagogischen Prüfung bekam Gerold einen Schein mit einer Frage zu den pädagogischen Ansichten von Nadezhda Konstantinovna Krupskaya. G. Belger ging ausführlich davon aus, dass Krupskaya im Wesentlichen keine pädagogischen Ansichten hat, dass sie nicht Johann Heinrich Pestalozzi und nicht Konstantin Dmitrievich Ushinsky und nicht einmal Ibrai Altynsarin ist. Ihre flachen, banalen, zusammenstellbaren Artikel über die Bildung von Frauen, über das Bildungsprogramm, über die Jugend und über die Pionierbewegung bedeuten laut Belger nicht einen gebrochenen Penny, sondern es handelt sich dabei um völlig betrügerische Wahrheiten, die durch eine unscheinbare und grausame, langweilige didaktische Sprache ausgedrückt werden, die alle ihre sozialen Aspekte ausmacht.

Die pädagogische Leistung der Partei liegt in der Tatsache, dass sie die Frau eines proletarischen Führers war. Später sagte Gerold Karlovich folgendes dazu: „Eine gebrechliche alte Professorin verlor augenblicklich alle ihr vorgetäuschten Grad und ihre Steifheit. Sie runzelte das runzlige Gesicht, ließ die massive Brille von einer schlaffen langen Nase fallen, lehnte sich in ihrem Stuhl zurück und starrte den Prüfling aufmerksam an.

– Entschuldigen Sie bitte, wer sind Sie?

– Student.

Die alte Professorin schauderte, hob ihre Augen:

– Welche Fakultät?

– Methodik

– Wie lautet der Nachname?

– Gerold Belger.

„Ich erinnere mich an so einen nicht.“

Die alte Frau hielt ihre Empörung kaum zurück.

„Ich habe keine Vorlesungen besucht. Ich lerne selbständig in der Bibliothek. Mit Erlaubnis des Rektors des Instituts. „Das sehe ich, dass Sie selbstständig lernen.“ Das habe ich Ihnen aber nicht beigebracht!“ Pause.

Gerold dachte darüber nach, wie es nun weitergehen sollte. Diese altmodische Frau könnte ihn leicht durch die Prüfung fallen lassen. Warum braucht sie einen solchen Studenten, der nur Unsinn redet?

– „Das habe ich Ihnen nicht beigebracht!“, wiederholte die alte Professorin bedrohlich mit Druck.

– „Das gebe ich zu.“

– „Also ist Krupskaya Ihrer Meinung nach kein Pädagoge?“

– „Ich weiß es nicht. Es ist jedoch nicht wert, ernsthaft über pädagogische Ansichten zu sprechen.“

– „So also?!“, schüttelte es die alte Frau.

– Und was sollen wir tun? Geben Sie Ihr Anrechnungsbuch.

– „Ich habe sie nicht bei mir“, sagte Gerold.

– „Auch noch?! – rief die alte Frau entsetzt.

– „Sie haben wohl Angst ich würde es Ihnen verderben?“

– „Um ehrlich zu sein, ja. Ich mache mir Sorgen.

– „Sind sie etwa ein Musterschüler?“

– „Bis heute – ja.“ Die alte Frau beruhigte sich ein wenig.

„In Ordnung, Gelehrter, in einer Woche werden Sie zur erneuten Prüfung antreten. Geben Sie eine Zusammenfassung ab, und zwar zu Krupskaya.

„Eine Woche später, nachdem der Student Belger mit „ausgezeichnet“ bewertet worden war, sagte der Professor: „Gehen Sie! Und halten Sie Ihre klugen Gedanken bei sich. Sonst endet das Ganze noch schlecht, glauben Sie mir!“

Mit dem Philosophiedozenten fiel es eindeutig schwieriger aus. Er erlaubte kein freies Denken und lehnte die Prüfung ab …Belger glaubte zu Recht, dass die Bibliothek ihm bei allen Prozessen, Unglücksfällen und Krankheiten half, Schriftsteller von drei Nationen zu werden, 75 Bücher zu erstellen und ungefähr zweitausend Artikel zu veröffentlichen.

Gedenkkabinett – Anerkennung des Verdienstes und der Größe von Gerold Karlovich Belger.

Vladimir Auman, verdienter Kulturarbeiter der Republik Kasachstan

Übersetzung: Philipp Dippl

Iwan Matweewitsch Vetstejn

Iwan Matweewitsch Vetstejn, geboren am 15.01.1951, im Dorf Osjornoje, im Kreis Kostanaj, Gebiet Kostanaj.

Ausbildung: Landwirtschaftsinsititut Zelinograd, Agrarwissenschaftler, 1977.

Arbeitserfahrung:

Die Arbeitstätigkeit als Bauer begann in der Sowchose „Der Kasachstaner“, anschließend war er leitender Landwirt, aber im Jahr 1984 kehrte er in sein Heimatdorf Osjornoe zurück, leitete und leitet bis heute die TOO namens „Karl Marx“, welche als einer der besten Landwirtschaftsbetriebe des Kreises gilt. Dank seiner kompetenten Verwaltung wurde eine fortschrittliche Viehzucht aufgebaut und eine ausgezeichnete Infrastruktur im Dorf errichtet. Heute besitzt der Betrieb 25 Tausend Hektar Boden. Er widmet seine Aufmerksamkeit nicht nur dem Erhalt sozialer Einrichtungen, sondern auch ihres Ausbaus, das ist das Kulturzentrum, ein Café, eine Ambulanz und eine Schule. Vor kurzem wurde eine neue Turnhalle aus Mitteln des Betriebes in der Summe von 100 Millionen Tenge gebaut. Und alles das ist für die Dorfbewohner, für die Jugend…

Auszeichnungen:

Orden: „Parasat“ – 1990;

Medaille: „50 Jahre Neulandgewinnung“ – 2004;

Orden: „Otan“ – 2009.

Er ist Ehrenbürger des Kreises Kostanaj, Gebiet Kostanaj.

Wissenschaftliche Arbeiten, Veröffentlichungen, Reden:

In mehr als 20 Jahren als Leiter des landwirtschaftlichen Großbetriebes TOO „Karl Marx“ hat I. Vetstejn mehrfach Artikel in Kreis- und Regionalzeitungen zu den Ergebnissen des neuen Landwirtschaftsjahrs veröffentlicht, er stellte scharfsinnig Fragen zur Lösung vorhandener Probleme in der Viehzucht und im Ackerbau der Region. Er ist ständiges Mitglied auf landesweiten wissenschaftlich-praktischen Konferenzen und Tagungen zum Thema der Landwirtschaft, er hat auf diesen Foren an der Vorbereitung von Resolutionen und normativen Dokumenten teilgenommen.

Beitrag zum Gemeindeleben Kasachstans, zur Entwicklung der deutschen Ethnie auf dem Territorium der Republik:

Iwan Matweewitsch Vetstejn ist seit deren Gründung (1991) Mitglied der deutschen Regionalorganisation „Wiedergeburt“. I. Vetstejn stand am Ursprung der Gründung der Organisation selbst vor mehr als 25 Jahren.

  1. M. Vetstejn ist Delegierter aller Kongresse der Deutschen Kasachstans. Seinen Landwirtschaftsbetrieb besuchen fortwährend die aktiven Botschafter Deutschlands in der Republik Kasachstan, internationale Delegationen oder Geschäftsmänner.

Im Dezember 2016 hat die Regionalkonferenz der Deutschen zum wiederholten Male I. M. Vetstejn zum Mitglied des Gebietsrates der Deutschen im Gebiet Kostanaj gewählt. I. M. Vetstejn ist Mitglied des regionalen Ensembles der Völker Kasachstans, Mitglied des deutschen Wirtschaftszentrums des Gebietes Kostanaj und Mitglied Regionalkammer der Wirtschaftsunternehmen „ Атамекен“

Übersetzung: Philipp Dippl

Die deutsche Sprache: Wir sind bereit, jeden Preis zu bezahlen

Vom 3. bis zum 6. Februar fand in Astana das Seminar der Deutschlehrer der allgemeinbildenden Schulen der Republik statt. Es sein angemerkt, dass die Eröffnung der Veranstaltung am Sonntag stattfand, als es drau0en auf der Straße minus 40 Grad hatte! Aber wir Deutschen können sogar einen Tag am Wochenende in einen ganzen Arbeitstag verwandeln.

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Jakow Schalo

Jakow Jakowlewitsch Schalo wurde 1916 in der deutschen „Kolonne“ „Sonnental“ im Kreis Gulkewitsch in der Provinz Krasnodar geboren. Das ganze Leben lang erinnerte er sich mit Wärme und Trauer an dieses schöne Dorf: gepflegt, sauber und blühend.

Jakow, der früh seine Eltern verlor, wurde von der Liebe und Fürsorge der älteren Schwester Lidia und des Bruders Aleksandr erwärmt. Der Bruder brachte ihm bei, auf der Ziehharmonika und auf der Mandoline zu spielen, das Bestreben des Vaters zur Bildung und das Interesse an der Mathematik ermutigte ihn. Zusammen schmiedeten sie Pläne, träumten, wie der jüngere Bruder Jascha studieren wird.

Zum Ende des Jahres 1937 wurde Aleksandr aufgrund der Denunziation eines „Gutmenschen“ verhaftet und in ein Lager gebracht. Seine Frau, Matrjona, eine Russin, erwirkte die Erlaubnis und ist mit ihrer Tochter dem Mann nachgefolgt.

Ganz zu Beginn des Krieges während der allgemeinen Mobilmachung wurde Jakow in die Armee eingezogen, wo er in Schnellkurse zum Artilleriekommandanten geschickt wurde. Gekämpft hat er nur kurz, er erhielt eine Verwundung und eine Prellung, durch welche sein Gehör beeinträchtigt wurde.

Nach der Herausgabe eines Dekrets des Präsidiums des obersten Sowjets der UdSSR vom 28. August 1941 setzte sich die Maschine der Repression rücksichtslos auch in „Sonnental“ in Bewegung. Die deutschen Familien wurden nach Kasachstan geschickt. Seine Verwandten fand Jakow erst am Ende der 1960er Jahren wieder, im Gebiet Kostanai, aber die Schwester war schon nicht mehr unter den Lebenden. Die Repressionen haben sein Schicksal hart getroffen. Der junge Offizier, Frontsoldat, Mitglied der Partei wurde in eine Sonderabteilung gerufen, wo sie trocken sagten: „Genosse Schalo, in diesen schweren Zeiten müssen Sie als Kommunist ins Hinterland“.

„Ich verstand und wusste, wovon gesprochen wurde, – erinnerte sich Jakow, – Ich habe meinen Parteiausweis aus der Tasche geholt, legte ihn auf den Tisch und sagte, wenn der Kommunist Schalo nicht an die Front muss, dann kommt das Hinterland auch ohne den Kommunisten Schalo aus“. Für diese Wahrheit hätte er im nächsten Schützengraben erschossen werden können. Jung, glühend, gekränkt in seinen größten Gefühlen und Bestrebungen dachte er nicht über die Konsequenzen nach. Hunderte Frontsoldaten der „unpassenden“ Nationalität wurden mit dem Konvoi auf eine große Insel im Fluss Don transportiert, wo sie unter freihem Himmel die Entscheidung über ihr Schicksal erwarteten.

Am 12. September 1941wurde Jakow Jakowlewitsch Schalo als Angehöriger deutschen Nationalität mit tausenden anderen entrechteten Deutschen in überfüllten Zügen in unbekannte Roichtung geschickt. Erst am 18. Oktober 1941 kam er in einem Spezialgebiet an und wurde in das Gebiet Karaganda in der Kasachischen SSR geschickt. Am 10. Dezember 1941 wurde er in die Arbeitsarmee eingezogen, in das Baubataillon Nr. 1 des Unternehmens „Pribalchaschstroj“. Und so arbeitete er bis zu seiner Pensionierung am 22.03.1971 in der OSMU Nr. 1 des Unternehmens „Pribalchaschstroj“ in der Stadt Balchasch. Seine Familie bewahrt seine zahlreichen Auszeichnungen, Urkunden, Wimpel, Medaillen und der Orden „Abzeichen der roten Arbeit“ auf.

Wie vermutet war die Familie nicht gerade klein. Er liebte seine fünf Kinder, er war streng, anspruchsvoll, aber gerecht. Viel im Haus hat er mit seinen eigenen Händen errichtet. Aus dem Nichts hat er auf unserem steinigen Boden eine Datscha hochgezogen, hat eigenhändig eine Garage gebaut. Und den Söhnen hat er das Arbeiten beigebracht. Jakow hat das ganze Leben viel gearbeitet, er hatte viele Hobbys: er liebte die Musik, fotografierte, kümmerte sich sehr um sein altes Motorrad, er hat es immer selbst repariert.

Jakow schätzte die Freundschaft seiner Freunde sehr, die er noch auf dem Weg von der Front nach Kasachstan kennenlernte, das sind German Gorn und Wilhelm Ewert. Verwandte hatten sie beide keine in Balchasch. Sie waren das ganze Leben befreundet, halfen einander, unterstützten sich gegenseitig und sagten von sich selbst: „Wir sind einheimischer als die Einheimischen“. Trotz des schweren Lebens, die erlebte Demütigung hat die Freunde nicht verbittert, hat ihre Seelen nicht verhärtet. Sie blieben ihr ganzes Leben Arbeiter, gütige Familienväter, gute Menschen.

Übersetzung: Philipp Dippl

Pawel Frisen

Pawel Petrowitsch Frisen wurde im Jahr 1888 geboren. Die Jungend verbrachte er in der Kunstschule Charkow. Er setzte seine Ausbildung in der Moskauer Hochschule für Malerei, Bildhauerei und Architektur. Die Ausbildung abschließen konnte er nicht, er ging zum Militärdienst an die Kaukasische Front des ersten Weltkrieges.

In den 1920er Jahren arbeitete im Atelier von Juon, aber die schwierige Materialversorgung zwang ihn, die Lehre aufzugeben und eine Lehrtätigkeit zuerst in Krasnodar, später am pädagogischen Institut in Melitopol aufzunehmen.

Im Jahr 1935 wurde er wegen falscher Anschuldigungen verhaftet, anschließend saß er im Karlag, was Pawel Petrowitsch 11 Jahre seines Lebens kostete. Nach der Freilassung blieb er in Karaganda. Bis 1966 führte er eine Malschule im Kulturpalast der Bergarbeiter. Seine Schüler waren die heute bekannten Maler L. Smagljuk, A. Syrow, Ju. Wolf und S. Konurow. Er beschäftigte sich mit Malerei. Das künstlerische Gesamtwerk des Künstlers besteht in der Basis aus kleinen Studien, die in den besten realistischen Traditionen der 60er Jahre ausgeführt wurden. Pawel Petrowitsch Frisen starb im Jahr 1978 in Karaganda.

Übersetzung: Philipp Dippl

Artur Fonwisin

Artur Wladimirowtisch Fonwisin (1882-1973) war Künstler. Er wurde am 30. Dezember 1882 in Riga geboren. Zwischen 1901 und 1904 studierte er an der Moskauer Hochschule für Malerei, Bildhauerei und Architektur bei K. Gorkij und W. Bakscheewa. Anschließend war er in München im Aletier von Gerdner und Gejmaqn. Seit 1907 nahm er an Ausstellungen teil, unter diesen waren Expositionen solch berühmter Vereinigungen wie die „blaue Rose“, das „goldene Vlies“, „Stefanos“, „Welt der Kunst“, „Karo-Balett“ oder „Makowetz“.

Zwischen 1915 und 1922 lebte er in Tambow, führt ein Studio für bildende Künste. Ab 1923 lehrt er am Kunsttechnikum Nischni-Nowgorod, im Jahr 1926 kehrte er nach Tambow zurück. Ab 1929 lebte er in Moskau, in dieser Zeit ging er vollständig zur Aquarelltechnik über. Zwischen 1942 und 1943 lebte er für 10 Monate in Karaganda, wohin er wegen seiner deutschen Abstammung geschickt wurde. Die Künstler P. P. Kontschalowskij, S. D. Lebedewa, B. I. Muchina, W. E. Tatalin und der Architekt L. W. Rudnew erreichten einen Empfang bei dem stellvertretenden Vorsitzenden der Kommission der Parteikontrolle des Zentralkommittees der VKP (b) R. S. Semljatschki und mit ihrer Hilfe wurde Fonwisin aus Karaganda entlassen.

Im Jahr 1943 erhielt der Künstler die Erlaubnis, nach Moskau zurückzukehren, wo er die Aquarellserie „Karaganda“ schuf. Im Jahr 1958 gab es eine persönliche Ausstellung im MOSCh, in 1969 im Haus der Union der Künstler der UdSSR, im Jahr 1984 gab es eine posthume Ausstellung im zentralen Haus der Kunst. A. W. Fonwisin starb im Jahr 1973.

Übersetzung: Philipp Dippl

Genrich Fogeler

Genrich Eduardowitsch Fogeler (1871-1942) war Künstler. Er wurde im Jahr 1871 in Bremen geboren. Er studierte an der Akademie der Künste im Fachbereich Malerei (Düsseldorf 1890-1895).  Er ist weithin bekannt als einer der Gründer des Arbeitskreises der Künstler „Worpswede“. Er hat einen bedeutenden Beitrag zur Entwicklung der künstlerischen Richtung „Jugendstil“ geleistet. Er war Teilnehmer an der Revolution (Bremen 1919), seit 1924 war er Mitglied der Kommunistischen Partei Deutschlands. Im Jahr 1923 heiratete er die Tochter des in Moskau lebenden Ju. Marchleskij. Im Jahr 1929 wurde er als Spezialist zur Planung von dörflichen Siedlungen (im Zusammenhang mit der Kollektivierung) in die Sowjetunion eingeladen. Im Jahr 1931 ging er endgültig nach Moskau. Er arbeitete als Architekt, Kunstkritiker, schrieb und illustrierte Zeitungsartikel und Bücher, organisierte Ausstellungen. Seit 1934 war er Mitglied der Moskauer Union der Künstler. In den ersten Monaten des großen vaterländischen Krieges schrieb er Texte und fertigte Zeichnungen für antifaschistische Flugblätter für die Front an, im Moskauer Radio appellierte er an die deutschen Kämpfer und Bewohner des „dritten Reiches“.

Zu Beginn des Septembers 1941 wurde er nach Kasachstan geschickt (in das Dorf Korneevka). Aufgrund seiner schlechten Gesundheit konnte er die Arbeiten in der Dorfsowchose nicht ausführen. Er starb ohne Existenzgrundlage im Jahr 1942 an Unterernährung und Krankheit im Dorfkrankenhaus der Sowchose namens S. M. Budennij nahe Karaganda.

Übersetzung: Philipp Dippl

Jakob Fischer

Jakob Fischer wurde am 14.08.1955 in dem deutschen Dorf Tobolino im Gebiet Südkasachstan geboren. Von 1972 bis 1977 studierte er an der Universität der Stadt Schymkent Geschichtswissenschaften, anschließend von 1978 bis 1982 am Fremdspracheninstitut Almaty. Von 1982 bis 1991 war Jakob Fischer Stellvertreter des Direktors des Deutschen Theaters der Stadt Temirtau. Die Idee des ersten Allunions-Kulturfestival der sowjetischen Deutschen in der Nachkriegszeit, welches im Jahr 1988 in Temirtau stattfand und ein bedeutendes und bewegendes Ereignis im Leben der sowjetischen Deutschen wurde, ist Jakob Fischer zuzurechnen. Er hat viel geschafft auf dem Posten des Stellvertreters des Direktors des Theaters, ebenso viel hat er getan als Initiator und Organisator des zweiten Allunionsfestival der deutschen Kultur in Alma-Ata im Jahr 1990. Im Jahr 1991 siedelt Jakob Fischer nach Deutschland um. Im Jahr 1992 wird Herr Fischer Referent im Zusammenhang mit dem Gemeinwesen der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland. In Zusammenarbeit mit Josef Schleicher hat er seit 1993 in verschiedenen Ecken Deutschlands die Ausstellung „Volk auf Reise“ veranstaltet, welche über das Schicksal und das Leben der Russlanddeutschen erzählt.

Für die Landsmannschaft der Deutschen aus Russland wurden zwei Audio-CDs mit Liedern der Deutschen aus Kasachstan und Sibirien herausgegeben, unter dessen Interpreten sich Jakob Fischer und Katharina Riesling befinden, die ebenfalls aus Kasachstan (Dschambul) stammt und Schauspielerin am Deutschen Theater Temirtau ist.

Übersetzung: Philipp Dippl

Sergej Iwanowitsch Blok

Sergej Iwanowitsch Blok;

Geboren am 12.06.1969, im Dorf Fjodorowka, Kreis Fjodorowka, Gebiet Kostanaj;

Ausbildung: pädagogische Hochschule Kostanaj, Turnlehrer, Sportpädagoge, 1990;

Staatliche Universität Kostanaj, Fakultät „Finanzen und Kreditwesen“, 2010.

Arbeitserfahrung:

Vorsitzender der öffentlichen Vereinigung „Regionalzentrum der deutschen Kultur „Wiedergeburt“ Kostanai“ seit 2013, einstimmig auf der Regionalkonferenz der Deutschen im Gebiet Kostanaj im Dezember 2016 wiedergewählt zum Vorsitzenden des OO KONKZ „Wiedergeburt“ bis Ende 2019.

Er hat seine Tätigkeit als Einzelunternehmer im Jahr 1992 begonnen. Die im Jahr 1997 von Sergej Iwanowitsch gegründete Firma bewährte sich in Kasachstan als Großproduzent für Milchprodukte. Die Erzeugnisse, die von der TOO „MILCH“ und TOO „PK Vita“ (Unternehmen, deren Gründer S. I. Blok ist) produziert werden, sind auf dem kasachstanischen Markt unter der Handelsmarke „Neuer Tag“ bekannt. In das Privatgeschäft stieg er ab 1993 ein, welches im Laufe der Zeit zu einem Großunternehmen zur Herstellung von Milchprodukten heranwuchs. Die Handelsmarke „Neuer Tag“ wurde 2001 registriert.

Heute produzieren die beiden Fabriken ein großes Sortiment an Milchprodukten. Im Juni 2017 nahm das Unternehmen unter der Führung von Sergej Iwanowitsch eine Linie zur Eisherstellung in Betrieb. Die Belegschaft beträgt mehr als 500 Menschen, die sich auf 4 Standorte verteilen. Zwischen 2011 und 2016 war er Deputierter im städtischen Regionalkommittee. S. I. Blok ist Mitglied im Regionalrat des Klubs der Sponsoren, Mitglied des Kuratoriums der Staatlichen Universität namens Ibraj Altynsarin Kostanaj, Mitglied im OJUL „Milchunion Kasachstans“, Mitglied der Partei „Nur Otan“. Er ist Leiter des Kuratoriums der Kostanajer Kammer des Unternehmens „Atameken“. Er beschäftigt sich permanent mit Wohltätigkeitsaktionen.

Auszeichnungen:

Im Jahr 2006 wurde er ausgezeichnet mit der Medaille „ Ерен еңбегі үшін“, Im April 2011 erhielt der Direktor der TOO „MILCH“ Sergej Iwanowitsch Blok das Dankesschreiben des Präsidenten der Republik Kasachstan Nursultan Abischewitsch Nasarbaew für die erfolgreiche Implementierung von Betriebsanlagen auf höchstem internationalen Standard in der Milchproduktion der Firma „MILCH“ in der Stadt Kostanaj. Im Jahr 2014 wurde er mit dem Orden „Құрмет“ ausgezeichnet.

Wissenschaftliche Leistungen, Publikationen, Artikel:

Auf der Regionalkonferenz der deutschen Organisation im Dezember 2016 hielt er einen Vortrag über das Programm von grundlegenden Änderungen in den Aktivitäten der deutschen Gemeinden der Region, ausgerichtet auf größere Selbstständigkeit und Verantwortung der deutschen Minderheit vor den globalen Herausforderungen für die moderne kasachstanische und postsowjetischer Gesellschaft. Im Februar 2018 war er Mitverfasser des Buches über W. I. Dwuretschenskij, Begründer der Landwirtschaftswissenschaften in Nordkasachstan. Im April 2018 trat er mit der Idee der Errichtung eines „Ressourcenzentrums“ der Digitalisierung der Landwirtschaftsgeschäfts auf Grundlage deutscher wirtschaftlicher Erfahrungen im Gebiet Kostanaj hervor.

Beitrag zum gesellschaftlichen Leben Kasachstans, Entwicklung der deutschen Ethnie auf dem Gebiet der Republik:

Als Leiter der deutschen Gemeinde des Gebietes Kostanaj ist S. I. Blok der Vordenker der Gründung und Eröffnung (in 2014) des „Deutschen Hauses Kostanaj“. Das ist die öffentliche Niederlassung und Vertretung der deutschen Minderheit in der Region. Das Gebäude und seine Ausstattung wurde auf allerhöchstem Niveau ausgeführt, inklusive dem umliegenden Bereich, der für Veranstaltungen der deutschen Gemeinde hergerichtet wurde. Dieses Büro haben in den letzten zwei bis drei Jahren der Botschafter der Bundesrepublik Deutschland in Kasachstan Rolf Mafael, der Leiter der Adenauer-Stiftung in Kasachstan Thomas Helm, die Vertreter des DAAD-Programms in Kasachstan, Abgeordnete des Bundestages und Teilnehmer internationaler Wirtschaftspartnerprogramme zwischen Kasachstan und Deutschland besucht.

  1. I. Blok ist sehr aktiver Vertreter des Regionalensembles der Völker Kasachstans, der die deutsche Diaspora auf regionaler Ebene repräsentiert. Es gibt Programme zum juristischen Schutz der Mitglieder der Organisation und ein Mikrokreditsystem für deutsche Kleinunternehmen. Es findet aktive Arbeit in der Formung der Assoziation der deutschen Geschäftsmänner des Gebietes Kostanaj statt. Es wurden (in 20018) einige Konferenzen des deutschen Businesszentrums durchgeführt, als dessen Organisator ebenso S. I. Blok spricht.

Übersetzung: Philipp Dippl

Konstantin Erlich

Konstantin Wladimirowitsch Erlich wurde am 24.03.1948 in dem Dorf Schelannom in Kreis Odessa in der Oblast Omsk geboren, wohin sein Vater im Jahr 1941 aus der Autonomen Sowjetrepublik der Wolgadeutschen deportiert wurde.

Als er nach Beendigung der Mittelschule in den Armeedienst kam, entwickelte K. Erlich bemerkenswerte Tendenzen zum Journalismus, besuchte eine entsprechende Ausbildung und publizierte sogar in der Armeezeitung „Der sowjetische Soldat“. Mit Beendigung des befristeten Dienstes, ging Erlich auf das pädagogische Institut Omsk, wo sehr gute Kenntnisse in Deutsch und Englisch erwarb und im Jahr 1975 die philologische Fakultät abschloss.

Von 1974 bis 1978 war Erlich Redakteur des Deutschen Radios, zuerst im Gebiet Omsk, anschließend beim Republikradio in Alma-Ata. Danach arbeitete er für 10 Jahre in der Funktion des Redakteurs im Verlag „Kasachstan“ in der Hauptstadt der Republik. Da er sich sehr gut als Spezialist für die Problematik der sowjetischen Deutschen bewährte, wurde Erlich die Führung Kasachstans auf ihn aufmerksam. Im Jahr 1988 wurde ihm der Posten des Hauptredakteurs der deutschen republikanischen Zeitung „Freundschaft“ anvertraut (heute „Deutsche Allgemeine Zeitung“).

Seinen Beruf in den deutschen Redaktionen und Verlagen vereinte K. Erlich mit der gleichzeitigen Erforschung der Geschichte der sowjetischen Deutschen. Zu diesem Thema hat er noch zu Zeiten der schwer festgefahrenen UdSSR, im Jahre 1982, sein erstes Buch „Lose Blätter“ publiziert. Bereits nach einem Jahr erschien sein zweites Buch „Panorama der sowjetdeutschen Literatur“ – Literaturgeschichtlicher Überblick. Anschließend hat Erlich fünf Jahre lang Grundlagenforschung betrieben, welche im Jahr 1988 in Alma-Ata unter dem Namen „Lebendiges Erbe. Aufzeichnungen zur Siedlungsgeographie und Kulturgeschichte der Deutschen in Russland und der Sowjetunion“ das Licht der Welt erblickte. Das Buch wurde in Fragmenten in russischer Übersetzung in der Zeitung „Freundschaft“ veröffentlicht. Das Buch, welches noch in der Vor-Perestroika-Zeit geschrieben wurde, war und bleibt die einzige, die vollständigste und stärkste Untersuchung in der Geschichte der russischen Deutschen in der gesamten Nachkriegszeit. In diesem Buch tritt K. Erlich nicht nur als Historiker auf, sondern auch als Politiker. Mit dem Material dieses Buches erlangte Erlich im Jahre 1990 in der noch nicht zerfallenen DDR den akademischen Grad des Doktors der Geschichtswissenschaften.

Sich fortwährend mit der Problematik der sowjetischen Deutschen auseinandersetzend, schloss sich Konstantin Erlich, von Kopf bis Fuß ein Sohn unseres leidgeprüften Volkes, rechtmäßig dem politischen Prozess an der Rehabilitierung seines Volkes an. Mit der verantwortungsvollen Aufgabe des Chefredakteurs der republikanischen deutschen Zeitung in Kasachstan, wo die Hälfte aller deportierten Deutschen der UdSSR lebten, war Erlich natürlich an gewisse, kaum spürbare Grenzen des Systems gebunden, die man zu jeder Zeit achten musste. Deshalb konnte er nicht offen Kritik gegen dieses System äußern, so wie andere Aktivisten in der Bewegung zur Rehabilitierung der Deutschen am Ende der 80er Jahre.

Und doch, einer der durchschlagenden Momente in der Entstehung der Nationalbewegung der Deutschen in der UdSSR wurde die Veröffentlichung des Interviews mit Genrich Grout, dem Vorsitzenden des „Koordinationszentrums der sowjetischen Deutschen zur Wiederherstellung der Autonomen Sowjetrepublik der Wolgadeutschen (dem Vorläufer von „Wiedergeburt“) in der Zeitung „Freundschaft“ am Ende des Jahres 1988. Durch diese Publikation von Konstantin Erlich wurde das ganze Drama des Schicksals der sowjetischen Deutschen öffentlich gemacht und ferner ein Handlungsprogramm zur Rehabilitierung des verfolgten Volkes gefordert. Einen solch mutigen (ebenso vollständig durchdachten und wohlüberlegten), politischen Schritt gab es bis dahin in noch keinem Verlag der UdSSR. Nach dieser Veröffentlichung des Programms erfuhr die Nationalbewegung der Deutschen in der UdSSR den notwendigen Anlauf, welche die russischen Deutschen im März 1989 in Moskau zur offiziellen Gründung der Gesellschaft der sowjetischen Deutschen „Wiedergeburt“ führte.

Übersetzung: Philipp Dippl

Genrich Ejchler

Genrich Leopoldowitsch Ejchler (1900-1953) stammte aus dem Lehrerumfeld der Stadt Karaganda der 40er und 50er Jahre des letzten Jahrhunderts. Ich wollte gerne, da ich schon im reifen Erwachsenenalter bin, einen Blick auf das reiche Archiv unseres Lehrers werfen. Es half mir die Witwe von Genrich Leopoldowitsch, Nina Fedorowna Chodnja, Ärztin und Aspirantin der Medizin.

In zwei Abenden, in denen wir kaum das halbe Archiv sichteten, trug ich genug Material für eine Zeitungspublikation zusammen. Sie erschien in der Zeitung „Industrielles Karaganda“. Die Mitautoren waren B. S. Waisberg, Schulabsolvent des Jahres 1951 der Schule Nr. 3, und R. A. Kleschew, der die Schule Nr. 1. abschloss.

Als Einwohner von Petersburg stand G. Ejchler mit 16 Jahren auf der Seite des aufständischen Volkes und stürmte das Winterpalais. Er kämpfte gegen die Weißen bei Swijaschsk und bei Kiew, er verteidigte Petrograd gegen Judenitsch, die ganzen drei Jahre lang, die der Bürgerkrieg loderte. Danach kamen fruchtbare Arbeitsjahre in sowjetischen Behörden, in Redaktionen von Journalen in Novosibirsk und Jekaterinburg, im Volkskommissariat für Bildung der Russischen Sozialistischen Föderativen Sowjetrepublik, er lernte die Krupskaja kennen und arbeitete unter ihrer Leitung. Gleichzeitig studierte G. L. Ejchler aktiv. Er erhielt das Diplom für den Abschluss des Studiums der Arbeiter des sowjetischen Baugewerbe an der Kommunistischen Universität. Extern legte er Studienprüfungen an der MGU ab, im Jahr 1933 schloss er die Aspirantur am Programm-methodischen Institut des Volkskommissariats für Bidlung der RSFSR ab.

Die Dokumente erzählen, dass Ejchler einer der Organisatoren eines Kinoverlages für Kinder und Jugendliche war. Genau hier wurde Genrich Leopoldowitsch als Redakteur bekannt und verdienten sich solche Schriftsteller wie B. Schitkow, L. Kassil, S. Marschak, E. Blaginina, N. Ilina und andere einen Namen. In den zehn Vorkriegsjahren redigierte Ejchler die Bücher des Verlages „Junge Garde“ und war Redakteur des Kinderverlages und Journals „Wissen ist Stärke“.

Genrich Leopoldowitsch war der erste Redakteur der Werke des jungen Konstantin Paustowskij, woran sich der Schriftsteller mit Dankbarkeit auf den Seiten seines letzten „Buches der Irrfahrten“ erinnerte: „Kara Bugas“ gab der Kinderbuchverlag heraus. Der Redakteur war der frühere baltische Seemann Genrich Ejchler. An ihn können sich alle sogenannten „Kinderbuchautoren“ der alten Generation gut erinnern. In den 30er Jahren begann der Kinderbuchverlag mit der Herausgabe der Bücherserie „Schulbibliothek“. G. L. Ejchler nahm an der Redaktion von über hundert Büchern dieser Serie teil und hat sich oft mit A. M. Gorki getroffen – Aleksej Maksimowitsch hat eine sorgfältige Auswahl an Literatur für Kinder getroffen. Die Aufzeichnungen der Gespräche mit A. M. Gorki sind auf den Seiten Ejchlers erhalten, ebenso wie die Aufzeichnungen der Treffen mit L. M Rejsner, V. V. Majakovski und anderen Schriftstellern.

Nach Karaganda kam G. L. Ejchler, der talentierte Redakteur und Pädagoge, aus dem Dorf Litwinowskoje im Kreis Osakarowsk, wohin er als Deutscher aus Moskau im Herbst 1941 gebracht wurde. Weder die Ehe mit der Ärztin Nina Fedorowna Chodnja, noch die noch vor dem Krieg verteidigte Doktorarbeit konnte ihn retten. Im Kreis Osakarowsk wurde geplant, 4400 Deutsche unterzubringen. Ejchler war mütterlicherseits Russe und hätte sich Andrej Jegorow nennen können,  hätte ich nicht mit 16 Jahren beim Eintritt in die Partei der Bolschewiken den Nachnamen des Vaters gewählt, begeistert von den Ideen der Weltrevolution und von den Abbildern der berühmten deutschen Revolutionäre.

Nach Karaganda konnte Ejchler im Jahr 1948 übersiedeln, er hat Literatur an der Schule Nr. 3 unterrichtet. Der Direktor der Schule L. I. Agranowski (1918-1986) jubelte. G. L. Ejchler ergänzte die Reihe der Lehrexperten. Die stellvertretende Schulleiterin B. Ja. Schpajcher freundete sich mit der Ehefrau des Lehrers N. F. Chodnja an. In der Schule Nr. 3 haben in dieser Zeit E. Ja. Karasjowa, I. A. Kolywanow, B. K. Riss, N. K. Lokschin, M. I. Rewina, W. G. Wasilenko, Ch. O. Olschabaewa, N. N. Panarina, G. U. Kagermanow und W. E. Gurina unterrichtet.

Das Mitglied der Partei der Bolschewiken seit 1917 Genrich Leopoldowitsch betonte in Unterrichtsstunden und Vorlesungen, er war auch Lektor im Stadtkommittee der Partei Karaganda, immer die herausragende Rolle W. I. Lenins im Aufbau der UdSSR. Seine Schüler hat Genrich Leopoldowitsch auch nach der Schule nicht vergessen. Er führte Briefverkehr mit dutzenden Absolventen, half allen in schweren Lebenssituationen, denen er helfen konnte. Für den großen Beitrag zur Bildung der Jugend wurde G. L. Ejchler in Karaganda mit der Medaille „Für die verdiente Tapferkeit“. Der später schwer erkrankte G. L. Ejchler verlor nie seinen Optimismus. In einem seiner Briefe an E. Rusakowa schreibt er: „Ich klammere mich an das Gleiche Wunder, an das die sich geklammert hatten, die im Krieg von den Toten auferstanden sind – der große Wille zum Leben, die Liebe zum Leben und zu den Menschen, und das Gefühl der parteiischen Verantwortlichkeit, wenn man das so sagen kann. Ich denke, man muss ein Mensch für andere sein, solange nicht die letzten Kräfte versagen – im Namen der Zukunft, in welche ich im tiefsten Kern glaube. In meiner jetzigen Arbeit liegt das Leben, der Sinn, die Pflicht der Partei. Ich weiß jetzt, was möglicherweise die wirklich schwierigste Arbeit ist: die Erziehung der neuen Menschen. Davon bin ich hingerissen. Wenn ich unter meinen Schülern und Zöglingen bin, wenn ich mit Sachen für Sie beschäftigt bin, dann vergesse ich völlig meine Stellung. Und wissen Sie was? Von mir erzählen können nur meine Schüler…“

  1. L. Ejchler starb im Februar 1953. Die ganze Schule verabschiedete sich von diesem strahlenden Menschen. Gefesselt und emotional bleibt er in der Erinnerung seiner Schüler, heutige mit einstimmiger Meinung, dass das bewegte Leben von G. L. Ejchler in Karaganda und Im Gebiet Karaganda nicht in Würde bewertet wird. Die Versuche, den Namen G. L. Ejchlers in das regionale enzyklopädische Handbuch aufzunehmen, blieben im Jahre 1986 und auch in 2008 erfolglos. Das handschriftliche Erbe von G. L. Ejchler zerstreute sich durch findige Hände, es wurde zum Handelsgegenstand.

Im Jahr 2005 besuchte ich in der Schule Nr. 3 das Absolvententreffen verschiedener Jahrgänge. Nach den Feierlichkeiten gingen sieben „Mohikaner“ auf den alten Michailowsker Friedhof. An den Gräbern von Genrich Leopoldowitsch und Nina Fedorowna ist ein dickes Gestrüpp aus wilden Rosen grün geworden…

Die klare, aufrechte, vertraute Stimme von Genrich Leopoldowitsch Ejchler erklingt weiter in meiner Erinnerung.

Übersetzung: Philipp Dippl

Vladimir Ejfert

Vladimir Aleksandrowitsch Ejfert 81884-1960) war Künstler. Er wurde im August 1884 in Saratow geboren. Der Beginn seiner künstlerischen Tätigkeit fällt in de 1920er Jahre, als er im Jahr 1922 die Ausbildung in den künstlerisch höchsten Malateliers von Astrachan abschloss, wirkte er an der Schaffung der Bildergalerie namens Kustodiew mit. Im Jahr 1923 wurde er zur Arbeit nach der Parteilinie nach Saratow geschickt. Im Jahr 1926 wurde vom Zentralkommittee nach Moskau zur Arbeit im Volkskommissariat für Bildungswesen als wissenschaftlicher Sekretär abberufen. Zwischen 1926 und 1928 ist er Mitglied der Gesellschaft „Zhar-Zvet“. Die bevorzugten Genres der Mitglieder der Gesellschaft waren Landschaftsmalerei und Stillleben. Diesen Genres blieb er im Verlauf seines ganzen Lebens treu, dabei hat er sich nicht selten auch mit Porträten beschäftigt.

Von 1928 bis 1931 war Ejfert Mitglied der Gesellschaft der Moskauer Künstler, welche die Malerei als Waffe zur aktiven Umgestaltung des Lebens und als vollkommene malerische Form auf der Suche nach der tieferen Bedeutung verstand. Hierin führte die Vereinigung der Künstler eine Freundschaft mit I. E. Grabar.  In den 1930er Jahren arbeitete er als Antiquitätenexperte in den Handelsvertretungen der UdSSR in Deutschland und Frankreich, von 1936 bis 1939 als Direktor des GMII namens A. S. Puschkin. Ab 1939 war Ejfert Mitglied der Moskauer Union der sowjetischen Künstler.

Mit Beginn des Krieges wurde er als Deutscher in das Gebiet Karaganda geschickt. Der Künstler lebte einige Jahre lang in der Sowchose namens Puschkin, später zog er nach Karaganda. Hier arbeitete V. A. Ejfert als Künstler im Klub namens Kirow und leitete eine Malschule, wo seine Schüler die Künstler G. G. Gilewskij, A. Zoj, JU. S. Evseev und V. P. Busch waren. V. A. Ejfert starb im Jahr 1960 in Karaganda.

Übersetzung: Philipp Dippl

Im Kampf gegen das Alter gewinnt… die Gesellschaft „Wiedergeburt“

Die öffentliche Vereinigung „Wiedergeburt“ Ostkasachstan (Region Ridder) baut die zielgerichtete soziale Hilfe aus. In neun Jahren Arbeit haben mehr als 1400 ethnische Deutsche Hilfe erhalten.

Nach den Worten von Olga Kloster, der Koordinatorin der Sozialarbeit, sind alle wichtigen Projekte der Gesellschaft Ridder mit Unterstützung durch die Bundesregierung Deutschland verwirklicht worden. Die Zielgruppe sind frühere Arbeitssoldaten, alte Menschen, Familien mit vielen Kindern, Behinderte und Familien mit geringem Grundeinkommen.

Aktuell bleibt die Beschaffung von Medikamenten und medizinischer Ausrüstung, sowie die Dienstleistungen von Zahnersatz eine offene Frage. Diese Unterstützung erfolgt in der Region Ridder, sowie in den Regionen Glubokowsk, Schemonaichinsk und Ulansk.

– In allen unseren Projekten – wie Olga Kloster anmerkt – sind sachkundige Spezialisten beteiligt, die Erfahrungen in Kasachstan, Russland und Deutschland gesammelt haben. Insbesondere gefordert sind solche Initiativen zur Unterstützung der ethnischen Deutschen wie „Pflege für das Haus“, „Die Schule des dritten Alters“, „Soziale Hilfe“ oder „Seniorenakademie“.

Mit großem Dank reagieren die älteren Menschen auf die Hilfeleistungen wie „Pflege für das Haus“, welche von Tatjana Bogdaewa und Tatjana Kolesnikowa durchgeführt werden.

Olga Kloster erzählt über ihre Arbeit: „Ich biete Beratung an zu Fragen der Rechtssituation zur Rehabilitierung von Opfern der politischen Massenrepressionen, ich übernehme notwendige Auskünfte zu Wohnbedingungen, ich überwache die jährlichen Aktualisierungen der Bankgeschäfte der jeweiligen Arbeitssoldaten, Mittellosen, Behinderten und Mitgliedern ihrer Familien. Außerdem arbeite ich eng zusammen mit den Dorf- und Regionalverwaltungen und den Behörden für Sozialleistungen“.

Für die erfolgreiche Umsetzung all dieser Pläne muss man Freiwillige aus der Gruppe der aktiven Mitglieder gewinnen. In dem Dorf Glubokoe ist das Anna Skosarewa, imk Gebiet Ulansk Jekaterina Satymbaewa, in Schemonaichinsk Wera Sobolewa, in der Stadt Ridder Nadeschda Bener. Sie alle sind verantwortungsvolle und aktiv arbeitende Menschen.

Die Vertreter der deutschen Ethnie erhalten rechtzeitig und umfassend Informationen zur Arbeit der Gesellschaft, um ihr Umfeld zeitnah miteinzubeziehen, in das gesellschaftliche Leben einzubinden, um die älteren Menschen aktiv in kulturelle Freizeitaktivitäten zu engagieren, Vorträge von Ärzten, Exkursionen, Ausstellungen anzubieten und an staatlichen und nationalen deutschen Feiertagen teilzunehmen.

– Viele unserer Pläne würden nur auf dem Papier existieren, – merkt Olga Kloster an – wenn es nicht die Unterstützung der Bundesregierung Deutschlands gäbe. Sie ist unbezahlbar. Ebenso darf man auch die große Unterstützung der Sponsorin Galina Gildermann nicht unbemerkt lassen, der Vorsitzenden des Verwaltungsrates und Deputierte des Stadtparlamentes. Auch die Unternehmerin Swetlana Wolzhenina unterstützt uns.

Zweifellos begünstigt alles, was die Gesellschaft unternimmt, der Verbesserung der Lage der verletzlichen Schicht der deutschen Bevölkerung und erhöht die Lebensqualität der älteren Menschen.

Andrej Kratenko

Übersetzung: Philipp Dippl

Sich zu erholen ist gut, und sich nutzbringend zu erholen, sogar noch besser!

Die Winterferien verliefen für die Jugendlichen aus unserer Region, den Mitgliedern des Vereins der deutschen Jugend „Spitze“ der Stadt Schachtinsk, genauso wie für die Vereine der deutschen Jugend der Städte Karaganda und Saran lebhaft und fröhlich, und das wichtigste – sie waren nützlich. In dem Erholungsheim „Zhosaly“ in der Stadt Karkaralinsk wurde die Jugendsprachfreizeit „Winter-UNI: Weg zum Erfolg“ veranstaltet, für welches die Organisatorin Kristina Samosledowa, die Leiterin des deutschen Zentrums „Wiedergeburt“ in Schachtinsk verantwortlich war.

Das Programm war so aufgebaut, dass der Lernprozess fröhlich und interessant ablief. Jeder Zuhörer, der Deutsch lernte, hat dabei noch seine Gesundheit und seine Kräfte gestärkt.

Der Unterricht fand in der Form des Sprachniveaus A1 statt, es wurden Lernmaterialien ausgegeben, Audio- und Videoformate sowie moderne Unterrichtstechnik verwendet, ebenso haben die Zuhörer in den Werkstätten „Selbstentwicklung“ (Training zur Persönlichkeitsentwicklung zur Entwicklung von Führungsqualitäten), „Kunstwerk“ (Kreativarbeit) und „Teambuilding“ (Sporteinheiten und Spiele) gearbeitet.

Am letzten Tag haben die Kinder Prüfungen und Examen abgelegt, auf dessen Ergebnisse sie die Teilnahmeurkunden und die Zeugnisse der Probeexamen für Deutsch A1 überreicht bekamen. Diese haben 95% der Teilnehmer erfolgreich abgeschlossen.

Die Kinder haben sich so sehr miteinander angefreundet, dass sie sich nun gegenseitig besuchen, zusammen Zeit verbringen und gemeinsame Pläne für die Zukunft schmieden.

Kristina Samosledowa

Übersetzung: Philipp Dippl

Arzt zu sein ist eine Berufung

Ewgenij Timofeew ist Chirurg, HNO-Arzt und seit 2018 Koordinator der sozialen Projekte der öffentlichen Vereinigung der Deutschen „Wiedergeburt“ in der Stadt Semej. Der Arzt mit achtjähriger Arbeitserfahrung teilt die Geheimnisse eines guten Wohlbefindens mit den Menschen der älteren Generation.

Heute existiert eine große Anzahl an Informationsquellen über die Gesundheit: Zeitungen Journale, Bücher und das, wohin wir uns meistens mit jeglichen Fragen wenden – das Internet. Und gerade dort bekommen wir nicht immer richtige Auskünfte.

Die Gebrechen, mit denen sich die älteren Patienten meistens an den Chirurgen wenden, sind Osteoporose, Arthrose und Oberschenkelhalsbrüche. Arthrose ist die Veränderung der Gelenkoberfläche, die zu einer Verletzung der Gelenkbeweglichkeit führt. Oftmals entsteht sie in den Knien aufgrund von Übergewicht, welches eine große Belastung auf die jeweiligen Gelenke ausübt, welche dann absacken. Es ist daher wichtig, in seinen Speiseplan Lebensmittel mit Kollagen aufzunehmen, Sülze in Aspik oder Marmelade.

Ewgenij Igorewitsch erinnert daran, dass für ein gutes Selbstbefinden in jedem Fall eine aktive Lebensweise wichtig ist, man sollte Turnübungen machen, Stresssituationen vermeiden, sich gesund ernähren und versuchen, bei schlechtem Wetter zuhause zu bleiben, genauso sollte man sich immer rechtzeitig an einen Spezialisten wenden.

In der Gesellschaft der Deutschen kann man mit jedweder Frage zu Ewgenij Igorewitsch kommen, er wird gewissenhaft zuhören und Empfehlungen geben, an welchen Arzt man sich wenden sollte oder wie man sich selbst helfen kann. Er hält Vorträge in der „Schule des dritten Alters“, gibt Ratschläge und zeigt verschiedene Übungen aus dem Gymnastikprogramm für Augen, Ohren und Finger.

Ewgenij Igorewitsch trifft sich mit allen seinen Patienten und verabschiedet sie mit einem Lächeln auf den Lippen, wünscht eine Erstarkung für den Organismus durch Ruhephasen, und das wichtigste – positiv denken, schließlich hängt von unseren Emotionen vieles im Leben ab. Verlieren Sie nicht den Glauben in sich selbst und ihre Kräfte, und bleiben Sie immer gesund!

Marija Gorbatschjowa

Übersetzung: Philipp Dippl

Lieben bis zum Ende

Die Premiere des Theaterstücks „Kalter Tango“ hinterließ eine Masse an Emotionen, mit welchen sich die Zuschauer nicht zurückhielten: es gab Tränen, stehenden Applaus und Stolz. Stolz auf das, wie gewöhnliche Schüler aus Aktöbinsk die Atmosphäre der Kriegsjahre vermitteln können.

Im Juni 2017 kam das Kriegsdrama von Pawel Tschuchrai „Kalter Tango“ auf die große Leinwand. Es ist ein schwieriger Film, seine Bedeutungslast zwingt den Zuschauer dazu, nicht nur das Erlebte der Filmhelden mitzufühlen, sondern auch sich aller Ungerechtigkeiten und Belastungen zweier Regime bewusst zu werden: dem faschistischen und dem stalinschen. Ein Jahr später entschied sich Diana Schurygina, zu dieser Zeit noch Schülerin der Zehnten Klasse an der Schule Nr. 11 in Aktöbinsk dazu, eine kleine Vorstellung zum Tag des Sieges vorzubereiten.

„Als ich den Film zum ersten Mal gesehen habe, tat es mir im Herzen weh, jeder Moment stach direkt in die Seele. Anschließend habe ich verstanden, dass ich mehr will, als eine einfache Vorstellung für einen Wettbewerb. Aber alleine würde ich das nicht schaffen, darum habe ich mich an die Leiterin der deutschen Theaterwerkstatt Inna Woloschina gewendet“ – erinnert sich Diana.

Bis zur Verwirklichung der Idee vergingen für die Schüler einige Monate: die seltenen Proben (praktisch die ganze Zeit wird für den Schulunterricht und zusätzliche Schulstunden verwendet) wurden durch den großen Wunsch, die Beharrlichkeit und den Fleiß jedes Teilnehmers ausgeglichen. Und vor kurzem fand im Saal des Hauses der Freundschaft die Premiere statt…

Krieg ist ein schlimmes Wort, aber noch fürchterlicher war es für die, die ihn durchleben mussten. Das ist nicht nur der Tod auf dem Schlachtfeld, das ist auch Hunger, Schrecken, Misstrauen, Mutmaßungen… außerhalb des Theaters der Kriegshandlungen.

Maks ist Jude, der als Kind die faschistische Invasion in Litauen erlebt hat. Zusammen mit seiner Schwester und Mutter wurde er in ein Lager verschleppt, aber ihm gelang die Flucht. Als er nach Hause zurückkommt, entdeckt er dort fremde Menschen. Sie lassen ihn übernachten, als er erzählt, dass alle seine Verwandten erschossen wurden. Wie sich später herausstellt, wird dies eine schicksalshafte Nacht. Die Tochter der neuen Hausherren Lajma, eine Altersgenossin von Maks, spürt Sympathie für den glücklosen Jungen. Viele meinen, dass es zu früh ist, in solch jungem Alter über die Liebe zu reden, aber die Kinder denken anders. Ein heller Geistesblitz, der aber (in diesem Moment) nicht in etwas größeres heranwachsen kann. Ein Streit zwischen Lajma und Maks schafft eine Barriere zwischen den beiden.

Es vergehen zehn Jahre. Maks, der jetzt bereits Offizier der NKWD ist, kehrt wieder in seine Heimatstadt zurück und trifft die, von der er in all den Jahren geträumt hat. Beide begreifen noch nicht, dass sie nicht zusammen sein können.

In der Zeit der faschistischen Okkupation hat der Vater von Lajma in einer Kohlenmine gearbeitet. Jetzt ist er ein Volksfeind. Ihm droht die Erschießung. Für Maks ist sie die Tochter eines Verräters, der indirekt ein verhasstes Regime unterstützt hat. Ein Dilemma – Liebe oder Blutrache? Der junge Mann entscheidet sich für ersteres. Er möchte seine Liebe retten, bietet an zu fliehen, aber es ist bereits zu spät. Sie sind beide durch den Tod bedroht. Maks wird angeboten, einen Zettel zu unterschreiben und sich als Spion zu bezichtigen. Dafür versprechen die Tschekisten, das Mädchen freizulassen. Der Sträfling stimmt zu. In dem Moment, als er seine Unterschrift auf das Dokument setzt, entscheidet sich seine Lajma zum Selbstmord. Zwei Tage später wird Maks erschossen…

Ein Spiel aus dem Herzen

Ich dachte, solche Aufführungen sind noch zu schwierig für Schulkinder, aber ich habe mich geirrt. Die ganze Aufführung wurde in 40 Minuten gepackt, trotzdem bleibt das Gesehene noch einige Tage in mir stecken. Die Laienschauspieler haben so gut gespielt, dass niemand seine Emotionen zurückhalten konnte. Und das war auch nicht nötig. In solchen Momenten schämt man sich nicht für die Tränen…

Der Bühnenpartner von Diana, Willi Amuchamedow (Maks) spielte glänzend! Nach seinen Worten war das allerwichtigste, die Emotionen des Helden genau wiederzugeben. „Es ist eine solch subtile Arbeit, die keine Fehler zulässt. Niemand weiß, wer wir in 10 oder 20 Jahren sein werden. Aber eines kann ich sicher sagen: das, was wir zusammen mit der deutschen Theaterwerkstatt machen, ist eine unbezahlbare Erfahrung, welche uns in Zukunft noch sehr nützlich sein wird. Und diese aufregenden Momente, diese Tränen, diese Emotionen! Von ihnen werden wir unseren Kindern und Enkelkindern erzählen“.

Dmitri Schinkarenko

Übersetzung: Philipp Dippl

Neue Ideen im Business Club der Deutschen Kasachstans

Am 25. Januar fand in den Wänden der Gesellschaftlichen Stiftung „Vereinigung der Deutschen Kasachstans „Wiedegeburt“ (Astana) ein regelmäßiges Unternehmertreffen im Rahmen des Business Clubs statt. Bereits zum zweiten Mal wurde die Gesellschaft zu einer Dialogplattform für Geschäftsleute der Republik. Vertreter verschiedener Wirtschaftszweige, vom Dienstleistungssektor bis hin zu großen Produktionsunternehmen, kamen zusammen, um ihre Unternehmen vorzustellen, Geschäftsideen und Projekte auszutauschen.

Albert Rau, Leiter der Selbstorganisation der Kasachstan-Deutschen, betonte die Bedeutung des Aufbaus der Beziehungen zwischen Unternehmern und der Selbstorganisation der Deutschen Kasachstans. Dies ist eine für beide Seiten vorteilhafte Zusammenarbeit, da die Gemeinschaft immer bereit ist, Geschäftsleuten bei der Suche nach Investitionen und Unterstützung auf politischer Ebene zu helfen. Unternehmer ihrerseits werden als aktivster Teil der Bevölkerung bei der Selbstorganisation in der Jugendarbeit, im Sozialschutz und in der Bildung immer nützlich sein.

Vladimir Braun, Generaldirektor der SVS-Unternehmensgruppe, dem Marktführer des kasachischen Marktes für die Wartung von Lastkraftwagen, Lieferungen von Spezialausrüstung, Motorölen und Ersatzteilen, trat dem Unternehmerclub der Deutschen Kasachstans bei.

Im Rahmen des Treffens wurden auch Präsentationen von Unternehmen wie der LS-Group, die Abdichtungs- und Brandschutzarbeiten und den Verkauf der entsprechenden Materialien durchführt, und ISC, das im Bereich der IT-Technologien tätig ist vorgetragen.

Von großem Interesse war die Präsentation der Leiterin der Abteilung des Internationalen Menschenrechtszentrums (IHR) des Zentrums für Mediation in der Region Pawlodar, Olga Erlikh, die die Teilnehmer in die Methode der alternativen vorgerichtlichen Beilegung von Streitigkeiten durch Mediation einführte.

Geschäftsleute teilten mit großem Interesse und Offenheit ihre Erfahrungen und ihr Wissen miteinander. Regelmäßige Treffen des Business Clubs werden nach Meinung von Veranstaltern und Teilnehmern auf jeden Fall dazu dienen, neue Kontakte zu knüpfen und gemeinsame Ideen umzusetzen.

Wirksame Sprache der Diplomaten

Fast alle Wissenschaftler und Denker fordern die Erhaltung des sprachlichen Reichtums. Ihre Empfehlungen werden auch in der Sonntagsschule Aktyubinsk der Gesellschaft der Deutschen „Wiedergeburt“ befolgt, in der Grundkenntnisse der deutschen Sprache vermittelt werden.

Deutsch wird traditionell als die Sprache der Diplomaten und Unterhändlern angesehen. Durch die in Etappen begriffene Studienkunst nähern sich die Deutschen mit besonderer Ehrfurcht und Respekt.

Die Sprache des siebten Tages

Eine der ersten Sonntagsschulen in Aktobe wurde 2006 von der Gesellschaft der Deutschen „Wiedergeburt“ organisiert.

– Damals gab es in unserer Region keine vergleichbaren Bildungseinrichtungen, aber in Kasachstan gab es bereits ein Netzwerk von deutschen Sonntagsschulen. Wir haben uns die Arbeit unserer Kollegen angeschaut und beschlossen, die Erfahrung von Karaganda zu nutzen, – sagte der Organisator der Sonntagsschule und der Vorsitzende der Gesellschaft „Wiedergeburt“ Aktyubinsk, Inga Smolinets. – Bei der Beherrschung der deutschen Sprache als Muttersprache ist das Prinzip der Kontinuität und die Reihenfolge des Lernens von Kindheit an der wichtigste Faktor. Es ist wichtig zu vermitteln, dass es nicht nur notwendig ist, die Sprache als Werkzeug zum Erhalt der deutschen Identität zu studieren, sondern auch die Geschichte der Deutschen, ihre Kultur und ihr Leben zu verstehen und zu akzeptieren, um unsere Traditionen und Riten unserer Generationen zu durchlaufen. All dies ist ein wesentlicher Bestandteil der Erhaltung der ethnischen Kulturkomponente der Deutschen.

Von Jahr zu Jahr steigt die Zahl der Menschen, die die Geheimnisse der deutschen Sprache erlernen möchten: Wenn die Sonntagsschule im vergangenen Jahr 17 Kinder besuchte, müssen in diesem Jahr zwei Altersgruppen eingeführt werden, d.h. mindestens dreißig Kinder.

– Auch die Kinder, die letztes Jahr am Unterricht teilgenommen haben, haben sich gerne für den Unterricht angemeldet. Außerdem haben wir neue Schüler bekommen “, sagt Inna Voloshina, Lehrerin der Fächer Deutsche Sprache und regionale Geographie und Verantwortliche für den Kreativ-Workshop der Sonntagsschule „Denk´ mal!“.

Es ist möglich, die Kinder sofort zu interessieren: das Alphabet in Form von Szenen zu studieren, „durch Länder zu reisen“ in Form von Theateraufführungen, Kunsthandwerk und kreativem Denken… die Lehrer sind für jede Lektion verantwortlich. Es scheint, wer will am Sonntagmorgen aufstehen und wieder am Schreibtisch sitzen? Aber Kinder kommen gerne hierher.

Verschiedene moderne Techniken und Methoden des Deutschunterrichts ermöglichen es den Schülern, die Sprache viel schneller zu erlernen.

– Jetzt haben wir eine ausgezeichnete pädagogische und methodische Basis, aber das Wichtigste ist, dass wir mit Seele und voller Verantwortung dafür lehren, dass Deutsch das Recht hat, die Traditionen des Lernens und Lehrens fortzusetzen! – behauptet Inna Anatolyevna.

Konversationskurs

Vor einem Jahr hatte der Elektronikingenieur Artyom Gurkovsky keine Ahnung, welche Möglichkeiten deutsche Sprachkenntnisse bieten würden. Seine Frau Lydia Wolf ist Deutsche, sie spricht ihre Muttersprache einigermaßen, aber ohne ständige Übung geraten viele Sätze in Vergessenheit. Also beschloss Artyom, an Gesprächen teilzunehmen.

– Viele Leute denken, es sei Langeweile, am Schreibtisch zu sitzen und sich die Regeln und monotone Vorträge anzuhören. Es hängt alles von dem Lehrer und dem Zuhörer selbst ab, soweit er daran interessiert ist, die Sprache zu lernen. Von der ersten Stunde an habe ich mich in die Sprache, die Kultur der Deutschen, ihre Traditionen und ihre Küche verliebt “, sagt Artyom.

Von September bis April beherrschte der Mann innerhalb ein paar Monaten die Sprache auf der Stufe A1. Dies erlaubte ihm, mit seiner Frau auf Deutsch und zu Hause zu sprechen. Artyom wird nicht damit aufhören, vor ein paar Wochen hat er sich wieder für Kurse angemeldet, jetzt in einer fortlaufenden Gruppe:

– Wir haben drei Söhne, also haben sich die Ältesten auch für Kurse eingeschrieben. Deutschkenntnisse eröffnen zusätzliche Möglichkeiten für den Hochschulzugang. Ja, und überhaupt ist das Lesen der Literatur im Original viel schöner. Ich arbeite in einer Fabrik. Wir haben deutsche Geräte, jetzt kann ich die Anweisungen frei lesen, so dass es keine Ungenauigkeiten gibt.

Die erfahrenste Lehrerin, Tatjana Epifanova, unterrichtet seit 22 Jahren Deutsch in der regionalen Gesellschaft „Wiedergeburt“ und hat sich als kompetenter und verantwortungsbewusster Spezialist etabliert.

– Vor einigen Jahren ist das Interesse an der deutschen Sprache zurückgegangen, aber jetzt hat wieder ein Aufschwung seitens der Gesellschaft in Aktobe begonnen. Es ist erfreulich, dass sie sich nicht nur für die Sprache interessieren, sondern auch für die Traditionen und Bräuche der Deutschen, ihre Kultur. Kommen Sie zusammen mit ihren Familien.

Deutschkurse der regionalen deutschen Gesellschaft werden übrigens mit finanzieller Unterstützung des Bundesinnenministeriums organisiert. Der Unterricht dauert mehrere Monate, es gibt sowohl Anfänger- als auch Fortgeschrittenenkurse. Der Unterricht wird dreimal wöchentlich angeboten.

Löffel Teer

Bis vor kurzem galt die Sekundarschule Nr. 11 als eine der ältesten in Kasachstan, wo Deutsch unterrichtet wird. Die erste Lektion in der Sprache von Goethe und Schiller bestand vor mehr als einem halben Jahrhundert.

Durch ein gründliches Studium der deutschen Sprache konnten Absolventen einer Bildungseinrichtung renommierte Universitäten in Deutschland besuchen und in großen deutschen Konzernen und Unternehmen arbeiten. In den letzten zehn Jahren hat die Schule die engsten Verbindungen zu Lehrern deutscher Schulen und Universitäten hergestellt.

– Leider hat die Schule, die sich auf die Dreisprachigkeit konzentriert, vor einigen Jahren die deutsche Komponente aufgegeben – Englisch hat sich als prioritär erwiesen. Der Deutschunterricht blieb eine Wahloption für Schüler der Klassen 5 bis 8, also zwei Stunden pro Woche “, sagt Inga Smolinets. – Die Basis- und Unterrichtsmaterialien sind ausgezeichnet.

Es scheint, dass die deutsche Sprache viel von ihrer Position verloren hat, aber in diesem Jahr haben das Ministerium für Bildung und Wissenschaft und die gesellschaftliche Stiftung „Vereinigung der Deutschen Kasachstans „Wiedergeburt“ ein Memorandum unterzeichnet, das die ursprüngliche Position der deutschen Sprache in den Schulen wiederherstellen soll.

– Wir werden versuchen, den Eltern der Kinder zu vermitteln, dass die Positionen der deutschen Sprache wiederhergestellt werden. Es gibt bereits eine vorläufige Vereinbarung mit dem Direktor der Schule Nr. 11 über die gemeinsame Arbeit in dieser Richtung, so dass wir im nächsten Schuljahr Gruppen von Erstklässlern für den Deutschunterricht einführen können“, betont Inga Nikolaevna.

Dmitry Shinkarenko

Übersetzung: Manuel Gross

Die Lichter von St. Martin und die Zeit der Wunder

Schüler aus Aktobe haben die Geheimnisse der Magie gespürt

Nur wenige wissen, dass am letzten Sonntag ein Wunder im Gebäude der gewöhnlichen Schule Nr. 11 in Aktobe geschah. Aber alles begann wunderbar – um zehn Uhr morgens kamen Grundschüler zur Sonntagsschule, um mehr über die deutsche Sprache zu lernen. Diesmal brachte jeder, der kam, selbstgebastelte Laternen für den Tag von St. Martin mit.

– Wir können ja selbst Schöpfer von Wundern werden. Jeder kann es versuchen. Daher haben wir beschlossen, dass Kinder so leichter in die deutsche Kultur und Traditionen eingeführt werden können“, sagt Inna Voloshina, Deutschlehrerin an der Sonntagsschule.

Jedes Jahr ist etwas Besonderes

Bereits das zehnte Jahr feiert man in Aktobe den Martinstag. Hier wird er geachtet und geliebt. Es gibt immer nur den einen Feiertag, der aber auf immer unterschiedliche Weise vergeht, jedes Jahr wird an etwas erinnert. Wenn sich die Kinder im letzten Jahr dafür entschieden haben, gewöhnliche Papierlaternen herzustellen, dann haben sie diesmal der Fantasie freien Lauf gelassen. Nur eines bleibt unverändert – der Tag selbst muss von Wärme, Liebe und Freundlichkeit erfüllt sein.

– Wenn der Martinstag in Deutschland untrennbar mit kirchlichen Traditionen zusammenhängt, haben wir uns dazu entschieden, nicht in die Tiefe zu gehen und haben uns bei den Volksthemen ein wenig abgewogen. In vielen Familien haben die „russischen“ Deutschen Gänsebraten auf den Tischen, die Gastgeber backen Kekse „, fährt Inna Anatolyevna fort.

Wenn die Familie vereint ist

Die Jungs boten an, kleine Videofilme zu zeigen. Dabei mussten die Rollen die Kinder selbst besetzen. Nach dem Abspielen von Ausschnitten aus deutschen Volksliedern, die sich thematisch auf die Herbst-Winter-Periode bezogen, zeigten kleine Schauspieler, Mimik, Gestik und Plastizität, dessen, was sie hören. Diese Innovation wurde vor nicht allzu langer Zeit eingeführt und heißt „Theaterproduktionen beim Erlernen der deutschen Sprache“. Es wird angenommen, dass nicht nur Wörter, sondern auch Gedichte und Lieder auf diese Weise angeeignet werden können.

Sofya Sosina ist erst acht Jahre alt. In letzter Zeit war sie ruhig und nicht mitteilsam. Sonntagsschulklassen gaben den Mädchen Selbstvertrauen.

– Viele unserer Verwandten leben in Deutschland. Wenn wir zu Besuch gehen, würde ich gerne die Sprache verstehen. Deshalb beschlossen sie, die Tochter zur Sonntagsschule zu geben. Neben der Sprache selbst ist Kommunikation wichtig. In kurzer Zeit wurde Sophia entspannter und aktiver. Das ist wunderbar, wenn Kinder mit etwas Nützlichem beschäftigt sind “, teilt Sophias Mutter Marina Sosina mit.

Am Martinstag treten die Eltern als Unterstützungsgruppe auf. Sie machen sich Sorgen, denn eine der Hauptattribute des Feiertags sind eben die Laternen, die sie mit ihren Kindern zu Hause gebastelt haben. Wie Inna Voloshin später erzählte, wurden solche Hausaufgaben übrigens nicht zufällig gewählt – solche Kreativität vereint moderne Familien, gibt Zusammenhalt innerhalb der Familie und lenkt von Computern und Handys ab.

Wunder selbst machen

Wenn jemand der Meinung ist, dass all diese Feiertage zusammen mit Laternenlichtern und anderen Unterhaltungsangeboten nur für kleine Kinder gedacht sind, liegt er definitiv falsch. In diesem Jahr wurde Vasily Weber 13 Jahre alt. Er kann perfekt Englisch, kommt diesem Ergebnis auch im Deutschen sehr nahe. Fünf Jahre lang besuchte er die Sonntagsschule, wo er nicht nur viel über die Sprache, sondern auch über die Traditionen und die Kultur der Deutschen lernte. Er verbrachte zwei Abende damit, mit seiner jüngeren Schwester Varya ein Laternenlicht zu basteln. Im Kurs gingen Farbe, Papier, Klebeband herum.

– Es war interessant. Die Eltern haben sich auch angeschlossen, aber wir haben uns das Design der Lampen selbst ausgedacht, betont der Teenager stolz.

Mit Glauben und Liebe

Übrigens interessierten sich nicht nur die Deutschen für den Martins-Tag, auch Kinder anderer Nationalitäten beschlossen, an diesem Feiertag teilzunehmen. In der Schule eignet sich der Fünftklässler Ali Atamuratov beispielsweise die englische Sprache und sonntags Deutsch an.

– Für zwei Monate Sonntagsschule weiß er bereits mehr als für vier Schuljahre! – Alis Mutter, Irina Abdulganieva, gibt zu. – Hier wird alles in Form eines Spiels gegeben, keine Notwendigkeit Informationen in die Köpfe der Kinder zu stopfen, die Sprache wird leicht erlernt. Fremdsprachenkenntnisse stellen für ein Kind zahlreiche zusätzliche Chancen dar. Niemand zwingt ihn, er bettelt förmlich jedes Wochenende hierherzukommen. Neue Freunde gefunden, deutsche Kultur kennengelernt. So hatte Ali zum Martinstag mit voller Verantwortung selbst nach Ideen zur Gestaltung von Laternenlichtern gesucht und verkörpert.

– Herbstwünsche werden sicherlich in Erfüllung gehen! Nicht heute, nicht morgen, aber sehr bald. Sankt Martin wird sicher helfen! Ich glaube es – flüsterte die kleine Varya Weber.

Bevor sie über ihre Arbeit erzählten, wurde den Kindern angeboten, ein improvisiertes Schattentheater zu spielen. Der Feiertag endete feierlich und ein wenig geheimnisvoll: Die leuchteten Laternen werfen unheimliche Schatten auf das Publikum, und nach ein paar Minuten waren die Kerzen ausgeblasen … und wünschten sich etwas.

Sankt Martinstag

Der Martinstag ist ein internationaler Feiertag zu Ehren des Tages der Erinnerung an Bischof Martin von Tours. Er wird jährlich am 11. November gefeiert. Zu den festlichen Veranstaltungen gehören feierliche Prozessionen durch die Straßen, Kinderlaternen aus Kürbis oder moderne Materialien mit einer Kerze, gebackene Gans zum Abendessen und Gebäck. In der Antike symbolisierte dieser Tag das Ende der Ernte und den Beginn des Winters.

Martin von Tours wurde 316 in Savaria, Ungarn geboren. Sein Vater war ein römischer Kapitän, und Martin diente zunächst auch als Soldat von Kaiser Julian. Er bekannte sich zum Christentum und gründete in Gallien das erste männliche Kloster. Im Jahr 371 wurde er zum Bischof von Tours ernannt. Er wurde angeblich am 11. November 397 begraben, so dass dieses Datum zum Fest des hl. Martin wurde.

Der Legende nach, als Martin an einem Wintertag durch die Tore von Amiens zu Pferd ritt, wurde er von einem Bettler getroffen, der nackt war und ihm niemand Almosen gab. Dann zog der junge Mann sein Schwert und schnitt seinen Mantel in zwei Hälften: Er gab dem armen Mann eine Hälfte, und er drehte sich zu einem anderen Teil um. In der nächsten Nacht sah er, dass Christus zu ihm kam, gekleidet in einen Mantel, den er den Armen gab. Und der Herr sagte zu den Engeln, die um ihn standen: „Martin, der noch nicht getauft ist, hat mich in dieses Kleid gekleidet.“Viele Jahre später entstand in Deutschland die Tradition des Laternenumzuges. Am Abend des 11. November tragen Erwachsene und Kinder in deutschen Städten Papierlaternen entlang der Straßen. Sie denken über das Gute und das Licht nach und versammeln sich später beim Abendessen, wo es auf jeden Fall eine geröstete Gans gibt.

Dmitry Shinkarenko

Übersetzung: Manuel Gross

Wie viele Talente hat Stanislav Lemke?

Beim ersten Fallschirmsprung wollte er seinen 70. Geburtstag feiern. Aber er war bereits mit 69 gesprungen – der Traum wollte nicht länger warten. Jetzt ist er 72 Jahre alt und bereitet sich auf den sechsten Sprung vor.

Von einem leeren Platz aus kann man nicht springen. Stanislav Aleksandrovich war immer bereit für eine außergewöhnliche Aktion. Er glaubt, dass Talente von seinem Vater an ihn weitergegeben wurden, obwohl er früh gegangen war. Mutter, Lidia Iwanowna, gebürtige Sibirierin, erzählte ihrem Sohn, wie interessant der Vater Alexander Stanislavovich war. Die Namen zeigen, dass Stanislav Lemke der Enkel von Stanislav Lemke ist. Der Großvater war Deutscher, und es gab Polen in seiner eigenen Familie, und dann verflochten sich die sibirischen Zweige. Er lebt mit diesem schönen genetischen Strauß.

Er wurde 1946 in Alma-Ata geboren. Die Mutter konnte das Klima dieser heißen Stadt nur schwer ertragen, deshalb zogen sie 1949 nach Kostanay. In der kleinen Steppenstadt befand sich die einzige asphaltierte Straße. In derselben Straße, als Stanislav in der 5. bis 6. Klasse war, erschien ein schöner Brunnen, und abends tanzten Paare um ihn herum. Musik, die jetzt als „Retro“ bezeichnet wird, ertönte damals. Er liebt diese kleinen Meisterwerke bisher und kann sie jederzeit vorsingen.

Bald leistete er in Riga seinen Wehrdienst, war der Kommandant der Abteilung im musikalischen Zug. Dies ist eine besondere Periode in seiner Biografie. Riga sprach schon immer fließend Deutsch. Und das äußere Erscheinungsbild der Letten erlaubten ihnen, in Filmen Rollen von Deutschen zu spielen. Es ist kein Zufall, dass wir darüber reden, denn zusammen mit seinen Kameraden wurde Stanislav eingeladen, in dem Film „Strong with Spirit“ über den sowjetischen Spion Nikolai Kusnezow, die Rolle des berühmten Schauspielers Gunnar Tsilinskis, zu spielen. Am selben Ort spielte auch die nicht weniger bekannte Vija Artmane.

Und Stanislav Lemke in Form eines deutschen Soldaten spielte in den Szenen der Autorennen im Stadion „Daugava“, das aus Anlass des Filmdrehens mit entsprechenden Symbolen und Flaggen geschmückt war. Er sagt, dass später dieser Film zur Einheit gebracht wurde, und die Soldaten, die in den Massenszenen spielten, waren die ersten, die ihn sahen.

Musikalischer Zug

Das Armeeleben von Stanislav Lemke floss wie ein strömender Fluss. Zweieinhalb Jahre in Riga ist die Zeit seiner Jugend, körperliche Stärke und Moralbildung. Ich wollte auch zur Polizeischule, aber meine Freundin sprach sich strikt dagegen aus. Sie studierte an einer technischen Schule in Karaganda, wo sie sich zum Sportlehrer ausbildete. Stanislav trat auch dort ein. Das Stipendium war gering, meine Mutter schickte jeden Monat „Zehner“. Er, der bereits die Armee hinter sich hatte, schämte sich, seiner Mutter auf dem Hals zu sitzen, also wechselte er zum Teilzeitstudium. Nach seinem Abschluss an der Athletischen Hochschule Almaty ging er jedoch bei der Polizei in Kostanay zur Arbeit.

Stanislav Aleksandrovich sagt, er habe diesen Job sehr geliebt. Sie stellten sie nicht in Autoritätspositionen mit Sportunterricht ein, da sie an der juristischen Fakultät oder am Gymnasium studieren mussten, aber er arbeitete gern mit Jugendlichen im Jugendinspektorat. Er führte sie in den Sport ein, hielt Bildungsveranstaltungen ab, zeigte den Kindern die besten Seiten des Lebens.

Das Jugendinspektorat wurde für ihn zum ersten „Geschäft“, und aus demselben Dienst zog er sich zurück, im Rang eines Offiziers. In der Zwischenzeit arbeitete er als Ermittler (Untersuchungsgefängnis) und in privater Sicherheit.

Es ist Zeit, deine Träume zu erfüllen

Im Ruhestand wurde ihm nicht langweilig, es gab immer eine interessante Beschäftigung. Er sang im berühmten Chor „Kostanay Morgenrot“ und beschloss vor einigen Jahren, den Traum der Jugend zu verwirklichen – mit einem Fallschirm zu springen. In der Region ist das entsprechende Training nur in Rudny möglich. Es gibt einen kleinen Abschnitt, in dem junge Menschen tätig sind. Stanislav Alexandrovich wurde nicht abgelehnt, die Ärzte stellten klar fest, dass er ohne Schaden für seine Gesundheit springen könne. Die Vorbereitung dauerte mehr als zwei Monate, das war ernst. Er verbirgt keineswegs, dass er vor dem ersten Sprung ein Gefühl, ähnlich der Angst, erlebt hat.

– Aber ich habe mich gehalten, habe es nicht gezeigt, weil vor mir die ersten Sprünge von den Kadetten gemacht wurden. Wie konnte ich vor ihnen auch nur ein bisschen Angst zeigen? Garnicht, also sprang ich! 1000 Meter Höhe, alles lief gut. Die Jungs sagten sogar, dass ich für sie ein Vorbild wurde.

Im Jahr seines 70. Geburtstages machte er zwei Sprünge. Mittlerweile sind es bereits fünf Sprünge, ein Abzeichen und eine Fallschirmspringerkarte. Ein Sprung fand in Tscheljabinsk statt, es gab davor eine ernsthafte Prüfung, obwohl sie nur weniger als 800 Meter hoch flogen. Dort ist aber die Fläche etwas anders. Wenn es in der Region Kostanay einen Abschnitt einer Fläche ohne Stromleitung, ohne Teiche und Leinen gibt, dann ist das in der Millionenstadt Tscheljabinsk das Gegenteil. Es gibt überall Stromleitungen, kleine Seen und Wasserwirbel. Es hängt alles davon ab, wie sich das Team verhält. Und sie handelten selbstbewusst.

Die Mutter aus Sibirien respektierte die Kosaken sehr, sie träumte davon, dass ihr Sohn einmal in ihren Reihen sein wird. Nun ist Stanislav Aleksandrovich ein Esaul oder ein Major für Armeestandards. Er hat eine „richtige“ Kosakenform. Er liebte das Wandern und Kosakenlieder.- Die Kosaken erlauben keinen Alkohol im Zusammensein. Wir schlagen ein Zelt auf, kochen Buchweizenbrei, reden, singen Lieder. Geliebter Lemke – „Als wir im Krieg waren“, „Es häult der Sturm, der Donner donnert!“, „Schwarze Krähe“.

Stanislav Aleksandrovichs Stimme ist gut ausgerichtet, selbst in einem normalen Gespräch zeigt sie Kraft und Musikalität. Und um das zu bestätigen, lernt er jetzt, Gitarre zu spielen. Ich habe lange gewollt, aber es gab dafür nie wirklich Zeit. Jetzt bleibt auch kaum Zeit mehr – er wohnt in einem Privathaus, bei seiner Pflege und Erhaltung hat er genug Sorgen. Aber wenn vielleicht doch einmal ein „Zeitfenster“ frei wird, nimmt er die Gitarre, eine Anleitung für das selbstständige Lernen, und lernt die Akkorde. Meine Sehfähigkeit scheitert bereits, die Erinnerung ist nicht mehr das was es einmal war.“, sagt er bescheiden.

Überall gefragt

Tatsächlich hören Sie zu und fragen sich, an wie viel und was genau er sich erinnert. Ereignisse, Personen, Termine – alles ist sicher in seinem Gedächtnis gespeichert. Dies ist jedoch kein Schatz in einem Krug am Meeresgrund. Sein „Schatz“ wird ständig aufgefüllt, er hat viele Pläne. Ohne den Sommerwind hätte Lemke bereits sechs Sprünge gehabt. Aber wenn starke Winde wehen werden Sprünge abgesagt. Nun hofft er  auf August. Obwohl in Tscheljabinsk der Arzt Stanislav Alexandrovich bereits geraten hatte, nur auf das Schneekissen zu springen, da nach siebzig Jahren die Knochen brüchig werden. Aber kann man etwa sagen, dass Lemke bereits in die Kategorie „nach siebzig“ gehört?

Er ist stark, energisch, immer in Bewegung. Ehrlich gesagt, habe ich ihn sogar zufällig auf der Straße „erwischt“ – er lief schnellen Schrittes, um ein paar wichtige Dinge zu erledigen. Man kann ihn überall treffen. Lemke befindet sich unter den angesehenen Veteranen des Innenministeriums von Kasachstan. Seine Fallschirmsprünge machen seine Kollegen stolz.

Über sie gibt es sogar auf der Website des Innenministeriums Informationen. Er teilt seine Energie und seinen Willen mit anderen. Sobald Sie mit ihm sprechen, erscheint das Leben schon interessanter. Und das ist nicht jedem gegeben – um die Lebensenergie zu teilen. Lemke wurde es gegeben.

Lyudmila Fefelova

Übersetzung: Manuel Gross

Sergey Ivanovich Birkle – eine Berühmtheit im wahrsten Sinne des Wortes

Weiß er selbst, das er berühmt ist? Vielleicht hindert ihn seine Bescheidenheit daran, es zuzugeben? Genauer gesagt, hebt sich Birkle nicht heraus. Wir haben mit ihm zusammen gearbeitet, wenn auch in verschiedenen Ausgaben, aber viele Jahre in demselben Gebäude. Wir begrüßten uns in der Lobby, tauschten ein paar Phrasen über unseren Lieblingsfußball aus und jeder gang seines Weges, „wie Schiffe auf See“.

Und jetzt kam die Zeit, in der Birkle in dieser Eingangshalle aufhörte zu erscheinen. Als ich anrief und zunächst nach seiner Gesunheit fragte erwähnte ich plötzlich: „Sergej Iwanowitsch, sind Sie Deutscher?“ – Eine unlogische Frage, wenn man nicht einen Bericht für die Deutsche Allgemeine Zeitung vorbereitet. Das weiß er aber immer noch nicht, daher ist er überrascht: „Ja …“

Nach einer Pause erklärt er mir, dass er momentan ziemlich in Hektik ist, weil er jetzt tatsächlich eine eigene Sportzeitung aufgibt. Er ist gleichzeitig Gründer, Designer, Reporter, Fotograf und Künstler. Es macht ihm nichts aus, dass ich ein kleines Porträt für die Deutsche Allgemeine Zeitung zeichnete, aber ich habe keine Zeit, ihm zu helfen. Er beantwortet schnell ein paar Fragen und rennt weg. Und obwohl der Dialog per Telefon stattfand, stelle ich mir schon vor, wie der „alte“ Marathonläufer zu seinen wichtigen Terminen läuft. „Alt“ natürliche in Anführungszeichen, da Birkle auf Veteranenabständen ein Marathonläufer ist. „Alt“, weil er sich schon lange damit beschäftigt. Wir sind Altersgenossen mit ihm, über welches Alter können wir sprechen?

Vögel sind wie Menschen

– Ich bin ein Deutscher väterlicherseits, meine Mutter ist Russin. Ich habe natürlich die Geschichte unserer Familie gehört, aber nie wieder erzählt …Ich frage mich warum? Liegt es daran, dass es nicht vor der Vergangenheit war? Er lebte in der Gegenwart – als Junge interessierte er sich für Vögel. Elstern, Spatzen, Eulen und so weiter. Ich las über ihn eine warme, lyrische Geschichte, im Geist von Prishvin, unter dem Titel „Andere Menschen“, darüber, wie Sergei Birkle als Teenager einen hilflosen Raben aufgehoben hatte. Es gab kaum einen Tropfen Leben ihn ihm, aber der Junge verließ den Vogel nicht, zähmte ihn und er gefiel so bald vielen Menschen. Er nannte den kleinen Raben Grishka, er wurde unartig und sogar einmal stahl er eine goldene Uhr.Er hat sie aber nicht festhalten können und ließ sie fallen, so haben die Besitzer ihre Uhr wieder gefunden.

Und dann flog Grishka zu seinen Verwandten, vermischte sich mit einer Herde, und einmal kam er nach mehreren Fluchtersuchen nicht mehr zurück.

Aber Sergey hat die Vögel schon lange geliebt. Füttern, zähmen und verstehen – Dies ist eine der Facetten von Sergei Ivanovichs menschlichem Talent.

Flugzeugbauer

Wahrscheinlich glaubten die Eltern, dass ihr Sohn Ornithologe werden würde, Biologe. Und er bewirbt sich an der Staatlichen Hochschule für Flugtechnik an der Fakultät für Flugzeugbau und tritt dort ein. Nach seinem Abschluss arbeitete er als Konstrukteur bei der Tashkent Luftfahrt Produktionsvereinigung benannt nach Chkalov in Usbekistan, als Konstrukteur am Tselinny-Forschungsinstitut für Mechanisierung und Elektrifizierung der Landwirtschaft. Er hat Patente für Erfindungen. Und nicht nur Patente prägten seine Arbeit.

Vom Sport zum Journalismus und umgekehrt

Seit 1995 arbeitet Sergej Iwanowitsch als Journalist. Und das nicht einfach als gewöhnlicher Journalist, sondern spezialisiert sich für den Sport. Die zweite Hypostase ist ein Karikaturist in derselben Stadtzeitung „Kostanay“. Im Jahr 2002 begann er, die Anhänge im „Kostanay Sporty“ zu bearbeiten. Dies war der erste Schritt zur aktuellen Phase der kreativen Arbeit. Er sagt: „Ich weiß über die Existenz von einhundertdrei Sportarten Bescheid, und ich weiß sie nicht nur auswendig, sondern versuche, den Lesern fehlerfrei zu vermitteln, was jede von ihnen repräsentiert.

„Markierungen“

Sergei Birkle bleibt trotz seiner Bescheidenheit nicht unbemerkt. Er ist Preisträger des nach Seidakhmet Berdikulov benannten Republik-Preises im Bereich Sportjournalismus. Er war der Gewinner des republikanischen Wettbewerbs, der dem 50. Jahrestag des Fußballverbandes von Kasachstan gewidmet war, unter Journalisten, die über ein Fußballthema schreiben.

Darüber hinaus ist Sergej Iwanowitsch – der Gewinner des republikanischen Wettbewerbs der Journalisten „Dynamo-Charakter“. Das Ministerium für Kultur und Sport Kasachstans zeichnete Birkle mit dem Abzeichen „Für einen Beitrag zur Entwicklung des Sports“ aus. Jede dieser „Marken“ ist zu 100 Prozent verdient. Mit Birkle konkurrieren in der Fähigkeit, Sportereignisse zu verstehen und abzudecken, ist äußerst schwierig.

Er ist in diesen Angelegenheiten ein anerkanntes Ass.

Seltenes Genre

Und es gibt noch eine andere Facette – Karikaturen. Birkle wurde wiederholt zum Gewinner internationaler Karikaturenwettbewerbe. Seltenes Genre, besonders im Provinzjournalismus. Seine Cartoons sind präzise und prägnant, sie verursachen ein aufrichtiges Lächeln. Sergej Iwanowitsch politisiert die Karikatur nicht, aber sie kann ihre Relevanz nicht ablehnen. Eine von ihnen – „Überwindung der Krise“ – schlug er der „Deutschen Allgemeinen Zeitung“ vor. Birkle wird immer einen Ausweg finden, das ist ein weiteres seiner Talente.

Lyudmila Fefelova

Übersetzung: Manuel Gross

Olga Kikolenko: „Unsere Familie war ungewöhnlich“

Das Wort „Porträt“ bedeutet aus dem alt-französischen übersetzt „etwas Linie in Linie reproduzieren“. Nach diesem Prinzip näherten wir uns den familiären Bindungen von Olga Kikolenko, einer kasachischen Politikerin, einem Abgeordneten der Mazhilis der 4. und 5. Versammlung, einem Kandidaten der Geschichtswissenschaften.

Das Dorf Likhachevka von der Verwaltungskarte der Region Kostanay ist vor zehn Jahren verschwunden. Aber es gibt einen Tag, an dem ehemalige Likhacheviten hierher kamen, um sich zu treffen und die Gräber der Angehörigen zu besuchen. Olga Kikolenko versucht, diese Ereignisse nicht zu verpassen – ein wesentlicher Teil der Familiengeschichte fand hier statt.

Olga Andreevna – die älteste Tochter von Andrei Suknenov und Lydia Brumm. Zu einer Zeit wurde das Schicksal der Eltern zum Anstoß für die Wahl des Themas ihrer Dissertation – „Russlanddeutsche: Die Geschichte der Bildung einer nationalen Gemeinschaft und die Probleme der postsowjetischen Zeit“. Aber in den vierziger Jahren begann alles nicht mit der Wissenschaft. Die Großmutter Alice Brumm wurde für zehn Jahre lang ( „nicht lange“ ) nach Likhachevka gebracht, sie wurde der Arbeitsarmee zugeteilt.

Kein leichtes Schicksal

„Ich habe die Dokumente und Vorschriften dieser Zeit studiert … das Gesetz über Arbeitssoldaten wurde verletzt“, sagt Olga Andreevna. – Meine Mutter wurde im Alter von 13 Jahren ohne Sorge in Likhachevka gelassen. Die Familie der Großmutter lebte vor der Deportation in der Region Saratow und kommunizierte ausschließlich in deutscher Sprache. Mutter ging mit ausgestreckter Hand an Likhachevka entlang und fragte nach einem „Brot“. Sie konnte kein einziges russisches Wort… Die Ukrainerin Maria Bordonos nahm das Mädchen in die Familie auf, sie hatte vier Kinder und brauchte eine Babysitterin. Dies rettete Lida vor dem Hunger.

Lydia Brumm war sehr jung, als sie auf die Farm gebracht wurde, um sich um die Bullen zu kümmern. Ein tragischer Unfall hätte das Mädchen fast das Leben gekostet – die Stiere trampelten sie geradezu in den Mist. Das Kind, das keinerlei Lebenszeichen zeigte, wurde in ein Krankenhaus gebracht und nach der Untersuchung wurde es von den Ärzten in das Leichenschauhaus gebracht. Glücklicherweise stellte die Kommission, die damals die Inspektion durchführte, fest, dass das Mädchen noch am Leben war. Trotz zahlreicher Blutergüsse wurden lebenswichtige Organe nicht verletzt. Die Gesichtswunde war zugenäht, aber sehr rau. Ihr ganzes Leben lang versuchte Lidia Fridrikhovna, ihr Gesicht mit ihrer Handfläche zu bedecken. In Deutschland wurde ihr eine plastische Operation angeboten, die sie jedoch ablehnte: „Ich habe mit ihr gelebt, ich bleibe dabei …“

Ein deutscher Journalist französischer Herkunft interessierte sich sehr für das Schicksal von Lydia Brumm. Das Ergebnis ihrer Recherchen war die Geschichte auf Deutsch – „Kein leichtes Schicksal“.

Am selben Tag geboren

Dank welcher, überraschender Gesetzmäßigkeiten, kreuzen sich manchmal die Schicksale der Menschen? Kalmyk Andrey Suknenov und die Deutsche Lydia Brumm wurden am selben Tag geboren -21. April 1928. Seine Familie lebte in der Region Astrachan, sie – in Saratow. Beide waren Waisenkinder. Die Verwandten von Andrei Adyanovich wurden zweimal enteignet und schließlich vernichtet. Der Junge wurde in der Familie eines Großonkels erzogen, der nach Kasachstan deportiert wurde.

– In Likhachevka begannen Mama und Papa, „geografisch“ zu kommunizieren. Die Gegenden, in denen ihre Vorfahren an der Grenze lebten, sagt Olga Andreevna. – Tausende von Kilometern aus einer kleinen Heimat fühlten sie eine Beziehung und verliebten sich ineinander. Die Deutschen in Likhachevka wollten nicht, dass ihre Mutter einen Kalmyken heiratet und boten ihr andere Deutsche an. Aber sie heiratete ihn. Es war eine glückliche Ehe, in der acht Kinder geboren wurden.

Andrej Adjanowitsch erhielt den Beruf eines Tierarztes, war sehr tierlieb und wusste, wie er sich um sie kümmern musste. Die Natur verletzte seine Talente nicht – er war musikalisch, spielte Balalaika und Lydia Fridrikhovna sang wunderschön. Jahre später entstand das Familienensemble. Die Kinder des Kalmyks und der Deutschen zeichneten sich durch ihre Schönheit und harte Arbeit aus, studierten mit hervorragenden Ergebnissen, sangen, tanzten, spielten Musikinstrumente.

„Ohne falsche Bescheidenheit war unsere Familie ungewöhnlich“, sagt Olga Andreevna. – Wir waren viele: Eltern, acht Kinder und eine Großmutter. Sie lebten schlecht, elf Menschen sind nicht so leicht anzuziehen, zu ernähren. Mein ganzes Leben lang wurde ich aus dieser Armut geschlagen. Ich bin sehr zufrieden, dass es meiner Mutter gelungen ist, zehn Jahre in Deutschland zu leben. Sie starb im 82. Lebensjahr …

Weit weg von der Heimat

In Deutschland leben fünf Brüder und die Schwester von Olga Andreevna. Der Vater und einer der Söhne ruhen in Likhachevka. Dies ist eine weitere Phase der Familiensaga. Die Kalmyken durften 1957 in ihre Heimat zurückkehren. Onkel Andrei Adyanovich machte sich sofort für eine Reise bereit und rief seinen Neffen mit sich. Aber Lydia Fridrikhovna weigerte sich zu gehen – die Deutschen, entfernte Verwandte lebten in Likhachevka, es hielt sie dort so einiges. Diese Frage stand also nicht zur Diskussion. Olga Andreevna meint jedoch, sein Vater sei früh gestorben, weil er seine Heimat vermisse.- Kinder in unserer Familie wurden von Mutter und Großmutter in Deutschland erzogen. Mein Vater war ständig bei der Arbeit, und unsere Kontakte in der Familie und zu Dorfbewohnern waren ausschließlich „deutschen Formats“. In Likhachevka lebten viele Ukrainer, die jedoch nicht mit den Deutschen heirateten. Obwohl ich selbst einen Ukrainer geheiratet habe“, sagt Olga.

Olga Andreevna ist im Familienleben eine sehr bodenfeste Person. Dies gilt für heute als auch für früher. Sie war ein Vorbild für viele, unabhängig von ihrer ethnischen Herkunft. Nach dem Abschluss der Mittelschule trat sie in das pädagogische Institut von Kokshetau an der Fakultät für deutsche Philologie ein. In ihrem, im Internet veröffentlichten, persönlichen Zeugnis heißt es, dass sie Kasachisch, Russisch und Deutsch spricht.

– Ich liebe es, die Originalwerke deutscher Autoren und deutscher Zeitschriften zu lesen – damals, als niemand über die Massenumsiedlung der Deutschen nach Deutschland nachdenken konnte. Meine deutschen Wurzeln haben mich schon immer interessiert- Olga Kikolenko widmete sich in ihrer Dissertation vielen Seiten diesem Thema. Sie glaubt, dass die Deutschen nach Deutschland abgereist sind, nicht weil sie in Russland oder Kasachstan keinen Reichtum hatten.

– Lesen Sie Gumilyov, Vernadsky … Das Verlangen nach seinem Heimatland hat eine wissenschaftliche Begründung. Wie ein Baum toleriert der Mensch den Boden eines anderen nicht oder nimmt es nur schlecht an. Natürlicherweise fühlt er sich in seiner Heimat gut. Wenn Sie Deutschland als Heimatland empfinden, werden Sie durch dieses Gefühl zum Umzug motiviert – erklärt Olga Andreyevna. Sie ist der Ansicht, dass jeder andere Schicksale hat, aber gewisse Gesetzmäßigkeiten können immer wieder eintreten.

Welches Land ist mehr Heimat?

Dass sie bis heute in Kasachstan lebt, folgt auch einer Gesetzmäßigkeit. Sie wird hier gebraucht. Sie unterrichtet an der Berufsschule und versucht, Menschen zu helfen, vor allem jungen Leuten.

– Liebe zu den Menschen wurde uns von den Eltern in die Wiege gelegt. Wenn ich heute einem Menschen etwas Gutes tue, dann bin ich noch drei Tage vollkommen glücklich“, sagt sie.

Olga Andreevna ist zuversichtlich, dass die Dankbarkeit gegenüber dem Land, das Sie aufgezogen hat, unverzichtbar, aufrichtig sein und auf Gegenseitigkeit beruhe sollte. Nehmen Sie verlassenes Likhachevka: Wie könnte man es nur vergessen? Ein altes Dorf, das von slawischen Siedlern gegründet wurde, beherbergte die deportierten Völker in schwierigen Zeiten, um nicht nur zu überleben, sondern auch Familien zu gründen, Kinder großzuziehen und die Tiefe des menschlichen Lebens zu verstehen. Welches Land ist Olga Kikolenko heute heimatlicher: Deutschland oder Kasachstan? Diese Frage erfordert keine endgültige Antwort. Es ist Liebe, die mit dem Leben vereinbar ist.

Lyudmila Fefelova

Übersetzung: Manuel Gross

Die Krim-Rollsteine von Lily Leskova

Die Familie von Ferdinand Balko (Betonung der ersten Silbe), der Großvater von Liliya Leskova, wurde am zweiten Kriegstag von der Krim deportiert. Einen Monat zuvor bereiteten der Großvater und die Großmutter die Dokumente für das Haus in der Stadt Saki in der Krasnoarmeyskaya-Straße 1 vor. Sie bauten das Haus selbst, alles war neu und jung darin: Möbel, Utensilien und natürlich die Menschen.

Als der Befehl zur sofortigen Evakuierung kam, betrat ein alter jüdischer Nachbar das Haus.

– Fedya, lassе alles hier – Stühle, Kissen. Nimm warme Sachen. Ich habe gehört, dass man euch irgendwo nach Sibirien schickt, jedenfalls weit hinter den Ural. Nimm eine Tüte Mehl und eine Truhe mit. Die jungen gehorchten dem Rat. Als sie gingen, schauten sie zurück auf ihren Traum, der wahr wurde und sofort zusammenbrach.

In Lisakovsk arbeitete Lilia Gerbertowna Leskova, Dekanin der Fernunterrichtsabteilung Lisakovsk am Rudny Hochschule 1977 als Ökonom und später als Leiterin der Finanzabteilung der Stadt. Von 1996 bis 2004 – Stellvertretender Vorsitzender des Verwaltungsrats der Sonderwirtschaftszone von Lisakowsk, stellvertretender Bürgermeister der Stadt.

Mit ihrer direkten Beteiligung wurde eine Funktionsweise einer freien, dann einer Sonderwirtschaftszone entwickelt und umgesetzt, die die Entwicklung kleiner und mittlerer Unternehmen und das Wachstum der steuerbaren Basis ermöglichte.

Kandidat der Wirtschaftswissenschaften. Sie erhielt sie die Medaille „Kazakhstan Respublikasyny tuelsіzdіgіne 10 zhyl“ (2006), eine Jubiläumsmedaille zu Ehren des 80. Jahrestages der Region Kostanay (2016). Dies ist Teil der offiziellen Biografie. Aber das Leben von Lily Leskova, kann nicht nur in trockenen Information und Zahlen erzählt werden.

Ferdinand

Ferdinand Balko wurde 1910 geboren und war eines von 16 Kindern einer traditionellen deutschen Familie. Eltern gaben ihn in eine jüdische Familie. Lilia Gerbertowna bedauert, ihre Namen nicht zu kennen. Aus dem Mehl, das er auf der Straße mitgenommen hatte, brodelte der Großvater (an den Stationen der Pumpstation konnte man kochendes Wasser holen) und fütterte seine Tochter mit dieser warmen Mischung. Einmal, als sich der Zug in einer Sackgasse befand, hörte ich einen Schrei: „Fedya! Fedya! “- sein Nachbar rief hinter dem Gitter aus dem Nebenwagon – einen Freund aus Kindertagen, der Tatar Mubin, der mit einem Bart überwachsen war und daher nicht sofort erkannt wurde. Opa brachte ihn noch einmal mit. Bis zu seinem Lebensende, sagte er, werde ich mich daran erinnern, wie die Leute wegen des Eisenbahnwagengitters ihre Hände hinter sich gezogen haben, und sie lief ihre Bärte hinunter.

Durch das Loch in der Truhe , in dem die zukünftige Mutter von Lily lebte, erzählte die Großmutter ihrer Tochter ihre Märchen. Es ging wahrscheinlich um Gut und Böse, und natürlich triumphiert das Gute immer.

Ferdinand Balko starb Mitte der 80er Jahre. Er vermachte sich, um sich in Semiozerka (heute das regionale Zentrum von Auliekol) zu begraben.

Schlauer deutscher Hase

Auf die Frage, ob sie sich immer deutsch fühle, antwortet Lilia Gerbertovna:

– Ich bin in einer traditionellen Familie aufgewachsen. Hochzeiten für alle Angehörigen wurden nach deutschem Brauchtum in ihrer Muttersprache abgehalten. Dora, die Schwester meines Großvaters, zog zu Weihnachten einen verdrehten Pelz an und zog Strümpfe auf ihr Gesicht (Pelznickel), und ich rief: „Tante Dora, ich habe Sie erkannt!“

Der Osterhase kam mit meinem Bruder zu Besuch. Eltern und Großeltern dachten, wir hätten kein Deutsch verstanden und sprachen es, wenn sie etwas vor uns verbergen wollten. So fanden wir heraus, dass sie uns Geschenke schenken würden, so als ob sie vom Hasen gebracht würden. Mein Bruder und ich beschlossen, die ganze Nacht nicht zu schlafen und ihnen zu beweisen, dass es keinen Hasen gibt. Aber schlief ein. Und am Morgen warteten wir schon auf Geschenke …Im Alltag dominierte die deutsche Küche – „Kuchen“, „Shtrudli“ aus Hefeteig und „Shneepale“ dienten als Dekoration für jeden Tisch. Als der Sohn von Leskov in Lisakovsk ein Restaurant eröffnete, wurde der Schwerpunkt auf der deutschen Küche gelegt. Hier fielen alle Fähigkeiten der Großmutter ein.

Was wird Vera Michailowna sagen?

Traditionelle deutsche Hochzeit mit berühmten Musikern aus Nelyubinsk (deutsches Dorf Nelyubinka, Bezirk Taranovsky der Region Kostanay). Die Braut – Lilia Kelm, der Bräutigam – Boris Leskov. 13. August 1977.

In der Schule war ich eine „Ganovin“, lacht Lilia Gerbertovna, als es um den Berufseinstieg ging. – Meine Klassenlehrerin Vera Michailowna Gavrilova wiederholte mehr als einmal: „Aus dieser Kelm wird es nichts Gescheites geben.“ Als ich nach der 8. Klasse die Tselinograder Finanz-Technische Hochschule besuchte, hatten viele Mädchen heimweh und brachen die Schule ab. Und eines saß in meinem Kopf fest: „Ich werde zurückkehren, und Vera Mikhailovna wird sagen, dass sie doch wusste, dass aus dieser Kelm nichts Gescheites wird.“

Sie absolvierte die Berufsschule und wurden in den Bezirk Borovskoy entsandt. Und wieder schmeißen die Mädchen alles, sie kehren heim, weil es schwierig ist, um 5 Uhr morgens aufzustehen, zum Bahnhof zu gehen, Geschäftsreisen auf staatlichen Farmen zu unternehmen. Alle schmissen die Lehre, aber ich dachte: Ich werde nach Semiozerka zurückkehren, und dort wird Vera Mikhailovna sagen, dass sie doch wusste, dass aus dieser Kelm nichts Gescheites wird.

Ich habe geheiratet, bin nach Lisakovsk gezogen, habe die Abendinstitut besucht, und mein Sohn ging in die erste Klasse … es gab auch viele Schwierigkeiten. Erinnern Sie sich noch einmal daran, was Vera Michailowna sagen wird? Jahre später, vermutete ich: Vera Mikhailovna war eine einzigartige Psychologin, und als sie erkannte, dass das Hauptmerkmal meines Charakters eindeutig mein Ehrgeiz ist, benutzte sie es natürlich für pädagogische Zwecke.

Die Erde lässt nicht los

Lilya Leskovas Schulerinnerungen sind sehr lebendig. Sie war eine Führerin und Inspiratorin.

– Als wir zu den Pionieren eingerufen wurden, rief ich am 1. Mai alle in den Wald zur „Waldputzede“. Es war kalt im April. Ich sagte: „Lasst uns dem Mutterland Treue schwören. Dafür müssen wir ein wenig Erde essen.“

Emma Radikovna Usmanova, eine Archäologin und Ehrenbürgerin der Stadt Lisakovsk, sagte einmal: „Lilka, ich verstehe jetzt, warum du  nicht nach Deutschland verreist bist. Unser Land lässt dich nicht gehen.“

Das eine Land ließ sie nicht gehen, aber das andere rief sie. Im Jahr 2003 traf sich Lilia Gerbertowna mit ihren Verwandten aus Deutschland in der Stadt Saki. Sie wollten ein Haus oder einen Ort finden, den Großvater Ferdinand im Jahr 41 verlassen hat. Aber das Haus in Krasnoarmeyskaya 1 wurde nicht erhalten. Die Nummerierung begann mit dem fünften Haus.

Und nur an den drei Felsbrocken, von denen der Großvater immer sprach, erkannten sie den Familienhof. Hinter ihnen stand ein niedriges, gelehntes Haus. Eine Frau kam an, eine Ukrainerin.

– Was machen Sie hier?

Wir erklärten die Situation.

– Wissen Sie, Deutsche haben nie an diesem Ort gelebt. Ich habe mein ganzes Leben hier gelebt, sagte sie. Anscheinend war sie im selben Alter wie meine Großeltern.

– Sie haben uns missverstanden, wir wollen das Haus nicht wieder haben. Schauen Sie, die Männer kamen aus Deutschland, sie haben alles … sie haben nur die Erinnerungen mitgenommen. Wir wollten nur eine Handvoll Erde auf dem Grab meiner Mutter sehen und nehmen.

Die Frau erfasste eine unglaubliche Hysterie:

– Nein, auf keinen Fall das ist unmöglich, hier waren keine Deutschen!

– „Sie tun uns unheimlich leid“, sagten sie zu dieser Frau. – „Sie haben Ihr ganzes Leben in einem fremden Haus verbracht und haben Angst, es zu verlieren.

Wir fürchten uns jedoch vor nichts mehr, weil wir uns selbst versorgen. In einem fremden Land, im fernen Kasachstan, haben wir unsere Heimat gefunden und mehr als nur ein Haus gebaut. Den ganzen Weg zurück weinte Lily im Taxi.

Das Team

Liliya Leskova aus dem Team von Albert Rau, mit dem sie das „Wirtschaftswunder von Lisakovsk“ in Verbindung bringen. Von März 1993 bis September 1998 war sie stellvertretende Vorsitzende des Verwaltungsrats der Freien Wirtschaftszone Lisakovsk (FWZL). Dann wurde sie Stellvertreterin von Lisakovsk. Ein nicht standardmäßiger Ansatz zur Lösung von Problemen und Aufgaben stellte sie im Regionalzentrum der Direktion der Abteilung für Wirtschaft und Budgetplanung vor. An diese Zeit erinnert sich die Frau nur ungern.

– Erst in Kostanay wurde mir klar, wie glücklich ich in der Mannschaft war, in Lisakovsk. Die Abteilung gab mir eine Schule fürs Leben, aber ich war enttäuscht vom öffentlichen Dienst.

Lilia wurde als Dekanin beim IHR (Industriehochschule Rudny) eingeladen.

– Als mein Vater davon erfuhr, schmollte er und hörte sogar auf, mit mir zu reden. Ich sage: „Was ist los, Papa?“ Es stellte sich heraus, dass er um meinen Ruf Angst hatte. „Bitte nimm bloß keine Bestechungsgelder…“ Mir war ein bisschen komisch zu Mute.

Sie mag es immer noch nicht, in der Hinterhand zu sein, so wie das auch vorher nicht gemocht hatte. Auf der Grundlage der Fakultät hat Lisakovsk IHR ein Zentrum für Fernstudium im Bereich Technologien geschaffen. Damit Teilzeitstudierende nicht zu den Sitzungen gehen müssen (sie lassen sich nicht bei der Arbeit entlassen und die Leute verlieren ihren Lohn nicht), führten Schulungen auf der Online-Seite ein. Wir mussten viel tun, da wir nicht über humanitäre, sondern über technische Besonderheiten sprechen.

Lilia Gerbertovna sagt, dass sich die Qualität der Bildung um ein Vielfaches verbessert hat. Erstens kann ein Student die Präsentation nicht abrufen, die Zusammenfassung des Moduls lesen, usw., bis ein Student eine Video-Vorlesung zu einem Thema hört. Dann muss ich das Modul testen. Wenn es nicht bestanden wurde, kehrt man zum erneuten Lernen zurück. Nur konsequent und auf hohem Niveau sollten die Themen beherrscht sein.

„Leskova, lass uns verteidigen!“

Angesichts der Tatsache, dass sie vielen Menschen dankbar ist, nimmt Albert Rau, jetzt Abgeordneter des Mazhilis und Anführer der Deutschen Kasachstans, einen besonderen Platz in ihrer Entwicklung, sei es eine Karriere- oder eine Lebensposition ein.

Als zum Beispiel die Lisakovsk Frei Wirtschaftszone vorzeitig abgeschafft wurde, sagte er: „Leskova, lass uns verteidigen! Gehen Sie nach Moskau zur Akademie des Staatsdienstes unter dem Präsidenten der Russischen Föderation.“ Ich habe dem widersprochen, ich war schon 45 Jahre alt. Sie sagte: „Warum brauche ich es in meinem Alter?“ Er antwortete: „Wir werden später reden.“ Als ich ankam, kam Bachurin an die Abteilung (ich lehrte nach seinen Lehrbüchern an der Tselinograder Finanz- und Technikschule die Wirtschaftswissenschaften), und hier kommt er herein; Alle stehen auf. Mit 85 behielt er ein nüchternes Gemüt und ein hervorragendes Gedächtnis bei. Er war mein wissenschaftlicher Gegner. Ich war verrückt nach dieser Persönlichkeit! Als ich nach Lisakowsk zurückkehrte, fragte mich Albert Rau: „Nun, Leskova?“ Ich antworte: „Ich freue mich, Albert Pavlovich! Schließlich wurde mir klar, dass der Wert eines Wissenschaftlers mit zunehmendem Alter steigt und der der Beamten nur sinkt. Mit dieser Philosophie fällt es mir leicht, auch in meinen 62 Jahren zu leben.“

Lyudmila Fefelova, Farid Dandybaev

Übersetzung: Manuel Gross

Stipendien für ein Studium an deutschen Sprachzentren in Kasachstan

Das Goethe-Institut bietet Vertretern von ethnischen Deutschen in Kasachstan die Möglichkeit an, Deutschkurse (Semester) in einem der German Language Centers in Kasachstan (SLZ) zu besuchen, je nach Sprachniveau des Bewerbers. Ziel ist es, die Kenntnisse der deutschen Sprache zu vertiefen und sich auf Prüfungen für internationale Zertifikate vorzubereiten. Das Stipendium beinhaltet die Kosten des Sprachkurses (Achtung! Die Kosten der Prüfung sind nicht im Stipendium enthalten).

Deutschkurse werden in vier Städten der Republik Kasachstan nach einem einheitlichen Programm abgehalten, das den Qualitätsstandards des Goethe-Instituts entspricht. (http://www.goethe.de/ins/kz/de/alm/net/spr.html , http://deutsch-zentrum.com/)

 Voraussetzungen für die Bewerbung:

  • Alter bis 45 Jahre
  • aktive Beteiligung an Projekten deutscher Organisationen in Kasachstan
  • Empfehlung einer der folgenden Organisationen

Bewerbung / Frist:

Bewerber senden bis zum 23. Januar 2019 an das Goethe-Institut an  Svetlana Umirova an die E-Mail-Adresse: svetlana.umirova.extern@goethe.de folgende Dokumente:

  1. ausgefülltes Bewerbungsformular (siehe www.goethe.de/almaty);
  2. die Ergebnisse des Aufnahmetests des Deutschen Zentrums (SLZ);
  3. Kopie des Reisepasses / Personalausweises;
  4. Lebenslauf;
  5. Kopien von Zeugnissen und Zertifikaten;
  6. Informationen zur Erlangung anderer Stipendien für ein Studium am Sprachenzentrum (Studienbrücke, Pasch-Stipendien, Arbeitgeber usw.)
  7. Empfehlungsschreiben
  • vom Leiter eines der Deutsch-Sprachzentren oder einer anderen Partnerorganisation des Goethe-Instituts;
  • vom Vertreter des Goethe -Instituts oder eine andere deutsche Mittlerorganisation;
  • von einem Vertreter der gesellschaftlichen Stiftung „Vereinigung der Deutschen Kasachstans „Wiedergeburt“ oder eines deutschen Unternehmens in Kasachstan.

Bewerbungen für Kurse der Stufe B1 sind vorrangig.

Stipendien für Kurse am Goethe-Institut in Almaty sind nicht verfügbar.

Das Zentrum der deutschen Sprache bestätigt dem Bewerber, ein Stipendium für einen Sprachkurs zu erhalten, und der Stipendiat unterzeichnet die Vereinbarung mit den Studienbedingungen. Bei zufriedenstellender Anwesenheit und akademischer Leistungen hat der Stipendiat die Möglichkeit, ein zusätzliches Stipendium für den nächsten Kurs zu erhalten. Das Recht der endgültigen Entscheidung bleibt dem Goethe-Institut vorbehalten.

Weitere Informationen und Kontakte finden Sie unter www.goethe.de/Almaty

Übersetzung: Philipp Dippl

„Ex Germania semper aliquid novi“

Es war einmal ein beliebter Spruch der alten Römer: „Ex Africa semper aliquid novi“, d.h. „Aus Afrika gibt es immer etwas Neues.“ Ende 2018 könnten Sprachschüler dies so formulieren: „Ex Germania semper aliquid novi“.

Im Dezember 2018 beteiligte sich der Sprachassistent Yury Schmidt aus Potsdam aktiv an der Arbeit der Regionalgesellschaft der Deutschen „Wiedergeburt“ in Semey. Der Besuch fand im Rahmen von Partnerschaftsprojekten der Landsmannschaft der Deutschen aus Russlan e.V. und der gesellschaftlichen Stiftung „Vereinigung der Deutschen Kasachstans „Wiedergeburt“ statt.

Dank seiner umfangreichen Interessen und beruflichen Fähigkeiten (Internet-Marketing, Fotografie, Grafik- und Webdesign, Kontakt-Improvisationstänze) konnte J. Schmidt nicht nur Deutschkurse, sondern auch interessante Workshops für Kinder und Jugendliche abhalten. Besonders wertvoll waren die Informationen über die Traditionen des modernen Deutschlands, die Möglichkeiten des Studiums, der Arbeit und der Geschäftsentwicklung.

Die Kombination aus hervorragender deutscher Sprache und relevanten Informationen sowie der Persönlichkeit und Charme von Yuri machte diese Zeit für Studenten verschiedenster Altersgruppen und Gemeindeaktivisten sehr nützlich. Keines der Projekte der regionalen Gesellschaft wurde vom Sprachassistenten ignoriert: Er führte Unterricht in verschiedenen Stufen durch, unterrichtete Jugend- und Kindergruppen, besuchte die Schule der fakultativen Bildung und das Zentrum für Vorschulbildung, organisierte einen Nikolaustag für die Sonntagsschule und Kindersprachkurse.

Semey ist eine kleine Stadt, aber Lehrer aus dem Ausland sind nicht ungewöhnlich. Dies sind jedoch in der Regel Spezialisten aus englischsprachigen Ländern. Die Kommunikation mit einem deutschen Muttersprachler ist eine seltene Gelegenheit für Menschen, die diese Sprache erlernen. Die Bewertungen waren voller Enthusiasmus und überaus positiv.

Ludmila Nikolaevna Velts, Besucherin der Deutschkurse: „Wie wunderbar ist es für uns, wenn wir Deutsch lernen, die Möglichkeit zu haben, mit einem Muttersprachler zu üben. Ich habe diesen Punkt oft in Fragebögen markiert, als das Projekt besprochen wurde, aber ich dachte nicht, dass sich unser Traum erfüllen würde! Vielen Dank an die Organisatoren!“

Maria Huber, Besucherin der Jugendgruppe: „Yuri hat uns viele interessante Möglichkeiten zum selbständigen Sprachenlernen gezeigt. Es ist sehr interessant, mit ihm zu sprechen, er weiß viel und ist bereit, sein Wissen zu teilen.“

Iskander Asemtayev, Student der Schule für fakultative Bildung: „Ich kommuniziere zum ersten Mal mit einer Person, die in Deutschland lebt! Ich wollte sofort mehr Wörter lernen! “

Beno Vizner, Jugendclubaktivist: „Kontaktimprovisation macht sehr viel Spaß und ist ungewöhnlich. Schön, dass wir Neues lernen können! “Yuri wiederum reagiert positiv auf seine zwei Wochen, die er in Semey verbracht hat. Die Neugier der Studenten, die Gastfreundschaft der Bürger, die Altstadt und die malerische Umgebung – der Kiefernwald und der Fluss Irtysh – haben mir gefallen. Der Gast aus Deutschland war besonders beeindruckt von der Tatsache, dass Theaterpremieren ein großes Ereignis für die Bürger sind und der Saal des örtlichen Theaters immer voll ist.

Kurzum, der Dialog war ein voller Erfolg und die Zusammenarbeit erwies sich für beide Seiten als angenehm und intensiv.

Olga Beder

Übersetzung: Philipp Dippl

Wunder, wo auf sie gewartet wird

Sie sagen, für das Glück sollte es keinen bestimmten Tag geben. Dies ist ein Zustand, der weder gemessen noch abgewogen werden kann. Aber du kannst es teilen. So auch die Mitglieder der Gesellschaft der Deutschen „Wiedergeburt“ Aktobe. Mit den Geschenken und der guten Laune reiste das Theaterstudio „Denk’mal“, der Vorsitzende des Vereins, Aktivisten, Vertreter der Jugend und der Gast aus Kostanay, dem Leiter der Evangelisch-Lutherischen Kirche, 100 km von Aktobe nach Badamsha.

In dem einst „deutschen“ Dorf leben heute nicht mehr so viele Vertreter dieser Nationalität. Ihre Wurzeln werden hier jedoch nicht vergessen.

Das Begegnungszentrum veranstaltet regelmäßig Veranstaltungen – die ältere Generation singt Lieder in ihrer Muttersprache, während junge Menschen versuchen, Traditionen anzunehmen, die sie seit vielen Jahren kennen.

Im Herzen immer jung

 In einem gemütlichen Café warteten bereits die Gäste aus dem Regionalzentrum – auf den Tischen roch es immer noch nach heißen Torten, die von den liebevollen Händen der Großmütter zubereitet wurden, klang deutsche Musik. Diejenigen, die eintraten, umhüllte, sobald sie die Türschwelle überschritten hatten, sofort die einzigartige Atmosphäre des Urlaubs. Jemand könnte denken, dass es keinen Sinn bei solchen Zusammenkünften gibt, andere werden argumentieren, dass dies der Teil der Ereignisse ist, der zum Versammeln, zur Kommunikation und Vereinigung zwischen Generationen dient.

Für Zinaida Zinovieva (Imgrunt) solche Zusammenkünfte wie Balsam für die Seele. Die Kommunikation mit ihren Freunden verjüngert die 70-jährige Rentnerin.

„Altern sie in der Seele nie! Ich fühle mich jetzt gerade wie Zwanzig, – scherzt Zinaida Filipovna. – Ich schaue jetzt die Kinder an und bin froh: Sie haben die Möglichkeit, die Feiertage zu erleben. Meine Eltern haben ebenfalls versucht, dass wir Kinder die Not nicht fühlen würden, aber jetzt gibt es eine wunderbare Gesellschaft „Wiedergeburt“, die die Deutschen in den Distrikten nicht vergisst.“

Mit dem Glauben an Wunder

Der Rektor der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Kostanay, Rostislav Novgorodov, wurde in Badamsha zu einem gern gesehenen Gast. Zum ersten Mal besuchte der Priester Mitte letzten Jahres diese Orte. Die ländlichen Deutschen mochten den jungen Mann, und seine Worte mochten sowohl die ältere als auch die jüngere Generation.

„Es ist wichtig, dass die Aktobe-Deutschen nicht nur auf die kulturelle Entwicklung achten, sondern auch die spirituelle Komponente ihres Lebens nicht vergessen. Glaube und Hoffnung nehmen nicht ab, wenn Menschen im Geist stark sind.“

Und obwohl die Weihnachtstage zu Ende gingen, erinnerte Rostislav Novgorodov das Publikum an die Geschichte des Festes und daran, warum Kerzen in Häusern wichtig sind, und lud am Ende seiner Rede alle ein, sich an die Worte des Weihnachtsliedes „Stille Nacht“ zu erinnern. Interessanterweise sangen sogar die Enkelkinder mit ihren Großeltern mit.

Auf geht’s, Omas!

Die Gäste aus Aktobe kamen nicht mit leeren Händen: Das Publikum genoss den Auftritt des Theaterstudios und eine Reihe spannender Wettbewerbe ließ Kinder und Erwachsene nicht leer ausgehen. Natürlich war es genauso wenig ohne Deutsch. Übrigens, sowohl aufgrund ihres Alters als auch ohne ständige Kommunikation, haben Großmütter ihre Muttersprache vergessen, und dann bestand die Möglichkeit, ihr Gedächtnis zu belasten.

Der Wettbewerb um die besten deutschen Gerichte war für Lydia Gutshe leicht. Sie ist eine anerkannte Meisterin verschiedener nationaler Gerichte.

„Meine ganze Familie liebt Kuchen: mit Bestreuungen, Äpfeln und sogar mit Fisch. Ich mache kein Geheimnis aus den Rezepten, die meine Mutter noch niederschrieb. Heute freue ich mich: Ich habe mich in meiner Seele erholt und habe mich wieder in die Kindheit gestürzt.“, erzählt Oma Lydia ohne ihre Gefühle zu verbergen.

An diesem Tag gab es viel Kindheit: Spiele mit fantastischen Charakteren, Geschenke vom Weihnachtsmann und Wünsche für das ganze kommende Jahr. Es gab auch Gelächter und viele Lächeln. Sie meinen, Tee ist veraltet? Kommen Sie zu den Badamshinsky-Deutschen, und Sie werden sehen, dass solche Ereignisse einen bleibenden Eindruck in der Seele eines jeden hinterlassen.

Dmitry Shinkarenko

Übersetzung: Philipp Dippl

Sprachakademie in Taraz

Die jährliche Sprachakademie „Es weihnachtet schon“ fand in der Gesellschaft der Deutschen Zhambyl statt. Vielfältiges Material, kreativer Umgang mit Aufgaben, interessante und informative Weihnachtsfakten – das alles erwartete die Teilnehmer der thematischen Akademie in Taraz.

Fünf Tage lang lebten 50 Teilnehmer unter dem Dach der deutschen Gesellschaft, die hellsten Momente ihres Lebens. Es ist zu beachten, dass sich ein derart intensiver Deutschkurs besonders positiv auf den Sprachstand auswirkt. Ein 20-stündiger Sprachkurs, drei kreative Labore, viele Spiele, Eindrücke, neues Wissen und Können – all das Feuerwerk an Emotionen und Informationen, eine Mischung aus Kreativität und intellektuellen Aufgaben führten zu hervorragenden Ergebnissen! Und als Abschluss präsentierten wir die letzte Vorstellung!

Eine besondere Dekoration des Projekts „Es weihnachtet schon“ war die Performance „Kabale und Liebe“, die von jungen Schauspielern des Theaterstudios „Juwel“ gezeigt wurde. Die Show der Theaterproduktion, übrigens ausschließlich in deutscher Sprache, ließ niemanden gleichgültig, denn das Thema Liebe und Verrat, Macht und wahre Gefühle ist bis heute relevant. Junge Schauspieler konnten mit erstaunlicher Genauigkeit die Gefühle der Charaktere und die immense Majestät der deutschen Sprache vermitteln.

Wir hatten drei ausgezeichnete Laboratorien, in denen wir Schauspiel, Regionalstudien und Gesang studierten. Wer diese kreativen Workshops noch nicht besucht hat, hat die Gelegenheit verpasst, mit großartigen Lehrern Kontakte zu knüpfen und die Welt des Theaters und des Singens kennenzulernen. Und ein Landeskundelabor? Was wir doch nicht alles erschaffen haben … Wir haben Weihnachtsplätzchen gebacken, Quests gelöst, intellektuelle Spiele gespielt, gesungen, im Wissen um die Geschichte der Deutschen in Kasachstan gekämpft, die Meisterstadt „besucht“ und Ziegeln nach alter Rezeptur hergestellt!

Ich werde mich lange an diese fünf Tage erinnern, wenn nicht gar für immer. Ich kann mit Zuversicht sagen, dass die Akademie „Es weihnachtet schon“ mehr ist als nur ein leeres und langweiliges Studium von theoretischem Material! Werde ich Freunden davon erzählen? Zweifellos! “- eine so herzliche Meinung über das vergangene Projekt wurde von einem Aktivisten des Clubs des deutschen Jugendvereins „Juwel“ Arthur Golov geteilt.

Vladislav Bespamyatnov, Freiwilliger des Projekts: „Es war sehr interessant, die Arbeit hinter den Kulissen zu sehen. Mir wurde klar, wie bedeutend die organisatorische Rolle bei solchen Projekten ist. Diese fünf Tage brachten neue Kontakte in mein Leben, eine Gelegenheit, das Sprachniveau zu verbessern und kreative Fähigkeiten zu entwickeln, zum Beispiel Singen, Tanzen, öffentliche Aufführungen und natürlich das Backen von Weihnachtsgebäck und die Fähigkeit, den köstlichsten alkoholfreien Glühwein zu kochen.

Es ist ebenso erwähnenswert, dass es während des gesamten Projekts Videofilm- und Fotoberichte gab, die jeder auf den Seiten der sozialen Netzwerke des deutschen Jugendvereins Juwel finden kann.

Polina Cherepovskaya, Igor Pavlov

Übersetzung: Philipp Dippl

Event-Karussell

Die Leute beschweren sich oft darüber, dass heute, am Weihnachtsabend, keine festliche Stimmung herrscht. Und sofort stellen Sie sich eine Frage: Warum? Früher haben Eltern die Atmosphäre der Weihnachtswunder geschaffen, aber jetzt haben viele von ihnen einfach keine Zeit, sich auf die Feiertage vorzubereiten.

In der Gesellschaft der Deutschen „Wiedergeburt“ Semey sorgten die Lehrer und Mitarbeiter im Dezember für eine festliche Stimmung für alle Mitglieder der Gesellschaft. In jeder Unterrichtsstunde, sowohl für Kinder als auch für Erwachsene, fand eine Bekanntschaft mit den Weihnachtstraditionen und Feiertagen der deutschen Volksgruppe statt.

Die Schüler des Zentrums für Vorschulerziehung „Wunderkind“ stellten zusammen mit ihren Eltern ihre ersten Adventskalender her, in dem sie vor Weihnachten kleine Geschenke fanden. Die Mitglieder des „Seniorenclubs“ lernten zusammen mit den Teilnehmern des deutschen Jugendclubs „Glück“ unter der Leitung von Alina Danilchenko die Grundlagen der Seifenherstellung kennen und machten sich in einem einfachen und aufregenden Prozess eine aromatische, gesunde Nadelseife für sich selbst.

Die Tanzgruppe „Einheit“ bereitete sich zu dieser Zeit auf ein festliches Konzert vor. Das Zentrum für Vorschulerziehung und die Mitglieder des Seniorenclubs bereiteten verschiedene Weihnachtsarbeiten vor, die wir alle bei der Weihnachtsfeier 2019 sehen konnten.

Feierlich war die Verleihung von Dankbriefen und Geschenken an Aktivisten, Lehrer und Angestellte der „Wiedergeburt“ für ihre aktive Teilnahme an den Aktivitäten der Gesellschaft sowie an der Etablierung und Entwicklung der deutschen Volksgruppe in Semey.

Der Sozialarbeiter des Unternehmens, Yevgeny Timofeev, bereitete wiederum kleine Geschenke für diejenigen Mitglieder der Gesellschaft vor, die aus gesundheitlichen Gründen ihr Haus nicht verlassen können. Die Aktivisten des Jugendvereins besuchten sie zusammen mit Yevgeny Igorewitsch, gaben ihnen Herzlichkeit und Gutmütigkeit und versuchten, eine festliche Stimmung zu schaffen.

Die Vokalgruppe „Einheit“ und die Teilnehmer des Jugendclubs selbst hatten die Gelegenheit, Weihnachten im Zweig der Beskaragai-Bezirksgesellschaft zu treffen. Man erfreute die Menge mit Weihnachtsliedern, spielte lustige Musikspiele und brachte denen, die wollten, bei, die Polka zu tanzen. Vielen Dank an das Haus der Freundschaft des Beskaragai-Bezirks für einen herzlichen Empfang und eine festliche Atmosphäre und an den Jugendclub „Dostar“ für kreative und strahlende Auftritte.

Maria Gorbacheva

Übersetzung: Philipp Dippl

Deutsche Rezepte mit Liebe und Sorgfalt

Die Geheimnisse der Zubereitung von „Strudel“, Kürbisbrei und „Zuckerkuchen“ wurden von den Aktobinern von Kennern der deutschen Küche gelernt. An Wochenenden verbringt jeder von uns seine Zeit anders: Einige stellen ihr geistiges Gleichgewicht wieder her, andere bevorzugen stundenlanges Entspannen im Familienkreis. Aktivisten der Gesellschaft „Wiedergeburt“ in Aktyubinsk beschlossen, ihren Sonntag einem kulinarischen Workshops zu widmen.

– Die Idee, solche Trainingsveranstaltungen abzuhalten, hatten wir schon lange Zeit, aber erst jetzt konnten wir es schaffen. Sie wählten ein ungewöhnliches Format: Der Treffpunkt ist eines der kulinarischen Studios der Stadt, und die Gäste haben nicht nur Rezepte aufgeschrieben, sondern auch selbst gekocht “, sagte Angelika Stahl, Vorsitzende des deutschen Jugendklubs „Junge Sterne“.

Die Rolle der erfahrenen Köche übernahmen die Ältesten der deutschen Gesellschaft – Marziya Dilman und Lydia Pavlukhina. Kochen ist für „Großmütter“ eine Freude. Außerdem waren die Assistenten junge und aktive Leute.

Marziya Sergalievna verpflichtete sich, das heiße Hauptgericht herzuzaubern. Sie beschloss, das traditionelle deutsche Gericht „Strudel“ zu kochen. Bis heute können viele kulinarische Experten nicht zu einer Meinung kommen, wie sie richtig zubereitet werden. Die Meisterin aus Aktobe hat auch ein eigenes Rezept:

– Ich selbst bin Kasachin, aber mein Mann ist Deutscher, daher kenne ich fast alle Traditionen und Bräuche dieses Volkes. An Feiertagen haben wir uns oft versammelt, auf dem Tisch war dann unbedingt ein Strudel, den Paulina Dilman, die Schwiegermutter, sorgfältig vorbereitet hat. Im Sommer gab es eine ungewöhnliche Variante – mit Kohl, Schmalz und Hackfleisch, und es war sehr lecker.

Diesen Strudel wollten wir beim Workshop zeigen. Zu den vielen unbestrittenen Vorteilen – der Einfachheit und Verfügbarkeit der Zutaten. Das Geheimnis der originellen und unvergesslichen Gerichte liegt in der Kochtechnik. Übrigens verwendet Marziya Sergalievna für den Teig lediglich Wasser, Mehl und Backpulver ohne jegliche weitere Zutaten her. Man zerkleinert einen kleinen Kohl, Paprika, Kartoffeln, Zwiebeln (Halbringe) und Karotten. Alle Gemüsesorten werden in gleichmäßigen Schichten in einem Topf ausgelegt, Roulette mit Hackfleisch werden hinzugefügt, mit Wasser begossen und bis zur Zubereitung gedünstet.

– Es scheint ein einfaches Gericht zu sein, aber allen hat es gefallen. Wir kochen es bis heute an Feiertagen: herzhaft und lecker! – sagt Marziya Dilman stolz.

Ekaterina Rebling, eine Aktivistin des Jugendflügels der deutschen Gesellschaft, ist erst 21 Jahre alt, aber sie kennt die deutsche Küche auswendig. Einer ihrer Lieblingsspeisen ist Kürbisbrei.

– Dies ist das einfachste und gleichzeitig leckerste Gericht. Die Zubereitung ist sehr einfach: Der Kürbis wird in Stücke geschnitten, die getrockneten Früchte werden gewaschen. In der Pfanne werden die Produkte in Schichten ausgelegt. Meine Großmütter haben auf diese Weise gekocht, also koche ich genauso.

Die Deutschen sind bemerkenswerte Teeliebhaber. Sie trinken ihn mit Kuchen und süßen Teilchen. Lydia Pavlukhina (geb. Augsburger) erinnert sich, dass sie jeden Samstag einen „Zuckerkuchen“ bei sich zu Hause hatten. Die Originalität des Kuchens liegt in der Streuung, die besonders lecker ist.

– Wir haben im Dorf gewohnt, es gab viele Kinder. Samstag ist ein traditioneller Teigtag. So liebten die Kinder „Zuckerkuchen“ gerade wegen der Streuung. Sie sagen, dass junge Leute jetzt nichts außer Computern brauchen. Doch dem ist nicht so. Ich mag die Tatsache, dass unsere Rezepte heute von jungen Leuten aufgenommen und praktiziert werden. Sie haben ein Interesse, man muss nur die richtige Herangehensweise an sie finden“, teilt Lidia Gotlibovna mit.

Während der Zubereitung der Gerichte hatten die Mitglieder der Gesellschaft Zeit, über ihre Kindheit zu sprechen und Familientraditionen und Bräuche in Erinnerung zu rufen. Die Veranstaltung endete mit einem leckeren Mittagessen.

Dmitry Sсhinkarenko

Die erstaunlichen Motive der ungebrochenen Seele

Der Saxophonist Vladi Strecker aus Aktobe fasziniert die Europäer mit seiner Musik

In seinen Händen verwandelt sich das Blasinstrument in eine Waffe. Musikinstrument, das zusammen mit Talent niemanden gleichgültig lässt. Der Ausdruck von Glück, Freude, Liebe … jemand schließt seine Augen und erinnert sich an Erinnerungen, viele Menschen haben Tränen im Gesicht … – dies sind die Emotionen, die Menschen während seinem Auftritt erleben. „Achwas, ich bin doch nicht einzigartig! – sagt der schüchterne Kerl. – Ich mache nur das, was ich liebe. Vielleicht kommt es deshalb gut an. Vladi Shtreker ist vor 16 Jahren von Aktyubinsk nach Deutschland gezogen und gewinnt nun die Herzen der Europäer.

Seit der Kindheit Musik

Die Familie Tyrsin lebte in Aktyubinsk. Sie war für nichts Besonderes bemerkenswert – eine gewöhnliche sowjetische Familie. Hatte etwa das Oberhaupt dieser kleinen Familie, Vladimir, eine solche Plattenbibliothek, um die der eifrigste Musikliebhaber ihn beneiden könnte? Auf den Schallplatten und kleinen Kassetten war alles zu hören: von alten Melodien bis zu modernen Kompositionen. Wie und woher diese unschätzbaren Schätze gefallen sind, ist immer noch ein Rätsel. Zum Glück gab es sie.

Fast jeden Abend hörten die Tyrsins Musik. Jazz, Blues, Rock’n’Roll, Gitarrensoli und vieles mehr. Vladimir war sich der feinen Welt der Musik so bewusst, dass er in den 70er und 80er Jahren des letzten Jahrhunderts als bester Tonmeister der Stadt galt. Vielleicht hat das Schicksal seines kleinen Sohnes, des kleinen Wladimir, der im März 1979 geboren wurde, genau das vorbestimmt? Volodya ist ruhig, geistig und verträumt aufgewachsen. Aber wer aus diesem Romantik-Träumers aufwächst, hätten die Eltern nie erwartet.

– Ich beklage mich nicht über meine Kindheit. Der Beginn der Perestroika, und meine Schwester, mein Vater und Ich fuhren nach Almaty und in die baltischen Staaten, um dort entlang zu schwimmen. Dies waren unbeschreibliche Gefühle, – erinnert sich Vladimir.

Ein solider und ausgezeichneter Schüler, verstand die Wissenschaft unter den wachsamen Augen eines strengen Vaters. In der neunten Klasse entschied der junge Mann, dass es Zeit sei, einen Beruf zu erlernen. Zum Beispiel, um Koch zu werden (mein Gesprächspartner hatte schon in früher Kindheit gekocht).

Kein Funke in den Augen

Der Vater (oder das Schicksal selbst?) hat jedoch etwas anderes beschlossen.

– Ich besuchte die Musikschule. Mein Vater bemerkte bereits Anzeichen eines Musikers in mir, aber ich dachte damals nicht einmal darüber nach. In der Tat denken nicht alle Kinder darüber nach, – teilt Vladimir mit.

Er erinnert sich an sein erstes Saxophon, als ob es gestern gewesen war: ein gewöhnliches sowjetisches Musikinstrument. Es ist nur dieses Instrument, das sein ganzes Leben verändert hatte.

– Wenn alles wie angewiesen geschieht, kommt nichts Gutes dabei heraus. Kein Funke in den Augen. Bei mir war es genauso. Irgendwie geschah es, dass ich ins Dramatheater eingeladen wurde, um den Soundtrack für eine Performance aufzunehmen. Es war ein Wendepunkt – dann hatte ich das Gefühl, dass dies wirklich meine Berufung ist, dass ich mehr tun kann, als nur die Pfeife zu spielen. Ich stecke meine Seele hinein“, sagt Wladimir.

Die Lehrer sahen jedoch kein Talent. Bei der Abschlussprüfung sagten sie sogar, dass es bessere Auftritte gäbe.

Musik erhellte die Wochentage in der Armee

Wladimir hat seinem Vaterland freiwillig den Dienst geleistet. Er wurde zur Flugschule in Aktobe aufgerufen, und von dort wurde ein junger Mann dem Hubschrauberregiment von Almaty zugewiesen. Die militärische Mischung erwies sich als musikalisch, nur der Saxophonist fehlte. „Das ist Schicksal“, dachte der Anführer des Militärorchesters und sah den Rekruten an. Während des Dienstes beherrschte der junge Musiker das Spielen von Schlagzeug und Keyboard.

In der Armee erkannte der junge Mann, dass er sich sein zukünftiges Leben ohne Musik nicht vorstellen konnte. Als er nach Hause kam, griff Vladimir nach einem Saxophon. Die ersten Auftritte brachten ihm Erfolg – Tyrsin wurde vom Publikum herzlich begrüßt, das die hochwertige Musik vermisste. Wladimir trat sowohl solo als auch in der Gruppe auf und lernte von ausländischen Künstlern. Es gab interessante Projekte. Zum Beispiel das sensationelle „Phantom“.

– Es ist interessant, dass dies alles virtuell war. Mit der Entwicklung von der Technologie mussten wir uns nicht einmal treffen, um Songs aufzunehmen. Wir haben uns nie mit Musikern von Phantom getroffen, jeder von uns hat Material erhalten, aufgenommen und gesendet. Es ist alles zusammen gekommen, – offenbart Vladimir . – Damals war es etwas Neues und Interessantes, das Projekt brachte kein Geld, man baute auf dem eigenen Enthusiasmus.

Ein wenig später traf der Saxophonist seine zukünftige Ehefrau Tatiana Strecker und zog nach Deutschland. Im Ausland änderte er seinen Nachnamen und die Deutschen gaben ihm das Pseudonym „Vlady“.

Von Grund auf neu

Es war nie langweilig – die junge Familie fing ganz von vorne an. Glücklicherweise beherrschte Wladimir recht gut Deutsch. Neues Leben begann mit der Kommunikation unter russischsprachigen Einwanderern in der Kleinstadt Bad Mergentheim. Und wieder half die Musik, sich anzupassen.

– Lange ohne Arbeit blieb ich nicht – ich wurde als Saxophonist zu Hochzeiten eingeladen und so begannen die Leute, von mir zu erfahren. Er machte keine Werbung, die Leute selbst „arbeiteten“, und das ist die beste Belohnung, sagt Vladi Strecker.

Weniger als ein Jahr dauerte es, bis nicht nur die Stadt über den großartigen Saxophonisten Bescheid wusste – die Menschen strömten aus allen Bezirken, um die Arbeit unseres Landsmanns zu genießen. Als es für Strekers Musik zu eng wurde, war es an der Zeit, darüber nachzudenken, umzuziehen. Würzburg kam zu einem günstigen Zeitpunkt. Warum nicht Berlin, München oder andere größere Städte?

– Würzburg ist ein wunderbarer Ort zum Entspannen und Erholen. Hier ist eine wunderbare Natur, die Musik selbst kommt zu mir. Oft bin ich in deutschen Kleinstädten, wo mittelalterliche Gebäude erhalten geblieben sind. Es ist sehr inspirierend – erzählt der Musiker. Lehrer zu sein, ist ein harter Job.

Strecker hätte nie gedacht, dass er unterrichten könnte und das auch noch so, dass es nicht langweilig wird. Vor einem Dutzend Jahren wurde dem Saxophonisten angeboten, zu unterrichten. Zuerst waren es Kinder von einer Privatschule, dann von einer staatlichen Schule. Und etwas später wurden die Erwachsenen vom Wissen angezogen.

– Es war einfacher für mich, mit Erwachsenen zu arbeiten. Ich selbst war ein unmotivierter Schüler, als sie versuchten, musikalische Kunst durchzusetzen. Und im Alter von 30 bis 40 Jahren weiß ein Mensch, was er von einem Lehrer will.

Wladimir Wladimirowitsch, der die Augen der Schüler sah, die aus elterlichen Launen den Unterricht besuchten, erkannte, dass daraus nichts Gutes werden würde. Ich entschied mich, dieses Feld zu verlassen und mich der Kreativität zu widmen.

Neue Möglichkeiten seines „Ichs“

Von außen scheint alles bei Strecker erfolgreich gewesen zu sein. In Wirklichkeit war jedoch alles schwieriger und dramatischer – eine Scheidung von seiner Frau, eine kreative Krise. Man könnte alles liegen lassen und gehen. Trotz Schwierigkeiten trat Vladimir weiter auf.

– Das Publikum hat mich belebt und motiviert, und ich habe mein Bestes gegeben. Wir waren auf derselben Wellenlänge und beide Parteien haben es genossen. Ich gab nie auf und glaubte, dass alles gut werden würde. Er fing an, seine eigene Musik zu schreiben – es war „sanfter“ Jazz, Blues, Funk, Soul. Das alles liegt mir nahe.

Einige Jahre sind vergangen. Nun ist der Name von Vladi Shtreker nicht nur in Deutschland bekannt, sie lieben den Saxophonisten in Spanien, Italien, Polen, Österreich und der Schweiz. Wo immer der Aktobe-Musiker auftritt, wird er überall mit Ovationen begrüßt. Wladimir lernte seine jetzige Frau Albina Paul bei einem dieser Konzerte kennen.

Die Zusammenarbeit mit berühmten europäischen DJs brachte Vlady Popularität, seine Musik ist in Hunderten von Sammlungen zu hören. Aber es gibt nur drei eigene Alben von Strecker, aber jede Komposition ist voller Glauben, Hoffnung und Liebe. Der Ruhm und die Bekanntheit des Saxophonisten sind jedoch nicht erforderlich. Tatsache ist, dass er vor einigen Jahren Buddhist wurde. Änderungen führten zum Besseren.

Finde deine Sache

Vor kurzem gab der berühmte Musiker ein großes Konzert in seiner Heimatstadt, wo er sowohl solo als auch mit einem Orchester auftrat.

– In meiner Musik kann jeder etwas für sich finden. Darin meine Eindrücke von Spaziergängen durch den Wald, Gefühle, die ich durch das Rauschen des Meeres erlebt habe, Regentropfen, fallendes Laub, das Zwitschern der Vögel. Und wenn das Publikum es annimmt, dann ist das für mich Glück “, schließt Vlad Strecker ab.

In seiner Freizeit probiert sich Vladi Strecker im Sport – er übt Bogenschießen, läuft viel, spielt Badminton und springt Fallschirm.

Dmitry Schinkarenko

Arbeiten Sie nach europäischen Standards

„Hippokrates“ ist das erste private medizinische Zentrum in Kasachstan. Als 1996 an der Gründung in Kostanay gearbeitet wurde, beteiligte sich Deutschland an einem neuen Projekt, das das Zentrum mit High-Tech-Geräten ausstattete. An der Spitze des LDC befand sich der angesehene Chirurg, Urologe und ethnischer Deutscher Viktor Aman. Heute unterhalten wir uns mit seinem Sohn Evgeny Viktorovich Aman, der seit 2010 Chefarzt des Zentrums ist und aus unersetzbarem Grund seinen Vater ersetzt hat – Viktor Iosifovich starb vorzeitig in der Blüte seiner beruflichen Fähigkeiten.

– Jewgeni Viktorovich, das erste nichtstaatliche medizinische Zentrum der Republik, wurde nicht in der Hauptstadt, sondern in der Provinz Kostanay gegründet, erlangte jedoch bald Berühmtheit. Die Menschen kamen aus anderen Regionen des Landes. Über das Zentrum sagte man, es sei wie in Deutschland. Zog dies potenzielle Kunden an?

– Als das Zentrum eröffnet wurde, war ich ein Teenager. Aber die Probleme dieser Zeit konnten nicht ignoriert werden – alle um sie herum redeten über sie. Die Arbeiten im „Hippokrates“ wurde von den ersten Arbeitstagen, dem Präsidenten vorgelegt. Er hat immer verlangt, dass die Gesundheitsfürsorge in Kasachstan den hohen europäischen Standards entspricht.

Und die Tatsache, dass die erste private medizinische Einrichtung von einem ethnischen Deutschen geleitet wurde und Deutschland auf das Projekt aufmerksam geworden war, war definitiv ein Pluspunkt. Eine Alternative erschien: Patienten konnten bereits zwischen staatlicher Medizin und einem privaten Zentrum wählen. Damit wurden Bedingungen für den Wettbewerb und damit für die Verbesserung der Qualität medizinischer Leistungen geschaffen.

– Wie hoch war das Risiko zu Beginn des Projekts im Jahr 2010, als Viktor Iosifovich Sie als Nachfolger verließ?

– „Hippokrates“ war ein persönliches Projekt von Viktor Iosifovich, grandios in den Zuständen der Stagnation der staatlichen Medizin. Die Leute gingen wegen ihm ins Zentrum. Niemand hatte Stecken in die Räder gesteckt, im Gegenteil, das Projekt wurde sowohl materiell als auch moralisch unterstützt. Da sein Vater als professioneller Spezialist bekannt war, musste er keine Zeit damit verschwenden, die Behörden zu benachrichtigen und darüber aufzuklären. Er war ausschließlich mit der Arbeit beschäftigt und das Risiko wurde geglättet. Wenn ein Mensch ehrlich und gewissenhaft arbeitet und weiß, welche Ergebnisse er erzielt, riskiert er nicht so viel.

Hat er an mir gezweifelt?

Ich wurde auf „Hippokrates“ „vorbereitet“. Natürlich hätte ich 2010 nicht Chefarzt werden sollen, da ich erst 2008 den 2. Moskauer Orden des Lenin Medizinischen Instituts absolvierte und als Anfängerarzt ins „Hippokrates“ kam. Er war der jüngste und unerfahrenste im äußerst ehrgeizigen Team, das Viktor Iosifovich persönlich ausgewählt und sehr geschätzt hat. Zu schnell hatte ich dann die Rolle des Chefarztes bekommen.

Ich erinnere mich herzlich an die Unterstützung des Teams. Keiner derjenigen, die mit dem Vater gearbeitet haben, hat das Zentrum verlassen. Gab es 2010 eine Alternative zu meiner Kandidatur als Chefarzt? Für einen Vater, nein, ich bin sein einziger Sohn. Er wollte, dass ich ein Spezialist wie er werde, und bestand darauf, dass ich in Moskau studiere.

In der Schulzeit war meine Leidenschaft das Skifahren, in diesem Sport wurde ich der Meister von Kasachstan. In der Hochschule konnte ich einfach nicht mit den außerhalb der Stadt stattfindenden Schulungen mithalten. Dies hatte keinen Einfluss auf meinen Wunsch, Arzt zu werden. Für einen Arzt zu studieren, dauert sehr lange und ist mit viel Mühe verbunden. Nicht jeder, der mit mir angefangen hat, hat das auch durchgezogen. Ich habe eine Verantwortung gegenüber meinem Vater und Hippokrates gehabt. Inzwischen hat sich das Zentrum entwickelt, aber auch der Wettbewerb entwickelt sich. Eine Kundenbasis zu halten, war Ehrensache.

– Die Patienten, die medizinische Hilfe und Rat von Viktor Iosifovich suchten, gingen zu Ihnen. Erneut wegen des Nachnamens?

– Es wäre falsch zu sagen, dass „alle zu mir gegangen sind“. Aber „meine“ Patienten waren es allemal und von denen hatte ich eine Menge. Ich habe den Arbeitstag so geplant, dass administrative Arbeit mit professioneller Arbeit verbunden war. Das Beispiel meines Vaters stand vor meinen Augen: Medizin war seine Arbeit und sein Schicksal. Die Menschen fühlen eine Person, die ihr eigenes Geschäft machen. Und als der Vater gegangen war, wandten sich seine Patienten an mich. Ich sage offen: Ich habe versucht, sein Niveau zu halten, keinen Grund zu nennen, dass die Nachfolger am Niveau scheitern.

– Das „Hippokrates“ Zentrum arbeitet seit mehr als 20 Jahren. Auf dem Markt der medizinischen Dienstleistungen hat sich viel zum Besseren verändert. Und doch ist die Zeit hektisch: Reform, Digitalisierung. Im öffentlichen Sektor muss man sich beeilen, um nicht hinterherzuhinken. Hat die private Medizin das Recht, sich nicht ganz so schnell mit dem Übergang zu neuen Technologien zu beeilen?

– Ich sehe den Ansatz, eine elektronische Datenbank für jeden Patienten zu erstellen, sehr positiv. Aber ich verstehe diejenigen, die fragen: Hängt Gesundheit von der Tatsache ab, dass die Daten nicht auf Papier sind, sondern in einem Computerprogramm? Der Mensch geht zum Arzt, nicht zum Computer. Es lohnt sich zumindest zu überlegen, wie sich der Arzt fühlen wird, wenn er eine elektronische Akte für einen bestimmten Patienten öffnen muss, aber diese sich nicht öffnet. Technologien sollten nicht verwirrend und kompliziert sein.

Nur benutzerfreundliche Programme und Patientendaten, die jederzeit verfügbar sind, rechtfertigen die Digitalisierung der Medizin. Es ist unmöglich, diese Idee aufzugeben, aber jeder Schritt sollte durch die Praxis überprüft werden, so dass wir nach einer Weile nicht mit vielen Problemen, Unzufriedenheit der Bevölkerung und ungerechtfertigten Ausgaben konfrontiert werden. Es ist noch zu früh, um über den Zeitpunkt der Umsetzung des Programms zu sprechen. Andernfalls kann eine gute Idee in Eitelkeit geraten.

– Was ist das Ansehen, vielleicht auch gewisse Prestige der medizinischen Einrichtung? Zum Beispiel stellte Dmitry Malyukov, ein Traumatologe bei „Hippokrates“, kürzlich eine Methode zur Korrektur von Fußentwicklungsfehlern bei Erwachsenen vor. Ist es prestigeträchtig?

– Dmitry Sergeevich hat sich seit langem erfolgreich mit der sogenannten Brachymetatarsia beschäftigt, einer relativ seltenen Fehlbildung des Fußes. Aber seltene Krankheiten sind schwieriger zu behandeln. Und wenn sie nachgeben, ist das prestigeträchtig. Daher ist eine Weiterbildung für Hippoлrates-Spezialisten regelmäßig und verbindlich.

Ärzte besuchen die besten Seminare, kommunizieren mit den Koryphäen der Wissenschaft und mit praktizierenden Ärzten international. Wenn sie zurückkehren, sprechen wir über technische Erneuerungen, Geräteschränke. Wir wählen aus, was wir vollständig beherrschen können, was unsere Patienten besonders dringend brauchen.

– Wird der Kontakt mit Deutschland fortgesetzt? Was können wir aus den europäischen Erfahrungen genau entnehmen?

– Kontakte besitzen wir. Wir können Patienten helfen, in Deutschland behandelt zu werden, wenn unsere Ressourcen knapp sind. Dank meiner Cousine Tatiana haben wir einen Vertrag mit der Universitätsklinik der Stadt Freiburg. Tatjana arbeitet als Manager für die Aufnahme und Verteilung von ausländischen Patienten. Bei Bedarf oder Wunsch des Patienten erstellen wir eine Entlassungszusammenfassung und senden sie zur Untersuchung und Behandlung nach Deutschland.

Wenn wir über die gesamte europäische Erfahrung sprechen, ist es möglich und notwendig, den Patienten aufmerksamer zu behandeln. Unser Zentrum folgt dieser Regel seit seiner Gründung. Wir sind in der Lage, hier in Kasachstan nach hohen europäischen Standards zu arbeiten. Das strebt auch der Staat an, der die Aufgaben der Hausmedizin erleichtert.

Interview: Lyudmila Fefelova

Frohes neues Jahr!

Liebe Landsleute!

Im Namen der gesellschaftlichen Stiftung „Vereinigung der Deutschen Kasachstans „Wiedergeburt“ nehmen Sie unsere aufrichtigsten Glückwünsche am Vorabend des neuen Jahres entgegen! Wir wünschen Ihnen Wohlbefinden, Gesundheit und Wohlstand! Mögen Sie alle Nöte umgehen!

Das ausgehende 2018 war kein einfaches Jahr, aber dank gemeinsamer Bemühungen haben wir viel erreicht und blicken zuversichtlich in die Zukunft. Es gibt noch viel Arbeit für unsere gemeinsame Sache – den Erhalt der Muttersprache und die nationale Identität der Deutschen in Kasachstan!

Frohes neues Jahr!

Der Unternehmerverband der Volksversammlung Kasachstans bei der Umsetzung der Anweisungen des Staatsoberhauptes

Die Beschlüsse des Staatsoberhauptes für die Entwicklung des Unternehmertums, die Popularisierung einheimischer Produkte und die Initiativen der kasachischen Unternehmer zur Einfuhrsubstitution wurden in Astana im Forum des Unternehmerverbands der Volksversammlung Kasachstans erörtert.

An der Veranstaltung nahmen Leonid Prokopenko, stellvertretender Vorsitzender der Volksversammlung in Kasachstan, Wladimir Bozhko, stellvertretender Vorsitzender des Parlaments, Albert Rau, Vorsitzender des Aufsichtsrats der gesellschaftlichen Stiftung „Vereinigung der Deutschen Kasachstans „Wiedergeburt“, Vertreter ausländischer diplomatischer Vertretungen sowie Vertreter ethnischer und kultureller Verbände der Republik teil.

Laut Leonid Andrejewitsch ist der Unternehmerverband der Volksversammlung Kasachstans ein weiterer sozialer Förderer für junge Menschen. Heute hat die Organisation viele Geschäftsleute, hinter denen sich eine Reihe erfolgreich umgesetzter Projekte befinden. Einschließlich der Gewinnung ausländischer Investitionen und vielversprechender Ideen für junge Gründer.

Der Verband geht zuversichtlich auf die internationale Ebene und schließt Kooperationsabkommen mit ausländischen Geschäftspartnern ab. Unternehmer aus Russland, Deutschland, Südkorea, der Türkei und Aserbaidschan haben großes Interesse. Einige ethnokulturelle Vereinigungen, insbesondere türkische, deutsche und koreanische, bieten bereits aktiv Technologietransfer an.

Albert Rau, ein Mitglied des Parlaments, stellte fest, dass es eine der Prioritäten der gesellschaftlichen Stiftung „Wiedergeburt“ ist, Unternehmer zu unterstützen und eine Geschäftszusammenarbeit zwischen Deutschland und Kasachstan zu entwickeln. Mit dem Ostkomitee der deutschen Wirtschaft, der Vertretung der deutschen Wirtschaft in Zentralasien und der Deutschen Bauernunion (DGL) wurden bereits Memoranden geschlossen, und die Zusammenarbeit mit der Konrad-Adenauer-Stiftung und der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit entwickelt sich aktiv.

Durch die Unterstützung deutscher Unternehmen bei der Suche nach Partnern in Kasachstan, auch unter den ethnischen Deutschen, bildet die Stiftung eine Brücke zwischen den Geschäftsstrukturen beider Länder. Vorrang haben Projekte im agroindustriellen Bereich, im Bereich „grüne“ Technologien, Versorger und Digitalisierung.

Anweisungen des Präsidenten

Historisch gesehen sind die Kasachstandeutschen im Agrarsektor und in der Verarbeitung landwirtschaftlicher Produkte am erfolgreichsten. Das ganze Land kennt die Namen von Ivan Sauer (vorbildliches landwirtschaftliches Unternehmen „Rodina“), Vyacheslav Ruf (führendes Unternehmen für die Herstellung von Wurstwaren und Fleischspezialitäten „Rubik“), Sergey Blok (Herstellung von Milchprodukten „Milch“ LLP) und vielen anderen. Alle leisten einen würdigen Beitrag zur Entwicklung und zum Wohlstand unseres Mutterlandes.

Die nächste wichtige Richtung der Arbeit der gesellschaftlichen Stiftung ist die Förderung des jungen Unternehmertums, was sich auch in den Anweisungen des Präsidenten widerspiegelt. Im Rahmen der Stiftung wurde ein Koordinierungsrat eingerichtet, in dem sich eine Basis deutscher Unternehmer bildet, die nicht nur mehr als 300 Kontakte hat, sondern immer weiterwächst. Regelmäßig finden gemeinsame Veranstaltungen mit dem Verband der deutschen Jugend Kasachstans statt, um interessante Gründungsprojekte zu diskutieren.

Daher kann man mit Zuversicht sagen, dass die Deutschen Kasachstans aktiv damit begonnen haben, die Anweisungen des Staatsoberhauptes umzusetzen, vor allem, um die Fähigkeiten des agroindustriellen Bereichs zu entwickeln und junge Menschen zu unterstützen.

Basierend auf den wichtigsten Anweisungen des Staatsoberhauptes sollte sich die Arbeit des Verbandes im nächsten Jahr auf fünf Hauptbereiche konzentrieren: die Realisierung des Potenzials des agroindustriellen Bereichs, die Unterstützung des jungen Unternehmertums, die Entwicklung des Zentrums für Importsubstitution und die Anlockung moderner Technologien, auch in der grünen Wirtschaft.

Schenke ein Gefühl des Glücks

„Weihnachten“ ist zweifellos einer der beliebtesten Feiertage von allen doch vor allem von Familien. Deshalb hat sich unsere große Familie „Vorwärts“ in den Mauern des deutschen Hauses versammelt, um sich gegenseitig Geschenke, Aufmerksamkeit und Herzlichkeit zu schenken.

Dank diesem Feiertag sind wir zurück in die Kindheit gestürzt und haben die Gefühle wieder erlebt, die wir immer an Heiligabend empfanden. Die magische Atmosphäre, fröhliche Gesellschaft, organisatorische Momente, Fotowettbewerbe – alles war kreativ, mit einer gewissen Wärme und Magie.

Zweifellos sind die schönsten Geschenke die mit ihren eigenen Händen gemacht, und die Kinder hatten die Möglichkeit, Neujahrsspielzeuge aus natürlichen Materialien herzustellen.

So gab es im Rahmen der Veranstaltung einen Workshop für das Verzieren von Holzspielzeugen zum Weihnachtsthema, die es den Teilnehmern ermöglichte, sich als Schöpfer zu fühlen, die mit ihren eigenen Händen Zauberei schaffen.

Erinnerungen sind ein wesentlicher Bestandteil des Lebens eines jeden Menschen, von denen wahrscheinlich die Erinnerung an die Kindheit am wichtigsten ist. Der Wettbewerb „Errate anhand der Kinderfotos“ der Aktivisten des Jugendclubs „Vorwärts“ hat uns dabei geholfen. Fotos wurden in Form eines Schneemanns dekoriert. Wir haben es geschafft, bei den Jugendlichen eine gute Stimmung zu schaffen und sie mit Eindrücken zu füllen, die wir das ganze Jahr über gesammelt hatten.

Besonders gut gefiel allen das Spiel „Secret Santa“: Neujahrsstimmung, Intrigen und aufgeregtes Warten auf ein Geschenk. Es ist großartig, Zeichen der Aufmerksamkeit zu erhalten, aber zu überraschen und zu geben ist eine ebenso angenehme Erfahrung.

Liana Barakat, eine Aktivistin der DJK: „Jedes Treffen mit meiner geliebten Familie ist wie ein Feiertag, und an einem tatsächlichen Feiertag ist es noch angenehmer. Die Jugendlichen, die an der Organisation beteiligt waren, ihnen danken wir dafür, dass Sie uns mit im kompletten Team zusammengebracht haben! Ich wollte schon lange mal Holzstücke schneiden und um ehrlich zu sein: Ich bin sehr beeindruckt. Alle Wettbewerbe waren sehr interessant und machen Spaß. Und die Spiele mit unseren Fotos weckten so viele Emotionen, dass der Feiertag noch angenehmer wurde.“

Elizaveta Lakhno, Aktivistin der DJK: „Ich kam erst kürzlich in den Club, aber als ich die Fotos durchgesehen habe, hatte ich die gleiche Nostalgie wie die, die bereit länger Mitglieder waren. Sie konnten mir die Wärme vermitteln, die im Alltag fehlt. Ich bin sehr froh, dass ich ein Teil des Clubs bin.“

Jeder sieht den Feiertag auf seine eigene Weise, aber wir alle sind durch einen gemeinsamen Zustand der Freude und des Glaubens an die Magie vereint.

Denke daran, wenn es kein Weihnachten in deinem Herzen gibt, findest du es auch nicht unter dem Weihnachtsbaum.

Kristina Librikht, Vorsitzende des Jugendclubs „Vorwärts“

Liebe zur Muttersprache, zu Traditionen und Bräuchen unseres Volkes

Es ist großartig, wenn Familientraditionen von Generation zu Generation weitergegeben werden! In der deutschen Gesellschaft „Wiedergeburt“ Astana und der Region Akmola gibt es Projekte, die bereits eine gute Tradition geworden sind. Eine davon ist die „Familien Sprachakademie“, auf die sich viele freuen!

Die Mitglieder der Akademie „Familienwurzeln im historischen Zusammenhang“ waren Aktivisten des Familienclubs, Deutschkurse, Jugendliche des Clubs „Diamant“, Sonntagsschulkinder und ihre Eltern.

Der berühmte deutsche Schriftsteller Johann Wolfgang von Goethe sagte: „Zwei Dinge sollen Kinder von ihren Eltern bekommen: Wurzeln und Flügel“. Nach diesen Worten versuchten die Mitglieder der Akademie in jeder Hinsicht, ihren Kindern Wissen über die Herkunft der Familie zu vermitteln.

Unsere Vorfahren mussten so viel überwinden, dass die Erinnerungen auch nach Jahrzehnten niemanden gleichgültig lassen. In der Geschichte jeder Familie werden viele interessante Fakten bewahrt, über die die Mitglieder der Akademie berichtet haben.

Die Veranstaltung brachte verschiedene Generationen zusammen, interessante Workshops wurden organisiert: Deutsch, Deutsch-Kreativ, Identitätsbewusstsein, Basteln. Mit großer Freude tauschten wir Erfahrungen und Wissen aus, sprachen über die Besonderheiten des Lebens von Einwanderern, ihre Zugehörigkeit zu einer bestimmten Konfession, über die Besonderheiten ihrer Sprachgruppen.

Wir stürzten uns in die deutsche Sprache, lernten die Geschichte unseres Volkes kennen, backten Lebkuchen, bastelten Weihnachtssymbole und gaben Verwandten und Freunden Geschenke. Der gesamte Lernprozess war sehr gut aufgebaut, die angewandten interaktiven Techniken ermüdeten das Publikum überhaupt nicht. Die Teilnehmer bedanken sich bei der deutschen Gesellschaft „Wiedergeburt“ Astana und der Region Akmola für die Herzlichkeit, Freundlichkeit und Liebe, die sie uns allen schenken, und bringen der deutschen Muttersprache, den Traditionen und Gebräuchen unseres Volkes Liebe entgegen!

Evgenia Gizik

Heute Kinder – morgen Menschen

Heute Kinder – morgen Menschen. Unserer Meinung nach gehört dieser bekannte Ausdruck vom bemerkenswerten sowjetischen Dichter S. Michalkow, im Einklang mit den Hauptgedanken des vergangenen Wettbewerbs – der historischen Bildung und Erziehung der jüngeren Generation. Heute, um ein neues historisches Bewusstsein zu bilden, ist es wichtig, die gesammelten Erfahrungen, das Wissen und das Verständnis der Geschichte unseres Volkes an die nächste Generation weiterzugeben. Unruhige Geschichten, gefüllt mit dramatischen und tragischen Momenten, die aber bis heute anhalten.

Der bisherige Wettbewerb hat unserer Meinung nach gezeigt, dass die jüngere deutsche Generation in Kasachstan nicht nur bestimmte Fakten aus der Geschichte ihres Volkes kennen muss, sondern auch den Verlauf historischer Ereignisse im Allgemeinen verstehen muss, um deren Bedeutung zu verstehen, kausale Zusammenhänge zu verstehen und historische Ereignisse mit der modernen Entwicklung des Deutschen Ethnos in Kasachstan in Beziehung zu setzen.

Ich freute mich über ein breites Themenspektrum, das die Teilnehmer in seinen Arbeiten präsentierten – von erwarteten Familiengeschichten über Aufsätze zu antifaschistischen Bewegungen und Problemen des Deutschlernens … kulinarischen Traditionen der Kasachstandeutschen, Präsentationen über moderne Familienwerte und das Problem der Wahrung der religiösen Kultur unter den Deutschen in Kasachstan, die Geschichte und die moderne Entwicklung des Deutschen Dramatheater in Almaty.

Es ist ermutigend zu sehen, dass die Teilnehmer bei ihren Forschungsprojekten unterschiedliche Quellen verwendeten. Dazu gehören Literatur über die Geschichte der russischen und deutschen Bevölkerung in Kasachstan, die in offenen Ressourcensystemen verfügbar sind, Interviews mit Zeitzeugen bestimmter historischer Ereignisse, Archivmaterial zu einer Art Genealogie, usw.

Es sei jedoch darauf hingewiesen, dass leider nicht alle Teilnehmer mit modernen Ausgaben zur Geschichte und Kultur der Deutschen in Kasachstan vertraut sind, insbesondere solche, die keine PDF-Version haben und nicht in thematischen Ressourcen im Internet veröffentlicht werden. Unseres Erachtens bleibt das akademische Studium Teil von Archiven und Bibliotheken, wenn sie nicht einem breiten Kreis der Öffentlichkeit zugänglich sind, einschließlich der jüngeren Generation, die sich heute hauptsächlich im virtuellen Raum aufhält, einschließlich des Lesens von E-Books.

Angesichts dieser Tatsache ist es wahrscheinlich, dass die elektronische Bibliothek auf der Website der gesellschaftlichen Stiftung „Wiedergeburt“ ständig erweitert wird. Dieser Wettbewerb, wie auch der 2008 („Das Rad der Geschichte: gestern, heute, morgen“), zeigte ein großes Interesse an der Erforschung von Familiengeschichten. Vielleicht sollte man über die Erstellung einer Kategorie „Familiengeschichte“ auf der Website der GS „Wiedergeburt“ nachdenken, auf der Sie mit Hilfe eines genealogischen Forschungsspezialisten Hilfe erfragen könnten und professionelle Beratung in dieser Art von Forschung leisten könnten.

Es ist wichtig, dass solche Projekte und Wettbewerbe systematisch abgehalten werden und alle Regionen Kasachstans abdecken – sowohl abgelegene ländliche Gebiete als auch große Städte, Schulkinder, Studenten und alle, die die Geschichte der Deutschen kennenlernen und verstehen wollen, einer der wichtigsten ethnischen Gruppen Kasachstans.

Julia Podoprigora (Geschichte), BiZ-Multiplikator in Geschichte und Heimatkunde

Kaleidoskop der Geschichte

Wer kennt es nicht? Das recht unprätentiöses Spielzeug aus der Kindheit – ein Kaleidoskop. Es scheint, dass nur wenige Gläser eingebaut sind doch welche Vielfalt von Darstellungen und Mustern sie mit einer einfachen Drehung geben können! In der Geschichte sorgen verschiedene Umstände und Prozesse dafür, dass das Schicksal von Individuen, Siedlungen, manchmal sogar das Schicksal eines ganzen Volkes zur Veränderung von Phänomenen, Individuen, Ereignissen führt.

Diese Geschichte wurde von vielen Teilnehmern des republikanischen Wettbewerbs um Forschungsarbeiten zur Geschichte der Deutschen Kasachstans „Kaleidoskop der Geschichte“ aufgegriffen. Der Wettbewerb wurde mit Unterstützung des Bundesministeriums des Inneren für Bau und Heimat und von der gesellschaftlichen Stiftung „Vereinigung der Deutschen Kasachstans“ und der Vereinigung der deutschen Jugend Kasachstans organisiert und durchgeführt. Es war notwendig, eine Arbeit (auf Russisch oder Deutsch) für den Wettbewerb einzureichen, der verschiedenen Stadien der Geschichte der Deutschen in Kasachstan sowie dem Studium des historischen und kulturellen Erbes der deutschen Volksgruppen unseres Landes gewidmet ist.

Zwei Monate lang (von Anfang Oktober bis 5. Dezember) entwickelten die Teilnehmer ausgewählte Themen, untersuchten die verfügbaren Materialien und Quellen und legten den Weg und die Form der Präsentation ihrer Arbeit fest. Als Ergebnis wurden 37 Arbeiten mit insgesamt 76 Teilnehmern zum Wettbewerb eingereicht. Der jüngste Forscher war 12 Jahre alt und der „erfahrenste“ war fünfundachtzig.

Der Wettbewerb erregte die Aufmerksamkeit interessierter Teilnehmer aus verschiedenen Regionen unseres Landes. Taraz, Ust-Kamenogorsk, Pavlodar, Ekibastuz, Kokshetau, Almaty, Balkhash, Esik, Karaganda, Semey, Shakhtinsk usw., ländliche Siedlungen – Beskaragay der Region Ostkasachstan, Osakarovka, Region Karaganda, p. Novo-Khairuzovka Region Ostkasachstan … – so groß ist der geografische Umfang dieses Wettbewerbs.

Die erfahrene Jury, darunter Yulia Podoprigora, Doktor der Geschichte, Ludmila Burgart, Meister der Geschichte, Olga Litnevskaya, Mitglied des Aufsichtsrats der gesellschaftlichen Stiftung „Wiedergeburt“ und Lilia Straub, stellvertretende Vorsitzende der Vereinigung der deutschen Jugend Kasachstans sollten die Gültigkeit und Tiefe der Arbeiten, Unabhängigkeit in der Entwicklung des Themas, Kenntnis historischer Quellen, Kultur der Studie, allgemeine Präsentation des Projekts bewerten.

Aldiyar Nogerbekov und Zhuldyz Isina, Teilnehmer des Wettbewerbs, Karaganda: „Liebes Organisationskomitee! Ich danke Ihnen für die qualitative Vorbereitung des Wettbewerbs, die Transparenz der Ergebnisse, die Effizienz der Bereitstellung der Ergebnisse und die Verfügbarkeit aller Informationen über den Wettbewerb. „Die Aufgabe erwies sich als nicht einfach, da das Themenspektrum der eingereichten Arbeiten sehr unterschiedlich war.

Es gab traditionelle Familiengeschichten, das wenig untersuchte komplexe Thema der Rolle der deutschen Familie bei der Bewahrung des Glaubens, Deutsche in Straßennamen, die historische und moderne Rolle des deutschen Theaters in Kasachstan sowie das Schicksal und der Beitrag berühmter Deutscher in Kasachstan zur Entwicklung des Landes und das deutsche Kulturerbe.

Oft wandten sich die Teilnehmer dem Thema der Unterdrückung zu, den Augenzeugen, und beleuchteten die tragischen Seiten der Geschichte der Menschen. Die minimale Anzahl von Arbeiten auf Deutsch verursachte Bedauern. Es gab nur zwei davon im ganzen Wettbewerb. Die Jury schätzte jede Arbeit mit Kommentaren und Empfehlungen zur weiteren Verfeinerung.

Tatyana Nikitina, Leiterin der Wettbewerbsarbeiten, Zhezkazgan: „Es ist sogar ein bisschen traurig, sich von den Arbeiten zu trennen. So viel Seele hat man in sie hineingesetzt. Vielen Dank für die Organisation eines solchen Wettbewerbs. Dies ist ein großartiges Feld für Kreativität. Menschen mit großem Interesse nahmen daran teil und diskutierten in Gruppen im Unterricht. Wir werden auf die Ergebnisse warten. Ehrlich gesagt spielt es keine Rolle, wie die Bewertung ausfallen wird, es ist wichtig, dass wir bei der Arbeit mit dem Material viele positive Emotionen erhalten haben.“ Laut der Jury werden die Autoren der am meisten ausgearbeiteten Projekte zur Teilnahme an dem historischen Workshop eingeladen, der vom 9. bis 11. Januar 2019 in Karaganda stattfindet. Den glücklichen Teilnehmern werden pädagogische Workshops zu den Themen „Historiographie und moderne Studien über die Deutschen von Kasachstan“, „Methoden der Arbeit mit Archivdokumenten“, „Historische und ethnographische Untersuchung der Deutschen Kasachstans: Methoden und Techniken“, ein Workshop im Landesarchiv Karaganda, Exkursionen angeboten historische und denkwürdige Orte, Treffen und runde Tische.

Eine Reihe von Arbeiten wurden zur Veröffentlichung empfohlen. Die Überarbeitung der Projekte wird Ph.D. Julia Podoprigora und Lyudmila Burgart leiten. Nächstes Jahr werden die Projekte in der Sammlung veröffentlicht und auf der Website des „Einzelportals der Deutschen Kasachstans“ veröffentlicht.

Oksana und Yesenia Graf, Teilnehmer des Wettbewerbs, Almaty: „Vielen Dank aus tiefstem Herzen! Weitere solche Projekte. Es war sehr interessant für uns zu arbeiten und die Feinheiten des Theaterlebens, der Schauspieler und des deutschen Publikums zu erfahren, besonders während der Geburt des Theaters.“ Die Gewinner in verschiedenen Nominierungen warten auf wundervolle Preise – Stipendien für die Teilnahme an der Sprachakademie für Familien, republikanische Sprachcamps für Jugendliche, unvergessliche Preise und Geschenke. Sponsoren des Wettbewerbs haben zwei besondere Preise für die Erhaltung und Entwicklung deutscher Traditionen vergeben.

Die Organisatoren des Wettbewerbs bedanken sich bei den Autoren und Werksleitern für ihr Interesse an der Geschichte der Deutschen in Kasachstan, für ihre aktive Teilnahme am Wettbewerb und hoffen, dass sie weiterhin die Geschichte der Deutschen in unserem Land studieren und an ihren Forschungsprojekten arbeiten werden.

Lyudmila Burgart, Meisterin der Geschichte, Dolmetscherin und Übersetzerin der römisch-katholischen Pfarrgemeinde der hl. Jungfrau Maria, Rosenkranz, Ust-Kamenogorsk:

„Wir haben einen historischen Aufschwung erlebt“, beschrieb der bekannte Historiker Arkady Herman das Studium der Geschichte der Deutschen in Russland in den letzten 20 Jahren.

Gab es einen historischen Aufschwung beim Studium der Geschichte der Deutschen in Kasachstan? Leider gab es bislang keine. Trotz des Potenzials und aller Voraussetzungen. Die Antwort auf die Frage „Warum?“ Ist ein anderes Thema. In Bezug auf den Wettbewerb „Kaleidoskop der Geschichte“ kann man mit Sicherheit sagen, dass dies eine der Möglichkeiten ist, das Interesse an der Geschichte der Deutschen in Kasachstan sowohl bei den ethnischen Deutschen als auch bei der umgebenden Bevölkerung zu erkennen, zu wecken und zu unterstützen. Wenn Veranstaltungen dieser Art früher und häufiger stattgefunden hätten, möglicherweise zusammen mit anderen Maßnahmen, könnten sie auch zum „historischen Aufschwung“ in unserem Land beitragen.

Der Wettbewerb hat gezeigt, dass Interesse an der Geschichte der Deutschen in Kasachstan besteht. Zunächst interessieren sich Menschen, einschließlich junger Menschen, für die Herkunft der Familie, für die Genealogie. Menschen sammeln buchstäblich nach und nach Informationen über die Geschichte ihrer Vorfahren. Sie möchten die Geschichte ihrer Art, ihrer Familie und ihrer Menschen kennenlernen. Und das sind gute Nachrichten. Die Mehrheit der Teilnehmer waren junge Leute.

Neben der Familiengeschichte war das Thema prominenter Persönlichkeiten beliebt. Es wurde eine Menge sehr guter und interessanter Arbeiten präsentiert, die auf einem ausreichend hohen Niveau aufgeführt wurden. Gleichzeitig fiel auf, dass vielen die Fähigkeiten, Orientierung und Erfahrung der Forschungsarbeit fehlen. Daher gelang es den Teilnehmern oftmals nicht, das von ihnen gewählte interessante Thema, vollständig zu erschließen und angemessen anzuordnen. Es war bemerkbar, dass das Interesse an der Geschichte der Deutschen von Vertretern anderer ethnischer Gruppen geweckt wurde, was äußerst bemerkenswert ist.

Wir hoffen, dass der kommende historische Workshop jungen Menschen die Möglichkeit gibt, sich Forschungskenntnisse, neues Wissen und Erfahrungen anzueignen, und sie dazu motivieren, die Geschichte der Deutschen in Kasachstan weiter zu studieren.

Olga Stein

Mit einer neuen Geschichte und einem neuen Leben

Es ist also an der Zeit, die Lichter am Weihnachtsbaum anzuzünden, Verwandte zu sammeln und diesen hellen, freundlichen und unvergesslichen Fiertag zu feiern – Weihnachten

Von der ersten Adventskerze in der „Wiedergeburt“ der Stadt Almaty ist die warme Atmosphäre nun angekommen, wo sie immer noch herrscht. Jeden Sonntag warteten wir auf die Feier zum Anzünden von Kerzen und bereiteten das traditionelle Weihnachtsfest vor.

Festliche Aufregung, Lächeln und Lachen überall. Jeder wartet wie Kinder auf ein Wunder und glaubt, dass sich mit Sicherheit alles erfüllen wird. Plötzlich verschwindet Weihnachten vor allen! Rupprecht, der durch die Menschen gekränkt ist, entführt den schönsten Feiertag. Und sogar der Stern von Bethlehem verschwindet …Aber dann gibt es einen Hoffnungsschimmer – einen Engel. Zusammen mit den Kindern Gretta und Helen, suchen ihre Mutter einen Stern. Ihre Hauptaufgabe besteht darin, Rupprecht zu zeigen, dass Weihnachten nicht nur Geschenke, Spielzeuge und Festbänder ist, sondern ein heiliger, freundlicher und echter Feiertag. Und es gelingt ihnen! Dank des wahren Glaubens an Weihnachten und der aufrichtigsten Absichten.

Eine solche Weihnachtsgeschichte wurde auf der Bühne des deutschen Theaters von den Mitgliedern der deutschen Gesellschaft und dem KDJ „Vorwärts“ erzählt. Es war eine wirklich große Familienfeier, die uns alle zusammenbringen konnte.

Unsere wichtigsten Helden, die Kinder, traten nicht nur in einer Theateraufführung auf, sondern auch vor dem Weihnachtsmann mit Liedern und Gedichten, für die sie leckere Geschenke erhielten.

Wir wollen allen Frohe Weihnachten und einen guten Rutsch ins neue Jahr wünschen! Wir wünschen neue Emotionen, interessante und angenehme Begegnungen und Entdeckungen. Möge das kommende Jahr für Sie ein besonderes, unglaubliches, besinnliches und unvergessliches Erlebnis sein.

Mit einer neuen Geschichte und einem neuen Leben, liebe Freunde!

Ekaterina Loychenko

Mit Liebe die Welt bedecken

Zu Ehren der Weihnachtsfeiertage fanden im neuen Palast der Schüler von Astana und der Evangelisch-Lutherischen Kirche feierliche Veranstaltungen statt.

In dieser Zeit herrschten in der Hauptstadt starke, frostige Temperaturen bis minus dreißig und kälter. Das hatte jedoch keine Auswirkungen auf die Reihenfolge der Zeremonie und der Gottesdienste.

Das Konzert „Weihnachtswunder“ im großen Saal des neuen „Schülerpalastes“ setzte sich aus Auftritten von Folklore zusammen, die überwiegend von Kindern vorgetragen wurden. Sie sind alle größtenteils Mitglieder der regionalen Gesellschaft „Wiedergeburt“ Astana. Sehr junge Tänzer und ältere Kinder erfreuten das Publikum mit Tänzen verschiedener Genres und Stile. Darunter der Weihnachtswalzer „Es war einmal im Dezember“ des Tanzensembles „Expression“, der schneeweiße Kreistanz der kleinsten Künstlergruppe unter dem äußerst passenden Namen „Engel“ und die großartige Aufführung von mindestens zwei Dutzend kleiner Weihnachtsmänner.

Das Konzert wurde natürlich vom Glockenorchester der Kirche der evangelisch-christlichen Baptisten veranstaltet. Für mich persönlich war dies eine Entdeckung, ich habe so etwas noch nie gehört oder gesehen. Es war diese Nummer, bei der die Genrevielfalt des Konzertprogramms mehr als alles andere dem Ort und der Zeit entsprach. Die Darsteller waren Jugendliche im Alter von 14 bis 15 Jahren, deren Auftritte ein wahres ästhetisches Vergnügen waren. Wir werden uns später sicherlich einmal bei einer anderen Veranstaltung mit ihnen treffen.

Die Performance des Finalisten des Regionalwettbewerbs „Metropolitan Opera“, Preisträgerin internationaler Wettbewerbe, Solist „Astana Opera“ Yevgeny Chaynikov und Preisträgerin internationaler Wettbewerbe der Begleiterin Elena Cvetzich verlieh dem Konzertprogramm eine besondere Feierlichkeit. Sie gaben dem Publikum eine Vielzahl Weihnachtslieder auf Deutsch, von denen einige zusammen mit dem Publikum aufgeführt wurden. Das Konzert endete mit Konfetti und Luftschlangen zum begeisterten Applaus des Saals. Diese wunderbare Veranstaltung wurde durch die Bemühungen des Konzertdirektors Igor Liskova in Zusammenarbeit mit den Führern der Künstlergruppen vorbereitet: Vyacheslav Ferber, Elvira Minor, Dilbarai Tatieva, Alina Gorbunova, Valentina Bordun.

Junge Leute geben den Ton an

Am folgenden Abend veranstaltete die evangelisch-lutherische Kirche einen Auftritt des Chors, des Streichquartetts und des uns bereits bekannten Glockenorchesters der evangelischen Baptisten. Die Weihnachtslieder und erstaunlichen Melodien der Glocken im Konzertsaal und im kleinen Gebetsraum der Kirche sind zwei große Unterschiede.

Ja, es gab auch erwachsene Darsteller, ziemlich viele sogar. Aber die Jugend gab den Ton an. Es ist bei Glockenspielen nur in Handschuhen möglich, zu spielen, in der Regel weiße, aus Baumwolle. Die größten Glocken wiegen etwa ein Kilogramm, die kleinsten – nur kaum etwas, sie werden in der Regel nur von Mädchen gespielt. Es ist klar, dass das Gewicht immer in Beziehung zur Tonalität steht. Das Musikzertifikat ist Pflicht, aber die Musikschule – ist eine freiwillige Entscheidung. Aber das Orchester spielt unter der Leitung des Dirigenten und der Noten.

Die Erinnerung an das angenehme Glockengeläute brachte mich vor fünfzig Jahren – an Bord des Zerstörers „Otmenny“, dann der USSR-Marine und zweimal der Flotte der Roten Banner. Wir hatten auch eine Glocke, sie wurde „Rynda“ genannt und war größer als die größte im Orchester. Aber er gab die Töne nicht schlechter aus und lockte alle in seine Heimatstadt Akmolinsk, nach Hause.

 Mit dem Glauben an das Leben

Interessant ist das Schicksal des Hauptweihnachtsliedes – das Lied „Heilige Nacht“, manchmal emotionaler als „Oh, Heilige Nacht!“ doch  in seiner Geschichte dasselbe erzählend – die Geburt Jesu Christi. Schrieb die Worte des damals unbekannten Liedes aus der französischen Stadt Racmore, Placid Kappo. Seine Hauptbeschäftigung war der Verkauf von Wein, in dem er herausragte. Und auch, wahrscheinlich aufgrund des „fröhlichen“ Geschäfts, versuchte er sich in Versen. Eines Tages bat der örtliche Pastor Kappo, zu Weihnachten eine Hymne zu schreiben, da die Menschen nicht nur das Hauptereignis im Leben der Katholiken weltweit feiern würde, sondern auch die Rückkehr der geliebten Orgel in die Kirche. Kappo stimmte zu und beschloss, sein Werk einem der talentierten Pariser Komponisten zuzuordnen.

Durch seine Bekannten in Paris kam er bald mit Adolf Charles Adans zusammen, der zu dieser Zeit bereits ein großer Komponist war, Musik für Ballette und Opern für Sinfonieorchester schrieb. Aber dem Vorschlag des unbekannten Dichters stimmte er zu. Das Lied ertönt in Tausenden von Pfarreien und siedelt sich nicht nur in Frankreich und ganz Europa an, sondern wird auch in anderen Sprachen übersetzt und gelangt sogar über Meere und Ozeane. Und jetzt wird diese Hymne auf allen Kontinenten gesungen, auf denen Christen sind. Besonders im Netzwerk fand ich diese Arbeit von Opernsängern. Sie epfand ich als sehr schön, kompetent und sehr professionell aber kalt.

Unsere Chormitglieder in der „Kirche“ sangen herzlich, sehr mental, emotional aus dem Herzen. Dies wurde von allen Zuschauern, die zu dem Konzert kamen, begrüßt. Applaudiert auch von Herzen. Zum Abschluss des Konzertes richtete Erzbischof Yury Novgorodov sich an die Gemeindemitglieder.

Er dankte den Künstlern und dem Publikum für eine angenehme Zeit. Ich habe bemerkt, dass in letzter Zeit, wenn solche Konzerte stattfanden, sie völlig still gehalten wurden, ohne Beifall zu genehmigen. Die Zeiten ändern sich, in der Kirchengemeinde sind nun Menschen verschiedener Altersgruppen und Nationalitäten, und niemand stört sie daran, mit diesem Glauben zu leben und durch das Leben zu gehen. Das feierliche Ereignis endete mit einem gemeinsamen Gebet (angeführt von Pfarrer Zhanibek) zur Herrlichkeit Christi und einem Gebet für das Wohlergehen aller Menschen auf der Erde.

Am 24. und 25. Dezember fanden in der Christus-Erlöser-Kathedrale feierliche Gottesdienste zu Weihnachten statt.

Valery Chevalier

Nikolausabend in Ust-Kamenogorsk

Im deutschen Kulturzentrum Ust-Kamenogorsk versammelten sich die Kinder der jüngsten und ältesten Gruppe der Sonntagsschule zusammen mit ihren Eltern und Lehrern in den Klassenzimmer, um den Nikolausabend zu feiern. Es war für alle interessant, die Traditionen des Landes, die Sprache und die Bräuche, die sie lernen, hautnah zu erleben.

Die Teilnehmer sahen sich einen Film an und spielten dann Spiele. Der Höhepunkt war das Aufkommen traditioneller Märchenfiguren – die Aktivisten des Jugendclubs „Spass“ spielten ein Stück, in dem Nikolaus, seine Gefährten, der böse Knecht Ruprecht und der gute Engel, dem Publikum die Geschichte dieses Feiertags nahebrachten.

Die jungen Leute hatten sich natürlich auch bestens vorbereitet. Sie bastelten Laternen und Schneeflocken, schmückten den Weihnachtsbaum, lernten Gedichte und Lieder. Nikolaus und seine Assistenten hörten zahlreiche deutsche Grüße und verteilten süße Geschenke an alle. Die Gäste sangen traditionelle Weihnachtslieder auf Deutsch und genossen den Lebkuchen. Schließlich gingen alle ihre Stiefel überprüfen, und öffneten vorsichtig die Tür.

Was für eine Freude war es zu sehen, dass Nikolaus und seine Assistenten allen Süßigkeiten hinterlassen haben! Und niemand kam hierbei zu kurz! Vorher fragte der Nikolaus jedoch, ob er seinen Eltern geholfen habe, wie er in der Schule lernt, ob er gearbeitet habe, was er in seiner Freizeit gerne mache usw. Und tatsächlich bestätigt das „goldene Buch von Nikolaus“, in dem alle schlechten und guten Taten der Kinder aufgezeichnet sind, die Worte der Kinder. Und das Foto mit Nikolaus wird bis nächstes Jahr in Erinnerung bleiben. Nun wissen es alle: Wenn man sich gut benimmt, stets gehorcht und seinen Eltern hilft, dann wird der Heilige Nikolaus am nächsten 6. Dezember wiederkommen, Weihnachtsgeschichten erzählen und süße Geschenke in einen polierten Stiefel legen.

Nachdem man die Geschenke präsentiert und erhalten hatte, zündeten alle die Kerzen am Adventskranz an und erinnerten sich daran, dass Weihnachten schon bald vor der Tür steht.

Alexandra Schilling

Weihnachtsfest

Mehr als zwanzig Jahre bereits wird in der gesellschaftlichen Vereinigung „Wiedergeburt“ des deutschen Kulturzentrums Leninogorsk der Stadt Ridder die hellen Feiertage zu Weihnachten gefeiert. Und dieses Jahr war keine Ausnahme. Am magischen Feiertag versammelten sich alle Mitglieder der Vereinigung des Glubokoe, Shemonaiha Bezirks, Sonntagsschüler, Mitglieder des Jugendclubs „Rittel“, Deutschschüler, Empfänger von Sozialleistungen, Mitglieder des Frauenclubs. Es war kein Platz in der Halle! Alle waren sehr berührt von der aktiven Teilnahme von Kindern und Jugendlichen, Teilnehmern des Frauenclubs an der Vorbereitung und Durchführung eines wunderschönen Festes. Die Kontinuität der Generationen war in allem präsent: von der Dekoration des Saales über die kreative Einrichtung der Räume bis hin zum Programm des Weihnachtsfestes. Überall waren ältere Menschen, Jugendliche und Kinder, Hand in Hand und stützten sich gegenseitig.

Weihnachtslieder wurden nicht nur von Mitgliedern des Edelweiss-Ensembles aufgeführt, bekannte Melodien wurden sofort von allen Anwesenden aufgegriffen. Traditionell kamen Vertreter anderer ethnokultureller Vereinigungen, um Weihnachten zu feiern. Glückwunschworte wurden von der Gesellschaft „Kazakh tili“ unter der Leitung von Rosa Kurbanbayeva, der Kosakengesellschaft unter der Leitung von Tatjana Kremeshkova und dem Ensemble „Bereginya“ gehört.

Am Ende des Feiertags sprach die Vorsitzende Lubov Ignatieva. Mit Wünschen zum Frieden, der Freundlichkeit und einer noch stärkeren Revitalisierung der Gesellschaft. Sie verteilte Dankschreiben und einprägsame Geschenke.

Der Festtag endete mit einer angenehmen Teerunde, die von einem Unternehmer, einem Abgeordneten der Stadtverwaltung, der Vorsitzenden des Aufsichtsrats der Gesellschaft Galina Gilderman, unterstützt wurde.

Natalia Miller

Sprechen Sie Deutsch?

Früher war Deutsch in der Region Aktyubinsk weitaus beliebter als Englisch. Dafür gibt es mehrere Gründe: Die Region war eines der Zentren, in die Tausende deutscher Familien in den Vorkriegs- und Kriegsjahren deportiert wurden, und die großen Anlagen von Aktobe wurden größtenteils aufgrund der Bemühungen deutscher Kriegsgefangener errichtet.

– In den 1960er Jahren hatten wir ein ganzes Viertel am Rande der Stadt, in der Deutsche lebten. Es war gefährlich, unsere Muttersprache zu sprechen, selbst Kinder, verstanden das von klein auf. In den Ferien versuchten sie jedoch nur auf Deutsch zu kommunizieren “, erinnert sich Maria Nesterova (Schultz).

Im Laufe der Zeit wurde das Bedürfnis, die Sprache von Schiller und Goethe zu lernen, weniger – jemand wurde alt und starb und viele Familien zogen einfach nach Deutschland aus. Es gab jedoch diejenigen, die die Feinheiten der deutschen Sprache beherrschen wollten. Deutsch wurde in den Schulen Nr. 4 und Nr. 11 von Aktobe unterrichtet. Die Schule Nr. 4 gab als Erste auf, die Schule Nr. 11 hielt sich bis zum letzten.

Situation unter Kontrolle

Ein echter „Schlag“ für die deutsche Sprache war das Programm der Dreisprachigkeit, bei dem das Studium der Sprachen Kasachisch, Russisch und Englisch im Vordergrund stand. Es stellte sich heraus, dass die Sprache, in der mehr als hundert Millionen Menschen auf der Welt kommunizieren, nicht von besonderer Bedeutung war.

– Es ist so bei uns: Gute Initiativen können zu eifrig wahrgenommen werden. Auch hier hat sich ein großer Rückschlag auf Englisch gebildet“, klagt Inga Smolinets, Vorsitzende der regionalen Gesellschaft der Deutschen „Wiedergeburt“ Aktobe.

Der 12. Juni dieses Jahres war der Tag der Wiederbelebung der deutschen Sprache. Damals wurde ein Memorandum zwischen dem Bildungsminister der Republik Kasachstan Yerlan Sagadiyev und dem Vorsitzenden des Aufsichtsrats der gesellschaftlichen Stiftung „Wiedergeburt“ Albert Rau unterzeichnet.

In Aktobe und in ganz Kasachstan hat man auf diese Veranstaltung schon lange gewartet. Es wird davon ausgegangen, dass das Dokument der Entwicklung von Spracholympiaden, der Organisation von Seminaren und Konferenzen für Schüler und Studenten sowie Deutschlehrern Impulse geben wird. Die Lehrer der Schule und der Universitäten sowie der regionalen deutschen Gesellschaften übernahmen die Führung.

Verlieren wir Fachkräfte?

Deutschlehrer geben selbst zu, dass die Sprache in wenigen Jahren ein großes Publikum verloren hat, obwohl die Anzahl der Menschen, die an Sprachwissen erwerben wollen, zugenommen hat. Infolgedessen zog der Hauptteil der Studenten in private Bildungszentren über, und solange sich das Problem der Rückkehr der deutschen Sprache in die Bildungseinrichtungen nicht vollständig gelöst hat, ändert sich die Situation nicht.

– Ich liebe und respektiere die deutsche Sprache. Ich arbeitete mehrere Jahre in der Schule Nr.4, aber nachdem die Stunden gekürzt wurden, war dies für junge Lehrer wie ein unerwarteter Streik“, sagt Lehrerin Irina Belyaeva. – Dann gab es für Leute wie mich keinen festen Arbeitsplatz, ich musste gehen, um in einem Bildungszentrum zu unterrichten. Es wäre gut für Aktobe, Fortbildungskurse für Lehrer zu organisieren. Dies wird ein Fortschritt für die Entwicklung der deutschen Sprache sein.

Aufklärung durch die Eltern

Kinder in unteren Klassenstufen sehen die Vorteile dieses bestimmten Fachs nicht. Dort, wo sich die Eltern entscheiden, einen Schwerpunkt zu setzen, verlässt mit diesem Gepäck das Kind die Schule.

„Durch Eltern müssen die Perspektiven der deutschen Sprache vermittelt werden“, sagt Inga Smolinets. – Wir machen große Arbeit in dieser Richtung, es gibt eine vorläufige Vereinbarung mit der Schule Nummer 11. In der Zwischenzeit wird sie auf der Wahlstufe studiert. In Aktobe beabsichtigen, die verlorenen Positionen der deutschen Sprache wiederzugewinnen.

Die Idee ist einfach: Alle Möglichkeiten beschreiben und nahebringen und letztendlich die Wahl geben. Seit diesem Schuljahr haben einige Schulen in Kasachstan es gewagt, Deutsch nach einem bekannten Muster zu unterrichten – die Klasse in zwei Gruppen zu teilen, Englisch und Deutsch. Man kann auch eine separate Gruppe einrichten. Wir haben ausgezeichnete Lehrer, eine ausgezeichnete Basis, aber es gibt keine vorgefertigten Lehrmaterialien, die den modernen Anforderungen entsprechen. In der „Wiedergeburt“ gibt es erfahrene Lehrer, die ihre eigenen einzigartigen Methoden des Sprachunterrichts entwickelt haben und bereit sind, ihre Erfahrungen und Kenntnisse mit Schulen zu teilen.

Chinesisch als Alternative

Wir sprachen über Kurse, Seminare und die zukünftige Entwicklung der Sprache in der Schule Nr. 11, wo die erste Dialogplattform „Rückkehr der deutschen Sprache in Bildungseinrichtungen“ stattfand. Die Lehrerschaft der Regionaluniversität Aktobe Zhubanov zeigte eine aktive Teilnahme.

– Wir hatten viele Jahre eine ununterbrochene Kette – Schulabsolventen traten in die germanische Abteilung ein. Jetzt wird kein Studiengang in dieser Spezialität durchgeführt. Der Grund ist offensichtlich – keine Motivation an weiterführenden Schulen“, stellte Gulmira Kushkarova, Dozentin an der Fakultät für Fremdsprachen der Regionalen Universität Aktobe nach Zhubanov, fest. – Im pädagogischen Bereich ist die deutsche Sprache in den Fachgebieten „Übersetzungswissenschaft“, „Fremdsprachenkunde“ und „Fremdsprache“ vertreten. Wenn es mit einer Fremdsprache und Philologie verständlich ist (es gibt genug Deutschstunden), ist die Übersetzungsabteilung schwieriger. Tatsache ist, dass ab diesem Jahr Chinesisch als Alternative zu einer zweiten Fremdsprache eingeführt wurde. Daher sind Aktobe-Studenten bereit, die Sprache der Volksrepublik China zu wählen.

Offensichtliche Aussichten

Der leitende Dozent betonte, dass sich für Studenten, die Deutsch gewählt haben, große Perspektiven eröffnen. Erleichtert wird dies durch die Integration Kasachstans in die europäische Wirtschaft, für die qualifiziertes Ingenieurpersonal in der Bauindustrie und im Maschinenbau benötigt wird.

– Die Motivation der Schüler spielt eine große Rolle. Mit Deutschkenntnissen kann man problemlos durch ganz Europa reisen. Kasachstan war schon immer für seine Ingenieure berühmt. Jetzt bietet Deutschland unseren Schülern die Möglichkeit einer kostenlosen Ausbildung. Wenn Sie ein Ziel haben, können Sie gutes Geld verdienen, indem Sie bei den berühmten deutschen Autoherstellern arbeiten, – sagte Gulmira Kushkarova.

Leider neigt das Lehrpersonal dazu, nicht nur in den Schulen, sondern auch in den Universitäten abzubauen. Wenn im Jahr 2014, 15 deutsche Lehrer an der Universität gearbeitet haben, sind es jetzt nur noch sechs. Trotzdem tut die Universität alles, um die deutsche Sprache zu erhalten. Kostenlose Sommersprachkurse in Deutschland, Praktika für Lehrer und Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut. Im Rahmen der Dialogplattform wurde übrigens ein interessanter Vorschlag zur Eröffnung einer Zweigstelle des Goethe-Instituts in Aktobe gemacht. Der Rektor der regionalen Universität benannt nach Zhubanov, ist sogar bereit, Räumlichkeiten zur Verfügung zu stellen.

Sind die Aktyubier selbst bereit, Deutsch zu lernen?

Dmitry Schinkarenko

Iwan Scharf

Iwan Iwanowitsch Scharf ist einer der aktivsten und prominentesten Persönlichkeiten der deutschen Bewegung Kasachstans, er wurde am 9. Mai 1930 in dem Dorf Kalinin im Gebiet Rostow geboren. Nach dem Schulabschluss schloss er das pädagogische und landwirtschaftliche Institut ab. Er arbeitete als Lehrer und Schuldirektor im Kreis Alekseew, später als Direktor der Sowchose „Dalnij“ im Kreis Esil.

Zwischen 1959 und 1970 war er Leiter des Landwirtschaftsamtes Esik. Ab 1970 war er Generaldirektor der Sowchose „Akmolinskij“, und seit August 1975 Generaldirektor der Produktionsvereinigung für Geflügelzucht Zelinograd, welche ab 1996 in die AO „Akmola-Feniks“ umgewandelt wurde.

Iwan Iwanowitsch war einer der Mitbegründer der Gemeinschaft „Wiedergeburt“ in Astana, seit 1989 hat er sich aktiv am Leben der Deutschen in Kasachstan beteiligt. Er hat sehr viel für die Verbesserung der materiell-sozialen Versorgung von Veteranen und Invaliden getan. Iwan Iwanowitsch war Deputierter des Obersten Sowjets der Republik, Mitglied des Präsidiums des Obersten Sowjets, Vorsitzender der Niederlassungen NDB „Nur-Otan“ und „Feniks“, sowie Mitglied des Rates der Deutschen Kasachstans, er ist Aspirant der Wirtschaftswissenschaften.

Seine Autorität erarbeitete er sich durch Sachverständnis und die selbstlose Haltung dazu, durch tiefes Verständnis für menschliche Freude und Sorgen. Für die vorbildliche Umsetzung seiner Pflichten, für die aktive Teilnahme an der Wirtschaft und in der pädagogischen Arbeit wurde ihm der Titel „Held der sozialistischen Arbeit“ verliehen, er wurde mit Orden und Medaillen ausgezeichnet, zwei Mal mit dem Leninorden und zwei Mal mit dem Orden der Oktoberrevolution.

Er hat feinfühlig den Weg des Lebens erfasst, fand neue Ansätze, um die im Kollektiv gesteckten Ziele zu erreichen. Er übernahm jedwede Sache und hat sie immer zu Ende gebracht. Was ihn von anderen unterschied, waren eine breitgefächerte Gelehrsamkeit, große organisatorische Fähigkeiten,  die Reife in der Wirtschaft, kombiniert mit dem ständigen Streben nach allem Neuen und Fortschrittlichen.

Er war sich immer in seinen Stärken und den Stärken des Kollektivs, das er leitete, sicher. So wurde trotz der harten Bedingungen des Marktes dank den Anstrengungen von Iwan Iwanowitsch Scharf die Wirtschaftsführung und die ganze Infrastruktur des Betriebes konserviert. Iwan Iwanowitsch war der Initiator der Gründung des Gedenkkomplexes „Alzhir“ in Malinowka. Seine Devise war: „Alles tun, damit die Menschen besser leben“.

Iwan Iwanowitsch Scharf verstarb am 21. Januar 2008 in dem Dorf Malinowka im Gebiet Akmolinsk.

Iwan Sauer

Iwan Sauer wurde am 11. Juni 1958 in dem Dorf Malinowka in m Gebiet Akmolinsk geboren. Die Liebe zur heimatlichen Erde und großer Fleiß wurden ihm seit frühester Kindheit anerzogen. Der Vater Adam Iwanowitsch Sauer war ein bekannter Landwirtschaftler, der berühmte Mais der Sovchose „Rote Fahne“ wurde überall sehr geschätzt. „Keine Kultur sollte sich fremd fühlen, stiefmütterlich behandelt“ – An diese Ermahnungen des Vaters erinnert sich Iwan Sauer sein ganzes Leben und wandte sie bei der Entwicklung seiner Agrarholding an.

Heute ist Iwan Adamowitsch Generaldirektor der TOO Agrarbetrieb „Rodina“, Vorsitzender des Vorstandes der Assoziation „Fleischunion Kasachstan“, unabhängiger Direktor der AO nationale Firma „Lebensmittel-Vertragsgesellschaft“, Mitglied des Direktorenrates der AO „KazAgroInnovazija“, er gehört dem Expertenrat des Landwirtschaftsministeriums der Republik Kasachstans an. Mit einem Wort, einer der einflussreichsten Geschäftsmänner des Landes.

Er schloss das Landwirtschaftsinstitut Zelinograd mit der Spezialisierung des mechanischen Ingenieurs ab. Im Jahr 2002 verteidigte er seine Doktorarbeit mit dem Thema „Organisatorisch-ökonomischer Mechanismus der Wirtschaftsführung bei integrierten Strukturen im Getreide-Teilkomplex“. Er ist Aspirant der Wirtschaftswissenschaften, ehrenamtlicher Professor der Staatlichen Kasachischen Agrartechnischen Universität namens S. Seifullin. Er ist Autor des Buches „PK „Rodina“ – gut arbeiten, würdig leben“. Er besitzt zahlreiche Auszeichnungen und Prämien: den Orden „Dostyk“ (1996), „Parasat“ (2005), „Otan“ (2011), den Orden der russisch-orthodoxen Kirche „Ruhm und Ehre“ der zweiten Stufe, die Medaillen „Шапағат“, „Қазақстан Республикасының тәуелсіздігіне 10 жыл“ (2001), „Қазақстан Республикасының тәуелсіздігіне 20 жыл“ (2011), „50 Jahre Neulandgewinnung“ und viele weitere.

Im Verlauf vieler Jahre wurde der Agrarbetrieb „Rodina“ zum Vorbild nicht nur im Gebiet Akmolinsk, sondern auch weit über ihre Grenzen hinweg. Die Leistungen von Iwan Sauer wurden vom Oberhaupt des Staates Nursultan Nasarbaew hervorgehoben. Nicht nur einmal kam der Präsident auf offizielle Visite in den gleichnamigen Aul „Rodina“, hat soziale und betriebliche Objekte besucht. Im Jahr 2013 wurde Iwan Sauer am Vorabend des Tages der Unabhängigkeit per Erlass des Präsidenten der Titel „Қазақстанның Еңбек Ері“ für seine herausragenden Leistungen in der sozial-menschlichen Entwicklung und für die aktiven gesellschaftlichen Tätigkeiten verliehen.

Zur Verleihung hat der Präsident Kasachstans den großen Erfolg des Agrarbetriebes „Rodina“ betont, dem Iwan Sauer vorsteht: „Der Agrarbetrieb „Rodina“ ist ein wahres Vorbild dafür, wie man die Dinge in einem Landwirtschaftsbetrieb führen sollte. Zum Beispiel beträgt die Produktivität der Arbeit in dem Unternehmen 38 Tausend Dollar pro Arbeiter, und das ist Rekord, weil der Landesdurchschnitt bei 7 Tausend Dollar liegt. Und wenn insgesamt im Agrarsektor sich die Produktion nur der Hälfte des Wertes von „Rodina“ annähern würde, dann wäre auch der Umfang der Produktion eine ganz andere. Hier wird nicht nur einwandfrei die Produktion entwickelt, sondern es wird auch verantwortungsvoll ein Sozialprogramm betrieben. In der Siedlung, wo die Angestellten der Firma arbeiten, wurden Sportstätten und Sozialeinrichtungen gebaut, gute Straßen, Krankenhäuser, ein neues Wärmesystem installiert“.

Der Agrarbetrieb „Rodina“ gewinnt regelmäßig den landesweiten Wettbewerb „ Алтын сапа“, welcher mit einer Goldmedaille und einem goldenen Pokal ausgezeichnet wird. Die Goldmedaillen „Алтын белгі“ werden auf dem Fest der Errungenschaften des Landwirtschaftskomplexes Kasachstans verliehen.

Beispielhaft sind nicht nur die Errungenschaften des Landwirtschaftsbetriebes „Rodina“, sondern auch der Lebensstandard im Dorf. Und das ist der persönliche Verdienst von Iwan Sauer. Hier entwickeln sich planmäßig alle Zweige der Landwirtschaft, die den Bewohnern das ganze Jahr lang Arbeit bieten. Und das, seinerseits, löst viele Probleme. Die Jugend strebt scon nicht mehr danach, das Aul zu verlassen, ganz im Gegenteil, es kommen Menschen in das Aul auf der Suche nach Arbeit. Dafür hat man hier alle Voraussetzungen geschaffen: es werden Unterkünfte und Vergünstigungen gewährt, eine Reihe von Sozialprojekten wurde eingerichtet: insbesondere der Kindergarten „Solnyschko“, ein Kulturzentrum, ein Park, Sportstätten, eine medizinische Ambulanz oder ein Zoo. Für die Älteren wurde ein Haus der Veteranen gebaut.

Iwan Adamowitsch nimmt aktiv an der Realisierung von Staatsprogrammen teil. Im Jahr 2011 wurde im Rahmen des Programms der forcierten industriellen Innovationsentwicklung eine Milchfabrik gebaut. Sie verarbeitet in 24 Stunden 25-30 Tonnen Milch aus Eigenherstellung von ertragreichem Vieh aus ausländischer Züchtung. Die Milchproduktion „Rodina“ erfreut sich großer Nachfrage beim Verbraucher, sie ist sicher und wettbewerbsfähig. Mit Unterstützung des Staatsprogramms zur Entwicklung alternativer Energiequellen wurde im Jahr 2012 ein Windgenerator im Aul in Betrieb genommen.

Als Vorsitzender des Vorstands des Verbandes „Fleischunion Kasachstan“ freut sich Iwan Sauer über den Viehzuchtsektor in ganz Kasachstan. Heute gehören zu der Union nicht nur Großbetriebe, sondern auch kleine Bauernbetriebe, und ebenso Unternehmen, welche im Bereich Fleischherstellung und Weiterverarbeitung arbeiten. Die primäre Aufgabe der Union ist die Förderung der Entwicklung der Tierzuchtbranche, welche sich bis zum heutigen Tag im Stadium der Wiederbelebung befindet. Nach Meinung von Iwan Sauer ist die Viehzucht eine höchst arbeitsintensive Branche, sie beansprucht hohe Kosten und die Präsenz qualifizierter Spezialisten. Aber ihre Entwicklung ermöglicht eine ganzjährige Beschäftigung der Dorfbevölkerung, löst Probleme im Dorf und verleiht der Landwirtschaft neue Impulse.

 

 

Albert Rutz

Die Akmolinsker Gebietsgemeinschaft der Deutschen „Wiedergeburt“ bekundet ihr Beileid den Angehörigen und Nächsten des nun verstorbenen Albert Ferdinandowitsch Rutz, dem herausragenden Spezialisten auf dem Feld der Medizin. Albert Ferdinandowitsch war Neuropathologe der höchsten Kategorie, Diplomat der internationalen Europafachschule der angewandten Kinesiologie, Diplomat der israelischen Universität der traditionellen Medizin. Tausende dankbare Patienten und hunderte gerettete Leben tragen für immer den Namen von Albert Rutz in den Chroniken nicht nur im Gebiet Kokschetaw, sondern im ganzen Land.

Albert Ferdinandowitsch wurde am 16. Juni 1940 im Gebiet Saratow geboren, im Jahre 1941 wurde seine Familie, so wie viele Deutsche, nach Kasachstan deportiert. Albert Ferdinandowitsch entschied sich dazu, sein Lebender Medizin zu widmen, als er im Jahre 1958 die medizinische Hochschule Karaganda abschloss. Nach Beendigung der Ausbildung arbeitete er in der Siedlung Wolodarowka im Gebiet Ostkasachstan. Im Jahre 1968 zog er mit seiner Familie nach Kokschetau, nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion begann er, privat zu behandeln. Er steigerte seine Qualifikation in den besten Kliniken Deutschlands, Israels und Russlands. Im Laufe seines ganzen Lebens erschloss er die neuesten Methoden der angewandten Kinesiologie.

 

Reinhold Rib

Reinhold Dawidowitsch Rib ist wissenschaftlicher Bienenzüchter. Er wurde 1938 in der Siedlung Pruggerowo im Gebiet Ostkasachstan geboren. Er beendete die agrarwissenschaftliche Fakultät des landwirtschaftlichen Instituts Novosibirsk, anschließend das Weiterbildungsinstitut für Zootechniker und Bienenzüchter im NII für Bienenzucht in der Stadt Rybny mit der Verleihung der Qualifikation „wissenschaftlicher Bienenzüchter“. Er lernte als Doktorant im NII für Bienenzucht und verteidigte seine Dissertationsarbeit zu Erlangung der Stufe des Kandidaten der Agrarwissenschaften mit dem Thema „Bedingungen für den erfolgreichen Einsatz der Bienenkönigin in der Familie der Bienen“. Im Verlauf vieler Jahre arbeitete er in einer kasachischen Versuchsstation für Bienenzucht und als Dozent am Lehrstuhl der Biologie der staatlichen Universität Ostkasachstan. Er ist Autor von mehr als 70 veröffentlichten Arbeiten zur Bienenzucht, viele Jahre lang arbeitet er mit dem Magazun „Bienenzucht“ zusammen, besitzt eine mehr als 45-jährige Erfahrung in der praktischen Bienenzucht. Heute betätigt er sich als Berater der kasachischen Versuchsstation für Bienenzucht und beteiligt sich an wissenschaftlichen Konferenzen zur Bienenzucht.

Multikulturell und professionell

Im Laufe der Woche untersuchten Korrespondenten aus der deutschen Jugend Kasachstans die neuen Möglichkeiten des Medienbereichs.

Dank des methodischen Workshops „Medientechnologien in der Jugendarbeit“ in Berlin konnten Teilnehmer aus fünf Ländern (Deutschland, Russland, Kasachstan, Ukraine und Polen) neues Wissen und Fähigkeiten von Medienfachleuten erwerben.

Das Projekt wurde von der internationalen Organisation Jugendbund „djo-Deutscher Regenbogen“ organisiert. „Dies ist die erste Erfahrung eines fünfseitigen Projekts. Multikulturalismus, reichhaltiges Programm und Professionalität der Referenten machten es zu etwas Besonderem “, sagten alle Teilnehmer des Treffens.

Die Partnerorganisation für djo in Kasachstan ist die Vereinigung der deutschen Jugend Kasachstans (VDJK), die mit fünf Delegierten aus den Städten Semey, Almaty, Petropavlovsk und Karaganda vertreten war.

Sofia Stro, Petropawlowsk

– Der erste Tag des fünfseitigen Medienworkshops in Berlin begann mit einer Untersuchung der Eigenschaften von Dokumentarfilmen. Vertreter der russischen Delegation aus der Stadt Samara enthüllten die wichtigsten Wege, um solche Filme zu schaffen.

Dieser Tag war für uns auch dank einer ungewöhnlichen Stadtrundfahrt einfach bemerkenswert. Die Organisatoren zeigten deutlich, wie man die Stadt in einem interessanten Suchspiel kennenlernen kann, indem man Punkte über die Internetanwendung und die Medientechnologie erhält. Nach der Suche fand eine Präsentation des Actionbound-Programms statt, mit dem eine Stadtrundfahrt erstellt und durchgeführt wurde.

Unter dem angenehmen Eindruck unserer Bekanntschaft, in Erwartung einer ganzen Woche aufregender Workshops, machten wir uns auf den Weg, unsere Koffer zu packen, da der Hauptstandort des Projekts das Dorf Neuendorf war.

Angelina Golodova, Almaty

– Das Programm des Seminars war sehr umfangreich. Wir haben uns mit Plattformen und Anwendungen für die Arbeit mit Medien, darunter:  Sticky Al, Defqt-camera effects, Hyperlapse Instagram, Hype-Type, Unfold, bekanntgemacht. Nachdem die Teilnehmer in Gruppen eingeteilt waren, untersuchten sie die Funktionen der Anwendungen und präsentierten später die Möglichkeiten der Programme selbst.

Neben den Vorträgen gab es auch kreative Arbeit, die Kreativität und Vorstellungskraft erforderten. Wir haben Visualisierungstechniken genauer in Betracht genommen. Diese Workshops eröffneten uns einen neuen Blick auf die Präsentationsmöglichkeiten auf Papier. Dank der Illustrationen erhält der Sprecher ein Vielfaches der Aufmerksamkeit des Publikums. Tausende von Figuren, von denen jede in wenigen Sekunden gezeichnet werden kann, wurden speziell für solche Präsentationen entworfen. Überraschenderweise gibt es sogar Handbücher und Bücher zu einem ähnlichen Thema. Wir wurden jedoch mit den meistgebrauchten und vielfältigsten vertraut gemacht.

Anastasia Koroleva, Almaty

– Aus den vorgestellten unterschiedlichen Formen und Themen der Schulungen des vergangenen Medienworkshops möchte ich besonders die Workshops zum Erstellen von Audio-Podcasts und zur Verwendung moderner Präsentationstechniken am Beispiel von Video Scripting hervorheben.

In der Endphase des Projekts hatten wir die Möglichkeit, einen von drei parallelen Workshops zu wählen: die Erstellung eines Videos, eines Cartoons oder einer Audio-Erzählung. Trotz der Tatsache, dass alle drei Bereiche sehr interessant sind, bevorzugten die drei Delegierten aus Kasachstan den Workshop „Hörspiel-Werkstatt“. Dank der Schulung, haben wir enorme Erfahrung gesammelt, die Funktionalität des Audiodatei-Editors „Audacity“ untersucht und unsere eigene Audiogeschichte aufgenommen.

Der zweite Fund, den ich auch in meiner Arbeit weiterhin verwenden möchte, ist „Videoscribing“. Mit dem Programm kann man Informationen mithilfe von Grafiksymbolen und Text visualisieren.

Der methodische Workshop „Medientechnologien in der Jugendarbeit“ wurde zu einer Plattform für den Austausch von Erfahrungen und wertvollem Wissen zwischen 50 Menschen aus fünf Ländern. Die Teilnehmer waren alle einzigartig – von professionellen internationalen Journalisten über Video- und Audiomacher bis hin zu erfolgreichen Bloggern mit mehr als 25.000 aktiven Abonnenten in sozialen Netzwerken.

Wir können sagen, dass wir die einmalige Gelegenheit hatten, interessante Menschen aus verschiedenen Ländern zu treffen und gleichzeitig unsere deutsche Sprache zu verbessern.

Maria Gorbacheva, Semey

 – Im Laufe des Projekts haben wir verschiedene Formen der Medientechnologie kennengelernt. Die Workshop-Referenten waren junge Leute, die sich mit ihrem Thema auskennen. Ein gutes Vorbild für uns war Faina Yunusova, die ihren Video-Blog auf YouTube-Kanal und Instagram-Profil führt. Sie teilte mit uns die Geheimnisse einer korrekten Darstellung von Informationen in sozialen Netzwerken. Gemeinsam haben wir einen Content-Plan für die Woche erstellt, für die von uns im Voraus erdachten Promotion-Ideen.

Ich interessierte mich für den Workshop zu einem für Journalisten sehr wichtigen Thema – „Aktuelle rechtliche Fragen der Medienarbeit in der Jugendarbeit“ mit dem Schwerpunkt Urheberrecht und Schutz personenbezogener Daten, das von Johanna Heil, der Leiterin des Jugendbund djo-Deutscher Regenbogen, geleitet wurde.

Die Workshops waren so durchdacht, dass wir das gewonnene theoretische Wissen sofort in die Praxis umsetzen und so das neue Material noch besser beherrschen konnten.

Abends gab es Bekanntschaften mit dem ethnokulturellen Leben der am Forum teilnehmenden Länder. Wir haben die Traditionen, Lieder und Tänze der Ukraine, Polens, Kasachstans, Russlands und Deutschlands kennengelernt. Dies war ein besonders wichtiger Moment für Delegierten aus Kasachstan, denn während des „Abend der Kulturen“ präsentierten sie die Arbeit der Jugendorganisation VDJK und der republikanischen Zeitung DAZ. Dann zeigten sie traditionelle kasachische Rituale, Tänze, nationale Gerichte und Süßigkeiten. Die Gäste der Veranstaltung waren positiv über die Auftritte der kasachischen Jugendlichen.

Konstantin Zaitsev, Karaganda

– Damit ging auch der Medienworkshop zu Ende, dank dem wir viele notwendige und nützliche Informationen erhalten haben. Aus Zeitmangel bleiben leider nicht besprochene Fragen.

Dies wird als Anreiz für ein eigenständiges Erlernen sowohl des Marketings als auch des Eintauchens in das Thema der digitalen Einflussnahme auf andere Berufe und Lebensbereiche dienen. Viele Informationen, in denen man etwas für sich finden können. Dieser Workshop war sehr informativ. In der modernen digitalen Welt ist gerade dieses Wissen nützlich, insbesondere wenn man sie von Profis erfährt. Die erworbenen Fähigkeiten können sicherlich nützlich sein.

Ich möchte auch anmerken, dass es uns durch dieses Training ermöglicht wurde, uns in der Praxis auszudrücken, situatives Denken zu entwickeln, das in jegliche Richtung sehr wichtig ist.

Die Teilnehmer sind dem Jugendbund djo-Deutscher Regenbogen, der Gesellschaftlichen Stiftung „Vereinigung der Deutschen Kasachstans „Wiedergeburt“ und der Vereinigung Deutscher Jugend Kasachstans für das Vertrauen dankbar. Alle Kenntnisse aus dem Projekt werden sicherlich Anwendung finden.

Der Preis des Theaters ist der Glaube der Zuschauer

Vertreter von fünf Städten und fünf deutschen Jugendvereinigungen sowie Aktivisten der deutschen Gesellschaft trafen sich im Haus der Freundschaft eines sonnigen Taraz.

Veranstalter eines dreitägigen Theaterworkshops waren die deutsche Gesellschaft „Wiedergeburt“ in Zhambyl und der deutsche Jugendclub „Juwel“ der Stadt Taraz. Als Redner traten berühmte und erfahrene Schauspieler aus dem russischen Dramatheater der Oblast Zhambyl in Taraz, Evgeny Orlov, Olga und Beknazar Izbasarov auf.

In diesen Tagen nahmen junge Künstler an diesem kreativen Prozess teil, entwickelten sich neu, erarbeiteten Werke plastischer Kunst, trainierten ihre Mimik, feilten an der Bühnenrede und tanzten. In so kurzer Zeit erhielt jeder von ihnen eine große Erfahrung, bekam die Gelegenheit, die besten Schauspieltechniken voneinander zu lernen, und lernte, mit völlig unbekannten Personen in einem Team zu arbeiten.

Am ersten Tag begegneten die jungen Schauspieler der Theorie, lernten die verschiedenen Sprachtechniken, eigneten sich die notwendigen Bewegungen und Gestik auf der Bühne an. Die Leiter des russischen Dramatheaters in Zhambyl teilten mit ihren jungen Kollegen das Erfolgsrezept einer guten Theaterproduktion. Vor allem lernten sie, Wissen in der Praxis anzuwenden.

Eine interessante Aufgabe vom Projektmanager war Folgende: mehrere Theaterzeichnungen in verschiedenen Genres zu präsentieren, die jedoch in kürzester Zeit durch ein gemeinsames Thema – „Weihnachten“ – vereint wurden.

Die Aufführung der fertigen Werke fand am letzten Abend des Theaterworkshops statt. Dank der harten Arbeit jedes Teilnehmers und der erfahrenen Führung der Schauspieler des russischen Dramatheaters wurden die Vorstellungen großartig gespielt. Jede Rolle ist bis ins Detail durchdacht, obwohl die Kostüme, Texte und Requisiten an nur einem Abend vorbereitet wurden! Es schien, dass die Aufgaben nicht umsetzbar waren, aber zusammengenommen schufen die jungen Künstler etwas Unglaubliches.

„Viele neue Bekanntschaften, Freunde und tolle Eindrücke. Ich habe auf meine Fehler geachtet und bekam Ratschläge, wie ich meine Rede verbessern kann. Vielen Dank an die Dozenten für ihre Geduld und ihr Verständnis! Ich freute mich sehr darauf, nach Taraz zu kommen, und meine Erwartungen an diesen Workshop wurden mehr als erfüllt. Jetzt verstehe ich, warum Taraz als die sonnigste Stadt unserer Republik gilt – eine Stadt, in der solche sonnigen Menschen wie sie, die Klubmitglieder der Jugendklubs „Juwel“, leben, so teilte Liana Barakat ihre Eindrücke (Vorwärts KDJ, Almaty).

„Vielen Dank an den Klub der deutschen Jugend“ „Juwel” für die Möglichkeit, an einem Theater-Workshop teilzunehmen, so viel Erfahrung zu sammeln und neue Bekanntschaften in anderen Städten zu machen. Ich möchte aber vor allem das genau durchdachte Programm und den Zusammenhalt des Organisationsteams erwähnen“, – Evgeny Zorkov (GUM „Glück“, Semey).

„Im Workshop hatten wir drei wundervolle Tutoren, die uns geholfen haben, wunderbare Mini-Szenen in verschiedenen Genres zu liefern. Ich war in einer Komödie aktiv, deren Leiter Beknazar Izbasarov war. Ich hoffe, dass es mehr von solchen Veranstaltungen geben wird. Ich werde definitiv daran teilnehmen“, – Alexey Svirsky (KDJ „Vorwärts“, Almaty).

„Das ist eine gute Erfahrung, die meine theatralischen Fähigkeiten weiter verbessern wird. Vielen Dank an unsere Dozenten, ein besonderes Dankeschön an Beknazar Turarovic Izbasarov, der unsere Gruppe leitete und unsere theatrischen Impulse in die richtige Richtung lenkte.“ – Stavr Muromtsev (CNM Juwel, Taraz).

„Die Jugendlichen aus dem Klub Taraz sind einer der positivsten, herzlichsten und charismatischsten Menschen, mit denen ich je gesprochen habe. Es gelang mir, die Leute aus anderen Städten kennenzulernen, über deren Artistik ich kaum überrascht war. Der Workshop war sehr produktiv. Meine schauspielerischen Fähigkeiten sprangen eindeutig auf ein höheres Niveau, für das ich mich wirklich bei den Dozenten bedanken möchte, die mich auf Fehler aufmerksam gemacht haben, die ich vorher garnicht bemerkt hatte. Ich möchte mich auch bei den Organisatoren der Stadt Taraz bedanken, die eine so großartige Idee hatten und denen die Gelegenheit nicht entging. Wir haben wertvolle Erfahrungen nach Almaty gebracht, die wir mit den Jugendlichen vor Ort teilen können. Dieses Projekt ist zweifellos eines der erfolgreichsten, an denen ich teilnehmen durfte und ich würde mir das nächste Mal wünschen, noch mehr neue Leute dafür zu gewinnen“, so Edan Gerlits (KDJ „Vorwärts“, Almaty).

Polina Cherepovskaya, Sabina Aliyeva, Angelina Golodova

Kommen Sie noch zu uns!

Der deutsche Jugendclub „Vorwärts“ in Almaty, veranstaltete am 9. Dezember eine Informationskampagne mit einer Reise in die Stadt Talgar. Das Treffen mit den Bewohnern fand in der Schule Nr. 5 statt, die seit vielen Jahren mit der ethnokulturellen Vereinigung „Wiedergeburt“ Almaty zusammenarbeitet und freundlicherweise Räumlichkeiten für die Deutschkurse, Kinderclubs und Feiertage zur Verfügung stellt.

Ziel der Reise war es, die Aktivitäten der Gesellschaft und des Jugendclubs zu popularisieren, die Aktivität zu steigern und neue Teilnehmer für die deutsche Selbstorganisationsstruktur zu gewinnen. Unser Berliner Gast, der Sprachassistent David Becker, hat an dieser Aktion teilgenommen. Wir durften sofort in die Sprache eintauchen und unser Deutsch auf die Probe stellen. Das Treffen mit den Bewohnern gab neue Bekanntschaften und fand in einer warmen, gemütlichen Atmosphäre statt.

Kristina Librikht und Elena Shumacher präsentierten die Gesellschaft und unseren Jugendclub und konzentrierten sich auf verschiedene Tätigkeitsbereiche und Entwicklungsperspektiven.

Ein Quiz machte beim Publikum einen besonderen Eindruck, dank dessen die Teilnehmer die Geschichte der Deutschen angefangen von der Mythologie bis zur Politik des modernen Deutschlands hin kennenlernten. Es war ein echter intellektueller Kampf! Jeder wollte ein Gewinner sein, aber schlussendlich gewann die Freundschaft! Das Treffen endete mit einer lustigen traditionellen deutschen Polka „Hacke Spitze“ und einer Kaffeepause, in der alle gemeinsam viele Themen diskutierten und auf interessante Fragen Antworten erhielten. „Kommen Sie noch (einmal) zu uns!“, riefen uns Senioren, Kinder und Jugendliche zu. Und dies zeigt vor allem, dass unsere Aktion ein voller Erfolg war.

Angelina Golodova

„Kranz der Freundschaft“

In der Mittelschule Nr.10 in Ridder fand das Fest der nationalen Kulturen statt.

Die Stadt Ridder war schon immer multinational. Hier leben Russen, Tataren, Deutsche, Kasachen, Tschetschenen, Ukrainer und andere ethnische Gruppen zusammen. Und das ist nicht überraschend, denn die Kultur der Kommunikation, der Toleranz, der Fähigkeit, Freunde zu finden und die Vertreter anderer Nationalitäten zu respektieren, wird in Kasachstan bereits im Kindesalter gepflegt. Die Mittelschule Nr. 10 unter der Leitung solcher wunderbaren Lehrer wie Assem Borisovna Agazhaeva und Lyubov Nikolaevna Mikulskaya kann zweifellos als multinational bezeichnet werden.

Das Freundschaftsfest wurde von Galina Michailowna Gilderman, einer Abgeordneten des Stadtrats, dem Vorsitzenden des Aufsichtsrats der Deutschen der Region Ostkasachstan, organisiert.

Die Vorbereitungsphase für die festliche Veranstaltung begann lange vor der Vorstellung, es wurden Szenarien erstellt, Rollen verteilt, Eltern konsultiert und Rezepte der nationalen Küche erarbeitet. An der Organisation nahmen Eltern und Lehrer sowie Kinder teil. Während der Vorbereitungen für das Festival lernten die jungen Leute Volkstänze, nationale Kleidung, Küche und Besonderheiten der Traditionen kennen. Es wurden Trachten präsentiert, eine Ausstellung von Gerichten jeder ethnischen Gruppe wurde vorgestellt.

Gäste und Eltern wurden von Mädchen in kasachischen Kostümen mit Baursakis und jungen Damen in russischen Kostümen mit rosigen Pfannkuchen empfangen.

Mit einer Begrüßungsrede vor dem Publikum sprach man auf dem Festival in drei Sprachen und betont die Bedeutung der bevorstehenden Feier. Die Teilnehmer präsentierten russische, tatarische, usbekische, ukrainische, deutsche, jüdische, kosakische und tschetschenische Familien, sprachen über die nationale Kultur – Traditionen und Bräuche, Volksfeste und angewandte Kunst. Es gab Lieder und Tanzeinlagen.

Und welches Aroma von den nationalen Gerichten entstand! Plov, deutsche Kuchen, tatarisches „Kainar“, „Chak-Chak“, tschetschenisches „Cepal“ und „Hingalsh“ – Fladenbrot mit Kürbis und Quark, kasachischer Beshbarmak, Kurt, Koumiss, ukrainische Mehlklöße mit Sauerrahm, jüdisches Forshmak und usbekische Samsa mit flachem Fladenbrot und vielen anderen Gerichten wurden entsprechend den nationalen Traditionen ihrer Zubereitung präsentiert.

Schüler der Mittelschule Nr. 10 konnten unter der Leitung der kreativen Gruppe von Lehrern und Eltern ein vielfältiges, förderndes und emotionales Programm vorbereiten: musikalische und literarische Kompositionen, Lieder, Gedichte, Tänze, die die Kultur der Nationen widerspiegelten. Die originelle und einzigartige Performance des tschetschenischen Ensembles faszinierte alle Teilnehmer, Zuschauer und Gäste!

Die von den talentierten Lehrern O. N. Tishenko, Leiter des Vokalensembles „Böhnchen“, Ya. Krekova, Leiter des choreografischen Ensembles „Reverance“, L. N. Mikulskaya, Schulleiter für Unterrichtsarbeit, vorbereitete kreative Parade, endete mit der musikalischen Komposition „Ich, Du, Er, Sie – sind zusammen eine Familie! “, Symbol für die Einheit der Nationen. Die Vorsitzende der Festivaljury, Galina Gilderman, überreichte allen Teilnehmern Urkunden.

Es ist bemerkenswert, dass für ein solches Zusammenkommen der nationalen Kulturen eine Festivalform gewählt wurde, keine Konkurrenzform. Hier wurden die Gewinner nicht ausgezeichnet, die Preisträger wurden nicht erwähnt, aber jede Gruppe wurde geehrt. Das Festival erzeugte eine sehr warme und heimische Atmosphäre, gerade in der Zeit wo doch so viele interethnische Konflikte in der Welt aufflammen.

Schüler, Lehrer, Eltern und Gäste der deutschen Gesellschaft „Wiedergeburt“ trafen sich zu einem gemeinsamen Tanz, bei dem sich jeder als Teil einer großen Familie namens Kasachstan fühlte!

Quest „Der Ruf der Macht“

Eine der hellsten und exzentrischsten Veranstaltungen „Kasino Abend“, die von Darya Barsukova organisiert wurde, fanden im Club der deutschen Jugend „Juwel“  statt. Extravaganz und Originalität, ein ungewöhnlicher Ansatz und … nunja, alles der Reihe nach.

Zwei Monate vor der Veranstaltung wurde das Questspiel „Der Ruf der Macht“ veröffentlicht, an dem jeder teilnehmen konnte. Dies ist ein in engen Kreisen bekanntes Projekt, dessen Ziel es ist, die deutsche Kultur und Sprache unter Jugendlichen zu popularisieren und zu entwickeln.

Während des gesamten Spiels war es notwendig, verschiedenste Fragen zu beantworten, die sich auf Deutschland, die deutsche Filmindustrie, Kultur, Kunst und viele andere beziehen. Für die richtigen Antworten erhielten die Teilnehmer Likes (eine spezielle Währungseinheit des gesamten Spiels). Die letzte Etappe war der thematische „Kasino Abend“.

„Während der Teilnahme an der Suche habe ich viele neue und interessante Dinge gelernt. Das Belohnungssystem für die richtigen Antworten beeinflusste die Entwicklung der Veranstaltung effektiv, wodurch jedes davon immer interessanter wurde. Es war sehr faszinierend, an der Präsentation der Werke teilzunehmen, die wir seit zwei Monaten vorbereitet hatten “, sagte Adeline Mukhamedyanova.

Avenir Vorobyov, einer der Gruppenanführer der Suche, teilte auch seinen lebhaften Eindruck: „Ich hatte das Glück, Mitglied des spannenden Themenabends „Der Ruf der Macht“ zu werden. Ich bin neugierig und habe es sehr genossen, nach Antworten auf kunstvoll gestaltete Rätsel und Fragen zu suchen. Ich war besonders begeistert von der Party im Stil des 20. Jahrhunderts. Die Organisatoren haben es geschafft, die Atmosphäre der 60-er und 70-er Jahre mit Musik und Tanz zu schaffen.“

Rosa Steinmark

Rosa Steinmark ist Journalistin, Drehbuchautorin und Poetin. Sie wurde am 9. Januar 1951 in dem Dorf Kamyschi nicht weit von der Stadt Slawgorod in der Region Altaj geboren.Sie schreibt Gedichte, Theaterpublikationen, Drehbücher für Dokumentarfilme, Artikel über das Leben unserer Zeitgenossen. Sie hat an der pädagogischen Hochschule Novosibirsk am Lerhstuhl der deutschen Sprache und deutscher Literatur studiert, im Kurs des russisch-deutschen Schriftstellers Viktor Klein. Von 1981 bis 1992 war sie Leiterin des Literaturbereichs des einzigen deutschen Theaters der Nachkriegszeit. Gleichzeitig studierte sie Theatergeschichte und Dramaturgie in den Seminaren des Kleinen Theaters in Moskau, am Staatstheater Riga und in Deutschland. Von 1990 bis Dezember 2000 arbeitete sie als Fernsehjournalistin, Chefredakteurin und Leiterin des deutschen Programms „Guten Abend!“ des staatlichen Fernsehsenders „Kasachstan 1“. Heute lebt sie in Deutschland. Sie ist Dozentin in den Integrationskursen des Ausbildungszentrums für Jugendliche und Erwachsene (BIMS) in Münster.

Erster Advent in Karaganda

Ilona Martynenko

 Im Erwarten der Weihnachtsfeiertage bereiteten der deutsche Jugendclub der Stadt Karaganda und das deutsche Zentrum „Wiedergeburt“ ein reichhaltiges Programm vor.

Am Sonntag hielt der Familienclub einen Unterricht zum Advent und seinen Besonderheiten ab. Die Kinder lernten die wichtigsten Traditionen des Festes kennen, was die Kerzen im Kranz bedeuten und vieles mehr. Familien Clubmitglieder lernten auch viele neue deutsche Wörter an Weihnachten und sprachen darüber, wer Christkind und der Weihnachtsmann sind. Traditionell wurde die erste Kerze im Weihnachtskranz angezündet. Dann eröffnete sich der jährliche Weihnachtsmarkt im deutschen Zentrum, an dessen Organisation sich aktiv die Jugendlichen des deutschen Jugendclubs Grashüpfer beteiligten. Die Besucher kauften mit Freude die verschiedenen von ihnen zubereiteten Süßigkeiten. Das Geld aus dem Verkauf wurde für die Organisation eines festlichen Abendessens für den Senioren Klub  eingesetzt. Auf dem Weihnachtsmarkt wurden auch verschiedene Handwerke von Handarbeitern der Stadt Karaganda präsentiert. Man fragt sich, was denn nicht alles vorgestellt wurde. Weihnachtsschmuck, Spielzeug, Puppen, Becher mit dekorativen Elementen und vieles mehr. Und das alles fand in gemütlicher Atmosphäre mit schöner Weihnachtsmusik statt! Sowohl die Handarbeiterinnen als auch die Besucher schätzten die Idee und den Organisationsgrad der Veranstaltung.

Advent in Pavlodar

Lyudmila Bevz

 Wir kommen doch alle aus der Kindheit … aus der Welt der Güte und Liebe, Wünsche und wundervollen Märchen. Besonders feinfühlig für Wunder und märchenhafte Atmosphäre an den Feiertagen sind die Deutschen in Kasachstan. Sobald der erste Sonntag im Dezember eintritt, beginnen in allen Familien die Rätsel der Vorbereitung auf die Weihnachtsfeiertage, und das nennt sich Advent.

Das Wort selbst stammt aus der lateinischen Sprache und bedeutet übersetzt „Erwarten“. Der Advent dauert vier Wochen und jeden Sonntag im Dezember wird auf einem grünen Nadelkranz (Adventsymbol), der mit roten und goldenen Bändern umwickelt ist, eine Kerze angezündet. Am vierten Sonntag leuchtet die letzte auf und am Weihnachtsabend leuchten alle vier Kerzen am Kranz. Je näher das Weihnachtsfest ist, desto stärker ist das Gefühl des bevorstehenden Festes. Ebenso wird in jeder deutschen Familie eine neue Hoffnung geboren, die Freude an der Geburt Christi, das Vertrauen auf seine Kraft und seinen Trost.

Für die Pavlodaer regionale Gesellschaft „Wiedergeburt“ zündete die stellvertretende Vorsitzende der Gesellschaft Olga Wladimirowna Litnewskaja eine Kerze, mit Wünschen zur Güte und Erfüllung von Wunder, dem Glauben an die Zukunft, dem Streben nach Frieden und dem Warten auf das Weihnachtsfest, an.

„Ich möchte sie alle erfeuen, dass auch in Deutschland nun der Advent zusammen mit dem Arbeitskollektiv gefeiert wird. Damit stärkt man die Förderung der deutschen Kultur und Traditionen. Wir alle wollen in Wohlstand und im Streben nach Besserem leben, und deshalb geben wir unser Licht von der angezündeten ersten Kerze an euch alle. Zünde jeden Sonntagabend eine neue Kerze an. Lassen Sie die Wärme Ihres Zuhauses, im Finsteren Verlorenen spüren und erwärmen.“

Nachdem wir den Film „Der erste Adventkalender“ gesehen hatten, konnten wir uns in einem echten Adventskalender, in Form eines Schlosses, wiederfinden, begleitet von einer Musikgruppe. Ich muss sagen, es war ein abenteuerliches Erlebnis. Da müssen sich die Kinder aber freuen, wenn sie ein weiteres Fenster im Kalender öffnen und Süßigkeiten, ein Spielzeug oder eine andere Überraschung finden! Ich stelle fest, dass die Anwesenden etwas über die verschiedenen Arten und Formen der Adventskalender erfahren haben – neben den traditionellen Fenstern können sie auch Schachteln, Taschen, Umschläge und Aufkleber selbst gestalten. Die Kalender selbst können flach, kegelförmig sein, in Form eines Bagels, sogar Kindersocken und Handschuhe kann das wunderbare Verlangen der Erwachsenen, dem Kind eine Freude zu bereiten, dazu ermutigen, an ein Märchen zu glauben und es lange in seinem Herzen zu behalten.

Als die Gastgeber ankündigten, dass in der ersten Adventswoche ein wundervoller Feiertag, Nikolaustag oder Nikolaus, stattfinden würde, wurde den Kindern klar, dass sie jede Woche von unerwarteten Überraschungen erfreut werden. Nun waren die Kreativität der Erwachsenen gefragt – Sie müssen doch irgendeine tolle Überraschung vorbereiten …Die Kursteilnehmerin Natalia Gilmaltdinova begeisterte die Anwesenden mit einer emotionalen Lektüre eines deutschen Gedichts über Nikolaus. Das Fest schmückte eine Ausstellung von Weihnachtshandwerken von Kindern erstellt (geleitet von Lyudmila Mints), interessante Geschichten über Traditionen, Legenden, Weihnachtsmotive, Gedichte, verschiedenen Weihnachtskränze und die Entstehungsgeschichte der Weihnachskrippe. Aber was für ein Fest ohne Lieder? Mit dem Akkordeon in den Händen der talentierten und musikalischen Irina Snezhkova, erklang das Lied „Weihnachten ist nicht mehr weit“, gesungen von der Gesangsgruppe der deutschen Gesellschaft „Wiedergeburt“ „Nette Frauen und brave Männer“, die das Publikum mit Begeisterung und Applaus unterstützten. Die Stimme der Solistin der Jugendgruppe „Wir“, Anastasia Mints, die ihre Lieblings-Weihnachtslieder sang, sang mit dem gesamten Publikum mit. An diesem Abend zeigten sich die Deutschlehrer in einer neuen Rolle – Irina Andreeva, Olga Yatsyshina fungierten als Moderatoren, Nadezhda Stepanova, Ayman Aubakirova, Ademau Akylbekova, Natalya Kolotova als Leiter. Die Kursteilnehmer Makhabbat Amirgalinova, Yuri Shits, Konstantin Muravsky, die Lehrer Meyramgul Ramazanova und Larisa Novikova bereiteten Gedichte über die wundervolle Vorweihnachtszeit vor.

Frohe Weihnachten liebe Deutsche aus Pavlodar! Unvergessliche Eindrücke und Überraschungen erwarten Sie in den Nominierungen „Bester Brief an den Weihnachtsmann“ und „Bestes Weihnachtsrezept“.

Erfahrungsaustausch

Nadezhda Friesen

 In Astana fand das Fortbildungsseminar „Netz der Begegnungszentren“, an dem Vertreter deutscher Kulturzentren aus der ganzen Republik teilnahmen, statt.

Während der Veranstaltung wurden Themen erörtert, die für den Erhalt der ethnischen Einheit äußerst relevant sind: ethnische Geschichte, Traditionen und Bräuche, nationale Küche, deutsche Trachten. Es fanden Workshops: Handarbeit und Backen von weihnachtlichen Lebkuchenhäuschen statt. Der praktische Unterricht wurde in Gruppen geführt. Alle versuchten, die Aufgaben so kreativ wie möglich zu lösen. Für alle waren sie aufregend und interessant. Die Organisatoren, Elena Shepel und Yulia Sarzhanova, setzten das Projekt auf höchstem Niveau und äußerst professionell um.

Nadezhda Karepanova, Vertreterin des deutschen Zentrums Ridder: „Ich arbeite seit 17 Jahren in der Filiale und habe viele Male an verschiedenen republikanischen Seminaren teilgenommen. Heute hat mir der hilfreiche und informative Inhalt besonders gut gefallen. Die im Workshop gesammelten Informationen sind für die Durchführung von Veranstaltungen vor Ort in den Besprechungszentren von besonderer Wichtigkeit.“ Lilia Goncharuk, Vorsitzende der regionalen Gesellschaft der Deutschen in Semey: „Es wurde eine Vielzahl von Projekten vorgeschlagen, die die Idee des „deutschen Themas“ näherbrachten. Jede Gesellschaft arbeitet nach ihren eigenen Plänen, verfolgt Ziele, und pflegt unterschiedliche Ansätze für ihre Umsetzung. Während des Seminars haben wir viele hilfreiche Tipps erhalten, wie man die deutsche Identität erklären kann, eine Chronik über ihre Entstehung aufstellen, und die Wiederaufnahme bestimmter Lebensstile des deutschen Volkes in unser aktuelles Leben. Die Durchführung solcher Seminare gibt nicht nur Wissen und Fähigkeiten in der beruflichen Ausbildung, sondern bietet auch die Möglichkeit, zwischen Vertretern deutscher Zentren in verschiedenen Teilen unseres Landes zu kommunizieren, Erfahrungen auszutauschen.

Wir sind wenige, aber wir sind eins!

Dmitrij Shinkarenko

Werden die deutschen Völker der westlichen Region ihre Sprache und Kultur bewahren können? Bislang ist die westliche Region Kasachstans im Hinblick auf die Entwicklung der deutschen Volksgruppe noch wenig erforscht. Es wurden einige Versuche unternommen, den Prozess ihrer Umsiedlung in diesen Teil des Landes zu verstehen, aber bisher gab es keine umfassenden Forschungen, die die aktuelle sowie die historische Situation der Deutschen widerspiegeln würde.

„Leider gibt es erhebliche Lücken in der Geschichte der Deutschen Westkasachstans. Es ist bekannt, dass die erste Erwähnung dieses Volkes auf die Mitte des 18. Jahrhunderts zurückgeht, als mehrere Dutzend Adlige beschlossen haben, sich im Gebiet der Provinz Orenburg niederzulassen“, erzählt die Historikerin und Professorin der kasachisch-deutschen Universität Tamara Volkova, „Einhundert Jahre später bildeten sich fast überall in Kasachstan deutsche Bauernsiedlungen.“

Motivation für Sprache und Kultur

In den vergangenen Tagen versammelten sich in Atyrau nicht nur führende Vertreter der westlichen regionalen Wiedergeburt-Gesellschaften, sondern auch Koordinatoren für Sprach-, Bildungs- und Informationsarbeit, Mitglieder des Aufsichtsrats der gesellschaftlichen Stiftung „Wiedergeburt“, Vertreter der DAZ, Vertreter der deutsche Organisation aus Omsk, Vertreter des VDJK und das Sekretariat der Volksversammlung Kasachstan in der Region Atyrau und die ethnokulturellen Vereinigungen. In diesem Format fand das Treffen übrigens zum ersten Mal statt. Ziel dieser Veranstaltung bestand nicht so sehr darin, die Probleme der Entwicklung des deutschen Volkes in Westkasachstan zu identifizieren, sondern vielmehr nach Lösungsmöglichkeiten zu suchen.

„Dies ist unter Berücksichtigung der Besonderheiten aller Regionen ein ziemlich aktuelles Thema. In Atyrau leben jetzt etwa 400 Deutsche. Wenn es nur so wenige von uns gibt, geht das Interesse und die Motivation für Sprache und Kultur leider irgendwann verloren. Die nationale Identität wird verwischt.“, gab der Abgeordnete des Parlaments und ehemalige Vorsitzende der Gesellschaft „Wiedergeburt“ der Region Atyrau Alexander Dumler zu Bedenken.

Der derzeitige Vorsitzende Oleg Shmal stimmt ihm zu:

„Unsere Gesellschaft ist zwar klein, aber zielstrebig. Die Deutschen haben ein großes Verlangen danach, die Sprache zu lernen und ihre Kultur zu erhalten. Leider hatten wir bisher nicht einmal Deutschkurse einführen können. An unserer Universität gibt es eine Abteilung für Deutsche Sprache in der Fakultät für Fremdsprachen, aber die Lehrer durchliefen seit langem keine Fortbildungen mehr.

Wie die Sprachkoordinatorin Svetlana Shubina erklärte, ist die Stiftung bereit, die Lehrer in Atyrau methodisch zu unterstützen und sie bei der Antragsstellung und der Organisation der Kurse in jeder Hinsicht zu unterstützen.

Bemerkenswert ist, dass die interessante Sprache Goethes, Vertreter anderer Nationalitäten und die jüngere Generation nicht kalt ließ. Sie sahen darin eine Perspektive für ihren persönlichen Karriereaufbau.

„Ich habe Verwandte in Deutschland und habe daher die Möglichkeit, dort in Zukunft zu studieren. Wir wissen ganz genau, dass die Hochschulbildung in diesem Land eine der besten der Welt ist. Dies gilt insbesondere für technische Spezialitäten. Die Region Atyrau benötigt hochwertige Fachkräfte, die an deutschen Universitäten ausgebildet werden können. Ich hoffe, dass ich auch einer von ihnen sein werde.“, sagte der Vertreter des ukrainischen Kulturzentrums Bogdan Shevchenko.

Vertreter der deutschen Gesellschaften aus den Regionen Aktobe und Mangystau teilten ihre Erfahrungen mit ihren Kollegen aus Atyrau. Insbesondere in der Region Aktobe, in der rund 5.700 Deutsche leben, wird mit Schulen und Universitäten zusammengearbeitet, Begegnungszentren gegründet und Sozialarbeit geführt, und junge Menschen sind dabei aktiv beteiligt.

„An den beiden Veranstaltungstagen habe ich zahlreiche Ratschläge dazu bekommen, in welcher Richtung wir arbeiten sollten. Es ist klar, dass diese Fragen nicht von heute auf Morgen geklärt werden können, denn alles muss abgewogen und erörtert werden. Doch eines kann ich sicher sagen: Die Arbeit der deutschen Gemeinschaft in Atyrau wird nicht nur auf dem Papier stehen, sondern sie wird unsere Kultur aktiv beleben und fördern. Wir werden Traditionen pflegen und versuchen, Deutschkurse zu organisieren “, sagte Oleg Schmal, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft „Wiedergeburt“ in Atyrau.

Festtage in Kyzylorda

Im Haus der Freundschaft der Stadt Kyzylorda organisierte das regionale deutsche Zentrum „Wiedergeburt“ das „Erntedankfest“.

Der kreative Wettbewerb der besten Bastelwerke aus dem herbstlichen Obst und Gemüse wurde dem Publikum präsentiert. Vertreter anderer ethnokultureller Zentren der Region kamen zum Fest, um den Mitgliedern des deutschen Zentrums zu gratulieren und am Wettbewerb teilzunehmen.

Während der Veranstaltung hatte die Gastgeberin, die Vorsitzende des regionalen deutschen Sozial- und Kulturzentrums „Wiedergeburt“ Irina Shek, die Gewinner mit Ehrenurkunden ausgezeichnet.

Das Erntedankfest ist bereits seit der Antike eine Tradition des Dankens der Natur für die Ernte, die an die Menschen gegeben wird. Dieses Fest in Deutschland wird in jedem Land nach regionalen, meist ziemlich unterschiedlichen Traditionen gefeiert. Lange Zeit dachte man, es sei zu diesem Fest notwendig, den Geist der Ernte herbeizurufen.

Heutzutage wird das Erntedankfest in Deutschland anders gefeiert, eher „symbolisch“ – wie ein Festival, deren Symbole Obst und Gemüse sind. Häuser und Wohnungen sind mit Kränzen, Früchten, Trauben, Girlanden und leuchtendem Herbstlaub dekoriert. Kinder warten immer auf dieses Fest. Erwachsene lieben es in diesen Tagen, sich zu erholen und sich ab und zu ein Bier zu gönnen.

Alljährlich finden Ausstellungen statt, bei denen Landwirte ihre Leistung und Errungenschaften vorstellen. Sie freuen sich, Rezepte traditioneller Gerichte zu teilen und Arten des Anbaus von Gemüse und Früchten weiterzugeben. Traditionell verbindet dieser helle, fröhliche und laute Feiertag die Menschen und ist eine großartige Möglichkeit, um interessant und fröhlich Zeit zu verbringen. In Deutschland wird jedes Fest von Liedern, Tänzen und Spaß begleitet.

Leo Schik

Leo Bogdanowitsch Schik ist eine öffentliche und staatliche Persönlichkeit. Er wurde am 30. April 1934 in dem Dorf Baranowka im Kreis Nikolaew im Gebiet Stalingrad (Heute Wolgograd) geboren. Im Jahr 1956 schloss er die pädagogische Hochschule Ust-Kamenogorsk ab, danach arbeitete er als Erzieher und Schulleiter der Kinderhäuser von Schemonaichinsk. Anschließend wurde er als erster Sekretär des Bezirkskommittees des Komsomol Schemonaichinsk aufgestellt. Bis zum Jahr 1963 arbeitete er als Lehrer für Deutsch an der Schule namens Ju. A. Gagarin, danach war er in der Parteiarbeit beschäftigt. Mehr als neun Jahre lang war er zweiter Sekretär des Bezirkskommittees der Partei in Bolschenarymsk. Von 1986 bis 1995 war er Leiter der Lichtspielverwaltung, er war ein Musterschüler der Kinematografie. Von 1995 an leitete er das Sekretariat des Ensembles der Völker Kasachstans VKO für mehr als zehn Jahre. Heute arbeitet er als Koordiantor des regionalen Hauses der Freundschaft, dessen Eröffnung er im Jahre 1992 initiiert hat.  Er ist ausgezeichnet mit der Urkunde des Präsidenten der Republik Kasachstan, dem Orden „Dostyk“ und der „Goldmedaille“ des Ensembles der Völker Kasachstans. Für besondere Dienste und einen bedeutenden Beitrag in der sozialwirtschaftlichen Entwicklung des regionalen Zentrums erhielt er den Titel „Ehrenvoller Bürger der Stadt Ust-Kamenogorsk“.

Viktor Strek

Viktor Streck wurde im Jahr 1963 in der ASSR Komi geboren. Seine Kindheit verbrachte er in der westsibirischen Stadt Omsk. Im Jahr 1981 zog er nach Kirgisien. Er studierte an der Fakultät für Journalistik an der staatlichen kirgisischen Universität in der Stadt Frunse. Er arbeitete in der jungen republikanischen Zeitung. Seit 1988 lebt er in Deutschland und ist im Verlagswesen beschäftigt. Er ist Autor des Romans „Heimat ist ein Paradies“, in welchem der Romanheld ein Deutscher aus Russland ist.

Das Buch war ein Erfolg. In den ersten zwei Wochen wurden alleine in Österreich hunderte Bücher verkauft. Bestellungen kamen sogar aus Ländern wie Argentinien, die Vereinigten Staaten oder Frankreich.

Besonders positiv wurde das Buch von den Russlanddeutschen aufgenommen. Und das ist nicht verwunderlich, so werden doch in dem Buch nicht nur zeitgenössische Probleme behandelt, sondern auch tragische Ereignisse der Geschichte, welche in den Erinnerungen der älteren Generation noch immer weiterleben. Die grundlegende Idee des Buches von Viktor Strek ist, das Wichtigste aufzuzeigen, was alle Deutschen verbindet, unabhängig davon, wo sie geboren sind. In dem Roman werden eine Reihe schwieriger Probleme aus dem Leben der zeitgenössischen deutschen Gemeinschaft angeschnitten, welche jeden betreffen.

Viktor Strek: „Obwohl das Buch für eine große Leserschaft geschrieben wurde, richtet es sich auch an meine lieben Landsleute. Es soll ihnen helfen, wenn man so glauben mag, auf die einfachen Fragen zu antworten: Wer sind wir? Warum leben wir? Das setzt sich alles aus meinen Gedanken zusammen. In jedem von uns glimmt eine unerbittliche Sehnsucht nach genau der Heimat, wo jeder von uns sich wie ein Teil einer großen Familie fühlen kann“.

Maria Schefner

Maria Schefner wurde in Kasachstan geboren, sie ist von Beruf Ökonomin, sie hat das finanzökonomische Institut Moskau abgeschlossen. Sie hat lange Zeit in Kostanai gearbeitet. Im Jahr 1998 emigrierte sie nach Deutschland. Sie schreibt Gedichte und Prosa auf Russisch und Deutsch: über Liebe und Glück, über Enttäuschungen und Verluste. Maria beschäftigt sich aktiv mit  Übersetzungen, sie ist Mitglied der Literaturgemeinschaft der Deutschen aus Russland und der Partnerschaft der russischsprachigen Schriftsteller Deutschlands. Sie veröffentlicht regelmäßig in periodischen Werken und organisiert Lesungen russisch-deutscher Autoren in Bayern. Sie ist Autorin der poetischen Sammelbänder „Visokosnyj god“ und „Za kolkoj ostju“.

Vom Leben in Kasachstan blieben Maria Schefner die aller wärmsten Impressionen, in einem der Interviews mit der „Deutschen Allgemeinen Zeitung“ erwähnte Maria: „Ich bin in Kasachstan geboren und lebte dort praktisch mein ganzes Leben bis zur Übersiedlung nach Deutschland. Mein Kasachstan, das ist für mich das Neue Land, grenzenlose, gräserne Steppen, wolkenloser, blauer, weiter Himmel… Meine Kindheit verbrachte ich in einem der Siedlungen der Neulandgewinner, später zog meine Familie nach Kustanai um. Ich kann wohl sagen, dass mich die Nähe zu meiner Familie und auch zu diesem Land als Mensch geformt hat. Doch die Leute, mit denen sich ein Mensch anfreundet, die Luft, die er atmet, das Wasser, das er trinkt, das ist alles die Erde, das ist das Land, in dem man lebt. Ich liebe Menschen, die auf dieser Erde nicht nur dafür leben und arbeiten, um fabelhaft reich zu werden, sondern, um die Erde schöner zu machen. Menschen, denen die raue Natur gelehrt hat, sich gegenseitig zu helfen, und sich nicht gegenseitig zu beneiden, sich über das Kleine zu freuen und mit den Nächsten das Beste und das Letzte zu teilen, Menschen, die bescheiden und besonnen leben, aber im Guten und in gegenseitiger Liebe: mit ihnen wird es wärmer auf dieser Welt. Ja, unter solchen Menschen bin ich aufgewachsen und ein Mensch geworden. Und auch Poetin“.

Trotz ihres Berufes als Ökonomin bevorzugt Maria die Sprache der Poesie. Ihre erste Veröffentlichung erschien im Jahre 1986 in der Zeitung des Gebietes Kustanai „Der Weg Lenins“. In Deutschland führt Maria ihre schöpferische Tätigkeit fort. Als Mitglied der Literaturvereinigung der Deutschen aus Russland und der Arbeitsgemeinschaft der russischsprachigen Schriftsteller Deutschlands macht Maria Schefner die Werke der russisch-deutschen Schriftsteller bekannt. Mit einer kleinen Anzahl Enthusiasten findet in München regelmäßig ein Literaturklub statt, in dessen Rahmen die Gäste die Werke der russisch-deutschen Schriftsteller kennenlernen. „Ich versuche, den Kontakt mit den Autoren aus den Ländern der ehemaligen Sowjetunion aufrechtzuerhalten und die Bürcher Münchens mit ihrem Schaffen bekannt zu machen. Mein Beitrag zu dieser nicht gerade leichten Sache ist noch sehr bescheiden, mit einer Gruppe von Enthusiasten haben wir in München einen Literaturklub organisiert. Uns haben mit ihren Werken bereits Agnes Gossen (Gisbrecht), Reinhold Ljajs, Bela Jordan, Waldemar Luft, Max Schatz, Andreas Peters und andere Autoren besucht.

Wir führen unsere Treffen auf deutscher und russischer Sprache durch, abhängig davon, auf welcher Sprache unser Gast schreibt. Unter den Landsmännern ist das Interesse an den Werken unserer Autoren sehr groß, aber wir betrachten es als unsere Aufgabe, umfassender auch den lokalen Leser zu diesen Treffen anzuziehen, daher haben wir noch einen Haufen Arbeit vor uns. Unsere Hauptaufgabe besteht darin die Völker von Deutschland und Russland näher aneinander zu bringen, und uns nicht durch die russische Kultur und Sprache von Deutschland abzusondern“.

Eine Chance für die deutsche Sprache

Walerij Schewalje

In Astana fand am 29. November die Internationale Sprachkonferenz „Deutsch: Herausforderungen und Perspektiven des Lernens in Kasachstan“ statt

Der Abgeordnete des Unterhauses (Mäschilis) des Parlamentes der RK und Vorsitzende des Kuratoriums der öffentlichen Stiftung „Wiedergeburt“ Albert Rau, der außerordentliche und bevollmächtigte Botschafter der BRD in Kasachstan Tino Klinner, die Vertreter der Bildungssparten des Ministeriums für Bildung und Wissenschaft der RK, der Nationalen Akademie für Bildung namens Altynsarin, des wissenschaftlich-praktischen Zentrums der Republik „Uchebnik“ des MON der RK, des Zentrums des pädagogischen Handwerks AOO „Nasarbaew Intellektuelle Schulen“, die Aktiengesellschaft Nationales Zentrum für Weiterbildung „Orleu“, des Goethe-Instituts, der Schuldirektoren, Deutschlehrer und die Mitglieder der Stiftung „Wiedergeburt“ betonten einstimmig die  Bedeutung und Aktualität der wachsenden Probleme im Alltag der deutschen Ethnie in Kasachstan. Als Ergebnis der Diskussion wurde eine Resolution verabschiedet, als Hauptpunkt wurde kategorisch und präzise ein Datum hervorgehoben. Ab dem ersten September 2019 soll in den Schulen des Landes Deutschunterricht für Schüler von der ersten bis zur vierten Klasse beginnen. Aber alles nach der Reihe.

Kasachisch und Russisch: Ja! Aber das Erlernen von Englisch oder Deutsch sollte für die Eltern oder Schüler zur Wahl stehen. Als die Entscheidung zum Übergang zur dreisprachigen Schule getroffen wurde – Kasachisch, Russisch, Englisch – wurde die inländische Bildung attackiert und die Zielsetzung schon bald verwässert. Der Akzent wurde darauf gelegt, das die dritte Sprache in einer Gesamtschule auf jeden Fall Englisch sein sollte. Zumindest aus dem Grund, da einige Lehrfächer in den höheren Klassen auf Englisch unterrichtet werden sollen. In Ordnung. Aber niemand ist dazu gekommen oder hat es gewagt, zu sagen, dass eine solch eindeutige Entscheidung in der Angelegenheit gegen die Gesetze unseres Landes verstößt, insbesondere gegen die Konvention zum Schutz der Rechte der Kinder unserer Republik. Es zeigt sich, dass kein Licht am Ende des Tunnels zu sehen ist, eine überwältigende Mehrheit von Deutschlehrern begann eilig auf Englischunterricht umzuschulen, oder haben direkt den Beruf aufgegeben. Das seit Jahrzehnten bewährte System des Deutschunterrichts begann vor unseren Augen zusammenzubrechen. Pädagogen kündigten, Lehrbücher und methodische Lehrmittel verschwanden, niemand blieb zum lernen übrig. Das Drama verschlimmerte sich mit jedem Jahr und nahm die Form einer Sprachtragödie an. Und inzwischen verlief alles überhaupt nicht nach Plan. Wie sich herausstellte, gibt es keinerlei „Verpflichtung“ den Unterricht der höheren Klassen in Chemie, Biologie, Physik oder anderen Fächern ausschließlich auf Englisch zu halten. Und die gab es nie! Jeder Schüler kann nach seinem Wunsch in diesen Fächer auf Russisch oder Kasachisch lernen, abhängig davon, auf welche Schule er geht. Für viele Teilnehmer der Konferenz wurde diese Information zu einer sensationellen Offenbarung. Tatsächlich ist die Erklärung schnell gefunden: falsch verstanden, wenig propagiert und beworben, sich nicht damit auseinandergesetzt…

Natürlich, alles auf einmal aufzubauen ist einfacher und billiger, als einen praktisch individuellen Ansatz für jedem Schüler zu realisieren. Es ist teuer, kompliziert, es gibt viele Unstimmigkeiten und andere technische Belastungen. Aber das Gesetz muss in seinem ganzen Umfang angewendet werden, und nicht nach dem Anteil von Belastungen und Möglichkeiten.

Die Bemühungen gehen in erster Linie auf Albert Rau zurück, in diesem Jahr liefen die Dinge in die entgegengesetzte Richtung: Das kategorische Wort „Englisch“ wurde im Gesetz durch den diplomatischen Begriff „Fremdsprache“ ersetzt.

Aber wie schaffen wir es zurück auf den Stand von wenigstens des letzten Jahrzehnts und beginnen erneut, Deutsch zu lernen?

Nun, warum „beginnen“? In vielen Gymnasien und Hochschulen des Landes hat man nicht zerstört, was in vielen Jahren erarbeitet wurde, man hat alles so gelassen wie es war: Die Lehrkräfte bei gleichem Gehalt,

die Unterrichtseinheiten sind praktisch gleichgeblieben, Lehrbücher hat man aus Deutschland schicken lassen, Bücher wurden bei Verlagen mit Weltruf bestellt. Das heißt, in diesen tapferen Schulen lernen unsere Kinder Deutsch mit genau den gleichen Lehrbüchern, wie auch in vielen entwickelten Ländern der Welt. Und sie meistern die Programme ausgezeichnet, auch wenn diese den Expertisen der staatlichen Stellen nicht genügen. Man sollte anmerken, das Wort „Expertise“ fiel auf der Konferenz häufiger, als „Kinder“, „Lehrer“ oder „das Recht der Wahl“. Aber dies ist eine Zeit des Umbruchs. Und nicht nur für die Bürokraten des Bildungsministeriums, sondern für uns alle. Die Begutachtung für ein neues Lehrbuch, welches auf dem Tisch unserer Schüler landen könnte, dauert im Durchschnitt gar nicht lange, etwas weniger als ein Jahr. Ohne Ausrufezeichen, alles nach dem Gesetz. Lehrprogramme des Fachs erhalten ein Gutachten und die Genehmigung etwas schneller, aber benötigen auch Zeit. Dabei begann die  Zusammenstellung und die Genehmigung der Deutschlernprogramme wie durch die „Hintertür“ – mit den Lehrmitteln für die zehnten und elften Klassen. Ich bin zwar schon alt, habe sogar das pädagogische Institut abgeschlossen, aber diese Rechenkunst habe ich nicht verstanden. Läuft es darauf hinaus, dass unsere Kleinen von der ersten bis zur vierten Klasse, und nicht nur die aus den deutschen, sondern aus sämtlichen kasachstanischen Familien, die sich dafür entscheiden, wiederum ein Jahr ohne Deutschunterricht verlieren? Man möchte Fragezeichen hinter die halbe Kolumne setzen.

Also woher nehmen wir die Schulbücher und Lehrer, um die Sache auf die nötige Art und Weise in Gang zu bringen?

„Die haben wir,“ sagen die schlauesten Leute der Welt. Und auch wir haben sie, Lehrer und Lehrbücher.  Als die Präsidentin der nationalen Union der Deutschlehrer Kasachstans Nazym Dujsenowa an das Rednerpult trat hing ein weiteres Mal die ewige Frage im Raum: woher? Na von dort: alles aus genau diesen Schulen der Republik. Und wie viele Lehrer sind in der Union? Nicht gerade viele: irgendwas um die 80 Leute (das sind nur die, die eingeschrieben sind). Und wie viele sind es, die zu Englisch gewechselt haben, in andere Fächer, oder die Schule sogar ganz verlassen haben? Gibt es eine Reserve? Zweifellos.

Und wie soll man jetzt Deutschlehrer werden, wenn es in den Schulen, wenn es in den Schulen so armselig wenig unterrichtet wird? Bis vor kurzem hat man Absolventen mit Englisch überhaupt nicht in die deutschen Gruppen eingeteilt. Jetzt hat man auch diese Barriere aufgehoben, aber solche, die sich für diese Kombination entscheiden, sind nicht leicht zu finden. Aber immerhin gibt es auch noch solche Absolventen üblicher Schulen und Hochschulen, die Deutsch von Grund auf lernen und anschließend unterrichten wollen.

In vielerlei Hinsicht könnte das Problem Zuschüsse lösen, die uns großzügigerweise von Deutschland gegeben werden. Könnte, aber bis jetzt hat das noch nicht geklappt. Zuschüsse werden gleichberechtigt an die Hochschulen verteilt, beinahe ohne Rücksicht auf den Bedarf und gehen oft nicht an die spezifischen Stellen.

Zum Thema Lehrbücher wurden auf der Konferenz zwei Lösungen angeboten. Die erste: Vorübergehend wird dem Beispiel der Schulen gefolgt, die bereits jetzt mit den Lehrbüchern deutscher Verlage unterrichten, eine intellektuelle „Allergie“ wird niemand erleiden. Die zweite Variante: eine Arbeitsgruppe zur Förderung von Programmen und Lehrbüchern für Deutsch einrichten und ihr ab dem 1. September 2019 alles Notwendige für die Schulen des Landes zu erteilen.

Es scheint, als hätte Bismarck gescherzt: „Auf Englisch muss man sich mit Diplomaten unterhalten, auf Französisch mit den Damen, und auf Deutsch mit den Pferden“. Wir verzeihen Otto Eduard Leopold von Bismarck, dem ersten Kanzler des Deutschen Reiches eine solche Freizügigkeit. Und stellen etwas richtig: Deutsch: das ist die Sprache der Ingenieure und Maschinenbauer, der Stars der weltweiten Medizin und Wissenschaft.

Der Fakt ist unbestreitbar, er widerspricht nicht der Wahl von beispielsweise Englisch in der Triade des Sprachunterrichts unseres Landes. Aber er erinnert uns auch daran: wenn du echtes Wissen willst und ein Diplom, welches zur Eintrittskarte in jedes beliebige Land der Erde wird: lerne Deutsch. Und im heimischen Kasachstan gehst du mit solchem Wissen auch nicht unter. Deutschland ist heute eines der wenigen Länder der Welt, welches die klassische Form der Bildung für die verschiedensten Berufe bewahrt hat. Die Professur ist eine der besten der Welt, mit ihr besteht die Möglichkeit auf eine sehr hohe Arbeitsvergütung. Lernen ist anstrengend, aber dafür kostenlos. Es werden Semesterbeiträge fällig, allerdings sind die nicht mal annähernd zu vergleichen mit den Kosten für das Studium in irgend einem andern Land der Welt, mit der Ausnahme Österreichs. Dort herrschen analoge Bedingungen. Und dort wird Deutsch gesprochen, wenn ihr euch erinnert.

Wie Albert Rau in seiner Ansprache anmerkte: „Wir sind praktisch an einem Punkt ohne Wiederkehr angekommen, am äußersten Punkt, wo wir alleine schon nicht mehr handeln können, ohne die Zusammenarbeit mit allen dafür verantwortlichen Strukturen. Wenn wir nicht heute unsere Anstrengungen für die Wiederbelebung der Tradition des Deutschunterrichts in Kasachstans verstärken, verlieren wir sie für immer. Wir müssen der deutschen Sprache eine Chance geben“.

 

Viktor Schlegel

Viktor Schlegel ist Initiator der Gründung der Union der Energieingenieure der Republik Kasachstan, er ist wohlverdienter Energietechniker der GUS. Zur Zeit des Großen Vaterländischen Krieges stellte sich Viktor Schlegel im Alter von 15 Jahren zur Wache an der Arbeitsfront auf. Am Ende arbeitete er als Elektromonteur. Im Jahr 1951 ging er auf das kasachische Landwirtschaftsinstitut in die Fakultät für Elektrifizierung, welche er im Jahr 1956 mit Bestnote abschloss, er blieb in der Funktion des Assistenten am Lehrstuhl „Erzeugung und Verteilung von Elektroenergie“ Im Jahr 1960 wechselte er zu „Kazelektromontazh“, wo er fast 40 Jahre lang in verschiedenen Funktionen arbeitete.

Viktor Petrowitsch ist weithin bekannt in den Kreisen der Energietechniker, sein Beitrag ist spürbar in praktisch allen Regionen unseres Landes. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion, und damit auch der Abwicklung der technischen Verwaltung der Energiewirtschaft, trat Viktor Petrowitsch mit der Initiative der Bildung der Union der Energieingenieure hervor, welche die Energieunternehmen mit den wissenschaftlichen und Projektinstituten zur gemeinschaftlichen Lösung von Fragen zur Energieversorgung vereinigte. Seit 2006 sind in der Union der Energieingenieure Vertreter sämtlicher Regionen der Republik vertreten. Dank der Anstrengungen von Viktor Petrowitsch wurden durch die Union verpflichtende technische Dokumente für die technischen Ingenieure und das Personal erarbeitet, die sich mit dem Betrieb, der Regulierung und Reparatur elektrischer Anlagen und vielem weiteren befassen.

Viktor Schlegel ist im Jahr 2012 verstorben, was für seine Kollegen ein unersetzlicher Verlust war. Aber der Name von Viktor Petrowitsch steht für immer geschrieben in der Geschichte der kasachischen Energiewirtschaft. Und seine Erfahrung und sein Wissen, welches er großzügig mit den Kollegen bis zum letzten Tag seines Lebens geteilt hat, ist unbezahlbar.

Businessclub der Deutschen in Kasachstan

Auf dem ersten kasachisch-deutschen Agrarforum, das im Oktober dieses Jahres in Astana stattfand, wurde auf Initiative von Albert Rau, dem Vorsitzenden der gesellschaftlichen Stiftung „Wiedergeburt, der Businessclub der Deutschen in Kasachstan gegründet. Ein solches Format ist vor allem für die informelle geschäftliche Kommunikation von Geschäftsleuten, den Erfahrungsaustausch und die Zusammenarbeit sowie die Unterstützung von Existenzgründern erforderlich.

Das erste Treffen des Clubs ließ nicht lange auf sich warten und fand im Restaurant „Jegorkino“ statt, bei dem 20 deutsche Geschäftsleute aus verschiedenen Wirtschaftssektoren zusammenkamen. Der Treffpunkt wurde auch nicht zufällig ausgewählt – der Hotel- und Restaurantkomplex wird von dem ethnischen Deutschen, Yuri Braun, geführt.

Laut Evgeny Bolgert, stellvertretender Vorsitzender des Aufsichtsrats der gesellschaftlichen Stiftung „Wiedergeburt“ und Verantwortlicher für die Entwicklung des Unternehmertums, soll der Club alle zwei Monate zur Klärung von Fragen in verschiedenen Themen und Bereichen, zusammenkommen. So wurden zum ersten Mal die Unternehmen der anwesenden Clubmitglieder vorgestellt und Informationen über mögliche Praktika in Deutschland im Rahmen des Projekts „Geschäftsbeziehungen“ und die Zusammenarbeit mit deutschen Unternehmern aus Deutschland diskutiert.

„Von unseren Landsleuten erhielten wir etwa zwanzig geschäftliche Projektvorschläge in verschiedene Richtungen. Nachdem sie damals Kasachstan verließen und ihr Geschäft in Deutschland erfolgreich organisiert hatten, möchten sie, nun, mit einem neuen Status, zurückzukehren und nach Partnern für eine beidseitig günstige Zusammenarbeit.“

„Und wir haben vor, dies in jeder Hinsicht zu unterstützen“, sagte Evgeny Bolgert.

Die Wirksamkeit des Treffens kann bereits anhand der zahlreichen Rückmeldungen von Teilnehmern beurteilt werden, die bereits begonnen haben, das erworbene Wissen und die Erfahrungen zu verbreiten und Kontakte untereinander zu knüpfen. Die Organisatoren sind zuversichtlich, dass die nächste Veranstaltung die Publikumszahl deutlich steigern wird, neue und effektive Projekte werden daraus hervorgehen. Und die Brücke, die zwischen unseren Landsleuten gebaut wurde, wird der kasachisch-deutschen Zusammenarbeit neue Impulse geben.

Gib niemals deinen Traum auf

Evgeniya Gizik, Olga Finder

Märchen – diese immense Welt, die uns in die Kindheit stürzt. Wir erinnern uns an die Märchen, die uns unsere Eltern erzählt oder vorgelesen haben, und jetzt, da wir Eltern geworden sind, erzählen wir sie unseren Kindern. Wissen Sie, welcher der magischste und schönste Beruf der Welt ist? Er heißt „Märchenerzähler“.

Wir danken unserem Familienklub, der im Begegnungszentrum der deutschen Gesellschaft „Wiedergeburt“ in Astana und der Region Akmola seine verdiente Arbeit führt und uns die Möglichkeit gab, durch das Projekt des Goethe-Instituts, die echte Geschichtenerzählerin Katharina Ritter kennenzulernen. Sie reist um die Welt und stellt uns die schönen alten Märchen vor, wie die der berühmten deutschen Schriftsteller der Gebrüder Grimm.

An den Wänden von Infolab Astana herrschte an diesem Tag eine wunderbare Atmosphäre, an der wir Teil einer magischen Performance wurden. „Die Bremer Stadtmusikanten“ berührten unglaublich unsere Herzen und lösten Emotionen aus, da wir ein Teil davon waren – imitierten die Geräusche von Tieren und gemeinsam vertrieben wir die bösen Räuber.

Nach der Veranstaltung verteilte Frau Ritter Autogramme zum Andenken und unterhielt sich mit den Kindern. „Gib niemals deinen Traum auf, tu, was dir gefällt, und dann wirst du wirklich glücklich sein!“, sagte Katharina am Ende des Treffens.

Hiermit ist unsere Reise ins Märchenland aber noch nicht beendet. Die Stadtbibliothek Nr. 8 in Astana bereitete eine faszinierende Veranstaltung „Deutsche Märchen und Geschichtenerzähler“ vor. Viele Leute kennen „Kleiner Muk“, „Der Nussknacker und der Mäusekönig“, „Zwergnase“, „Kalif-Storch“, „Rapunzel“, „Tapferer Schneider“, aber nicht jeder kennt die Geschichte ihrer Entstehung. All‘ diese schönen Werke wurden von deutschen Erzählern geschrieben – Wilhelm Hauff, Ernst Theodore Amadeus Hoffmann, den Brüdern Grimm – darüber und über vieles mehr erzählten uns die Organisatoren des Treffens.

Märchen sind immer aktuell. Wir ziehen Weisheiten und Lehren aus ihnen, sie helfen uns bei der Erziehung und vermitteln die besten Werte aus der Kindheit. Wir träumten davon, wie die Helden aus den Märchen zu sein, träumten von Magie, Zauberei und Magie und glaubten, dass das Beste in Erfüllung gehen würde. Wahrscheinlich ist dieses Gefühl jedem bekannt: in ein warmes Bett, unter eine Decke zu kriechen und auf ein Wunder zu warten …

So erlebnisreich und informativ verbringen die Teilnehmer des Familieklubs in der deutschen Gesellschaft „Wiedergeburt“ ihre Zeit. Stoßen Sie doch dazu, bei uns ist es interessant!

Republikanische Akademie „An der Kreuzung der Epochen“

Di republikweite Akademie für Senioren „An der Kreuzung der Epochen“, organisiert von der deutschen Gesellschaft „Wiedergeburt“ Astana und der Region Akmola, schuf eine einzigartige Plattform für den Erfahrungsaustausch von Aktivisten und älteren Freiwilligen. Teilnehmer aus 14 Regionen Kasachstans erhielten neues Wissen im Bereich gesunde Lebensweise, Kultur und Geschichte der Deutschen in Kasachstan.

Vera Borzova (German), Region Karaganda, Saran:

Sechs Personen aus der Region Karaganda, und das sind die aktivsten Mitglieder der Wiedergeburt-Gesellschaft, nahmen am Projekt teil. Die erste Hälfte des Tages fand im medizinischen Gebäude unter der Aufsicht des freundlichen medizinischen Personals statt – Gesundheitsprozeduren, frische und frostige Luft im Borovoe Kurort.

Die zweite war reich an Projektarbeit. Natalya Berg und ihr Team teilten die Unterrichtszeit klar in Gruppen auf: Deutsch lernen, Workshops in der Volkskunst, Volkslieder auf Deutsch, gesunde Lebensweise, Treffen mit herausragenden deutschen Persönlichkeiten in Kasachstan. Dies sorgte für viel aufkommende Emotionen und Erinnerungen an die Deportation der Deutschen, die jeden der Projektteilnehmer berührte.

Es gab Quiz-Fragen und historische Filme. Alle haben an den Events teilgenommen – es kam keiner zu kurz! Ich möchte sagen, dass das Programm uns so viel nähergebracht hat, dass man das Gefühl hatte, als ob wir unser ganzes Leben zusammengelebt hätten. Sprache verbindet uns, Erinnerungen an die ferne und schwierige Zeit unserer Eltern. Jeder in der Familie hat etwas, woran man sich erinnern und worüber man reden kann – so viel Verbitterung und Schmerz im Schicksal eines jeden…

Die Arbeit des Teams von Natalia Berg, einer großherzigen Frau, wurde auf höchstem Niveau organisiert. Aber besonders erwähnenswert ist das Lehrtalent des Deutschlehrers Ayman Baygozhaeva. Die aufmerksame Tatiana Tarasovna schaffte es, allen bei ihrer Arbeit zu helfen, Fragen zu beantworten und einen Rat für eine erfolgreiche Arbeit zu raten.

Wir haben nicht nur harmonisch gearbeitet, sondern auch gesungen. Trotz fehlender gemeinsamer Proben gelang es dem Chor, einen erfüllenden Klang zu erzeugen, als hätten sie immer zusammen gesungen. Die Arbeit der jungen und engagierten Ruslan und Anastasiya verdienten besonderes Lob. Sie haben dank dieser guten Mentoren ein wunderbares Beispiel und werden sicherlich noch Einiges an Erfahrung sammeln.

Ich möchte mich bei der gesellschaftlichen Stiftung „Vereinigung der Deutschen „Wiedergeburt“ herzlich bedanken. Mit der finanziellen Unterstützung des Bundesministeriums des Innern für Bau und Heimat, gibt die Stiftung die Möglichkeit auf Umsetzung und Realisierung zahlreicher Sozialprogramme für, in Kasachstan lebende, Deutsche um. Solche Projekte sind von großer Bedeutung für die Bevölkerung. Ich möchte nicht beim Erreichten stehenbleiben, sondern weiter voranschreiten und weiterentwickeln.

Ekaterina Tomashaitine (Schuller), Region Karaganda, Siedlung Novo-Dolinka:

Ich möchte die gute Organisation der Veranstaltungen besonders hervorheben und den Autoren des Projekts meinen Dank für ihren bedeutenden Beitrag zur deutschen Kultur und zum Erhalt deutscher Traditionen aussprechen. Wir erhielten gute gesundheitliche Behandlungen, verbesserten unser Wissen über die Geschichte der Deutschen, die Volksbräuche und Traditionen, die dekorativen Künste. Der Deutschunterricht bot die Gelegenheit, unsere Muttersprache zu sprechen und zu verbessern. Die Woche verflog so schnell wie ein Tag und gab uns die Freude sich miteinander zu unterhalten, viel Freundlichkeit und Verständnis!

Irma Markheim, Region Karaganda, Shakhtinsk:

Ich möchte mich bei allen bedanken, die einen so schönen Erholungsurlaub in der Pension „Zhumbaktas“ organisiert haben, in der die „Akademie für Senioren“ stattfand. Alle Tage während des Projekts waren ein ununterbrochener Urlaub, wir haben viel über die Geschichte der Kasachstandeutschen gelernt, uns bisher unbekannte Lieder gelernt, unsere Muttersprachenkenntnisse aufgefrischt, unsere Erinnerungen an die Repression unserer Eltern geteilt. Alle Teilnehmer lernten sich kennen, freundeten sich an, tauschten Telefonnummern und Adressen zur weiteren Kontaktaufrechterhaltung aus.

  1. Zagert, Shortandy:

Ich habe vor über zehn Jahren vom Bestehen des Kurorts „Zhumbaktas“ erfahren. Bei einem Besuch gemeinsam mit unserer regionalen Gesellschaft „Wiedergeburt“ und dreimal selbst, wurde ich immer wieder überrascht, da hier in jeder Hinsicht eine ideale Ordnung herrscht – die Unterkunft, Behandlungen und Versorgung. Hier findet man zahlreiche Ausflüge zu historischen Stätten und Bekanntschaften mit lokalen Sehenswürdigkeiten sowie schönen Erholungsorten. Die beste Zeit für einen Besuch ist definitiv im Sommer, die Samtsaison. Aber dieser Aufenthalt wird für den Rest Ihres Lebens in Erinnerung bleiben!

Erstens gab es Vertreter der deutschen Volksgruppe aus ganz Kasachstan, die heute etwa 180 Tausend Menschen zählt.

In den Regionen Nordkasachstans sind unsere Landsleute mehrheitlich vertreten.

Wir haben viel über die letzte Volkszählung in der Sowjetunion im Januar 1989 diskutiert. In der UdSSR lebten zwei Millionen Deutsche, in Kasachstan etwa eine Million. Nach Angaben des Helden sozialistischer Arbeit, Akademiemitglied der AdW der UdSSR, Boris Rauschenbakh, lebten jedoch nicht zwei Millionen, sondern sechs Millionen Deutsche in der Sowjetunion. Und dafür gibt es eine Erklärung. Bei deutschen Männern, die mit Frauen nicht deutscher Nationalität verheiratet waren, wurden alle Kinder nach der Nationalität ihrer Mutter erfasst. Kinder, deutsche Frauen, die einen Mann einer anderen Nationalität heirateten, wurden nach der Nationalität des Vaters aufgenommen. So war es in Russland, Kasachstan und anderen Republiken. Dies ist der Hauptgrund, warum es so wenige von uns gibt. Ich habe es in drei Dörfern überprüft und konnte die Schlussfolgerungen des Akademikers zu 100% bestätigen.

Es stellt sich eine unfreiwillige Frage: Wie viele von uns sind jetzt in Kasachstan? Natürlich nicht 180 Tausend, gewiss um einiges mehr. Aber wie viel? Dies war und ist eine umstrittene Frage, und wir werden sie, denke ich, niemals beantworten können, aber wir müssen darüber reden!

Ich möchte besonders unsere Kuratoren hervorheben: Nikolai Polovinkin – ein Akkordeonmusiker – ein sehr charmanter Mann. Mit ihm lernten wir Chor-, Humor-, Parodie- und Volkslieder. Es wäre schön, wenn solche Kurse nicht nur in Städten, sondern auch auf dem Land stattfinden würden.

 

Ayman Baygozhaeva – Deutschlehrerin von Klasse. Die Tochter eines unterdrückten Kasachen, eines gefangenen Soldaten. Neben ihren exzellenten Deutschkenntnissen kennt sie die Bräuche und Traditionen der Deutschen, studierte die Dialekte Deutschlands, Österreichs, der Schweiz und anderer deutschsprachiger Länder. Ayman Maksutovna ist ein guter Kenner aller Zweige des Christentums, des Islam und unter anderem ein guter Gesprächspartner.

Tatyana Gusak – Leiterin des Kreises für Handarbeit. Ein Mensch, der sich gerne mit der Herstellung von Kunsthandwerk beschäftigt. Mit ihr ist es immer lustig, fröhlich und aufregend.

Die jungen, motivierten und leidenschaftlichen Ruslan Shishkovsky und Anastasia Trofimova haben die Biografien vieler prominenter Sowjetdeutscher bereits gut studiert und tun dies mit Leidenschaft und großem Interesse. Wir müssen sie auf alle Fälle weiter fördern!

Natalia Berg – die unermüdliche Leiterin des Teams. Mit ihr ist es immer lustig, fröhlich, fordernd und fair zugleich, sowohl im Umgang mit den Kollegen als auch mit sich selbst. Weiter so! Vielen Dank an unsere deutsche Gesellschaft, die gesellschaftliche Stiftung „Widergeburt“ und das gesamte Team des Kurorts und der Pension „Zhumbaktas“.

Genrich Klassin ohne Abweichungen

Innerhalb von zwei Jahren hatte ich die Gelegenheit, über die legendären Leiter der Region Kostanay zu schreiben. Dies ist ein Zyklus von kleinen Aufsätzen über die Führungskräfte von Unternehmen, die einen wesentlichen Beitrag zur Entwicklung des Agrarsektors und der Industrie der Region Kostanay geleistet haben. Einer dieser Helden ist Genrikh Klassin.

In einigen Quellen wird er Gennady Klassen genannt … diese Diskrepanz ist für einen bestimmten Zeitraum der Geschichte natürlich. In Bezug auf die Arbeit dieser Person gibt es in diesem Sinne keine Diskrepanz.
„Sogar jetzt kann ich mir leicht vorstellen, wie er aussieht“, erinnert sich Peter Chernysh, der ehemalige Sekretär des regionalen Parteikomitees von Kostanay. In allem außer der Arbeit zeichnete er sich durch Zurückhaltung aus. Bei der Arbeit brannte „Gennady Petrovich“, wie man ihn nannte.

So nennt auch Petr Maksimovich den jungen Mann Klassin Gennady (in sowjetischen Zeiten war dieser Schreibweise „weicher“), aber in offiziellen Dokumenten war er immer noch Genrikh Petrovich. In dem Buch „Fedorovsky Bezirk, gestern und heute“, vom Autor P. Chernysh, lesen wir: „Goldener Regen fiel auf die Einwohner des Fedorovsky Bezirks. Am 22. März 1966 wurde Vasily Bogdanov der Titel eines Helden der sozialistischen Arbeit verliehen, und am 23. Juni desselben Jahres wurde er zum Mechaniker der staatlichen Farm der Sowchose. benannt nach Lenin.

Am 25. Mai 1967 erhielt das älteste Ehrenteam der staatlichen Farm „Fedorovsky“ (G.P. Klassin) die höchste Auszeichnung der UdSSR – den Lenin-Orden – für große Verdienste des Mutterlandes“. Das heißt, unter Klassin wurde die Staatsfarm „Fedorovsky“ mit dem Lenin-Orden ausgezeichnet. Leonid Storozhenko, heute Agrobusinessunternehmer, war früher der erste Sekretär der Kommunistischen Partei des Fedorovsky Bezirks und noch früher der Direktor der staatlichen Farm „Fedorovsky“. Er kam an den Platz von Klassin.

Als wir mit Leonid Wassiljewitsch über ihn sprachen, fragte ich, ob er Genrich Petrovich als legendären Leiter und Anführer betrachte. Er antwortete sofort: „Natürlich! Nur der „unpopuläre“ Nachname hinderte ihn daran, den Titel des Helden zu erhalten. Danach gab es in der Fabrik nichts mehr zu tun. Und ich habe nicht einmal versucht, den Produktionsprozess zu ändern – alles war perfekt abgestimmt.“

„Jeder konnte fluchen, aber nicht er!“

Die Indikatoren auf dem Hof stiegen aus mehreren Gründen. Modernisierung und fortschrittliche Technologie – das ist das Wichtigste. Iosif Aman, der als Agronom und Abteilungsleiter bei Klassin tätig war, erinnert sich: „Den Plan erfüllt? Sofort wurde hinzugefügt! Im neuen Jahr passten die Zahlen des letzten Jahres für niemanden. Wie im Slogan „Heute ist Rekord – morgen ist es die Norm für alle.“ Laut Joseph Iosifovich war es schwer, manchmal fluchte man, aber nicht Genrikh Petrovich. Niemand hörte schlechte Worte von ihm, obwohl er keine Forderungen halten musste. Er hat überhaupt keinen Alkohol getrunken.
„Eine kultivierte Person, ich habe solche Menschen nie wiedergesehen“, sagt Joseph Aman.

Mit der offiziellen Biografie des legendären Regisseurs Klassin wäre es mir schwergefallen, aber Murat Akhmetovich Berdagulov, in der jüngeren Vergangenheit der Direktor der Karabalyk-Versuchsstation, half mit. Nach „Fedorovsky“ wurde hier Genrikh Klassin zum Direktor ernannt. Die Karabalyk-Versuchsstation veröffentlichte eine Sammlung herausragender Führungskräfte und Wissenschaftler. Es gibt Seiten über Genrikh Klassin. Er wurde in der Nähe der Stadt Zaporozhye im deutschen Dorf Tigreved geboren. Vater, Pjotr Nikolajewitsch, unterrichtete in der Schule Mathematik, Mutter, Maria Andrejewna – Literatur. 1941 begann der Krieg in Zaporozhye sofort.

Wenn die Wolga-Region von nicht besetzten Gebieten aus deportiert wurde, wurden die Deutschen in der Ukraine unter den schwersten Bedingungen aus dem Land evakuiert und sogar bombardiert.
Die Familie Klassin kam mit der Eisenbahn in Banovka im Bezirk Fedorovsky an. Der Vater wurde in die Arbeitsarmee gebracht, wo er an einer Krankheit starb. Mutter arbeitete in der Schule, Kinder – auf dem Feld und auf dem Bauernhof. Genrikhs jüngerer Bruder wurde krank und starb. Aber dies waren nicht nur Opfer eines einzigen Volks – sie waren Opfer des Krieges, unersetzlich und sehr schwerwiegend.
Hier verliebte sich Genrikh Klassin in den landwirtschaftlichen Beruf. Es war nicht leicht für ihn. Zunächst studierte er in Kustanay Landwirtschaftstechnik. Er war einer der fünf besten Absolventen. Dann wurde ihm angeboten, zum Fräser auszulernen (in Odessa gab es ein solches Institut), aber die Armut gab ihm diese Möglichkeit nicht – es gab nichts, weder Schuhe noch Kleidung … es gab nichts, in was man nach Odessa gehen könnte. Genrikh war jedoch entschlossen, Agronom zu werden. So ging er nach Almaty.

Die Aufnahmeprüfungen waren bereits beendet … es bleibt nur zu hoffen, dass sie, wenn jemand abspringt, diese Gelegenheit zu nutzen. Er kam jeden Tag und man kannte ihn dort bereits. Das Institut absolvierte er absolut hervorragend. Die Arbeiten begannen in der Region Pavlodar. Er arbeitete erfolgreich, aber seine Mutter bat darum, in den Bezirk Fedorovsky zurückzukehren. Klassina wurde versetzt, und dank eines glücklichen Zufalls, lernte er dort Ivan Bratyshev (jetzt auch eine legendäre Person in Kostanay) kennen. Als Direktor von Fedorovsky lud er Klassin ein, Chef-Agronom zu werden. Sie kamen zu ihm, um zuerst aus der Region und dann aus der ganzen Republik zu lernen.

Zeitgenossen behaupten, dass alle Hauptspezialisten, die selbst mit Bratyshev zusammengearbeitet haben, Direktoren von staatlichen Farmen oder großen Parteiaufgebern wurden. Klassin übernahm den Hof von Bratyshev vollständig. Er kam auch in den Fedorovsky Bezirk und in die „Versuchsstation“ nach Bratyshev, dem Helden der sozialistischen Arbeit, Vladimir Savostin, einer herausragenden Agrarpersönlichkeit.

Agrarerfahrung – 40 Jahre

An die Stelle eines starken Führers zu kommen, ist noch schwieriger als an die eines eines weniger starken. Klassin konzentrierte sich hier auf die Ausbildung von Wissenschaftlern. Unter ihm verteidigten A. Gryaznov, R. Ganeev, A. Vostrikov, K. Iskakov, E. Sariev und A. Saurmelkh ihre Dissertationen in Tscheljabinsk. Dies ist nicht die ganze Liste. In den Karabalyk Versuchsstation war es notwendig zu bauen.

Sie stellten eine Fabrik auf und produzieren Sie pro Saison etwa zwei Millionen Ziegelsteine. entwickelte ein Schema: Wenn sich eine Person in der Warteschlange befindet, wurde sie für ein Jahr von der Hauptarbeit befreit und in die Konstruktionsbrigade aufgenommen. Dieser Grundsatz ist berechtigt. Das Problem an der Station war die Viehzucht. Genrikh Petrovich steigerte die Stückzahl an Vieh und Indikatoren, aber überall argumentierte er, dass die Station mit Saatgut arbeiten sollte, während andere Unternehmen sich in der Vehzucht engagieren sollten. Nach und nach verständigte er sich mit den höheren Behörden.

Klassin arbeitete an der Station für zwei Produktions-Fünfjahrespläne (1976-1986). Ein Jahr vor der Pensionierung bat er darum, sich selbst zu „senken“, ging zu Agronomen. Im Allgemeinen war er seit 40 Jahren in der Landwirtschaft tätig. Er erhielt den Lenin-Orden, den Orden der Oktoberrevolution, zwei Orden des Roten Arbeitsbanners. Am 18. Oktober 2011 verstarb Genrikh. Er wurde auf dem Territorium der Versuchsstation in Karabalyk begraben.

Lyudmila Fefelova

„Gemeinsam durchstarten – Internationale Jugendkonferenz“

Lilija Shtraub

Vom 8. bis 11. November fand in Berlin die Internationale Jugendkonferenz mit 50 Teilnehmern aus zwölf Ländern statt. Die Veranstaltung wurde vom Institut für kulturelle Beziehungen im Ausland (ifa-Institut) organisiert. Die Vereinigung der deutschen Jugend Kasachstans wurde von Anastasia Rimmer, Koordinatorin für Jugendarbeit in der gesellschaftlichen Stiftung „Vereinigung der Deutschen Kasachstans „Wiedergeburt“, Christina Librikht, Vorsitzende des deutschen Jugendclubs Almaty, Inessa Zimmerling, Aktivistin des deutschen Jugendclubs Almaty, Alyona Rener, Vorsitzende des deutschen Jugendclubs Astana, vertreten.

Bei diesem Treffen diskutierte man über die Verbesserung der internationalen und interregionalen Zusammenarbeit zwischen Jugendorganisationen sowie deren zukünftige Entwicklung. Es wurden wichtige Fragen aufgeworfen wie: „Wie kann man junge Leute anziehen?“ und „Wie kann man den Deutschunterricht für Jugendliche interessanter machen?“

Vier ergebnisreiche Arbeitstage, Meinungsaustausch, Einbringung von Vorschlägen. Fragen zu den Arbeitsrichtungen aller Jugendorganisationen führten zu heißen Diskussionen.

„Solche Konferenzen sind ein guter Ort, um sich zu treffen und Material auszutauschen. Ich war sehr froh über die neuen Bekanntschaften, die Möglichkeit, interessante Projektideen auszutauschen. Die Eindrücke aus den Workshops sind absolut positiv! „Smatphone-Repoting“, einer der vielen Workshops, ermöglichte uns, einige professionelle Techniken in der Kameraarbeit zu verstehen und uns zu einem Video zu inspirieren “, erzählt Christina Librikht.

„Die Teilnahme an der internationalen Konferenz in Berlin bot mir die Gelegenheit, mehr über die Jugendarbeit im Allgemeinen zu erfahren, Meinungen auszutauschen und neue Projektideen zu fördern. Unser Meeting war trotz des engen und reichhaltigen Trainingsplans, durch ein aufregendes und abwechslungsreiches Programm gekennzeichnet. Die Leiter dieses Projekts haben es ermöglicht, die speziell für uns interessanten Themen im Voraus auszuwählen. Im Klassenzimmer „Social Media“ haben wir uns mit sozialen Netzwerken und deren Analyse beschäftigt. Im Block „Pressearbeit“ wurde uns außerdem beigebracht, eine Pressemitteilung zu entwickeln, Kontakt mit Journalisten zu knüpfen und Pressekonferenzen zu organisieren. Am zweiten Tag unseres Aufenthaltes konnten wir mit Vertretern der Bundesregierung wichtige Aspekte der Jugendarbeit diskutieren und eine Nachtrundfahrt durch Berlin machen“, teilte Inessa Zimmerling mit.

Deutsche Kasachstans: Menschen, Ereignisse, Epochen

Am 5. Juni 2018 fand in Astana die Internationale wissenschaftliche Konferenz „Deutsche Kasachstans: Menschen, Ereignisse, Epochen“, organisiert durch die gesellschaftliche Stiftung „Wiedergeburt“ und der Unterstützung des deutschen Bundesinnenministeriums, statt.

Auf der Konferenz wurden Berichte über herausragende Deutsche, die maßgeblich zur Entwicklung des Landes und der deutschen Volksgruppe beigetragen haben präsentiert und diskutiert. Nach den Ergebnissen der Konferenz wurde das Redaktionsteam des Projekts „Berühmte Deutsche Kasachstans“ gegründet, die nächsten Schritte für die Projektumsetzung wurden festgelegt.

Die besprochenen Tagungsberichte finden Sie hier.

Programm der internationalen wissenschaftlichen und praktischen Konferenz „Deutsche Kasachstans: Menschen, Ereignisse, Epochen“
Datum: 5. Juni 2018
Ort: Nationale Akademische Bibliothek der Republik Kasachstan, Dostyk Nr. 11
Konferenzmoderation: Podoprigora Ju.I.
Zeit Programmpunkt Ort
9.00 – 9.30 Teilnehmeranmeldung Foyer
9.00 – 9.30 Besuch der Ausstellung «Deutsche Kasachstans» Foyer
9.30 – 10.00 Eröffnung der Konferenz. Grußwort: Saal „Konstituciya“
Rau A.P., Abgeordneter der Majilis des Parlaments der Republik Kasachstan, Vorsitzender des Aufsichtsrats der gesellschaftlichen Stftung „Wiedergeburt“
Prokopenko L.A, stellvertretender Vorsitzender der Volksversammlung von Kasachstan, Leiter des Sekretariats der Volksversammlung von Kasachstan der Präsidialverwaltung von Kasachstan
Goldmann Valentina, Leiter der Abteilung Kultur, Presse und Politik der deutschen Botschaft in Kasachstan
Nazyrova S.S., stellvertretender Direktor der nationalen akademischen Bibliothek der Republik Kasachstan
10.00 – 10.30 СкачатьAuman V.A. «Deutsche Kasachstans: Menschen, Epochen, Ereignisse» Saal „Konstituciya“
10.30 – 11.00 Kaffeepause Foyer
11.00 – 13.00 Vorträge: Saal „Konstituciya“
Dyachenko-Winter I.A., Die harten Straßen meines Landes: über Göring Jakob
Suleymanov G.G. Sohn der Steppen – Edward Schuller
Musabekova R.M., Deutsche in der Entwicklung und Betreibung von Ackerland in Kasachstan (am Beispiel von Albert Gerra)

 

Zhandildina T.S. „Wermut-süßer Geruch der Steppe.“ Die Vergangenheit, die Gegenwart, die Zukunft des Kasachstandeutschen Ivan Sauer.
Wagner S.K. „Mit Liebe zum Menschen.“ Über Brecht Jakow Iwanowitsch, Vorsitzender des Kolchos von Kirow der Region Pawlodar
СкачатьMusagalieva A.S. Soziale Aktivitäten von I. Scharf und sein Beitrag zur Wirtschaft Kasachstans
СкачатьSamosledova K.V. „Aber ich hatte Glück“, über die Gaben und Entbehrungen des Schicksals Felde Vladimir Jakovljevic.
СкачатьAupenova A.U. Archäologischer Pfad V.F. Seibert – der Schlüssel zur Handlung der Vorfahren Nordkasachstans
Avdeev V.A. „Vladimir Auman – loyal sich selbst und seinem Volk!“
13.00 – 14.30 Mittagessen Restaurant

«Daredzhani».

Kaufhaus «Keruen»

14.30 – 17.00 Vorträge: Saal „Konstituciya“
СкачатьAlekseenko M.A.  Fink Victor Vilgelmovich – Ehrendoktor der kasachischen SSR
Kairzhanova B.K. Baumeister ist unser Alles!
СкачатьBaimanova L.S. In Erinnerung an den weisen Mentor (Belz V.A.)
Burgard L.A. Pater Joseph Neigum
СкачатьPutinceva E.V. Eine Spur in der Geschichte. (Klink Vladimir Vladimirovich, Gründer und erster Direktor des Heimatkundemuseums)
СкачатьKlimenko O.S. Die facettenreiche Persönlichkeit Rosa Genrikhovna Steinmark
СкачатьShubina S.A.  Oscar Geilfuß: „Die Realität hat die letzte Note in mir getötet“
Dildebaeva E.R. Schicksal der Kunst (Kreativität und Erbe des unterdrückten Künstlers Leonid von Bruemer (1889-1971)
СкачатьOmarova A.S. Unterdrückte Künstler deutscher Nationalität in Karaganda (G.E. Vogeler, P.P. Friesen)
СкачатьGizdatov G.G. Intermediale Welten von Pavel Zaltsman (Künstler und Schriftsteller)
17.00 – 18.00 Zusammenfassung. Entscheidungsfindung und Abschluss der Konferenz Saal „Konstituciya“
18.30/19.00 Abendessen.

Abend der deutschen Kultur, vorbereitet von Kollektiven der regionalen Gesellschaft „Wiedergeburt“ Astana und der Region Akmola

Resaurant im Hotel IBIS, Astana, Tauelsizdyk, 38

 

 

Eduard Keksel: „Ich wäre nicht stark im Kampf, wäre ich nicht in Kasachstan geboren!“

Kämpfer Eduard Keksel, der für Deutschland auftritt, hob die Flagge von Kasachstan bei der Europameisterschaft der MMA (Kampf ohne Regeln). Nun bereitet sich der junge Mann wieder auf ein großes Turnier vor, diesmal auf die Weltmeisterschaft. Am Vorabend des Wettbewerbs beantwortete er unsere Fragen. Wir waren vor allem daran interessiert, warum ein Bürger der Bundesrepublik Deutschland mit der Flagge eines anderen Landes auf ein Podest getreten ist.

– „Ich wurde in der Region Akmola im Bezirk Esilsky im Dorf Kursk geboren“, sagte Eduard.

– Hier lebte ich bis ich 19 Jahre alt war. Warum ich mit der Flagge Kasachstans auftrat? Ich vermisse meine Heimatorte wirklich. Meine Eltern haben sehr Heimweh. Ich wollte schon lange mit der kasachischen Flagge das Podest besteigen, es war bisher einfach noch nicht möglich.

– Wie haben denn die Kollegen in Ihrem deutschen Team dazu gesagt?

– Ich spiele für den Verein „Fight Lounge“. Ursprünglich bin ich mit der Flagge Deutschlands aufgetreten und wurde mit einer Goldmedaille ausgezeichnet. Und dann hob ich die kasachische Flagge, natürlich hatte ich zuvor beim Trainer um Erlaubnis gefragt. Er stimmte zu. Sie verstehen, wenn ich das in Kasachstan tun würde, würde man mich nicht verstehen (lacht). Deutsche sind eine andere Nation. Ich denke, ich werde es wieder tun. Wenn ich in die professionelle Mannschaft übergehe, werde ich mit zwei Flaggen das Podest besteigen…

– Wie lange bist du schon in diesem Sport?

– Ich begann mit 13 Jahren die Kampfkunst zu erlernen. Jetzt geht alles darauf hinaus, dass ich bald damit Geld verdienen werde. In Deutschland gibt es viele Möglichkeiten für diejenigen, die das Beste geben und aufs Ganze gehen, denn hier versteht man besser, was „Humankapital“ ist. Zum Beispiel schenkt mir mein Trainer Mark Buchholz viele Geschenke vom Verein, die sich im Trainingsprozess als nützlich erweisen.

– Wie sind Ihre Erinnerungen an Kasachstan?

– Die Straße lehrte, die Ältesten zu respektieren und sich selbst zu schützen. Wenn ich nicht in Kasachstan geboren wäre, wäre ich nicht stark im Kampf. Ich habe eine Kampfgrundlage. Ich begann in der Sektion Freestyle Wrestling in Esil mit dem Trainer Tuligen Iskakov. Später betrat ich das Internat von Pavlodar und studierte anschließend in Kostanay, wo ich mich mit Ruslan Seksembayev im Armee-Nahkampf betätigte.

– Heißt das also, der Geist der Jungs in Kasachstan ist stärker als derer in Deutschland?

– Ich denke ja. Aber auch hier gibt es Kämpfer von gutem Niveau. Ich habe zwei Jungs aus Russland im Club, der Rest sind hiesig.

– Vermisst du deine Heimatorte?

– Ein kleines bisschen nach der hausgemachten Kost. Von den Gerichten – am meisten Beshbarmak, aber wir bereiten es in Deutschland für jeden Feiertagstisch vor. In der neuen Heimat bevorzuge ich Würstchen und gegrilltes mariniertes Fleisch.

– Beshbarmak vom Pferdefleisch? Oder isst man das in Deutschland nicht?

– Es gibt Orte, wo man es kaufen kann. Aber wir machen es mit Rindfleisch zu Hause.

– Übrigens, bist du in „VK“ in der Gruppe „Selfie Kostanay“. Suchst du nach Freunden oder vielleicht eine Frau in Kostanay?

– Ich habe vor, ein Mädchen aus Kasachstan hierherzuholen, aber erst nachdem ich selbst mit beiden Beinen sicher im Leben stehen werde.

– „Sicher im Leben stehen“ bedeutet das für dich, mit Wettkämpfen den Lebensunterhalt zu verdienen? Du kennst sicher den Ausdruck „The American dream“. Gibt es vielleicht auch so einen Ausdruck in Deutschland, so eine Art „Deutschen Traum?“

– Zuallererst möchte ich gut Deutsch lernen und in eine seriöse Sportorganisation eintreten. Und von dort aus wie bei allen üblich – ein Haus und eine Familie.

– Was gefällt Ihnen in Deutschland und was nicht?

– Hier mag ich die Natur, die Einstellung zu älteren Menschen und Behinderten. Um meine Eltern bin ich weniger besorgt. Ich mag die Jugendlichen hier nicht, die, so wie es mir scheint, den moralischen Werten nicht genug Aufmerksamkeit schenken.

– Wie kam Ihre Familie nach Kasachstan?

– Mein Großvater erzählte mir, dass die Familie während des Krieges aus Russland deportiert wurde.

– Erzählen Sie mir von der Weltmeisterschaft, an der Sie teilnehmen werden.

– Der Kampf wird in Bachrhein stattfinden. Ich kämpfe in der Gewichtsklasse ab 66 Kilogramm.

– Wenn Sie Kasachstaner treffen, fragen Sie dann erneut nach der Flagge, natürlich, wenn du das Podest aufsteigst?

– Ich weiß bereits sicher, dass bekannte Leute aus Kasachstan kommen werden. Und selbst in meinem Gewicht gibt es einen Kasachen. Ich kann jetzt noch nichts sagen. Ich möchte natürlich in jedem Kampf gewinnen, und weiter? … So wie es eben kommen mag!

– Abschließend möchte ich fragen … was oder wen würden Sie aus Kasachstan nach Deutschland nehmen?

– Meine wahren Freunde.

Eduard Keksel, der in der MMA kämpfte, nahm an der Weltmeisterschaft U18 teil (Karaganda, 2015), wo er den dritten Platz belegte. Zweimal wurde er in der offenen Meisterschaft Russlands im Ural Cup in Magnitogorsk und im russischen Nahkampf „Buza“ Sieger.

Lyudmila Fefelova, Farid Dandybaev

ZhasCamp Kasachstan

Marija Gorbacheva

Revekka Myrzhusupova, die Aktivistin des deutschen Jugendclubs „Glück“, der gesellschaftlichen Vereinigung der Deutschen „Wiedergeburt“ in Semey, nahm an der Jugendkonferenz des „ZhasCamp Almaty 2018“ teil.

ZhasCamp ist eine informelle Konferenz, die sich seit 2010 jährlich den sozialen Initiativen junger Menschen in Kasachstan widmet. Ziel ist es, junge Menschen in soziale Aktivitäten, Netzwerkbildung und die Verbreitung bewährter Methoden zur sozialen Entwicklung einzubeziehen. Das Programm konzentriert sich auf soziale Initiativen und verantwortungsbewusstem Wirtschaften. Auf der Website werden Mini-Vorträge, offene Programme (Präsentationen der Teilnehmer), Schulungen, Treffen, Podiumsdiskussionen und Wettbewerbe durchgeführt. Rund 500 junge Menschen zwischen 16 und 29 Jahren nehmen an dieser wichtigen Veranstaltung teil. Jeder kann auf diese Seite gelangen. Was hierfür nötig ist? Sie müssen lediglich rechtzeitig einen Antrag auf Teilnahme einreichen. Im „ZhasCamp Almaty 2018″ erhielten in diesem Jahr insgemsamt 30 Teilnehmer Fördermittel.

Revekka war beeindruckt von der Teilnahme an dieser Konferenz, erhielt viele neue Informationen über soziale Projekte, wie man sie organisiert und durchführt, besuchte Schulungen wie „Szenarien für soziale Filme und Videos“, die von dem Filmregisseur und Drehbuchautor aus Finnland durchgeführt wurden, und besuchte den Vortrag „Kommunikation mit wichtigen Partnern : Taktiken und Strategien “, den Irina Gumenchuk (Berlin, Deutschland) präsentierte.

Revekka: „Ich habe große Motivation, mich in neue Richtungen zu entwickeln. Während des Treffens hatten wir die Gelegenheit, Projekte zu erarbeiten, die wir gerne organisieren würden. Referenten werden uns in Zukunft unterstützen und von ihnen werden wir für die Umsetzung unserer Ideen Fördermittel erhalten.“

Die junge Aktivistin initiierte zusammen mit jungen Mädchen aus anderen Städten das Projekt „Ony Sezim“ zum Schutz der Rechte von Frauen in Kasachstan. Das Team plant, Videos zu drehen, die die Probleme von häuslicher Gewalt aufzeigen. In Zukunft möchten sie eine Stiftung organisieren, die den Opfern von häuslicher Gewalt hilft, verschiedene Schulungen und Treffen durchzuführen.

Bei der Rückkehr teilte Revveka das gewonnene Wissen mit den Teilnehmern des Jugendclubs „Glück“. Sie überlegten gemeinsam, welche sozialen Projekte sie in der deutschen Gesellschaft durchführen können und was auf Gemeindeebene organisiert werden kann.

Evgenia Schreiber, Leiterin des deutschen Jugendclubs „Spaß“ in Ust-Kamenogorsk, nimmt seit mehreren Jahren als Sprecherin am „ZhasCamp“ teil. 2016 fand die Jugendkonferenz in Semey statt, bei der das Mädchen eingeladen wurde, an zwei Standorten als Sprecherin aufzutreten – „Sicheres Verhalten in sozialen Netzwerken“ und „Entwicklung städtischer Räume“.

Evgenia Schreiber: „Es war interessant, das neue Veranstaltungsformat kennenzulernen, sich mit Referenten aus anderen Städten und Ländern auszutuschen und im Rahmen ihrer Workshops und Schulungen neue Technologien zu entdecken. Die Jugendkonferenz ist eine einzigartige Plattform, auf der junge Menschen nicht nur etwas lernen können, sondern auch Erfahrungen, Initiativen und Ideen austauschen, Gleichgesinnte finden, nützliche Kontakte knüpfen und neue Möglichkeiten für sich entdecken können. Bei dem Treffen waren die Eindrücke mehr als nur positiv. Später, als wir bereits Kooperationsangebote erhielten, haben wir versucht, „ZhasCamp“ als festen Bestandteil in unseren Arbeitsplan aufzunehmen. Dieses Jahr fand in Ust-Kamenogorsk auch das „ZhasCamp“ im „Talk“ -Format statt. Das Motto „Informell denken – effektiv handlen!“ entsprach vollständig diesem Format, da die Organisatoren dadurch eine kreative Atmosphäre von Vertrauen und Veränderungen schufen. Für mich ist „ZhasCamp“ eine Gelegenheit, neue Technologien anzuwenden, auf eine neue Art und Weise mit Themen zu experimentieren, das Kontaktnetz zu erweitern und in die Atmosphäre der Jugendbewegung einzutauchen.“

Wir entwickeln die Filialen

Marija Gorbacheva

Der deutsche Jugendclub „Glück“ der gesellschaftlichen Vereinigung der Deutschen „Wiedergeburt“ von Semey besteht bereits seit neun Jahren. Das Unternehmen hat Niederlassungen in den Bezirken Beskaragai und Borodulikha. Die Jugendarbeit in diesen Regionen organisieren Aktivisten des Clubs, die sich in neue Richtungen entwickeln möchten.

Der Vorsitzende des Jugendclubs Alyona Talanova und Maria Neygum, eine Aktivistin der Gesellschaft, trafen sich mit Vertretern dieser Bezirke, stellten den Jugendlichen die Arbeit der Stiftung „Wiedergeburt“ und des Verbandes der deutschen Jugend Kasachstans vor, erarbeiteten einen Maßnahmenplan, um junge Menschen für die Aktivitäten des Clubs zu gewinnen und die weitere Arbeit zu strukturieren. Im Haus der Freundschaft Beskaragai konnten wir Ausflüge in das Museum unternehmen, wo das Alltagsleben und die angewandte Kunst der deutschen, kasachischen, russischen und tatarischen Volksgruppen präsentiert werden. Sehr erfereulich, dass die Bewohner dieser Region Exponate für das Museum mitbringen, die für die Kultur ihrer ethnischen Volksgruppe von Bedeutung sind. Menschen, die bereits in anderen Ländern leben und in ihr Heimatdorf kommen, bringen immer etwas Interessantes für das Museum mit.

Die Treffen fanden in einer angenehmen Atmosphäre statt. Es gelang ihnen, die Jugendlichen zu interessieren, und es begannen sich sogar bereits eigene regionale Clubs zu gründen. Wir hoffen auf eine weitere gute Zusammenarbeit und wünschen den jungen Menschen viel Erfolg in dieser würdigen Tätigkeit.

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