Alte und neue Bibliothek

Der Sommer ist die Zeit der Sprachforen, und im Rahmen der Gesellschaft der Deutschen „Wiedergeburt“ der Stadt Astana und des Gebietes Akmolinsk finden sie jedes Jahr statt. Heutzutage sind die Kinder der Generation Z nicht leicht für das Lesen zu begeistern, da sie alle im Internet versunken sind, aber ein Buch ist der beste Mentor und ein schönes Geschenk für Freunde. Genau deshalb ist das aktuelle Sprachforum „Alte und neue Bibliothek“ auf die Bindung der nachfolgenden Generation der ethnischen Deutschen zur Muttersprache durch das Kennenlernen der deutschen Literatur ausgerichtet. Insbesondere mit dem Werk der Schriftstellerin Nelli Wacker, die im Oktober dieses Jahres 100 Jahre alt geworden wäre.

Vom ersten Tag an lernen sich die Teilnehmer in spielerischer Form gegenseitig auf Deutsch kennen, spielten, tanzten, nahmen an Quizrunden und Theateraufführungen teil. In den Sprachwerkstätten „Deutsch“ und „Deutsch+“ versanken die Jungs und Mädels täglich in der deutschen Sprache und Kunst. Die Kinder lasen die Werke und Biografien deutscher Autoren, nahmen an dem intellektuellen Kommandospiel „Kahoot“ teil, dass auf Daten aus dem Leben von Nelli Wacker aufbaute, inszenierten Mini-Aufführungen nach Motiven der Geschichte „Vergissmeinnicht“ aus ihrem Werk „Erika´s Blumenmärchen“, lernten Weltbestseller auf Deutsch kennen, organisierten tolle Aufführungen, erarbeiteten und führten Musikstücke auf und zeigten sogar ein Schattentheater nach Motiven von „Der Grüffelo“.

Die Jungs und Mädels besuchten zusammen mit den Lehrkräften die Nationale Akademische Bibliothek der Republik Kasachstan. Dort gibt es ein neues multimediales Modellprogramm, welches mit elektronischen Informationen arbeitet, verschiedene Dienstleistungen bereitstellt und neue Computertechniken verwendet. Im Bestand der Stiftung findet man gedruckte und Audiobücher, Zeitschriften, Karten, elektronische und musikalische Ausgaben, Mikrofilme, Postkarten und sogar Bücher für Sehbehinderte.

Die Teilnehmer des Sommerforums waren vom Kennenlernen der Bibliothek sehr beeindruckt. Die Kinder konnten selbst erfahren, wie man an das zum Lesen gewünschte Buch kommt und sich ihm im Lesesaal annähert. Im Jahr 2010 wurde in der Nationalen Akademischen Bibliothek das Einschienentransportsystem „Telelift“ mit einer Länge von 450 Metern eingeführt. Dank diesem System dauert der Transport von Büchern oder anderen Dokumenten aus dem Bestandsdepot in sämtliche Lesesäle nur fünf Minuten.

Herzlich begrüßt wurden die Jungs und Mädels in der städtischen Kinderbibliothek Nr. 8. Die Teilnehmer erhielten interessante Informationen über die deutschen Märchenschreiber Hoffmann, Gauf oder die Brüder Grimm. Der Vortrag endete mit einem Blitzrätsel über ihre Märchen, bei dem die Kinder mit ihrem Wissen glänzten.

Am nächsten Tag erwartete die Jungs und Mädels ein elektronisches Bibliotheksabonnement des Goethe-Institutes, welches den Zugriff zu den digitalen Publikationen ermöglicht. Die Teilnehmer erhielten Schritt für Schritt Informationen darüber, wie man die Webseite benutzt und auf Mediendateien mit interessanten Büchern, Zeitungen, Journalen und sogar Videos zugreift. Alle Materialien, die diese ungewöhnliche Bibliothek anbietet, sind lizenziert, einige sind in mehrfachen Ausführungen vorhanden. Sind Sie interessiert? Alle weiterführenden Informationen können Sie direkt beim Goethe-Institut erhalten.

In der Bastelwerkstatt haben die Kinder nach Motiven aus „Erika´s Blumenmärchen“ Bastelarbeiten hergestellt und so verschiedene Techniken und Materialien für die Handarbeit kennengelernt. Es wurden Bilder im Schneidestil gebastelt, zarte blaue Vergissmeinnicht aus Perlen geflochten, man konnte Foamiran (ein dekoratives Schaummaterial, das für verschiedene Arten von Handarbeiten verwendet wird) kennenlernen oder das Einmaleins der Plastilinografie erlernen. Die Jungs und Mädels waren überrascht von der Tatsache, dass das erste Plastilin im Jahr 1880 auftauchte, es wurde von dem deutschen Apotheker Franz Kolb, der in München lebte, erfunden. Mit der Technik Origami haben die Kinder farbige Lesezeichen für Bücher gebastelt. Sogar mit ihrer Restaurierung haben sie sich beschäftigt – eine sehr wichtige Fertigkeit!

Die Werkstätten „Teambuilding“ und „Active-Point“ haben dazu beigetragen, Teambuilding-Fertigkeiten durch emotionale Belastungssituationen zu entwickeln. Die Kinder haben sich gegenseitig angefreundet, viele deutsche Tänze einstudiert, verschiedene Spiele ausprobiert, an Trainings und Sportwettkämpfen teilgenommen, haben einen „Turm der Freundschaft“ gebaut und bei der „M&M´s Party“ Spaß gehabt.

Zwei Wochen vergingen wie im Flug. Die Teilnehmer an dem Projekt „Alte und neue Bibliothek“ haben eine riesige Ladung Wissen erhalten. So viele liebe Worte und wundervolle Kritiken erklangen von den Jungs und Mädels sowie von den Eltern, alle sind überus glücklich und warten schon auf die nächsten Treffen! Und zum Abschluss erhielt jeder von ihnen ein Zertifikat und ein Geschenk, welches freundlicherweise von einem Sponsor zur Verfügung gestellt wurde – dem Stuckdekorstudio „Dekorgips“.

Ewgenija Gisik

Übersetzung: Philipp Dippl

Unsere Geschäftsmänner heranziehen

Wiedergeburt“ plant, die deutschen Geschäftsmänner zu stärken. Erfahrene Mentoren sind bereit, ihr Wissen an die jungen Geschäftsmänner weiterzugeben und dabei zu helfen, Partnerschaften mit ausländischen Firmen herzustellen.

Der deutsche Charakter mit seiner charakteristischen Akribie eignet sich ideal zur Entwicklung des Unternehmertums. Es ist kein Zufall, dass gerade die Deutschen jahrhundertelang als die erfolgreichsten Geschäftsleute in Europa galten. Aber auch heute noch ist bekannt, dass deutsche Unternehmer ein Händchen fürs Geschäft haben.

Unter den Deutschen, die in Kasachstan leben, gibt es einige Geschäftsmänner. Natürlich nehmen nicht alle von ihnen am Leben der Gesellschaft „Wiedergeburt“ teil. Genau mit diese Frage befasste sich der Vorstand der Stiftung – eine gesamte Kategorie der ethnischen Deutschen entzieht sich ihrem Tätigkeitsfeld. Im Programm zur Entwicklung der deutschen Ethnie Kasachstans ist ein eigener Abschnitt dem Geschäftsbereich gewidmet.

– Wir haben die allgemeine Situation im Land analysiert und sind zu dem Ergebnis gekommen: es gibt Probleme, die Aufmerksamkeit erfordern, – merkte die Koordinatorin des Projekts „Entwicklung des Unternehmertums unter den ethnischen Deutschen Kasachstans“ Angelina Baumgertner an. – Beispielsweise gibt es keine Interaktion zwischen den deutschen Unternehmern, obwohl sie absolut in der Lage sind, verschiedene Kooperationen aufzubauen. Auch hier ist die Wirtschaft kaum informiert über die Tätigkeiten von „Wiedergeburt“.

Damit die Unternehmen daran glauben, dass die Stiftung wichtig ist, wurde ein spezieller Koordinationsrat gegründet. Die Mitglieder der neuen Struktur (und das sind bereits aktive Unternehmer) müssen eine riesige Arbeit leisten – nicht nur die inländische Wirtschaft unterstützen und entwickeln, sondern auch Partnerschaften mit Unternehmen und Investoren aus Deutschland und dem benachbarten Ausland herstellen.

– Erst vor kurzem haben wir den Club der deutschen Geschäftsmänner gegründet. Jetzt formt sich aktiv eine Basis der Unternehmer Kasachstans, was für unsere weitere Arbeit sehr wichtig ist. Derzeit wird ein Treueprogramm erarbeitet, welches verschiedene materielle und immaterielle Privilegien für die Teilnehmer in sich vereint, – erläutert die Koordinatorin des Projektes.

Was kann “Wiedergeburt“ im Rahmen der Zusammenarbeit anbieten? Wie in der Stiftung berichtet wurde, wird die Auswahl an Instrumenten erweitert. Jetzt gehört zu den Dienstleistungen für die kasachstanischen deutschen Geschäftsmänner und ihren potentiellen Partnern aus der Bundesrepublik Rechtsberatung und juristische Unterstützung, Erarbeitung von Businessplänen, Durchführung von Marketinganalysen, Suche nach Investoren und Partnern in beiden Ländern, sowie die Möglichkeit, an verschiedenen internationalen Veranstaltungen und Programmen teilzunehmen.

Interessanterweise haben die Initiatoren des Programmprojektes auch die unerfahrenen Geschäftsmänner nicht vergessen.

– Wir können auch Start-up-Projekte durch Mentoren unterstützen und begleiten. Es gibt die Idee, Unternehmer dazu zu ermutigen, der deutschen Jugend Stipendien und duale Ausbildungen anzubieten. Wir befinden uns am Anfang eines langen Weges und hoffen, dass die Wirtschaftsgemeinschaft unsere Pläne unterstützen wird, – fasst Angelina Baumgertner zusammen.

Dmitrij Schinkarenko

Übersetzung: Philipp Dippl 

Der soziale Bereich: Alle erreichen!

Die Arbeitsgruppe für soziale Fragestellungen besteht aus fünf Ärzten und einem Betreuer für soziale Dienste. Alle sind aus der Region. Das heißt, es sind Menschen, die an der vordersten Front des modernen sozialen und kulturellen Lebens arbeiten und dessen Probleme durch und durch kennen. Und das bedeutet, sie haben das Recht, unter gemeinschaftlichen Mühen einen Teil des historischen Dokumentes zur Entwicklung der deutschen Ethnie Kasachstans fachmännisch zu erarbeiten. Um es gleich zu sagen: der soziale Block des Programms zur Entwicklung ist der umfangreichste und komplizierteste, da er auf diese oder jene Weise mit vielen anderen Bereichen der bereits 30-jährigen Arbeit der Selbstorganisation zusammenhängt. Wie sieht das allgemeine Bild der sozialen Unterstützung verschiedener Gruppen der deutschen Ethnie aus? Und was soll in den nächsten fünf Jahren getan werden, damit die erheblichen Anstrengungen Früchte tragen und die Aufwendungen den Optimismus und den Glauben der Repräsentanten unserer Ethnie in die Zukunft vermehren?

Es gibt, trotz des langjährigen Exodus in die historische Heimat, immer noch viele Deutsche in Kasachstan – ungefähr 180.000 Menschen. Wie Umfragen zeigen, leben zwei Drittel von ihnen nicht schlechter, sondern besser als die Repräsentanten anderer Ethnien des Landes. Das übrige Drittel hat mit verschiedenen sozialen Schwierigkeiten zu kämpfen, welche sich entweder selbstständig lösen oder mit der Hilfe staatlicher Unterstützungsprogramme, zum Beispiel „Енбек“ oder „Рухани жангыру“.

Ein Teil der Probleme wird von der Stiftung „Wiedergeburt“ aufgefangen: die Aufgaben werden auf Kosten von humanitärer Hilfe aus Deutschland, örtlicher Sponsoren oder eigener Einkünfte gelöst, den technischen Teil erfüllen die Regionalgesellschaften der Deutschen und Freiwillige. Die Rede ist in erster Linie von der Versorgung der verbliebenen Arbeitssoldaten, der Familien Verfolgter, Invaliden verschiedener Gruppen, kinderreicher und auseinandergebrochener Familien mit Lebensmitteln und Medikamenten, von der Organisation von Interessenszirkel verschiedener Altersgruppen, Kuraufenthalte für Veteranen der Arbeit und so weiter.

Unerwartet konnte man folgende Information auf der Konferenz hören: viele der Bedürftigen nehmen keinerlei Unterstützung in Anspruch, weder staatliche noch die der gesellschaftlichen Stiftung. Sie wissen überhaupt nichts über die Angebote, andere wollen ihre Bedürftigkeit nicht bekanntmachen, die dritte Gruppe hat einfach alles seinem Lauf gelassen. Dies ist in erster Linie bei den Aktivisten der Regionalgesellschaften fehlgeschlagen. Oft sind keine besonderen Anstrengungen und Kosten nötig: die Bevölkerung muss besser über die zusätzlichen Angebote zur Problemlösung informiert werden. „Sie müssen einfach bei der Hand genommen, zu den staatlichen Sozialversicherungsbehörden, und dann zu uns zur Abrechnung gebracht werden“, – erschallte es auf der Bühne der Konferenz. Hierzu wurde vorgeschlagen, die Listen der letzten Volkszählung zu verwenden, die sich in den Akimaten befinden.

In der letzten Zeit wurde ein neues Wort in den Sprachgebrauch der Mitarbeiter der Botschaften und Konsulate Deutschlands und Kasachstans aufgenommen – der Heimkehrer. Die Rede ist von den Spätaussiedlern, die aus welchen Gründen auch immer sich dazu entschieden haben, für längere Zeit oder sogar für immer wieder in unser Land zurückzukehren. Zum Beispiel wollen ältere Staatsbürger der Bundesrepublik Deutschland den Sommer mit ihren Enkeln auf der Datscha oder einfach so in Kasachstan verbringen. Hier treten unumgänglich Probleme mit den Visa auf. Oder: die Familie, die eine Zeit lang in Deutschland gelebt hat, und bereits die deutsche Staatsbürgerschaft erhalten hat, entscheidet sich dazu, zur dauerhaften Niederlassung nach Kasachstan zurückzukehren. Auch das passiert.

Und in letzter Zeit ist dies noch nicht mal so selten. Natürlich verliert der Heimkehrer nach der Annahme der kasachstanischen Staatsbürgerschaft die deutsche Rente von mehreren hundert Euro und empfängt nur noch unsere, minimale, nur etwas mehr als 50.000 Tenge. Es entsteht ein Konflikt zwischen den Gesetzen beider Länder, der Mensch empört sich, aber heute kann man nichts machen. Natürlich ist dies eine zwischen staatliche politische Aufgabe, die, wie immer in solchen Fällen, nur unser Führer Albert Rau lösen kann.

Angesichts des ausreichenden Informationsstandes unserer Leute über das Lebensniveau in Deutschland, ist im Programm zur Entwicklung der deutschen Ethnie die Hauptaufgabe in den nächsten fünf Jahren benannt – die Verbesserung der Bedingungen für die Deutschen Kasachstans. Ein Teil der Hebel wurde bereits angesprochen.

Nicht weniger relevant ist die Verringerung der Arbeitslosigkeit, die Anwerbung von Deutschen in das Kleinunternehmertum oder Unterstützung von Leistungsempfängern, die nicht in der Lage sind, ihre sozialen Probleme selbst zu lösen. Mit allen Kräften muss die Lage der deutschen Familien, die von der staatlichen sozialen Unterstützung und der unserer Stiftung abgeschnitten sind, aufgedeckt und analysiert werden. Hier müssen die Anstrengungen der Regionalgesellschaften neu bewertet werden. Leider haben einige von ihnen, die bereits seit vielen Jahren jährliche Zuschüsse erhalten, eine Erwartungshaltung eingenommen und ein kleines Vermögen angespart, mit dem sie von Jahr zu Jahr arbeiten.

Zur Wiederbelebung ihrer Arbeit wurde ein Vorschlag gemacht: neben der Ausbildung von Deutschlehrern die Aufnahme von Abiturienten und Studienanfängern in die Abteilungen der Sozialarbeiter zu organisieren. Sie verstärken den Personalbestand der Gesellschaften der Deutschen und bringen frische Problemlösungen ein. Kurse für Pflegespezialisten in der Alten- und Krankenpflege helfen ebenfalls. Zu Ereignissen in den Regionen werden Besuche von Ärzten, Dozenten oder Künstlern. Für die Funktionäre wird es eine Ehrensache sein, Pflegeaufenthalte in Deutschland für Kinder mit komplizierten Erkrankungen zu organisieren. Natürlich wäre es großartig, junge Menschen für die gemeinsame Arbeit zu gewinnen. Die älteren Landsleute können sich noch an die Muttersprache erinnern und beherrschen es noch, in ihr zu sprechen. In der Sprache, die nicht ein einziger Dozent an der Universität oder Lehrer an der Schule lehrt.

Die gemeinsamen Siege im Allgemeinen werden zu bedeutenden Tatsachen im Leben verschiedener Generationen. Und das ist manchmal stärker als rein soziale Siege. Schließlich erklang auf der Konferenz nicht zufällig: „Ohne die deutsche Jugend gibt es keine deutsche Sprache – und keine Perspektiven“. Lasst uns optimistisch sein und allem zum Trotz das Gegenteil tun: wenn es die Jugend gibt, gibt es auch die Muttersprache, und das bedeutet: dann gibt es auch uns – die Deutschen Kasachstans!

Walerij Schewalje

Übersetzung: Philipp Dippl 

Die Jugend ist die Zukunft!

Anastasija Rimmer, die Koordinatorin der Jugendprojekte der gesellschaftlichen Stiftung „Kasachstanische Vereinigung der Deutschen „Wiedergeburt“, erzählte von den Resultaten der Arbeit des „Jugend“-Blocks.

Das Programm enthielt ein Dokument mit einer aktuellen Analyse der Aktivitäten des SNMK, seienr Stärken und Schwächen, strategische und operative Ziele, sowie eine ausführliche Liste der Maßnahmen, ausgerichtet auf die Lösung der gestellten Aufgaben. Das strategische Ziel der Aktivitäten des SNMK ist die Unterstützung der deutschen Jugend Kasachstans in ihrer Selbstorganisation in verschiedenen Bereichen des Lebens, in der Entwicklung der Wettbewerbsfähigkeit der jungen Menschen unter Wahrung der ethnischen Identität.

Der zweite Tag war der Fertigstellung des Dokumentes unter Berücksichtigung von Kommentaren und Vorschlägen gewidmet. In der Arbeitsgruppe des Blocks „Jugend“ sind: Anastasija Rimmer – Sekretärin des Blocks, Darja Barsukowa – Vorsitzende des KNM RO Stadt Taraz, Wiktor Dejmund – Mitglied des Kuratoriums des gesellschaftlichen Stiftung „Wiedergeburt“, sowie die stellvertretenden Vorsitzenden des SNMK Kristina Libricht und Aljona Rener.

Kristina Libricht

Übersetzung: Philipp Dippl

Der Generaldirektor des Fußballvereins „Ruzaewka“ Maksim Lewitzkij

In dem strategischen Dokument „Plan der Nation – 100 konkrete Schritte zur Realisierung von fünf institutionellen Reformen“ besitzt der Schritt mit der Nummer 88 eine vorrangige Stellung, in dem die Bedeutung der Förderung der Idee einer Gesellschaft der gemeinschaftlichen Arbeit, sowie die persönliche Geschichte der Kasachstaner hervorgehoben wird, die große Leistungen in den Bereichen Arbeit, Unternehmertum und Wissenschaft in den Jahren der Unabhängigkeit erbracht haben. Der Held der heutigen Ausgabe ist der Generaldirektor des Fußballvereins „Ruzaewka“, der Geschäftsmann Maksim Lewitzkij

Maksim Lewitzkij ist mehrfacher Fußballmeister im Gebiet Nordkasachstan und Gewinner der Silbermedaille des Kasachstan-Pokals der Amateure. Er wurde am 1. Juli 1987 in dem kleinen Dorf Ruzaewka im Gebiet Nordkasachstan geboren. Obwohl er der deutschen Familie Koch angehört, erhielt er zu Ehren des polnischen Großvaters, der die Familie in den Jahren des Großen Vaterländischen Krieges nach Kasachstan gebracht hat, den Nachnamen Lewitzkij.

Die Schuljahre vergingen in Ruzaewka, wo sich Maksim, so wie viele andere Jungen, für Fußball begeisterte.

– Unser Dorf hat durch den Fußball gelebt, – teilt der Athlet mit. – Jeder, von Klein bis Groß, spielte, fieberte mit, diskutierte, war auf die eine oder andere Art an diesem großen Spiel beteiligt. In der siebten Klasse kam ich bereits in die Hauptmannschaft des Fußballclubs „Ruzaewka“ (zu diesem Moment eine Amateurmannschaft, heute bereits ein professioneller Fußballclub), und war damit der jüngste Spieler in der Geschichte des Vereins, der in offiziellen Spielen eingesetzt wurde. Mit 16 Jahren wurde ich Mannschaftskapitän und bekam einen dauerhaften Platz in der Auswahlmannschaft der Region und des Gebietes.

Leider war es Maksim nicht bestimmt, ein professioneller Fußballspieler zu werden: Aufgrund einer Verletzung, die er sich im Jahr 2013 zuzog, verabschiedete sich der Athlet von dem Spiel. Aber der Fußball ging nicht aus seinem Leben, Maksim wurde Assistent des Cheftrainers, erreichte die Trainerklasse „C“ der europäischen Kategorie der UEFA, und wurde, nach Anerkennung des professionellen Status des Fußballclubs „Ruzaewka“, dessen Direktor. Vielmehr stieg er im Jahr 2018 auf und arbeitet jetzt bereits seit einem Jahr als Generaldirektor des Vereins.

Maksim besitzt den Magisterabschluss in Marketing, er schloss die Bajtursynow-Universität in Kostanaj ab. Er hat zwei wunderschöne Töchter im Alter von 6 Jahren und 11 Monaten und führt erfolgreich ein eigenes Geschäft: eine Ladenkette für Sanitärbedarf und die Arbeitsagentur „Kst optraid“.

Über seine persönlichen Qualitäten nachdenkend, antwortete der junge Deutsche so: „Ich bin ein schrecklicher Perfektionist, ich hasse Unordnung und Unpünktlichkeit. Seit der Kindheit sagte mir die Mutter, dass ich Deutscher und dem Vater sehr ähnlich bin. Wir haben Weihnachten und das katholische Osterfest gefeiert. Eines meiner Leibgerichte ist Strudel. Alle nationalen Traditionen werden in meiner jungen Familie fortgeführt, umso mehr, da ich eine reine Deutsche geheiratet habe“.

In diesem Jahr fliegt Maksim mit seiner Familie in die Heimat seiner Vorfahren, um den Vater und die Großmutter zu besuchen. Seine Schwester, Sabina Koch, Staatsbürgerin von Deutschland, hat ein fünfwöchiges Praktikum bei der „Deutschen Allgemeinen Zeitung“ absolviert“.

Anastasija Korolewa

Übersetzung: Philipp Dippl

Programm zur Entwicklung der deutschen Ethnie Kasachstans

Die Abschlussveranstaltung zur Ausarbeitung des Programms zur Entwicklung der deutschen Ethnie Kasachstans, welche vom 11. bis zum 12. Juni in der Hauptstadt stattfand, umfasste weltweit alle Haupttätigkeitsbereiche der gesellschaftlichen Stiftung „Kasachstanische Vereinigung der Deutschen „Wiedergeburt“. Die Veranstaltung wurde von dem Vorsitzenden des Kuratoriums der Stiftung, dem Deputierten der Mazhilis des Parlaments der Republik Kasachstan Albert Rau moderiert. Als Resultat der intensiven Arbeit der Expertengruppen wurde die endgültige Version des Programms zur Entwicklung gebildet, welche in Kürze auf der Seite wiedergeburt.kz veröffentlicht wird.

Am ersten Tag haben die Vertreter der acht Arbeitsgruppen und die Expertin der Akademie für öffentliche Verwaltung unter dem Präsidenten der Republik Kasachstan Aigul Sadwokasowa Vorträge über den aktuellen Stand der Dinge gehalten. Nach einer aktiven Diskussion, bei der wertvolle Anmerkungen gegeben und Vorschläge gehört wurden, hat jede Gruppe einzeln das Programm zur Entwicklung in ihrem Bereich nachbearbeitet und zum Abschluss der Veranstaltung präsentiert. Alle erarbeiteten Strategien werden in naher Zukunft zu einem gemeinsamen Programmdokument zusammengefasst.

Ajgul Sadwokasowa betonte in besonderer Weise das Format und die Relevanz des Ereignisses: „Die Veranstaltung ist besonders wichtig, da sie verschiedene Entwicklungsbereiche der Organisation behandelt und mit Veränderungen und neuen Prozessen, die im Land passieren, zusammenhängt. Wir müssen auf die Uhr schauen und uns weiterbewegen. Ich sehe die Effektivität im Engagement, da das endgültige Ziel die Erarbeitung des Aktionsplans der Organisation ist. Dies wird ein lebendiges Dokument werden. Die Diskussionen wurden nach Interesse und natürlich nach Spezialisierung aufgebaut.

In jeder Einheit arbeiteten Spezialisten in ihrem Bereich. Meiner Meinung nach ist das ein sehr guter Ansatz. Das Dokument wird in gemeinsamen intellektuellen und organisatorischen Anstrengungen geboren, es wird sehr effektiv sein…“

Über die Lebhaftigkeit der Diskussionen kann kein Zweifel bestehen. Alle Reden der benannten Blöcke haben echtes Interesse ausgelöst, da die Themen sich oft überschnitten und die Entwicklungspfade jedes Bereiches eng miteinander verbunden sind.

Der Kulturblock vereinigt unter sich Fragen der ethnischen Identität. Ajgul Kakimbekowna hat in ihrem Referat eine neue Sichtweise aufgezeigt: „Auch wenn man kein Deutsch kann, kann man sich als Deutscher Kasachstans identifizieren. Dies ist der erste Schritt. Der nächste ist es, natürliches Interesse zu seiner Sprache und der Kultur zu erwecken. Wenn wir in eine solche Atmosphäre eintauchen, verbinden wir zwei Komponenten – die staatsbürgerliche und die ethnische Identität. Die erste baut auf die Vollwertigkeit des ethnischen „Ich“ auf, wozu die Sprache, die Kultur und die Traditionen der Ethnie gehört, und sie entwächst in dem Verständnis, dass wir in einem gemeinsamen Land mit denselben Staatsbürgern leben, sie können eine andere Nationalität besitzen, eine andere Sprache sprechen, aber wir sind ein Land und haben eine Heimat, uns vereint Kasachstan. Desweiteren… Wir lernen die Staatssprache, wir verbinden uns, um unser Land aufzubauen und um es stärker zu machen. Dies ist eine dynamische Konstruktion, es ist keine statische, keine eingefrorene Form“.

Ihrerseits betonte die Koordinatorin des Netzwerkes der Begegnungszentren der Stadt Astana und der Oblast Akmolinsk Natalja Berg: „Es ist sehr schwierig, Kindern Informationen über die ethnische Identität darzubringen, es herrscht ein spürbarer Mangel an Spezialisten auf diesem Gebiet.Wir brauchen jetzt eine methodische Erkenntnisse, die auf Veranstaltungen des Netzwerks der Begegnungszentren eingesetzt werden können“.

Im Verlauf der Arbeit wurde eine Vielzahl an Ideen zur Entwicklung der Kultur geäußert. Geplant sind die Umsetzung von Wettbewerbsprojekten wie zum Beispiel: „Die Geschichte meiner Familie in der Geschichte meines Volkes“, „Freiwilligenarbeit unter den Senioren“, oder die Schaffung der Voraussetzungen zur Verwirklichung traditioneller Handwerkskunst und vieles andere. Einen wichtigen Platz in diesem Bereich hat das Theater eingenommen, auf dessen Basis wird ein Filmclub eingerichtet, ebenso ist eine Verstärkung der Schauspielerbesetzung und die Gründung eines deutschen Filmclubs geplant. Besondere Aufmerksamkeit wurde der Erstellung des Internetportals des Republikanischen Deutschen Dramatischen Theaters geschenkt.

Die Festlegung der Voraussetzungen zur Bewusstwerdung, Formierung, Aktualisierung und Bewahrung der ethnischen Identität im Rahmen allgemeinbürgerlichen Identität und zur Bewahrung des geistigen und kulturell-historischen Erbes der auf dem Gebiet der Republik Kasachstan lebenden deutschen Ethnie, wurde zur Hauptforderung, welche sich wie eine roter Faden durch alle vorgestellten Ideen und Projekte zog.

Anastasija Korolewa

Übersetzung: Philipp Dippl

Viktor Kriger: „Die historische Vergangenheit ist das Fundament der Gegenwart und der Zukunft“

Auf der wissenschaftspraktischen Konferenz der Deutschen Kasachstans, die im vergangenen Mai diesen Jahres in der Hauptstadt stattfand, haben Wissenschaftler aus verschiedenen Städten und Ländern teilgenommen. Einer von ihnen ist Viktor Kriger, gebürtig aus dem Gebiet Dzhambul, Doktor der Philosophie, der seine Doktorarbeit am Institut für Geschichte, Archäologie und Ethnografie der Akademie der Wissenschaften Kasachstans in der Stadt Almaty zum Thema der Geschichte der Umsiedlung der Wolgadeutschen und der Schwarzmeerdeutschen nach Westsibirien, in die kasachische Steppe und nach Turkestan in der vorrevolutionären Zeit ablegte.

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Ausstellung deutscher Künstler

Im Regionalmuseum der bildenden Künste Karaganda fand die Ausstellung „Kreativitatop“ deutscher Künstler statt, die von dem berühmten Maler und Bildhauer W. Arent aus Karaganda organisiert wurde.

Am Eröffnungstag wurden die kreativen Arbeiten dreier lokaler deutscher Künstler vorgestellt: I. Ponomarewa (Epp), A. Winter und W. Arent. Der Name der Ausstellung wurde nicht zufällig ausgewählt, er charakterisiert die Beziehung der Künstler zu ihrem Werk, angefüllt mit neuen Experimenten und Ideen.

Die Arbeiten der deutschen Künstler reichen zurück bis in die 30er Jahre des 20. Jahrhunderts. Sie alle wurden in den Jahren der Stalinistischen Repressionen vertrieben und wurden später die Begründer der bildenden Kunst in Karaganda und Mentoren für viele andere Künstler der Stadt.

Unter diesen sind P. Frizen, G. Fogeler, W. Ejfert, W. Busch, A. Fonwizin und viele weitere. Sie waren nicht nur Schöpfer, sondern auch Lehrer, die einige Kunstateliers und Kreise schufen, aus denen später eine Reihe von professionellen Künstlern hervorgingen.

So kam es, dass in der Geschichte von Karaganda wie wichtigste erzieherische Rolle gerade den deutschen Künstlern zukommt, was außerordentlich wichtig und bedeutend für die Entwicklung der lokalen Kultur ist. Ihre Werke waren für lange Zeit der Ma0stab echter Kunst und wurden mehrfach im regionalen Kunstmuseum ausgestellt. Die deutschen Künstler legten den Grundstein, auf welchem Jahre später die eigentliche Kunst Karagandas aufbaute.

Nadezhda Frizen

Übersetzung: Philipp Dippl

 

Die gesellschaftliche Stiftung wird vollberechtigtes Mitglied der FUEN

In der Stadt Bratislawa (Slowakei) findet der 70te Jubiläumskongress von FUEN (Föderalistische Union Europäischer Nationalitäten) statt. Die kasachstanische Gemeinschaft vertrat das Mitglied des Kuratoriums der gesellschaftlichen Stiftung „Kasachstanische Vereinigung der Deutschen „Wiedergeburt“, der Direktor der „Deutschen Allgemeinen Zeitung“ Robert Gerlitz.

Heute, am 15. Juni 2019, hielt R. Gerlitz eine Präsentation über die gesellschaftliche Stiftung, welche von den Delegierten des Kongresses mit großem Interesse aufgenommen wurde. Im Anschluss an die Präsentation fand eine Abstimmung statt, bei der die gesellschaftliche Stiftung „Wiedergeburt“ einstimmig in die Union aufgenommen wurde. Dieser bedeutende Schritt auf dem Gebiet der Zusammenarbeit mit europäischen Organisationen ist das naturgemäße Resultat der Arbeit der Leitung der Stiftung und der nationalen Politik Kasachstans zum Schutz und zur Unterstützung der Ethnien der Republik.

Der Präsident der FUEN Lorant Vincze gratulierte den Repräsentanten der Stiftung  herzlich zum Beitritt in die Reihen der Organisation und drückt die Hoffnung auf eine weitere Zusammenarbeit zum Wohle der Deutschen Kasachstans aus. Seinerseits dankte Robert Gerlitz den Delegierten für die geleistete Unterstützung und versicherte ihnen, dass die gesellschaftliche Stiftung sich aktiv an den Aktivitäten der FUEN beteiligen wird.

Die Materialien wurden von Veronika Lichobabina / DAZ vorbereitet.

Übersetzung: Philipp Dippl

Meine Sprache – mein Freund

In einer Schule in Aktobe gibt es eine Plattform, um Sprachen in einer spielerischen Form zu erlernen. Die Kinder verbringen nicht nur eine tolle Zeit im Kreis ihrer Freunde, sondern nehmen auch noch deutsche und englische Wörter auf.

Die Sommerferien verbringt jedes Schulkind auf seine Weise: auf der Datscha oder bei den Großmüttern im Dorf. Nicht wenige Aktobinsker Schüler haben sich so sehr an ihre Schule Nr. 11 gewöhnt, dass sie sogar im Sommer gerne zum Unterricht kommen. Und sie machen es sogar mit großem Vergnügen.

Das Geheimnis ist, dass es auf Schulbasis verschiedene Bereiche gibt, in denen jeder etwas für sich finden kann. Es gibt Sportabteilungen, literarische Kreise und Sprachkurse. Vom „Polyglotten“ sind die Kinder begeistert – in zehn Tagen werden Kenntnisse gleichzeitig in Deutsch, Englisch, Kasachisch und Russisch erlangt.

Alles begann im letzten Jahr, als die Deutschlehrerin und Leiterin der deutschen Sonntagsschule Inna Woloschina eine Art Sommerkreis „Deutschpokal“ vorschlug.

– Die Kinder nahmen diese Idee mit Jubel auf. Alles war großartig. Hier wirkt der Faktor der Entspannung – es gibt hier ja keine Noten, deshalb bleiben Wörter und Sätze in der Fremdsprache leichter und schneller in Erinnerung, – erzählt Inna Anatoljewna.

Angesichts des Erfolges des Kreises ist die Schulleitung einen Schritt weiter gegangen und hat entschieden, die Idee auszuweiten: der „Polyglotte“ wird jetzt ab Beginn des Sommers angeboten. Der zehntägige Unterricht findet in spielerischer Form statt, es gibt thematische Ratespiele. Gerüchte über diese Plattform haben sich in der Stadt schnell verbreitet, deshalb haben sich noch vor Beginn des kostenlosen Kreises auch Jungs und Mädels aus anderen Schulen zur Teilnahme eingetragen. Der jüngste Teilnehmer, Miron Rjachow, geht erst in die erste Klasse, trotzdem hängt der Junge bereits an den Wänden der Schule Nr. 11. Die Lehrer sind begeistert von ihm, sie sagen, dass Miron alles völlig im Griff hat.

– Dies ist nicht nur eine super Gelegenheit zur Kommunikation, sondern auch, um seine Sprachkenntnisse zu verbessern, – meint die Achtklässlerin Darja Kasjanowa.

Das Mädchen kam als „Studentin“ zum „Polyglotten“, aber jetzt nimmt sie bereits als freiwille Helferin der Sprachpädagogen teil. Zusammen erarbeiten sie interessante Rätsel und Wettbewerbe in verschiedenen Sprachen.

Man hört, dass sich für das erfolgreiche Experiment sogar die Behörden der Stadt interessieren. Es ist gut möglich, dass solche Sprachplattformen bald in allen Schulen von Aktobe angeboten werden.

Dmitrij Schinkarenko

Übersetzung: Philipp Dippl

Pawlodar hat Glück mit talentierten Menschen

An der zentralen Uferpromenade von Pawlodar fand die Parade der Kinder- und Jugendensembles und Orchester zum internationalen Kindertag statt. Fast die ganze Stadt kam, um diesen strahlenden und spannenden Festtag mitzuerleben.

Ljudmila Bewz

Es wurden die besten Darbietungen der Bildungsstätten Pawlodars gezeigt, die ihre Stadt nicht nur in der Region, sondern weit darüber hinaus gebührend repräsentieren. Darunter befand sich auch die Mittelschule Nr. 36, die seit zehn Jahren Partnerschule der Bundesrepublik Deutschland ist, und eine innovative Schule mit Gymnasialklassen, in denen auch Deutsch unterrichtet wird.

Ebenso fand eine Kranzniederlegung am Denkmal der Opfer der politischen Repressionen statt, an welcher die Gesellschaft der Deutschen Pawlodar teilnahm. Dies ist eine der festen Traditionen des Zentrums „Wiedergeburt“, welches immer aktiv an allen Veranstaltungen der Volksversammlung Kasachstans in der Region Pawlodar teilnimmt. Schließlich gibt es keinen Zweifel daran, dass Spiritualität und Kultur mit der Bewahrung der Erinnerung beginnt. Aus diesem Grund betraten die Veteranen des Alexander-Schiller-Chores bereits zum sechzigsten Mal die Bühne, um dem Meister den Tribut der Erinnerung zu zollen.

Ubersetzung: Philipp Dippl

Tanzen ist modern!

Wenn man die Tanzfertigkeit dieser Person auf der Bühne sieht, kann man sie nicht mehr vergessen. Lernen Sie Olga Braun kennen, die Lehrerin für Rhythmus und Choreografie der Schule Nr. 39 (Stadt Pawlodar).

Ljudmila Bewz

So wie jeder Profi spricht Olga Wladislawowna wenig über sich. Deshalb kam es im Verlauf ihrer Unterrichtsstunde mit den Schülern zum Kennenlernen mit der Persönlichkeit dieses Menschen. Die Art, wie sie auftritt, wie sie mit ihren Schützlingen kommuniziert, lässt den Gedanken aufkommen, dass Olga Braun ein konzentrierter, gutwilliger und selbstsicherer Mensch ist.

Sie wurde in einer Familie von Landvermessungsbeamten geboren. Sie beendete die Schule Nr. 7, anschließend die Nähschule (mit dem Berufsabschluss der Oberbekleidungsschneiderin). Auf die Frage nach den Prioritäten im Leben antwortet sie: „Ich habe das ganze Leben, solange ich mich erinnern kann, getanzt. Als meine Mama die Fähigkeiten ihrer Tochter erkannte, hat sie mich zuerst in eine Ballettschule mit einem wunderbaren Ballettlehrer geschickt, leider blieb nur seine Erscheinung in Erinnerung, an den Nachnamen kann ich mich nicht mehr erinnern. Die zweite Etappe war die Tanzgruppe „Von ganzem Herzen“, welche von Aleksandr Zmeewskoj geleitet wurde“.

Die echte Schule der Tanzkunst durchlief Olga Braun in der bekannten Volkstanzgruppe „Pawlodarotschka“ unter der Leitung von Anatolija Efimowitscha Lobanowych und Nina Andreewna, welche seinerzeit unter dem Volkschor Aleksandr Schiller gegründet wurde. Seitdem ist das gesamte bewusste Leben mit dem Tanzen verbunden. Selbst die verwegenen 90er Jahre hatten auf ihre Priorität keinen Einfluss. Am Tag hat sie Mäntel, Taschen, Arbeitskleidung und Lederjacken genäht, und an den Abenden tanzte sie, um die Schwere der Müdigkeit des Tages abzuschütteln…

„Ich kam zufällig als Lehrerin an die Schule. Ich wurde eingeladen, Rhythmusunterricht zu halten, eine gute Praxis war dafür nötig. Und so bringe ich den Gymnasiasten des Gymnasiums Nr. 39 bereits seit 2002 alle meine praktischen Fähigkeiten bei“, – sagt O. W. Braun. Es ist erfreulich, dass Olga Wladislawowna sich nicht auf dem Erreichten ausruht und an professionellen Kursen und Seminaren teilnimmt, neue Arbeitstechniken sucht und die Seite der modernen choreografischen Kunst nicht beiseite schiebt, obwohl ihre Liebe der Volkstanz ist.

Im Jahr 2018 nahm sie an Kursen zur beruflichen Weiterbildung in Moskau teil und erhielt das Diplom und die Berechtigung zum Unterricht der Choreografie für Kinder im Bildungsbereich. „Das Diplom ist natürlich super, aber in unserer Arbeit spielt die Praxis eine enorme Rolle. Und davon habe ich genug: 20 Jahre Tanz bei Anatolij Lobanow, danach bei Wladimir Fedosow. In der Schule habe ich den Unterricht mit einem Tanzkreis begonnen und mich mit ihm drei Stunden in der Woche beschäftigt, im Laufe der Zeit wuchs dieser und wurde auf drei Altersstufen aufgeteilt, anschließend wurde mir der Rhythmusunterricht anvertraut, – teilte O. W. Braun mit.

Sie fürchtet sich nicht vor Schwierigkeiten. Es entsteht der Eindruck: Je schwieriger und umfangreicher ihr Tätigkeitsfeld ist, desto interessanter sind die Formen ihres Erfolges. Ihr Tanzkollektiv „Rhythmen des Planeten“ zählt zwischen 30 und 50 Teilnehmer. Besondere Auswahlkriterien gibt es nicht. Alle werden aufgenommen, die Tanzen lieben und die dies gut können wollen. Olga Wladislawowna versteht, dass auch Kinder, und ihre Eltern, im Übungsprozess selbst verstehen, ob ihnen diese Beschäftigung gefällt oder nicht, ob sie Fortschritte machen oder nicht, denn Tanzen ist Sport. Die Prinzipien der Arbeit sind einfach: Kinder nicht miteinander vergleichen, das Talent jedes Kindes erkennen oder es entdecken, seine Fähigkeiten in die richtige Richtung lenken.

„Für den einen ist es schwierig, ein anderer ist faul, die standhaftesten bleiben übrig. Das Kollektiv verändert sich jedes Jahr, aber es gibt einen „harten Kern“, das sind acht Kinder, auf die ich mich bei meiner Arbeit stütze“, – bezeugt Olga Braun und beginnt ihre Arbeit mit dem tanzchoreografischen Projekt zur Aufführung von Volksbühnentänzen der Welt, mit den Kindergruppen und den modernen Poptänzen.

Nicht einen einzigen Wettbewerb lehnt die Leiterin von „Rhythmen des Planeten“ ab. Im Genre „Choreografie“ ist die Gruppe ein ständiger Preisträger. In ihrem Portfolio ist der Sieg im landesweiten Wettbewerb „Frieden für die Welt!“, der große Preis des städtischen Kunstfestivals, ein Preis in der Show „ARUZHANSTAR“, im Projekt „Expo der Tänze“ und viele weitere.

Mit Dankbarkeit spricht Olga Braun über die Aktivitäten der Eltern, die den Kindern jedes Jahr Tanzkostüme nähen und sich dann bemühen, sie der Schule zu überlassen, wenn das Kind aus ihnen herausgewachsen ist.

Oksana Chluschewskaja: „Das Leben, welches Olga Wladislawowna in die Gruppe bringt, beeinflusst die Entwicklung und Erziehung unserer Kinder positiv. Es wird eine angenehme Umgebung geschaffen: Die Unterrichtsstunde ist nicht einfach nur Tanzen, sondern Choreografie; der Musik zuhören, der Kontakt mit der Schauspielkunst durch die Verwandlung in verschiedene Gestalten, an all diesem haben viele Kinder und meine Tochter Bozhena, eine Schülerin der Deutschklasse, teil, an der hohen Kunst, an der Kultur; es hilft den Kindern, sich von Komplexen und Unwohlsein in der Kommunikation mit Altersgenossen in ihrer Umwelt zu lösen“.

Mit großer Freude arbeitet O. Braun mit den deutschen Klassen der Schule 39. Im Repertoire des Kollektivs sind genügend deutsche Volkstänze.

„Wahrscheinlich bin ich eine strenge Pädagogin: Ständig gefällt mir irgend etwas nicht, aber die Kinder gehen raus auf die Bühne, und wir hören nur positive Kritiken“, – teilt Olga mit.

Als ich mir eine Probe anschaute, wurde ihr klar, dass sich dieses Kollektiv für die Schule auf ein ziemlich hohem Niveau befindet. Aber die Leiterin erlaubt sich selbst keine Auszeit: „In unserer finden alle zwei Wochen irgendwelche Veranstaltungen statt: Feiertage, Flashmobs, Einweihungen, Konzerte, öffentliche Schulstunden – die physische Belastung ist kolossal, aber sie trägt immer Früchte“.

Über das Schülerkollektiv , welches von O. Braun geleitet wird, freut man sich überall: sowohl im regionalen Fernsehen, als auch im „Zentrum zur Entwicklung von Jugendinitiativen“, sowie auf Festivals auf verschiedenen Ebenen. Aber es ist sehr wichtig, dass die Kinder dem Kollektiv und ihrer Leiterin sagen: „Tanzen ist modern! Tanzen ist gesund!“ (Adel Murakaj, Schülerin).

Ubersetzung: Philipp Dippl

Der Tag der Erinnerung an die Opfer der politischen Repressionen

Im Haus der Freundschaft Karaganda fand der runde Tisch „Erinnerung im Namen der Zukunft“ statt, an dem die aktiven Mitglieder der ethnokulturellen Vereinigungen, Historiker, Museumsmitarbeiter, Vertreter des wissenschaftlichen Expertenrates und Archivleiter teilnahmen.

Nadezhda Frizen

Der Tag der Erinnerung an die Opfer politischer Repressionen in Kasachstan wird seit 1997 jedes Jahr begangen. Es ist ein Tribut an die Menschen, die in den Jahren des Stalinschen Totalitarismus unschuldig ihr Leben verloren haben. Und das multinationale kasachstanische Volk bewahrt behutsam dieses Andenken und gibt es an die zukünftigen Generationen weiter.

In diesen schweren Jahren hat sich die kasachische Erde in ein riesiges Lager verwandelt, in welches alle dem Regime unerwünschten Menschen gesendet wurden. Insgesamt wurden mehr als fünf Millionen Menschen geschickt, unter ihnen sind alleine mehr als 800.000 Deutsche.

Auf dem Treffen haben die Vertreter der jungen Generation mit großem Interesse den Erzählungen der Menschen gelauscht, deren Verwandte die Folterkammern des KARLAG durchlaufen haben, sieh haben auch historische Materialien kennengelernt. Dies wird zweifellos Einfluss auf die Formung ihrer Weltanschauung und ihrer patriotischen Gefühle haben. Zum Ende der Sitzung haben alle Teilnehmer die Gedenkstätte der Opfer politischer Repressionen und das Museum in dem Dorf Dolinka besucht.

Durch den Akim von Karaganda wurde ein Ausflug zum Spasskij Gedenkkomplex organisiert, wo sich in den Jahren des Großen Vaterländischen Krieges das Speziallager Nr. 99 befand. Hier befanden sich mehr als 70.000 ausländische Kriegsgefangene, wovon 28 Erinnerungsmarken erzählen, die von verschiedenen Staaten aufgestellt wurden. Jedes Jahr kommen Nachfahren von Verfolgten, Repräsentanten diplomatischer Missionen und Geistliche hier her.

Der Akim des Gebietes Karaganda Erlan Kaschanow merkte bei der Eröffnung des Gedenktreffens an: „Die Tragödie berührt jeden, der sich hier befindet, und wir haben nicht das Recht, die zu vergessen. Die Opfer dieser fürchterlichen Zeit waren renommierte Persönlichkeiten Kasachstans, unter denen sich auch unser Landsmann Saken Sejfullin befand, der in diesem Jahr 125 Jahre alt geworden wäre. Ewiges Gedenken dem Poeten und all derer der Epoche der Ungerechtigkeit und der politischen Willkür“.

Ubersetzung: Philipp Dippl

Die fürchterlichen und ungerechten Ereignisse der politischen Repressionen

In Semej fand eine Veranstaltung statt, die dem Tag der Erinnerung an die Opfer der politischen Repressionen gewidmet war und von der gesellschaftlichen Vereinigung der Deutschen „Wiedergeburt“ organisiert wurde. Die Vertreter der älteren Generation und Jugendliche kamen zusammen, um die Geschichten ihrer Familien zu teilen.

Marija Gorbatschjowa

Nadezhda Scharowa, die Direktorin des städtischen Haus der Freundschaft: „Als im Jahr 1997 der 31. Mai zum Tag der Erinnerung an die Opfer politischer Repressionen wurde, war das für viele leicht befremdlich: warum sollte man in der Vergangenheit wühlen? Trotzdem erlangte der Gedenktag seinen besonderen Status… Wenn man versucht, diese Geschehnisse genauer zu untersuchen, dann schaffen es selbst professionelle Historiker kaum, die Größenordnungen dieser Tragödie einzuordnen, welche so viele Menschen in dieser Zeit ertragen mussten. Man kann die Menge der Toten in den Lagern zählen, man kann die Anzahl der Verfolgten benennen, aber man kann niemals das Leid bemessen, welches so viele Familien heimsuchte…“

Aleksej Radionow, Geschichtslehrer an der KGU „SOSch Nr. 35“ Stadt Semej, stellte die Prozesse der Deportation vor: „Es wurde kein Urteil verhängt, die Entscheidung wurde von den Behörden getroffen. Ganze Völker wurden bestraft. Nach der Volkszählung von 1935 lebten auf dem Gebiet der UdSSR Deutsche in der Größenordnung von 1,5 Millionen. In den ersten Kriegstagen wurden ungefähr 8.000 in Bürgerwehren eingeschrieben, sie traten als Patrioten ihres Landes auf, aber im August 1941 werschien das Dekret über die Deportierung der Deutschen“.

Iwan Belger, Mitglied des Rates der Gesellschaft „Wiedergeburt“, Kriegsveteran und Veteran der Arbeit: „Als der Krieg begann, lebten wir in einem deutschen Dorf. Das Dekret wurde veröffentlicht und die Bewohner, die innerhalb eines Tages alle notwendigen Dinge zusammensammeln mussten, wurden allesamt nach Pawlodar, in den Forstbetrieb Majkaragaj deportiert. Die örtliche Bevölkerung wusste nicht, wer diese Deutschen waren, und in der ersten Zeit verhielten sie sich sehr misstrauisch uns gegenüber. Aber nach einiger Zeit, als sie uns bei der Arbeit sahen, haben sie verstanden, dass wir ehrliche und anständige Leute sind. Ich mit mit 14 Jahren nach Kasachstan gekommen und lebe jetzt schon seit 78 Jahren hier. Dank der Politik unsere Führers, Nursultan Nasarbajew, leben wir in Frieden, in Eintracht und Einigkeit. Ich drücke dem kasachischen Volk meine Dankbarkeit aus für die Gastfreundschaft, Unterstützung und Hilfe, die sie uns in dieser Zeit geleistet haben“.

Olga Uschakowa, Vositzende der slawischen Gesellschaft „LAD“ , erzählte von dem Leben ihres Urgroßvaters, der mit seiner Familie aufgrund von politischer Verfolgung nach Kasachstan floh. Er war ein guter, hilfsbereiter Mensch und half allen, die sich in der gleichen Not befanden.

Die Studenten der pädagogischen Hochschule namens Muchtar Auezow präsentierten ein Spielstück über die Stalinschen Repressionen. In einem Auszug aus dem künstlerischen Vortrag „Deportation. Die Geschichte einer Familie“, basierend auf der Arbeit von Ida Bender „Sage über meine russischen Deutschen“, erfuhren die Teilnehmer des Treffens, was die Familien in der Zeit der Zwangsumsiedlung durchlebten mussten.

Olga Bender: „Für uns, obwohl wir die jüngere Generation sind, ist das nicht nur Geschichte, es ist das Schicksal unserer Familien. Der berühmte deutsche Philosoph Friedrich Nietzsche sagte: „Wenn die Geschichte vergessen wird, dreht sie sich im Kreis, sie kehrt zurück, deshalb muss das alles in unserem Gedächtnis bleiben“.

Lilija Gontscharuk, die Vorsitzende der gesellschaftlichen Vereinigung der Deutschen „Wiedergeburt“ im Gebiet Ostkasachstan: Vielen Dank unserem ersten Präsidenten, denn dank ihm haben wir einen solchen Tag… Politische Repressionen gehören zu den tragischsten Ereignissen in der Geschichte der UdSSR. Ewige Dankbarkeit und Gedenken derer, die ihre Gesundheit und ihr Leben dafür gegeben haben, dass wir mit Ihnen heute die Möglichkeit haben, in Frieden und Eintracht zu leben“.

Ubersetzung: Philipp Dippl

Das Wachstum des Wohlstandes des Volkes ist der Faustpfand für Einheit und Stabilität

Die Teilnehmer der 18. Tagung der Volksversammlung Kasachstans „Das Wachstum des Wohlstandes des Volkes ist der Faustpfand für Einheit und Stabilität“, die in der Hauptstadt Nur-Sultan stattfand, prüften die Maßnahmen, die die Regierung ergreift, um soziale Unterstützung für die Bürger in schwierigen Lebenssituationen auszuüben. Es wurden auch Orden an die Aktivisten der ethnokulturellen Vereinigungen der Stadt überreicht.

Wie der stellvertretende Vorsitzende der AHK, der Leiter des Sekretariats Zh. K. Tujmebaew betonte, war das Thema der Sitzung „Das Wachstum des Wohlstandes des Volkes ist der Faustpfand für Einheit und Stabilität“ noch nie so aktuell wie heute.

– Wie Sie wissen, hat das Staatsoberhaupt Kasym-Zhomart Tokaew ein Dekret unterzeichnet, nach dem Familien, die sich in einer schwierigen Lebenssituation befinden, einmalig Kreditschulden in Banken der zweiten Ebene und Mikrofinanzierungsorganisationen abgeschrieben werden.

Diese beispiellosen Maßnahmen werden erheblich zur Lösung sozialer Probleme und zur Erreichung der Ziele beitragen, die in der Strategie des Elbasy bezeichnet wurden. Leider hat sich bei uns eine Situation entwickelt, in der die am stärksten sozial benachteiligten Bürger (Großfamilien, Familien mit behinderten Kindern, Familien, die den einzigen Ernährer verloren haben, Empfänger gezielter Sozialhilfe, Waisenkinder) aufgrund verschiedener Gründe in eine schwierige Situation geraten sind und nicht die eingegangenen Kreditverpflichtungen bedienen können. Dieses Problem betrifft die Lebensinteressen von circa 500.000 Menschen.

Der Moderator des Treffens, der Bürgermeister von Nur-Sultan, Vorsitzender der Volksversammlung der Stadt Altaj Kulginow berichtete den Teilnehmern von den Aktivitäten der Stadtversammlung und merkte an, dass heute 23 ethnokulturelle Vereinigungen in der Hauptstadt aktiv sind, darunter sind die aktivsten das Tschetschenisch-Inguschische Zentrum „Wajnach“, die Gesellschaft der Deutschen „Wiedergeburt“, das Tataro-Baschkirische Zentrum „Tan“, die Gesellschaft der Ukrainer „Obereg“, das Usbekische Kulturzentrum, die Almatyner Zweigstelle der ROO „Union der Kosaken aus dem Steppenkreis“.

Im Rahmen der 18. Sitzung wurden Ehrenurkunden und Dankesschreiben überreicht. Unter den Preisträgern ist die stellvertretende Vorsitzende der Gesellschaft der Deutschen „Wiedergeburt“ Natalja Berg und der Regisseur des deutschen Jugendtheaters Igor Liskow.

Auch der Beitrag des Klubs der deutschen Jugend „Diamant“ zur Entwicklung der Versammlung der Hauptstadt wurde hervorgehoben. Seine Aktivisten nehmen an sämtlichen Veranstaltung des Hauses der Freundschaft teil und sehen in diesen Ereignissen die große Möglichkeit zum Wachstum der Toleranz und des Geistes der Einheit.

Eva Sperling, aktives Mitglied des Klubs „Diamant“: „Die Teilnahme an den Veranstaltungen der Volksversammlung besitzt große Bedeutung in meinem Leben. Wir haben immer die Möglichkeit zur Kommunikation mit den Jungs und Mädels aus anderen ethnokulturellen Vereinigungen. Wir finden gemeinsame Gesprächsthemen und wir interessieren uns für die Arbeit der Klubs, die Veranstaltungen durchführen. Solche Ereignisse sind nicht selten Plattformen zur Diskussion und zur Debatte für Fragen zur Entwicklung der Volksversammlung Kasachstans, und sie tragen zur Stärkung der Freundschaft zwischen den ethnokulturellen Vereinigungen bei.

Anastasija Koroljewa

Übersetzung: Philipp Dippl

 

Wie alles anfing…

Zum 30-jährigen Jubiläum der Allunionsbewegung der sowjetischen Deutschen „Wiedergeburt“ und am Vorabend des 30-jährigen Bestehens der Regionalgesellschaft der Deutschen „Wiedergeburt“ Pawlodar möchten wir die Aufmerksamkeit des Lesers auf Wilhelm Iwanowitsch Franz lenken, dem besten Insolvenzverwalter der Republik Kasachstan und Mitglied des Vorstandes der Gesellschaft.

– Ich kann mich natürlich nicht an alles erinnern, – so begann das Gespräch mit Wilhelm Iwanowitsch, – aber ich weiß, dass die „Stern“-Kooperative die erste war, die sich mit den Problemen der Deutschen in der Region Pawlodar befasste. Zu ihren Aufgaben gehörten organisatorische Fragen und die Arbeit am Niveau und der Lebensqualität der deutschsprachigen Bevölkerung der Republik. Zu dieser Zeit fand in der Sowjetunion ein aktiver Prozess im Zusammenhang mit der deutschen Frage statt. Es wurden Konferenzen veranstaltet, allerlei Organisationsveranstaltungen, und schließlich der Kongress der Deutschen, dem verschiedene Behördenrichtlinien vorausgingen. Natürlich, wurden vom Scheitel der Welle dieser Zeit auch unsere Leute aus Pawlodar aufgeschreckt. Ebenjene Gesellschaft der Deutschen wurde, wenn ich mich nicht irre, im Mai 1990 registriert.

Organisiert wurde sie für ein bestimmtes Ziel: die massenhafte Abwanderung der Deutschen in die historische Heimat, nach Deutschland, zu stoppen. Mit dem Zusammenbruch der UdSSR begann nämlich die naturgemäße Migration der Bevölkerung (es gingen nicht nur Deutsche). Aber nicht immer sind gute Absichten gerechtfertigt. In der ersten Phase der Arbeit der Gesellschaft „Wiedergeburt“ nahm die Bevölkerung sie als Hilfestellung zur schnellen Ausreise über die Landesgrenzen hinweg wahr, da Deutschkurse organisiert wurden, und aus Deutschland kamen Stellvertreter, die Prüfungen abnahmen. Aber die Arbeit mit der Bevölkerung hat sich verbessert: auf behördlicher Ebene begann eine aktive Zusammenarbeit mit verschiedenen Strukturen Deutschlands, darunter mit den Gesellschaften der Deutschen in Deutschland, Russland und Kasachstan. In die Region floss die soziale Hilfe. Durch die Linie „VAUDE“ wurden verschiedene Mini-Komplexe geliefert.

– Damit die Technik passieren konnte, wurde eine Zollstelle eingerichtet, durch die wir eine Mini-Bäckerei übernommen und anschließend zusammen mit dieser Firma in Pawlodar aufgebaut haben. Im Dorf 30-Jahre-KasSSR wurde eine Käsefabrik eröffnet. Im Kreis Slawgorod wurden ebenfalls mehrere Gemeinschaftsunternehmen errichtet. Sie leisteten uns in der ersten Phase auch Unterstützung bei der Durchführung großangelegter Weihnachtsfeiern. Ich erinnere mich, dass in den ersten zwei oder drei Jahren der größte Konzertsaal in Pawlodar, der Saal der Traktorbauer (heute Estaj) bis zum Rand vollgestopft war. Unschätzbare Hilfe in der Durchführung dieser Veranstaltungen erhielten wir zu dieser Zeit vom russischen Zentrum und dessen Vorsitzender Tatjana Iwanowna Kuzinaja, wie uns die Struktur und Organisation von Großveranstaltungen beigebracht hat, – erinnert sich Wilhelm Franz.

Zu „Weidergeburt“ kam Wilhelm Iwanowitsch im Jahr 1990 von der regionalen „Agroprom“. Er stand am Ursprung der Gründung der gesellschaftlichen Vereinigung der Deutschen“Weidergeburt“ Pawlodar, zusammen mit seinem ersten Vorsitzenden Wiktor Wikotowitsch Worm.

– Die überregionale außenwirtschaftliche Assoziation „Interfive“, in der ich als stellvertretender Direktor arbeitete, half, die Arbeit der Gesellschaft in Schwung zu bringen, in dem sie zum Stifter wurde. Wir konnten ein altes, zweistöckiges Haus der agroindustriellen technischen Hochschule ankaufen, wohin wir „Wiedergeburt“ verlegten und etwa sechs Räume zu Klassenzimmern renovierten. Hier begann die aktive Arbeit mit dem Deutschunterricht unter Einbeziehung von Lehrkräften höherer Klassen. Das Geld wurde zentral zugewiesen. Viele wollten Deutsch lernen, aber es zeigte sich, dass die Menschen sich auf die Ausreise vorbereiteten. Das heißt, in der ersten Phase ihrer Existenz hat die Gesellschaft an der Abwanderung der Bevölkerung mitgearbeitet und nicht geschafft, sie zu stoppen, so wie es früher geplant war, – erzählt W. I. Franz.

Heute, wo er in guter körperlicher Verfassung ist und drei Sprachen fließend spricht: Deutsch, Kasachisch und Russisch, ist er Mitglied der Prüfungskommission der landesweiten gesellschaftlichen Stiftung und der Regionalkommission der Gebietsgesellschaft der Deutschen „Wiedergeburt“ Pawlodar. Er scherzt:

– Am Anfang bestand die Leitung von „Wiedergeburt“ aus jungen Geschäftsmännern, sie hatten es im Blut, mit der deutschen Seite Kontakt aufzunehmen. Sie erhielten moderne Technologien und Projekte. Wir, die Veteranen, haben nun ein bisschen Platz gemacht, um neuen Ideen Raum zu geben. Ich habe das Co-Management schon lange abgegeben, aber als früherer Finanzfachmann leite ich seit vielen Jahren die Prüfungskommission. Zu meinen Aufgaben gehört die Durchführung von Revisionen und die Berichterstattung der Ergebnisse von Konferenzen und Versammlungen. Unter Berücksichtigung, dass ich schon in Rente bin, gibt es ansonsten keine besonderen Probleme. Manchmal werde ich eingeladen, irgendwo hinzufahren: im letzten Jahr war ich zur Revision in Almaty. Ich habe das Nützliche mit dem Angenehmen verbunden: Ich habe mich erinnert, wie ich hier an der Hochschule für Volkswirtschaft studiert habe, ich habe gesehen, was sich alles verändert hat.

Und er sagt kein Wort davon, er sich in den 90er Jahren der schwersten Operation unterzogen hatte, aber die Geisteskraft ließ es ihm nicht zu, zu scheitern. Man hörte nur ein bescheidenes: „Ich werde zu einem Arzt gehen“.

Wilhelm Franz trägt seinen Beitrag zur Arbeit der Gesellschaft bei, indem er verschiedenartige Unterstützung in Finanzangelegenheiten leistet. Man muss anmerken, dass er immer eine Beschäftigung für das Herz findet – Hobbys, um es modern auszudrücken. Die Datscha, das Fischen im Winter und im Sommer, und natürlich das wofür es sich zu leben lohnt: die zweijährige Urenkelin. Ohne Fußball und Hockey kann er sich ein Leben nicht vorstellen. Er erinnert sich, dass der der Mannschaft durch die Städte Kasachstans hinterhergefahren und einmal zur Meisterschaft nach Zypern geflogen ist.

– Im Vorstand sitzt jetzt die Jugend. Die hat ihre eigenen Ansichten zu allen Fragen. Ich glaube, dass das richtig ist. Denn alleine die Tatsache, dass sie Arbeitsplätze schaffen, ist in unserer Zeit viel wert. Heute hat sich Olga Wladimirowna Litnewskaja die ganze Last der Sorgen auf ihre Schultern geladen, – lächelt der Gesprächspartner, – Und sie macht es hervorragend.

Auf die Frage, ob es den Wunsch gab, wegzugehen, antwortete er, dass es den gab, jedoch ist er zwiespältig: gehen – nicht gehen… als er mit Kollegen in Deutschland war, sah er, dass sie dort leben, wie im Märchen. Es reifte eine Idee heran: „Warum bringe ich dieses Märchen nicht zu mir nach Hause?“

Er ging nicht. Allem, was ihm in Deutschland beigebracht wurde, wurde in seinem Haus ein neues Leben gegeben – am Ufer des Irtysh in Pawlodar.

Man muss anmerken, dass die Übersiedlung nach Deutschland, die Ausstellung der Visadokumente, die Kultur- und Bildungsarbeit, die Wiederbelebung und Entwicklung der deutschen Traditionen, dass auf den ersten Blick alles miteinander zusammenhängt. Aber im Laufe der Zeit und mit den sich verändernden Anforderungen haben sich diese Funktionen aufgespalten, und heute arbeiten in der Region Pawlodar aktiv zwei „Wiedergeburt“. Die Visaagentur TOO „Zentrum der Deutschen „Wiedergeburt“ (Leitung Nail Grigorjew) und die Gebietsgesellschaft der Deutschen „Wiedergeburt“ Pawlodar“ (Leitung Wjatscheslaw Ruf).

Ljudmila Bews

Ubersetzung: Philipp Dippl

Die Nacht im Museum – Zeit der Jugend!

Die aktiven Mitglieder des Jugendvereins „Rittel“ des deutschen Kulturzentrums „Wiedergeburt“ (Stadt Ridder) strahlten während der feierlichen Aktion „Nacht im Museum – Zeit der Jugend“ in Ust-Kamenogorsk.

Die traditionelle Nacht im Museum wurde dem Jahr der Jugend gewidmet. An der Aktion, die auf den Plätzen des Parks „Zhastar“ und in den Ausstellungsräumen des Museumsschutzgebietes Ostkasachstan stattfand, haben die Kinder- und Jugendgruppen von Ust-Kamenogorsk teilgenommen.

In diesem Jahr fand die Veranstaltung zusammen mit dem Kumys-Fest „Қымыз-мұрынды“ statt. Die Gäste erwartete der Handwerksmarkt „Ein Souvenir für euch“, auf dem eigene Workshops durchgeführt wurden. Das musterhafte Tanzensemble „Pirouette“, die Gesangswerkstatt „Visite“, der Teilnehmer des internationalen Gesangswettbewerbes „Du bist super!“ Wlad Loskutow, die Solistin der Regionalphilharmonie Zhibek Bisengaliewa und die Gruppen der ethnokulturellen Vereinigungen des regionalen Hauses der Freundschaft organisierten ein Konzert unter freiem Himmel. Die Jugend hat sich mit Freude in den Nationaltrachten der Kasachen, Deutschen Weißrussen und anderer Völker fotografiert.

Die hervorragende Darbietung von Liedern in deutscher Sprache wurde mit einem Dankesschreiben mit der Unterschrift des Direktors des regionalen Museumsschutzgebietes für Architektur, Ethnografie und Naturlandschaft Ostkasachstan M. N. Nurgaliew gewürdigt. Er dankte den Leitern des Jugendvereins „Rittel“ des deutschen Kulturzentrums „Wiedergeburt“ (Stadt Ridder) für die aktive Teilnahme an den Feierlichkeiten und wünschte unerschöpfliche Kreativität, Wohlstand, Gesundheit und Glück, ebenso drückte er seine Hoffnung auf die weitere Zusammenarbeit zur Bewahrung des kulturellen Erbes der Deutschen Ostkasachstans aus.

Andrej Kratenko

Ubersetzung: Philipp Dippl

Ewige Wunden in den Herzen der Menschen

Im Jahr 1941 verloren tausende sowjetisch-deutscher Familien über Nacht ihr Zuhause. Zum Packen bekamen sie ein paar Stunden. Und nicht wenige hatten nicht einmal das. Sie gingen in dem, was sie trugen. Lilija Palij aus Aktobe erinnert sich an die Geschichte ihrer Familie.

Dmitrij Schinkarenko

Am 31. Mai feiert die Familie Palij mit ihren vielen Mitgliedern den Tag des Gedenkens an die Opfer der politischen Repressionen. Für Lilija Edwinowitsch ist dies ein besonderer Tag, denn vor vielen Jahren wurden durch den Willen des Schicksals ihre Großmutter und ihr Großvater aus dem Land vertrieben, welches die Deutschen als ihre zweite Heimat ansahen.

– Bis zum September 1941 lebten die Eltern des Vaters im Kreis Stawropol im Kaukasus. Ich werde die Erzählungen der Großmutter Frieda Schmidt (Gogel) davon nie vergessen, wie sie vertrieben wurden. An einem frühen Septembermorgen kam ein Reiter zu ihnen und befahl allen Familienoberhäuptern , in das Büro zu kommen. Dort wurde ihnen mitgeteilt, dass alle Deutschen ausgesiedelt werden und dass sie nur acht Kilogramm pro Person mitnehmen durften. Niemand wusste, ob sie für lange weggehen und ob sie überhaupt wieder in die Regionen zurückkehren würden, die zu ihrer Heimat wurden, – erzählt Lilija Palij.

– Das Haus konnten wir nicht abschließen, es war hart, den Haushalt zurückzulassen: die Hühner, die Gänse, das Vieh, aber niemand wagte es, sich dem Befehl zu widersetzen.Die gesamte Familie Schmidt, fünf Menschen, wurde auf einen Lastkahn verladen und ins Meer der Ungewissheit verschickt. Die schweren Bedingungen verkrafteten nicht alle, hunderte starben, und die Leichen wurden einfach ins Meer geworfen…

– Am Ufer gab es keine wirkliche Rast, beinahe sofort ging es in die Waggons, in denen Vieh transportiert wurde. Dort standen die Menschen, sitzen konnte man nicht. Das Essen ging aus, und die einzige Lichtquelle waren kleine Fensterchen im Dach des Waggons. Erst als die Aussiedler in die Kolchose „Sieg“ im Kreis Chobdinsk im Gebiet Aktöbe gebracht wurden, wurde es etwas besser, – erinnert sich meine Gesprächspartnerin an die Erzählungen ihrer Großmutter.

Bereits in frühen Jahren lernten die Kinder des Krieges die Strapazen des Arbeitsalltages kennen – Edwin Schmidt (der Vater von Lilija Palij) war gerade 13 Jahre alt, und arbeitete als Postbote – er brachte die Briefe auf dem Pferd von Dorf zu Dorf.

Im Jahr 1944 wurde die deutsche Familie in eine Sondersiedlung in Orsk im Gebiet Orenburg gebracht, um die Erdölraffinerie Tschkalowsk mit aufzubauen. Hier hat Edwin auch seine große Liebe getroffen – Elsa-Alisa Genrichowna, die aus dem Gebiet Gurjewsk hier her geschickt wurde, wo sie als spätere Arbeitssoldatin Dämme für die Eisenbahn baute.

Wir wurden in Freundlichkeit, Gerechtigkeit und Respekt für die Arbeit erzogen. Unsere Großmutter wurde 89 Jahre alt, der Großvater 92. Wie viele Belastungsproben fielen diesen wunderbaren Menschen zu. Sie hielten allen Strapazen stand, lebten unter unmenschlichen Bedingungen. Welche Narben hinterließ der Krieg in den Herzen und in den Schicksalen der sowjetischen Deutschen! Die Menschen wurden lediglich wegen ihrer Nationalität verfolgt… Fürchterlich und schmerzhaft, und wir, die Nachkommen der unterdrückten Deutschen, werden diese schicksalshaften Lektionen niemals vergessen, – sagt Lilija Palij mit Tränen in den Augen.

Ubersetzung: Philipp Dippl

Stärkung des interreligiösen Dialogs

Der Generalsekretär des Lutherischen Weltbundes, seine Hochwürden Bischof Dr. Martin Junge besuchte die Evangelisch-Lutheranische Kirche Kasachstans zu einer Visite.

Der Lutheranische Weltbund (LWB) vereinigt 148 autokephale lutherische Kirchen in 99 Ländern der Welt in seinen Reihen. Dr. Junge besuchte Kasachstan, um das Leben und die Aktivitäten der Evangelisch-Lutheranischen Kirche in unserem Land kennenzulernen. Seine Hochwürden der Bischof wurde von dem Referenten des LWB für Europa, Pastor Iereneusch Lukas und der Mitarbeiterin für Öffentlichkeitsarbeit Astrid Weiermüller begleitet.

Erzbischof Jurij Nowgorodow informierte Martin Junge über die Situation in den Gemeinden der Kirche, erzählte über die Wechselwirkungen mit anderen religiösen Vereinigungen und der Zivilgesellschaft, der Zusammenarbeit mit der gesellschaftlichen Stiftung „Kasachstanische Vereinigung der Deutschen „Wiedergeburt“ und den deutschen nationalen Kulturzentren in den Regionen. Große Aufmerksamkeit wurde den karitativen Aktivitäten der Kirche und ihrer Zusammenarbeit mit dem Staat gewidmet.

Im Verlauf der Visite besuchte der Generalsekretär des LWB lutheranische Gemeinden in dem Dorf Kamyschenka und in der Stadt Karaganda, wo er sich mit Gemeindemitgliedern und Amtsträgern traf. In Karaganda besuchte die Delegation das Museum der Erinnerung an die Opfer politischer Repressionen (Siedlung Dolinka), das internationale Zentrum für Kulutr und Religion, sowie das Museum des Friedens und der Eintracht, geschaffen auf Initiative des Elbasy – des ersten Präsidenten der Republik Kasachstan Nursultan Nasarbajew. Dr. Junge übergab der Stiftung des Museums ein Geschenk zur Ergänzung der Exponate.

Am 17. Mai hat sich die Delegation mit der Vorsitzenden des Senats des Parlaments der Republik Kasachstan Dariga Nasarbajewa getroffen, die den Beitrag der Evagelisch-Lutheranischen Kirche in Kasachstan und des Lutherischen Weltbundes zur Stärkung des Friedens und der Eintracht im Land und zur Entwicklung des internationalen interreligiösen Dialoges hoch anerkannte, sowie ihre Hoffnung für die weitere Zusammenarbeit und die Unterstützung für die Anstrengungen Kasachstans in der Stärkung des interreligiösen Friedens auf globaler Ebene ausdrückte.

Martin Junge gratulierte Dariga Nasarbajewa zu ihrer Wahl in eine solch hohe Position und dankte Kasachstan für die Bereitstellung einer Dialogplattform. Er betonte die Bedeutung der Kongresse der Führer der traditionellen und Weltreligionen, die in dem Land abgehalten werden. Er selbst hat an der Arbeit des 4. Kongresses teilgenommen und plant, auch am nächsten anwesend zu sein. Seine Hochwürden, der Bischof versicherte, dass der LWB die friedlichen Initiativen Kasachstans unterstützte und immer unterstützen wird. Ebenso dankte er dem Erzbischof Jurij Nowgorodow für seine 15-jährige Arbeit im Sekretariat des Kongresses, wo er den LWB repräsentiert, und teilte mit, dass er ihn darum gebeten habe, diese Arbeit fortzuführen.

Der Erzbischof erzählte von der neu erbauten Kirche Christi des Erretters und und merkte an, dass dies erst in den Jahren der Unabhängigkeit Kasachstans möglich wurde. Jurij Nowgorodow teilte die Pläne zum Einbau einer Orgel mit und lud den Vorsitzenden des Senates ein, die Kirche zu besuchen. Beide Seiten betonten die Bereitschaft zum Ausbau der Zusammenarbeit im Bereich der Stärkung des Friedens und der Eintracht.

Am nächsten Tag, dem letzten der Visite, haben sich die Delegierten mit Pastoren und Amtsträgern getroffen, die aus den Regionen der Republik angereist waren, und besprachen verschiedene Aspekte des kirchlichen Lebens. Ebenso fand ein Dialog mit dem Vize-Minister für Information und gesellschaftliche Entwicklung Marat Azilchanow, der die Kirche besuchte, und dem Vorsitzenden des Komitees für Religionsfragen Erzhan Nukezhanow, statt, die die positive Rolle der Evangelisch-Lutheranischen Kirche im Leben der kasachstanischen Gesellschaft besonders hervorhoben.

Zum Abschluss des Besuches betonte der Generalsekretär der LWB die Bedeutung und die Relevanz der Aktivitäten der Evangelisch-Lutheranischen Kirche Kasachstans sowohl für die Bürger der Republik lutheranischer Konfession, als auch für die LWB insgesamt.

Ubersetzung: Philipp Dippl

Deutsch-Kasachische Regierungskommission tagt in Nur-Sultan

Eine lebendige Brücke zwischen Deutschland und Kasachstan: So werden die Kasachstandeutschen oft bezeichnet. Dabei geht es nicht nur um die hier lebenden Deutschstämmigen, derer es noch etwa 180.000 sind, sondern auch um die etwa 800.00 (Spät-)Aussiedler aus Kasachstan. Dass die erste Gruppe ihre Identität, Sprache und Zukunft sichern kann, ist ein zentrales Thema für die deutsche Bundesregierung. Deshalb kommt jährlich die Deutsch-Kasachische Regierungskommission zusammen.

Am 20. Mai 2019 fand die nun schon 17. Sitzung des Gremiums in der kasachischen Hauptstadt Nur-Sultan (vormals Astana) statt. Unter Vorsitz des Bundesbeauftragten für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten, Bernd Fabritius, und des stellvertretenden Außenministers Kasachstans, Roman Vassilenko, wurden die Fragen der deutschen Minderheit in Kasachstan erörtert. Deutschland unterstützt die Arbeit der Gesellschaftlichen Stiftung der Deutschen Kasachstans „Wiedergeburt“ jährlich mit etwa 2,4 Millionen Euro.

Vassilenko betonte zu Beginn der Sitzung die Bedeutung Deutschlands für Kasachstan. Deutschland sei ein entscheidender Treiber für die Entwicklung der Zentralasienstrategie der Europäischen Union gewesen. Eine überarbeitete Version wurde erst in der vergangenen Woche von der Europäischen Kommission angenommen. Außerdem sei Deutschland der größte Wirtschaftspartner für Kasachstan in der EU, so der Vize-Außenminister. Er wies auf die Chancen hin, die der kasachische Markt für deutsche Unternehmen biete. Er erinnerte daran, dass es 2009 ein Kasachstanjahr in Deutschland gegeben habe und 2010 das „Jahr Deutschlands“ in Kasachstan gewesen sei. Vassilenko warf die Frage in den Raum, ob man dies angesichts des zehnjährigen Jubiläums nicht wiederholen möchte. In Bezug auf die Kasachstandeutschen sagte er: „Sie vereinen kulturelle Elemente aus Kasachstan, Russland und Deutschland.“ Für viele Ausgewanderte sei Kasachstan auch weiterhin eine zweite Heimat. Deshalb sei es wünschenswert, wenn die deutsche Seite Visaerleichterungen für kasachische Staatsbürger voranbringen würde, so wie Kasachstan Deutschen bereits seit 2017 eine 30-tägige visafreie Einreise ermöglicht.

Fabritius lobte die gelungene Umstrukturierung der Gesellschaft der Kasachstandeutschen „Wiedergeburt“. Sowohl die kasachische als auch die deutsche Seite erklärten sich bereit, die Organisation bei der Suche nach einem Standort für ein künftiges Kasachisch-Deutsches Haus in Nur-Sultan zu unterstützen. Nach Willen des Vorsitzenden Albert Rau soll künftig die komplette Arbeit der „Wiedergeburt“ von dort aus gesteuert werden, während das Deutsche Haus in Almaty als Filiale der Gesellschaft im Süden, als kulturhistorisches Zentrum und als Redaktionssitz der DAZ erhalten bleibt. Des Weiteren kündigte Fabritius an, dass der Mittler der deutschen Minderheit ab 2020 nicht mehr die GIZ, sondern Baden-Württemberg International sein wird.

„Wiedergeburt“-Geschäftsführer Dmitri Redler informierte die Anwesenden darüber, dass die Stiftung 2018 etwa 675 Projekte in 14 Regionen Kasachstans durchgeführt hat. Dabei werde besonderer Wert auf die Spracharbeit gelegt. So habe es mehr Sprachzirkel gegeben, und an der Universität Kökschetau werden 25 Studenten aus der Minderheit, die im Fach Deutsch eingeschrieben sind, mit Stipendien unterstützt. Hinzu kommen vier Stipendien an der Ablai-Khan-Universität in Almaty. Redler betonte, dass auch 2019 die Spracharbeit ein Schwerpunkt der Tätigkeit der „Wiedergeburt“ sei.

Der deutsche Botschafter Tilo Klinner verwies auf die Bedeutung der Jugendarbeit, vor allem, da in Kasachstan gerade das „Jahr der Jugend“ sei. Die Vorsitzende des „Verbandes der Deutschen Jugend Kasachstan“ (VDJK), Maria Borissewitsch, erklärte, dass die Jugend Gegenwart und Zukunft zugleich sei. 2018 habe der Verband 115 Projekte durchgeführt, davon jeweils sieben auf nationaler und internationaler Ebene. Insgesamt gebe es elf Jugendclubs in Kasachstan mit 476 Mitgliedern, davon 365 Deutsche. Zur Visafrage erläuterte der Botschafter, dass sich Deutschland an die Regeln des Schengen-Raumes halten müsse. Im vergangenen Jahr sei aber immerhin erreicht worden, dass Kasachstandeutsche, die regelmäßig nach Deutschland reisen, leichter ein Dreijahresvisum erhalten.

Am Rande der Regierungskommissionssitzung wurde auch die weitere Kooperation zwischen beiden Ländern bei der wirtschaftlichen Zusammenarbeit erörtert. Klinner erwähnte die Möglichkeit für junge Kasachstandeutsche über den „Ost-Ausschuss – Osteuropaverein der Deutschen Wirtschaft“ Praktika bei deutschen Unternehmen zu absolvieren. Ein Fokus liege zudem auf der Landwirtschaft. Er kündigte an, dass in Kooperation mit der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) 2020 erneut eine Agrarkonferenz stattfinden solle. Des Weiteren bot KAS-Leiter Thomas Helm an, ein Digitalisierungstraining für deutsche Minderheit abzuhalten und diese vermehrt in die dualen Ausbildungsprogramme einzubeziehen.

Othmara Glas

Tischlerwerkzeuge in der Kollektion des virtuellen Museums der Deutschen Kasachstans

Wenn man sich den Katalog der Exponate des virtuellen Museums der Deutschen Kasachstans anschaut, fallen einem zwei interessante Dinge auf. Erstens sind aus irgendeinem Grund die meisten der Arbeitswerkzeuge, die in der Kollektion präsentiert werden, Tischlerwerkzeuge (zu diesen kann man Zimmereiwerkzeuge hinzuzählen), zweitens tragen viele von ihnen in russischer Sprache deutsche Namen. Versuchen wir, herauszufinden, was dahintersteckt.

Die Herstellung von Objekten aus Holz ist Jahrtausende alt. Englische Handwerksmeister im 17. Jahrhundert haben Formen von grundlegenden Werkzeugen entwickelt, die, wie zum Beispiel der Hobel, bis heute existieren.

Auch die industrielle Herstellung von Tischlerwerkzeugen wurde in England geschaffen. Aber mit Beginn des 20. Jahrhunderts kamen die Innovationen in den Technologien des Tischlerhandwerks, sowie in vielen anderen Branchen, aus Deutschland. Von hier kamen viele Arten und Bezeichnungen von Werkzeugen: Scherchebel, Falzgebel, Spuntubel, Gruntubel, Zenzubel… (üdies sind überigens alles verschiedene Arten von Hobel für verschiedene Verwendungszwecke).

Das scheinbar im Russischen vertraute Wort „stameska“ stammt eigentlich vom deutschen Stemmeisen ab. So kamen deutsche Fachausdrücke in die russische Sprache. Die modernen Tischlerwerkzeuge unterscheiden sich stark von den historischen Prototypen, aber die Liste ihrer Bezeichnungen wurde hunderte Male weitergereicht. Von einer solchen Auswahl für die Arbeit konnte ein Tischler in einem deutschen Dorf in der Vergangenheit noch nicht einmal träumen.

Das Tischlerhandwerk war auf dem Land immer sehr gefragt, weil es schwierig war, Güter aus Fabrikproduktion zu kaufen. Natürlich konnte jeder Hausherr die notwendigsten Gegenstände, wie ein Regal, einen Schemel oder sogar eine Kinderwiege selbst herstellen, aber kompliziertere Dinge benötigten professionelle Fähigkeiten. Ein guter Handwerksmeister sollte neben geeigneten Ausgangsmaterialien auch die passende Ausrüstung und das Werkzeug besitzen. „Gutes Werkzeug – halbe Arbeit“, – besagt ein deutsches Sprichwort. Es waren Werkzeuge zum Messen und zum Markieren nötig, zum Zuschneiden des Materials, zum Bohren und zum Schnitzen, zum Sägen, zum Hobeln, genauso wie andere Hilfsmittel (Hämmer, Flachzangen, Schraubendreher und so weiter). Und natürlich war auch eine Tischlerwerkbank nötig. Für Formteile benötigte man eine Drehbank. Auf diese Weise musste ein Tischler viele Werkzeuge besitzen, was dazu führte, dass diese Exponate in unserer Kollektion vorhanden sind. Auf den Abbildungen kann man erkennen, dass die Werkzeuge handwerklich gefertigt sind, gleichwohl ist ihr Wert und ihre Einzigartigkeit dadurch nur noch höher.

Dem Aussehen nach kann man verstehen, dass mit den Werkzeugen zu ihrer Zeit hart gearbeitet wurde und in den geschickten Händen des Handwerkermeisters den Menschen viel Nutzen brachten.

Ja, die Exponate haben ihren Platz in dem Museum verdient. Doch auch in jüngster Zeit ist das Tischlerwesen wieder überaus beliebt. In der Stadt Puschkino nahe Sankt Petersburg gibt es ein Museum für Tischlerwerkzeuge. In verschiedenen Städten Russlands finden Feste und Ausstellungen für das Tischlerwesen statt.

Schpuntbel (auch – der Federhobel, Nuthobel) ist eines der komplexesten Handwerkzeuge des Tischlerns, er wird zur Ausführung von rechtwinkligen Nuten benutzt. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts, Holz, Metall, Handarbeit, Tischlerarbeit. Werkzeug gehörte der Familie I. W. Berg. Museumsecke der Gesellschaft der Deutschen „Wiedergeburt“ Stadt Astana und Gebiet Akmolinsk.

Hobel, Scherchebel (Tischhobel). Diese Abwandlung des Hobels mit abgerundeter Klinge war für die erste, grobe Bearbeitung des Holzes nach dem Hobeln von Brettern vorgesehen. 1950Er Jahre. Holz, Metall, Handarbeit, Tischlerarbeit. Werkzeug gehörte W. B. Folza, KGU „Museum für Geschichte und Kultur des oberen Wolgagebietes Lisakowsk“.

Tamara Wolkowa, Doktor der Geschichtswissenschaften

Übersetzung: Philipp Dippl

Wir führen die Reihe der Workshops fort

Im Verein der deutschen Jugend „Vorwärts“ fand in Zusammenarbeit mit der Deutschen Allgemeinen Zeitung der nächste Journalistik-Workshop statt, der auf die effektive Benutzung der sozialen Medien ausgerichtet war. Es wurden aktuelle Themen angesprochen: SMM und die Probleme beim Betreiben privater und Geschäftsseiten im Internet. Die Journalistin der Zeitung DAZ Anastasija Korolewa gab allen kreative „Instrumente“ und Lifehacks für eine interessantere, einfachere, und insbesondere effektivere Arbeit auf Instagram an die Hand.

Also, was heißt SMM eigentlich? SMM wird auch soziales oder Onlinemarketing genannt. Dieser Terminus kam aus dem englischen Sprachgebrauch zu uns. „Social Media Marketing“ bezeichnet wörtlich das „Marketing in sozialen Netzwerken“. Er repräsentiert den Prozess, wenn irgend eine Internetressource durch soziale Plattformen Interesse auf sich zieht.

Die Arbeit verlief nicht nur auf der theoretischen, sondern auch auf der praktischen Seite: jeder Teilnehmer des Workshops hat sich selbst in der Erstellung einer individuellen Nachricht ausprobiert, die frisch erlangten Kenntnisse dabei angewandt und die Möglichkeiten zur kreativen Selbstverwirklichung erhalten. Anschließend führte unser aktives Mitglied Iljas Bostanow einen informativen Lehrblock zur Führung eines YouTube-Kanals durch, in dem er alle notwendigen Details dieser Plattform enthüllte.

Nach diesem so inhaltsstarken Programm haben alle Teilnehmer Urkunden erhalten, und die aktivsten wurden mit Geschenken der Zeitung DAZ ausgezeichnet. Zusammenfassend möchte ich sagen, dass der Tag sehr interessant und nützlich war, und außerdem eine tolle Stimmung und viele positive Emotionen brachte!

Das, was auch dir nützen wird, lieber Leser!

Ladet regelmäßig Fotos hoch. Populär zu sein heißt, regelmäßig zu sein. Gebt den Leuten das, weswegen sie euch abonniert haben.

Startet eure Flashmobs. Zum Beispiel: #ichbinimVDJK, #ichvorfünfjahren, #10faktenübermich. Allerdings gibt es eine Bedingung: ihr müsst ein aktives Auditorium haben.

Guter Content. Eine aussagekräftige und emotionale Palette eures sozialen Netzwerkes – das ist der Weg zum Erfolg.

Hashtags. Wenn ihr sie richtig benutzt, könnt ihr die Anzahl der Ansichten eurer Veröffentlichungen steigern, was in der Folge die Anzahl der Abonnenten steigert.

Geschichten. Das sind aktive Dialoge mit euren Nutzern und bringt Erkenntnisse über die Meinungen des Auditoriums. Benutzt Sticker: Hashtags, Standorte, Umfragen und so weiter. Zeichnet Videos auf. Ein „Hinter den Kulissen“ oder ein Clip „aus der Küche“ funktioniert für Firmen viel besser als einfache Fotos.

Habt Spaß. Alles sollte lustig und schön sein! Unterhaltet euch, spielt mit eurem Auditorium, seid kreativ und aufgeschlossen!

Benutzt all euer kreatives Potential, arbeitet mit euren Followern, gebt ihnen spannenden Content – und angelt eure wohlverdienten „Herzen“.

Kristina Libricht und Jekaterina Lojtschenko

Ubersetzung: Philipp Dippl

Medienpädagogik in der Jugendarbeit

In Berlin und Neuendorf fand das Media-seminar „Medienpädagogik in der Jugendarbeit“ statt, dessen Initiator der Jugendbund djo-Deutscher Regenbogen, Landesverband Berlin e. V. War.

An dem Seminar haben Repräsentanten aus fünf Ländern teilgenommen: Kasachstan, Russland, Ukraine, Deutschland und Polen. Der Verband der deutschen Jugend Kasachstans stellte Mitglieder der Jugendvereine aus den Städten Almaty, Aktobe, Kokschetau und Ust-Kamenogorsk.

Das Programm des Trainingsseminars war sehr umfangreich und nützlich mit neuen Kenntnissen im Medien-Bereich – es gab interessante Workshops, aktuelle Themen, Austausch von Erfahrungen und Auffassungen aus dem Informationsumfeld zwischen den Teilnehmern aus verschiedenen Ländern.

Ihre Eindrücke der Veranstaltung als Ganzes und einiger Bildungsmodule sollen hier geteilt werden.

„Das Projekt hinterließ die wärmsten Erinnerungen! Vom ersten Tag an haben sich die Jungs und Mädels aus den verschiedenen Ländern zusammengeschlossen und wurden zu einer großen, freundschaftlichen Familie! Die Atmosphäre war sehr freundschaftlich, was die Arbeitseffektivität steigerte. Jeder Workshop war von Kreativität inspiriert, brachte neue Ideen und Gedanken hervor.

Der Workshop „Chroma Key“ war unvergesslich. Es war interessant, von den Möglichkeiten dieses Programms zu erfahren. Es ersetzt in einem Video den grünen Hintergrund durch irgendetwas nach dem eigenen Geschmack. Die Gruppe arbeitete mit vollem Einsatz! Auch haben wir die Grundlagen der Pflege von Gruppen und Accounts in sozialen Netzwerken sowie die Urheberrechte bei der Publikation von Foto- und Videomaterialien kennengelernt. Kristina Girschfeld (Kokschetau).

„Im Rahmen des Worksohps „Instagram und seine Regeln“ unter der Leitung von Oleg Komarow haben wir die notwendigen Bestimmungen kennengelernt. Wichtig für einen größeren Umfang an Seitenaufrufen ist es, das Profil öffentlich zu machen. Auf ihm sollten nur minimale private Informationen stehen. Damit die Nutzer wissen, was sie von der Seite erwarten können. Die Anzahl der Posts am Tag sollte einen nicht überschreiten, und der Text unter ihm sollte kurz und schön ausformuliert für ein angenehmes Lesen sein. Als Übung wurde eine Aufgabe gestellt – die Eröffnung einer Seite bei Instagram, um die Veranstaltungen des Projektes zu beleuchten. Bei uns ist ihr Autor eine fiktive Person, die Fotos und Videos wurden aus Sicht der Person geschossen. Dieser Workshop ist sehr aktuell in der Jugendarbeit mit sozialen Netzwerken. Den Workshop „Videoerstellung und Verarbeitung“ unterrichtete Walerija Kim, der als Regisseur in Almaty arbeitet. Wir haben erfahren, dass man dafür, um qualitativ hochwertig zu filmen, am besten professionelle Kameras verwendet. Das Licht sollte von vier Seiten einfallen, und für die Qualität des Tons sollte man Mikrofone verwenden: ein Richtmikrofon (Rode Video Mic Pro). Eine Gruppe oder ein Team sollte das Video drehen, die Musik sollte im Rhythmus der Aktionen im Video sein. Am besten zeigt man verschiedene Ausschnitte im Clip. Zum Beispiel: Großaufnahme, naher Schnitt, mittlerer Schnitt. Die gewonnenen Erkenntnisse passen hervorragend zur Arbeit des Jugendvereins“. Ksenija Schperling (Ust-Kamenogorsk)

„Am Ende eines der Tage fand der Abend der Kultur statt. Jedes Land hat seine eigene, besondere Kultur, welche sich von den anderen unterscheidet. Diese Unterschiede machen unsere Welt schöner und spannender. Davon konnten wir uns auf dieser Veranstaltung erneut überzeugen, welche es den Teilnehmern erlaubte, nicht nur sich gegenseitig näher kennenzulernen, sondern auch die Besonderheiten jedes der vorgestellten Länder. Alle haben die Vorzüge ihrer Staaten vorgestellt. Es gab ukrainische Lieder, russische Tänze, polnische Spiele, deutsche Aktivitäten und kasachische Süßigkeiten. Dabei fanden wir ab und zu Ähnlichkeiten, oder auch etwas nahes in der Seele, was uns zu einem Ganzen machte. Wir sind so unterschiedlich, aber doch so ähnlich! Nebenbei bemerkt,  neben leckeren Mitbringseln haben wir die eckte kasachische Gastfreundschaft und Freundlichkeit mitgebracht. Wir haben von unserer Heimat erzählt und natürlich auch von der Organisation „Wiedergeburt“. Jekaterina Lojtschenko (Almaty).

„Ich habe für die Vorstellung von Russland natürlich Bernstein aus Kaliningrad mitgebracht. Ich möchte meinen tiefen Dank dem JDR, dem DJO und meinem Jugendverein  der Russlanddeutschen RuDeKids für die Teilnahme an diesem Projekt, für die gewonnenen Kenntnisse und die neuen Bekanntschaften aussprechen! Es waren unglaubliche Tage, die als Erinnerung im Herzen bleiben werden, als ein eigenens Stückchen des Lebens. Wir haben gelernt, gelacht, zusammen gearbeitet und in einer freundschaftlichen Atmosphäre gelebt. Die Repräsentanten Russlands sangen auf kasachisch, die Polen auf russisch, die Deutschen auf ukrainisch und alles war fabelhaft! Im Rahmen des Programms haben wir eine Menge aus dem Medienbereich gelernt, wir konnten die Besonderheiten anderer Länder kennenlernen und haben eine tolle Zeit verbracht. Jetzt muss all diese Erfahrung und das Wissen im Leben verwirklicht werden“. Darja Melnitschuk (Kaliningrad).

„Für mich war dieses Projekt sehr herzlich, freundschaftlich, informativ und lustig. Unsere Gruppe repräsentierte die Ukraine. Alle Jungs und Mädels waren aus verschiedenen Städten , aber wir haben als ein Team zusammengearbeitet. Wir alle durchlebten in dem Projekt ein kleines, strahlendes Leben voller positiver Emotionen! Ich erinnere mich an die Workshops, in denen wir uns in neuen Berufen ausprobierten. An diesen Abenden haben wir mit den Jungs und Mädels aus Polen, Kasachstan, Deutschland und Russland gespielt. Ungeduldig warten wir auf neue Treffen!“ Tatjana Schargorodskaja (Odessa)

„Die Workshops brachten den Teilnehmern viele neue Informationen und Erkenntnisse für die Öffentlichkeitsarbeit in Zeitungen und Jugendorganisationen. Das Wichtigste war aber, dass es den Austausch zwischen den verschiedenen Ländern gegeben hat und viele neue Kontakte entstanden sind.“ (Dominik Duda, ifa-Kulturmanager beim Bund der Jugend der Deutschen Minderheit in Polen (BJDM)

„Während der acht Tage des Projektes haben wir viel gelernt und unser Wissen mit den anderen Teilnehmern geteilt. Die professionelle Journalistin aus Polen Anita Penzhalek habt uns die grundlegenden Prinzipien des Berufes beigebracht. Sie hat uns an Beispielen gezeigt, wie eine Nachricht positive und negative Information übermitteln kann. Dieses Wissen wird den Teilnehmern in Zukunft beim Schreiben von Artikeln und Posts helfen. Gleichzeitig mit unserem Projekt fand das Projekt „Meinungsmacherin international“ für Jugendliche verschiedener Nationalitäten statt. Wenn sich unsere Veranstaltungen überschnitten, hatten wir die Gelegenheit, uns mit Jungs und Mädels aus anderen Ländern  zu unterhalten. Der Hauptteil des Projektes fand in der malerischen Ortschaft Neuendorf statt, eine Stunde Fahrt entfernt von der Hauptstadt Deutschlands. Die letzten Tage haben wir aber in Berlin verbracht. Für uns wurde eine kreative Art organisiert, die Stadt näher kennenzulernen. Die Teilnehmer wurden in Teams aufgeteilt und machten eine Schnitzeljagd, während sie die Aufgaben erfüllten. Die Aufgaben brachten die Teilnehmer an die interessantesten Orte Berlins und stellten die reiche Geschichte der Stadt vor. Das professionelle Organisationsteam führte alle geplanten Veranstaltungen auf solch hohem Niveau durch, dass keiner der Teilnehmer gleichgültig blieb“. Irina Wagner (Aktobe).

Ubersetzung: Philipp Dippl

Komplett in die Theaterwelt eintauchen

In der Hauptstadt Kasachstans fand das erste landesweite Theaterfestival der deutschen Jugendtheatergruppen Kasachstans „Theater. Deutsch. Jugend.“ statt.

Die gesellschaftliche Stiftung „Kasachstanische Vereinigung der Deutschen „Wiedergeburt“, die Gesellschaft der Deutschen „Wiedergeburt“ der Stadt Astana und des Gebietes Akmolinsk, sowie die Union der deutschen Jugend Kasachstans organisierten das Festival.

Ehrengast der Veranstaltung war der Beauftragte der Bundesregierung Deutschland für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten, Pfrofessor Dr. Bernd Fabritius, der an der Abschlussveranstaltung teilnahm. Er besuchte Festivalaufführung, welche nach dem Abstimmungsergebnis der Jury die Nominierung „Bestes Theaterstück des Festivals“ erhielt. Dies war die Theatergruppe „Bunt“ aus der Stadt Aksu. Die Jungs und Mädels traten mit der Inszenierung „Das Sternenbild der streunenden Hunde“ auf, welches unter der Leitung von Larisa Nagornaja einstudiert wurde.

„Jetzt, wo das Festival beendet ist und wir wieder und wieder neue Kritiken dazu bekommen, können wir mit Zuversicht sagen, dass es ein Erfolg war. Die Jungs und Mädels sind aus verschiedenen Städten angereist und haben kolossale Erfahrungen gesammelt. Sie sind auf der Theaterbühne aufgetreten und haben sich wie echte, professionelle Theaterschauspieler gefühlt, sie haben auch an Workshops für Regie, Schauspielkunst, Choreografie, Maske und Bühnenbewegung teilgenommen. Ganz zu Beginn der Ausarbeitung des Programms haben wir mit Danila Chomko, dem Hauptdrehbuchautor, gerade den Workshops besondere Aufmerksamkeit geschenkt, da dies der Hauptfaktor für die künstlerische Entwicklung aller Teilnehmer ist. Das erste Festival sollte etwas Besonderes sein, deshalb versuchten alle, auf alles bis ins kleinste Detail zu achten, vom roten Teppich auf den Wegen bei der Eröffnung bis zu den goldenen Gedenkstatuetten beim Abschluss. Man muss natürlich das große Team an Profis erwähnen, die von der gemeinsamen Sache begeistert waren, und als Resultat eine wohltuende Traurigkeit empfanden, als alles vorbei war. Die Planungen für die nächsten Festivals können in größerem Maßstab mit der Ausweitung der geographischen Einflusssphäre angegangen werden. Ich möchte allen jungen Theaterfanatikern leuchtende Augen und eine fruchtbare Arbeit an sich selbst wünschen, denn das Motto unseres Festivals lautet: „Auf der Suche nach Perfektion…“! Brecht diese Suche nie ab, egal wie viel Erfolg ihr habt“. Maksim Jaschenko, Schauspieler des Maxim-Gorki-Hauptstadttheaters und Regisseur des Festivals.

Begonnen hat alles bereits vor zehn Jahren, als die ersten Theaterstudios im Rahmen des Projektes „Unterstützung für die Vereine der deutschen Jugend“ entstanden. Und seit 2016 gibt es ein eigenes Projekt, welches heute zehn Theatergruppen aus verschiedenen Regionen Kasachstans miteinbezieht. Die Zahl der aktiven Schauspielteilnehmer der deutschen Theaterwerkstätten umfasst rund 150 Jugendliche. Sie spielen in deutscher und russischer Sprache.

Seine Schauspielkunst zu zeigen und Erfahrungen auszutauschen wurde dank dem landesweiten Theaterfestival möglich, auf welchem Theaterstücke in deutscher Sprache von klassischen und modernen deutschsprachigen Dramaturgen gezeigt, sowie verschiedene Theaterworkshops zur Verbesserung des Könnens der jungen Talente und ihrer Regisseure organisiert wurden. Die Aussprache und Artikulierung deutscher Wörter wurde mit der Stellvertreterin der Jugendpartnerorganisation „Landsmannschaft der Deutschen aus Russland“ Oksana Lojdowa geübt, die den Workshop „Deutsch auf der Bühne“ leitete.

„Das Theaterfestival ist eine wunderbare Chance, um sich zu zeigen, sich zu beweisen und sogar, um sich selbst zu finden. Hier haben Schauspieler der verschiedenen Theaterwerkstätten der deutschen Jugend Kasachstans neue Freunde gefunden, ihre Fähigkeiten verbessert und dank der interessanten Workshops viel gelernt. Vielen Dank den Organisatoren für die Möglichkeit, mit dem Kopf in die Welt der ehrlichsten Kunst einzutauchen, in die Welt des Theaters. Und ein besonderes Dankeschön allen, die die Workshops geleitet haben, dank denen wir gelernt haben, kompetent auf der Bühne und hinter den Kulissen zu arbeiten. Ich habe kolossale Emotionen auf dem Festival durchlebt, es war strahlend, lustig und unvergesslich!“ Eliaweta Lachno, Schauspielerin des Studios „A-Theater“.

Die Maske. Leiter war Mjuna.

Maske bedeutet nicht nur die äußerliche Zeichnung des Charakters der vom Schauspieler dargestellten Person. Noch im kreativen Prozess der Arbeit an der Rolle ist sie ein klarer Impuls und eine Stimulation zur weiteren Entfaltung der Abbildung.

„Die Teilnehmer veränderten sich mit jeden Pinselstrich. Als Ergebnis des Workshops haben wir ausgewachsene Schauspieler erhalten! Wie viel doch das Make-Up verändern und verwandeln kann! Die Teilnehmer schlüpften schnell in ihre Rollen: sie knurrten, gingen langsam, als ob die Gelenke schmerzten. Ja, die Maske gibt dem Schauspieler eindeutig mehr Selbstvertrauen und Bewusstsein für den Charakter“. Kristina Girschfeld.

„Für mich war dies ein faszinierender Prozess: zu sehen wie vor deinen Augen ein Mensch, der neben dir sitzt, altert. Mir hat das sehr gefallen!“ Albert Glaser.

„Zum ersten Mal hielt ich verschiedene Make-Up-Pinsel in den Händen. Und ich war erstaunt, wie interessant das ist: mit Hilfe von verschiedenen Schatten kann man einen Menschen visuell altern lassen. Daran werde ich mich lange erinnern“. Rim Kamaldinow.

Bühnenbewegung. Leiter war Wadim Chalikow   

Die Bewegung auf der Bühne ist sehr wichtig, weil Text ohne Bewegung einfach nur eine Lesung von Wörtern ist. Die richtig gewählten Handlungen und die sichere Reaktion verleihen den Helden Vollständigkeit und dem Text Sinn.

„Ich bin sehr groß und für mich war es schwierig, einige akrobatisch Bewegungen zu machen. Aber am Ende gab es eine schöne Überraschung für mich! Wir haben mit Degen gekämpft. Es hat mir sehr gut gefallen“. Makism Zhumenko.

„ Ich habe immer davon geträumt, den Bühnenkampf zu lernen, und dank des Festivals hat sich der Traum erfüllt. Jeder von uns hat in diesem Workshop interessante Übungen zur Körperspannung erhalten“. Liana Barakat.

Choreografie. Leiterin war Aleksandra Schewtschenko

Tanzen, das ist dein Puls, dein Herzschlag, deine Atmung. Es ist der Rhythmus deines Lebens. Es ist der Ausdruck in Zeit und Bewegung, in Freude, Glück und Trauer…

„Man muss die Choreografie und den Choreografen selbst hervorheben. In diesem Workshop haben wir an der Mimik beim Tanzen gearbeitet, wir haben Musik angehört und dann unsere Assoziationen mitgeteilt, die mit dieser oder jener Komposition verbunden waren. Die Leiterin zeigte uns, dass die Choreografie nicht nur Tanz ist. Das sind Emotionen und es ist eine Art, Gefühle auszudrücken“. Liana Barakat.

„Das Festival überraschte mit seiner warmen, freundschaftlichen Atmosphäre, die Organisatoren haben alles bis zum kleinsten Detail durchdacht, auf jeden Teilnehmer wurde geachtet. Alles war vom Geist der Kreativität durchtränkt, alles war sehr „theatralisch“, jeder hat sich wie ein echter Artist gefühlt. Ich möchte den Theatermitarbeitern danken für die Hilfe bei Licht und Ton, genauso wie den freiwilligen Helfern, die dabei geholfen haben, die Probleme mit den Requisiten zu lösen. Unser Kollektiv ist noch sehr jung, es wurde im Vorfeld des Festivals gegründet, und gleich ein solcher Erfolg! Es ist mein erstes Theaterstück in deutscher Sprache, ich habe eine riesige Erfahrung gesammelt, mit der Teilnahme an so einem Theaterprojekt ist bei mir der große Wunsch entstanden, Deutsch zu lernen. Ich möchte alles behutsam in meinem Herzen bewahren, was wir auf diesem Festival gewinnen konnten, und es in der weiteren Theaterarbeit vermehren“: Larisa Nagornaja, Leiterin des Theaters „Bunt“.

„Dieses Theaterfestival brachte viele positive Emotionen. Das Theater lebt unter unseren jungen Menschen und es lebt nicht nur, sondern es gewinnt mit jedem Jahr, mit jeder Inszenierung einen klaren Rahmen, Professionalität, Ästhetik und Schönheit. Und natürlich dieser riesige Koffer an Wissen, den die Schauspieler und Regisseure mitgebracht haben. Ich bin mir sicher, dass alle Vorstellungen, die auf der Bühne des Festivals gezeigt wurden, nur der Beginn für etwas größeres, grandioses sind. Vielen Dank den Organisatoren und den Teilnehmern des Festivals für die tolle Zeit, die wir verbracht haben!“ Aleksej Scherbinin, Regisseur der Theaterwerkstatt „Grashüpfer“.

„Die Erinnerungen an das Theaterfestival „Theater. Deutsch. Jugend“ werden für immer in meinem Herzen bleiben. Dank dieses Festivals habe ich viele neue Dinge entdeckt. Wie faszinierend und interessant waren die Workshops von den herausragenden künstlerischen Persönlichkeiten, Profis in ihrer Sache, die bereitwillig ihr Wissen mit uns, angehende Schauspieler, teilten! Am meisten erinnere ich mich an den Workshop für szenische Maske: in nur einer Stunde haben sich die Jungs und Mädels in alte Menschen verwandelt. Auch möchte ich der Leiterin unseres Theaterstudios Oksana Focht danken, die das Team im Verlauf des gesamten Festivals unterstützt, uns ermutigt und auf den Sieg eingestimmt hat. Und natürlich möchte ich unserem Regisseur Alibek Omirbekuly besonderen Dank aussprechen. Er hat einen Teil seiner Seele in uns gesteckt, seine reiche Erfahrung mit uns geteilt und uns eine wichtige Wahrheit gelehrt: das wichtigste ist nicht der Sieg, das wichtigste ist, Spaß am Spielen auf der Bühne zu haben, jene Gefühle zu genießen, die ein Mensch im normalen Leben nicht spüren kann. Ich bin mir sicher, dass dieses Festival nicht das letzte in meinem Leben war und ich die Möglichkeit haben werde, noch einmal daran teilzunehmen“. Esenija Graf, Schauspielerin der Theaterwerkstatt „A-Theater“.

„Emotionen und Erfahrungen. Vielen Dank für all die Farben. Es war eine unvorhersehbare Reise in die Welt der Kunst. Sehr angenehm war es, das hohe Niveau der Vorbereitung der Gruppen aus verschiedenen Städten zu verfolgen, die wirklich stehende Ovationen verdient haben. Die Workshops waren unglaublich toll, besonders beeindruckt hat mich der Bühnenkampf und die deutsche Rede. Vielen Dank dem Vorsitzenden der Jury für diese abwechslungsreiche Auswahl an Trainings. Ich möchte allen weiteres Wachstum und neue, interessante Arbeiten wünschen“. Anastansija Mintz, Schauspielerin der Theaterwerkstatt „Faden“.

„Vielen Dank für die Möglichkeit, an diesem tollen Festival teilzunehmen. Alles war auf sehr hohem Niveau: die Eröffnung und der Abschluss, die freiwilligen Helfer und die Organisatoren, die besten Voraussetzungen für die Festivalteilnehmer und die Lehrer der Workshops. Und die Theaterstücke, die von den Gruppen dargeboten wurden, waren einfach super. Mit hat die Organisation und die kompetente Tagesplanung sehr gefallen. Vielen Dank, dass ich in diese theatralische Atmosphäre eintauchen konnte, in diese unglaubliche Welt der Kunst“. Walera Woronin, Schauspieler der Theaterwerkstatt „Faden“.

Liebt das Theater!

Ubersetzung: Philipp Dippl

Die „Seniorenakademie“ in Semej

Elf Repräsentanten der älteren Generation der gesellschaftlichen Vereinigung der Deutschen „Wiedergeburt“ der Stadt Semej und der nahegelegenen Kreise haben an dem Projekt „Seniorenakademie“ teilgenommen, welches auf Basis des Prophylaktoriums „Karagajly“  durchgeführt wurde.

Marija Gorbatschjowa

Heutzutage haben die Bewohner ländlicher Gebiete, die das Rentenalter bereits erreicht haben, oft nicht die Möglichkeit, eine vollwertige, zeitgemäße Gesundheitsbehandlung zu erhalten, weil es in ihrer Ortschaft kein qualifiziertes medizinisches Personal gibt. Und die Behandlung in einem Kursanatorium kann sich aufgrund der hohen Preise lange nicht jeder leisten. Dank der Gesellschaft der Deutschen haben die Teilnehmer des Projektes im Laufe einer Woche eine komplexe Therapie und eine vielfältige, ausgewogene Ernährung erhalten, während sie sich ständig mit der Jugend austauschten.

Vor dem Beginn des Projektes machte Marija Nejgum, Psychologin, die Mitglieder des Vereins der deutschen Jugend „Glück“ mit den Besonderheiten in der Kommunikation mit älteren Menschen bekannt. Die Jungs und Mädels halfen den Teilnehmern mit Hilfe spielerischer Übungen dabei, sich gegenseitig näher kennenzulernen. Die Senioren erfuhren Neuigkeiten aus dem Leben der gesellschaftlichen Stiftung der Deutschen Kasachstans und der Gesellschaft der Stadt, füllten den Fragebogen „Wir sammeln neue Projektideen“ aus, und bekamen einige Exemplare der DAZ überreicht.

Der zweite Tag war dem interessanten Thema „Das Kochbuch von meiner Oma“ gewidmet. Olga Beder, die Betreuerin der Sprachprojekte und Methodistin der Gesellschaft, erzählte zusammen mit ihren jungen Helfern interessante Fakten aus dem kulinarischen Leben der Russlanddeutschen.

Im Verlauf der Gespräche kam es zu einem Vergleich der Dialekte der Teilnehmer mit der deutschen Literatursprache. Die Anwesenden teilten gegenseitig Rezepte von Speisen aus, die ihre Mütter und Großmütter gekocht hatten und mit denen sie auch heute noch mit Freude ihre Kinder und Enkel bewirten.

Das Thema des darauffolgenden Tages war „Sportliche Aktivitäten im Alltag“. SwetlanaKirdjaschkina, die Leiterin des „Nordic-Walking-Clubs“ der Gesellschaft teilte Ratschläge zur Erhaltung der Gesundheit, sowie zur Bewahrung der Lebensspannung und der positiven Stimmung. Sie erzählte vom Nordic-Walking und zeigte leichte Übungen für ein gutes Wohlbefinden. Die Senioren ihrerseits erinnerten sich an die Hochzeitstraditionen und die Bräuche der deutschen Ethnie. Wasilij Kael trug virtuos Hochzeitslieder auf dem Akkordeon vor, die alle freundschaftlich mitsangen.

Die Projektteilnehmer wurden von Studenten der medizinischen Hochschule „Avizenna“ besucht, die unter der Leitung der Psychologin Asem Arykbaewa Vorträge zu den Themen „Prophylaxe und Heilung von Erkrankungen des Bewegungsapparates“, „Prophylaxe vor ORWI und Grippe“ und „Die richtige Anwendung des Tonometers“ vorbereitet haben.

Lilija Gontscharuk, die Vorsitzende der Gesellschaft „Wiedergeburt“ der Stadt Semej hörte sich die Meinungen und Kritiken über die Veranstaltung an und erzählte von den Neuigkeiten aus dem Leben der Gesellschaft.

Madijar Sarsembekow, ein Teilnehmer an den Deutschkursen für Jugendliche: „Meine Eindrücke von der Arbeit mit der älteren Generation sind die allerbesten, so sind doch die Senioren sehr herzliche Menschen, aufrichtig und emotional, mit dem starken Wunsch, ihr Wissen und ihre Erinnerungen die vergangenen Zeiten mit dir zu teilen. In den wenigen Tagen, in denen das Projekt stattfand, habe ich sehr viel neues und interessantes aus dem Leben der ethnischen Deutschen Kasachstans gelernt. Die kulinarischen Rezepte haben mich beeindruckt und ich möchte sie in Zukunft selbst verwenden“.

Kristina Golubewa, Mitglied im Verein der deutschen Jugend: „Es war interessant, zu beobachten, wie sich die Senioren mit Zittern an ihre Jugend erinnerten und von interessanten Familienbräuchen und Traditionen erzählten“.

Brigita Nejman, Teilnehmerin an dem Projekt: „Vielen Dank allen Organisatoren, ich war sehr gerührt von der freundlichen und aufmerksamen Haltung der Jugend zur älteren Generation“.

Solche Veranstaltungen fördern die Kontinuität der Generationen, bilden bei der Jugend ein Gefühl der Verantwortung heraus. Die ältesten Mitglieder der Gesellschaft sind die Bewahrer der Sprache, der Traditionen, der Bräuche und der Kultur, und sie sind immer bereit, all dies mit der jungen Generation zu teilen.

Übersetzung: Philipp Dippl

Zum Leben der Ethnie – von Kindesbeinen an

Ljudmila Kremenzowa

Jedes Jahr im Mai führen die Lehrkräfte der Sonntagsschule der gesellschaftlichen Vereinigung der Deutschen „Wiedergeburt“ der Stadt Semej für ihre Zöglinge eine Veranstaltung zu Ehren des Schuljahresendes durch. In diesem Jahr haben die Absolventen zusammen mit der Lehrerpraktikantin Kristina Golubewaja ihr Deutschniveau unter Beweis gestellt und sich an die Traditionen der deutschen Feiertage zurückerinnert – Kenntnisse, die sie in den wöchentlichen Unterrichtsstunden und zahlreichen thematischen und Feiertagsveranstaltungen erworben haben, die von der Gesellschaft „Wiedergeburt“ durchgeführt wurden.

Es muss angemerkt werden,dass trotz ihres jungen Alterns viele der Schüler bereits mehrmals an verschiedenen städtischen Festen teilgenommen haben. Es wurde eine Ausstellung mit den Bastelarbeiten der Schüler organisiert, die in den unterhaltsamen Bastelstunden unter der Leitung von Wiktorija Schewelewaja hergestellt wurden. Die Gesangsgruppe trug mit Unterstützung ihrer musikalischen Leiterin Oksana Fomina und des jungen Publikums lustige Lieder auf Deutsch vor. Das spannendste Ereignis war die Überreichung der Urkunden für die Erfolge beim Erlernen der deutschen Sprache, der Traditionen und der kreativen Leistungen. Nicht alle Teilnehmer verabschiedeten sich bis September. Im Juni kommen sie erneut zu einem Sprachcamp „Wiedergeburt“ im Haus der Freundschaft zusammen, wo im Laufe von zwei Wochen die sprachlichen Fertigkeiten verbessert werden, kreativ gearbeitet wird und Volkstänze und -lieder einstudiert werden. Ebenso sind Spaziergänge durch die Heimatstadt, Ausflüge in die Natur und der Besuch von Ausstellungen und Theatervorführungen vorgesehen.

– Wir beginnen mit der Heranführung der Kinder zu den Aktivitäten der Gesellschaft von Kindesbeinen an, und anschließend wechseln sie Schritt für Schritt in die Jugendprojekte und in den Jugendverein, – merkte die Methodistin von „Wiedergeburt“ Olga Beder an.

Und für die mittleren und Jugendgruppen der Sonntagsschule vergeht das letzte Klingeln mit einem Ausflug in den Kiefernwald.

Übersetzung: Philipp Dippl

Erdenmensch: Nikolaj Miller

Das Leben der Menschen ist unterschiedlich ausgeformt. Es repräsentiert alles: glückliches, trauriges, aber wenn du irgendwas erreichen willst, bist du immer Herr deines eigenen Schicksals. Auf der Suche nach solchen Menschen bin ich auf das Buch „Meine Lieben“ (Autor: N. Miller) gestoßen, freundlicherweise von Olga Grigorjewa zur Verfügung gestellt, welches von Jurij Pominow vorbereitet und herausgegeben wurde. Das Buch hat mich ergriffen, und umso mehr wollte ich wissen, wie der heute berühmte Getreidebauer aus dem Irtysch-Kreis im Gebiet Pawlodar Nikolaj Aleksandrowitsch Miller, der in diesem Jahr seinen 70. Geburtstag feierte, heute lebt. Dies ist ein Mensch, der Freude und Leid empfindet, bezwingt und aufblüht, kurz gesagt, er lebt sein unverwechselbar einzigartiges Leben.

Ljudmila Bews

Für Nikolaj Miller ist alles auf der kasachischen Erde heimisch: das Land des Irtysch, wo die Kornfelder bis zum Horizont reichen; die Menschen, unter denen er aufwuchs; die Landwirtschaft, in die es ihn zum Arbeiten geführt hat; und schließlich seine Umgebung.

„Ich habe oft darüber nachgedacht, – sagt er, – warum wird ein Mensch geboren und für was lebt er? Was die Geburt betrifft, sie ist von etwas höherem vorherbestimmt, nicht aber die Verdienste des Menschen, der in der Tatsache geboren wurde, auf der Welt zu erscheinen. Aber wofür und wie man lebt – das entscheidet letztendlich jeder für sich selbst. Es kommt vor, dass ein Mensch, der in einer glücklichen Familie geboren wurde und aufgewachsen ist, ein solch talentfreies Leben führt, dass er sich in den Jahren des Niedergangs an wirklich nichts mehr erinnern kann. Der eine lebt, ohne an irgend etwas zu denken, ein anderer erleidet Schwierigkeiten. Oft kann ein Mensch einfach nicht wissen, was mit ihm passieren könnte (dies ist meinem Vater und meiner Mutter nicht nur einmal passiert, sowie ihren Eltern und wahrscheinlich auch deren Vorfahren…)“.

Nikolaj Aleksandrowitsch selbst stammt von den Saratower Deutschen ab. Sein Großvater Aleksandr Miller und die Großmutter Polina Bil kamen nicht um ein hartes Schicksal herum: Zuerst wurden die Eltern der Großmutter Opfer der allgemeinen Enteignung, und im Jahr 1942 wurden sie zusammen mit sechs Kindern nach Kasachstan deportiert. „Wir können uns heute nur schwer vorstellen, welchen Horror von all dem Geschehenen die Menschen erleben mussten, die über Nacht ihres Elternhauses und ihrer ganzen Habseligkeiten beraubt wurden, und im Winter wer weiß wohin geschickt wurden. Und vor allem, nicht wissend, wofür“, schreibt N. A. Miller in seinem Buch „Meine Lieben“. So waren doch für die sowjetischen Deutschen, die die Sowjetunion als ihre Heimat ansahen, die Feinde ihres Landes auch ihre Feinde… Die Erlasse der 1940er Jahre wurden jedoch schnell und bedingungslos ausgeführt. Und da war der Güterwagen in das Dorf Zhanatan. Wir sind irgendwie durch den Winter gekommen (es war Februar), im Sommer haben wir eine Erdhütte gegraben. Bald verlor die Familie den Ernährer: Aleksandr Miller wurde in die Arbeitsarmee gesendet, um die Eisenbahn in den Ural zu bauen. Und wäre der Großvater im Jahre 1944 nicht ausgemustert worden, hätte die Familie kaum überlebt: allen hing zu dieser Zeit die Haut bis auf die Knochen. Der Großvater von Nikolaj Miller war ein hervorragender Blechschmied und Mähdrescherfahrer. Die örtlichen Kasachen haben Ajran, Kurt und Bauyrsaki zur Arbeit mitgebracht. Die Familie überlebte.

Hier, im Irtysch-Gebiet, haben sich die späteren Eltern von Nikolaj getroffen – Aleksandr Miller (Brigadeleiter der Traktoristen) und Nadezhda Zhurawljowa (Vorarbeiterin der Ackerbauern). Miller erinnert sich: „Der Vater war ein wahrhaftiger Getreidebauer, ein Landmensch“. Das gleiche kann man heute mit Gewissheit über Nikolaj Aleksandrowitsch selbst sagen.

Solange sich Nikolaj erinnern kann, hat sich mit dem Vater eine besondere Beziehung herausgebildet: er hob ihn von den anderen Kindern hervor, er sah in seinem Sohn zweifellos seine eigene Fortsetzung – einen Getreidearbeiter. Und Kolja ging tatsächlich zum Studium auf die technische Fachschule für Mechanisierung und Elektrifizierung der Landwirtschaft Scherbaktinsk – auf den Spuren seines Vaters. Letzterer freute sich sehr über die Wahl seines Sohnes, und als Nikolaj entschied, sein erstes Praktikum in der väterlichen Brigade zu absolvieren, kannte der Stolz von Aleksandr Aleksandrowitsch keine Grenzen.

Schule, technische Fachschule, Verteidigung des Diploms, Armee… Und seit 1976 hängt sein ganzes weiteres Leben zusammen mit der Abaj-Sowchose (vom Chefingenieur bis zum Direktor). Der Weg auf dieser Erde ist auch jener, dass hier in der Familie von Tamara und Nikolaj Miller vier Kinder geboren wurden: Aleksandr, Nikolaj, und die Zwillinge Wladimir und Ewgenij. Nikolaj Aleksandrowitsch scherzt, dass die Geburt der Zwillinge ein Markenzeichen der Millers war. Es gab auch die Periode, als er verstand, dass ihm sein Wissen nicht ausreicht, weshalb er ein Fernstudium an der Industriefachschule Pawlodar abschloss. Er war ständig mit der Selbstbildung beschäftigt und studierte bei Spezialisten – Kandidaten der Wissenschaften.

Es gab Zeiten, als ihn Freunde in die Region Omsk riefen, aber er war entschlossen und fest davon überzeugt, dass sein Heim, seine wichtigste Angelegenheit in Kasachstan liegt, und es nichts besseres gibt, als Getreide auf dieser Erde anzubauen. Er hat auch Deutschland besucht: erstens blieb er von der großen Familie der Miller alleine zurück (alle sind in die historische Heimat zurückgegangen), er wollte mit eigenen Augen sehen, wie die Verwandtschaft sich niederließ; zweitens hat er nicht nur einmal vom Überfluss der Lebensmittel gehört und sich gefragt: „Wie kann das sein? Den Krieg haben wir gewonnen, aber sie leben besser?“; drittens dachte er über sein Schicksal nach und musste eine Wahl treffen. Bis heute schmunzelt er: „Die Reise wurde für zehn Tage geplant, aber schon am vierten Tag zog es mich wieder heim. Leben soll man dort, wo man sich daheim fühlt“.

Im Kreis Irtysch hat es an echten Getreidebauern, an ausgezeichneten Technikern nie gemangelt. Die Dynastie der Millers ist unter ihnen. Wenn die Rede vom Handwerk ist, bezeugt Nikolaj, dass die Familiendynastie die beste Berufsschule ist. Und es ist wirklich so, wer vermittelt die Grundlagen eines Berufs besser, als die Eltern oder nahen Verwandten?

Nikolaj Aleksandrowitsch wird geachtet. Es scheint, das Geheimnis der Autorität unter den Dorfgenossen ist die besondere, die millersche Beziehung zum Landwirtschaftsarbeiter. Und von hier an ist es kein einfaches „Danke für die Arbeit“, sondern gewichtige Geschenke: Autos, Tonbandgeräte, ernsthafte Prämien bis zu 60.000 und noch viel mehr… Miller ist ein leidenschaftlicher Mensch. Er liebt das Risiko, den Erfolg, den Streit, die Diskussionen, wenn dies zum Wohl der Sache ist. Sein Motto ist: „Den anderen ein Stückchen voraus sein!“ Und daafür muss man ein bisschen mehr tun, etwas verbessern, etwas neues wagen, sich vervollkommnen. Und deshalb ist er eine Führungskraft, Träger des Ordens „Құрмет“, Ehrenbürger des Irtysch-Kreises und „Führer des Jahres 2018“.

Seine Lieblingsjahreszeit ist der Sommerbeginn, wenn die Felder von einem sanften, grünen Teppich der ersten Triebe bedeckt sind. Und dann gibt es nichts schöneres und teureres. Solche Momente spenden Kraft, Vertrauen, Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Außerdem liebt er den Spätherbst, wenn die Mähdrescher die letzten Brotrollen einfahren. Und diese letzten Momente der Ernte verleihen Seelenfrieden und Stolz für seine Sache: ein Getreidebauer sein, ein Landmensch. Nikolaj Aleksandrowitsch hat auch die Begabung, ein großartiger Ehemann, guter Vater und wunderbarer Großvater zu sein, der vor kurzem die Hochzeit seiner geliebten Enkelin Tamara und ihrem Auserwählten Pawel gefeiert hat. Denn solange Hochzeiten gefeiert werden, geht das Leben weiter!

Übersetzung: Philipp Dippl

Tanzparadies in Aktau

Tanz ist eine universelle Sprache, die alle Feinheiten der Seele vermittelt. Das deutsche Tanzkollektiv „Wiedergeburt“ existiert noch kein Jahr, aber in Aktau hat es sich bereits in den Kopf eingeprägt.

Dmitrij Schinkarenko

Bereits seit 19 Jahren findet am Ufer des Kaspischen Meeres der Wettbewerb „Tanzparadies“ statt. Am Anfang nahmen daran lokale Tanzgruppen teil, aber mit den Jahren erweiterte sich das Einzugsgebiet derer, die kamen.  Jetzt nehmen an der Tanzveranstaltung in Aktau mehr als tausend Tänzer teil. In diesem Jahr hat die junge deutsche Gruppe „Wiedergeburt“ seine Stärken unter Beweis gestellt. Die Teilnehmer sind drei Jungs und vier Mädels im Alter von 9 bis 15 Jahren.

Wir haben erkannt, dass die Konkurrenz riesig ist, aber die Tatsache, dass die Jungs und Mädels zum ersten Mal eine große Bühne betreten haben und aufgetreten sind, ist bereits ein großer Schritt vorwärts. Wir haben viel zu tun. Wir strengen uns an, – erzählt die künstlerische Leiterin von „Wiedergeburt“ Marija Gusejnowa.

Dass wir keine Preise gewinnen konnten, hat die jungen, aber vielversprechenden Mitglieder des deutschen Kollektivs nicht verstimmt. Sie hatten nämlich nicht nur das Glück, auf der großen Bühne vor den Profis aufzutreten, sie konnten sie auch zum Staunen bringen. Klare und harmonische Bewegungen, knallige Kostüme, eine geballte Ladung an Munterkeit und Energie, das ist wie sich die Jungs und Mädels mit einer deutschen Polka präsentiert haben. Marija Gusejnowa ist die Präsidentin des Break-Dance-Bundes Kasachstans. Sie ist keine Deutsche, aber sie liebt von ganzem Herzen die Kultur und die Traditionen dieses Volkes. Außerdem verrät der mittlerer Sohn Eldaniz Gusejnow, der nebenbei Präsident des Studentenrates der Deutsch-Kasachischen Universität ist, der Mutter nicht selten, wie sich die Bewegungen in den Tänzen der Deutschen aus verschiedenen Regionen unterscheiden.

– Als ich vor fünf Monaten gebeten wurde, den Kindern Tanzen beizubringen, habe ich zugesagt. Ich kann kein Deutsch, aber Tanzen ist die universelle Sprache des Körpers, welche praktisch jeder beherrscht. Zuerst haben wir die deutsche Polka gelernt, jetzt arbeiten wir an der Inszenierung „Ährchen“. Mir ist aufgefallen, dass die Deutschen verwebte Bewegungen lieben, deshalb hab ich mich dazu entschieden, das zu probieren, – merkt Marija an.

In kurzer Zeit haben sie es geschafft, dass sich Aktau in das junge Kollektiv verliebt. Es erschienen Interessierte, um sich in die Gruppe einzuschreiben. Die künstlerische Leiterin, die die Unterrichtsstunden kostenlos hält, ist überglücklich: Je mehr Leute von „Wiedergeburt“ wissen, desto besser. Marija hat den Plan,den berühmten deutschen Fässertanz zu inszenieren.

Der 13-jährige Adam Eskerchanow ist einer der talentierten Teilnehmer der Gruppe. Er ist begeistert vom Freistilringen, besucht einen Gesangskreis, lernt Deutsch und ist nun ein aktives Mitglied von „Wiedergeburt“. Die Großmutter von Adam, Frida Genrichowa, unterstützt das Hobby des Enkels vollständig.

– Wenn ich die deutsche Sprache höre, wenn ich sehe, wie sie tanzen, dann erinnere ich mich an meine Kindheit. Da fließen einem die Tränen über die Wangen. Das ist ein Gefühl, das man mit Worten nicht beschreiben kann, – sagt die Seniorin gerührt, als sie ihren Enkel umarmt.

Das Tanzkollektiv „Wiedergeburt“ ist noch absolut jung, aber man kann bereits jetzt sagen, dass es eine große Zukunft haben wird. Es kann sein, dass man genau diese Jungs und Mädels in ein paar Jahren auf internationalem Niveau hören wird.

Übersetzung: Philipp Dippl

Internationale wissenschaftspraktische Konferenz: Kommentare

Albert Rau, Doktor der Wirtschaftswissenschaften, Deputierter der Mazhilis des Parlaments, Vorsitzender des Verwaltungsrates der Gesellschaftliche Stiftung „Vereinigung der Deutschen Kasachstans „Wiedergeburt“, Stadt Nur-Sultan, Kasachstan:

– Ich möchte allen Teilnehmern der Konferenz meine Dankbarkeit dafür ausdrücken, dass sie unserer Einladung entsprachen, für die großartige Arbeit und das fortdauernde Interesse in die Geschichte der kasachstanischen Deutschen. Ich habe aktiv an der Vorbereitung der Konferenz als Organisator teilgenommen und als „Auftraggeber der Stiftung“ die Anfrage eingereicht.
In diesem zeitlichen Abschnitt ist unser Ziel das Programm zur Entwicklung der deutschen Ethnie Kasachstans. Es wäre undenkbar ohne den Abschnitt der Geschichte, zusammen mit der Sprache, der Kultur usw. Aber in diesen Zeiten, wie eine Bekannte von mir anmerkte, sind wir zwischen der Vergangenheit und der Zukunft hin und hergerissen. Es lohnt sich, über diese Äußerung nachzudenken, da es ja weiße Flecken in der Geschichte gibt.
Im Zusammenhang mit der Erarbeitung des Programms zur Entwicklung muss eine Frage glasklar gestellt werden: „Was wollen wir?“ Es ist wichtig, zu verstehen, dass man jetzt handeln muss, eine Verlängerung könnte uns eine böse Lektion lehren, und ohne diesen Abschnitt können wir uns nicht weiterbewegen.
Die erfolgreichen Beispiele der Digitalisierung aus der Erfahrung ausländischer Kollegen können uns eine große Hilfe erweisen. Von großem Interesse sind digitale Stammbäume, die fortwährend mit neuen Informationen über Ihre Vorfahren aktualisiert werden. Es gibt ein immens großes Feld an Möglichkeiten, das wichtigste ist, die Aufgaben richtig zu verteilen!

Dr. Alfred Ajsfeld, Stadt Göttingen, Deutschland:

– Bei der Beurteilung des NPK-Programms muss man die Idee der systematischen Herangehensweise an die Erforschung der Geschichte der Deutschen genauer betrachten, ebenso die Ausweitung der Quellenbasis, was schon alleine ein Garant für den weiteren Erfolg der Forschung darstellt. Was könnten die Perspektiven sein? Es wurden Empfehlungen auf Basis herangezogener Aufsätze ausgegeben. Ihre Verwirklichung hängt insbesondere davon ab, wie groß das Interesse von Seiten der Deutschen Kasachstans selbst ist, inwieweit sie fair und deutlich ihre Wünsche und die Notwendigkeit der Erforschung der Geschichte der Deutschen als Teil des kasachstanischen Volkes der jungen Generation und dem Staat vermitteln können.

Ljudmila Burgant, M.I.N., Stadt Ust-Kamenogorsk, Kasachstan:

– Ich erwarte, dass diese Konferenz uns hilft, die Kräfte zu vereinen, um eine historische Ausrichtung der Arbeit der Gesellschaftliche Stiftung „Vereinigung der Deutschen Kasachstans „Wiedergeburt“ einzuleiten. Das ist genau das, wonach wir uns schon seit Jahrzehnten sehnen. Und es hilft tatsächlich unserer Geschichtswissenschaft, der Historiografie der Deutschen Kasachstans, ein völlig neues Niveau zu erreichen. Vielleicht wird das nicht in einem Jahr, vielleicht nicht in zwei Jahren passieren, aber vielleicht in fünf, aber wir werden in der Lage sein, einen historiografischen Aufschwung ähnlich dem russischen zu erreichen und vollwertig über die Geschichte der Deutschen Kasachstans zu sprechen!
Insbesondere muss man eine historische Stoßrichtung in der zentralen Arbeit mit der Jugend vorgeben. Dafür ist es nötig, die historischen Bestandteile des Programms, die Sprachfreizeiten, die Familienakademien und andere Projekte mit einzubeziehen. Wir brauchen Historiker aus der Mitte der deutschen Ethnie. Natürlich ist die ethnische Zugehörigkeit in dieser Frage nicht unbedingt ausschlaggebend, allerdings lässt sich, wie die Praxis zeigt, die Geschichte sehr viel wirksamer aus der Mitte des Volkes selbst erforschen. Deshalb müssen wir es so handhaben, dass sich bei uns der Auftrag, Geschichtsforscher zu werden, herausbildet.
Leider ist die Situation heute so, dass die Familie das historische Erbe nicht mehr weitergibt. Die Familie, in der die Geschichte bewahrt und weitergegeben wird, ist bereits eher eine seltene Ausnahme als die Regel. Meiner Meinung nach müssen diese Aufgabe insbesondere die öffentlichen Strukturen der Deutschen auf sich nehmen und der Jugend helfen, die Geschichte ihres Volkes kennenzulernen, sie zu bewahren und in der Folge sie zu erforschen.

Aleksandr Bjottcher, K.I.N, Stadt Hückelhoven, Deutschland:

– Meine Rede betraf das Thema „Museen, Ausstellungen und Internetressourcen über die Geschichte der Deutschen aus den Ländern der früheren UdSSR in Deutschland: kurzer Überblick“. Das Hauptanliegen meiner Teilnahme war, Erfahrungen zu teilen, die in Deutschland im Bereich der Präsentation und der Verbreitung der Geschichte und der Kultur der Deutschen aus Russland und Kasachstan bereits gesammelt wurden. Die Rede war auf konkreten Beispielen der Digitalisierung gegründet, eines davon ist das digitale Lehrbuch, das von einem Institut aus unserem Bundesland Nordrhein-Westfalen in Zusammenarbeit mit dem Museum der Geschichte und Kultur der Russlanddeutschen erstellt wurde.
Anastasija Koroljowa

Übersetzung: Philipp Dippl

Und im Digitalen spiegelt sich unsere Welt wider

Vom 14. bis zum 15. Mai fand in der Stadt Nur-Sultan die internationale wissenschaftlich-praktische Konferenz „Die Deutschen Kasachstans: historische Erinnerung der Ethnie und Digitalisierung der Informationsressourcen“, die von der Gesellschaftliche Stiftung „Vereinigung der Deutschen Kasachstans „Wiedergeburt“ organisiert wurde.

Die Konferenz war die logische Fortführung einer Reihe von Veranstaltungen, ausgerichtet auf die Bewahrung und Entwicklung der deutschen Ethnie in unserer Republik. Und ihre Entscheidungen und Vorschläge, die von Wissenschaftlern, Persönlichkeiten aus der Gesellschaft und Schriftstellern aus Kasachstan, Russland, Deutschland und der Ukraine geäußert wurden, werden ganz gewiss ihre Widerspiegelung im „Programm zur Entwicklung der deutschen Ethnie der Republik“ finden, welches von der Gesellschaftliche Stiftung „Wiedergeburt“ in den nächsten fünf Jahren erarbeitet wird.

Die Prognosen beeindrucken…

Die Digitalisierung in der Welt schreitet seit vielen Jahren voran und Millionen von Mitteilungen, Dokumenten, Fotografien, Kilometer an Filmbändern wurden in ein digitales Format übertragen. So ist nicht nur der unbegrenzte Erhalt von Informationen in den Netzwerken garantiert, sondern sie wurden ebenso mobiler und zugänglicher für Millionen von Nutzern in der ganzen Welt.
In Kasachstan hat dieser Prozess erst kaum die Berge von Lagern und Papierarchiven erreicht. So interessieren auch uns, die Repräsentanten der deutschen Ethnie, ganz besonders die Materialien über unsere Vorfahren, über die Repressionen und die Rehabilitierungen, über den Beitrag der kasachstanischen Deutschen an der Entwicklung der Kasachischen SSR und der anschließenden unabhängigen Republik. Und dies wurde beinahe zum Hauptthema der Konferenz.
Die Transformation der Dokumente ins Digitale, das ist nur ein Teil der riesigen Aufgabe in der Entwicklung der deutschen Ethnie Kasachstans. Probleme gibt es viele: es fehlt an Ausrüstung und Personal. Darüber beschweren sich die Vorsitzenden der Archive auf allen Ebenen. Nach Meinung eines Archivars dauert die Digitalisierung aller Dokumente nur eines einzigen Regionalarchives nicht weniger als einhundert Jahre täglicher Arbeit! Die Prognosen beeindrucken…
Ein nicht weniger wichtiges Problem: die Deutschen zum Interesse an ihren Wurzeln zu motivieren. Warum?! Damit die Menschen wissen, woher sie in das gastfreundliche Land Kasachstan kamen und wer ihre Vorfahren sind… Vielleicht ist es dann klarer und man kann es bewusster verstehen – das ist nicht deshalb wichtig, um sich über jemanden zu erheben, aber um alle Regeln der internationalen Toleranz zu akzeptieren, und selbst ein Deutscher zu bleiben. Wie kann man das erreichen? Nach Meinung der Teilnehmer der Konferenz ist das ohne Digitalisierung praktisch unmöglich.
Es wurden verschiedene Vorschläge gemacht: eine eigene Internetseite gestalten und seinen Stammbaum erstellen.. Oder auf Basis regelmäßiger Bezahlung diese Aufgabe einem Spezialisten übergeben, der Internetressourcen solcherart betreibt. Ein riesiger Teil der Welt sucht jetzt, wie aufgewacht, nach der Erhellung im Dunkeln ihrer Verwandtschaft. Und das kann sich auch für uns als nützlich erweisen…

Das virtuelle Museum der deutschen Ethnie

Darüber wurde viel und mit verschiedenen Positionen geredet, mit der besonderen Hoffnung, das Gefühl für die Identität bei jungen Menschen zu fördern. Meiner Meinung nach wäre es wünschenswert, das Auditorium würde sich auf irgend eine Weise differenzieren. Einen Jugendlichen zu bitten, sich ein Foto von einem Spinnrad aus dem vorletzten Jahrhundert anzuschauen, ist ziemlich unbedacht: ein solches Artefakt erzeugt wohl nur bei Menschen mittleren oder höheren Alters Neugier und echte Ergriffenheit. Aber sogar diese Internetseite ist eine tatkräftige Handlung. Der Anfang ist gelegt, es ist schließlich wichtig, das zu erhalten, was ist. Andernfalls wird alles in Vergessenheit geraten.

Wir sind erst am Anfang des Weges

Wie bereits erwähnt, fand die Konferenz im Rahmen des Programms zur Entwicklung der deutschen Ethnie statt, für welches die Entwicklungsarbeit im Herbst letzten Jahres begonnen hat. In der Präambel der Resolution sind zahlreiche Probleme in der Entwicklung der deutschen Ethnie aufgeführt, im operativen Teil stehen die Punkte zu ihrer Beseitigung. Alles ist ausgewogen, durchdacht und fixiert. Es wurde beschlossen, die historische Ausrichtung der Aktivitäten der Stiftung als Priorität zu definieren, in diesem Zusammenhang ist angewiesen, eine wissenschaftliche Expertenkommission zur Geschichte und Kultur der Deutschen in der Republik Kasachstan zu bilden und die Zusammenarbeit mit dem wissenschaftlichen Expertenverband der Volksversammlung Kasachstans, dem internationalen Verband der Forscher der Geschichte und Kultur der Russlanddeutschen sowie den staatlichen und wissenschaftlichen Institutionen und Hochschulen auszubauen.

Zum Ausbau des Zugangs zu Archivmaterialien zur Geschichte und Kultur der Deutschen Kasachstans und zur Ausarbeitung ihrer kommentierten Inventarliste wird ein Netzwerk aus Wissenschaftlern und Regionalarchiven erstellt.
Die Erforschung renommierter Persönlichkeiten wird fortgesetzt, ein Multimediaarchiv der gesammelten Materialien wird vorbereitet. Im Rammen des Programms „ Рухани жангыру“ ist die Erforschung sakraler Orte der Republik Kasachstan und der Orte der Deportation als Erinnerungsarbeit geplant. In der heimatkundlichen Tätigkeit werden die Vertreter der Jugendvereinigungen der Republik, Schüler und Studenten miteinbezogen.
Diese Konferenz war nicht nur für die wissenschaftliche Gemeinde überaus wichtig, sondern auch für die ethnischen Deutschen der Länder des postsowjetischen Raums insgesamt. Und die erarbeiteten Empfehlungen für den Abschnitt „Geschichte der Deutschen Kasachstans“ des Programms zur Entwicklung konnten zur priorisierten Stoßrichtung der Aktivitäten der Selbstorganisation erklärt werden. Die Materialien der Konferenz werden  im Anschluss zur Erarbeitung wissenschaftlicher Projekte, sowie in den praktischen Aktivitäten der Gesellschaftliche Stiftung „Vereinigung der Deutschen Kasachstans „Wiedergeburt“ und der Union der deutschen Jugend Kasachstans verwendet.
Walerij Schewalje

Übersetzung: Philipp Dippl

Frühlingskaleidoskop

Das deutsche Zentrum „Wiedergeburt“ im Gebiet Karaganda hat den Staffellauf der Festveranstaltungen mit Festivals in den Städten Schachtinsk und Saran fortgesetzt, die dem 30-jährigen Jubiläum des Zentrums und dem Jahrestag der unionsweiten gesellschaftlichen Bewegung der sowjetischen Deutschen „Wiedergeburt“ gewidmet sind.

Die Künstlerkollektive der deutschen Zentren und der Jugendvereine aus Schachtinsk, Karaganda, Saran, Temirtau, Balchasch und Abaj präsentierten insgesamt achtzehn glänzende Darbietungen.

Die Gruppe „Calypso“ (Schachtinsk) erfreute die Anwesenden mit feurigen Tänzen. Seit Beginn der Aktivitäten im Oktober 2018 geht die Teilnahme an zwei regionalen Festivals und zahlreiche Darbietungen mit vielfältigen Nummern auf ihr Konto. Die Theaterwerkstatt „Fantasia“ bezauberte mit dem musikalischen Märchen „Alice im Wunderland“. Auch dies ist ein junges Kollektiv, welches an vier landesweiten Festivals und zwei Theateraufführungen teilgenommen hat (Leiterin der Gruppe ist Ju. S. Naurzbekowa).

Die Mittelstufengruppe des erst vor kurzem eröffneten ZDDO „Wunderkind“ in Schachtinsk (Leiterin: A. R. Abdramchanowa) trug den Kennenlerntanz vor, und das pädagogische Kollektiv „Wunderkind“ des Familienvereins des Unterrichts- und Sprachzentrums „Augenblick“ unterstützte die kleinen Teilnehmer bei ihrer Aufführung der Nummer „Einfach nur so“. Die Kindergruppe des Zentrums demonstrierte ein Musikspiel auf Bechern.

Mit feurigen Nummern trat das Gesangs- und Tanzensemble „Tanzendes Tal“ auf, ebenso mit dem Lied „Marilena“, dem Walzer „Zum Tanzen“ und dem alten deutschen Volkstanz „Zweifacher“… Ihre Darbietungen präsentierte den Zuschauern die Gesangsgruppe „Musikquelle“, Gewinner des fünften landesweiten Festivals der deutschen Kultur, Preisträger des Regionalfestivals „Lieder des Sieges“, Kulturbotschafter des internationalen Festivals der deutschen Kultur (Karaganda, 2008), erster Preisträger des Preises des Akims der Stadt Saran „Жастар“ in der Stadtgeschichte, Kulturbotschafter des 8. republikanischen Festivals der Völkerfreundschaft der Republik Kasachstan (2008) und des internationalen Festivals der Jugend „Neue Welt“ (Russland 2007) sowie Kulturbotschafter des Regionalwettbewerbs junger Künstler „Жас Канат“. Das Kollektiv wurde mit der Ehrenurkunde der Volksversammlung Kasachstans ausgezeichnet.

Das Tanztheater „Glanz“ trat mit den tänzerischen Glückwünschen „Bondi“ auf die Bühne. Diese junge Gruppe ist vielfacher Preisträger zahlreicher Wettbewerbe. Ihre Mitglieder beteiligen sich aktiv an dem kulturellen und karitativen Leben der Stadt Karaganda.

Bezaubernde Nummern, an die man sich zurückerinnern wird, wurden vom slawischen Zentrum „Rossijanka“, dem deutschen Zentrum Temirtau „Volksstimme“, dem Kollektiv „Klassenkameraden“, dem „Thanzteater Glühen“, „Karussell“, „Edel“ und dem Lernzentrum „Erfolg“ gezeigt. Die Vorschulgruppe zeigte die theatermusikalische Komposition „Die Feuer von Karaganda“, die die Geschichte erzählt, wie die erste Kohle gefunden wurde.

Die Frühlingsthematik des Festivals erklang auch in dem Lied „Immer wieder kommt ein neuer Frühling“ der Teilnehmerin Marija Ten. Und die kleinen Artisten der Gruppe „Wunderkind“ belebten den Saal mit ihrem Auftritt mit Liedchen und Reimen. Die kleinste Teilnehmerin Karolina Frizen war noch keine drei Jahre alt, trotzdem erlernt sie neben ihren älteren Kollegen die deutsche Sprache und Kultur.

Die Teilnehmerin des Zentrums „Wiedergeburt“ (Karaganda) Ewgenija Dilman hat die Zuhörer mit ihrem Gesang erfreut. „Ich habe mit großem Interesse die deutsche Sprache, die Traditionen und die Kultur studiert. – erzählt Ewgenija, – und ich bin sehr glücklich, dass ich die Möglichkeit habe, deutsche Lieder zu singen. Ich warte schon ungeduldig auf neue Feierlichkeiten“.

Zum Abschluss hat die Organisatorin des Festivals in der Stadt Schachtinsk Kristina Samosledowa allen zum Jubiläum gratuliert und den Teilnehmern feierlich Zeugnisse und Urkunden im Namen des Akims des Gebietes Karaganda überreicht.

Wir gratulieren Kristina Samosledowa zu der wohlverdienten Auszeichnung: die Ehrenurkunde „Für den würdigen Beitrag zur Stärkung der Einheit des Volkes Kasachstans, gesellschaftlicher Eintracht und kasachstanischem Patriotismus“, welche der Direktor „Қоғамдық келісім“ des Akimats des Gebietes Karaganda Erlan Kusajyn im Namen des Vorsitzenden der Volksversammlung Kasachstans N. A. Nazarbaew überreichte.

Elizaweta Eretnjewa

Übersetzung: Philipp Dippl

Die Lebenslinie, die durch das Herz verlief

Man sagt, weihe niemanden in die Geheimnisse deiner Seele ein. Wahrscheinlich liegt darin seine eigene Bedeutung. Eine fremde Seele ist Dunkelheit, in welcher man sich leicht verirrt, und der Schlüssel dazu liegt in einer besonders verborgenen Ecke. Der Gast der heutigen Nummer ist Teodor Schulz, bekannter Journalist, Redaktor und Herausgeber, der am 13. Mai 70 Jahre alt wurde. Er hat viel gesehen, nicht wenig erlebt und tief verinnerlicht; er hat etwas, an was er sich erinnern kann, etwas zu erzählen. Rajngold Schulz (der auch als „Papa Schulz“ bekannt ist) fragte den Jubilar, seinen heiß ersehnten Schlüssel herauszugeben und einige Fragen zu beantworten.

 – Ich beginne mit einer Frage in einer alten Tradition: wie sind deine Vorfahren nach Wolhynien geraten?

Ich erinnere mich, ich wurde in der Jugend manchmal gefragt: Woher kommst du? Bist du nicht ein Nachkomme von genau den Deutschen, die in der Zeit des Vaterländischen Krieges Gefangene waren? Ich denke, dieses Interesse kam aus Neugier. Der Nachname ist deutsch, aber er spricht fließend russisch, praktisch ohne Akzent, er schreibt frei auf russisch. Aber sie haben beobachtet, dass in meinem Charakter irgend etwas liegt, das nur den Deutschen mit ihrer strengen Disziplin, der Genauigkeit und der Pünktlichkeit, mit ihrer konzentrierten Verschwiegenheit eigen ist.

Ich habe viel gelesen und kenne das Wesen der „russischen“ Deutschen: gutmütig wie Karl Iwanowitsch aus der „Kindheit“ Tolstojs, energiegeladen wie „Stolz“ aus dem „Oblomow“ von Gontscharow, einseitig zielstrebig wie Pektoralis in der Erzählung „Eiserner Wille“ von Leskow und wie die vielen „fremden“ Personen, mit denen die Seiten der russischen Klassik angefüllt sind.

Denen, die an meinem Familienstammbaum interessiert waren, habe ich geantwortet: „Ich bin ein Deutscher aus Wolhynien, meine Wurzeln väterlicherseits führen zu den Mecklenburgern, und mütterlicherseits zu den Brandenburgern“. Die Äußerung, dass die Familie von den Preußen abstammt und seltsamerweise mit irgendwelchen Deutschen aus Wolhynien in Zusammenhang steht, hat andere in die Sackgasse geführt. Kein Wunder. Die sowjetische Herrschaft hat ihre Geschichte sorgfältig aus dem öffentlichen Bewusstsein eliminiert… Um ehrlich zu sein, ich wusste es zu dieser Zeit selbst nicht.

– Können wir einen kleinen Exkurs in die Vergangenheit der Deutschen aus Wolhynien unternehmen?

– Historisch gesehen schuf Kaiser Friedrich nach der Aufteilung der königlichen Republik Polen-Litauen im 18. Jahrhundert zwischen Preußen, Russland und Österreich in den angegliederten Ländern Provinzen, in die 57.000 Familien (beinahe 300.000 Siedler) geschickt werden sollten, denen Privilegien und Erleichterungen versprochen wurden. So kamen meine Vorfahren dorthin. Aber tatsächlich waren sie nicht für lange dort.

Das zunehmende nationale Selbstbewusstsein der Polen und die Wellen der Befreiungsaufstände erschwerten die Durchsetzung dieser Pläne. Mehr als 200.000 deutsche Siedler wurden gezwungen, das polnische Königreich zu verlassen. Ein Teil von ihnen zog auf schnellstem Wege nach Wolhynien. Und meine Vorfahren wurden Bewohner von Zhitomir.

Die Linie der Mutter warf ihren Anker in der Siedlung Kiewka aus, wo der Vater meines Urgroßvaters Jakow Lau als Dorfältester, oder „Schulz“, wie man ihn zu dieser Zeit nannte, auserwählt wurde. Der väterliche Zweig ließ sich in Rozhischtsche nieder. Später siedelte die Familie nach Pulino-Guta über, wo sie ein kleines Waldstück mietete. Dorthin zog auch der Großvater Eduard Lau. Er besaß hier später 70 Hektar Ackerland, welches im Jahr 1929 in der Welle der Kollektivierung enteignet wurde. Der frühere wolhynische Getreidebauer verdiente sich vom ersten Arbeiter- und Bauernstaat der Welt eine besondere „schwarze Marke“ – 10 Jahre Zwangsarbeit im Gebiet Krasnojarsk. Er kam in die Viljujsker Minen an der Lena-Aldan-Mündung, wo er Gold- und Diamantenerze förderte, Holz schnitt und verarbeitete oder Straßen baute. Es war ihm nicht bestimmt, nach Wolhynien zurückzukehren…

– Im Jahr 1936 begann bereits die Zwangsräumung der Deutschen aus Wolhynien. Der Großvater kam wahrscheinlich erst später frei?

– Ganz genau. Er kam nach Nordkasachstan, wohin bis dahin bereits seine Familie ausgesiedelt wurde. Er kam in eine Kolchose, wo er von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang in öden Arbeitseinheiten unter der strengen Aufsicht der Kommandantur arbeitete.

Nach meinen Berechnungen erfuhren 29 Menschen, Erwachsene und Kinder, aus beiden Zweigen der Familien Schulz-Lau die gewaltsame Ausweisung aus Pulino-Gula nach Sibirien (Stadt Kansk) und Nordkasachstan (Kreis Tschkalowsk, Punkt Nr. 11, später – Siedlung Zeljonyj Gaj). Darunter auch meine Urgroßeltern Fridrich Gotlibowitsch und Marta Emiljewna, geborene Entsch.

In ihrer Familie gab es 16 Kinder, von denen 10 überlebten – Augustina, Genrich (mein Großvater), Olga, Karolina, Berta, Ottilija, Radine, Kristijan, Edward und Robert. Wie vorher erwähnt, befanden sich hier auch der Großvater väterlicherseits Genrich Fridrichowitsch und die Großmutter Marta Karlowna, eine geborene Gudarian. Mütterlicherseits waren dies Eduard Jakowlewitsch Lau und Matilda Ioaganowna Lau, geborene Zimmer, sowie ihre Kinder: Ewald, Ella, Elmira, Elgard und Irma (meine Mutter). Der Großvater Eduard Lau war zuerst Hilfsarbeiter, danach arbeitete er 15 Jahre lang in einem Reitstall und kümmerte sich um Hengste. Als Pensionär hütete er Weiderind und verdiente so seinen Lebensunterhalt. Das bedeutete, sowjetische Kolchosenrente in der Höhe von 12 Rubel im Monat, das kann sich wohl kaum einer vorstellen…

Der Großvater Genrich Schulz war der erste Traktorfahrer auf der Kolchose. Mit der Technik kannte er sich sehr gut aus, so dass er später Vorarbeiter der Traktorenbrigade wurde. Er wurde sogar vor der Arbeitsarmee geschützt, andernfalls hätte die Technik auf dem Feld nicht funktioniert, sondern wäre nur herumgestanden.

– Über die Vertreibung der Deutschen aus Wolhynien nach Kasachstan im Herbst 1936 ist kaum etwas bekannt.

–  Ich habe darüber ausführlich in der sozial-geisteswissenschaftlichen Studie „Syndrom der Anspielung“ in dem Buch „Entgegengesetzt“ geschrieben, welches in den nächsten Tagen das Licht der Welt erblickt. Es waren viele, isolierte Sonderaussiedler, Deutsche und Polen, 15.000 Familien, beinahe 70.000 Menschen. Und alle hatten ein Stigma: „klassenmäßig zweifelhafte und sozial gefährliche Elemente“. Und die „kleinen Leute“, fremd und unerwünscht, landeten in einer verlassenen Ecke des großen Imperiums wieder, in Kasachstan, alleingelassen mit der asiatischen Steppe, verbrannt von der glühend heißen Sommersonne, gefroren von den eiskalten Winden und den langen Wintermonaten.

Hier, in der Region Koktschetaw, entstanden zwei Kreise – Tschkalowskij und Kellerowskij, in denen Kolchosen für die unter Zwang Vertriebenen Kolchosen eingerichtet wurden. So erschien am „Punkt Nr. 13“ die Siedlung Zeljonyj Gaj, in der die Kolchose „Stern der Kommune“ entstand, in der ich geboren werden sollte.

Ich räume ein, dass die neue Umgebung der wolhynischen Deutschen ein Testball in der Erschließung des „Stalinschen Neulandes“ war. Ich stelle fest, dass einige Transportwaggons mit deutschen Sonderaussiedlern aus Wolhynien in den Gebieten Alma-Ata und Taldy-Korgan landeten, auch in Sibirien, in Karelien und in der Republik Komi. Näheres zu alledem ist in meinem Buch zu finden.

– Wie entstand die Idee zu dessen Niederschrift?

– Auf jeden Fall nicht zufällig, obwohl sich der künstlerische Prozess jahrelang hinzog. Am Ende der Sechziger entstanden die ersten Seiten. Sowohl die Grundidee als auch der Versuch erwiesen sich als erfolglos. Für die Niederschrift des Buches hat mir zu dieser Zeit noch vieles gefehlt. Das, was die Verwandten im Familienarchiv aufbewahren konnten, was ich glücklicherweise aus den vereinzelten überlieferten Zeugnissen, Ereignisberichten und Fakten aufzeichnen konnte, erwies sich als offenkundig ungenügend für eine solch ernsthafte Arbeit. Das waren nur Staubkörner.

In eine anständige Bibliothek zu kommen, Zutritt zu den Spezialsälen der Moskauer „Leninka“ oder der Petersburger (Leningrader) „Publitschka“, in das Spezialarchiv der Bibliothek der Akademie der Wissenschaften der UdSSR zu erhalten, lag im Bereich der Fantasterei. Für einen Journalisten aus Kasachstan, von außerhalb, war das unerreichbar. Ich bin schließlich sogar zu dem eindeutigen Schluss gekommen, dass es überhaupt unmöglich ist, ein solches Buch vorzubereiten, geschweige denn, es zu veröffentlichen.

Im Jahr 1987, vor 32 Jahren, habe ich die historische Erde meiner Vorfahren betreten. Dort konnte ich zu dem jugendlichen Traum zurückkehren und habe wiederum angefangen, an dem Buch zu arbeiten. Schritt für Schritt habe ich die Geografie meiner Familie kennengelernt: Ich habe Anfragen an Archive gestellt, studierte historische Dokumente, durchsiebte Periodika und das Internet.

Das Verlangen kam auf, herauszufinden, wie die Urur- und Urgroßmütter aussahen, wie sie das Haus hielten, wie sie die Kinder aufzogen, welche Kleidung sie nähten und was sie kochten, welche familiären Werte sie vermittelten, wie sie ihren Glauben bewahrten, was sie besaßen, wie sie das Land bewirtschafteten und welche Ernten sie einfuhren. Allmählich sammelten sich interessante Fakten an, die darauf hindeuteten, wo meine Vorfahren lebten, wem sie dienten, wo sie Krieg führten. Durch Gefühle, Erkenntnisse und Emotionen habe ich die fehlenden Teile und Glieder zu einer gemeinsamen Kette unserer Familie vereint.

– Empfinden Sie  denn Nostalgie für Kasachstan, kommt nicht der Wunsch auf, zurückzukehren?

– In dieser Frage kommen widersprüchliche Gefühle auf. Einerseits bin ich ein russischer wolhynischer Deutscher. Wozu das „russische“, mag der ein oder andere Leser fragen, wenn doch Wolhynien historisch ukrainisches Territorium ist? Man muss verdeutlichen, dass zum Zeitpunkt der Übersiedelung meiner Vorfahren die Provinz ein Teil des russischen Reiches war. In der Region Zhitomir haben meine Urgroßeltern, Großeltern und Eltern gelebt, insgesamt einhundert Jahre lang bis zur erzwungenen Aussiedelung nach Nordkasachstan im Jahre 1936.

Andererseits bin ich in der weiten kasachischen Steppe auf die Welt gekommen, in der Region Koktschetaw, ich habe für die Regionalzeitung gearbeitet. Ich war später auch als Korrespondent im benachbarten Gebiet Nordkasachstan, habe für die Zeitung „Freundschaft“ geschrieben und in Petropawlowsk gelebt. Dann gab es einen Wechsel nach Alma-Ata, wo ich in dieser Funktion noch weitere fünf Jahre bis zur Ausreise in die Bundesrepublik tätig war. Darüber erzähle ich ziemlich ausführlich in meiner Geschichte „Aufzeichnungen eines Provinzjournalisten“.

In Kasachstan habe ich nicht wenige Freunde, Genossen oder einfach nur Bekannte – das sind gute, warmherzige und freundliche Menschen. Die kann man nicht einfach vergessen. Mit vielen halte ich den Kontakt aufrecht, darunter sind auch Kasachen, die ich oft auf erfolgreichen Lebensstationen getroffen habe. Und immer wurde Güte mit Güte erwidert. Es sind schon bald 50 Jahre, in denen ich eine schlichte und leise Freundschaft mit Amantaj Achetowyj hege, einem bekannten Poeten, Prosaisten und Publizisten, mit dem ich an der journalistischen Fakultät studierte.

Es war der Kasache Saken Schajmardanow, mein erster Redakteur und Mentor, der mir, dem Zeitungsjungen, die Einweisung ins Leben mitgab. Ich könnte diese Liste endlos weiterführen, aber ich denke, dass darin nicht der Kern liegt, sondern darin, dass man wahre Freunde dort kennenlernt, wo man es am wenigsten erwartet. Glauben Sie mir, ich rede von Kasachstan. In Deutschland beispielsweise habe ich es völlig anders erlebt. Leider war Freundschaft dort manchmal nur ein Wort. Sie hielt einer Hitzigkeit nicht stand und zerbrach über Nacht.

Auf den ersten Blick scheint es so, dass der Mensch im Leben alles in Geld berechnet. Tatsächlich bezahlt er für vieles kleine Stückchen seiner Seele und hinterlässt im Herzen unsichtbare Spuren, verursacht von Schmerz, Kränkung und Demütigung.

Ist Kasachstan Heimat für mich? Ich weiß nicht, ob dich diese Antwort befriedigt: ich empfinde tiefste Dankbarkeit für das Land, für das Volk, welches im Jahr 1936 die wolhynischen Deutschen aufgenommen hat, die gewaltsam ihres geografischen Schicksals, des gelobten Landes, welches ihnen vom Allmächtigen gegeben wurde, beraubt wurden.

In Kasachstan existierte ich als Bürger und Individuum. Hier habe ich die Schule beendet, eine Hochschulbildung und Arbeit erhalten, mit Mitglied der Union der Journalisten der UdSSR geworden. Ich habe mein Haupt vor den gefallenen Helden verneigt, habe Schmerz für die Vergangenheit und die Gegenwart der Sowjetunion durchlebt. Ich habe, wie alle glaubten, die menschlichste Bruderschaft, die glücklichste Gesellschaft der Welt mit aufgebaut. Wir haben Tragödien, Suchen und Unstetigkeiten überwunden, haben gewagt, geträumt, geliebt. Aber der ganze zerstörerische und schöpferische Sprudel endete mit dem Zusammenbuch der Sowjetunion, sie existiert nicht mehr auf der Landkarte… Es blieb die große Steppe, ein Volk, dass einen Staat fand, seine wahre Heimat. Und heute erheben sich die Kasachen in einem gemeinsamen Schwung, wenn die Hymne ihres Heimatlandes erklingt…

Betrachte ich Kasachstan denn als meine Heimat? Diese Frage hat noch eine zweite Seite, so wie bei einer Medaille. So befindet sich für mich auf ihrer Rückseite Kasachstan und auf ihrer Vorderseite Deutschland.

Und sie beide sind wie ein gemeinsames Ganzes, sie bestehen nebeneinander in meiner Seele. Es ist dieses mächtige Amulett, welches ich im Herzen trage und als Zeichen doppelten Glücks betrachte. Der Ruf des Vaterlandes ist eines der stärksten menschlichen Gefühle, mit denen der Schöpfer die Menschen ausgestattet hat.

Das Elternhaus, die Heimat, das Vaterland, das alles ist wie ein unsichtbarer Faden, die Nabelschnur, sie bindet jeden Menschen. So ist es einfach passiert, dass das Heilige mehr als alles andre geschätzt wird.

Interview: Reinhold Schulz

Übersetzung: Philipp Dippl

30 Jahre – Zeit, um die Ergebnisse zusammenzufassen und weitere Pläne zu schmieden

Die Bewegung „Wiedergeburt“ entstand Ende der 1980er und wurde von den Deutschen Kasachstans sehnlichst erwartet: für sie entstand die Möglichkeit, den Namen, die Kultur und das Wesen der Ethnie wiederherzustellen. Zu dieser Zeit fand der erste Kongress statt, an welchem seine große Anzahl Delegierter aus dem ganzen Land teilnahmen. Danach wurden die deutschen Gesellschaften in den Regionen gebildet. Die ersten wurden in Almaty und Karaganda geschaffen. In Semipalatinsk geschah dies zum Ende des Jahres 1989. An den Ursprüngen der Gesellschaft standen A. Schjutz, K. Straus, E. Mut, K. Kerber, I. Bauer, L. Kajser, G. Schwab und A. Wize. Der erste Vorsitzende war Anatolij Rudolfowitsch Wize.

In der Gesellschaft wurde dank Elwira Mut, der früheren Schauspielerin des Deutschen Theaters und Sängerin, die nach Semipalatinsk zog, das Gesangs- und Instrumentenensemble „Einheit“ gegründet, welches im Jahr 1991 den Titel des Volksensembles erhielt. Das Hauptziel der Gesellschaft war die Schaffung der Voraussetzungen zum Erhalt und zur Entwicklung der deutschen Minderheit im Umfeld des Friedens, der internationalen Eintracht und der konstruktiven Zusammenarbeit mit staatlichen Behörden. Ebenso umtriebig wurde die Frage der Rehabilitierung der deutschen Bevölkerung behandelt. Ihre Lösung schloss den Erhalt eines Nachweises über die Rehabilitierung ein, und das wichtigste – die Aufhebung des Stalinschen Etiketts, welches den russischen Deutschen unberechtigterweise angehaftet wurde, und die Möglichkeit, nach so vielen Jahren des Kummers offen zu sagen, dass man nach der Nationalität Deutscher ist.

Noch ein aktuelles Problem dieser Zeit war die Bildung der Deutschen Autonomen Republik. Die Meinung der Gründer der Bewegung gingen auseinander: „Viele verstanden, dass das unmöglich ist, dass jetzt an diesen Orten andere Familien leben und ihnen niemand ihre Häuser wegnehmen kann, die, die dort leben, sind selbst dagegen.Die Frage blieb offen und es wurde der Vorschlag geäußert, eine deutsche Autonomie auf dem Gebiet Kasachstans zu bilden, irgendwo im Gebiet Zelinograd, aber wiederum kamen Meinungsverschiedenheiten auf. Manche waren dafür, andere sagten, dass dies sinnlos sei. Bis heute wurde das Programm zur Rehabilitierung der Deutschen verwirklicht, das heißt, von ihnen wurde eine Schmach genommen, die völlig unbegründete Meinung, es würde sich um Verräter handeln.

Mit dem Ziel, die deutsche Sprache zu vermitteln und zu entwickeln, wurden Kurse für Erwachsene gegründet, für Kinder wurde eine Sonntagsschule aufgebaut. Zur Erhaltung der deutschen Kultur, der Traditionen und der Riten wurden Tanz- und Liederensebles formiert, welche von Anfang an zahlreiche Mitglieder haben: zwischen 20 und 30 Menschen. Die künstlerischen Kollektive fuhren mit Darbietungen erfolgreich auf Konzerte und Festivals in vielen Städten Kasachstans und Russlands. Die umfassende Unterstützung der deutschen Bevölkerung findet im Rahmen des Projektes „Soziale Hilfe“ statt. Die Arbeit in den Gesellschaften wurde mit der Zeit umfassender und entwickelte sich in verschiedene Richtungen, und mehr und mehr Deutsche werden in sie mit einbezogen. Im Jahr 2010 begann in allen Gesellschaften Kasachstans die Umsetzung des Projekts „Netzwerk der Begegnungszentren“, welches auf die Erhaltung der Lebensart der russischen Deutschen ausgerichtet ist.

Im Vorfeld des Jubiläums der Gesellschaft „Wiedergeburt“ der Stadt Semej teilt die Vorsitzende Lilija Pawlowna Gontscharuk die Erfolge und die Pläne des ethnokulturellen Zentrums mit:

– Die Arbeit strebt jetzt aktiv in verschiedene Richtungen. Im Bildungsbereich sind das die Deutschkurse für alle Altersstufen, das Zentrum für die zusätzliche Vorschulbildung und die Sonntagsschule, in der die Zöglinge Wissen erhalten und die deutsche Sprache, die Kultur und die Traditionen ihrer Ethnie kennenlernen. Eine zusätzliche Schule bereitet Schüler in Abschlussklassen auf ihre Prüfungen den Eintritt in die Hochschulen vor. Die zukünftigen Abiturienten können ebenso am Programm „Avantgarde“ teilnehmen, welches dabei hilft, die angemessene Ausbildung in Kasachstan oder im Ausland zu finden. Auch die soziale Arbeit gedeiht: es gibt eine Winterhilfe, die Seniorenakademie, die Schule des dritten Alters, Nordic Walking oder Krankengymnastik.

An den Aktivitäten dieser Bewegung nehmen mit großer Freude auch die Repräsentanten des fortgeschrittenen Alters unserer Gesellschaft teil. Die Teilnehmer im Tanz- und Liederensemble „Einheit“ haben nicht nur Tänze und Lieder in ihrem Repertoir, welche die Kultur und die Lebensweise der deutschen Ethnie bewahren, sondern auch von anderen Völkern Kasachstans und der ganzen Welt. Auf dem Programm des Jugendvereins stehen vielfältige nationale Feiertage, die Theaterwerkstatt und das Studium der Muttersprache. Unsere Gesellschaft hat zwei Zweigstellen: in den Kreisen Borodulichinsk und Beskarajsk.

Das Jubiläum ist ein ganz besonderer Termin, es ist das vorläufige Fazit: was wurde bereits erreicht und wofür. Mit der Zeit werden neue Ziele definiert. Die ursprünglichen Aufgaben, die auf die deutsche Gesellschaft zukamen, wurden mit großem Erfolg erledigt. Die Rehabilitierung der Deutschen fand statt, es wurden gesellschaftliche Vereinigung auf dem Gebiet der ganzen Republik gebildet, welche seit bereits 30 Jahren beständig arbeiten. Sie leisten den Deutschen Kasachstans nicht nur soziale, sondern alle möglichen Beratungsdienste. Es werden Treffen für Mitwirkende jeden Alters durchgeführt, damit sich die Menschen einer Ethnie zugehörig fühlen, ihre Traditionen kennen und sie bewahren. Wenn wir sagen, dass wir unsere Kultur fördern, dann leisten wir definitiv einen ethnokulturellen Beitrag in Kasachstan insgesamt.

In diesem Jahr werden es acht Jahre sein, dass ich als Vorsitzende der Gesellschaft arbeite, bis dahin bin ich seit 1998 zum Ensemble „Einheit“ gegangen, war Freiwillige. Viele Momente haben natürlich ihre Spuren in meiner Erinnerung hinterlassen. Wir haben ein überaus strahlendes, ich würde sagen, ergebnisreiches 25-jähriges Jubiläum gefeiert. Mit Konzertveranstaltungen haben wir in den nahen Dorfkreisen verweilt, wo wir positive Rückmeldungen von der örtlichen Bevölkerung bekommen haben. Die größte Veranstaltung fand auf städtischer Ebene im Zentralpark statt. Sie wurde sehr gut von den Zuschauern und den Vertretern des Akimates bewertet und zog neue Mitwirkende für die Tätigkeiten der Gesellschaft an.

Heute ist eine der neuen Aufgaben für unsere Gesellschaft die Rückkehr der deutschen Sprache in die Schulprogramme und das Anwerben von Menschen mittleren Alters für die Aktivitäten der Gesellschaft. Ich möchte dem Beispiel der Gesellschaft der Deutschen „Wiedergeburt“ in der Stadt Nur-Sultan folgen und und Deutsche in die Arbeit mit einbeziehen, die im privaten Unternehmertum tätig sind.

Das wichtigste Ereignis in diesem Jahr ist das Jubiläum von „Wiedergeburt“, und alle Veranstaltungen finden bei uns unter der Ägide “Wir sind 30 Jahre alt” statt. Wir werden Fahrten in die Dörfer und Treffen mit der Bevölkerung und der Leitung organisieren, wir werden von den Aktivitäten der Gesellschaft erzählen und die aktiven Mitglieder zur Eröffnung der Zweigstellen hinzuziehen. Wir haben vor, regionale Tage der deutschen Kultur zu veranstalten, an welchen runde Tische stattfinden. Es wird einen Tag der offenen Türe, die Präsentation des neuen Theaterstücks der Theaterwerkstatt „Glück“ und ein Konzert der deutschen Kultur geben. Die Veranstaltungen werden auf städtischer Ebene mit der Teilnahme aller Mitglieder der Gesellschaft und der Vorstellung aller Sphären der Aktivitäten stattfinden.

Marija Gorbatschjowa

Übersetzung: Philipp Dippl

Leo Schik: „Ich bin dem Schicksal dafür dankbar, dass es mich in das gütige Land Kasachstan geführt hat“

Es ist symbolisch, dass Leo Bogdanowitsch Schik, Mitglied der Volksversammlung Kasachstans, am 30. April geboren wurde, und bereits am 1. Mai wird der Tag der Einheit und der Freundschaft gefeiert. Leo Bogdanowitsch hat sich sehr um diesen lohnenden Pfad zur Stärkung des Friedens und der Eintracht bemüht. Auf seine Initiative hin wurde das erste Haus der Freundschaft Kasachstans errichtet.

Vor fünf Jahren brachte Leo Bogdanowitsch ein Buch mit Erinnerungen heraus: „Ich weiß, dass es einen Engel gibt“. Und obwohl er von Lebensbeginn an nicht wenig Leid ertragen musste, als er aus dem heimatlichen Haus vertrieben wurde, sowie tausende anderer Wolgadeutscher, findet man in seinem Buch keinen Schmerz, sondern nur Liebe und Dankbarkeit für das Leben (trotz alles Leides) und für die Menschen. An seine Leser appellierend schreibt er:

– Ich bin dem Schicksal dafür dankbar, dass es ich in das gütige Land Kasachstan geführt hat, wo ich eine Bildung erhalten, eine Familie gegründet und die Anerkennung vieler gewonnen habe. Hier hat mich das Leben gelehrt, flexibel zu sein, aber sich nicht zu verbiegen, zwischen Gut und Böse zu unterscheiden, was immer nah bei einander liegt, und Menschen ehrlich und großherzig zu begegnen. Unendlich kostbar ist mir das Haus der Freundschaft, welches auf meine Initiative hin mit der Hilfe von Menschen eröffnet wurde, die mir sehr nahestehen, selbstlose Patrioten ihrer zweiten Heimat und Kasachstans…

Was ihn fesselt, ist Mut und Entschlossenheit in seinen Angelegenheiten. Wenn er etwas beginnt, gibt er nicht auf. So hat er, der spätere erste Sekretär des Bezirkskomitees des Komsomols Schemonaich, zum Beispiel die erste Brigade der kommunistischen Arbeit in Ostkasachstan gebildet. Gestern gab es sie noch nicht, und am Morgen hat er diese Brigade bereits organisiert, die sich mit Unterstützung an die Bewohner eines Dorfes mit dem ungewöhnlichen Namen Amerika wendet, welches von vertriebenen Deutschen gegründet wurde.

Zu Ehren des 85-jährigen Jubiläums von Leo Bogdanowitsch fand im Haus der Freundschaft des Gebietes, im Zentrum der gesellschaftlichen Eintracht, ein Ehrenabend statt.

Es waren viele Gäste aus verschiedenen Altersgruppen anwesend, unter ihnen junge Menschen, für die Leo Schik ein strahlendes Beispiel für einen unerschütterlichen Willen, Lebensfreude und Selbstoptimierung ist, wie es der Sekretär des Regionalparlaments Ostkasachstan Wladimir Golowatjuk feststellte. Die Leiterin der innenpolitschen Verwaltung Irina Smit beglückwünschte den Jubilar. Auf Beschluss des akademischen Rates der Amerikanisch-Kasachstanischen Freien Universität wurde Leo Bogdanowitsch der akademische Titel „Ehrenprofessor der KASU“ verliehen. Der Rektor der KASU Erezhep Mambetkaziew überreichte die Auszeichnung und wünschte dm Jubilar alles Gute.

– Ich bin mit meinem Schicksal zufrieden, ich bin glücklich darüber, dass ich die allerwichtigste Arbeit erledigen und einen hell erstrahlenden Weg gehen konnte – den Weg des Friedens und der Eintracht, der die Freundschaft der Völker Kasachstans stärkt, – sagte der Jubilar. – Ich bin stolz darauf, dass das Leben mir die Möglichkeit schenkte, einen Menschen von allergrößtem Maßstab kennenzulernen – Nursultan Abischewitsch Nazarbaew, gerade aus seinen Händen habe ich die höchsten staatlichen Ehrungen erhalten – den Orden „Dostyk“ der zweiten Stufe und die „Goldmedaille ANK“.

Aufrichtigen Dank an Leo Bogdanowitsch für seinen unschätzbaren Beitrag in der Entwicklung der deutschen Bewegung „Wiedergeburt“ und der langjährigen Zusammenarbeit mit der Regionalgesellschaft „Wiedergeburt“ LNKZ Ridder drückte ihre Vorsitzende Ljubow Igatjewa aus. Sie gratulierte dem Jubilar und wünschte ihm von ganzem Herzen, „ein tapferer Mann alter Schule zu bleiben, fröhlich und klug, gutherzig und geduldig, attraktiv und stattlich, geschätzt und geliebt, selbstbewusst und mutig!“

Zum Abschluss des Abends, der mit aufrichtigen Glückwünschen und musikalischen Grüßen gefüllt war, sagte Leo Bogdanowitsch: „Ich stehe in der unendlichen Schuld unseres sonnigen Kasachstans,  in der Schuld euch aller, aller gutherzigen und freundlichen Menschen, die wollen, dass dieses gelobte Land glücklich sei, dass hier für immer Frieden, Eintracht und Beständigkeit herrschen. Ich versuche, euer Vertrauen nicht zu enttäuschen. Ich wünsche euch allen unendlich viel Liebe! Die Liebe ist der Antrieb für alles Gute!“

Andrej Kratenko

Übersetzung: Philipp Dippl

„Auf der Suche nach Perfektion…“ auf der Bühne!

Vom 16. bis zum 19. Mai findet das erste republikanische Theaterfestival der deutschen Jugendtheaterkollektive Kasachstans „Theater. Deutsch. Jugend.“ statt.

Vier Tage lang präsentieren neun Theaterwerkstätten aus verschiedenen Städten Kasachstans auf der Bühne des Musisch-Dramatischen Theater namens K. Kuanyschbaew ihre Aufführungen dem Urteil der Zuschauer.

Das Festival „Theater. Deutsch. Jugend“ findet im Rahmen des 30-Jährigen Jubiläums der deutschen Bewegung sowie des Jahres der Jugend in Kasachstan statt. Es ruft dazu auf, das Interesse der Jugend in die Theateraktivität und in das Werk deutscher Dramaturgen zu bestärken.

Im Rahmen der Veranstaltung finden Workshops für Schauspieler und Regisseure mit dem Ziel der Weiterbildung ihrer professionellen Kunstfertigkeiten, sowie Improvisationsspiele und vieles andere statt.

Als Organisatoren des Festivals traten die gesellschaftliche Stiftung „Kasachstanische Vereinigung der Deutschen „Wiedergeburt“, die Gesellschaft der Deutschen „Wiedergeburt“ der Stadt Astana und des Gebietes Akmolinsk auf, sowie die Union der deutschen Jugend Kasachstans. Ehrenvoller Gast der Veranstaltung ist der Bevollmächtigte der Bundesregierung Deutschlands für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten, Professor Dr. Bernd Fabritius, der am abschließenden Teil des Festivals teilnimmt und sich mit der kreativen Jugend trifft.

Übersetzung: Philipp Dippl

Der Besuch der deutschen Delegation in Nur-Sultan

Zu einem Arbeitsbesuch kam eine Regierungsdelegation der Bundesrepublik Deutschland mit dem Beauftragten für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten, Dr. Bernd Fabritius an der Spitze in die Hauptstadt Kasachstans, die Stadt Nur-Sultan. Die Vertreter der Gesellschaftlichen Stiftung „Vereinigung der Deutschen Kasachstans „Wiedergeburt“ und der Gesellschaft der Deutschen der Stadt Astana und des Gebietes Akmolinsk mit dem Deputierten der Mazhilis des Parlaments der Republik Kasachstans und dem Vorsitzenden des Kuratoriums der Stiftung Albert Rau an der Spitze trafen mit den Gästen zusammen. Der Besuch findet im Vorfeld der 17. Konferenz der Deutsch-kasachstanischen zwischenstaatlichen Kommission für Fragen ethnischer Deutscher, die in der Republik Kasachstan leben, statt.

Die Abgeordneten besuchten die Sehenswürdigkeiten der jungen Hauptstadt und besuchten das neue Gebäude der Evangelisch-Lutherischen Kirche und das Haus der Freundschaft, in welchem ein Treffen mit den aktiven Mitgliedern der Gesellschaft stattfand. Im Rahmen des Besuches ist ebenfalls die Teilnahme der ehrenvollen Gäste am abschließenden Teil des Ersten Republikanischen Theaterfestivals der deutschen Jugendkollektive „Theater. Deutsch. Jugend“ geplant, welches im Rahmen des dreißigjährigen Jubiläums der deutschen Bewegung stattfindet. Dr. Fabritius seinerseits wird sich mit den künstlerischen Jugendlichen treffen.

Die Vorstellung des Lebens und der Aktivitäten der deutschen Ethnie der Republik wird mit dem Besuch des Museums- und Gedenkkomplexes der Opfer der politischen Repressionen und des Totalitarismus „Alzhir“ sowie mit einem Treffen mit kasachstanischen Geschäftsmännern in der Repräsentanz der Verwaltungsgesellschaft „Schanyrak“, dessen Generaldirektor der Kasachstandeutsche Aleksandr Lorenz ist, fortgeführt.

Mit dem Ziel der Stärkung der Zusammenarbeit zwischen Kasachstan und Deutschland findet am 21. Mai 2019 im Palast des Friedens und der Eintracht ein Treffen von Dr. Fabritius mit dem stellvertretenden Vorsitzenden der Volksversammlung Kasachstans Zhanseit Tujmebaew statt. Bei dem Treffen mit den Deputierten der Mazhilis des Parlaments der RK werden Fragen der Zusammenarbeit auf staatlicher Ebene betrachtet.

Einzelheiten erfahren Sie in der nächsten Ausgabe der „Deutschen Allgemeinen Zeitung“.

 Die Fotos hat Dmitrij Redler/ Gesellschaftliche Stiftung „Wiedergeburt“ zur Verfügung gestellt.

Die Materialien wurden von Veronika Lichobabina/ DAZ vorbereitet.

Übersetzung: Philipp Dippl

Internationale wissenschaftspraktische Konferenz: Kommentare und Perspektiven

Wie kann man das kulturelle Erbe in Zeiten der Globalisierung bewahren? (Teil 2)

Wendelin Mangold, Doktor der Philosophie, Königstein im Taunus, Deutschland:

„Literatur und Kunst, das sind heikle Angelegenheiten, nicht jeder ist zu einer künstlerischen Darlegung der Gedanken fähig. Im diesem Zusammenhang kommt einem ein russisches Wort in den Sinn: „пестовать» (schätzen) – man muss Talente schätzen, man muss sie aussuchen, unterstützen, insbesondere junge Talente, man muss ihnen helfen! Ohne dies werden wir noch lange auf Preisträger warten müssen. Wir müssen die Jugend zur lebhaften Begegnung mit den Schriftstellern aufrufen. Eine solche Zusammenarbeit wird in jedem Falle seine Resultate bringen. Es lohnt sich nicht, in der Position des Opfers zu verharren und nur über die schwere Bürde des deutschen Volkes zu schreiben. Wir sind ein robustes Volk! Und es gibt noch viele Bereiche, in denen man arbeiten und wunderbare Werke schaffen kann.

Ich bin sehr erfreut über die Anteilnahme der Deutschen Kasachstans an den Problemen der Moderne, insbesondere der Bewahrung des unschätzbaren Erbes der Poeten, Schriftsteller und Wissenschaftler durch die Übertragung der Informationen vom Papier auf elektronische Datenträger. Die Digitalisierung ist heute ein überaus wichtiges Thema. Viele Talente gehen weg, und mit ihnen ihre Werke. Man weiß nie, welche Generation sich für Geschichte und Kultur interessieren wird. So wie sich jetzt zum Beispiel viele Amerikaner und Kanadier deutscher Herkunft, oder, wie man sie auch nennt, amerikanische und kanadische Deutsche, dafür begeistern“.

Tatjana Plochotnjuch, Doktorin der Geschichtswissenschaften, Professorin am Lehrstuhl für die Geschichte Russlands an der Nordkaukasischen Föderalen Universität:

„Diese Konferenz wurde dazu einberufen, die Angelegenheit zu einem logischen Abschluss zu führen, mit welcher wir uns bereits seit drei Jahrzehnten beschäftigen. Dies wird uns erlauben, die historische Vergangenheit zu bewahren und dem deutschen Volk Gerechtigkeit zu erweisen, welches viel für die Entwicklung unserer Länder geleistet hat.

Ich möchte ein Thema erschließen, welches der Nachfrage in unseren Ländern etwas zuvorkommt, allerdings Wissen miteinbezieht, welches vorbehaltlos die Definition „Erfahrung vieler Jahrzehnte“ verdient. Dies ist die Erfahrung der Amerikanischen Historischen Gesellschaft Deutscher aus Russland, welche im Jahr 1968 in Denver (Colorado) gegründet wurde. Zum Abschluss des ersten Konvents im Jahr 1970 fand ein großangelegtes Treffen von Nachkommen russischer Deutscher, die in Amerika leben, aber mit ihrer Herkunft in ängstlicher Beziehung stehen, statt. Sie sagen: „Ja, wir sind Deutsche, aber wir sind Russian Germans, wir sind nicht aus Deutschland, wir sind russische Deutsche“.

Diese Gesellschaft ist mit den Jahren nur erstarkt und bezeichnet ihre Bestrebungen so: unbedingte, widerstandsfähige Präsenz und starke Positionen im Internet. Die Internetressourcen der amerikanischen Deutschen arbeiten in allen Bereichen. Durch die digitalen Technologien und das Internet bewahren sie ihr Erbe, pflegen ihre Identität und erhalten sogar finanzielle Mittel, welche es ihnen erlaubt, als eigenständige Gesellschaft zu existieren. Dieser Faktor, neben der aktiven Verwendung der Internettechnologie, unterscheidet sie von anderen Vereinigungen und direkt von den russischen Deutschen selbst. Sie befassen sich mit der Rekonstruktion und der Bewahrung der Vergangenheit ihres Volkes und wählen zur Erforschung einen völlig anderen, metalogischen Ansatz – die Mikrogeschichte.

Die Mitglieder der Gesellschaft finden das Material, stellen Befragungen an, führen Interviews und stellen die Handlungen zusammen, die später durch Archivdaten belegt werden könnten. Sie geben die Handlungen dem Menschen zurück, entweder seinen Verwandten oder ihm selbst, sie sind damit wirklich Gegenstand der Geschichtswissenschaften, denn genau das ist der Mensch, und das, was er in der Vergangenheit getan hat. Diese Gesellschaft besitzt ein reich verzweigtes Netzwerk lokaler Niederlassungen, und jede von ihren verfügt über eigenen Ressourcen, die bereits digitalisiert wurden. Es wäre ratsam, die Erfahrungen zur Durchführung der Digitalisierung von unseren ausländischen Kollegen zu übernehmen.

Es ist erfreulich, dass die Konferenz „Die Deutschen Kasachstans: historische Erinnerung der Ethnie und Digitalisierung der Informationsressourcen“ zu einer Plattform für eine moderne Arbeit nicht

nur für kasachstanische und deutsche Wissenschaftler wurde, an ihr haben selbst führende Geschichtsexperten aus Russland und der Ukraine teilgenommen. Einer von ihnen ist Aleksandr Djulkenko (Stadt Stawropol), der sofort mit dem Thema seiner Rede Interesse weckte und eine alternative Idee zur Entwicklung des virtuellen Museums der Deutschen Kasachstans vorschlug. Er hat den Teilnehmern anschaulich demonstriert, wie moderne Technologien Informationen transformieren und sie an die moderne Jugend anpassen können, wie man Exkursionen durch ein Museum zu einer spannenden Lehrübung für Kinder und Erwachsene umgestaltet. Aleksandr hat am Beispiel der Arbeit des Anne-Frank-Museums in Amsterdam anschaulich erläutert, wie Chat-Bots funktionieren.

Aleksandr Djuldenko: „Ein Chat-Bot ist ein Programm, welches in der Lage ist, eine Korrespondenz mit dem Benutzer in einem Chat aufzunehmen, während es dabei menschliches Verhalten imitiert. Es funktioniert auf jeder bekannten Plattform. Diesen Programmen wurde beigebracht, sich mit einer für Menschen natürlichen Sprache zu unterhalten. Ich gehe gleich auf das Problem ein, welches sie lösen.

Die meisten Museen sind mit dem Verlust des Interesses der jungen Generation an den Exponaten konfrontiert. Das aktuelle Verlangen der Jugendlichen bezieht sich auf schnelle, bündige und farbenfrohe Informationen, die in kurzen Fristen abzurufen sind, deshalb beziehen viele Museen weltweit IT-Technologien in ihre Arbeit mit ein.

Eines der markantesten Beispiele ihres Einsatzes ist das Hausmuseum von Anne Frank. Dessen Besucher benutzen den Facebook-Messenger, in welchem man durch die Kommunikation mit einen Bot erfährt, wie man zum Museum findet, wie viel die Eintrittskarte kostet, man Informationen zu den Exponaten erhält und vieles weiteres.

In der modernen Welt gibt es drei Haupttrends, welche alle bestehenden Informationslösungen verdeutlichen: der Aufbau von „leichten“ Webseiten, die Suche von Informationen in Gemeinschaften, das erhöhte Interesse in die persönliche Geschichte. Das können Informationen über sich selbst, über die Familie oder über die Vorfahren sein. In dieser Hinsicht folgt der Chat-Bot ideal den modernen Tendenzen: eine einfache Lösung, eine individuelle Gesellschaft, in der es eine direkte, persönliche Korrespondenz gibt.

Ebenso möchte ich das Kunstmuseum des 21. Jahrhunderts in Rom erwähnen. Dessen Mitarbeiter haben einen Bot erschaffen, der Schülern dabei hilft, das Museum nicht einfach zu besuchen und dort Informationen zu erhalten, sondern sie zu erarbeiten. Dies funktioniert so: das Museum besitzt eine eigene Währung, und jeder Besucher nimmt an einer Schnitzeljagt teil, für die man Banknoten erhält, am Ende der Exkursion kann man diesen Geldbetrag in Artikel des Museums umtauschen, in Eintrittskarten oder eine neue Exkursion, was das Interesse der Jugend sehr anregt und steigert. Der Schlüsselmoment dieses Ratespiels, die Antworten dazu muss man im Museum selbst suchen, was dazu anregt, die Exponate während des Besuches im Detail kennenzulernen. Es ist möglich, dass solche Technologien im Moment aufgrund des Preises und den Schwierigkeiten in der Handhabung noch keine große Verbreitung erfahren, aber es gibt bereits jetzt Plattformen, die kostenlose Bot-Entwicklungen anbieten. Wenn nur die Initiative und der Wunsch da wäre, mit ihnen zu arbeiten“.

Wie man beobachten kann, war das Spektrum der in der kasachischen Hauptstadt vorübergegangenen Konferenz umfangreich, da es verschiedene Möglichkeiten zur Entwicklung des historischen Bereiches abdeckte. Das nächste Treffen der Praxiswissenschaftler wird im Jahr 2022 stattfinden.

Die Materialien hat Anastasija Koroljowa vorbereitet.

Ubersetzung: Philipp Dippl

 

Mit der Hoffnung auf eine bessere Zukunft

Aufruf des stellvertretenden Vorsitzenden der National-kulturellen Autonomie russischer Deutshcer des Gebietes Kaliningrad Andrej Rende

Verehrte Genossen und Kollegen, Beteiligte der Bewegung „Wiedergeburt“! Viele von euch wurden, manche früher, manche später, zu aktiven Beteiligten der offiziellen Bewegung zur politischen Rehabilitierung der sowjetischen Deutschen.

Im Jahr 1964 hat der Staat die ungeheuerlichen Anschuldigungen festgestellt, die durch das Dekret „über die Umsiedlung der Deutschen, die in den Wolgakreisen leben“ des Präsidiums des höchsten Rates der UdSSR seit dem 28. August 1948 vorgetragen wurden. Es wurden Maßnahmen zur Entwicklung der deutschen Kultur getroffen. In Kasachstan eröffneten das deutsche Theater, wurden Zeitungen in deutscher Sprache herausgegeben, wurden, wenn auch in begrenzter Auflage, Bücher deutscher Autoren gedruckt, ein Mal in der Woche wurden Radio- und Fernsehsendungen ausgestrahlt. In Wohnblocks bildeten sich Kunsthandwerkszirkel, in den Schulen lernten die Kinder Deutsch als Muttersprache. Aber all diese Maßnahmen haben das Hauptproblem nicht gelöst: die politische und rechtliche Rehabilitierung der sowjetischen Deutschen und die Wiederherstellung ihrer Staatlichkeit.

Die sowjetischen Deutschen forderten aktiv die Lösung dieser Fragen. Im Jahr 1965 fanden zwei, und Jahr 1988 drei Treffen der Delegierten mit der Führung des Landes und der KPdSU statt, auf welchen ihnen mitgeteilt wurde, dass man die autonome Republik, welche im Jahr 1941 liquidiert wurde, nicht wiederherstellen könne: wenn die Deutschen aus Kasachstan und Sibirien weggehen, bleibt dort keiner übrig, der noch arbeitet. So bemerkte der Akademiker Boris Rauschenbach in seinem Aufsatz in der zweiten Etappe des ersten Kongresses der Deutschen der UdSSR ganz richtig: „… die gute Arbeit der sowjetischen Deutschen ist der Hauptgrund der Nichtwiederherstellung ihrer Republik“. Stattdessen wurde ihnen empfohlen, die öffentlich-politische und kulturell-aufklärerische Allunionsgesellschaft „Wiedergeburt“ zu gründen, was auch auf der konstitutierenden Konferenz in Moskau im März 1989 getan wurde. Gleichwohl wurden vor Ort Vereine, Kulturzentren und andere Vereinigungen der sowjetischen Deutschen gebildet.

Ende 1988 wurde der Verein der Zeitungsleser „Freundschaft“ organisiert. Am 14. Februar 1989 habe ich in der Stadt Zelinograd den sozialpolitischen und nationalkulturellen Verein „Einheit“ gegründet. Im Juni des gleichen Jahres entstanden ähnliche Vereine in den Kreisen Atbasarsk und Alekseewsk im Gebiet Zelinograd. In Kaliningrad hat der Direktor des Kulturpalastes des Verpackungsmittelkombinates Wiktor Gofman die deutsche Gesellschaft „Einheit“ eröffnet. In Tomsk, Tscheljabinsk, Alma-Ata und anderen Regionen entstehen deutsche Kulturzentren. In ihnen fanden deutsche Kulturfestivals statt, wurden Sonntagsschulen für Kinder und Deutschkurse organisiert.

So wurde zum Beispiel in Zelinograd Ende Dezember 1989 im Palast der Eisenbahner der erste offizielle Abend im Gebiet veranstaltet, der dem Weihnachtsfest gewidmet war. An ihm haben mehr als 200 Kinder und Eltern teilgenommen. Das Programm des zentralen Fernsehens „Vzgljad“ strahlte die Feier aus, wo auch mein fünfminütiges Interview über die Probleme der sowjetischen Deutschen gezeigt wurde. Dies wurde zum ersten Mal gemacht! Ebenso haben wir es geschafft, das Problem der Ausübung materieller Hilfen für Arbeitssoldaten zu lösen, denen die städtischen Behörden die gleichen Privilegien wie ehemaligen Frontsoldaten zusicherten, mit Ausnahme eies kostenlosen Autos.

Für den Verein „Einheit“ wurde ein Raum in einem Neubau bereitgestellt. Wir haben Unterrichtsstunden der Sonntagsschule für Kinder, Folkloregruppen, deutsche Sprachkurse für Erwachsene und verschiedene andere Veranstaltungen durchgeführt. In den folgenden Jahren wurde uns eine zusätzliche Räumlichkeit für ein Kulturzentrum bereitgestellt, wo wir das „Zentrum der humanitären Hilfe“ zusammen mit den Adventisten organisierten. Ebenso wurde das erste Restaurant Kasachstans mit nationaler Küche „Hannover“ sowie der humanitäre und pädagogische Komplex „Kindergarten-Schule-Gymnasium“ eröffnet.

Doch sämtliche Veranstaltungen, die die deutschen Organisationen, Kulturzentren und Vereine in verschiedenen Regionen des Landes durchgeführt haben, haben die wichtigste Aufgabe nicht gelöst: die nationalpolitische, ethische und kulturelle Rehabilitierung der sowjetischen Deutschen und die Wiederherstellung ihrer Staatlichkeit. Leider, ungeachtet der riesigen Arbeit, die von der Gesellschaft „Wiedergeburt“ durchgeführt wurde, ist es nicht gelungen, die Probleme und Aufgaben zu lösen, von denen die Teilnehmer der ersten (konstituierenden) Konferenz der Gesellschaft der sowjetischen Deutschen gesprochen haben.

Vielmehr befinden wir uns heute am Rande der Zerstörung unserer Ethnie, vor der auch die zahlreichen Deutschkurse, die Jugendsprachlager, die verschiedenen Wettbewerbe und Festivals, die theoretischen und wissenschaftlichen Konferenzen, sogar die Versuche der Bildung von Eliten russischer Deutscher sie nicht retten können.

Trotzdem bildet die Gründung der Allunionsgesellschaft der sowjetischen Deutschen „Wiedergeburt“ die Grenze, als die russländischen Deutschen der Sowjetunion mit voller Stimme ihre Probleme ansprachen und ihre Lösungen forderten. Und nicht sie sind daran schuld, dass das multinationale Land der Arbeiter und Bauern sie nicht hörte…

Ich beglückwünsche alle früheren und heute aktiven Mitglieder der Bewegung aufrichtig zum 30. Jubiläum der Allunionsgesellschaft der sowjetischen Deutschen „Wiedergeburt“. An die erinnernd, die nicht mehr mit uns sind, danke ich ihnen für die Wiederbelebung der einzigartigen Ethnie der russländischen Deutschen und verliere nicht die Hoffnung auf eine bessere Zukunft unseres Volkes.

Übersetzung: Philipp Dippl

„Frohe Ostern, liebe Freunde!“

Unter diesem Namen haben die Mitglieder des deutschen Kulturzentrums „Wiedergeburt“ Ostkasachstan Ostern gefeiert. Der Feiertag brachte viele Gäste zusammen, sowohl Erwachsene als auch kleine Kinder. In Ust-Kamenogorsk versammelten sich die Gäste lange vor Beginn der Feierglichkeiten, die im Haus der Freundschaft der Region stattfand. Den Organisatoren gelang es, eine festliche Atmosphäre zu schaffen. Der mit Osterkränzen geschmückte Saal erinnerte an eine Frühlingswiese. Am Eingang begrüßte der Osterhase die Gäste und lud dazu ein, im Saal Platz zu nehmen.

Der Vorsitzende des deutschen Kulturzentrums Ostkasachstan Ewgenij Schumacher gratulierte allen Anwesenden zum Feiertag:

– Ostern ist ein sehr schöner und mit Bedeutung erfüllter Feiertag. Er trägt dazu bei, das Gute in den Menschen und den Wunsch hervorzubringen, dem Herzen Wärme zu schenken, er lehrt, sich um die Nächsten zu kümmern, ihnen Aufmerksamkeit zu schenken, und er erzeugt lebhaftes Interesse für die Traditionen der deutschen Kultur. Ich gratuliere Ihnen von ganzem Herzen zu diesem strahlenden Feiertag der Auferstehung Jesu Christi und wünsche Ihnen und Ihren Nächsten lange, gesunde Lebensjahre, Wohlergehen, Liebe und Fröhlichkeit.

Der Vorsitzende der Vereinigung merkte ebenso an, dass die Deutschen, die auf dem Gebiet Kasachstans leben, ihre angestammten Traditionen, die für Jahrhunderte bewahrt wurden, in tiefer Ehre halten. Schließlich wurde genau zu diesem Ziel, die historischen Wurzeln zu stärken, vor einigen Jahrzehnten das deutsche Kulturzentrum in Ust-Kamenogorsk geschaffen. Heute nehmen die Vertreter der Organisation aktiv an wichtigen sozialen Projekten, Wettbewerben und Festivals teil und arbeiten eng mit befreundeten Zentren der Region zusammen.

Die Moderatoren, die Koordinatorin der sozialen Arbeit Natalja Kazakowa und das aktive Mitglied Ewgenij Kalatschew, erzählten von den Traditionen und Besonderheiten in der Durchführung dieses Feiertags in Deutschland und erläuterten, warum insbesondere das Ei dabei eine so wichtige Rolle spielt. Ununterbrochen erklangen nationale Tanzmelodien und wurden uralte deutsche Scherzgeschichten erzählt. Die Teilnehmer der Sprachkurse haben lustige Inszenierungen auf Deutsch vorbereitet und die allerkleinsten Mitglieder der Gesellschaft, die Schüler der Sonntagsschule trugen gutherzige, lehrreiche Märchen vor. Die Zuschauer haben warme Empfänge bereitet und mit ihrem Applaus unterstützt. Auf der Bühne erklangen auch Lieder in deutscher Sprache, vorgetragen von den Gesangsgruppen „Maiglöckchen“ und „Fröhliche Jugend“. Fast alle, die gekommen waren, hatten die Möglichkeit, am Feiertagsprogramm teilzunehmen: der Osterbaum wurde geschmückt und unter der Leitung der aktiven Mitglieder des deutschen Jugendvereins konnte man sogar einige Schritte einer schmissigen deutschen Polka erlernen. Sowohl die Erwachsenen als auch die Jungs und Mädels haben mit Freude an einem spannenden Quiz teilgenommen, mit ihrem Wissen über die Ostertraditionen gewetteifert und für die richtige Antwort Süßigkeiten gewonnen.

In der Zweigstelle des deutschen Kulturzentrums „Quelle“ in der Stadt Altaj war ein besonderes Schmuckstück die österliche Ausstellung, die von den Handwerksmeisterinnen des „Frauenclubs“ vorbereitet wurde. Außerdem haben sie die Besucher mit Speisen der nationalen Küche beglückt: Osterkuchen, klassischem Kartoffelkuchen mit Mohn und Traubenkurschen bestreut, oder Hasenbrötchen. Mit großer Freude probierten die Gäste die Krapfen, Krautsalat mit Berberitze und Bratwürste mit Sauerkraut.

Die Lehrer der Deutschkurse blieben auch nicht untätig: Aleksej Kuznetsow las Gedichte vor, und Zoja Tscherepanowa hielt eine offene Unterrichtsstunde. Das Tanzstudio „Quelle“ hat mit ihrer reibungslosen Aufführung der Berliner Polka alle einfach nur verzaubert. Jelena Kuznetsowa hat mit der Kindergruppe ein paar Volkslieder vorbereitet. Die Zweigstellen aus Samara und Kokpektinsk haben Workshops zur Herstellung von Osterspielsachen und Speisen durchgeführt und den Gästen die Traditionen und Bräuche des Osterfestes vorgestellt. Ebenso fanden für die Gäste einige spaßige Volksspiele statt: „Löffel und Ei“, „Wer hat die längsten Ohren“, „Der Tanz mit dem Osterei auf dem Löffel“ oder „Das Ei rollt auf der Rille“.

Das ist nur ein kleiner Teil des vorbereiteten Programms. Im lauf des Tages haben die Gäste und Teilnehmer an dem Feiertag ihre außergewöhnlichen künstlerischen Fähigkeiten gezeigt. Sie haben Osterlieder vorgetragen oder ihre Stärken in einem poetischen Improvisationskurs und auf den Theaterbrettern gezeigt. Und zur Erinnerung hat jeder selbst eine hübsche Bastelei gebastelt. Der Feiertag verging mit Leichtigkeit und ungezwungen. Wir glauben, dass vor der Gesellschaft noch viele solcher warmen, unvergesslichen Treffen liegen werden.

Was soll man sagen, die turnusmäßige Feierlichkeit der heiligen Auferstehung hat allen Freude, neue Erkenntnisse und gemeinsame Beschäftigung gebracht. Besonderen Dank muss man allen Teilnehmern ausdrücken, ebenso den Lehrern für die künstlerischen Ansätze, ohne die dieser Feiertag nicht stattgefunden hätte!

Aleksandra Schilling

Ubersetzung: Philipp Dippl

Das virtuelle Museum der Deutschen Kasachstans: die deutschen Wandbilder „Spruch“

Die Wandbilder „Spruch“ sind die vermutlich geheimnisvollsten Exponate des virtuellen Museums der Deutschen Kasachstans. Um den Sinn der Texte auf diesen Wandbildern zu verstehen, reicht es nicht aus, Deutsch zu beherrschen, man muss die gotische Schrift lesen können, und das ist manchmal sehr schwierig!

Vielleicht ist es für viele völlig unverständlich, was ein Spruch eigentlich ist? Das Wort hat mehrere Bedeutungen, zum Beispiel nannte man in der mittelalterlichen deutschen Poesie rhythmische Zweizeiler Spruch. Für die Deutschen Kasachstans ist der Ausdruck „Spruch“ oder „Sprach“ (vom deutschen „Sprechen“) fest mit den bunten Wandtafeln mit kurzen religiösen oder philosophischen Aussprüchen zur Beziehung zwischen Gott und Mensch verbunden. „Wo wirst du die Ewigkeit verbringen?“ – fragt ein unbekannter Autor.

Im 21. Jahrhundert findet man die Sprüche in den deutschen Haushalten schon nicht mehr, aber in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts waren sie ein unverzichtbarer Teil der Einrichtung, insbesondere bei den protestantischen Deutschen. Die alleinige Autorität der Heiligen Schrift, das Streben danach, seine Grundprinzipien zu lernen und im eigenen Leben anzuwenden, inspirierte die Anhänger des Protestantismus dazu, die Sprüche selbst herzustellen.

Die Wandbilder erinnerten stets an Gott, an die religiöse Pflicht, an das gerechte Leben, sie haben eine besondere seelische Haltung erschaffen. Selbsttätige Künstler haben nicht nur Texte geschrieben, sondern haben die Sprüche mit Malereien verziert, meistens waren das Blumen oder Landschaften.

Die Wandbilder waren solchen wichtigen Ereignissen wie Hochzeiten gewidmet. In diesen Fällen wurden sie mit Darstellungen von Tauben geschmückt. Auf einem von ihnen kann man diesen Text lesen: „Sei treu bis zum Tod, und du wirst die Krone des Lebens erhalten“. Normalerweise wurde der „Spruch“ mit den Aussprüchen in einen rechteckigen Rahmen eingefügt, aber in der Gebietsgesellschaft des deutschen Zentrums „Wiedergeburt“ in Karaganda kann man auch Wandbilder in runder Form sehen.

Heute ist das deutsche Wandbild „Spruch“ ein wichtiger teil des geistigen Erbes der Deutschen Kasachstans. Die Wahl der Bibelsprüche war von der individuellen Glaubenspraxis abhängig, deshalb erlaubt es der Überblick über die verwendeten Texte und Zitate, die grundlegenden moralischen und wertmäßigen Bezugspunkte einer Generation zu erkennen, die die schweren Jahre der Deportation überstanden hat.

Julija Budanowa

Ubersetzung: Philipp Dippl

Soziale Arbeit im Gebiet Nordkasachstan

Im laufenden Jahr werden sämtliche Projektaktivitäten im Rahmen des Programms zur Unterstützung der deutschen Ethnie in Kasachstan im Gebiet Nordkasachstan direkt durch die öffentliche Stiftung „Wiedergeburt“ und die Mitarbeiter vor Ort durchgeführt.

Die Koordinatorin der Sozialprojekte ist Rimma Lotz, eine erfahrene Mitarbeiterin und ein Profi, der seine Sache bestens kennt. Sie hat die geisteswissenschaftliche Hochschule Petropawl namens M. Zhumabaew in der Fachrichtung „Spezialist in der sozialen Arbeit“ abgeschlossen und die Fortbildungskurse „Organisation der Pflege von Alten und Invaliden, Ambulante Pflege, Häusliche Pflege“ in Kaiserslautern (Deutschland) belegt.

Im System der sozialen Sicherung hat sie sich als verantwortungsvolle und disziplinierte Mitarbeiterin positiv gezeigt. Nach bestem Gewissen arbeitet sie in der häuslichen Betreuung ältere Menschen und Invaliden.  Die Leistungsempfänger beschreiben Rimma Wladimirowna immer als ideenreiche und professionelle Sozialarbeiterin.

„Im ersten Quartal wurde die Arbeit in den Projekten „Soziale Hilfe“ und „Kompensierung der Kosten von Medikamentenkäufen für bedürftige Bürger der deutschen Nationalität“ durchgeführt, letzteres wird in unserer Region zum ersten Mal durchgeführt. Meiner Meinung nach ist es eines der wichtigsten Projekte und wird von der Bevölkerung stark nachgefragt“, – stellt Rimma Wladimirowna fest.

„Meine Großmutter kommt gebürtig aus dem Dorf Gnadenflur im Gebiet Saratow in der Autonomen Sozialistischen Sowjetrepublik der Wolgadeutschen, – teilt Rimma Wladimirowna ihre Erinnerungen mit, – am 26. August 1941 kamen die Truppen des NKWD auf das Gebiet der ASSR der Wolgadeutschen und es wurde die Verordnung ausgegeben, sich innerhalb von 24 Stunden zur Aussiedlung vorzubereiten. So kam sie mit ihrer Familie in den Altaj. Darauf folgte die Arbeitsarmee, wo sie in der Holzbeschaffung arbeitete. Danach kehrte sie zu ihrer Familie zurück und lebte für lange Zeit unter der Kommandantur, sie heiratete und gebar Kinder. Im Jahr 1961 ging sie nach Nordkasachstan zur Neulandgewinnung“.

Bei allen Fragen im Zusammenhang mit der gerichteten sozialen Hilfe können die Bewohner des Gebietes Nordkasachstan die Zweigstelle Petropawlowsk der öffentlichen Stiftung „Wiedergeburt“ kontaktieren, welche sich in dem Gebäude des wirtschaftlich-technischen Ausbildungskomplexes an der Adresse: Teatralnaja-Straße, 42 befindet. Telefon: +7 7152 50 08 65, +7 727 263 58 17, +7 702 817 11 88.

Ubersetzung: Philipp Dippl

20 Jahre öffentliche Vereinigung „Wiedergeburt“ im Kreis Tole Bi

In der Stadt Lenger fand ein grandioses Konzert zu Ehren des 20 jährigen Jubiläums der öffentlichen Vereinigung „Wiedergeburt“ des Kreises Tole Bi statt. Die Zuhörer schwelgten beim Blättern durch die Seiten des „Familienalbums“ der Deutschen im Gebiet Turkestan in Erinnerungen.

– Alles keimte auf im lange zurückliegenden Jahr 1999, als die Ethnie der Region eine mutige Entscheidung traf – einen kleinen Verein zu schaffen, der die Vergangenheit mit einer zuversichtlichen Zukunft verbindet. Zu dieser Zeit übernahm der erste Leiter des deutschen Zentrums eine schwierige Aufgabe: die Erhebung von Daten aller Deutscher, auf dem Gebiet des ganzen Kreises lebten. Es sind 20 Jahre vergangen und jetzt arbeiten in der öffentlichen Vereinigung „Wiedergeburt“ verschiedene Arbeitskreise und Sektionen, um die nationale Identität zu fördern und kreative junge Menschen auszubilden, um sich mutig in der multiethnischen Arena Kasachstans zu positionieren, – äußert über die Arbeit des Zentrums ihre gegenwärtige Leiterin Lidija Michlik.

Besondere Aufmerksamkeit wird auf die Bildung und Entwicklung der Jugend der deutschen Ethnie in der Region gelegt: Die meisten Teilnehmer des Konzertes sind junge Leute im Alter von 7 bis 18 Jahren.

Auch die Kulturarbeiter des Kreises Sole Bi zeigten Interesse an der deutschen Vereinigung, Glückwünsche von Deputierten der Regionalregierung und von den ethnokulturellen Vereinigungen strömten herein. Auch besuchten die aktiven Mitglieder der deutschen Jugend „Juwel“ der Stadt Taraz das Konzert. Sie konnten Kontakte knüpfen und partnerschaftliche Beziehungen schließen und sich gegenseitig mit einmaligen kreativen Erfahrungen bereichern.

Im Verlauf des zweistündigen Konzertprogramms haben die Zuschauer nicht nur die Besonderheiten deutscher Tänze, Lieder und den Reichtum der Muttersprache gesehen, sondern auch geschmacklich einzigartige traditionelle Speisen probiert, welche von den fähigen und sorgsamen Händen der aktiven Mitglieder des „Frauenklub“ vorbereitet wurden.

Polina Tscherepowskaja, Igor Pawlow

Ubersetzung: Philipp Dippl

Der Almaty-Marathon 2019

Am 21. April sind trotz des wolkigen Wetters auf dem neuen Platz in Almaty viele Menschen zusammengekommen, einige wollten selbst den Marathon laufen, andere ihre Freunde und Bekannten unterstützen und manche wollten einfach nur ihre Energie aufladen durch die größte Massenveranstaltung des Amateursports. Eine Bühne, Musik, Flaggen, Zelte – alles ist bereit für den Start des traditionellen Marathons, es ist übrigens bereits der siebte in der südlichen Hauptstadt. Dieses Sportfest zieht jedes Jahr unglaublich viele Teilnehmer an. Die Atmosphäre, das muss man sagen, war aufgeladen, in der Luft schwebten Energie und Kraft, überall waren frische, gesunde und lebenslustige Menschen.

Uns gelang es, ein Interview mit den aktiven Mitgliedern des Vereins der deutschen Jugend Almaty, Jekaterina Lauber und Nikolaj Timofeew zu führen. Katja lief eine Strecke von 10 Kilometern, Nikolaj lief 21 Kilometer.

– Habt ihr vor dem Marathon trainiert?

E: Ich mich vorbereitet, ich habe zwei bis drei Monate vorher angefangen, richtig zu trainieren, am Anfang jeden Tag, später habe ich meine Taktik verändert und entschieden alle zwei Tage zu trainieren.

N: Nein. Ich laufe generell viel in den Bergen, ich habe einen aktiven Lebensstil, wie man so sagt.

– War dies euer erster Marathon?

 E: Noch in der Schule bin ich einen Distanzlauf gelaufen: einen Kilometer, dann drei, dann fünf, und das alles ohne Unterbrechung, weil wir nicht genügend Läufer hatten und ich deshalb gefragt wurde. Aber es stimmt, dass ich im letzten Lauf nicht mehr gut gelaufen bin, ich war erschöpft und kam als Letzte ins Ziel.

N: Ich laufe den zweiten Marathon, beim letzten Mal habe ich die 10-Kilometer-Strecke bewältigt, aber das ist schon lange her, ich kann noch nicht mal mehr sagen, wann das war.

– Seid ihr alleine gelaufen oder hat euch jemand unterstützt?

E: Mich haben Freunde unterstützt, aber ich bin auch nicht alleine gelaufen, sondern mit meiner Schwester Nadja. Unsere Freundin aus Österreich, Jennifer, hat uns dazu veranlasst, zu laufen, ansonsten hätte ich es wohl nie probiert.

N: Ich bin alleine gelaufen und habe die Unterstützung von den Zuschauern bekommen, die mit Schreien anfeuerten, klatschten und sangen.

– Wie war das Gefühl auf der Zielgeraden?

E: Ich kann nicht sagen, dass es sehr schwer war, zu laufen. Wenn ich meine Kräfte einschätze, würde ich sagen, dass ich auch die 21 Kilometer gelaufen wäre. Ich glaube, es hat mir geholfen, dass ich nicht wusste, wo das Ziel ist. Ich habe ein Schild am Ende gesehen, auf dem stand, dass es bis zum Ziel noch 150 Meter sind und habe mir gedacht: „Das ist schon alles?“

N: Schwer war es nur am Start, hoch die Nasarbajew-Straße bis zur Al-Farabi, und der letzte Kilometer, als mir die Beine wehgetan haben. Ich habe alles im Schließfach gelassen, auch das Telefon, und habe mich an den Ballons orientiert, die die ungefähre Zeit angaben.

– Ein abschließendes Wort für alle, die nicht gelaufen sind?

E: Ich denke, dass sich Kasachstan auf diesem Feld entwickelt, weil in diesem Jahr ungefähr 17.000 Menschen den Marathon gelaufen sind und das ist außerordentlich. Viele Leute haben festgestellt, dass der Marathon mit jedem Jahr besser und besser wird. Alles war auf hohem Niveau organisiert: Wasser und Essen und vieles andere. Ich möchte, dass jeder den Marathon läuft und diese Distanz spürt: die Spannung in den Muskeln – das gibt ein Gefühl der Freude für einen ganzen Tag.

N: Das ist alles nur halb so schlimm und nicht so schmerzvoll, nach zwei Tagen ist alles wieder weg. Daheim habe ich eine heiße Badewanne genommen, damit sich die Spannung aus den Beinen löst.

– Was hat dich dazu motiviert, diesen Marathon zu laufen?

 N: Ich habe gelesen, dass 17.000 Menschen daran teilnehmen werden und ich wollte ein Teil dieser Veranstaltung sein. Übrigens, von 3683 Läufern, die das Ziel erreichten, kam ich als Nummer 1659 an. Dafür habe ich 2 Stunden und 10 Minuten gebraucht.

Ubersetzung: Philipp Dippl

Igor Fel: „Jeder Mann muss in der Lage sein, seine Familie zu beschützen“

– Igor Garrijewitsch, erzählen Sie von ihrer Familie.

– Die Eltern väterlicherseits sind Deutsche von der Krim. Mütterlicherseits Russen aus Krasnodar und der Baikalregion. Die Großeltern väterlicherseits starben in der Arbeitsarmee. Die Cousins und Cousinen haben sich in Petropawlowsk, Kokschetau und im Gebiet Akmolinsk niedergelassen.

Vom Vater blieb nach dem Krieg meine Urgroßmutter übrig, sie ging mit ihm nach Alma-Ata, als er 17 Jahre alt war. Der Vater starb sehr jung, mit 44 Jahren – er war von einer schweren Kindheit und permanenten Entbehrungen geprägt. Aber in diesen Jahren hat er es geschafft, sich mit seiner besten Seite zu etablieren. Eine technische Ausbildung, Zielstrebigkeit und eine kolossale Arbeitskraft ermöglichten es ihm, bis zum stellvertretenden Direktor des Vereins der Automobilwerkstätten aufzusteigen und als Direktor der Bauabteilung des Fleischkombinates zu arbeiten. Mama arbeitete als Baukostenkalkulatorin. Fast alle meine Verwandten sind auf dem Bau beschäftigt. Wie man so sagt, hatte meine Großmutter drei Söhne – zwei waren klug und einer war Sportler. Und der bin ich unter ihnen. Alle Übrigen der Familie Fel leben in Deutschland.

– Warum wurde gerade das Boxen zu ihrem Lebensinhalt?

– Ich liebe Sport seit der Kindheit. Was habe ich nicht alles ausprobiert, aber das Boxen hat alles überdauert. Die Eltern klapperten alle Städte und Dörfer der Sowjetunion ab, sie gingen zum Geld verdienen auch auf die Halbinsel Mangyschlak. Ihre ersten Autos und Datschen haben sie sich dort verdient. Und wir haben uns als Kinder so gut wie möglich unterhalten. Mangyschlak und Sportgruppen – das sind zwei völlig verschiedene Dinge. Wir waren von Steppen, Sanddünen, Schlangen und Skorpionen umgeben… Und davor mussten wir wegrennen und unsere physische Form entwickeln!

Ich erinnere mich, wie meine Tante mir Fußballschuhe kaufte, sie haben gerade einmal einen Monat gehalten. In Fußballschuhen muss man auf Rasen laufen, aber dort gab es das sogenannte Takir, fast so hart wie Asfalt, der schnell die Sohlen auffrisst. Im Jahr 1970 kehrten die Eltern nach Alma-Ata zurück, zu der Zeit war ich in der fünften Klasse. Hier entstand meine große Leidenschaft für Kampfsport und Hockey. So wie es vielen passiert, hat mich in der Kindheit irgendjemand geärgert, und ich musste auf mich aufpassen, ich ging zum Boxen. Danach ging es von Wettkampf zu Wettkampf durch die gesamte Sowjetunion.

– Erinnern Sie sich an ihren ersten Trainer?

– Natürlich, das ist Aleksandr Alekseewitsch Li, wohlverdienter Trainer der kasachischen SSR. Ich wünsche ihm alles Gute für die Gesundheit! Er hat mich großgezogen, hat mir eine gute Schule gegeben, und die Möglichkeit zu sportlichen Erfolgen heranzuwachsen und Autorität als Trainer zu erarbeiten.

– Über welche Charaktereigenschaften sollte Ihrer Meinung nach ein Sportler und Trainer verfügen?

– Die Symbiose Sportler und Trainer ist enorm wichtig. Ich sage meinen Schülern oft: „Für eure Resultate interessiere ich mich mehr als für alles andere, sogar mehr als für die Eltern, von ihnen hängt die Beziehung zum Trainer ab“.

Ein Sportler verdankt einen großen Prozentsatz seines Erfolges dem Trainer. Es gab Zeiten, da sind wir zu Wettkämpfen gefahren, und wir haben nur ein Bett für zwei Personen bekommen. Der Sportler wurde ins Bett gelegt, weil er am nächsten Tag boxen musste, und ich selbst habe mich auf einen kleinen Teppich auf den Boden gelegt. Gewöhnliche Personen werden keine Olympiasieger. Ein Trainer muss Ambitionen haben. Wenn du deine Arbeit ohne Feuer machst, wird es keine Resultate geben.

Meiner Meinung nach sind 90 Prozent des Erfolges von Wasili Zhirow der Verdienst seines Trainers Aleksandr Iwanowitsch Apatschinskij. Ja, der Gott hat Wasja mit ausgezeichneten physischen Voraussetzungen beschenkt, aber wie viel Anstrengung steckt dahinter? Ich hatte vier Infarkte, die alle auf Wettkämpfen „erarbeitet“ wurden. Manchmal sitzt du vor dem Ring, machst eine Pause und denkst, dass es einfacher ist, wegzulaufen und mit sich selbst zu kämpfen.

– Igor Garriewitsch, ihnen kam nie der Gedanke, selbst zu boxen?

– Schon während der Jugend, mit 15 oder 16 Jahren, habe ich sehr gut verstanden, dass ich Trainer werde. Die Eltern haben mir verschiedene Berufe vorgeschlagen, ich bin sogar nach Tomsk gefahren um an der physisch-technischen Fakultät der Universität zu studieren. Aber das war alles vorübergehend, weil ich meine Wahl nie angezweifelt habe.

– Und sie haben zuversichtlich ihre Ziele erreicht, haben das Kasachische Staatliche Institut für Körperkultur und Sport, die heutige Akademie für Tourismus und Sport, mit Auszeichnung abgeschlossen…

– Das ist richtig. Die Ausbildung war leicht, ohne irgendwelche besonderen Mühen. Ich bekam eine Familie. Meine Frau ist eine Klassenkameradin. Seit der 8. Klasse saßen wir auf der gleichen Schulbank. Und wir sind nach wie vor zusammen – 41 Jahre gemeinsames Leben. Wir haben zwei Kinder und fünf Enkelkinder. Der älteste von ihnen ist 19 Jahre alt, das jüngste eineinhalb Jahre. Der Sohn war Schwimmer. Dann wurde er neugierig auf die Jungs auf der Straße und ich sagte: „Genug, die Badehose kommt in die Tasche, morgen gehst du zum Boxtraining!“ Jetzt ist er Sportmeister und Meister Kasachstans, er hat ebenso das Institut für Körperkultur abgeschlossen, war in der Landesauswahl. Jetzt hat er ein eigenes Geschäft.

– Wollten Sie von Anfang an, dass ihr Sohn ein professioneller Sportler wird?

– Ich glaube, dass jeder Mann seine Familie, seine Frau, seine Kinder und sein Haus beschützen muss. Wir haben jetzt Zeiten, in denen einem nicht nur Fäuste begegnen, sondern auch Waffen. Glücklicherweise gibt es in unserem keinen freien Zugriff auf Waffen, aber die Halbstarken sind nicht weniger geworden.

Und im Allgemeinen hat sich die Gesellschaft verändert. Es gibt jetzt so viele gewissenlose Leute, die haben nicht einmal Angst davor, im Gefängnis zu landen. Früher war eine Strafe ein Makel für das ganze Leben. Die Zeiten haben sich geändert, die Menschen sind vom Geld verdorben.

– Viele ihrer Schützlinge haben große Resultate erreicht. Nennen Sie uns die talentiertesten?

– Man müsste alle erwähnen. Sie sind für mich wie meine eigenen Kinder. Ich kann niemanden hervorheben. Mich rufen sowohl internationale Sportmeister als auch Anfänger an. Mit allen halte ich Kontakt. Viele meiner Zöglinge sind Preisträger und Gewinner von Meisterschaften in Kasachstan, Asien und der ganzen Welt.

Als Kasachstan unabhängig wurde, hatte ich einen guten Sportler, der Deutsche Aleksandr Miller. Das ist die russische Umschreibung des Familiennamens Müller. So hat man das zu Sowjetzeiten geschrieben… ein Königreich des Himmels. Er war in der Jugendauswahl. Er wurde erster Asienmeister des souveränen Kasachstans. Ich will nicht bescheiden sein, er hat auch Zhirow ziemlich hart geschlagen, er hatte eine sehr gute Perspektive. Ein banaler Autounfall hat sein Leben beendet. Am Morgen sollten wir zum letzten Treffen vor der Weltmeisterschaft, und am Abend des vorherigen Tages hatte er mit seinen Freunden den Unfall. Fünf Personen waren im Auto. Alle überlebten, nur Sanja starb. So ist das Schicksal…

– Heute entwicklt sich das Boxen in unserem Land rasant im Gegensatz zu anderen Sportarten, es gibt große Unterstützung von Seite des Staates aus. Wie bewährt sich ihrer Meinung nach der kasachstanische Boxsport in der weltweiten Boxarena?

– Eine große Rolle in der Herausbildung des positiven Bildes im kasachstanischen Boxsport spielt schon seit vielen Jahren Gennadij Golovkin, zu dem ich große Sympathien empfinde. Die andere Frage ist: wie sieht das wietere Schicksal des weltweiten Boxsportes aus? Das ist bislang unbekannt. Heute spricht sich das internationale olympische Komitee gegen Boxen als olympische Sportart aus…

Igor Garriewitsch Fel ist wohlverdienter Boxtrainer der Republik Kasachstan, Mentor der Nationalauswahl der Republik Kasachstan, Träger des internationalen Trainerzertifikates AIBA und des Titels des besten Boxtrainers Kasachstans. Er hat eine große Anzahl an Meistern in internationalen Sportklassen, mehrfachen Meistern und Preisträgern Kasachstans und in internationalen Wettbewerben vorbereitet. Heute arbeitet er im Verein der verdienten Sportmeistern der UdSSR „Serik Konakbaew“.

Interview: Julija Milenkaja-Martin

Ubersetzung: Philipp Dippl

Der Kosmos erwartet uns

Am 12. April 1961 wurde das erste Raumschiff mit einem Menschen an Bord in die Erdumlaufbahn gebracht. „Wostok-1“ wurde mit dem legendären Jurij Gagarin vom Kosmodrom „Baikonur“ gestartet und führte eine Umrundung des Planeten Erde aus. Er beendete den Flug in der 108. Minute und  landete im Gebiet Saratow. Seitdem ist der 12. April der internationale Tag des Ersten bemannten Raumfluges in den Weltraum. Allerorten werden an diesem Tag thematische Veranstaltungen durchgeführt und in Planetarien Vorlesungen veranstaltet, die die Geschichte der Eroberung des Weltraums beleuchten, und in den Kinos werden Weltraumfilme gezeigt.

Der Verein der deutschen Jugend „Vorwärts“ hat dieses bedeutsame Ereignis ebenfalls nicht außer Acht gelassen, und am 13. April fand im deutschen Haus die Feier zum Tag der Kosmonauten statt. Die Veranstaltung verlief sehr produktiv, aufschlussreich und ungewöhnlich. Unsere Jungs und Mädels haben versucht, diesen Feiertag etwas näher kennenzulernen, sich in der Rolle eines Forschers zu fühlen und den Wissensdurst und mit einer Unmenge an spannenden und lehrreichen Aufgaben zu sättigen.

Zur Einführung in die Thematik und um die Grundkenntnisse zu bekommen, wurde eine ganze Präsentation organisiert, die dabei half, sich mit der Geschichte des Tages der Kosmonauten, dne wichtigsten Momenten und Ereignissen im Bereich der Erforschung des Universums vertraut zu machen, sowie mehr über deutsche Astronauten zu erfahren, die einen Beitrag zur Entwicklung der Weltraumforschung in Deutschland geleistet haben.

Zum Beispiel flog Sigmund Jähn vor 40 Jahren in den Kosmos, der erste und einzige Kosmonaut aus der DDR und die Nummer 90 aller, die jemals in den Weltraum flogen. Das wichtigste Ereignis des Tages war der Start einer Rakete, welche unsere aktiven Mitglieder Andrej Schtejnert und Elzhan Naribajew gebaut haben. Sie haben eine einfache, funktionierende Konstruktion für ein Treibgasgemisch selbst gebaut. Der Körper der Rakete wurde aus zwei Plastikflaschen gebaut, die als Verbrennungskammern und Verkleidung dienten. Als Treibstoff wurde Ethylalkohol, besser gesagt seine Dämpfe, verwendet.

Die Rakete wurde auf einem speziell konstruierten Starttisch aufgestellt, in dessen Inneren ein Docht angebracht war, um die Treibstoffmischung anzuzünden. Viel Energie wurde darauf verwendet, um die benötigte Größe der Brennkammer und die Menge des Gemisches zu berechnen. Der Starttisch brannte einige Male. Aus mehr als 20 Probeabschüssen waren nur zwei erfolgreich. Um die Umwelt dabei nicht zu schädigen, wurden alle Abfälle und Verbrennungsmittel natürlich sofort entfernt. Die Jungs waren begeistert von diesen Erfahrungen und interessieren sich jetzt noch mehr für die Weltraumwissenschaft!

Kristina Libricht und Jekaterina Lojtschenko

Ubersetzung: Philipp Dippl

Konzert „Frohe Ostern“ in Semej

 In diesem Jahr fiel das Osterfest zusammen mit dem Konzert des Lieder- und Tanzensembles „Einheit“ der öffentlichen Vereinigung der Deutschen „Wiedergeburt“ der Stadt Semej, deshalb wurde entschieden, den Feiertag in großem Umfang zu begehen und den Bewohnern der Stadt die Ostertraditionen der deutschen Ethnie vorzustellen.

In der Eingangshalle fand eine Ausstellung über die Handwerkskunst der deutschen Ethnie und die Literatur über die Deutschen Kasachstans platz. Auch ging es nicht ohne die traditionellen Osterspeisen der deutschen Küche. Für die Kinder wurden Spiele und Workshops, in denen man leichte Bastelarbeiten aus Kugeln und buntem Papier basteln konnte, organisiert. Gäste konnten in festlich dekorierten Fotoecken strahlende, österliche Erinnerungsfotos machen. Lebensgroße Puppen in deutscher Nationaltracht begrüßten die Gäste im Foyer und wurden mit Freude von allen Interessierten fotografiert.

Die Schützlinge der Gesellschaft, das Tanzensemble „Einheit“, das Zentrum für zusätzlichen Vorschulunterricht „Wunderkind“, die Kinder aus dem „Krachorchester“ und die aus der Sonntagsschule haben die Zuschauer mit farbenfrohen Nummern erfreut. Die Gesangsgruppe „Einheit“ hat deutsche Volkslieder aufgeführt. Theaterepisoden, die von den Mitgliedern der Werkstatt „Glück“ vorbereitet wurden, haben allen die Ostertraditionen nähergebracht.

Auch die Repräsentanten des Kreises Beskarajsk haben ihre Glückwünsche zum Feiertag mitgebracht. Wasilij Kael, Preisträger des Festivals „Spiel, Harmonika!“, trug virtuos ein Potpourri auf dem Akkordeon vor. Und Ljudmila Ponomarjewa, Mitglied der Vokalgruppe „Sonntag“ der slawischen ethnokulturellen Vereinigung, erfreute alle mit einem schmissigen Lied.

Die Zuschauer feierten die Artisten mit stürmischem Applaus und warmem Lächeln. Die Feiertagsveranstaltung ließ niemanden unberührt: sowohl die, die die Feier zum ersten Mal besuchten, als auch die, die an diesen Veranstaltungen schon seit Jahren teilnehmen, bedankten sich bei den Teilnehmern mit großer Begeisterung für den unvergesslichen Feiertag.

Irina Wolschmidt: „Alles ist so durchdacht und interessant; die bunten Kostüme der Teilnehmer und die klingenden Lieder und kunstvollen Nummern der kleinen Kinder werden uns noch lange in Erinnerung bleiben.“

Tamara Depp: „Ein tolles Konzert, sie sind alle einfach super, vielen Dank den Organisatoren und Teilnehmern. Alle riefen „Hurra“, zur Freude der Kinder und unserer, den Erwachsenen“.

Aleksandr Konowalow: „Das Konzert hatte große Qualität. Ein natürliches Merkmal de Deutschen wurde demonstriert: das Streben nach Ordnung und Organisation. Die schönen Kostüme und die darstellerischen Fähigkeiten haben uns in ein freundliches, gutes, altes Deutschland entführt. Lilija Gontscharuk, die Vorsitzende von „Wiedergeburt“, hat allen zu diesem Feiertag gratuliert und den Künstlern Erinnerungsgeschenke überreicht“.

Wir gratulieren allen zum Feiertag und wünschen Familienwohl, frühlingshafte Wärme, aufrichtiges Lächeln und die Erfüllung der sehnlichsten Wünsche. Vielen Dank den Gästen und Zuhörern dafür, dass Sie an diesem Tag mit uns waren, und allen Teilnehmern und Organisatoren alles Gute!

Marija Gorbatschjowa

Ubersetzung: Philipp Dippl

Je farbenfroher das Osterfest ist, desto heller ist das Jahrhundert

Jedes Jahr an Ostern kommen die aktiven Mitglieder der Gesellschaft „Wiedergeburt“ Aktobe zusammen, um diesen strahlenden Tag zu feiern. Dieses Mal entschieden die Deutschen, etwas von der Tradition abzuweichen…

– Es stellte sich heraus, dass viele nicht zur Veranstaltung kommen können, die gerne kommen würden. Einige feiern Ostern als Gäste bei Bekannten, andere im Kreis der Familie. Deshalb wurde nach Rücksprache entschieden, dass sich unsere aktiven Mitglieder etwas früher treffen. Gleichzeitig wollten wir aber trotzdem an die Bräuche erinnern, – erläutert die Leiterin der Theaterwerkstatt Inna Woloschina.

Ostern ist in Deutschland ein hell strahlender Feiertag. Ein unveränderliches Merkmal ist die Bemalung von Ostereiern. Aber in Deutschland sind damit noch einige andere Traditionen verbunden. Meistens sind zur Zeit des Osterfestes noch keine Blätter an den Bäumen. Deshalb haben die Menschen mit der Zeit die Bäume mit verschiedenfarbigen Ostereiern geschmückt.

Die Deutschen aus Aktöbe haben auch einen Osterbaum vorbereitet, und den haben sowohl die Kinder als auch die Erwachsenen geschmückt. Nach und nach kamen Bänder, Dinge aus Plastik und Eier dazu, aus denen die rohe Füllung ausgeblasen wurde. Die Besonderheit in diesem Jahr war der Markt der Handwerkskünstler. Elena Ignatowa, ein aktives Mitglied der Gesellschaft, hat eine Woche lang Osterkränze und Osterhasen in Handarbeit gebastelt.

– Es ist der Hase, der an Ostern die Eier bringt und sie im Wald oder im Garten versteckt, und am Ostersonntag suchen sie die Kinder. Warum gerade ein Hase? Genau wie das Ei symbolisiert er das Leben und die Fruchtbarkeit. Deshalb ist der Schokoladenhase ein unverzichtbares Geschenk an Ostern zusammen mit den gefärbten Eiern, – erzählt Elena, die Handarbeiterin.

Nach dem kleinen Konzert, welches die Mitwirkenden der deutschen Theaterwerkstatt und der Sonntagsschule arrangiert haben, wurde allen, die zu der Veranstaltung gekommen waren, angeboten, selbst ein Osterhäschen anzufertigen.

– Außerdem werden an diesem strahlenden Tag üblicherweise Osterkörbe verschenkt, die mit Schokoladeneiern, Osterlämmern, Schäfchen und insbesondere Langohren aus Schokolade gefüllt sind, – führt Inna Woloschina fort über die Traditionen. – Noch ein unverzichtbares Merkmal ist der Osterkranz, der normalerweise an der Haustür aufgehängt wird.

Was das Essen betrifft, so kochen die Deutschen bereits am Gründonnerstag Speisen, in denen die Farbe Grün vorherrscht: Suppen aus grünen Kräutern, Speisen aus Kohl und Spinat, Salate. Am Karfreitag wird normalerweise Fisch mit Knödeln und Bouillon gegessen. An Ostern selbst steht normalerweise gebratenes Lamm, Kaninchenfleisch oder Geflügel auf dem Tisch. Natürlich geht es aber auch nicht ohne Milchgebäck: das sind süße Osterkringel, Osterzöpfe und das Osterbrot.

Wenn man sich in der orthodoxen Kirche normalerweise gegenseitig mit den Worten „Christus ist auferstanden“ – „Er ist wahrlich auferstanden“ begrüßt, so wünscht man sich in Deutschland ganz einfach gegenseitig „frohe Ostern!“ – „Ein frohes Osterfest!“

Dmitrij Schinarenko

Ubersetzung: Philipp Dippl

Frohe Ostern!

Farbenfroh und geschmackvoll wurde in Ridder und dem Dorf Berezowka im Kreis Glubokowsk das katholische Osterfest gefeiert, wo sich die Deutschen der gesamten Zweigfiliale der Gesellschaft „Wiedergeburt“ Ridder vereinigt haben. Nach Berezowka sind ebenfalls die Deutschen aus den Dörfern Predgornoje und Progress gekommen, um Ostern zu feiern.

Die Vorsitzende der Gesellschaft „Wiedergeburt“ (LNKZ) Ljubow Ignatjewa gratulierte allen Landsleuten zum Osterfest und wünschte ihnen starke Gesundheit, Erfolg Herzlichkeit, Liebe und gute Stimmung, sie drückte allen Teilnehmern des Konzertes und den Zuschauern Worte der Dankbarkeit aus.

Die Abgeordnete des Stadtparlaments Ridder und Vorsitzende des Verwaltungsrates der Deutschen im Gebiet Ostkasachstan Galina Gilderman übernahm die Organisation des Kaffeekranzes und die Zusammenstellung von Ostergeschenken für die Kinder. Elena Schkabakowa brachte Konditoreiwaren und Ostereier in einem farbenfrohen Korb zum Fest mit.

Mit Worten der Gratulation sprach die Vorsitzende der Vereinigung der Soldatenmütter Ljubow Wilt.

Die Kinder schmückten den Osterbaum mit Filzeiern, banden an ihn Seidenbänder, sprachen Wünsche aus und gingen am Ende mit Weidenzweigen zu den Gästen, klatschten und sangen: „Weide, Weide, Weidenzweig! Er schlägt uns bis wir weinen! Krankheit, geh schon in den Wald! Doch Gesundheit, die kann bleiben! – Seid gesund und glücklich, liebe Gäste!“

Es erklangen Osterlieder, das Publikum applaudierte den Interpreten der deutschen Polka und des Tanzes des Ostereis von ganzem Herzen. Strahlend wie immer trat das Ensemble „Edelweiß“ mit der Premiere der Tänze „Die Bekanntschaft“ und dem „Meditativen Tanz“ auf, welche vom landesweiten Seminar der ethnokulturellen Arbeit mitgebracht wurden.

Der Höhepunkt des Festes war der Tango von Katarina und Wolodja Knaub. Zum Abschluss der Feierlichkeiten tranken alle Teilnehmer und Gäste Tee und probierten traditionelle deutsche Speisen, die von Marija Dik, Tatjana Feaktistinowa, Nadezhda Bener und Tatjana Kolesnikowa zubereitet wurden.

Im Dorfclub in Berezowsk haben die Mitglieder der Zweigstelle der deutschen öffentlichen Vereinigung „Wiedergeburt“ und die Beteiligten der künstlerischen Eigeninitiative eine ebenso farbenfrohe Veranstaltung organisiert. Die ehrenvolle Bürgerin des Kreises Glubokowsk Marija Jakowlewna Pekur kam, um den Dorfbewohnern zu gratulieren:

– Ostern, – sagte sie, – ist ein hell strahlendes Fest, welches die Völker verbindet und Liebe verbreitet.

Die Künstler (von den Kleinsten bis zu den Veteranen) stellten einige Inszenierungen der Traditionen des deutschen Osterfestes vor. Die Allerkleinsten erzählten von den wichtigsten Ostersymbolen: den gefärbten Eiern und dem Osterhasen. Die deutschen Kinder glauben, dass gerade die Hasen die bunten Eier bringen. Sie kommen in der Nacht angelaufen und verstecken ihre Geschenke, und wer sie zuerst findet, der wird das ganze Jahr lang erfolgreich und reich sein. Die Mitwirkenden der Gruppe „Aquarell“ Gulsum Awischankysa, Aleksandr Gradunow und Wiktorija Frizorge trugen Gedichte auf Deutsch vor. Zusammen mit dem Hasen (Wika Olejnikowa) und dem Küken (Zhenja Semenowa) haben die Jungs und Mädels gespielt, getanzt und den Osterbaum geschmückt, der den paradiesischen Baum des Lebens symbolisiert.

Die Ostertafel hat sich vor Speisen und Getränken gebogen, die von den aktiven Mitgliedern der Vereinigung und den Angehörigen des „Frauenclubs“ zubereitet wurden. Kuchen und Süßigkeiten, Ostereier und traditionelles Ostergebäck (Zuckerkuchen oder Streuselkuchen) wurde alles mit Grünzeug und Blumen verziert.

Erna Bogomolowa aus dem Dorf Progress bewirtete zuerst alle, und teilte dann mit allen das Rezept für Schnitzelsuppe.

– Schnitz, – erläuterte sie, – ist ein kleines Stück Obst, zum Beispiel Apfel. Zuerst muss man einen Brei aus Trockenfrüchten kochen. In die siedende Suppe gibt man mit Hife eines Teelöffels Eierschwemmschen (Spätzle oder Klößchen aus Mehl, Wasser, Eiern, Salz und Trinkwasser). Man lässt dies etwas aufkochen, fügt Salz hinzu, aber der Geschmack sollte süß bleiben. Vor dem Servieren der Suppe fügt man noch Sahne oder Smetana hinzu.

Ein Gast der Festlichkeiten, Iwan Andreew, lobte seine Schwiegermutter, die Deutsche war und herrlich kochte:

– Seitdem liebe ich die deutsche Küche, – sagt er. – Man sollte glauben, das sind sehr einfache Speisen, aber so lecker und sättigend. Eine lange Zeit lang fielen harte Prüfungen auf die Eltern meiner Frau Larisa. Sie waren gute und fleißige Menschen. Es freut mich sehr, dass ich heute auf dieser Feier sein kann.

Erinnerungen und traditionelle Rezepte teilte Irina Burmistrowa (mit dem Mädchennamen Schil) mit den Anwesenden. Das Wissen über die deutsche Küche übernahm sie von ihrer Großmutter Erna Egorowna Popp und ihrer Schwester Olga, die in den Kriegsjahren mit den Familien aus dem Wolgagebiet deportiert wurden. Die einzigartigen kulinarischen Rezepte werden bis heute von Generation zu Generation weitergegeben. Es sind Rezepte eines guten Lebens!

Ostern ist wirklich ein besonderer Feiertag. Die Mitwirkenden und Gäste dieser Feierlichkeit spürten hier ganz gewiss herzliche Wärme und Gemütlichkeit.

Andrej Kratenko

Ubersetzung: Philipp Dippl

Der Startschuss der Veranstaltungen zum Tag der Einheit des Volkes Kasachstans

Im städtischen Haus der Freundschaft Semej fanden die Veranstaltungen aus Anlass des Tages der Einheit des Volkes Kasachstans statt.

Im aktuellen Jahr wurde das Jahr der Jugend angekündigt, in dessen Zusammenhang mit den jungen Leitern der ethnokulturellen Zentren der Stadt Semej ein runder Tisch organisiert wurde, in dessen Verlauf sich die Teilnehmer und ihre Arbeit gegenseitig kennenlernten und gemeinsame Ideen und Pläne für die nahe Zukunft erörterten. Auf dem Treffen hat Aljona Talanowa, die Leiterin des Vereins „Glück“ zusammen mit dem aktiven Mitglied Wlad Rekk den Versammelten von den Tätigkeiten der Jugend der öffentlichen Vereinigung der Deutschen „Wiedergeburt“ erzählt. Weiterhin fand in der Aula ein Festkonzert statt, an dem die künstlerischen Kollektive der ethnokulturellen Zentren der Stadt teilnahmen. Von der deutschen Gesellschaft nahm die jüngste Gruppe des Ensembles „Einheit“ mit dem Tanz „Lustiges Aufräumen“ teil. Die Konzertteilehmer aller Altersstufen erfreuten die Zuschauer mit ihren Nummern und versetzten sie in eine warme Fühjahrsstimmung.

Der 1. Mai ist der Feiertag der Einheit des Volkes Kasachstans, und es spielt keine Rolle, welche Nationalität oder welchen Glauben wir haben, wir leben nämlich in einem Land in Frieden, Einheit und Harmonie zusammen. Erinnern wir uns daran, schätzen und respektieren wir uns gegenseitig! Alles Gute zum Feiertag!

Marija Gorbatschjowa

Ubersetzung: Philipp Dippl

Die Gegenstände begannen zu erzählen. Die Traditionen deutscher Hochzeiten in Kasachstan

Im virtuellen Museum der Deutschen Kasachstans sind in einer gemeinsamen Kollektion Objekte deutscher Hochzeitsrituale aus Ost-, Nord- und Zentralkasachstan vereint. Die charakteristischen Gegenstände der deutschen Hochzeiten werden aus den Beständen dreier Museen präsentiert: dem Architektur- und ethnografischen musealen Landschafts- und Naturpark des Gebietes Ostkasachstan (Stadt Ust-Kamenogorsk), dem Museum der Geschichte des oberen Tobol (Stadt Lisagowsk) und dem Museum der Geschichte der Deutschen des Gebietes Karaganda (Gebietsgesellschaft der Deutschen „Wiedergeburt“, Stadt Karaganda). Die Exponate betreffen die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Echte Bewunderung rufen heute die Hochzeitskränze der Museumskollektionen hervor. Aus Paraffinwachs oder transparentem Stoff, aus Papier und Draht wurden sie von Hand für jede Braut gefertigt. Eine Handwerksmeisterin aus Karaganda hat aus Fischschuppen und Silberfolie einen Kranz für die „silberne“ Hochzeit hergestellt, die im Gebiet Ostkasachstan stattfand. Aus goldener Folie wurde ein Kranz für eine „goldene“ Hochzeit gemacht, welche in den 1980er Jahren im Gebiet Kustanaj gefeiert wurde.

Der Bräutigam auf einer deutschen Hochzeit trug ebenfalls Schmuck, der im gleichen Stil wie der Brautkranz ausgeführt war. Dieser Schmuck stellte eine Blumenkomposition in Miniatur mit Bändern dar, die am linken Revers des Jacketts befestigt wurde. Es gab die Tradition, Brustschmuck auch für die Freunde zu verwenden, die den Bräutigam und die Braut während der Hochzeit begleiteten.

Der Hochzeitskranz und der Schmuck für den Bräutigam wurden nach der Hochzeit in einer hübsch gestalteten Schachtel oder einem Etui gelegt und viele Jahre lang aufgehoben.

Der Moment, wenn die Braut den Hochzeitskranz ablegte, war einer der Schlüsselmomente im deutschen Hochzeitsritus, das geschah um Mitternacht, begleitet von Liedern und Gebeten. Nach dem Abnehmen des Kranzes wurde der Braut ein Kopftuch angelegt, um ihren Eintritt in den neuen Status als Ehefrau und Mutter zu symbolisieren.

Es ist ein großes Glück, dass in den Museumsbeständen Brautkleider aus den 1950er und 1960er Jahren erhalten blieben. Viele derer, die wir im Verlauf der ethnografischen Expeditionen durch das Gebiet Kostanaj treffen konnten, haben sich erinnert, dass aus Mangel finanziellen Mitteln, insbesondere in den 1950er Jahren, dass Brautpaare am Hochzeitstag nicht speziell angefertigte Kleider getragen haben, sondern ganz einfach die beste Kleidung, die sie gerade hatten.

Die stürmischen Ereignisse des 20. Jahrhunderts, die Politik und Ideologie des sowjetischen Staates, die schweren Jahre des Krieges und der Deportation, die ethnokulturellen Traditionen der benachbarten Völker haben zweifellos Einfluss auf die Familienrituale der kasachstanischen Deutschen ausgeübt.

Julija Budanowa, stellvertretende Direktorin der wissenschaftlichen Arbeit des Kultur- und Geschichtsmuseums des oberen Tobol in Lisakwosk

Ubersetzung: Philipp Dippl

Das virtuelle Museum der Deutschen der Republik Kasachstan

Zu einem Fixpunkt bei der Erstellung des virtuellen Museums der Deutschen Kasachstans wurde das Projekt „Ethnokulturelle Expedition zur Suche und Erfassung von Informationen, Erstellung eines Registers, Bildung und Systematisierung eines Kataloges deutscher Museumskollektionen/-Exponate in Kasachstan“. Ein derartiges Projekt findet zum ersten Mal in der Republik statt. Die Organisation führt die öffentliche Stiftung „Kasachstanische Vereinigung der Deutschen „Wiedergeburt“ mit Unterstützung durch die Bundesregierung Deutschland durch.

In der der ersten Etappe wurde eine Arbeitsgruppe gebildet und wissenschaftliche Mitarbeiter herangezogen, Historiker, Heimatforscher und Museumskuratoren. Sie hatten die mühsame Arbeit, das Register der deutschen Kollektionen in den Museen der Republik zusammenzustellen.

Im Laufe des Jahres 2018 haben Spezialexpeditionen unter der Leitung von K. I. N. Julija Podoprigora die Suche und Zusammenstellung des Materials in den öffentlichen und staatlichen Museen des ganzen Landes durchgeführt. Sie besuchten 15 Orte in der Republik Kasachstan, unter denen sich Städte wie Pawlodar (Dörfer Uspenka, Rosowka), Semej (Kreis Beskaragajsk), Kostanaj, Lisakowsk, Ust-Kamenogorsk (Kreis Borodulichinsk, Dorf Schemonajch), Taraz und Almaty (Gebiet Almaty)  befanden. Von den Spezialisten wurden mehr als 2000 Fotografien von Objekten der materiellen und immateriellen Kultur der kasachstanischen Deutschen gemacht und ausgewertet.

Im darauffolgenden Stadium wurden alle Exponate erforscht, mit einer wissenschaftlichen Beschreibung versehen und systematisch katalogisiert. Man muss dazu bemerken, dass die Auswahl noch nicht abgeschlossen ist, der Staffellauf der kulturell-ethischen Gesellschaft der Deutschen „Wiedergeburt“ der Stadt Almaty ist im deutschen Kulturzentrum des Gebietes Kostanaj angekommen.

Nun startete eine neue Etappe: die Präsentation der interessantesten Exponate der Museen in einem virtuellen Raum. Ein Teil der Kollektion wird den aufmerksamen Besuchern auf der Seite wiedergeburt.asia präsentiert; die restlichen Artefakte mit Beschreibung wurden auf die Accounts des Virtuellen Museums in den sozialen Netzwerken auf Facebook und Instagram gestellt. Hier wollten die Mitwirkenden des Projektes eine tiefere und mehr konkrete Präsentation der einmaligen Kollektion erreichen.

Mit diesem Ziel haben die Mitarbeiterinnen Julija Budanowa und Tamara Wolkowa eine Reihe von Artikeln vorbereitet. Sie bringen den Lesern nicht nur die einzelnen Exponate näher, sondern auch die Kultur, die Bräuche und die Traditionen der Deutschen Kasachstans. Es kann sein, dass man beim Betrachten einem unbekannte Objekte entdeckt, und plötzlich taucht wieder etwas aus den Tiefen der Erinnerung auf. Es ist erstaunlich, zu beobachten, wie manchmal alltägliche, vertraute Dinge für uns zu historischen Raritäten werden. Allerdings muss man in der Lage sein, die entschwindende Vergangenheit festzuhalten, aus welcher, wie man weiß, die Zukunft erwächst.

Ubersetzung: Philipp Dippl

Die Energie der Einheit – in einer gemeinsamen Sache

Im Palast des Friedens und der Eintracht in der Hauptstadt fand am 29. April die Konferenz der 17. Sitzungsperiode der Volksversammlung Kasachstans „Die Formel des Friedens und der Eintracht: Einheit und Modernisierung“ statt. An der Arbeit der Sitzung nahmen mehr als eineinhalb tausend Menschen teil, darunter Mitglieder der Volksversammlung Kasachstans, die Vorsitzenden der ethnokulturellen Vereinigungen, die Leiter der politischen Parteien und der Religionskonfessionen, sowie die Repräsentanten der wissenschaftlichen und künstlerischen Intelligenz.

Im Saal befanden sich Gäste aus Russland, der Türkei, Kirgistan und Deutschland. Unser Korrespondent Walerij Schewalje wandte sich mit der Bitte, seine ersten Eindrücke von der Arbeit der Sitzung der Volksversammlung Kasachstans mit uns zu teilen, an Albert Rau, den Vorsitzenden des Verwaltungsrates der öffentlichen Stiftung „Wiedergeburt“.

Unser Elbasy, Nursultan Abischewitsch Nasarbajew, der die Sitzung eröffnete, betonte, dass er zum ersten Mal in einer neuen Funktion vor den Delegierten spricht. Wie bekannt ist, hat er vor kurzem den Posten des Präsidenten des Landes übergeben, wobei er die Leitung der führenden Partei „Nur Otan“, den Posten des Vorsitzenden des Sicherheitsrates des Landes sowie des Vorsitzenden der Volksversammlung behielt. Dies wurde getan, um die wichtigste Aufgabe des Landes zu lösen – eine sanfte Übergabe der höchsten Macht und den Erhalt des Friedens und der Sicherheit im Land.

Heute durchleben dutzende Länder und Regionen in der Welt innere Konflikte aufgrund nationaler Zwietracht. Dadurch, dass er die wichtigsten und empfindlichsten Fäden der Kontrolle des Landes in der Hand hält, ist der Elbasy zuversichtlich im Erreichen der höchsten Ziele.

Was die Rolle unserer Ethnie in der Entwicklung Kasachstans in allen Lebensspären betrifft, so wurde in der Ansprache Nursultan Nasarbajews die Aufgabe der effektiveren Nutzung der verwandtschaftlichen Verbindungen unserer Geschäftsmänner in der internationalen Zusammenarbeit klar benannt. In erster Linie betrifft dies die deutsche und die koreanische Ethnie. Darin liegt nichts widerrechtliches oder unethisches. Die öffentliche Bewegung „Wiedergeburt“ betreibt nämlich in den gesamten dreißig Jahren ihrer Arbeit in Kasachstan den Aufbau genau solcher Beziehungen. Der stellvertretende Vorsitzende  des Verwaltungsrates der öffentlichen Stiftung „Wiedergeburt“ Ewgenij Bolgert ist Mitglied des Kaders des kasachisch-deutschen Wirtschaftsrates und stellvertretender Vorsitzender der nationalen Kammer der Unternehmer der Republik Kasachstan, was ihn maximal an die Erfüllung der Aufgabe des Elbasy annähert.

Vor der eigentlichen Eröffnung der Sitzung der Volksversammlung Kasachstans haben wir, die Repräsentanten der deutschen Ethnie und unsere Landsleute aus Deutschland, ein entsprechendes Memorandum über die Zusammenarbeit zwischen der öffentlichen Stiftung „Wiedergeburt“ und der internationalen Organisation für Regionalentwicklung, dessen Vorsitzender Heinrich Zertik ist, unterschrieben.

Von deutscher Seite aus sind bedeutende Geschäftsmänner Mitglied der Stiftung, hauptsächlich Leute, die aus unserem Land weggingen. Wir können also sagen, dass wir zu den zehn aktuellsten Ereignisse gehören. Man muss ebenso anmerken, dass seit Juni des laufenden Jahres in der öffentlichen Stiftung „Wiedergeburt“ die Arbeit eines Spezialisten zum Aufbau dieser Beziehungen und zur Suche und Förderung gemeinsamer deutsch-kasachischer Projekte in der Wirtschaft, Kultur und anderen Ebenen des Lebens unserer Länder begonnen hat.

Ubersetzung: Philipp Dippl

Lilija Langanz: „Die deutsche Akribie lässt mir keine Ruhe“

– Lilija, sie sind die erfolgreiche Leiterin der Hochschule für Buchhaltung. Erzählen Sie bitte ein bisschen über sich.

– Meine berufliche Karriere begann in der Abteilung der Buchhaltung in der Hochschule der Miliz (heute Polizeiakademie), wo ich drei Jahre lang arbeitete. Ich habe, so wie alle, als „Laufmädchen“ angefangen – gib, bring her, trage weg; anschließend haben sie mir die Kasse anvertraut. In der Position als buchhalterische Kassenwärtin habe ich ziemlich lange gearbeitet. Anschließend bin ich schrittweise auf eine neue Stufe vorgerückt, bin durch alle Abteilungen gegangen, wuchs zur stellvertretenden Hauptbuchhalterin heran. Ich habe dann verstanden, dass ich weiter möchte und habe mit der Hilfe von Kollegen eine neue Arbeit gefunden, bereits als Hauptbuchhalterin.

Während ich nach dem Prinzip: „lerne aus den Fehlern der anderen“, gearbeitet habe, habe ich praktische Fähigkeiten erlangt, dank derer ich anschließend in der Abteilung Personal, Juristen, Programmierer und Buchhalter im eigenen Unternehmen einsparen konnte. Noch eine andere Belehrung der Älteren war die Redewendung: „Kümmere dich von jung auf um deine Ehre“. Ich habe immer ehrlich gearbeitet, ich habe mit Millionen hantiert und nie auch nur eine überschüssige Kopeke vom Arbeitgeber genommen. Von siebzehn Arbeitsstellen, die ich im Laufe meiner Erwerbstätigkeit inne hatte, sind dreizehn Direktoren direkt nach der Eröffnung meines Geschäfts für Dienstleistungen zu mir gekommen.

Meine Familie lebte im Dorf Burundaj. Die Mutter hat in einer Zuckerfabrik gearbeitet, in dessen Wohnheim wir lebten. In einem Zimmerchen in diesem Gebäude befand sich die Buchhaltung. Dort gab es eine alte, morsche Tür, die ein kleines bisschen Abstand, so dass ein kleines, dünnes Kind, so wie ich, sich dünn machen und in den Lagerraum der Buchhaltungsunterlagen hindurchkriechen konnte. Ich erinnere mich, wie ich mit roter Farbe in die Archive eingedrungen bin und dort irgendwelche Sachen korrigiert haben. Auf diese Weise, ohne überhaupt genau zu wissen, was Buchhaltung, oder gar Business ist, habe ich verstanden, dass ich mein Leben den Zahlen widmen wollte.

Jetzt, als fast 46-jährige Dame, verstehe ich, wie glücklich ich bin! Ich habe keine Zeit dazu aufgebracht, mich selbst und meinen Beruf zu finden, ich wusste konkret, was ich will, bin zielstrebig einem Plan gefolgt, habe studiert, schrittweise die Karriere aufgebaut, mir von Jahr zu Jahr neue Ziele auf meinem Weg gesetzt, sie erreicht und meine Erfahrung gesteigert. Als ich verstanden habe, dass ich bereit war, ins offene Meer zu schwimmen und nicht mehr „für den Onkel arbeiten“ wollte, habe ich eines Tages einfach allen Auf Wiedersehen gesagt und bin in die Welt des privaten Unternehmertums aufgebrochen.

– Mit welcher Ausbildung sind Sie in die Geschäftswelt eingestiegen?

– Zu Zeiten der Sowjetunion gab es einige Arten von Bildungseinrichtungen: Fachschulen, technische Hochschulen, Institute. Ich ging auf eine staatliche Einrichtung, die zur Kategorie der Fachschulen gehörte, allerdings den Namen „Hochschule für Buchhaltung“ trug. Nach drei Jahren schloss ich die Ausbildung mit Bestnoten ab und erhielt im Mai 1995 das rote Diplom in der Fachrichtung „Buchhaltung kommerzieller Organisationen“.

Ich habe lange ohne höhere Ausbildung gearbeitet, aber die modernen Tendenzen und Trends haben ihre eigenen Regeln diktiert. Die Arbeitgeber haben es wie eine Losung wiederholt: „Der Besitz einer höheren Ausbildung der Arbeitnehmer ist obligatorisch“. Also ging ich im Jahr 2004 an die KazGU, wo ich den wohlverdienten Titel des Bachelor-Abschlusses erhielt.

Lilija Langanz lässt sich von den Erfolgen nicht aufhalten, jedes Jahr bildet sie sich durch das absolvieren thematischer Kurse und Fortbildungsseminare im Zusammenhang mit der Einführung von Gesetzesänderungen usw. fort.

Die beruflichen Qualitäten unserer Landesgenossin erlaubten es ihr, ihre Arbeit in den schweren Jahren gleich mit diversen Organisationen zu verbinden. Um das alles zu schaffen half ihr das höchstpersönlich erstelltes, einzigartiges Buchhaltungssystem, welches es Lilija erlaubte, den Zeitaufwand im Arbeitsprozess zu minimieren. Auf die Frage, wie sich ihr Geschäft entwickelt, antwortet Lilija so:

– Ich betreibe mein eigenes Geschäft bereits seit 11 Jahren. Der Grundstein wurde im Jahr 2008 auf puren Enthusiasmus gelegt: Ich hatte 50.000 Tenge und all das bis dahin angesammelte Wissen und die Arbeitserfahrung mit Unternehmern.

Die Jahre der produktiven Arbeit erlaubten es mir, die notwendige Summe für die erste Rate zum Kauf von Büroräumen aufzubringen, man kann sagen, die Räumlichkeiten meiner Träume. Und alles hat, so wie bei allen, von daheim angefangen. Auch der Staat unterstützte mein Geschäft. Ich habe einen günstigen Kredit im Programm zur Unterstützung von kleinen und mittleren Unternehmen von der Stiftung zur Entwicklung des Unternehmertums DAMU erhalten. So wurde am 22. März des laufenden Jahres mein eigenes Büro eröffnet.

– Zeigen sich Ihre deutschen Wurzeln in Ihrer Arbeit?

– Akribie, Pünktlichkeit und hohe Ansprüche! Sogar meine Schüler leiden darunter, noch mehr fällt es mir manchmal mit mir selbst schwer. Meine mathematische Denkweise und der Perfektionismus lässt mich nicht schlafen, wenn irgend ein Zettel nicht an seinem Platz liegt. Allerdings zieht gerade das Klienten an, viele kommen wegen unserem systematischen Ansatz und der besonderen Genauigkeit bei der Vorbereitung von Dokumenten zur Archivierung. Dank des von mir aufgebauten Systems haben wir bis heute elf Steuerprüfungen bestanden, durch welche keinerlei Beanstandungen, geschweige denn Strafen entstanden sind.

Die Eltern von Lilija Langanz sind Deutsche. An den Vater und die Großeltern kann sich die kleine Lilija nicht erinnern, einzig bekannt ist, dass sie aus Odessa nach Kasachstan kamen. Die Vorfahren der mütterlichen Linie betreffend: Lilija erforschte zusammen mit ihrer Mutter den Stammbaum bis zur siebten Generation. Wie sich herausstellte, lebten die Verwandten zu Zeiten von Katharina II. Rund 30 Kilometer von Odessa entfernt, dort gab es das deutsche Dorf Elsass. Zu Beginn des zweiten Weltkrieges wurden sie nach Deutschland geschickt, wo sie bis 1949 lebten, dann versammelten sich die Familien von drei Brüdern, um zu entscheiden, wohin es weitergeht: einer ging nach Amerika, der zweite entschied sich dazu, in Deutschland zu bleiben, und der dritte, der Urgroßvater von Lilija, kam nach Kasachstan, in das kleine Dorf Burundaj im Gebiet Almaty. Bis zum Jahr 1954 lebten sie hier unter der Kommandatur. In den 1990er Jahren kehrte der größte Teil der Verwandtschaft nach Deutschland zurück, die zukünftige Geschäftsfrau und ihre Mutter entschieden allerdings, hier in Kasachstan zu bleiben, was für die Familie Langanz zur echten Heimat wurde: „Nachdem ich in Russland, Deutschland und anderen Ländern war, habe ich verstanden, dass gerade Kasachstan meine Heimat ist, und ich habe mich dazu entschieden, Kasachisch zu lernen!“

Interview: Anastasija Koroljewa

Ubersetzung: Philipp Dippl

Wie ein ehemaliges Heimkind sozialer Unternehmer wurde

Noch vor einem Jahr konnte sich der Unternehmer Gennadij Frank aus Uralsk nicht vorstellen, dass er einmal der Leiter der deutschen Gesellschaft des Gebietes Nordkasachstan sein würde. Jetzt ist alles anders – mehr als tausend Deutsche erwarten das Handeln des neuen Vorsitzenden, und der seinerseits versucht, sie nicht zu enttäuschen.

Eine Folge der Umstände

Die Vorfahren Genadijs waren Wolgadeutsche, welche in den Kreis Altai deportiert wurden. Bereits nach 1956 ging der Großvater mit der Großmutter nach Pawlodar, für den Bau eines Getreidekombinates.

Nur wenig später gingen einige aus der Familie Frank nach Uralsk. Hier wurde im Jahr 1971 Genadij geboren. Im Alter von sieben Jahren landete der Junge im Kinderheim…

Es war eine Vorsehung

Nach dem Kinderheim ging der junge Mann auf die technische Berufsschule Samara. Nachdem er seine Berufsausbildung abgeschlossen hatte, diente Gennadij in der Armee. Anschließend ging er zurück in seine Heimatstadt, wo ihn unangenehme Neuigkeiten erwarteten: Die Wohnung der Eltern wurde in den Wohnraumbestand überführt.

Im Akimat von Uralsk riet man ihm, sich an das Gericht zu wenden. Der junge Mann überstürzte nichts und entschied sich dazu, alles gründlich zu aufzuklären. Genadij ging an die Universität, trat in die juristische Fakultät ein, und schon im dritten Studienjahr reichte er eine Klage im Akimat ein. Er gewann die Sache.

– Das war so etwas wie ein Zeichen. Die juristischen Kenntnisse helfen mir bis heute. Alles,w as ich jetzt kann, habe ich dank meines Fachgebietes, – sagt mein Gesprächspartner.

Gennadij begann mit dem dritten Studienjahr als Rechtanwaltsgehilfe in der Nationalkammer zu arbeiten.

– Es gab eine Schweißerei, in der einige Heimkinder arbeiteten. Später baten mich einige Gruppenkameraden um Hilfe bei der Dokumentation eines Individualunternehmens. Dort habe ich unternehmerische Erfahrung gesammelt.

Im Jahr 2010 wandte sich die Leitung des Kinderhauses mit der Bitte an den diplomierten Spezialisten, Arbeitsplätze für Abgänger zu organisieren. Genau dies war der erste Schritt in das soziale Unternehmertum.

Mit dem eigenen Beispiel

Im Jahr 2013 kam Gennadij Frank an die Spitze des nordkasachstanischen Verbandes der Abgänger der Kinderheime und Schulinternate „Nur“. Kurz darauf entstand auf Grundlage des Verbandes das soziale Unternehmen „Schanyrak“. Die Hauptaufgabe ist, eine Berufsausbildung für die Abgänger aus Kinderheimen zu organisieren.

Heute ist die TOO „Soziales Unternehmen „Schanyrak“ eine fachliche Basis, in der die Abgänger von Kinderheimen, Schulinternaten und auch Waisen, die ohne die Fürsorge ihrer Eltern zurückgeblieben sind, eine praktische Ausbildung in der Produktion absolvieren, Geld verdienen, Erfahrung und Arbeitspraxis, aber auch kaufmännische Fähigkeiten erwerben.

– Wenn wir eine geschäftliche Initiative unterstützen, beginnen wir, zu verstehen, dass wir ein Gründerzentrum brauchen, in dem gezeigt wird, wie man arbeitet und Geld verdient. Wir haben eine Werkstatt eröffnet, in der die Abgänger der Kinderheime nach ihrer Ausbildung Arbeitswerkzeuge erhielten und bereits vorbereitete Dienstleistungen auf den Markt brachten.Wir haben eine beeindruckende Geschichte der sozialen Unternehmen – noch aus den Zeiten der Sowjetunion. Das grundlegende Ziel ist nicht der Verdienst, obwohl es eine kommerzielle Organisation ist. Mit der Arbeit lösen wir soziale Probleme, – betont Gennadij Arturowitsch.

In den Jahren der Arbeit von „Schanyrak“ lernten mehr als einhundert Heimkinder und problematische Jugendliche. Praktisch alle von ihnen sind beschäftigt. Vielmehr haben einige sogar ein eigenes Geschäft eröffnet:

– Wir sind keine gemeinnützige Organisation. Wir haben nicht das Ziel, die Alltagsprobleme der Jungs und Mädels zu lösen. Die Aufgabe ist, ihre unternehmerischen Initiativen zu unterstützen. Übermäßige Behütung führt zu Abhängigkeit, das brauchen wir nicht. Wir haben von Anfang an eine Geschäftsbeziehung – wir geben Wissen, die notwendigen Instrumente, weiter entwickeln sie sich selbstständig.

Allerdings schafft es Gennadij Arturowitsch, alle Projekte seiner „Küken“ mitzuverfolgen. Immer gibt er irgendwo Tipps, leitet an, versucht es so zu machen, dass die Abgänger der Kinderheime weniger Fehler begehen.

In „Schanyrak“ arbeitet alles präzise: es gibt eine Schule für die Berufsausbildung (eine Unternehmerschule und eine produktionspraktische Ausbildung zur Berufsspezialisierung). Es gibt die eigene Personalagentur „Arbeitsmarkt“, welche die Arbeitsvermittlung von angelernten Jugendlichen fördert, die Praktika und Arbeitserfahrungen gesammelt haben.

Seinen Gewinn erhält das soziale Unternehmen aus der Produktion von Schmiede-, Karosserie-, Nähwerkstätten und Schweißereien.

Mit Fürsorge für die Kinder

In letzter Zeit hat sich die Richtgröße der Aktivitäten von „Schanyrak“ leicht verändert. Alle Werkstätten und Stützpunkte wurden in die Treuhand der Abgänger von Kinderheimen gegeben. Unter den „Fittichen“ von Gennadij Frank bleibt ein Schulungs- und Produktionskombinat, in dem unter anderem auch selbstständigen Bewohner von Uralsk über die Geschäftswelt unterrichtet werden.

– Wir haben eine Nähwerkstatt zur Herstellung von weichen Spielmodulen eröffnet und angefangen, die Produkte unter der Handelsmarke „Balalar Kids“ herauszubringen. Das ist unsere Idee, die wir umgesetzt haben. Wir bieten Kinder-, Sport und Therapieutensilien aus eigener Produktion für Spielzimmer und Sensorikräume von Kindergärten, Sportstätten , Rehabilitations- und Unterhaltungszentren an. Wiederum stellen wir die Beschäftigung von Abgängern der Kinderheime sicher, – erläutert der Unternehmer.

In kurzer Zeit verliebten sich die Kasachstaner in die Spielzeuge, Baukasten und Kinderzimmer aus der Uralsker Produktion. Die qualitativ hochwertige Ware ist in neun Regionen der Republik zu finden.

Dem Ruf des Herzens folgend

Soziales Unternehmertum ist nicht die Hauptarbeit von Gennadij Arturowitsch. Schon seit einigen Jahren arbeitet er in einem Großunternehmen. Vor der gesellschaftlichen Belastung schreckt Frank nicht zurück, er ist es gewohnt, anderen zu helfen.

Vor einigen Monaten wurde dem aktiven Unternehmer aus Uralsk angeboten, die deutsche Gesellschaft „Heimat“ wachzurütteln. Er dachte kurz nach und stimmte zu:

– Es war irgend ein inneres, unerklärliches Gefühl. Vielleicht der Ruf des Herzens.

Der neue Vorsitzende hat viele Pläne. Einige von ihnen hat er mit uns geteilt.

– Im sozialen Unternehmertum sind die Deutschen führend in Europa. Also warum sollten wir nicht ihre Erfahrung übernehmen? Wir treiben aktiv den Einsatz der deutschen Sprache voran. Dies ist nicht nur für die junge Generation wichtig, sondern ebenso für ältere Menschen, so ist doch die Kenntnis der Muttersprache ein Zeichen des Respekts an die eigenen Vorfahren. Wir wollen eine Sonntagsschule aufbauen, in der wir ein Kindertheater gründen. Wir ziehen aktiv die Jugend an, wir haben jetzt ideenreiche Jungs und Mädels, die sich nicht davor fürchten, ihre Ideen umzusetzen. Insgesamt gibt es viel Arbeit. Wir schaffen das. Denn hier ist das wichtigste, die Ziele und Aufgaben zu benennen und sie konsequent zu verfolgen, – fasst Gennadij Frank zusammen.

Dmitrij Schinkarenko

Ubersetzung: Philipp Dippl

Dort ist es gut, wo wir sind

Wir fahren fort mit dem Zyklus von Materialien, die sich dem 30. Jubiläum der Nationalbewegung der Deutschen „Wiedergeburt“ widmen. Heute beantwortet die Fragen der Redaktion der Vorsitzende der Gesellschaft der Deutschen „Wiedergeburt“ in Zhambyl, Aleksandr Gibner.

– Aleksandr Abramowitsch, in diesem Jahr feiert die Selbstorganisation der Deutschen ihr 30. Jubiläum seit dem Tag ihrer Entstehung, welche Meilensteine sind ihnen ganz besonders im Gedächtnis geblieben?

– Diese Geschichte begann im Jahr 1989. Zu dieser Zeit war ich noch ein junger und unerfahrener Direktor einer Mittelschule, als ich das betriebseigene Bezirgskommittee der Partei der Stadt Dzhambul gerufen wurde. Die Einberufung in das Bezirkskommittee, sogar die persönliche, versprach nichts Gutes, und ich ging mit beunruhigenden Gedanken dorthin: „Was wird mir der kommende Tag bringen?“ Deshalb hat mich das Angebot der dritten Sekretärin des Gebietskommittees Raisa Kastaewna Edygenowa, als Initiator der Gründung der Gesellschaft der Deutschen aufzutreten, sehr überrascht. Ich habe das Angebot abgelehnt, aber ich habe mit der Nationalbewegung zusammengearbeitet, umso mehr, da wir in der Schule Klassen mit Intensivkursen Deutsch gegründet haben.

Nach einiger Zeit verstand ich, dass die Arbeit der Gesellschaft der Deutschen in erster Linie auf die  Werbung und die Ausstellung von Dokumenten zur Ausreise nach Deutschland zur dauerhaften Niederlassung ausgerichtet war. Diese Aufgabenverteilung war mir nicht recht, ich wollte mein Leben hier in Kasachstan organisieren, und ich hoffte auf einen Entwicklungsprozess der Sprache, der Kultur und des Selbstbewusstseins, aber das trat nicht ein. Die Entscheidung, aus dem Kader der Gesellschaft auszutreten, war nur diesem Umstand zuzurechnen.

Ewald Fedorowitsch Trejze hat mich wieder zu „Wiedergeburt“ zurückgebracht. Unsere Absichten und Interessen fielen zusammen. Wir haben begonnen, uns mit der Sprache und der Kultur zu beschäftigen. Es entstanden künstlerische Kollektive in den Kreisen, Festivals wurden veranstaltet… Seitdem bin ich ständiges Mitglied der Gesellschaft, ihr Vizepräsident, und seit 2010 ihr Präsident.

– Welche der angedeuteten Ziele wurden Ihrer Meinung nach erreicht, und vor welche Probleme stellt das moderne Leben „Wiedergeburt“?

– In der ganzen Zeit wurde viel erreicht. Die Selbstorganisation der Deutschen Kasachstans entwickelte sich zu einer leistungsstarken und bedeutenden Vereinigung. Die Veranstaltungen, die von der Gesellschaft organisiert wurden, wurden zur Gewohnheit. Bei uns im Gebiet entstand das Kunstmuseum L. M. Brjummer. Im Heimatkundemuseum wurden die Ausstellungen „Ich erinnere mich an alles…“ (über Anne German) und „Die Deutschen im Gebiet Zhambyl“ eröffnet.

Viele Deutsche haben Dank „Wiedergeburt“ die Muttersprache erlernt und die Kultur der deutshcen Ethnie kennengelernt. Kurz gesagt, wir fühlen uns wie Deutsche. Die Jugend bekam die Möglichkeit, in Deutschland zu studieren. Der älteren Generation helfen wir mit Lebensmitteln und Medikamenten. Für viele bedeutet dies enorm viel.

– Wie sehen Sie die Zukunft der öffentlichen Stiftung „Wiedergeburt“ und der deutschen Ethnie in Kasachstan?

– Die Migration ist natürlich nicht aufzuhalten. Aber wir sollten alles dafür tun, damit wir hier in Kasachstan gut und komfortabel leben können. Man muss für die Menschen solche Bedingungen schaffen, damit sie sich nicht fremd fühlen. Und dafür ist es notwendig, die Arbeit zum Erlernen der Muttersprache, der Geschichte und der Kultur der kasachstanischen Deutschen fortzuführen.

Man muss den Deutschen helfen, damit sie ihre Nische in der Wirtschaft, der Wissenschaft und Kultur des Landes besetzen und ihre Fähigkeiten verwirklichen können. Viele unserer Projekte sind auf das Erreichen dieser Ziele ausgerichtet. Und dann sagen die Leute nicht „Dort ist es gut, wo wir nicht sind“, sondern „Dort ist es gut, wo wir sind“.

Interview: Olesja Klimenko

Übersetzung: Philipp Dippl

Wie heißt das auf Deutsch?

Reiche Erfahrung in der Spracharbeit sammelte das deutsche Zentrum „Wiedergeburt“ Ostkasachstan (Stadt Ridder).

Zu den effektivsten Praktiken gehören moderne Kommunikationstechnologien und volkstümliche Feiertage wie Weihnachten, Ostern oder das Erntedankfest. Die deutsche Sprache, die Erinnerung der Alten zusammen mit den Speisen erzeugt einen unvergesslichen Eindruck. Nach solchen Feiertagsveranstaltungen lernen die jungen und alten Vertreter der deutschen Ethnie mit noch größerem Willen ihre Muttersprache.

– Seit 28 Jahren arbeitet unsere ethnokulturelle Vereinigung, – sagt die Vorsitzende der Gesellschaft „Wiedergeburt“ Ljubow Ignatjewa, – und in dieser ganzen Zeit hatte die deutsche Bevölkerung die Möglichkeit, Deutsch zu lernen. Sich ein Beispiel an den Großmüttern und Großvätern nehmend beginnen auch die jungen Leute, auch Deutsch zu reden.

– Und wie ist die Situation mit dem deutschen Sprachunterricht insgesamt?

– Im Rahmen des Programms zur Unterstützung der deutschen Minderheit des Innenministeriums Deutschlands läuft die Spracharbeit in den gewohnten Formen ab: das sind Intensiv- und traditionelle Kurse, Sprachzirkel für Erwachsene und Kinder. Eine Reihe solcher Projekte werden in der Form einer doppelseitigen Partnerschaft mit dem Goethe-Institut verwirklicht, die Möglichkeiten einer gemeinsamen Zusammenarbeit mit der Regierung der Republik Kasachstan zur Erarbeitung eines Programms zum Erhalt und zur Entwicklung der deutschen Sprache werden diskutiert. Mit dem Ziel zur Bekanntmachung der deutschen Sprache in der Republik Kasachstan wurden die Vorsitzenden des Bildungsministeriums der Republik Kasachstans, der Botschaft und des Generalkonsulats der Bundesrepublik Deutschland in Kasachstan, des Goethe-Instituts sowie des ZfA zu einem Treffen eingeladen.

– Und kehrt denn die deutsche Sprache an die Schulen und Hochschulen des Landes zurück?

– Der Kampf dafür zeigt bereits Resultate, ich war Teilnehmerin an der internationalen Sprachkonferenz „Die deutsche Sprache: Herausforderungen und Perspektiven der Lehre in Kasachstan“, welche nicht nur uns, die Repräsentanten der Deutschen Kasachstans, in Bewegung versetzte, sondern auch die unterschiedlichen Strukturen im Bildungssystem der Republik Kasachstan. Die Visiten im Ministerium, die Briefe mit den Appellen, die Treffen der interessierten Seiten, all diese Routine entwickelt sich schrittweise zu konkreten Schritten. In den Mittelschulen tauchte erneut das Recht auf die Wahl der Fremdsprachen auf: die Programme Deutsch für die 1. bis 4. Klassen wurden genehmigt, ihre Erarbeitung für Mittel- und Oberstufen ist im Gange. In naher Zukunft wird eine neue Generation Lehrbücher herausgegeben. Die öffentliche Stiftung „Kasachstanische Vereinigung der Deutschen „Wiedergeburt“ veranstaltet Weiterbildungsseminare für Deutschlehrer allgemeinbildender Schulen und trifft sich mit den Verwaltungen.

– In unserer Region, – erzählt die Koordinatorin der Spracharbeit Klawdija Fomina, – leben mehr als 12,5 Tausend Deutsche und Mitglieder ihrer Familien, was die Nachfrage nach der Spracharbeit bestimmt. Die Menschen wollen ihre ethnische Identität bewahren, sich an ihre Kultur und Sprache klammern, sie streben danach, Deutsch so zu sprechen, wie ihre Vorfahren es gesprochen haben. Und deshalb geben wir Deutschkurse.

In die speziellen Gruppen des Sprachprojektes kommen im wesentlichen (80%) Vertreter der deutschen Nationalität, Mitglieder der Gesellschaft „Wiedergeburt“: Arbeitssoldaten, verfolgte Bürger, aktive Mitglieder, Teilnehmer der Folklore- und Tanzensembles, Mitglieder des Jugendvereins, aber auch Vertreter anderer Ethnien, die aktiv am Leben der Gesellschaft teilnehmen. Sprachzirkel für Kinder gibt es in Ridder und in Schemonaich.

Allerdings werden nicht nur Deutsch, sondern auch Kasachisch und Englisch in er Gesellschaft „Wiedergeburt“ LNKZ unterrichtet.

– Alle unsere Sprachgruppen, – erklärt Klawdija Fomina, – werden unter Berücksichtigung des Sprachniveaus und des Alters der Zuhörer gebildet.

Das Zentrum vereint vier Zweigstellen, in jeder von ihnen, ob es Ridder, Schemonaich oder der Kreis Glubokowskij ist, gibt es Deutschkurse, und jeder Interessierte kann daran teilnehmen.

Alle Lehrkräfte haben Erfahrung in der sprachlichen Fachrichtung. Klawdija Fomina zum Beispiel lebte in einer deutschen Familie, erhielt unbezahlbare Übung im Sprechen und unterreichtet jetzt nicht nur, sondern koordiniert auch die gesamte Spracharbeit der Gesellschaft. Alle Lehrer verwenden in der Lehre moderne Kommunikationsmethoden, um denen, die es wünschen, vor allem die Fähigkeit zu Sprechen beizubringen und sich auf Deutsch unterhalten zu können, und erst danach kommen Grammatik und Orthografie. Zur Weiterbildung nehmen die Lehrkräfte an Seminaren und Konferenzen teil, besuchen Sprachakademien, veranstalten runde Tische, beteiligen sich an Sprachprojekten, welche nicht nur in Kasachstan stattfinden, sondern auch in Deutschland und Russland.

Deutsch wird Kindern, Jugendlichen und erwachsenen Menschen gelehrt, insgesamt um die 120 Menschen. Sie lernen die deutsche Kultur und die Traditionen Deutschlands kennen, nehmen aktiv an Feiertagen teil, die im ethnokulturellen deutschen Zentrum stattfinden, welches für sie schon zu einem zweiten Zuhause geworden ist.

– Die Teilnahme an den Sprachprojekten, – denkt Ljubow Ignatjewa, – fördert die Stärkung des nationalen Selbstbewusstseins, des gegenseitigen internationalen Verständnisses und des Einverständnisses, sie verstärkt dauerhaft die partnerschaftlichen Verbindungen und die Beziehungen mit dem deutschen Staat, den öffentlichen Stiftungen, den Sponsoren und den Unternehmern. Die Kenntnis der Muttersprache verstärkt ebenso das ethnische Selbstbewusstsein der Deutschen im multinationalen Kasachstan und unter den Bedingungen der Globalisierung. Mit vereinten Kräften werden wir ganz gewiss zu früheren Positionen im Erlernen und im Einsatz unserer Kenntnisse der deutschen Sprache zurückkehren.

Andrej Kratenko

Übersetzung: Philipp Dippl

Die gesellschaftliche Stiftung „Wiedergeburt“ hat den Status des Fördermittelgebers erhalten

Gemäß Anhang Nr. 187 vom 11. April 2019 zum Beschluss der Regierung der Republik Kasachstan vom 9. April 2018 wurde die gesellschaftliche Stiftung „Kasachstanische Vereinigung der Deutschen „Wiedergeburt“ in das Verzeichnis internationaler und staatlicher Organisationen, ausländischer und kasachstanischer nichtstaatlicher öffentlicher Organisationen und Stiftungen, welche Fördermittel bereitstellen, aufgenommen. Die Aktivitäten der gesellschaftlichen Stiftung erstrecken sich auf soziale, kulturelle, bildende und wohltätige Bereiche. Die Arbeit der gesellschaftlichen Stiftung „Wiedergeburt“ ist nicht auf die Erwirtschaftung von Gewinnen ausgerichtet. Für diese Art der Tätigkeiten sieht der Gesetzgeber die Möglichkeit für Steuervergünstigungen vor. Die Begriffe „Fördermittel“ und „Fördermittelgeber“ ist in Kasachstan ausschließlich für diese Ziele definiert. Damit der Empfänger auf sie Anspruch erheben kann, muss die Organisation, die die „Fördermittel“ vergibt, d. h. der „Fördermittelgeber“ eine Reihe von Bedingungen erfüllen und verbindlich in das durch den Erlass der Regierung der Republik Kasachstans definierte Verzeichnis eingetragen werden. Die Organisationen, die Fördermittel freisetzen, jedoch nicht in dem entsprechenden Verzeichnis eingetragen sind, erhalten keine Steuervergünstigungen. Auf diese Weise erleichtert der erlangte Status des Fördermittelgebers die Arbeit der regionalen öffentlichen Organisationen, die im Programm zur Unterstützung der deutschen Ethnie auf dem Gebiet Kasachstans bestehen. Die gesellschaftliche Stiftung hat sich an das Finanzministerium mit der Bitte gewendet, das Verfahren zum Einsatz des entsprechenden Erlasses im Hinblick auf die Funktionsweise der Steuervergünstigungen der Stiftung und der regionalen Gesellschaften bei der Umsetzung der Projektarbeit zu erläutern.

Übersetzung: Philipp Dippl

BIZ: Wir arbeiten an einer Perspektive!

Im Deutschen Haus der Stadt Almaty fand die erweiterte Sitzung des Vorstandes des Institutes für ethnokulturelle Bildung (BiZ, Stadt Moskau) statt. Die Repräsentanten der Partnerländer erörterten Strategien zur Entwicklung des Institutes sowie neue Wege der Zusammenarbeit. Die Pläne für die Zukunft teilten der Direktor des BiZ Andrej Lejman und der Vorsitzende des Vorstandes Oleg Schtraler.

– Oleg Franzewitsch, Andrej Richardowitsch, bereits seit mehr als 25 Jahren läuft die Bildungs- und Forschungstätigkeit und werden Diplomanwärter vorbereitet. In diesen Jahren wurde viel erreicht. Wie geht es weiter?

 Lejman: Gerade heute haben wir davon geredet, dass das Institut die derzeitige Entwicklungsstufe durchlaufen hat und in eine neue eintritt. Wir haben den Weg überwunden vom Begegnungszentrum in Mamontovka, wo sich die Russlanddeutschen in ihrer Muttersprache miteinander unterhalten und ihre Kultur kennenlernen konnten, zur Durchführung thematischer Seminare und zur Vorbereitung von Animatoren in Moskau. Und im Jahr 2012, als die Arbeitskompetenzen des Informations- und Bildungszentrums von der Internationalen Union der deutschen Kultur übernommen wurden, wurde das Zentrum für ehtnokulturelle Bildung BiZ geschaffen. Auf diese Weise erreichte unsere Tätigkeit eine professionellere Ebene: neben der Animation haben wir begonnen, Programme zur Steigerung der Qualifikation und zusätzliche Bildungsmaßnahmen durchzuführen.

Heute wurde auf der Konferenz des internationalen Koordinationsrates das Programm zur Entwicklung des Institutes von 2020 bis 2025 diskutiert.Die Formierung einer Arbeitsgruppe wurde beschlossen, welche ein neues Programmdokument bis zum Ende des Jahres erarbeiten soll. Wie das neue BiZ aussehen wird? Die Zeit wird es zeigen.

Wir müssen die internationale Zusammenarbeit mit Hochschulen ausbauen, unter anderem mit Deutschland; das bedeutet die Partnerschaften im Rahmen des internationalen BiZ erhalten und ausbauen, seine Teilnehmerländer sind Kasachstan, Usbekistan, Russland, Kirgistan und die Ukraine; auch müssen die Programme, die für die national-kulturelle Autonomie erarbeitet wurden, auf einem höheren Niveau umgesetzt werden. Darunter fallen nicht nur die Russlanddeutschen, sondern auch die Vertreter anderer Ethnien, die im Bereich der Realisierung einer staatlichen nationalen Politik arbeiten.Schtraler: Die Tatsache, dass es heute das Institut für ethnokulturelle Bildung gibt, bringt viele Verpflichtungen mit sich: vorallem dafür, dass wir Fachleute auf ihrem Gebiet vorbereiten.

Eine unserer wichtigsten Ausrichtungen bleibt die Sprache. Wir haben das System der Animatoren erhalten und versuchen, es weiterzuentwickeln, und das nicht nur unter Erwachsenen, sondern unter jungen Schülern, genauso wie im Bereich der Vorschulbildung.

Wichtig bleibt die Ausrichtung, die mit der Entwicklung der Kultur und der Traditionen zusammenhängt, wir haben die Möglichkeiten der Zusammenarbeit des Institutes mit künstlerischen Vereinigungen untersucht. Die Entwicklung einer Selbstorganisation findet in verschiedene Richtungen statt: kreativ, geschäftlich, auf die Jugend ausgerichtet – das ist das, was unser Tätigkeitsfeld erweitert und es ermöglicht, eine größere Anzahl Deutscher mit verschiedenen Interessen zu erreichen. Und die Aufgaben, welche wir auf der Konferenz gelöst haben, liegen in unserem aktuellen Betätigungsfeld und bleiben als Perspektive bestehen.

– Fernunterricht deutsche Sprache. Wie entstand dieses Projekt? Was ist seine methodische Basis?

 L.: Das Projekt entstand aus dem Bedarf heraus. Noch vor einigen Jahren haben wir gesagt, dass nicht alle Menschen, die in den abgelegenen Ecken unseres Landes leben, in die Zentren kommen können, wo Deutschunterricht angeboten wird. Also wurden ein paar Gruppen gebildet, in welchen der Unterricht mittels Skype entstand. Und vor eineinhalb Jahren, als die Digitalisierung des reichen kulturellen Erbes zu einem der priorisierten Projekte des Institutes wurde, wurde die Idee des Online-Unterrichts vorgeschlagen.

Seitdem haben wir mit den Teams von zwei Hochschulen, der MGIMO und der MGLU, sowie der Hauptreferentin für Spracharbeit Natalja Kozlowa, verantwortlich für die ethnokulturelle Komponente, begonnen, das Lehrbuch „Hallo, Nachbarn! NEU“ mit zusätzlichen Grammatik- und Phonetikübungen anzureichern. Dank der Tatsache, dass „Hallo, Nachbarn! NEU“ schon lange existiert, ist der Online-Kurs leicht wiedererkennbar. Die Übungen sind aus dem Lehrbuch selbst entnommen, Material aus zusätzlichen Publikationen wurde eingebaut und zusätzlich wurde ein Phonetikkurs unter der Leitung von Poman Matweew hinzugefügt.

– Als Sie in Almaty waren, haben Sie an der Messe „Bildung und Karriere“ teilgenommen. Wie sehen Sie die Zusammenarbeit mit kasachstanischen Organisationen in diesem Bereich?

L.: Unser Stand auf der Messe hat sich hauptsächlich an Lehrer gerichtet. Wir haben Programme zur Weiterqualifizierung sowie den Kurs zur Fernlehre der deutschen Sprache vorgestellt. Wir haben gehofft, Lehrer zu gewinnen, weil wir genau durch sie unsere eigentliche Zielgruppe erreichen, die Jungs und Mädels für die Möglichkeit, Deutsch zu lernen, zu interessieren. Wir haben auch das Lehrbuch „Deutsch mit Schrumdi“ präsentiert, welches sich an Lehrkräfte für Vorschulbildung richtet. Wir hoffen, dass sich Lehrer dafür interessieren werden und sie es in ihre Programme mit einfließen lassen.

Sch.: Natürlich ließ die Messe vermuten, dass sich eher Bildungseinrichtungen präsentieren, in denen junge Leute sowohl die Grundausbildung als auch Zusatzausbildungen erhalten, trotzdem,wie ich schon gesagt hatte, arbeiten wir an einer Perspektive.

– Die Partnerschaft BiZ-Kasachstan. Wie bewerten Sie die Perspektiven der Zusammenarbeit mit der öffentlichen Stiftung „Kasachstanische Vereinigung der Deutschen „Wiedergeburt“?

 Sch.: Die Zusammenarbeit mit Olga Schtejn läuft direkt in mehrere Richtungen, in den letzten Jahren ist sie gewachsen, genauso wie ihre Bedeutung gewachsen ist. Vor fünf Jahren haben wir ein Memorandum über die Zusammenarbeit unserer Selbstorganisationen unterzeichnet. Seitdem hat sich viel verändert und jetzt organisieren wir die Zusammenarbeit bereits in der neuen Struktur der Deutschen Kasachstans.

Die Konferenz des Vorstandes brachte die Möglichkeit, Kontakte herzustellen und Berührungs- und Entwicklungspunkte zu finden. Wir haben etwas, worin wir Erfahrungen austauschen können. Dies sind viele interessante Entscheidungen und für die kasachstanischen Deutschen kalkulierte Projekte,  welche durch die Strukturen des BiZ unter Miteinbeziehung der Spezialisten der öffentlichen Stiftung leben. Sie kommen oft zu uns und schauen, wie wir unsere Arbeit organisieren, wie wir mit  den vermittelnden Organisationen, dem Innenministerium Deutschlands, usw. interagieren…

Ihrerseits können die Spezialisten des BiZ, zum Beispiel Lena Mironowa, Praktika machen und die Erfahrungen an die Deutschen Kasachstans in Fragen der Entwicklung der Selbstorganisation und der Umsetzung von Projektaktivitäten weitergeben. Deshalb glaube ich, dass unsere Konferenz einen neuen Impuls der Zusammenarbeit gibt.

– In diesem Jahr sind es 30 Jahre seit der Gründung der Allunionsgesellschaft der sowjetischen Deutschen „Wiedergeburt“. Wie sehen Sie heute die Zukunft der Organisation der ethnischen Deutschen? Sind irgendwelche Veranstaltungen im Zusammenhang mit diesem Datum geplant?

Sch.: Eine wesentliche Veranstaltung, die wir in diesem Jahr planen, wird deine lehrpraktische Konferenz sein.Sie wird vom 20. bis zum 24. November in Jekaterinburg stattfinden. Wir haben diesen Ort vor allem deshalb ausgewählt, weil der Vorsitzende des Koordinationsrates zur Gründung der BOCH „Wiedergeburt“ der ehemals aus Nizhnij Tagil stammende Iwan Iwanowitsch Kronewald war. Zwischen 1965 und 1989 nahm er aktiv an einigen Delegationen nach Moskau teil, deren Ziel die Rehabilitation der sowjetischen Deutschen war.

Im Rahmen der Konferenz wird es nicht nur eine Diskussion über die Geschichte der Selbstorganisation geben, sondern auch die Neuauflage eines Geschichtslehrbuches. Es wurde vorgeschlagen, dessen Namen von „Geschichte der Deutschen Russlands“ in „Geschichte der russischen Deutschen“ zu ändern. Unsere Vorfahren stammten nämlich, unabhängig davon, in welchem Land wir heute leben, aus dem Russischen Imperium. Die Spezialisten beschäftigen sich mehr mit der Geschichte der Deutschen bis 1955, aber die Periode des Tauwetters unter Chruschtschjow und besonders die Jahre nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion sind sehr schlecht aufgearbeitet. Hier liegt noch ein großes Aktivitätsfeld nicht nur für Wissenschaftler, sondern auch für Praktiker. Viele von ihnen sind auch heute noch aktiv handelnde Mitglieder unserer Organisation.

L.: Wiedergeburt ist in seinem Kern eine Renaissance, die Wiedergeburt dessen, was es eine Zeit lang nicht gab. Und unter modernen Bedingungen sind 30 Jahre sehr viel. Wir müssen mit der Zeit Schritt halten und in die Zukunft blicken, uns entwickeln, neue, zeitgenössische Formen entwickeln. Die heutige Welt ist eine hochtechnologisierte Welt, und sie verändert sich so dermaßen schnell, dass es notwendig ist, sich zuallererst auf die Jugend zu verlassen und neue digitale Formen und andere innovative Projekte zu entwickeln. Darin liegt wahrscheinlich die Entwicklung von „Wiedergeburt“.

Interview: Veronika Likhobabina

Übersetzung: Philipp Dippl

Ein in seinen Taten glorreicher Mensch

Die Frisins aus Chromtau (ungefähr 90 Kilometer von Aktobe entfernt) kennt Jung und Alt. Und wie kann man sie nicht kennen wenn die Haustüre bei ihnen Gästen immer offen steht. Jedem, über die Türschwelle schreitet, wird duftender Tee und Käsekuchen gereicht, und noch dazu beschenkt mit einer Portion Lebensmut und guter Laune.

In Enge, aber nicht gekränkt

Die Ahnen der Dynastie von Iwan Iwanowitsch Frisin und Lidija Gotlibowna Schtango wurden im Jahr 1941 während der Repressionen aus der Ukraine vertrieben. Sie trafen sich in Kasachstan.

– Ich habe hier zuerst als Viehbauer in einer Kolchose in Kyzylkaim gearbeitet. In dieser Zeit war es sehr schwer, an vielem hat es gefehlt. Aber wir waren glücklich. Es gab echte Freundschaft, die Menschen haben sich in allem gegenseitig unterstützt. Dank der gemeinsamen Arbeit konnten wir überleben. Ich erinnere mich, dass sie uns bei einer kasachischen Großmutter einquartierten. Genau dort haben wir kasachisch gelernt. Meine zukünftige Frau habe ich im Jahre 1950 kennengelernt. Es lebte sich schwer, weshalb wir keine Hochzeit gefeiert haben. Es war einfach niemandem nach feiern zumute: wir hatten kein Essen, wir hatten kein Geld, – erzählte der alte Frisin vor einigen Jahren.

Die Eheleute, die acht Kinder aufzogen, haben sich nie über ihr Schicksal beschwert, sondern wiederholten, dass es besser ist, sich durch Taten zu beweisen, damit man dem Leben auf Erden würdig ist. Die tatkräftigen und fleißigen Frisins scheuten nicht die Arbeit und haben das Land sehr geliebt. Noch im Alter züchteten sie Vögel und pflanzten einen Gemüsegarten an.

– Ich verstehe die nicht, die weggehen. Hier lässt es sich gut leben, es gibt alles, man muss sich nur anstrengen. Und die, die gehen, vermissen hinterher ihre Heimat, – sagte Iwan Frisin.

Vor einigen Jahren ging der Stammesvater und im letzten Jahr verließ uns auch Lidija Gotlibowna…

Die Arbeit respektieren und die Traditionen achten

Die Kinder und Enkel der Fisins arbeiten schon seit vielen Jahren im Donsker Bergbaukombinat. Wie sich herausstellte, dass die große Familie alles zusammengerechnet dem Kombinat  fast 450 Jahre geopfert hat. Die Frisins stehen hier gut da, alle wissen, dass sie niemanden im Stich lassen.

Jetzt ist Wiktor, der Sohn von Iwan und Lidija, der Familienälteste. Seine Frau Irina ist eine wahre Meisterin im Organisieren von Feierlichkeiten, und außerdem eine Kennerin des Familienstammbaumes und der Familiengeschichte.  Sie ist der Nationalität nach Ukrainerin, aus der Familie von Anatolij und Jekaterina Gnip aus Chromtau. Sie heiratete, und konnte sich nicht vorstellen, dass in einer deutschen Familie alle in fließendem Kasachisch reden. Zuerst war das schwer, aber dann gewöhnte sie sich daran.

Aber auch ihre Muttersprache haben sie nicht vergessen. Es kommt vor, dass sie thematische Abende veranstalten, die den Vorfahren gewidmet sind.

Unsere wichtigste Lebensregel: gewissenhaft und mit voller Hingabe arbeiten.

Bis zum Jahr 1988 arbeitete Irina in dem Kombinat und ging dann aufgrund ihres Gesundheitszustandes in den Ruhestand. Jetzt passt sie auf die Enkel auf, näht und betreibt Perlenstickerei.

– Ich weiß nicht, woher ich das habe. In irgendeinem Moment hat es mich zu dieser Kunstform hingezogen, habe schrittweise alle Feinheiten verstanden. Wissen Sie, das ist nicht nur gut für die Motorik der Hände, sondern beruhigt ganz allgemein. Im Moment habe ich viele Arbeiten mit religiösen Themen, ich liebe auch die Natur, – sagt die Meisterin.

Wiktor Iwanowitsch hat noch zwei Monate bis zur Rente. Er liebt seine Arbeit, könnte Stunden von ihr erzählen. Seine Hobbys sind angeln und sein Obstgarten. Hier ruht der alte Frisin die Seele und den Körper aus.

– Genauso wie die Eltern hauen auch wir nicht nach Deutschland ab. Wir vergessen unsere historische Heimat nicht, erinnern uns an die Sprache, halten uns an die Bräuche und Traditionen, aber jetzt alles hinwerfen und weggehen, das ist nichts für uns. Kommt doch besser zu uns – euch wird duftender Tee und Käsekuchen gereicht, ihr werdet zu Essen bekommen und obendrein auch noch mit guter Laune beschenkt. Das ist all die Jahre erprobt worden, – spricht Wiktor mit einem Lächeln.

Dmitrij Schinkarenko

Übersetzung: Philipp Dippl

Das Spiel ist der selbstverständliche Mechanismus zur Erkenntnis der Welt.

Zeit mit seinen Freunden verbringen ist unbezahlbar. Und zusammen mit ihnen Brettspiele zu spielen ist noch dazu lustig und interessant. Heute, da die Rede von Brettspielen ist, denkt der Spießbürger zuerst an Domino und Kartenspiele, Schach und Dame. Allerdings können Brettspiele auch in Form eines Wettkampfes stattfinden, der mit Leichtigkeit Fingerfertigkeit und Scharfsinn demonstriert, euer Glück prüft und euch außerdem das kulturelle Erbe verschiedener Länder und Völker näher bringt!

Von alledem haben wir von Michail Tejfel erfahren, als im Deutschen Haus ein Spieleabend mit dem Namen „Spiele der Völker der Welt“ stattfand. Die aktiven Mitglieder des Vereins der deutschen Jugend „Vorwärts“ raten allen Vereinen, bei Jugendtreffen Brettspiele zu verwenden. Sie versichern: da bleibt niemand gleichgültig!

Kulbutto („das Stehaufmännchen“), Frankreich. Das Spiel besteht aus einer speziellen Tischplatte mit acht Kugeln. Das Ziel ist, die Kugeln mit Hilfe der Bewegung der Tischplatte in die Löcher zu rollen. Das Geheimnis besteht im kegelförmigen Standfuß, der es ermöglicht das Spielfeld leicht zu bewegen.

Zhulbak, Holland (entstand im 18. Jahrhundert auf Basis des englischen Spiels Shuffleboard). Es gehört zur Kategorie der Sportbrettspiele. Zu dem Spaß gehören Holzscheiben, welche in Löcher getrieben werden müssen. Jeder Spieler hat 30 Versuche, die Scheiben in eine der vier Löcher zu schießen. Es gewinnt der, der die meisten Punkte erzielt.

Meeresbillard oder Novus. Dieses lettische Spiel gilt als Nationalsport. Es entstand zwischen 1925 und 1927 und war besonders unter Seeleuten sehr beliebt. Für das Spiel braucht man einen speziellen Tisch aus echtem Holz, dessen Oberfläche in vier Zonen unterteilt ist; Spielsteine in zwei verschiedenen Farben und vier Löcher. Die Aufgabe des Spiels ist es, als erster mit Hilde des Billardstocks seine Spielsteine in die Löcher zu schlagen.

Shuffleboard, England. Es entstand zuerst in mittelalterlichen Trinkkneipen, als die Gäste Geldmünzen über den Tisch schnipsten und versuchten, die Stellen zu treffen, die die meisten Punkte erzielten.

Dschakkolo, Holland. Während des Krieges war das Spiel verboten, aber es erhielt im Jahr 1965 in Amsterdam ein zweites Leben. Der Kern des Spiels ist es, Holzscheiben in spezielle Taschen auf dem Spielbrett zu rollen.

Brettspiele waren zu jeder Zeit beliebt, davon erzählt die jahrhundertealte Geschichte. Wir sind uns sicher, dass  es nur wenige gibt, die ein spannendes Spiel mit ihren Freunden und Verwandten verweigern würden. Und das Alter spielt hier keine Rolle!

Die ganze Videoreportage der Veranstaltung könnt ihr auf dem Fernsehsender „Менің Қазақстаным“ sehen.

Wir möchten den Organisatoren des Treffens danken, besonders Michail Tejfel von der Vereinigung der Sportbrettspiele Almaty, der Deutschen Allgemeinen Zeitung und allen Jungs und Mädels, die an dem spannenden Spieleabend teilgenommen haben.

„Wie kann man die Kultur eines Landes kennenlernen? Ohne Zweifel durch das Spiel!“, befindet Michail Tejfel.

Kristina Libricht und Jekaterina Lojtschenko

Übersetzung: Philipp Dippl

„Eins, Zwei, Drei“ in Kasachstan!

Im Haus der Freundschaft in Almaty wurden zwei Teile der berühmten Kinotrilogie „Eins, Zwei, Drei“ aufgeführt. Die Veranstaltung fand mit der Unterstützung des Institutes für ethnokulturelle Bildung (BiZ, Moskau) unter aktiver Mithilfe des deutschen Jugendvereins „Vorwärts“ (Almaty) statt. Die Gäste der Aufführung, unter denen sich sowohl Schüler und Studenten befanden, die Deutsch lernen, als auch Lehrer, Vertreter ethnokultureller Vereinigungen, Journalisten und Kinokritiker, schätzten die Ideen des Filmes sehr.

„Eins, Zwei, Drei“ ist eine Kinotrilogie für Kinder und Jugendliche, die von der Wechselwirkung zwischen den russischen und deutschen Kulturen erzählt. Die Schöpfer des Films versuchten, die moderne Jugend dazu zu motivieren, ihre Muttersprache zu lernen, welche schrittweise ihre Position auf dem Gebiet Kasachstans und Russlands zurückerlangt. Diese Art von Projekten tragen sehr dazu bei.

Julija Tjukalowa: „Der Abend verlief in sehr warmer, aufschlussreicher, und ganz besonders in sehr motivierender Atmosphäre. Der Film „Eins,Zwei, Drei“ erzählt die gutherzige und frische Geschichte der Freundschaft zwischen einem Jungen und einem Mädchen, in dessen Verlauf die beiden Helden die Sprache des jeweils anderen lernen mussten. Der Film erwies sich als sehr lehrreich und zeigte, wie wichtig die Kenntnis einer Fremdsprache manchmal ist und wie viele Farben, aufregende Momente und interessante Bekanntschaften diese Kenntnis ins Leben bringen kann. Sehr angenehm waren die vorhandenen Untertitel, die dazu beigetragen haben, das Deutsche schneller aufzunehmen. Eine nicht unwichtige Rolle im Film spielte die Internationalität, die Freundschaft und die Verdichtung von Kulturen demonstrierte. Alle Gäste durchlebten die wärmsten und behaglichsten Emotionen. Nachdem ich den Film gesehen hatte, entbrannte der Wunsch noch mehr, Deutsch zu lernen und ich habe verstanden, dass es sich lohnt, solche Veranstaltungen so oft wie möglich zu besuchen.“

Artjom Larin: „Die Kinovorstellung hat mir großes ästhetisches Vergnügen bereitet. Mich überraschte das Spiel der Schauspieler, die dem Zuschauer echte Gefühle und Erlebnisse bringen konnten. Der Film lässt einen nachdenken über die Notwendigkeit, Deutsch zu lernen, er bringt eine so starke Motivation, dass man nicht ohne Freude bleiben kann. Vielen Dank für die Möglichkeit so einen wunderbaren Film zu sehen. Ich kann die Fortsetzung kaum erwarten.“

Ebenso konnten im Rahmen der Kinovorführung die aktiven Mitglieder des KNM „Vorwärts“ Anastasija Plotnikowa kennenlernen, die stellvertretende Vorsitzende des „Jugendring der Russlanddeutschen“. Die Mitglieder des Vereins der deutschen Jugend drücken ihre große Dankbarkeit dem ganzen Filmteam aus, welches an der Trilogie gearbeitet hat, dem Insitut BiZ und den Repräsentanten des Hauses der Freundschaft für die Möglichkeit, diesen wundervollen Film kennenzulernen.

Andrej Lejman: „Verehrte Zuschauer, wir wollten uns ebenso bei euch bedanken. Wir sind sehr froh, dass euch unsere Arbeit gefallen hat. Wir erhalten verschiedene Reaktionen, aber es läuft alles auf eines hinaus: der Film ist eindeutig ein Motivationsfaktor, um Deutsch zu lernen, er ist interessant und die heranwachsende Generation unserer Landsleute in Deutschland veranlasst er ebenso dazu, die Muttersprache nicht zu vergessen. Das Team arbeitet effektiv, unsere Helden wachsen mit dem Film und bald kommt der dritte Teil. Bis bald!“

Kristina Libricht und Jekaterina Lojtschenko

Übersetzung: Philipp Dippl

Tanzen und sich perfektionieren

In Almaty fand das siebte internationale Wettkampffestival in verschiedenen Kategorien „Planet der Künste“ und das zweite internationale Wettkampffestival „Indigo“ statt, an welchen die Schützlinge des Tanzensembles „Einheit“ der öffentlichen Stiftung der Deutschen „Wiedergeburt“ der Stadt Semej teilnahmen und Preise gewannen.

Auf dem Wettbewerb wurden strahlende Tanznummern in allen Altersstufen präsentiert. Der Tanz „Ach, Odessa“ gewann den Grand-Prix in der Altersstufe von 10 bis 12 Jahren. Die kleinsten Tänzer (5-9 Jahre), die zum ersten Mal an einem Wettbewerb teilnahmen, belegten den ersten Platz mit dem Tanz „Rotkäppchen und alle, alle“. Die älteren Teilnehmer (13-15 Jahre) nahmen die ersten und zweiten Plätze mit nach Hause.

Walerija Rajkowa, 12 Jahre alt, Teilnehmerin des Ensembles: „Ich tanze seit sechs Jahren. Ich nehme nicht zum ersten Mal an einem Wettbewerb teil und freue mich immer sehr, wenn wir es schaffen, einen Preis zu gewinnen. Man spürt sofort, dass man es nicht umsonst macht, man gibt sich komplett der geliebten Sache hin, und dann ist es sehr angenehm, wenn die Leute die Leistungen des Ensembles sehen und sie wertschätzen“.

Marija, Ljapina, Lehrerin: „Internationale Wettbewerbe sind Antrieb nicht nur für unsere Schützlinge, sondern auch für mich selbst. Tanzen, sich perfektionieren, am Körper arbeiten, das ist das wichtigste. Und wenn man dies erfolgreich mit einer aktiven Freizeitgestaltung kombiniert, werden die Ferien unvergesslich. In diesem Jahr schafften wir es, gleich an zwei Wettbewerben teilzunehmen, und alle gezeigten Nummern haben Preise gewonnen. Obwohl die Konkurrenten würdig und stark waren (Gruppen aus Russland, Kirgistan und Kasachstan), gelang es unseren Kindern, den höchsten Preis, den Grand Prix, in ihrer Kategorie zu erkämpfen.

Wir beglückwünschen „Einheit“ zu den neuen Erfolgen und wünschen weiterhin viel Erfolg und viele Siege!

Marija Gorbatschjowa

Übersetzung: Philipp Dippl

Die erste AGDM-Jugendtagung

Vom 4. bis zum 7. April fand in dem kleinen dänischen Städtchen Kniwsberg, wo auf kleinem Raum die Deutschen Dänemarks zusammenleben, der Kongress der Repräsentanten der deutschen Minderheit aus fünfzehn Ländern statt.Die Gesandte Kasachstans auf diesem Treffen war Marija Borisewitsch, die Vorsitzende der Union der deutschen Jugend Kasachstans.

Drei Tage lang wurden von den Vertretern der JEV (Jugen Europäischer Volksgruppen) organisierte Workshops für die Teilnehmer des Kongresses veranstaltet, in denen Fragen zur Bedeutung des „Minderheiten“-Konzeptes erörtert und Aufgaben und Herausforderungen der deutschen Jugend diskutiert wurden.

Im Ergebnis wurden Ziele und Richtungen der zukünftigen Arbeit mit deutschen Jugendorganisationen definiert und eine Reihe von Kompetenzen des Jugendkoordinators des AGDM benannt, dessen Wahl der Hauptgrund für das Treffen war. In diese Position wurde Patrik Lompart, der Vorsitzende der Karpatendeutschen der Slowakei, gewählt, sein Stellvertreter wurde Ewgenij Wagner, Vorsitzender des deutschen Jugendverbandes Russlands.

Die Teilnehmer des Treffens lernten im Detail die Geschichte der Deutschen Dänemarks kennen und erfuhren einiges über das Bildungssystem, in welchem für die Kinder und Jugendlichen die deutsche Sprache gleichberechtigte Muttersprache neben dem Dänischen ist. In den Gymnasien lernen die Schüler nach dem dänischen Bildungssystem, aber in deutscher Sprache. Dabei können sich die Absolventen bei Schulabschluss zwei Abschlussprüfungen ablegen (das dänische und das deutsche), was ihnen die Möglichkeit gibt, an den Hochschulen jedes der genannten Länder zu studieren.

Das Projekt erlaubte es den Teilnehmern nicht nur, die Tätigkeiten und die grundlegenden Ausrichtungen der Arbeit der Jugendorganisation verschiedener Länder kennenzulernen und Erfahrungen in diesem Feld auszutauschen, sondern auch mögliche Gemeinschaftsprojekte zu besprechen und zu planen. Für die Union der deutschen Jugend Kasachstans diente das Treffen als neuer Schritt in der Entwicklung einer erfolgreichen Zusammenarbeit.

Marija Borisewitsch

Übersetzung: Philipp Dippl

Ein Abend der Erinnerung an Gerold Belger fand in Petropawlowsk statt

Der berühmte Schriftsteller und Publizist, staatliche und gesellschaftliche Persönlichkeit, Übersetzer künstlerischer Werke aus der kasachischen und deutschen Sprachen ins Russische wäre in diesem Jahr 85 Jahre alt geworden. Am 10. April fand in der zweiten Heimat von Gerold Karlowitsch ein Abend der Erinnerung an diesen großen Menschen statt.

Der Rat der Veteranen und das Kollektiv der ökonomisch-technischen Hochschule organisierte unter der Leitung von Aleksandr Merk diese Veranstaltung und lud die Landsleute, Klassenkameraden und Dorfgenossen des Schriftstellers ebenfalls zu dem Treffen ein. Besonders viele Erinnerungen erklangen über die Familie, über die Eltern von Gerold Karlowitsch. Der Vater, Karl Belger war militärischer Feldsanitäter, verwaltete einen Feldgeburtsstützpunkt und versorgte mehr als zehn kasachische Dörfer. Er brachte mehr als 1200 kasachische Kinder auf die Welt. „Ihn liebten alle, ihm vertrauten sie, und unter den Dorfbewohnern von Karl-aga oder Beleke galt er als der am meisten verehrte Mensch, und der Name Belger wurde in der Umgebung zum Synonym für das Wort „Arzt“. Die Dorfbewohner sagten: „Ich kam zum Belger aus der Region, ich zeigte mich dem Belger aus dem Gebiet, der Belger riet mir etwas.“

Die Mutter, Anna Dawydowna, arbeitete als Krankenschwester an medizinischen Stützpunkt, und auch sie wurde sehr geliebt. Sie, genauso wie der Vater, verstand kasachisch sehr gut, sprach es aber nicht. Dafür hatte sie aber ein phänomenales Gedächtnis, sie kannte alle Kinder im Kreis, wer, wo und wann sie geboren wurden, wie sie hießen.

 Überaus symbolträchtig fand die Veranstaltung in dem Museum statt, welches vn dem Landsmann Gerold Belgers Aleksandr Merk geschaffen wurde. Die Stellvertreterin der öffentlichen Stiftung „Kasachstanische Vereinigung der Deutschen „Wiedergeburt“ Swetlana Schubina verlas allen Anwesenden den Appell der Witwe des Schriftstellers Raisa Zakirowna Chismatulina und der Tochter Irina Kowaljowa-Belger:

„Liebe Freunde! Liebe Landsleute! Liebe Volksgenossen! Ich bin sehr glücklich darüber, dass die derzeitige Veranstaltung auf der von unserem Ehemann und Vater so geliebten nordkasachischen Erde stattfindet, in seiner zweiten Heimat.

„Jeder Mensch sollte neben seiner ersten, großen Heimat ganz gewiss eine zweite, kleine Heimat haben, seine heimatliche Gegend, sein vertrautes Eckchen auf der Erde, sein Feld, sein Wäldchen, ein einsames Plätzchen am Ufer eines stillen Flüsschens, wenigstens seinen geliebten Busch in der Nähe des Hauses. Jeder, ob freiwillig oder unfreiwillig, wandert in der Welt umher oder wird dazu gezwungen, umherzuwandern, hinterlässt unbemerkt hier und dort ein Teilchen seiner Seele, verliert sich allmählich, beraubt sich und verwandelt sich in einen vom Wind getriebenen Steppenläufer. Unglücklich ist derjenige, der sich nicht an seinen Geburtsort, an sein Land erinnert, aber dreifach unglücklich ist jener, an den sich die Erde selbst nicht erinnert, denn sie, die Erde, ist wie deine eigene Mutter, sie ist dein allerletzter Glaube, deine allerletzte Hoffnung im Leben, und wenn du für sie in Vergessenheit gerätst, dann bist du bereits überhaupt kein Mensch mehr, sondern verwest, Asche und Staub.“ Leider Gottes kommt man zu einer so einfachen, scheinbar offensichtlichen Wahrheit nur durch eine große alltägliche und moralische Erfahrung. Manchmal auf Kosten schwerer Verluste. Kasachstan… Heimat, geliebtes Heimat vielsprachiger Stämme. „Meine“, – nennen eine Million sowjetischer Deutscher. Sowjetisches Vaterland… „Mein“ – nennen es zwei Millionen Bürger der deutschen Nation. „Meine“, „Mein“, „Wir“, – erklingen stolz die vielen Stimmen eines gemeinsamen Chores. Meine Heimat. Unauslöschlich. Ewig. Wie ein Mensch. Wie die Liebe. Wie das Leben“.

Diese Zeilen, die Gerold Berger vor langer Zeit im Jahr 1986 geschrieben hat, sollen heute an Sie alle gerichtet sein. Sie tragen zeitlosen Charakter in sich, so wie vieles, über das er schrieb, sprach, was dieser echte Patriot seiner Heimat sagte und hinterließ. Was hatte er vorausgesagt, vor was hat er gewarnt und prognostiziert. Tief davon überzeugt, dass seine Zeit gerade erst beginnt… Erinnern Sie sich, lesen Sie, hören Sie seine Stimme! Eine Stimme wie eine Stimmgabel. Sie ist aufrichtig, wahrhaftig und präzise. Wir bedanken uns für ihre Treue, für das Interesse an der Kreativität und an der Person Gerold Belger. Wir wünschen ihnen viel Glück und einen offenen, ehrlichen, gütigen und aufrichtigen Dialog… Wir wünsche allen die Erhellung ihrer Haltung!

Mit tiefem Respekt Raisa Chismatulina und Irina Kowaljowa-Belger“.

Irina plant, die gesamten Informationen über die vergangene Veranstaltung der einzigen heute noch lebenden Schwester von Gerold Karlowitsch zu übermitteln. Sie lebt heute in Deutschland, aber alle Landsleute können sich noch gut an sie erinnern.

Belger hat Menschen geliebt, er liebte uns alle und hat uns allen vererbt, Menschen zu sein, egal was auch sein möge. Wahrscheinlich ist dies die aller schwierigste Aufgabe im Leben eines jeden. Den Menschen in sich zu bewahren. Belger gelang dies. Jetzt soll es uns allen gelingen.

Swetlana Schubina

Übersetzung: Philipp Dippl

Kurse in der Hauptstadt Russlands

Die Weiterbildung der Mitarbeiter wird in den deutschen Gesellschaften schon lange praktiziert. Das Moskauer Institut für ethnokulturelle Bildung veranstaltet regelmäßig Modulkurse, in welchen die Teilnehmer innovative Arbeitsformen kennenlernen und in effektivem Management geschult werden. In diesem Jahr wurde auch das soziale Feld nicht ausgelassen.

Im Deutsch-Russischen Haus in Moskau fand das erste Modul des Weiterbildungskurses „Moderne Technologien der sozialen Arbeit mit Empfängern von Sozialleistungen in den öffentlichen Organisationen russischer Deutscher“, an welchem zwanzig Teilnehmer aus Russland, Usbekistan, und Kasachstan teilgenommen haben. Im Laufe von fünf Tagen haben die Kursteilnehmer die Projekte der Sozialzentren für russische Deutsche und die Möglichkeiten der Stiftung „Alter im Glück“, kennengelernt, welche zur Unterstützung älterer Menschen und Behinderter unter den rechtlichen Rahmengrundlagen für Sozialhilfe und den allgemeinen Charakteristiken des Prämiensystems für entsprechende Bürgerkategorien organisiert wird.

An einem der Tage trafen die Kursteilnehmer die Doktoren Bernhard Haberl und Doris Herbst-Schmitt. Sie teilten europäische Erfahrungen in der Sozialarbeit und erzählten über die Struktur und die Finanzierung der Pflege älterer Menschen in Deutschland, ebenso über die Möglichkeiten zur Erlangung des Berufes des Spezialisten für Altenpflege in der Bildungseinrichtung „Dr. Wiesent Schulen“. Doktor Wolfram Gebauer  aus der Schule „Seni Vita“ erzählte über die Berufsausbildung zum Krankenpfleger. Er merkte an, dass in Deutschland solche Berufe wie Spezialist in der Altenpflege oder Spezialist für Familienpflege in drei Lehrjahren direkt nach Beendigung der Mittelschule erlernen kann. Allerdings benötigt man für den Abschluss der dreijährigen Berufsausbildung zum Beruf Krankenpfleger oder Behindertenpfleger eine Arbeitserfahrung in dem Bereich von nicht weniger als zwei Jahren.

Besonders interessant und hilfreich war meiner Meinung nach der Block „Besonderheiten der immateriellen Motivation“. Hier hat der Trainer des Entwicklungszentrums „Pride“, Andrej Kopnin, erzählt und an Beispielen aufgezeigt, wie man effektive Methoden der immateriellen Motivation der Mitarbeiter in die Arbeit mit einfließen lässt. Überaus lebhaft verlief der praktische Teil des Trainings, während dem die Teilnehmer die Möglichkeit hatten, ihr kreatives Potential in vollem Umfang umzusetzen.

Die Auswahl der Themen und Referenten verdient sicherlich besondere Komplimente – selbst bekanntes Material, welches unter einem anderen Licht präsentiert wurde, wurde anders wahr genommen. Alle Lehrkräfte verdienen Respekt, man spürt, dass sie echte Profis sind, die schon viel erreicht und viel zu teilen haben – nicht aus theoretischer, sondern aus praktischer Sicht.

Die größte Überraschung für mich war das Treffen des früheren Bewohners von Ust-Kamenogorsk und heutigen Direktor des Instituts für ethnokulturelle Bildung, der in seinen Schuljahren nicht selten seine Zeit in dem deutschen Kulturzentrum „Wiedergeburt“ Ostkasachstan verbrachte.

Ich möchte meine große Dankbarkeit den Organisatoren des Kurses ausdrücken für die Möglichkeit, praktische Kenntnisse zu erlangen, welche ich im Laufe der Umsetzung der Sozialprojekte unserer Gesellschaft anwenden kann.

Natalja Kazakowa

Übersetzung: Philipp Dippl

Das Festival der deutschen Kultur in Karaganda

Als eine der ersten in Kasachstan hat die Gebietsgesellschaft „Deutsches Zentrum „Wiedergeburt“ Karaganda mit einem farbenfrohen Fest den 30. Geburtstag der Bewegung der Deutschen „Wiedergeburt“ begangen. Das Fest, an dem Tanz- und Gesangsgruppen der Stadt und des Gebiets teilgenommen haben, fand mit der Unterstützung der KGU «Қоғамдық келісім» des Bürgermeisteramts des Gebietes Karaganda statt. Das zweite regionale Festival ist für den 12. Mai in der Stadt Saran geplant.

Das deutsche Zentrum Karaganda entstand im Jahr 1989 als eines der ersten in Kasachstan. Es war die Zeit des Ausbruchs nationalen Selbstbewusstseins, und die Deutschen ragen aktiv hervor in der Wiederbelebung ihrer nationalen Kultur, der Muttersprache, der Traditionen und Bräuche.

Zahlreiche Gäste kamen, um den Jubilaren zu gratulieren, unter ihnen auch jene, die am Ursprung der Entstehung des Zentrums standen. Der Vorsitzende des deutschen Zentrums und Mitglied der Volksversammlung Kasachstans Wiktor Eduardowitsch Kist merkte in seiner Begrüßungsrede an: „30 Jahre – das ist gleichzeitig viel und wenig. Wenig, um in einem Leben alle Dinge zu erledigen und alle Wünsche zu erfüllen. Um sich bewusst zu werden, dass wir auf dem richtigen Weg stehen und den richtigen Weg gehen. Ich möchte alle zum 30 jährigen Jubiläum von „Wiedergeburt“ beglückwünschen, die die Beziehung zur deutschen Gemeinschaft aufrechterhalten, ganz besonders unsere Menschen aus Karaganda! Ich wünsche familiären Wohlstand, Glück und alles Beste“.

Kasachstan wurde für die Deutschen, die viele Belastungsproben durchlebten, eine echte Heimat. Viele von denen, die gegangen sind, erinnern sich für immer an den Steppenrand, der einst ihre Verwandten aufnahm. So wie auch Wiktorija Kist, die einen Teil von sich selbst in die Entstehung des Zentrums „Wiedergeburt“ einbrachte, heute in Deutschland lebt, und niemals die Heimat Kasachstan vergisst. Sie kam sehr gerne zum Feiertag, um ihre Landsleute zu beglückwünschen.

Mit Warmen Worten wendete sich der stellvertretende Direktor der KGU «Қоғамдық келісім» Kuanysch Oralchanowitsch Ospanow an die Adresse der Anwesenden. Er schenkte dem Zentrum ein wundervolles Bild, welches eine unvergessliche Dekoration sein wird. Heute besitzt die Gesellschaft „Wiedergeburt“ alles das, wonach im Laufe dieser 30 Jahre gestrebt wurde: ein hohes Ansehen, erarbeitete Erfahrung und Traditionen, die die Nachfolge der nächsten Generation festigen, sie zu Respekt zu den Älteren, zur Muttersprache und zur Kultur erziehen.

Den Staffelstab der Festivals hat Karaganda an Saran und Schachtinsk übergeben. Bis zum nächsten Mal, Freunde!

Nadezhda Frizen

Übersetzung: Philipp Dippl

Zur Frage des Erhalts der deutschen Sprache

Der Verwaltungsrat der öffentlichen Stiftung „Kasachstanische Vereinigung der Deutschen „Wiedergeburt“ erörterte am 1. Februar 2019 die Frage über die Maßnahmen zur Rückkehr der deutschen Sprache in das Schulbildungssystem. Der Rat stellte fest, dass es spürbare Erfolge bei der Wiederaufnahme des deutschen Sprachunterrichts in den Mittelschulen gibt.

Am 4. September 2018 wurde der Erlass des Ministers für Bildung und Wissenschaft der Republik Kasachstans Nr. 144 „über die Feststellung staatlicher allgemeinverbindlicher Bildungsstandards entsprechender Bildungsstufen“ unterzeichnet. In Übereinstimmung mit dem Erlass erhielten Eltern von Schulkindern das Recht auf die Wahl der Fremdsprache, so wie dies bereits früher angewandt wurde. Die Formulierung „Englische Sprache“ wurde in „Fremdsprache“ umgeändert, was die Möglichkeit zum Erlernen der deutschen Sprache als erste Fremdsprache gleichberechtigt mit Englisch gewährleistet.

Bis heute sind Programme für die aktualisierte Lehre der deutschen Sprache für die 1-bis 4. Klasse ausgearbeitet und genehmigt, Programme für die Klassen 5 bis 12 werden entwickelt. Für die erfolgreiche Einführung der deutschen Sprache ins Schulprogramm zum 1. September 2019 wird in der nächsten Zeit ein Lehrbuch entsprechend der neuen Anforderungen herausgegeben. Mit dem Ministerium für Bildung und Wissenschaft der Republik Kasachstan wurde eine Vereinbarung über die Erhöhung der Anzahl von Zuschüssen erreicht, die vom Staat für die Ausbildung in der Fachrichtung „Lehrer der deutschen Sprache“ freigesetzt werden. An den Bildungsminister wurde ein Aufruf mit der Bitte gerichtet, Veränderungen in den einheitlichen Regeln zur Zulassung zu den Hochschuleinrichtungen der Republik Kasachstan vorzunehmen und Abiturienten zu erlauben, im laufenden akademischen Jahr sowohl Englisch als auch Deutsch als Fremdsprache zu wählen, was eine vollwertige Auswahl für die entsprechende Fachrichtung erlaubt und der Beginn der Wiederherstellung der Rechte der deutschen Sprache im Bildungssystem unserer Republik bedeuten kann. Aber es müssen noch viele Anstrengungen in den Regionen zur Verwirklichung dieser Ziele überwunden werden. Gruppen von Erstklässlern können ab einer Anzahl von sechs Schulkindern, die Deutsch lernen möchten, und natürlich bei vorhandenen Lehrkräften, gebildet werden.

Durch den Vorsitzenden des Verwaltungsrates und Deputierten der Maschilis des Parlaments der Republik Kasachstan, A. P. Rau, wurde an die Bürgermeister der Gebiete und Städte ein Appell mit dem Ersuchen zur Durchführung einer Überprüfung der Schulen über vorhandene Deutschlehrer gerichtet. Die Schuldirektoren sind dazu angehalten, die Eltern vor der Aufnahme der Kinder in die erste Klasse mit Informationen über die Möglichkeiten der Wahl von Deutsch als erste Fremdsprache sowie über die Erstellung von deutschen Sprachgruppen ab einer Anzahl von sechs Interessenten zu versorgen.

Albert Pawlowitsch sprach mit praktisch jedem stellvertretenden Akim der Region, der für die Bildung zuständig ist, über das Wesentliche der angenommenen Änderungen und die Notwendigkeit der jeweiligen Behörden, denen ihre Unterstützung anzubieten, die Deutsch lernen möchten. Die Rede ist nicht nur von Schülern mit deutscher Nationalität. Jedoch eröffnet die Beherrschung der deutschen Sprache viele neue Möglichkeiten für die Jugend.

Durch eine konsequente Zusammenarbeit der regionalen Gesellschaften , der Schuldirektoren und der Eltern werden alle notwendigen Voraussetzungen für die Wiederaufnahme des Deutschunterrichts in den Schulen ab dem 1. September des laufenden Jahres getroffen.

Am 10. April hat sich die Koordinatorin der Spracharbeit der öffentlichen Stiftung „Wiedergeburt“ Swetlana Schubina in der Schulverwaltung des Gebietes Nordkasachstan mit Spezialisten getroffen,  die für die gegenwärtige Ausrichtung verantwortlich sind. Und bereits am 11. April fand auf Grundlage der KGU „Erstes Gymnasium“ der Stadt Petropawlowsk ein Treffen zwischen der den Repräsentanten der Verwaltung, den Schuldirektoren des Gebietes Nordkasachstan und den Lehrern statt. Die Teilnehmer erörterten die Perspektiven in der Entwicklung der deutschen Sprache in Kasachstan und entwarfen einen Plan für gemeinsame Handlungen. Das Akimat des Gebietes Nordkasachstan sendete eine offizielle Antwort über die Schulen ermittelt wurden, die im Schuljahr 2019 – 2010 Deutsch als erste Fremdsprache gewählt haben. Auf der vorliegenden Liste stehen fünf Schulen: das Korneewer Gymnasium im Gebiet Esil, das KGU Gymnasium „Best“, das erste Gymnasium, die Mittelschule Nr. 7 und die Mittelschule Nr. 10 in der Stadt Petropawlowsk.

Es ist wichtig, das große Interesse der Anwesenden anzusprechen. Das Potenzial der Wiederherstellung der deutschen Sprache vom Standpunkt des Lehrpersonals aus gesehen bleibt bestehen, und in die Schulen kann noch eine große Anzahl an Pädagogen zurückkehren. Die Leiter der regionalen öffentlichen Vereinigungen „Wiedergeburt“ müssen sich persönlich mit den Vertretern der zuständigen Bildungsbehörden treffen, die Situation erklären, Fragen beantworten, das bereits Erreichte kommentieren, gemeinsam Wege zur Entwicklung der deutschen Sprache aufzeigen und mit ihnen über die Motivation und die Vorurteile der Beherrschung der deutschen Sprache sprechen.

Die Wiederherstellung des Status der deutschen Sprache in Kasachstan hängt heute von den gemeinsamen Anstrengungen des Staates und der Gesellschaft ab, und diese beiden Seiten müssen in ihren Bestrebungen geeint sein!

Swetlana Schubina

Übersetzung: Philipp Dippl

Realisierung des Programms zur Unterstützung der deutschen Ethnie im Gebiet Nordkasachstan

Am 1. Februar des laufenden Jahres hat der Verwaltungsrat der öffentlichen Stiftung „kasachstanische Vereinigung der Deutschen „Wiedergeburt“ eine überaus wichtige Frage erörtert – Die Finanzierung der Projektaktivitäten der OO „SKONKZ „Wiedergeburt“ (Stadt Petropawlowsk) im Rahmen der Erfüllung des Förderungsvertrages. Im Jahr 2018 wurde die Finanzierung zwei Mal ausgesetzt aufgrund von Versäumnissen der Rechenschaftsberichte zum festgesetzten Termin. In diesem Zusammenhang stieß die Stiftung auf das Problem, die Deutschen der Region nicht ohne die ihnen zustehende Hilfe alleine zu lassen.

Mitte Januar des diesen Jahres fand eine Reise der Mitarbeiter der Stiftung und der Mitglieder des Verwaltungsrates nach Petropawlowsk statt, in dessen Verlauf die Gründe für die instabile Arbeit der Gesellschaft im Programm zur Unterstützung identifiziert wurden. Der Leitung der Gesellschaft wurde die Notwendigkeit von Ordnung in der Schriftführung angeführt, vor allem in der Finanzberichterstattung und in der Umsetzung der Empfehlungen, die als Resultat des Monitoring und zur zukünftigen Vermeidung des Scheiterns der Berichterstattung ausgegeben wurden.

Als Ergebnis der Diskussion wurde eine Entscheidung getroffen: ausgehend von den Interessen der Gemeinschaft der Deutschen Nordkasachstans wird die Projektarbeit in der Region durch die OO „SKONKZ „Wiedergeburt“ unter der Bedingung der strengen Einhaltung der geltenden Regeln und Bestimmungen sowie der vierteljährlichen Kontrolle der Umsetzung der Projektaktivitäten im Programm zur Unterstützung der deutschen Ethnie in Kasachstan wiederaufgenommen.

Ungeachtet der großen Anstrengungen seitens des Verwaltungsrates der öffentlichen Stiftung „Wiedergeburt“ gelang es dem ausführenden Büro leider bis zum heutigen Tage nicht, die Projektarbeit der OO „SKONKZ „Wiedergeburt“ in Ordnung zu bringen. In Abstimmung mit der finanzierenden Organisation wurde die Entscheidung über die direkt von der öffentlichen Stiftung „Wiedergeburt“ ausgehenden Finanzierung an die Sacharbeiter und Begünstigten der Projektaktivitäten im Gebiet Nordkasachstan getroffen.

Dank dem reibungslosen Vorgehen wurde ein Projekt zur Ausgabe von Lebensmittelhilfen umgesetzt. Insgesamt erhielten 528 Begünstigte Hilfe, von ihnen 175 Städter und 351 Dorfbewohner: dies sind Rentner, Menschen mit eingeschränkten Möglichkeiten, Bedürftige und sozial benachteiligte Schichten der Bevölkerung mit deutscher Nationalität. Ein Sozialkoordinator leistet Beratungsdienstleistungen und setzt das Projekt zur Erstattung von Medikamentenkosten um. Im ersten Quartal 2019 wurden ebenfalls zwei Sprachgruppen organisiert und ein interessanter Deutschkurs durchgeführt.

Heute arbeiten in der Stadt Petropawlowsk fünf Sprachgruppen, von denen eine für Kinder und eine für Jugendliche ist. In naher Zukunft beginnt die Arbeit des Projektes des Netzwerks der Begegnungszentren, welches es erlaubt, die Anstrengungen zum Erhalt der Bräuche, Traditionen und Kultur der Deutschen im Gebiet Nordkasachstan zu konzentrieren. Im Rahmen des Projektes sind Arbeitszirkel geplant: Theaterzirkel, Gesangsgruppen und Kurse zur angewandten Kunst.

Die ersten Resultate ihrer Arbeit demonstrieren die Teilnehmer der kreativen Gruppen und der Sprachprojekte an den Osterfeierlichkeiten. Des weiteren können die Deutschen im Gebiet Nordkasachstan an Sprachwettbewerben, Festivals, Tagen der deutschen Sprache und Kultur und an allen Veranstaltungen teilnehmen, die von der öffentlichen Stiftung „Wiedergeburt“ durchgeführt werden. Das Exekutivbüro und die Koordinatoren vor Ort sind daran interessiert, wie man so viele Landsleute wie möglich in die Tätigkeit der regionalen Selbstorganisation miteinbeziehen könnte.

Die öffentliche Stiftung „Kasachstanische Vereinigung der Deutschen „Wiedergeburt“ drückt Aleksandr Andreewitsch Merk, dem Direktor der wirtschaftlich-technischen Hochschule für die geleistete Förderung in der Umsetzung von Projekten, für die Organisation von Sprachkursen und Arbeitszirkeln ihren Dank aus. A. A. Merk war einer der Beteiligten an der Entstehung von „Wiedergeburt“ im Gebiet Nordkasachstan und konnte in dieser schwierigen Periode nicht gleichgültig bleiben.

Die Umsetzung des Programms zur Unterstützung der deutschen Ethnie bildet einen wichtigen Faktor in der Effektivität der Projektaktivitäten der öffentlichen Stiftung „Wiedergeburt“ und richtet sich an alle Deutschen Kasachstans.

Übersetzung: Philipp Dippl

Witalij Schaber – der neue Staatsanwalt des Gebietes Ostkasachstan

Nach Meldung des Pressedienstes der Staatsanwaltschaft des Gebietes Ostkasachstan wurde auf Weisung des Generalstaatsanwalts der Republik Kasachstan Wiktor Nikolajewitsch Schaber (geboren 1978) in die Funktion des ersten stellvertretenden Staatsanwalts des Gebietes Ostkasachstan ernannt.

Witalij beendete die juristische Fakultät der staatlichen Universität Ostkasachstans. Der Dienst in den Behörden der Staatsanwaltschaft begann im Jahr 2002 als Assistent des Staatsanwalts des Kreises Schemonaichsk. Danach hatte er sukzessive die Tätigkeiten des Staatsanwaltes und des leitenden Staatsanwaltes der Administration, des stellvertretenden Vorgesetzten der Administration der Gebietsstaatsanwaltschaft, sowie des Sstellvertretenden Staatsanwaltes der Stadt Ust-Kamenogorsk inne. Von 2010 bis 2014 leitete er die Staatsanwaltschaft der Stadt Ridder. In der Periode von 2014 bis 2016 war er Staatsanwalt im Kreis Zyrjanowsk. Bis zur jetzigen Ernennung arbeitete er als stellvertretender Staatsanwalt des Gebietes. Das Dienstalter in den Behörden der Staatsanwaltschaft beträgt mehr als 16 Jahre. Ein großartiger Beamter und Beistand für die Justiz.

Übersetzung: Philipp Dippl

Brücken der Freundschaft und der Partnerschaft errichten

Am vergangenen Freitag fand im zentralen Büro des NPP „Atameken“ das nächste Treffen der Mitglieder des Business-Clubs statt, welches von der öffentlichen Stiftung „Kasachstanische Vereinigung der Deutschen „Wiedergeburt“ organisiert wurde.

Der Club wurde vor nicht allzu langer Zeit gegründet, in erster Linie zur Konsolidierung der Aktivitäten deutscher Unternehmer. Doch nicht jeder Geschäftsmann kommt wegen der Hilfe oder Beratung, sie sind es gewohnt, sich auf ihre Stärken zu verlassen. Deshalb ist es so wichtig, den Unternehmern eine Reihe von Dienstleistungen anzubieten, die den Wert des Unternehmens steigern und unmittelbare Probleme lösen. Diese Meinung äußerte der stellvertretende Vorsitzende des Verwaltungsrates der öffentlichen Stiftung „Wiedergeburt“ und seit kurzem stellvertretender Vorsitzender der Direktion der nationalen Kammer der Unternehmer Kasachstans „Atakemen“ Ewgenij Bolgert.

Der Business-Club entstand und entwickelt sich immer noch wie ein Teil der öffentlichen Selbstorganisation, aber mit dem Ziel einer baldigen Transformation in ein Dienstleistungsunternehmen. Den Rechtsschutz sicherstellen, Hilfestellungen in schwierigen Situationen anbieten, und bei Bedarf Kräfte zur Erfüllung gemeinsamer Aufgaben bündeln – was gibt es nicht alles für Situationen im Leben. Die Organisatoren des Clubs sind bestrebt, verschiedene Gruppen unserer Geschäftsmänner anzunähern, woraus womöglich freundschaftliche Beziehung entstehen können.

Die Wirtschaft der einfachen Dinge

Im Rahmen der Konferenz kam die Sprache auf die Realisierung des staatlichen Programms zur vergünstigten Kreditvergabe kleiner und mittlerer Unternehmen der Industrie und des Sektors AKP. In der Terminologie des Business-Clubs bedeutet dies die „Wirtschaft der einfachen Dinge“. Die Teilnehmer haben übereinstimmend den Nutzen und die Aktualität des Programms hervorgehoben, welches kleinen Unternehmen die Möglichkeit gibt, sich weiterzuentwickeln, unter Gewährleistung eines Marktes für Waren und Dienstleistungen, welcher neue Arbeitsplätze schafft. Dies ist übrigens eine der Voraussetzungen für den Erhalt eines Darlehens. Die Kreditzahlen sind schwer zu ignorieren: 15% pro Jahr bei Kompensation aus dem Budget, 7% zugunsten des Kreditnehmers und der Bank. Neun Banken der zweiten Ebene haben sich bereits dem Service des Programms angeschlossen und mehr als 300 Geschäftsprojekte zur Erörterung angenommen, mehr als 20 wurden genehmigt und erhalten Zuschüsse.

Im Club formiert sich eine Fraktion von Geschäftsmännern, welche die Union der deutschen Jugend Kasachstans betreut. Dies ist bereits ein Blick in die Zukunft. Es ist geplant, die Jungunternehmer mit den Veteranen der Marktökonomie zusammenzubringen, um die junge Generation so leicht wie möglich auf Kurs zu bringen. Die Formen der Betreuung werden diskutiert.

Der Leiter der Universitätsvereinigung „WIUIM“ Andrej Schnitkowski besuchte ebenfalls das Treffen. Er kam mit den Befugnissen, eine Struktur zu bilden, welche die Interessen des Kapitals und der Arbeitskraft, in erster Linie der jungen, vereint. „Wir werden Bildung nach Kasachstan importieren, und nicht die Gehirne unserer Jugend ins Ausland exportieren“, – versicherte A. Schnitkowski.

Auf dem Treffen wurden die neuen Mitglieder des Clubs vorgestellt, Vorschläge zur Erarbeitung eines Loyalitätsprogramms und der Anfertigung einer Clubkarte diskutiert, und das Datum für das nächste Treffen festgelegt, welches bereits im Mai stattfindet.

Walerij Schewalje

Übersetzung: Philipp Dippl

Ein neuer Impuls in der Entwicklung der nationalen deutschen Kultur

In Kemerovo fand ein Seminar für Leiter von Vokal- und Gesangsgruppen der deutschen Gesellschaften statt, welches vom Moskauer Institut der ethnokulturellen Erziehung organisiert wurde. Aus Kasachstan haben Swetlana Rutz, die Leiterin der Kinder- und Jugendgesangsgruppen der Gesellschaft der Deutschen Akmolinsk, und Wera Filippowa, die die Gesangs- und Instrumentengruppen „Juwel“ und „Singende Herzen“ der deutschen Gesellschaft im Gebiet Zhambyl leitet, an der Veranstaltung teilgenommen.

Irina Moltschanowa und I. Wulf erzählten den Teilnehmern über die Notwendigkeiten in der Bildung der Organisationsstrukturen der TORN (künstlerische Ausrichtung in der Arbeit der Organisation der Deutschen), welche das künstlerische Schaffen, Musik, Theater, Literatur, Choreografie, Medien und moderne Formen der Kunst (Foto, Video, Lichtinstallationen, usw.) vereinen. Die Schlüsselziele sind die Unterstützung der Kulturrepräsentanten und die Verwirklichung ihres Potentials, die Förderung neuer Talente, die Entwicklung der kulturellen Identität innerhalb der deutschen Gesellschaft. Im Rahmen des Workshops „die Methodik der Arbeit mit deutschen Liedern in selbstständigen Kollektiven in den deutschen Kulturzentren“ demonstrierte Irina Moltschanowa Singproben, Artikulations- und Atemübungen und Begrüßungskanons.

Der Dozent der RAN namens Gnesinych Jurij Naumkin führte den Workshop „Volksgesänge mit Rhythmen angelehnt an die deutsche Gesangsfolklore“, „Solo und Ensemblegesang mit Begleitung durch Volksinstrumente“ und „Traditionelle deutsche und österreichische Lieder. Die Technik des Jodelns“ durch. Roman Matweew hat die Zuhörer mit theoretischen und praktischen Übungen in der deutschen Gesangsphonetik begeistert. Besonderen Eindruck hinterließ der Auftritt der Gesangs- und Choreografiegruppe „Präludium“ unter der Leitung von Ewgenij Netschaewoj.

Ich möchte den Organisatoren meinen Dank aussprechen für dieses so inhaltsreiche und interessante Seminar. Wir sind uns sicher, dass uns diese Veranstaltung einen neuen Impuls in der Entwicklung der nationalen deutschen Kultur bringen wird.

Übersetzung: Philipp Dippl

Gefangener der Pastellzeichnung

In der Gesellschaft „Wiedergeburt“ in Ridder haben die Teilnehmer der Schule des dritten Alters, Kinder, Jugendliche und alle Freunde der darstellenden Künste die Werke der Künstlerin Antonina Fedorowa kennengelernt. Sie malt mit verschiedenfarbigen Pastellkreiden, ihre Arbeiten gelingen so ausdrucksstark und sinnlich, dass man nicht gleichgültig bleiben kann.

Der Name Antonina fliel im letzten Sommer, als im Kunstmuseum des Gebietes die Abschlussveranstaltung der republikanischen Pleinairmalerei „Altaj – die Perlen Kasachstans“ stattfand. Zu dieser Zeit haben sich mehr als zwanzig Künstler, die aus verschiedenen Landesteilen nach Ostkasachstan kamen, im Ferienheim „Kok-Tau“ im Tajyntinsker Nadelwald versammelt.

– Die Natur ist eine solche Quelle der Inspiration, aus welcher Künstler aller Zeiten schöpften. Man kann ein unbedeutendes Staubkorn herannehmen und aus ihm so viel machen, weil es für sich selbst schön ist. Ähnliche Pleinairmalereien haben Mäzene auf dem Gutshof Abramzewo veranstaltet. Die Künstler konnten frei schaffen, ohne an die tägliche Routine zu denken. Denen, die sich zum Pleinair versammelt hatten, offenbarte sich eine mächtige Präsentation verschiedener Weltanschauungen, so wie auf einer Palette. Das ist großartig!

Die persönliche Ausstellung von Antonina eröffnete im städtischen Ausstellungssaal in Ridder. Als sie die Künstlerin vorstellte, erzählte die Kunsthistorikerin Ljubow Zaitzewa, dass Tonja Fedorowa am 7. November 1991 in Leninogorsk im Gebiet Ostkasachstan geboren wurde. Die Mutter von Tonja, Elena Edmundowna (geborene Wajnbender) arbeitet als Ikonenmalerin und ist Mitglied in der Union der Künstler Kasachstans. Von 2004 bis 2008 lernte Antonina in der Kindermalschule von Ridder. Im Jahr 2010 beendete sie das physisch-mathematische Lyzeum und ging an die MGTU namens A. N. Kosygin in die Fachrichtung „Kunstdesign von Trachten“.  Während der Ausbildung hat sie an internationalen Wettbewerben teilgenommen. Im Jahr 2015 hat sie ihr Diplom mit Bestnote verteidigt und ist in ihre Heimatstadt zurückgekehrt. Heute ist sie Malerin und Kunsthandwerkerin.

Antonina Fedorowa ist Mitglied der nationalen Union der Pastellmaler Russlands. Ihre Arbeiten befinden sich in den Sammlungen des Ostkasachstanischen Kunstmuseums und in Privatkollektionen Kasachstans, Russlands und Deutschlands. Sie nahm am allrussischen Jugenforum „Schritt in die Zukunft“ (2011), am öffentlichen Jugendwettbewerb Kuststylisten für Mode „Formel des Stils“ (2014), am Designfestival „Totchka.RU“, an den internationalen Wettbewerben „Die Nadel der Admiralität“ und „Exercise“, am Moskauer Wettbewerb der Modeschöpfer und an der Ausstellung „Von der Studienpraxis zur künstlerischen Stylistin“ teil. Sie erhielt die Ehrenurkunde für Kostümskizzen im Wettbewerb der japanischen Modeschule „Sugino“. Im Jahr 2018 hat sie an der Kunstausstellung „Das Werk unserer Landsleute“ in Ridder und der Ausstellung der Finalisten des Wettbewerbs „Meine Pleinairmalerei“ im Rahmen des Kunstfestivals „Bunte Berge 2018“ teilgenommen.

Mit Freude über das Werk von Antonina Fedorowna antwortete die Vorsitzende der öffentlichen Vereinigung „Wiedergeburt“ des deutschen Kulturzentrums Leninogorsk Ljubow Ignatjewa: „Tonja ist unser Sternchen, unser ganzer Stolz!“

Die Mutter von Antonina, Elena Edmundowna ist eine Nachfahrin Wolgadeutscher – ihre Eltern Edmund Aleksandrowitsch und Elmira Adamowna Wajnbender wurden als Kinder nach Kasachstan gebracht. In Ridder sind sie aufgewachsen, haben eine Familie gegründet und haben die meiste Zeit ihres Lebens verbracht, im Jahr 1999 gingen sie zusammen mit ihrem ältesten Sohn nach Deutschland.

Die Arbeiten von Antonina Fedorowna kann man in ihrem kunstvollen Online-Tagebuch (https://www.yooying.com/tonyafeo) betrachten. Neben ihren Arbeiten und Fotografien teilt die junge Frau dort auch interessante Gedanken und Emotionen mit den Lesern.

Andrej Kratenko

Übersetzung: Philipp Dippl

In allem sollte Disziplin sein

Die Armbanduhr auf dem kleinen ledernen Kissen erinnert Wiktor Rejtenbach an diese schrecklichen 24 Stunden, welche für seine Eltern zur erzwungenen Aussiedlung aus der Stadt Chanlar in der Aserbaidschanischen SSR bestimmt waren. Das Landgut wurde im Jahr 1733 von den Brüdern Rejtenbach gegründet, als sie sich auf der Suche nach den besten Parzellen auf den fruchtbaren Böden Aserbaidschans niederließen.

Im Oktober 1941 gingen die Eltern mit den kleinen Jungen Sigfrid und Wiktor in das Unbekannte.Man brachte sie auf offene Pritschenwaggons, auf der Reise bauten sie Dächer. Auf dem Weg hat man den Vater, so wie viele andere, in die Arbeitsarmee weggeholt. Von dort kam er als Invalide zurück.

„Wir kamen in das Gebiet Akmolinsk: in das Dorf Jagodnoje, dann nach Zhanaturmys, solange uns noch kein fester Wohnort in Zhurawljowko zugewiesen wurde. Ich erinnere mich, wie man uns in eine Jurte zu einer kasachischen Familie gesteckt hat. Die Hausherrin, die nicht ein einziges Wort Russisch verstand, weinte ununterbrochen. Sie hatte nichts, um ihre eigene Familie zu ernähren, und da kamen wir. Um zu überleben, lernte ich, Getreide mit der Mühle zu mahlen und gab die Hälfte des Mehls immer an diese Frau. Das ganze Leben lang habe ich mich an die Worte des Hausherren erinnert: „Söhnchen, lerne zu arbeiten, lerne zu überleben!“. Wir haben überlebt. Weil alle Bewohner dieses Ortes, unabhängig von der Nationalität, geholfen haben, wo es ging.

Seit der Kindheit unterschied sich Wiktor durch die unbezwingbare Energie, durch seine Absichten. Er war immer die Stütze der Familie. Er hat erfolgreich die Schule beendet, hat die Ausbildung am tierärztlichen Technikum Akmolinsk fortgeführt. Das erste Ausbildungspraktikum absolvierte er in der Kirow-Kolchose im Gebiet Pawlodar, dessen Vorsitzender Georgij Schinf ihn zu sich zur Arbeit einlud. Nachdem er das Technikum mit Bestnote abschloss, ging Wiktor an das tierärztliche Institut in Almaty, und kehrte in die Kolchose bereits mit dem roten Diplom zurück. So begann der Lauf seiner Diensttätigkeit: vom Cheftierarzt bis zum Vorsitzenden. An die 25 Jahre Arbeit in dieser Kolchose erinnert sich Wiktor Genrichowitsch mit nostalgischen Gefühlen. Sie haben die heimischen Rassen erhalten und neue aus Russland, dem Baltikum und Deutschland hergebracht.

„Es erfreut mich, dass Kasachstan seinen Weg in der Viehzucht beibehalten hat. Heute gibt es natürlich weniger Vieh, aber die Beziehung zur Zucht ruft Achtung hervor“, – sagt mein Gesprächspartner.

Als Mensch mit einer aktiven Lebensposition hat Wiktor Fridrichowitsch immer angeführt: „Mach es so wie ich! Mach es besser!“ – sind seine Prinzipien. Und in der zweiten Hälfte der 1970er Jahre hat er die Produktion von Geflügelfleisch und Eiern bedeutend gesteigert und Technologien zur Geflügelzucht und Zucht der Rasse Broiler eingeführt. Als späterer Direktor der Sowchose „Grenzsoldat“ im Kreis Ermalowsk (1978) hat es Rejtenbach geschafft, den Landwirtschaftsbetrieb zu einem der größten in der Region Pawlodar zu machen. Die Erfolge sprechen für sich: der Eintrag in das Buch des Arbeitsruhms im Gebiet (1981), in das goldene Ehrenbuch der Kasachischen SSR (1981); Überreichung des Roten Arbeitsbanners „In den Händen“ bis zum Jahr 1989.

„Wir, die drei Direktoren Karl Blatz, Jakow Gering und ich, haben immer miteinander gewetteifert. Dieser Kampf war toll, fair, aber rigoros. Wir haben gegenseitig Erfahrungen ausgetauscht, und unser Wissen weitergegeben“, . Erinnert sich Wiktor Fridrichowitsch.

Jedwede Sache, die ihm angetragen wurde, hat er zur Perfektion gebracht: er wurde im Jahr 1989 zum Direktor des sich im Bau befindlichen Schweinezuchtkomplexes ernannt, der bereits im Jahr 1992 in die Sowchose „Freundschaft“ reorganisiert wurde, als dessen Direktor Rejtenbach bis zu seiner Pensionierung arbeitete.

Wo auch immer dieser wahre Profi mit seinem Fuß auftrat, blühte alles auf und erwachte zum Leben, egal in welchem Bereich: betrieblich, sozial-kommunal oder kulturell. Unter ihm wurden drei Stammfarmen geschaffen, Das Haus der Kultur und des Lebens, Kindergärten und Schulen gebaut, Sanitätspunkte, Kaufhäuser und 10200 Quadratkilometer Wohnfläche errichtet (Sowchose „Grenzsoldat“).

  1. Rejtenbach ist stolz darauf, dass er seinen Beruf niemals gewechselt hat. Bis heute richten sich Menschen für Rat und Unterstützung an ihn. So wurde er, bereits nach „Grenzsoldat“ und in Rente, vom Generaldirektor Wjatscheslaw Ruf in die Funktion des Beraters geladen.

„Ruf war ein toller Kerl!“ ruft Wiktor Fridrichowitsch. – Er hat seine Sache richtig gemacht, wirtschaftlich. Jetzt zeigt sich die Erfahrung: von der Schlachtung und Verarbeitung bis zum Verbraucher allerhöchste Produktionsqualität. Meine Rolle bestand darin, technologischen Fortschritt zu erarbeiten. Die Idee von Ruf war es, dass Respekt zur Rüstung des Betriebes in den Kolchosen und Sowchosen dienen sollte. Ich bin stolz, dass auch ich meinen Beitrag dazu geleistet habe“.

Als ich im Familienarchiv kramte, fand ich einen interessanten Brief: „Im Laufe vieler Jahre haben Sie es fertig gebracht, gewissenhafte Arbeit mit öffentliche Aktivitäten zu vereinen, womit Sie zu einem aktiven Mentor der Jugend geworden sind. Durch die persönliche Verantwortung für die Sache haben Sie sich die wohlverdiente Autorität und die Liebe ihrer Verwandten und Bekannten verdient“.

Was kann man diesen großen Worten noch hinzufügen? Die Heimat hat W. F. Rejtenbach seinen Verdienst in der Entwicklung der Landwirtschaft, in der Aneignung der Neulandgewinnung und in der aktiven Planung hoch angerechnet. Er wurde mehrfach mit Medaillen, Urkunden und Dankesschreiben ausgezeichnet. Er besitzt zwei „Orden der roten Arbeit“ und einige Jubiläumsmedaillen, die verschiedenen Ereignissen im Leben des Landes und der Region zugeordnet werden.

Über die Eltern erzählt er viel und bereitwillig. „Wir sind Schwaben“. Die Mama, Gilda Ernesowna Gljot, war Hausfrau, und der Vater, Fridrich Fridrichowitsch Rejtenbach hat zuerst als Sekretär im Dorfrat gearbeitet, dann als wirtschaftlicher Buchhalter. Im Alltag waren die Eltern Landwirte und Weinbauern. Sie haben Äpfel und Weintrauben angebaut.“ Als Wiktor in Almaty studierte, hat er die Eltern dort hin gebracht. Sie haben ein Häuschen gefunden und begannen, dort zu leben. Dort sind sie auch beide begraben.

Heimlich teilt er mit: „Es gab eine Zeit, da wollte ich gehen (mit der allerersten Welle). Es wurde abgelehnt. Ein Damm, der die sowjetische Ordnung stärkte. Später, als die Regeln gelockert wurden, konnte ich gehen, aber da habe ich abgelehnt. Natürlich ist die Verindung zur historischen Heimat stark, aber es hat sich viel in Kasachstan geändert. Ein Lob an Nasarbajew: Kasachstan führt in allen Beziehungen, was die interethnische Harmonie betrifft. Jede Nation hat ihre Nische. Dies ermutigt dazu, genauso wie die kasachische und die russische die Muttersprache zu lernen. Wir, die Deutschen, achten auf die Entwicklung unserer Kinder: wie lernen sie die Sprache, in welchen Räumen lernen sie, wie freunden sie sich mit den anderen Nationen an. Das alles ist wichtig“.

Wenn man auf diesen großen, strammen Mann blickt, der seinen Optimismus in 85 Jahren nie verlor, entsteht unwillkürlich Sympathie zu ihm. Wie lebt denn heute Wiktor Fridirchowitsch? – Das Ehrenmitglied des Vorstands der Gesellschaft der Deutschen „Wiedergeburt“ in Pawlodar, Vorsitzender des Ältestenrates reicht seine Erfahrung an die Jugend weiter: „In allem sollte Disziplin sein. Bleibt in jeder beliebigen Situation mit den Menschen ehrlich, fleißig, prinzipientreu. Glaubt an eure Kräfte, seid aktiv“.

Ljudmila Bewz

Übersetzung: Philipp Dippl

Eine für die Deutschen nützliche Gesellschaft aufbauen

Der Vorsitzende der Gesellschaft der Deutschen des Gebietes Atyrau Oleg Schmal weiß alles über die Ölförderung, liebt Motorradfahren und verweht anderen Menschen niemals Hilfe.

Vorsitzender der deutschen Gesellschaft – das ist ein selbstgewähltes, verantwortungsvolles und in höchstem Maße selbstloses Amt. Wer möchte schon in seiner Freizeit öffentliche Belastungen auf sich laden? Pädagogen, Geschäftsmänner, Ärzte, Repräsentanten dieser und anderer Berufe haben die Vereinigung der Deutschen Kasachstans angeführt, aber so etwas gab es in der Geschichte von „Wiedergeburt“ noch nicht: Vor kurzem wurde die Leitung der deutschen Gesellschaft der Region Atyrau dem Ölförderungsingenieur und Motorradfahrer Oleg Schmal anvertraut.

Familiäre Werte

Der Name Schmal ist im Gebiet Atyrau bekannt. Der Vater des gegenwärtigen Vorsitzenden, Iosif Iosifowitsch ist ein angesehener Mensch und Leiter einer Firma zur Ölförderung.

– Wir haben eine große Familie, wir halten alle zusammen, so wie es uns der Großvater und Urgroßvater beigebracht haben. Wir bewahren die Familiengeschichte, um sie an unsere Kinder weiterzugeben. – sagt Oleg.

Im Jahr 1941 wurden der Urgroßvater Iwan Michajlowitsch Schal und die Großmutter Anna Aleksandrowna (Zejwald) zusammen mit den Kindern nach Sibirien deportiert. Das raue Klima im Dorf Tymsk und die harten Bedingungen in der der Kommandantur unterstehenden Siedlung waren eine harte Bewährungsprobe für die Neuankömmlinge. Unter der Kommandantur abreiteten sie bis ins Jahr 1957. Erst nach dem Tod Stalins erhielt die Familie Schmal ihre Pässe zurück und die Erlaubnis, ohne das Recht auf Rückkehr in die Heimat zu gehen. Die Neulandgewinnung begann und die Böden des Altaigebietes lockten mit Freiheit. Dahin gingen sie. Dort, in der Region Altai, im Dorf Tabuny, hat Zinaida Schmal ihren Sohn Oleg geboren, aber da die junge Mutter sofort nach der Geburt nach Pawlodar ging, wurde das Kind bereits in Pawlodar registriert.

Der Vater von Oleg kam nach der Schule nach Kasachstan, ging auf die Industriehochschule Pawlodar. Nach dem Abschluss wurde er nach Mangyschlak verwiesen, wo er als Handwerker in einer Maschinenwerkstadt arbeitete, später wechselte er in die Komsomol- und Parteiarbeit, und seit 1989 leitete er die sozialökonomische Abteilung des Gebietskommittees der Partei Gurjewsk.

Nachdem Kasachstan die Unabhängigkeit erlangte, organisierte Iosif Schmal ein Unternehmen, welches später als eines der ersten im Land eine Lizenz zur Ölförderung erhielt.

Zum lernen ist es nie zu spät

Seit der frühesten Kindheit entwickelte sich Oleg zu einem wissbegierigen Jungen, er las viel, ging in Gruppen, Zirkeln, Sportabteilungen. Er war der älteste der Pionierabteilung der Schule, Vorsitzende der Komsomolzelle, und wer weiß, wohin ihn das Schicksal gebracht hätte, wäre nicht das Jahr 1991 gewesen. Er ging auf die polytechnische Hochschule, hat die Ausbildung abgebrochen, er ging weg, um Wissen in den USA zu erwerben. Er kam zurück, erhielt den Hochschulabschluss im Fachbereich „Ökonomie und Management in der Wirtschaft“, ging anschließend auf die polytechnische Hochschule für Öl und Gas Atyrau. Parallel dazu arbeitete er in den größten Ölförderbetrieben der Region. Er erhielt eine gute Berufserfahrung. Seit 2004 arbeitet er im Unternehmen des Vaters.

Immer in der Nähe

– Die Gesellschaft der Deutschen ist mir nicht fremd. Im Jahr 1997 war ich einer ihrer Organisatoren, half, habe versucht, nützlich zu sein. Als sich Aleksandr Fillipowitsch Dumler dazu entschied, in Rente zu gehen, wurde ich in einer allgemeinen Versammlung ausgewählt, und das war der Beginn von etwas neuem in meinem Leben, – erzählt Oleg Schmal mit Begeisterung.

Die Position in der Funktion des Vorsitzenden ist eine Herausforderung für mich selbst. Eine neue Schule des Lebens und der Erfahrung:

– In diesem Jahr begehen wir das Jubiläum von „Wiedergeburt“. Der Anfang der 90er Jahre war eine schwierige Zeit, und in dieser Zeit hat die Gesellschaft vielen Deutschen geholfen, ihr Leben zu ordnen. Einige gingen, andere haben sich zusammengeschlossen und Antworten auf aufwühlende Fragen bekommen. Im Land blieben die, die Kasachstan als ihr Heim angesehen haben. Das bedeutet, dass die Gesellschaft und die Stiftung „Kasachstanische Vereinigung der Deutschen „Wiedergeburt“ mit der Zeit auf die Beine kommen musste, sich entwickeln mussten. Es sollte eine Umgebung des gegenseitigen Verständnisses geschaffen werden, wo die Menschen sich gegenseitig helfen, eine Arbeit zu finden, ein Geschäft voranzubringen. Die Diaspora bleibt nur spannend, wenn sie sich nach vorne bewegt.

Bis heute sind circa 400 Deutsche im Gebiet Atyrau geblieben, unter ihnen viele ältere Menschen. Es ist schwierig, die Arbeit der Gesellschaft in Bewegung zu bringen, aber es ist durchaus möglich. Es gab einen Misserfolg zwischen Schülern und Pensionären. Diese Fehleinschätzung versuchen wir, zu beheben. Niemand ist niemandem etwas schuldig, aber wir bewegen uns fort zu einem gemeinsamen Ziel. Je weiter wir gehen, desto deutlicher zeichnet sich der Horizont ab. Und der könnte anders aussehen als zu Beginn der Reise. Vor uns eröffnen sich neue Perspektiven. Es ist wichtig zu verstehen, dass die Menschen verschiedene Wege gehen, um an ihre Ziele zu gelangen. Wir suchen uns unsere eigenen, und werden sie auf jeden Fall finden, – reflektiert Oleg Schmal.

Dies ist kein Hobby, sondern ein Zustand der Seele

 Neben der Hauptarbeit gibt es auch ein Hobby. Die Sprache ist vom Motorradclub „Wheels Brothers“, zu deren Organisator und Leiter Oleg wurde. In den sieben Jahren seiner Existenz wurde er zu einem der größten in Kasachstan. Das größte und ungewöhnlichste Projekt, das von der Vereinigung verwirklicht wurde, ist die Motorradrundfahrt „Mein Land“. Die Teilnehmer der Rundfahrt haben mehr als 50.000 Kilometer in Kasachstan zurückgelegt und mehr als 90 Tage auf der Straße verbracht. Die erste Rundfahrt fand im Jahr 2014 im Rahmen des Projekts „Менің Елім – Mein Land“ statt. Das Ziel der Expedition ist, Fahrtrouten zu kreieren, um zu ermöglichen, die historischen Orte Kasachstans kennenzulernen. Dies ist ein echter Beitrag zur Entwicklung des Öko-, Bildungs, Erlebnis, und Extremtourismus.

– Der Club  – das ist das Leben, welches brodelt und nicht müde wird. Wir planen eine internationale Motorradtour mit dem Namen „Auf den Spuren der Vorfahren“. Die Idee basiert auf der Erschließung der längsten Route der Neuen Seidenstraße aus China bis nach Westeuropa mit dem Besuch der sakralen Orte Kasachstans. Die Strecke beträgt circa 12.000 Kilometer. Das Ziel des Projekts ist es, vom spirituellen Reichtum, der modernen Entwicklung und der ethnisch-kulturellen Einheit der Völker unseres unabhängigen Heimatlandes zu erzählen. SO etwas hat vor uns noch niemand gemacht. Ob es uns gelingt, unsere Idee zu verwirklichen oder nicht, wird die Zeit zeigen, aber wir werden es anstreben, – versichert Oleg Schmal.

Dmitrij Schinarenko

Übersetzung: Philipp Dippl

„Europa leben- Wandel gestalten!“

Das Jugendcamp wird vom 30.07.2019 bis zum 11.08.2019 in der Casa Jakab Antal durchgeführt.
Das Programm des Sommercamps besteht aus Sprachunterricht in Projektform und Workshops zur Vermittlung methodischer und inhaltlicher Fertigkeiten und Kompetenzen.
Teilnahmebedingungen: Jugendliche im Alter von 14 bis 17 Jahren; Deutschkenntnissen mindestens der Niveaustufe A2; Teilnehmerbetrag: 100,00 EUR pro Teilnehmer/-in.
BewerberInnen aus Kasachstan (3 Plätze + 1 Begleitperson) und Kirgisistan (3 Plätze + 1 Begleitperson).
Jugendliche können sich bis zum 20.04.2019 bewerben.
Goethe-Institut Kasachstan, Bejbitschilik-Str. 8, 010000 Astana, Kasachstan, Tel: +7 7172 571240, Email: Svetlana.Umirova.extern@goethe.de

Übersetzung: Philipp Dippl

Es gibt jemanden, um den man sich kümmern muss und auf den man sich in seinen Sorgen verlassen kann

Mehr als 700 Repräsentanten der deutschen Ethnie leben unter dem Dach des Zentrums für Sozialleistungen (ZSU) der Gesellschaft der Deutschen „Wiedergeburt“ der Hauptstadt. Darüber berichtete ihr Koordinator Elena Schwarz unserem Korrespondenten. Zwei Mal in der Woche kommen zehn bis zwölf Menschen in das deutsche Kulturzentrum, ziehen Sportklamotten an, nehmen spezielle Stöcke in die Hand und begeben sich in den nächsten Park. Dies ist die Sektion des Nordic Walking. Unter den Trainierenden sind Menschen der unterschiedlichsten Altersgruppen und Biografien. Die aktivste Teilnehmerin des Marsches ist Aleksandra Korotkowa, die vor kurzem 90 (!) Jahre alt wurde. Die jüngste der Gruppe ist Olga Root (sie ist fast halb so alt). Aber mit den Veteranen mithalten schafft nicht jeder. Bewegung, frische Luft, Kommunikation – das ist die größte Belohnung für die Teilnehmer dieser Ausflüge.

Auf der Liste Angelegenheiten und Anliegen des ZSU stehen auch eher prosaische, aber nicht weniger wertvolle Dinge. Vor mir liegt eine Liste der Arbeit mit den Begünstigten: Invaliden, Rehabilitierte, Arme, kinderreiche Familien… Die Zahlen sind unterschiedlich, aber jeder von ihnen ist Mensch. Die Grafiken von Arbeitslosen, Waisenkindern, Invaliden und Menschen in Pflegeheimen sind mit Nullen gefüllt. Das heißt, es sieht alles gar nicht mal so schlecht aus.

Und welche Wohltaten erhalten die Deutschen kostenlos von der Stiftung „Wiedergeburt“?

Zwei Mal im Jahr begibt sich vom Büro der Regionalgesellschaft der Hauptstadt ein Personenwagen „Chevrolet“ auf die lange Reise, bis zur Decke vollgeladen mit Lebensmitteln für den täglichen Bedarf. Das ist Zucker, Pflanzenfett, Gretschka, Nudeln, Reis oder Tee. Neben den Bewohnern der Hauptstadt betreut das ZSU Landsleute, die in den Kreisen des Gebietes leben. Derer gibt es acht: Arschalinsk, Akkul, Astrachan, Ermentau, Egendykol, Kurgaldschinsk, Zelinograd und Schotandinsk. Und wo man die stadtnahen Kreise in zwei Stunden erreichen kann, so dauert die Fahrt in die entfernteren den ganzen Tag. In Akkul und Erejmentau gibt es eigenen Zweigstellen, die von Olesja Sejwald und Nina Kuznetzowa geleitet werden: sie benachrichtigen über die Ankunft der Lebensmittellieferungen, treffen und begleiten die Transporte aus der Hauptstadt.

Außerdem gibt die Gesellschaft für die Prozente der Bankkonten Kranken mit chronischen Krankheiten Ausgleichszahlungen für Medizin, die in der Apotheke gekauft wurde. Ebenso arbeitet das ZSU der Hauptstadt erfolgreich mit der Zahnklinik AZAT-DENTEC zusammen. Die Repräsentanten der deutschen Gesellschaft erhalten hier ermäßigten Zahnersatz und andere Hilfeleistungen.

Die Akademie für Senioren

Ebenso geheimnisvoll sind die Gruppenfahrten für die Arbeitsveteranen in das erstklassige Kurheim „Zhumbaktas“ gekennzeichnet, welches sich auf dem Gebiet des bekannten Kurortes Burabaj befindet. Zuerst waren dies übliche Kuraufenthalte. Heute wird nur noch der Vormittag zur Stärkung der Gesundheit aufgebracht. In der zweiten Tageshälfte finden Deutschkurse, Computerkurse und Informationsveranstaltung zum Kennenlernen der Traditionen und Bräuche der deutschen Ethnie statt. An den letzten Fahrten nahmen auch Jugendliche und Kinder teil – und es gab keinerlei Auseinandersetzungen zwischen den Generationen. Ganz im Gegenteil konnte man demonstrativ gegenseitige Wertschätzung und rührende Fürsorge füreinander beobachten. Übrigens gehen die Computerkurse im Stadtbüro weiter: Die Großmütter und Großväter meistern eifrig den Umgang mit den Notebooks, die speziell zur Erfüllung dieser Aufgabe angeschafft wurden.

Wenn man die schmalen Korridore des früheren Kindergartens entlang läuft, hört man hinter den Türen der kleinen Zimmer und Lehrsäle, wie eine Kinderstimme fleißig eine bekannte Melodie aus der deutschen Folklore summt… Und hier werden die Zahlenwörter wiederholt. Und dort ist Stille: Mit den Computern wird durch Kopfhörer kommuniziert… Aber an manchen Tagen der Woche klingen durch das ganze Büro die Lieder unserer Omas aus der Gesangsgruppe „Späte Blumen“. Dann ist es hier lustig, aber auch etwas traurig, weil man nur schwer die erste Spalte des Berichts vergessen kann. In ihr stehen nur zwei Ziffern: 3 + 1 Witwe eines Arbeitssoldaten. Nennen wir die Arbeitssoldaten beim Namen: Rudolf Zelmer (96 Jahre), Iwan Friz (95 Jahre), Lilija Tajchreb (95 Jahre).

Insgesamt leben in der Hauptstadt und den bereits genannten Kreisen mehr als 17.000 Repräsentanten der deutschen Ethnie. Und das bedeutet, dass es für die Stiftung „Wiedergeburt“ jemanden gibt, um den sie sich kümmern muss, und auf den man sich mit seinen Sorgen verlassen kann.

Walerij Schewalje

Übersetzung: Philipp Dippl

Kultur spielend leicht kennenlernen

Michail Wiktorowitsch Tejfel ist der Präsident des Verbandes des Tischspielsports der Stadt Almaty,  Schiedsrichter auf überregionaler Ebene im Tischspielsport der Russischen Föderation und Deutscher väterlicherseits. Sein Hobby seit der Kindheit ist der Radiofunkverkehr. Sein Hobby hat er zum Beruf gemacht und so ist er bereits seit acht Jahren Generaldirektor der TOO „RadioTelecommunicationCompany“, welche die Belieferung von professioneller Radiofunkausrüstung und die Telekommunikation führender Unternehmen in Japan, China und Russland bereitstellt.

– Michail Wiktorowitsch, erzählen Sie mir ein bisschen was über sich selbst.

 – Seit meiner Kindheit war mein Hobby die Funktechnik. Schon in der 7. oder 8, Klasse habe ich angefangen, Sachen zu löten und zusammenzubauen. Zu dieser Zeit habe ich einen der bekanntesten Funkfan Kasachstans kennengelernt – Gennadi Chonin. Mich hat alles interessiert, was mit der Welt der Radiotechnik zusammenhängt, in meiner Freizeit habe ich Radioempfänger und Funksender gebaut, habe mit verschiedenen Antennen experimentiert, an Wettbewerben teilgenommen und in allen Einzelheiten sämtliche Details in diesem Bereich studiert.

Dieses Hobby hat mich mein ganzes Leben begleitet, lediglich die Ausstattung und die technischen Möglichkeiten haben sich geändert. So bin ich trotz meiner Sehschwäche mein Hobby mit dem Traum von der Luftfahrt vereint und bin auf das Institut für staatliche Luftfahrtingenieure nach Riga in die Fakultät für radioelektronische Ausrüstung für Flughäfen gegangen. In unserem Institut gab es eine gemeinschaftliche Amateurradiostation, wo wir unsere erlernten Kenntnisse in der Praxis konnten. Nach fast sechs Jahren der Ausbildung habe ich den sehnlichst gewünschten Fachberuf erlangt – Funkgenieur. In meiner Kompetenz lag alles, was mit den Landesystemen, mit Radar und der Funknavigation am Flughafen zusammenhing.

Ich habe im vierten Lehrjahr, im Jahr 1984, geheiratet, und noch dort in Riga wurde unser Sohn Sergej geboren. Im Jahr 1987 kam ich durch Zuteilung in das vereinte Luftgeschwader Uralsk, wo ich drei Jahre als leitender Ingenieur MWL (lokale Luftlinien) arbeitete und eine kolossale Erfahrung erlangte.

Der Funk ist für mich Eintauchen in einen Raum, der sich von unserem Leben völlig unterscheidet. Mit Hilfe von Radiowellen kann man mit jedem beliebigen Land auf unserer Erde in Kontakt treten,  man braucht dazu lediglich eine Funkstation und eine Antenne … keinerlei Drähte. Außerdem ist es für mich ein Sport. Ich nehme regelmäßig an verschiedenen Wettkämpfen teil: Ich habe eine goldene und vier Bronzemedaillen in Radiofunkmeisterschaften der Republik Kasachstan gewonnen, einige habe ich in internationalen Wettkämpfen erlangt.

 – Was hat Sie dazu motiviert, sich mit dem Erlernen und der Herstellung von Tischspielen zu beschäftigen? Sind die denn populär?

–  Ich habe diese Spiele in Lettland kennengelernt. Vor dem ersten Semester sind wir in eine Kolchose geschickt worden, um Kartoffeln zu ernten. Aus der ganzen Union kamen fremde Kerle, die sich langsam gegenseitig kennenlernten, so entstanden jahrzehntelange Freundschaften. Interessanterweise war kein einziger Lette unter ihnen. Wir wurden im örtlichen Haus der Kultur untergebracht. Vor der großen Leinwand des Kinos standen unsere Betten, irgendwo dort sah ich diesen ungewöhnlichen Tisch: Ein Meter auf ein Meter, vier Löcher und Flache Spielsteine. Das war „Novuss“, ein lettisches Spiel, welches im Jahr 1925 als Sport anerkannt wurde. Es kam ursprünglich aus Indien mit dem Namen „Karrum“, im Spielverlauf mussten die Teilnehmer die Spielscheiben mit schwupps in die Löcher schießen. Seemänner haben den Tisch vergrößert, Billardstöcke hinzugefügt und als Resultat „Novuss“ erhalten. Das Spiel wird auch oft „Seemannsbillard“ wegen den flachen Scheiben anstatt runder Kugeln, die sich bei starkem Seegang nicht wegbewegen, genannt.

In den Jahren 1981 bis 1987 erlebte das Spiel den Höhepunkt seiner Popularität. „Novuss“ konnte man überall finden, so wie die Tischtennisplatte in meiner Heimat Kasachstan. Die Regeln waren wirklich einfach, heute füllen die Nuancen und Feinheiten des Spielverlaufs 24 Seiten. Bei der Rückkehr nach Kasachstan geriet das Spiel in Vergessenheit, und erst im Jahr 2004 habe ich den Hausnachbarn über mein früheres Hobby erzählt. Was war ich überrascht, als mir meine Kinder vor ein paar Jahren zum Geburtstag genau dieses Spiel aus meiner Studentenzeit schenkten. So habe ich dank der Unterstützung meiner Familie mein Interesse zu dem Spiel neu entwickelt, habe den Präsidenten des „Novuss“-Verbandes in Sankt Petersburg kennengelernt. Er hat mir die Regeln geschickt, und im verlauf des Gesprächs entfachte in uns die Idee, das Spiel in Kasachstan bekannt zu machen. Zusammen starteten wir die Herstellung und brachten 19 Spieltische verschiedener Spiele nach Kasachstan. Das Interesse war riesig, etwas neues begeistert doch immer. Sowohl Kinder als auch Erwachsene vergessen ihre Telefone und Gadgets. Die Spiele garantieren lebendige Diskussionen und positive Eindrücke.

– Ihre Familienschöpfung – der Kinderspielclub „Balalaroom“. Wie hat alles angefangen?

 – Ich war hingerissen von der Idee, die Benutzung von Smartphones zu minimieren und familiäre Werte zurückzubringen, wir haben uns dazu entschlossen, an dem Projekt zur Unterstützung junger Unternehmer „Bau dein Business auf“ der Stiftung „Sabi“ teilzunehmen. Die Bewerbung hat mein ältester Sohn Sergej eingereicht. Zuerst kam unser Projekt unter die acht Finalisten, und wir haben eine Förderung erhalten – 20.000 Dollar zur Entwicklung des Geschäfts.

Alle haben sich zu Tode geschuftet: wir haben eine Halle gemietet, Ausrüstung hergeschafft, gelernt, die Spiele der Völker der Welt herzustellen und dies angestellten Handwerkern beigebracht. Mit der Kraft des ganzen Teams haben wir 40 Spieltische hergestellt und uns dazu entschieden, den Kinderspielclub „Balalaroom“ zu eröffnen. Wir haben eine geeignete Räumlichkeit gefunden und angefangen, uns zu entfalten, wir haben Wohltätigkeitsaktionen veranstaltet. Mehr und mehr Besucher kamen, unter ihnen auch Kinder mit Einschränkungen.

Wir haben alles kostenlos gestaltet, aber die Miete und andere Ausgaben haben uns dazu gezwungen, zum Kommerz zurückzukehren. Wir haben verschiedene Varianten durchprobiert und uns dazu entschieden, eine ausländische Praxis zu übernehmen – „Paywhatyouwant“ („Bezahle soviel du willst“). Schritt für Schritt kam das Geschäft in Gang, wir haben angefangen, Feste und Geburtstage zu feiern. Mann musste sich vorher anmelden. Und plötzlich kam es wie ein Donnerschlag aus dem Himmel: „Das Gebäude ist verkauft“. Also haben wir alles, was dort war, nach Hause geschafft und die Leute entlassen…

– Wie bekannt ist, betreiben Sie wohltätige Projekte…

. Als wir alle Spiele abgeholt haben, blieb eine Frage – wohin können wir sie bringen? Die Kinder mit Einschränkungen haben mit großem Vergnügen bei uns gespielt, die Übungen haben ihnen Freude gebracht und hatten einen positiven Einfluss auf ihr Wohlbefinden. Also haben wir entschieden, die Spiele an Kinderinternate und Behindertenheime zu geben.

Im Moment arbeite ich mit den Stiftungen „ehrenamtliche Gesellschaft „Barmherzigkeit“ (DOM), „Autismus besiegen“, mit Internaten für Taube und für Kinder mit Sprachstörungen und Störungen des Bewegungsapparates, sowie mit dem Zentrum „RUCh“. Zwei bis drei Mal die Woche gebe ich Unterricht. Mir gefällt die wohltätige Arbeit, besonders motivieren mich die Reaktionen in Form von Lächeln und Erfolgen meiner Zöglinge, für die das, was sie jetzt schaffen, bis dahin unmöglich erschien.

– Ihre Tätigkeit bringt den Kindern mit Einschränkungen nicht nur Freude, sondern spürbare Nutzen. Gibt es denn konkrete Beispiele ihrer Genesung?

 – Ich bin kein Spezialist vom medizinischen Standpunkt aus, aber an meine Beobachtungen anknüpfend kann ich sagen, dass es Erfolge gibt. Als ich gerade erst kam, konnten die Kinder die Spielsteine nicht nehmen, jetzt können sie sie festhalten und ins Ziel treffen. Sie haben gelernt, die Punkte zu zählen, was sie ebenfalls früher nicht konnten. Das Spiel motiviert die Jugendlichen.

Die Kinder mit einer Verletzung des Bewegungsapparates, die nicht die physischen Möglichkeiten zum spielen haben, versuchen, den Billardschläger zu nehmen und zu spielen zu beginnen, und ich helfe ihnen dabei, passe das Spiel an die konkreten Voraussetzungen an. So hat sich beispielsweise ein Kind mit nur einem Arm für das Spiel „Novuss“ interessiert, aber für das Spiel braucht man leider den zweiten, den stützenden Arm. Wir haben versucht, einen Lösungsweg zu finden und haben uns so etwas wie eine Klammer ausgedacht, die man wie eine Stütze verwenden kann.

Ich führe immer den Fall als Beispiel an, als sich auf einer Ausstellung unserer Spiele in einem der Kinderzentren ein Mädchen mit Zerebralparese für ein Spiel interessierte, sie stand auf und ging 5 oder 7 Meter, zur großen Überraschung und Begeisterung der Mutter… So eine große Motivation kommt in den Kindern auf, wenn sie solche Spiele sehen.

– Sie haben mit einem Spiel aus dem fernen Lettland angefangen, jetzt begeistern Sie mit Tischspielen der Völker der Welt. Welches Potential besitzt die deutsche Ethnie in der Entwicklung dieser Bewegung, sehen sie Perspektiven zu einer Zusammenarbeit?

– Wir haben Spiele aus Holland, Israel, Kanada, den Vereinigten Staaten von Amerika, Italien und Frankreich erlernt und nachgebildet. Die größte Anzahl an für uns interessanten Vorbildern haben wir in England gefunden, so sehr wir uns allerdings bemüht haben, solche Spiele in Deutschland zu finden, waren unsere Versuche nicht von Erfolg gekrönt. Es gab leider niemanden, der mir die Traditionen der deutschen Ethnie vermitteln konnte, aber wir wären sehr glücklich und dankbar über jegliche Information über großflächige deutsche Spiele und würden mit Freude ihre Entwicklung und Verbreitung in Kasachstan übernehmen. Denn auf welche Weise kann man die Kultur eines Landes kennenlernen? Ohne Zweifel durch ein Spiel!

Interview: Anastasija Koroljewa

Übersetzung: Philipp Dippl

„Tschüss, Plastik! Hallo, Stofftaschen!“

„Tschüss, Plastik! Hallo, Stofftaschen!“ ist eines der besonderen Projekte, welches unvergessliche Spuren in den Herzen und Seelen von jedem Teilnehmer hinterlassen hat. Alles begann mit einem Anruf von Olga Stein: „Taras, wollt Ihr an einem Seminar teilnehmen?“ So bekamen wir Informationen zum Ablauf. Das war der Beginn, nach dem uns niemand mehr stoppen konnte.

Zuerst wurde in allen Gruppen von dem Projekt erzählt, die Lehrerinnen in den Schulen wurden angerufen, mit den Kolleginnen in der Hochschule wurde gesprochen, dann wurde eine Liste der Teilnehmer zusammengestellt. Diese Liste wuchs mit jedem Tag, so dass wir Angst hatten, dass die Stofftaschen nicht reichen würden. Das hätte passieren können, aber Lukas Netter, der Sprachassistent vom SLZ Kostanaj, der im Rahmen des Projektes „Förderung der deutschen Minderheit“ im Auftrag des Goethe-Instituts Kasachstans dieses Projekt durchführte, hat uns gerettet, so dass wir noch 50 Stoffbeutel mehr bekommen haben! Und dann ….

2 Wochen Vorbereitung vergingen. Unsere Teilnehmer waren nicht aufzuhalten, ihre blühende Kreativität und Fantasie waren nicht nur erstaunlich, sondern auch ansteckend. Rund um die Uhr kamen Ideen und gab es Diskussionen. Eine der Teilnehmerinnen, Nelli Ssafin, schlug vor, ein Puzzle aus den Taschen zu konstruieren, so dass jede Tasche einen Teil von einem Bild enthält. Für einige Zeit herrschte in unserer Whatsapp-Chat eine ungewöhnliche Stille… Wir „verdauten“ die Idee… Und dann gab es eine Explosion von Vorschlägen und Emotionen! Was für ein Bild könnte das sein? In welcher Farbe? Mit wie vielen Taschen machen wir das? Mit allen oder sollen die Kinder vom Kinderklub „Edelweiß“ eigene Bilder haben? Machen wir Slogans? – diese Frage führte zu neuen Diskussionen. Jeden Tag wurden neue und neue Sprüche geboren: „Stofftasche, sei mit, Plastiktüte lieber nicht!“, „Mensch, bei dem Einkaufen denk sofort an Verpackungshaufen!“, „Ich bin kein Plastik, bin Textil! Ökosicherheit – mein Stil!“, „Der Plastiktüte sage „Nein!“! Öko-Tasche muss da sein!“, und noch viele mehr… Das war eine neue Linie im Projekt: deutsche Sprache in voller Schönheit, das gab dem Projekt neue Schattierungen.

Wir warteten ungeduldig auf Lukas Netter und auf das Seminar, obwohl wir auch viel zu tun hatten: ein Bild für das Puzzle auswählen, die Räume für den Workshop vorbereiten, Schablonen für die jüngeren Teilnehmer herstellen usw.

Das Bild… Wir haben viel gelesen und lange recherchiert, bevor wir ein Bild ausgewählt haben. Wussten Sie, dass mehr als jede zweite kleine Schildkröte Plastik im Magen hat? Das war eine schockierende Information, die niemanden in unserem Team kalt gelassen hat. Und endlich ist der Tag gekommen. Lukas Netter unterstützte jede unserer Initiativen, half jedem der Teilnehmer, machte mit. Es ist wirklich erstaunlich, wie viel er im Laufe von drei Tagen gemacht hat: er besuchte den Sprachkurs, traf sich mit den Studenten, half beim Karneval im Vorschulzentrum „Wunderkind“, machte Videos mit den Jugendlichen, diskutierte mit den Schülern von der Schule des Fakultativunterrichtes…. Das war eine sehr angenehme und interessante Bekanntschaft und eine sehr produktive Zusammenarbeit!

Der Work-Shop verflog wie in einer Minute. Nach der Präsentation über Plastikschaden bildeten wir drei Teams: „Schildkröte“, „Slogans-Fans“ und „freie Künstler“. Es gab sogar Familien, die mit ihren Kindern zusammen etwas gemalt hatten. Eine unbeschreibliche Atmosphäre herrschte in unserem Büro. Man hörte Deutsch, deutsche Lieder, Lachen… Lukas half an jedem Tisch, betreute jede Gruppe. Nach etwa drei Stunden waren wir fertig. Die Fotos können vielleicht unsere Stimmung nicht herüberbringen, aber man sieht die Leute, die nach diesem Seminar etwas anders geworden sind. Umweltfreundlicher? – Eindeutig! Freunde geworden? – Zweifellos! Wird man sie öfter bei uns im Büro sehen? – Bestimmt!

Das Projekt läuft weiter. Wir machen Fotos mit unseren Stofftaschen, denken uns neue Themen für sie aus und lachen miteinander bei den Treffen, so, wie es alle Leute machen, die etwas gemeinsam erlebt haben.

Irina Gilinskaja

Übersetzung: Philipp Dippl

Von den Sowjetdeutschen zu den Kasachstandeutschen

Es war ein Ereignis, das Hoffnungen weckte: Am 29. März 1989 wurde die Unionsgesellschaft der Sowjetdeutschen „Wiedergeburt“ gegründet. Es war nicht nur der erste landesweite Verband der deutschen Minderheit in der Sowjetunion, es war die erste Organisation in der UdSSR überhaupt, der eine nationale Zugehörigkeit zugrunde lag.

Die Gründung der Gesellschaft war ein weiterer Schritt zur erhofften Wiederherstellung der wolgadeutschen Autonomie in der Sowjetunion und erfolgte parallel zu einer entstehenden Emigrationsbewegung: Allein zwischen 1987 bis 1991 verließen 450.000 Deutsche die Sowjetunion in Richtung „historische Heimat“. Sie wollten auch aufgrund der sich verschlechternden wirtschaftlichen Lage die Rehabilitation nicht abwarten. Nach dem Zerfall der Sowjetunion siedelten bis Mitte der 2000er Jahre weitere 1,8 Millionen Russlanddeutsche aus den postsowjetischen Staaten nach Deutschland aus.

Der Anfang vom Ende

Erste deutsche Siedler kamen bereits seit dem 14. Jahrhundert nach Russland. Seit der Machtübernahme von Katharina der Großen 1762, die selbst aus Preußen stammte, erfolgte eine massenhafte Ansiedlung deutscher Kolonisten in verschiedenen Regionen des Russischen Imperiums – vor allem in der Wolga-Region, am nördlichen Schwarzmeer, im Kaukasus und in der Nähe von St. Petersburg. Im ausgehenden 19. Jahrhundert zogen die Nachkommen der Kolonisten in den Nordkaukasus, den Süd-Ural, nach Sibirien, Kasachstan und Zentralasien weiter.

Nach der Machtübernahme der Bolschewiki spielten die Deutschen eine besondere Rolle in den Plänen von Lenin und Stalin. Die Gründung der Arbeitskommune der Wolgadeutschen erfolgte am 19. Oktober 1918. Es entstand in den heutigen russischen Oblasten Saratow und Wolgograd das erste deutschsprachige Gemeinwesen. Basierend auf der Grundlage einer radikal-sozialistischen Ideologie sollte sie den Kommunismus auch ins Deutsche Reich weitertragen.

Aus der Arbeitskommune wurde 1924 eine Autonome Sozialistische Sowjetrepublik (ASSR), deren Hauptstadt Engels hieß und in der Deutsch die Amtssprache war. Etwa 370.000 Deutsche lebten in der ASSR und machten so etwa Zweidrittel der dortigen Bevölkerung aus. Die Autonomie führte zu einer Konsolidierung der deutschen Sprache und Kultur in der Sowjetunion.

Das Ende des wolgadeutschen Kulturerbes kam in Raten. Die Machtergreifung Hitlers in Deutschland 1933 schürte das Misstrauen der sowjetischen Machthaber in die deutsche Bevölkerung. Es folgten erste Säuberungswellen, und im September und Oktober 1941 wurden innerhalb von sechs Wochen fast alle Deutschen deportiert und die Wolgadeutsche Republik aufgelöst. Der Historiker Edwin Warkentin fasst die Bedeutung der Wolgadeutschen Autonomie so zusammen: „Was 1918 mit verheißungsvollen Versprechungen der bolschewistischen Revolutionsführer begann, war, im Nachhinein betrachtet, bereits das Ende auf Raten eines fast 200-jährigen wolgadeutschen sowie russlanddeutschen Kulturerbes in Russland.“

Anzahl der deutschen Bevölkerung im Russischen Imperium und in der UdSSR (nach Angaben der Volkszählung in Tausend Personen)

Verstärkte Organisation der Deutschen

Nach dem Tod Stalins und im Zuge der Entstalinisierung erfolgte 1964 eine Teilrehabilitierung der Russlanddeutschen. Sie standen nicht mehr unter Generalverdacht, den sowjetischen Machthabern gegenüber illoyal zu sein. Doch die Deutschen wollten mehr: Unter Führung von Schriftstellern und überlebenden Funktionären der Wolgadeutschen ASSR forderten sie die Wiederherstellung eben dieser. Dabei betonten sie nicht ihre Treue zum Sowjetsystem. Ihnen ging es vor allem um die Gleichberechtigung mit anderen Sowjetbürgern.

Maßnahmen wurden vor allem in der Kasachischen SSR getroffen: 1964 begann das Rundfunk- und Fernsehstudio Karaganda einmal im Monat in deutscher Sprache zu senden. Ab 1966 erschien in Zelinograd die deutschsprachige Zeitung „Freundschaft“, und im in Alma-Ata ansässigen Verlag „Kasachstan“ wurde eine deutsche Abteilung eingerichtet.

Doch vor allem die Aussicht auf eine Ausreise in die Bundesrepublik oder die DDR im Rahmen von Familienzusammenführungen nutzen die Sowjetdeutschen, um Druck auszuüben. Sie organisierten eine unionsweite informelle Bürgerinitiative und führten Sitzstreiks in Moskau und Tallinn durch. 1973 gab es kleinere Demonstrationen in Karaganda, Issyk und Rudny.

Proteste gegen ein autonomes Gebiet

Um die deutsche Bevölkerung zu befrieden, schlug eine Kommission tatsächlich vor, ein deutsches Autonomes Gebiet zu gründen, dessen Zentrum Jermentau sein sollte. Das Gebiet sollte aus fünf Regionen der benachbarten Gebiete Karaganda, Kokschetaw, Pawlodar und Zelinograd bestehen. Gegen diese Pläne stemmte sich allerdings die kasachische Bevölkerung, für die das Gebiet rund um Jermentau von großer religiöser und historischer Bedeutung ist. Vor allem junge Menschen gingen auf die Straße und demonstrierten im Juni 1979 gegen die Errichtung eines deutschen Autonomen Gebiets.

Die Kasachin Altynschasch Bejsembajewa erinnert sich: „Am Tag, an dem der Beschluss angenommen werden würde, hätte ich mich selbst angezündet. Ich wäre lieber gestorben als aufzugeben.“ Auch die Deutschen waren von der Idee nicht überzeugt, da sie keinen gleichwertigen Ersatz für die Wolgarepublik in dem Vorschlag sahen.

Ein anderer Punkt für das Selbstverständnis der Deutschen war die Sprache, die in den Nachkriegsjahren immer mehr an Bedeutung verlor. Gründe hierfür waren die Urbanisierung, die Entsendung von russischsprechenden Fachleuten in deutsche Siedlungen, interethnische Eheschließungen und fehlende Verwendungsmöglichkeiten im Beruf und im öffentlichen Leben. Bezeichneten 1979 noch 64,5 Prozent der Kasachstandeutschen Deutsch als Muttersprache, lag dieser Anteil zehn Jahre später nur noch bei 54,4 Prozent.

Zeit für eine kasachstandeutsche Identität

Die Gründung der „Wiedergeburt“ weckte 1989 zwar Hoffnungen, die allerdings nicht mehr erfüllt wurden. Die Gesellschaft ging im Juni 1991 im Internationalen Verband der deutschen Kultur (IVDK) auf, der mehr als 500 Organisationen in den ehemaligen Sowjetrepubliken vereint. Seit 1997 gibt es in der Russischen Föderation zudem die „Föderale Nationale Kulturautonomie der Russlanddeutschen“, die sich für eine vollständige Rehabilitation und die Wiederherstellung der wolgadeutschen Autonomie einsetzt. In Kasachstan heißt die Organisation der deutschen Minderheit noch immer „Wiedergeburt“. Bei der Volkszählung 2009 identifizierten sich noch etwa 180.000 Kasachstaner als Deutsche. Damals gaben 16 Prozent Deutsch als Muttersprache an.

Der Verband der Deutschen Kasachstans ist mittlerweile eine gesellschaftliche Stiftung und sitzt in Astana. 20 regionale Gesellschaften gibt es. In der ehemaligen Hauptstadt Almaty steht das „Deutsche Haus“. Früher saßen hier auch einmal deutsche Kulturmittlerorganisationen, wie zum Beispiel das Goethe-Institut. Nach wie vor gibt es zwar eine deutschsprachige Zeitung in Kasachstan, aber sowohl die deutschsprachige Fernsehsendung als auch das deutschsprachige Radioprogramm wurden eingestellt.

Wirtschaftlich werden die Kasachstandeutschen als Partner für Deutschland angesehen. Sie genießen nicht nur einen guten Ruf, sondern sind auch als Unternehmer tätig – insbesondere in der Landwirtschaft. Mit Unterstützung aus der Bundesrepublik wird versucht, die deutsche Kultur und Sprache soweit wie möglich am Leben zu erhalten. Aufgrund der Dreisprachenpolitik hat die Bedeutung des Deutschen in der Bildungslandschaft Kasachstans jedoch erheblich abgenommen, und tatsächlich sind es weniger die Kasachstandeutschen, die im Deutschunterricht die Nase vorn haben.

30 Jahre nach Gründung der „Wiedergeburt“ müssen sich die Deutschen in Kasachstan fragen, wie viel deutsche Kultur sie wirklich noch repräsentieren. Mit Dirndl und Lederhosen wird ein Klischee bedient, dass es auch in allen anderen Ländern auf der Welt gibt – ganz ohne Minderheit. Statt auf ein Deutschsein zu pochen, das auf „deutschem Blut“ und deutschen Vorfahren beruht, die vor Jahrhunderten an die Wolga und in andere Teile des Russischen Imperiums gekommen waren, wird es Zeit eine eigene kasachstandeutsche Identität zu entwickeln.

Übersetzung: Philipp Dippl

Das Gedenken der Menschen ist die höchste Anerkennung

Der alte Hase der Gesellschaft „Wiedergeburt“ Aktobe, Irina Tschupilko berät schon seit vielen Jahren die Deutschen ihrer Region. Sie füllt Dokumente aus, berät, verrät und erinnert sich in den freien Minuten daran, wie es früher war, an der Schwelle zur Unabhängigkeit.

In der Gesellschaft der Deutschen ist es selten still. Die Mädels hängen ununterbrochen über ihren Papieren, Berichten, Konsultationen. Die Mädels – das sind vier charmante Damen, eine schöner wie die andere. Jede hat ihre Arbeit. Inga ist die Vorsitzende der Gesellschaft, sie hält alles zusammen. Tantjana ist die Buchhalterin: Steuern, Bilanzen, Zahlen – keiner bewältigt diese Arbeit besser als sie. Elena ist die Koordinatorin der Sozialarbeit: sie hört zu, hilft, teilt den Großmüttern und Großvätern ihr Grundkontinent zu. Irina Borisowna ist die führende Spezialistin. Von ihr erzählen wir ein bisschen später.

– Ich kam in die Gesellschaft Mitte der 90er Jahre, als die zweite Welle der Spätaussiedler aufkam. Es waren so viele Leite, dass wir bis neun Uhr abends arbeiteten. Wir haben Dokumente ausgefüllt, versucht, so schnell wie möglich zu helfen, – erzählt meine Gesprächspartnerin bei einer Tasse starken, frisch gebrühten Kaffees.

Übrigens half insbesondere Kaffee, die Erschöpfung zu bewältigen. Heute ist dieses Getränk ein unverzichtbares Attribut der Gesellschaft. Mit ihm beginnt der Morgen für die Mitarbeiter. „Völlig entspannt soll man arbeiten, und keine Kaffeekränzchen abhalten!“ – hat irgendjemand gesagt und hat doch nicht recht. Dies ist so eine Tradition, die es in jedem Kollektiv geben sollte, damit die Arbeit in positiver Stimmung abläuft.

Übrigens ist die positive Stimmung das, was „Wiedergeburt“ Aktobe von anderen unterscheidet. Mit den Jahren verändern sich die Menschen, aber das Lächeln bleibt unverändert, die freundlichen Worte und die Freundlichkeit, mit der hier jedem begegnet wird, der hereinkommt. Ebenso wird Zielstrebigkeit und Enthusiasmus in heiliger Ehre gehalten. Vor zwei Jahrzehnten wollten viele Aktöbinsker Deutsch lernen. Einige Gruppen zählten mehr als dreißig Leute.

– Von unserer Seite gab es immer Unterstützung in der Spracharbeit. Bei uns arbeiteten großartige Lehrer, die meisterhaft mit den Wörtern umgingen. Zu den Pädagogen bildeten sich Schlangen – alle wollten nicht nur Deutsch lernen, sondern sich auf Literatursprache verständigen, – erinnert sich Irina Tschupilko.

In banger Erwartung warteten wir auf die Ankunft der Lehrer aus Deutschland. Als sie in die Schule Nr. 11 eingeladen wurden, haben sie nicht nur Wissen mitgebracht, sondern auch Literatur, die stetig den Bibliotheksbestand auffüllte. Die Kursteilnehmer überhäuften die Lehrer mit Fragen: das Leben in der historischen Heimat interessierte doch jeden.

Am Vorabend der Entstehung Kasachstans befand sich die Gesellschaft in einer kleinen Wohnung. „Eng, aber nicht übel“, – erzählten die Deutschen lachend. Übrigens gab es nie sehr viel Personal – üblicherweise drei bis vier Personen. Aber auch Freiwillige haben geholfen, sie haben einen großen Beitrag zur Entwicklung der Gesellschaft geleistet.

Kurz darauf prangte das Schild „Wiedergeburt“ an einem Büro des Hauses der Kultur der Chemiker, und bereits zu Beginn der zweitausender Jahre zog die Gesellschaft zusammen mit allem liebgewonnenen Hausrat in eine Wohnung im Stadtteil „Elektron“, wo man sie bis heute findet.

Der Herbst bleibt den Aktobinskern lange im Gedächtnis: In dieser Zeit des Jahres fanden die Tage der deutschen Kultur statt – ein originelles Festival, zu welchem die Kinder und Jugendliche aus den Kreisen des Gebietes kamen.

Der besondere Stolz ist der Jugendklub der „Nuller“. Die Vorsitzende ist Elena Obodinskaja. Die junge Frau schaffte es, ein super Team zusammenzubringen, alle kamen zu ihr, vertrauten ihr und unterstützten sie. Die Jugendlager, die interessanten Themenseminare, die Spiele und Wettbewerbe – das ist lediglich ein kleines Bröckelchen von dem, was es in 15 Jahren gab. Die Jugend „brannte“ und war der Antrieb für das deutsche Leben der Region.

– Der Chor „Veilchen“ ist heute ein Nationalchor, damals hat alles gerade erst angefangen. Er wurde schnell populär, und die Lieder der „Veilchen“ liebten viele. Die Deutschen aus Aktobe, die nach Deutschland gingen, hören sie noch immer an. Aber das Gedenken der Menschen ist die größte Anerkennung in unserer Arbeit, – stellt Irina Borisowna fest.

Jeden Tag finden neue Ereignisse in der Gesellschaft statt: Klienten kommen, Dokumente werden ausgefüllt, Kurse werden gehalten, Veranstaltungen werden geplant, und ständig verweilt man bei Kaffee, Professionalität und Wohlwollen.

Dmitrij Schinkarenko

Übersetzung: Philipp Dippl

„Ich bin seit dem ersten Tag aktives Mitglied von „Wiedergeburt“

Iwan Egorowitsch Sartison, Veteran der deutschen Nationalbewegung „Wiedergeburt“, Korrespondent bei „Neues Leben“ und „Freundschaft“.

 – Iwan Egorowitsch, wann haben Sie die Arbeit der Allunionsgesellschaft der sowjetischen Deutschen „Wiedergeburt“ kennengelernt?

– Ich bin seit dem ersten Tag aktives Mitglied von „Wiedergeburt“, seit dem Jahr 1989. Als ich in Almaty lebte, war ich im Vorstand unseres Kulturzentrums, welcher zu dieser Zeit von dem Redakteur der deutschen Zeitung „Freundschaft“ Konstantin Erlich geleitet wurde. Die nationale Thematik hat mich schon immer gereizt, ich habe versucht, genau diese Fragen auf den Seiten von „Neues Leben“ und „Freundschaft“ zu beleuchten.

– Was sind die Besonderheiten der deutschen Bewegung dieser Zeit?

– Zuallererst würde ich anmerken, dass die ganze Arbeit ehrenamtlich ablief. Die Leute haben uneigennützig zum Wohle ihres Volkes gearbeitet, ohne weder die private Zeit, noch private Mittel in Betracht zu ziehen. Zu dieser Zeit brannte das Problem der Emigration, wir haben praktisch mit jedem, der ging, geredet, haben versucht, zu helfen. Außerdem haben wir am Aufbau der regionalen Strukturen der Deutschen in ganz Kasachstan gearbeitet. Darin bestand zu dem Moment unsere Hauptaufgabe.

– Sie stehen an den Ursprüngen der nationalen Bewegung in Kasachstan, an welche strahlenden Momente erinnern Sie sich?

– Ich erinnere mich, wie ich auf Bitte von Wilhelm Tommi, einem Mitarbeiter des Gebietskommittees der Kommunistischen Partei, dabei mitgeholfen habe, die Gesellschaft der Deutschen im Gebiet Taldykorgan von Null ab aufzubauen. Wilhelm Tommi war gut vertraut mit der Arbeit unserer Gesellschaft in Almaty, er hat nicht ein Mal bei den Sitzungen gefehlt, deshalb hat er sich an mich gewendet mit der Bitte, eine ähnliche Struktur bei sich in der Region zu kreieren, wo er der erste Vorsitzende wurde.

Ebenso wollte ich die Tätigkeit der „Wiedergeburt-Bank“ erwähnen, die entstand, um in den verwegenen 90er Jahren  das Privateigentum der Deutschen zu schützen, die zur ständigen Niederlassung nach Deutschland gingen, ebenso um die Regionalgemeinschaften der Deutschen „Wiedergeburt“ zu unterstützen. Ich bin mit dem Leiter der Bank Wladimir Bekker zu den Vorsitzenden der Kolchosen und den Direktoren der Kolchosen gefahren. Die Bank wurde schnell sehr bekannt, von 72 Banken, die zu dieser Zeit bestanden, nahm „Wiedergeburt“ den 16. Platz ein. Leider existierte sie nur 4 Jahre lang, bis der Zufluss von Kapital abnahm.

– Am 25. August 1994 wurde in Almaty das Deutsche Haus eröffnet. Was bedeutete dieses Ereignis für die kasachstanischen Deutschen?

– Natürlich war dies ein bedeutsames Ereignis, dem viele Gäste beiwohnten, darunter Repräsentanten staatlicher Strukturen beider Länder – Kasachstan und Deutschland. Ich wurde eingeladen in der Funktion des Pressesekretärs der Gesellschaft der Deutschen Almaty. Nach der Eröffnung des Deutschen Hauses wurde die gesamte Arbeit zur Unterstützung der deutschen Minderheit völlig anders organisiert. Wo früher, wie ich schon gesagt hatte, alles auf öffentlicher Basis und privater Initiativen beruhte, begannen, jetzt durch die Unterstützung des Innenministeriums von Deutschland im Deutschen Haus festangestellte Mitarbeiter zu arbeiten, die festen Lohn erhielten. Schrittweise kam die Arbeit in Ordnung, es gab wenig, aber dafür professionelles Personal. Das Deutsche Haus wurde unterstützte viele: überall wurden Deutschkurse organisiert, Bedürftige erhielten medizinische und humanitäre Hilfe, fanden juristische Beratung. Mir bleibt die Visite des Oberhauptes unseres Staates Nursultan Nasarbaew und der Besuch von Roman Herzog, dem Bundespräsidenten Deutschlands gut im Gedächtnis.

– Welchen ihrer Mitarbeiter möchten Sie erwähnen?

– Zuallererst Wilhelm Tommi. Das war ein herausragender Mensch, der sich, ungeachtet dessen, dass er Parteimitglied war, immer an den Interessen der deutschen Ethnie erfreut und eng mit anderen ethnokulturellen Vereinigungen zusammengearbeitet hat. Eine nicht unbedeutende Rolle in der Bewegung der Deutschen Kasachstans spielten Eduard Airich, der verdiente Nationaltrainer der UdSSR, Gerold Belger, Schriftsteller und Übersetzer, und Adam Merz, Mitarbeiter des deutschen Radios.

– Iwan Egorowitsch, was wüschen Sie ihren Landsleuten zu diesem Jubiläumsjahr?

– Das allerwichtigste ist, das zu bewahren, was wir bis zum heutigen Tag erarbeitet haben und besitzen. Wir sind der Bundesregierung Deutschland für die langjährige Unterstützung der deutschen Minderheit in Kasachstan sehr dankbar. Unser Land ist heute zu neuen Kräften gekommen und wir müssen bereits an neuen Realitäten entsprechend den Anforderungen unserer Zeit arbeiten. In dieser Zeit ist schon viel passiert, und in diesen Jahren gab es nicht nur Gewinne, sondern auch Verluste. Deshalb ist es sehr wichtig, dieses Klima und die warmen gegenseitigen Beziehungen sogar zu den kleinen Gesellschaften, sei es die Hauptstadt, seine Städte oder die Dörfer, zu bewahren. Es ist wichtig, Kontakte zu allen ethnokulturellen Zentren der Republik im Rahmen der Zusammenarbeit mit der Versammlung des Volkes Kasachstans aufzubauen. Ich bin froh, dass die Arbeit zum Erhalt der deutschen Sprache gedeiht, besonders mit den Kindern, die Bildungsmöglichkeiten in den Schulen suchen. Alles dies hilft, die Nachfolge sicherzustellen, und unsere langjährige Arbeit verschwindet nicht mit den Jahren. Das Deutsche Haus soll erhalten bleiben als Zentrum, welches schon seit vielen Jahren eine Diskussionsplattform bildet und zum Wohl der deutschen Minderheit arbeitet. Beschützt und unterstützt euch gegenseitig!

– Vielen Dank für das Interview!

Interview: Olesja Klimenko

Übersetzung: Philipp Dippl

Glauben und Vertrauen finden, wiederaufleben

Das Wort „Wiedergeburt“ wurde zum Symbol für die sowjetischen Deutschen, welches die Wiedergeburt sowohl der deutschen Autonomie als auch der Ethnie selbst betrifft. Aus den Erinnerungen des berühmten Schriftstellers, Literaturkritikers und Übersetzers Gerold Berger: „Das ungereimte Schicksal der Deutschen der UdSSR, an welchem sie selbst keine Schuld hatten, das Verhängnis – kein abstraktes, sondern konkretes in Person der Lenker des Schicksals, der überheblichen Führer, unmenschlicher Erlasse, unsinniger Ideologien, stumpfsinniger Politik und wilder Stereotype (all dies ist vereint unter dem schwammigen Begriff der „ausgeprägten Realien“) haben jenen, den Deutschen, die Seelen verstümmelt, einen abstoßenden Stempel aufgedrückt, ihnen unsympathische Korrekturen in ihrer Psyche, in ihren Verhaltensweisen, in ihren Beziehungen eingebracht. Was zu sagen bleibt: Unglück ist eine schlechte Schule…

Jahrzehntelang in den Menschenrechten eingeschränkt stand man unter dem Joch der Kommandantur, durchlebte die Leidenswege des Geächteten und wurde doch nicht durchgelassen zu den öffentlich-administrativen Rechtsinstitutionen des Staates, man ist daran gewöhnt, dass man alles für ihn entschied… Inzwischen ist es an der Zeit, sein Schicksal auf die eigenen Schultern zu nehmen, Willen und Energie zu offenbaren, beharrlich das Eigene zu verfolgen…

Es ist viel aufzuholen. Vor allem, um die verfluchte Schüchternheit zu überwinden, den Minderwertigkeitskomplex zu beseitigen, von der lange und hartnäckig die halb tote Seele durchsetzt war. Kurz gesagt, die Wiedergeburt steht bevor. Darin liegt der ganze Kern. Nur darin findet sich die nationale Errettung: Der Nation neues Leben und neue Kräfte einhauchen, das Verlorene Krümel für Krümel aufsammeln, die Seele aufmuntern, Glaube und Vertrauen gewinnen – wiedergeboren werden“.

Nach Moskau brechen Delegationen der sowjetischen Deutschen auf, mit Appellen der Wiederherstellung der Gerechtigkeit in den Beziehungen des deutschen Volkes, und insbesondere der Wiedergeburt der Autonomie der Wolgadeutschen. Die Probleme der sowjetischen Deutschen werden auf dem Juniplenum des ZK der KPdSU im Jahr 1989 erörtert. Und für die Unterstützung der Regierung der UdSSR in der Wiederherstellung der Autonomen Sowjetrepublik der sowjetischen Deutschen wurde ein Koordinationszentrum gebildet, zu dessen Vorsitzenden Genrich Grout gewählt wurde. In allen Ecken der Sowjetunion beginnt Aufklärungsarbeit über die Geschichte und Kultur der Deutschen. Alle diese Schritte führten systematisch zur Bildung der Allunionsgesellschaft der sowjetischen Deutschen (VOSN) „Wiedergeburt“, was auf der vergangenen konstituierten Konferenz in Moskau vom 29. bis zum 31. März 1989 angekündigt wurde. Auf der Sitzung waren 105 Delegierte anwesend, welche die Interessen von über zwei Millionen sowjetischer Deutscher vertreten, für die Wiederherstellung der Autonomen Republik der Wolgadeutschen und den Erhalt und die Entwicklung der nationalen Kultur und der Sprache eintreten.

Auf der Konferenz wurde das höchste Führungsorgan der VOSN „Wiedergeburt“ gewählt (Koordinationsrat), welches sich aus 33 Personen zusammensetzt. Kasachstan vertraten in Moskau Delegierte aus Alma-Ata und aus den Gebieten Zelinograd, Karaganda, Pawlodar, Semipalatinsk und Kustanaj. Nicht wenige von ihnen wurden in den Koordinationsrat gewählt, insbesondere der stellvertretende Direktor des Deutschen Dramatischen Theaters Jakob Fischer, der bekannte Schriftsteller und Kritiker Gerold Berger und der legendäre Nationaltrainer der UdSSR im Rasenhockey Eduard Airich. Genrich Grout hat sie auf seiner Reise nach Alma-Ata im Jahr 1988 im Vorfeld der 4. Delegation der sowjetischen Deutschen kennengelernt. Die Treffen fanden in den Redaktionsräumen der deutschen Zeitung „Freundschaft“ (heute „Deutsche Allgemeine Zeitung“) statt, welche in dieser Zeit von Konstantin Erlich geleitet wurde, der große Autorität unter den sowjetischen Deutschen besaß.

Übersetzung: Philipp Dippl

Помнить все и жить достойно. К 30-летию ВОСН «Возрождение».

Albert Rau, der Vorsitzende des Verwaltungsrates der öffentlichen Stiftung „Kasachstanische Vereinigung der Deutschen „Wiedergeburt“, Abgeordneter der Mazhilis des Parlaments der Republik Kasachstan.

 – Albert Pawlowitsch, vor dreißig Jahren hat sich die öffentliche Organisation der deutschen Ethnie „Wiedergeburt“ gebildet. Wie war das?

 – Das Jahr 1989 war der Höhepunkt der Perestrojka in der UdSSR, die Entlarvung des Identitätskultes, die Rehabilitierten der unschuldig Verurteilten, alles das bewegte das Leben in dem riesigen Land. Gleichzeitig zeigte sich auch das Bild einer allgemeinen Müdigkeit vom Entgleiten der Ideen, vom Mangel an einer realen Veränderung in der Umgestaltung der wirtschaftlichen, kulturellen und politischen Beziehungen im Land. Mir bleibt der erste Kongress der Deutschen der UdSSR in Moskau im Gedächtnis. Man muss den Mut unserer alten Landsmänner erwähnen, die den nicht gerade geringen Widerstand der Unionsmächte spürten und es trotzdem schafften, den Kongress zu organisieren und durchzuführen. Dieses Ereignis fiel absolut unpassend mit der Durchführung des Referendums über den Erhalt der UdSSR zusammen, und wir wurden aufgefordert, den Kongress nicht abzuhalten, sondern nach Hause zu fahren. Natürlich wurden die Menschen von ihren Emotionen überspült, der Damm des Schweigens brach. Die Nachrichten aus dem Kreml machten uns wütend, wieder nur halbherzig: Ihr erhaltet kulturelle Autonomie, autonome Erziehung vergesst ihr. Es blieb im Gedächtnis, wie uns zur Zeit des zweiten Kongresses im Oktober 1991 am Kinotheater „Oktjabr“ Menschen aus Saratow mit Plakaten mit der Aufschrift: „wir sind in 42 nicht gegangen, und jetzt lassen wir es nicht zu!“ getroffen haben. Auf dem Kongress ertönten die Forderungen, alle nach Kaliningrad, dem früheren Königsberg, zu fahren, auch andere Varianten wurden diskutiert. In dieser lärmenden Uneinigkeit wurde nicht eine einzige Entscheidung getroffen. Eine Welle der Emigration brach los. Einen „Antrag“ beschaffen und abhauen – das wurde zum wichtigsten Ziel vieler deutscher Familien. In dieser Atmosphäre formierte sich „Wiedergeburt“. Zu dieser Zeit wurde ich damit betraut, die städtische Gesellschaft in Lisakowsk zu leiten.

– Welche der Pläne von vor dreißig Jahren wurden umgesetzt und was wurde von der Tagesordnung gestrichen? Vor welche Probleme stellt das moderne Leben die Vereinigung „Wiedergeburt“?

– In diesen dreißig Jahren wurde eine arbeitsfähige Struktur der Selbstorganisation und der regionalen Gesellschaften geschaffen. In den ersten zehn Jahren hing die meiste Arbeit mit den Problemen derer zusammen, die zurück in die historische Heimat wollten, aber die Tagesordnung hat sich verändert. Die Zentrale frage lautet, wie man denen helfen kann, die geblieben sind und für immer bleiben werden? Es gibt nicht wenige Probleme: der Erhalt der Muttersprache und der Traditionen, die Stärkung der verschiedensten Verbindungen mit der historischen Heimat, Hilfe für die Arbeitssoldaten und bedürftige Familien. Man muss denjenigen Tribut zollen, die an der Gründung der republikanischen Organisation stehen: Ch. Driller, K. Erlich, A. Merz, A. Dederer, der die Assoziation der öffentlichen Vereinigungen der Deutschen Kasachstans seit mehr als 24 Jahren leitet. Sie haben es geschafft, nicht nur die aktive Arbeit zu organisieren, sondern auch eine systematische Zusammenarbeit mit Deutschland aufzubauen. Natürlich war das Verschwinden der deutschen Sprache aus dem Schulunterricht für uns ein riesiger Verlust. Obwohl die Situation auch jetzt nicht gerade einfach ist, sie verändert sich zu unseren Gunsten.

– Wie sehen Sie die Zukunft der Stiftung und allgemein der deutschen Ethnie in Kasachstan?

– Ich präzisiere: Wir sind die Gesellschaft der kasachstanischen Deutschen „Wiedergeburt“, die Stiftung ist nur eine Organisationsform. Es wurde viel erreicht. Aber das Leben geht weiter, neue Generationen kommen, die Probleme und ihre Lösungsansätze, verändern sich, die Form der Arbeit mit den Menschen verändert sich. Wir müssen uns nach vorne bewegen, neue Technologien der Aktivitäten und Kommunikation erschließen, um unsere Hauptaufgaben zu lösen: die Bewahrung der deutschen Sprache, unserer nationalen Kultur, die gemeinsame historische Erinnerung. Im Moment findet die Arbeit zum Programm zur Entwicklung der deutschen Gesellschaft Kasachstans statt. Wir lernen von den entsprechenden Erfahrungen Polens, Ungarns und Russlands. Natürlich besitzt jede Diaspora seine eigenen Bedingungen, aber die Ziele sind die gleichen. Im September und Oktober veranstalten wir eine Konferenz, die dem 30-jährigen Jubiläum der Gesellschaft „Wiedergeburt“ gewidmet ist. Dies wird nicht nur ein Fest, sondern auch eine Debatte über das Programm der Entwicklung der deutschen Ethnie in der nahen Zukunft und in den fernen Perspektiven. Ich hoffe, dass dieses Ereignis uns die Kraft und die kreative Inspiration für die umfangreiche Arbeit zum Wohle der Deutschen Kasachstans geben wird.

Interview: Walerij Schewalje

Übersetzung: Philipp Dippl

Kasachstan und Deutschland – starke Verbindungen zu gegenseitigem Vorteil

Im Rahmen der kasachstanisch-deutschen zwischenparlamentarischen Kooperation fand vom 11. bis zum 13. März in Berlin ein Arbeitsbesuch der parlamentarischen Delegation der Republik Kasachstan, bestehend aus dem stellvertretenden Vorsitzenden der Mazhilis des Parlaments der Republik Kasachstans Wladimir Bozhko und dem Deputierten der Mazhilis des Parlaments der Republik, Kasachstan Albert Rau statt.

Das grundlegende Ziel des Besuchs war die Diskussion von Fragen zur zwischenparlamentarischen Zusammenarbeit und die Überreichung von offiziellen Einladungen im Namen der Spitzen der Parlamente von Kasachstan, Russland und Südkorea an die Führung des Bundestags und Bundesrates der Bundesrepublik Deutschland zur Teilnahme an 4. Konferenz der Parlamentssprecher der eurasischen Länder zum Thema „Großes Eurasien: Dialog. Vertrauen. Partnerschaft“, welches am 23. und 24. September 2019 in Astana stattfindet.

In diesem Kontext hat die Delegation bilaterale Treffen mit dem ersten Vizepräsidenten des Bundestages der Bundesrepublik Deutschland Hans-Peter Friedrich und mit der ständigen stellvertretenden Direktorin des deutschen Bundesrates, Staatssektretärin Ute Rettler durchgeführt, in dessen Verlauf im Auftrag des Vorsitzenden der Mazhilis des Parlaments der Republik Kasachstan Nurlan Nigmatulin, die offiziellen Einladungen zu dem erwähnten parlamentarischen Forum in Astana an den Präsidenten des Bundestages Wolfgang Schäuble und den diesjährigen Präsidenten des Bundesrates Daniel Günther (Ministerpräsident des Landes Schleswig-Holstein) überreicht wurden.

Im Verlauf der Verhandlungen mit dem Vorsitzenden der parlamentarischen Gruppe „Deutschland – Zentralasien“ im deutschen Bundestag Mandfred Grund fand ein konstruktiver Meinungsaustausch zu Fragen der Entwicklung der Region Zentralasien, der internationalen Tagesordnung und den bilateralen Beziehnungen statt. Ebenso fanden Treffen der Delegierten mit stellvertretenden Bundesminister für Wirtschaft und Energie der BRD und Ko-präsident der deutsch-kasachischen zwischenstaatlichen Arbeitsgruppe (MRG) im Bereich der ökonomischen Handelszusammenarbeit, Eckhard Franz und dem geschäftsführenden Direktor des Ostausschusses der deutschen Wirtschaft Michael Harms statt.

Die wichtigsten Punkte der kommenden zwischenstaatlichen Kommission zwischen Kasachstan und Deutschland in den Fragen der ethnischen Deutschen, welche ungefähr Ende Mai in Astana stattfindet, hat Albert Rau, der Vorsitzende des Verwaltungsrates der öffentlichen Stiftung „Wiedergeburt“, und Bernd Fabrizius, Bevollmächtigter der Bundesregierung der BRD zu Fragen der nationalen Minderheiten und Spätaussiedlern, erörtert. Die Kommission zwischen unseren Ländern wird schon viele Jahre lang durchgeführt, und die nächste Konferenz wird bereits die 17. sein. Sie bildet ein wichtiges Forum, auf dem Fragen der umfassenden Unterstützung der deutschen Ethnie Kasachstans unter der Teilnahme der Vertreter der Ministerien und Partnerorganisationen beider Seiten behandelt werden. Dies gestattet eine produktive Lösungsfindung vieler Fragen. So waren die vorrangigen Fragen der Erhalt und die Entwicklung der deutschen Sprache in Kasachstan und Erleichterungen in der Visapflicht für Bürger der deutschen Nationalität, welche in unserer Republik leben.

Insgesamt hat der Besuch der parlamentarischen Delegation einen zusätzlichen Impuls für die weitere Entwicklung der zwischenstaatlichen Zusammenarbeit der Republik Kasachstan und der Bundesrepublik Deutschland gegeben und hat das beiderseitige Interesse in die Realisierung der nächsten Etappe der handelswirtschaftlichen und Investitionszusammenarbeit durch den intensiven Austausch von zukunftsorientierter Erfahrung und der Realisierung von gemeinsamen Großprojekten in verschiedenen Bereichen der Wirtschaft Kasachstans aufgezeigt.

Übersetzung: Philipp Dippl

Alles Gute zum Nouruz-Fest!

Nauryz ist das Symbol für Erneuerung, Reinigung, Liebe und Schönheit! Mögt ihr immer gute Vorsätze und eine ausgezeichnete Stimmung haben! Наурыз – жаңару мен тазару, махаббат пен сұлүлық мерекесі! Әрқашан жаныңыз ізгі, көңіліңіз көтеріңқі болсын!

Liebe Freunde! Die Union der deutschen Jugend Kasachstans wünscht von ganzem Herzen alles Gute zum Feiertag Nauryz! Wir wünsche euch Erfolg, einen klaren Himmel über den Köpfen, familiäres Wohlergehen, häusliche Gastfreundschaft, Liebe, Fürsorge und gegenseitiges Verständnis. Unsere freundschaftliche Mannschaft wünscht Frieden und Gelassenheit, Glück und Wärme!

Es ist bekannt, dass Kasachstan ein internationales Land ist. Ein Land, in dem Menschen verschiedener Völker, Konfessionen und mit verschiedenen Bräuchen leben. Genau deshalb gab es in den Städten verschiedene Umzüge und Volksfeste, wo die Bürger in Freundschaft Lieder in verschiedenen Sprachen sangen, Nauryz Kozhe tranken und sich gegenseitig zu diesem wunderschönen frühlingshaften Feiertag beglückwünschten. Die Vereine der deutschen Jugend machten da keine Ausnahme und nahmen aktiv an den Nauryz-Feierlichkeiten teil.

Die aktiven Mitglieder aus Almaty traten auf dem Arbat mit einem Workshop für deutsche Polka auf und nahmen an den Umzügen auf den Hauptstraßen der Stadt teil.

Und in Taraz fand ein zehntägiger Feiermarathon zu Nauryz statt! Der VDJ „Juwel“ nahm an zwei Konzerten auf dem Hauptplatz der Stadt und an der Eröffnung der Allee der Jugend „Zhastar“ teil.

Der Verein der deutschen Jugend „Glück“ war Teilnehmer an dem Stadtfest Nauryz. Zusammen mit Repräsentanten anderer Ethnien hat unsere Jugend den Tanz der Völker Kasachstans aufgeführt. Und die Kindertanzgruppe „Einheit“ trat auf der Bühne mit einer kunstvollen Nummer auf.

Übersetzung: Philipp Dippl

Die Geheimnisse des Erfolgs eures Artikels,

oder wie der Jounalistik-Workshop im VDJ „Vorwärts“ ablief

An jedem beliebigen Ort der Welt ist die Entwicklung der Massenmedien eng verflochten mit der nationalen Geschichte, der Wirtschaft und vor allem mit der Politik. Die DAZ, die politische, kulturelle und bildungspolitische Geschehnisse beleuchtet, ist die einzige Zeitung der deutschen Ethnie in den Ländern Zentralasiens.

Die Deutsche Allgemeine Zeitung betätigt sich nicht nur mit der Betrachtung von Ereignissen, sondern tritt auch selbst oft als Organisator in Erscheinung. So fand ein Workshop zur Arbeit im Bereich Journalismus und Artikelerstellung für die jungen Aktivisten statt. Die Moderatorin des Workshops war die Korrespondentin der DAZ, Anastasija Koroljowa.

Die Teilnehmer erfuhren, was Journalismus ist, worin sich Presse von Radio- oder Fernsehjournalismus unterscheidet und welche Vorteile das Internet in diesem Bereich bietet. Interaktive Übungen wurden gestaltet, von denen eine war, Überschriften zu gestalten. Den Zuhörern wurde angeboten, sich die Titel für echte Artikel der „DAZ“ auszudenken. Sie haben sowohl mit russischen, als auch mit deutschen Texten gearbeitet. Im Anschluss haben die Teilnehmer ihre Varianten vorgelesen und sie mit den Originaltiteln verglichen. Es zeigte sich, dass unsere Jungs und Mädels über eine unerschöpfliche Fantasie und Originalität verfügen. Von zehn vorgestellten Überschriften waren drei sehr nahe an den realen Vorbildern.

Hierbei ist das Fazit, dass die Überschrift sehr wichtig ist, das erste, was der Leser sieht bevor er den Artikel liest, ist sein Titel. Viele beurteilen ihn und entscheiden dann, ob sie den Artikel weiter lesen oder nicht.

Ebenso rief der Aufbau eines guten Artikels das Interesse der aktiven Mitglieder hervor. Der niedergeschriebene Text sollte auf die fünf W-Fragen antworten: Wer? Was? Wo? Warum? Wann? Wenn der Korrespondent konsequent diese Fragen beantwortet, taucht der Leser in das Material ein und empfängt die Informationen mit Interesse.

Um den behandelten Stoff zu verfestigen, haben die Teilnehmer die Rollen eines Interviewers und des Gesprächspartners eingenommen. Die Jungs und Mädels bewiesen einen kreativen Ansatz und präsentierten sowohl ein klassisches, straffes Interview in der besten Tradition der Deutschen Welle, aber auch lustige Stand-Ups, während sie die Interviews spielten.

Der vergangene Workshop zeigt bereits seine positiven Resultate. Und das bestätigen natürlich die Bewertungen der Teilnehmer:

„Der Unterricht war zwar leicht und unterhaltsam, aber der wichtigste Ansatz kam bei den Jugendlichen an: wie leicht Neuigkeiten über Ereignisse, Veranstaltungen und interessante Fakten zum Leser kommen. Wer jedoch in unserem Informationszeitalter in Unkenntnis bleibt, ist dem Tode nahe.“ Elzhan Naribaew

„Ich bin Leserin der „DAZ“ und war sehr froh, an diesem Journalismus-Workshop teilzunehmen. Dank ihm habe ich viel neues und interessantes über diesen Bereich unseres Lebens gelernt. Es lohnt sich, die dynamische Informationszufuhr hervorzuheben. Üch würde gerne an mehr solcher Workshops teilnehmen, die den Aufstieg der Sozialen Medien, Journalismus oder Fotografie und Film behandeln!“ Iljas Bostanow

„Wir konnten uns auf dem vergangenen Workshop wie Journalisten der DAZ fühlen. Das Programm hat Anastasija Koroljowa vorbereitet, die auch erzählt hat, wie man Rubriken entwickelt oder kompetent und interessant Artikel schreibt. Ebenso haben wir Fakten und Regeln aus dem Social-Media-Bereich kennengelernt, im Detail erfahren, was ein Interviewer ist und wie seine Arbeit aussieht. Der Workshop hat es uns erlaubt, neue Kenntnisse und Eindrücke zu erlangen, dafür sind wir den Organisatoren sehr dankbar.“ Kristin Kobelewa

Viele haben auch davon Notiz genommen, dass man die Zeitung in den sozialen Medien abonnieren kann, um über die neuesten Nachrichten aus dem Leben der kasachstanischen Deutschen und der deutschen Kultur auf dem Laufenden zu bleiben, dazu rufen wir auch dich auf, lieber Leser!

Übersetzung: Philipp Dippl

Potential wecken

In der Stadt Almaty fand vom 18. bis zum 22. März ein Theater-Workshop für die Gewinner des 4. Theaterfestivals „Deutsch auf der Bühne“ statt, welcher vom Goethe-Institut Kasachstan organisiert wurde. Der Workshop bot ein Kreativlabor zur Herstellung des Bühnenbilds und zum Theaterbetrieb selbst an. Er erlaubte den Teilnehmern, tiefer in den Charakter der Wechselwirkungen in einem Theater einzudringen und Erfahrungen unter der Leitung der Berliner Schauspieldozentin Klaudia Bartolomejzik zu sammeln. Dies förderte die Kommunikation auf Deutsch und diente einer guten Praxiserfahrung.

Täglich: physische und praktische Übungen, Training des Sprechapparates und verschiedene Arten der Improvisation, Arbeit mit der Intonation und noch viel mehr wurde für die Projektteilnehmer vorbereitet. Alle haben ihre theoretischen und praktischen Kenntnisse in Bereich der Theaterkunst erweitert und gleichzeitig die Möglichkeit erhalten, ihre erlangen Kenntnisse und Fähigkeiten in der Praxis auszuprobieren.

Wir konnten mit einem der Teilnehmer des Workshops, Kristina Girschfeld, ein Interview führen: „Das Seminar dauerte 5 Tage und von Beginn an gab es komplizierte Aufgaben: wir mussten uns an die neue Umgebung gewöhnen, damit zurechtkommen, dass unsere Lehrerin nur auf Deutsch redet, und einem neuen Arbeitstempo folgen. Aber mit jedem Tag wurde es leichter, interessanter und ertragreicher. Als wir mit deutschen Texten arbeiteten, haben wir sie zuerst zerlegt, um zu verstehen, wie sie zu spielen sind, welche Gefühle und Emotionen wir darstellen müssen, und anschließend haben wir unsere Rolle auf der Bühne aufgeführt. Aber am meisten hat mir Improvisation gefallen.

Davon gab es sehr viel. Wenn du solche Szenen spielst, sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt und, ungeachtet dessen, dass es sehr schwierig ist, ist es wahnsinnig interessant! Ich habe festgestellt, dass wir nicht nur Schauspieler sein konnten, sondern auch mit dem Blick eines Regisseurs an die Arbeit herangehen konnten. Und die deutsche Sprache! Mit jedem Tag haben wir Informationen schneller aufgenommen und sie in besserer Qualität umgesetzt. Ich glaube, nach diesem Workshop hat jeder der Teilnehmer seine Sprachkenntnisse verbessert“.

Als Ergebnis kann man sagen, dass das Ziel der Reise erreicht wurde. Es wurden kolossale Erfahrungen gemacht, die ganz bestimmt in der späteren künstlerischen Arbeit angewendet wird!

Übersetzung: Philipp Dippl

Backrezept für Brezeln

Zutaten:

Für den Teig: 600 Gramm Mehl, 2 Teelöffel Salz, 20 Gramm frische Hefe (oder 7 Gramm trockene), eine Prise Zucker, 450 Milliliter leicht angewärmte Milch

Für die Lauge: 1 Liter Wasser, 30 Gramm Speisesoda

Außerdem: Grobes Salz, Sesam, Mohn

Schritt 1: Mehl mit Salz vermischen, Hefe und Zucker in Milch auflösen. Alles zusammen zu einem weichen, elastischen Teig verkneten, wenn nötig noch etwas Mehl hinzugeben. Abdecken und an einem warmen Ort etwa 40 bis 60 Minuten stehenlassen. Der Teig muss sich auf das doppelte ausdehnen.

Schritt 2: Wenn der Teig aufsteigt, dann etwas kneten und in zwanzig gleiche Teile schneiden. Aus jedem Stück einen kleine Wurst rollen, etwa 60 Zentimeter lang, in der Mitte sollte sie etwas dicker sein, und die Brezel formen. Den Ofen auf 200 Grad heizen. Für die Lauge Wasser zum kochen bringen und Soda hinzufügen. Die Temperatur verringern und vorsichtig Brezel für Brezel einzeln in die heiße Lauge geben. Die Brezel sollte sich 30 bis 60 Sekunden in der Lauge befinden.

Schritt 3: Die Brezel mit einem großen Schaumlöffel (kein Aluminiumlöffel) aus der Lauge holen und auf ein Backblech mit Backpapier legen, oder das Backblech mit Margarine einschmieren. Von oben die Brezel leicht anschneiden und jetzt kann man sie mit grobem Salz, Sesam oder Mohn bestreuen. 15 bis 20 Minuten backen, bis die richtige Farbe erreicht ist.

Übersetzung: Philipp Dippl

Wertvolle Zeit für die Gemeinschaft

Als sie den kulinarischen Tag planten, haben die Organisatoren der Veranstaltung, die Mitarbeiter der Gesellschaft der Deutschen „Wiedergeburt“ in Aktobe, gezweifelt: werden denn auch die Großmütter daran teilnehmen? Der Grund für die Absage liegt in ihrem Alter – und das ist keine Kapriole, für mehrere Stunden am Herd stehen kann nämlich längst nicht jede ältere Frau.

Allerdings sind die Befürchtungen nicht eingetreten – die Senioren, die den ganzen Winter lang die Geselligkeit vermisst haben, sind mit Freude zum deutschen kulinarischen Workshop gekommen. So einen großen „Tag der Küche“ gab es übrigens lange nicht mehr – ungefähr zwei dutzend Großmütter, mit Rezepten gewappnet, haben ihre Enkel mitgebracht und mit guter Laune in die Schlacht zu den Herdplatten und Öfen gestürzt.

Der besondere Unterschied des aktuellen Workshops liegt darin, dass gleich mehrere Personen als Chefköche auftraten. Die Frauen haben Erfahrung, deshalb hat jede versucht, ihre Kochkünste zu präsentieren.

– Um ehrlich zu sein, für eine so große Zuhörerschaft zu kochen ist ziemlich aufregend, aber ich denke, dass wir das schaffen, – teilte eine der Teilnehmerinnen, Wiktorija Worozhinzewa, ihre Gedanken. – Für mich ist das eine große Freude, deshalb habe ich mich entschieden, zu kommen. Um so mehr, da mir solch erfahrene Hausfrauen helfen werden.

Die Liebe zur Kochkunst bekam Wiktorija von der Schwiegermutter anerzogen. Genau diese brachte unserer Meisterin die Geheimnisse der deutschen Küche bei. Lidija Pawluchina erwarb sich schon vor langem den Ruhm als eine der besten Konditorinnen in Aktobe, deshalb wurde ihre Oberherrschaft über den Küchentisch noch nicht einmal diskutiert. Noch ein aktives Mitglied der Gesellschaft „Wiedergeburt“, Lilija Palij, wollte seine Fähigkeiten unter Beweis stellen. Genau auf ihnen lag die Hauptarbeit des Workshops.

Es wurde entschieden, gleich mehrere Gerichte vorzuführen: ein traditioneller Kartoffelsalat und Backwaren – Brezeln, Berliner und Krebli.

– Viele haben manche Regeln und Feinheiten bei der Zubereitung von deutschen Teigwaren schon vergessen. Diese kulinarischen Tage sind ein guter Anlass zum Treffen und zum Austausch, und um von daheim rauszukommen. Und ein bisschen Übung stört nie. Die Rezepte sind nicht sehr kompliziert, aber interessant, – merkt Lilija Edwinowna an.

Jede Hausfrau weiß, dass Teig eine besondere Herangehensweise benötigt, hier sollte es keinen Platz für Hektik und Eile geben. Und außerdem ist wichtig, dass man die Zutaten für die zukünftigen Krapfen und Brötchen unbedingt mit guter Laune mischt.

– Berliner sind diese Krapfen mit Füllung. Besonders die Kinder lieben sie, aber die Erwachsenen sind auch nicht abgeneigt, sie zu probieren. Brezeln, insbesondere salzige, mögen die Deutschen ganz besonders mit bernsteinfarbenen Getränken, und Krebli sind Krapfen ähnlich wie Schürzkuchen, aber weicher, – erklärt Wiktorija.

Übrigens wurde zur Hilfe unserer Köche auch die Leiterin der Theaterwerkstatt „Denk´ Mal“ Inna Woloschina gerufen, die in sich selbst das Talent eine guten Köchin gefunden hat. Wie es sich zeigte, hatte sie ein tolles Rezept für Krebli in Reserve.

Das Geheimnis der Kartoffelspeisen

Solange der Teig ging, haben sich unsere Damen dazu entschieden, sich mit den Kartoffeln zu befassen. Darin ist Lidija Pawluchina ein großer Experte:

– Bei uns zuhause wurde immer ein traditioneller Kartoffelsalat zubereitet. Heute sind hunderte verschiedene Varianten bekannt, aber als wir Kinder waren, war etwas anderes wichtig – die Zwiebeln ordentlich zu schneiden und die Kartoffeln richtig zu würzen. Das Geheimnis liegt darin, dass man nicht hetzen darf – wir schneiden die Kartoffeln nicht in Würfel, sondern in dünne Halbkreise, und die Zwiebeln übergießen wir sofort mit Öl, wenn es geht mit aromatischem. Hier haben wir uns dazu entschieden, eine Variation des Salates mit frischen Kräutern und eingelegten Gurken zuzubereiten. Um es vorwegzunehmen, dass das Gericht ausgezeichnet gelungen ist.

Die Zeit schritt planmäßig zur Mahlzeit voran, deswegen freuten sich die Kinder am meisten über die knusprigen Krebli.

– Wer nicht arbeitet, der isst auch nicht, – urteilt Polina Zaporozhetz, während sie geschickt mit dem Nudelholz hantiert. Eine Schülerin, die aufmerksam jede Handlung der Köche registriert, hat sich ebenfalls entschieden, einen starken Beitrag zu dieser spannenden Sache beizutragen. „Daheim werde ich das auf jeden Fall probieren, ich werde den Eltern eine Freude machen“, – lächelt das Mädchen.

Solange die Brezeln im Ofen braun wurden, haben die Jugendlichen und die Großmütter mit vereinten Kräften mit den Berlinern angefangen. Übrigens waren die deutschen Krapfen in wenigen Minuten aufgegessen, so lecker sind sie geworden.

– Ich besuche nicht zum ersten Mal ein Konitor-Workshop, aber ein solches gegenseitiges Einverständnis und so eine Einigkeit sehe ich zum ersten Mal. Jeder versucht sich einzubringen, so dass es besser für die gemeinsame Sache wird. Wissen Sie, solche Veranstaltungen sind auch dazu wichtig, um die Erinnerungen an die Rezepte der Speisen aufzufrischen, welche wir leider schon vergessen. Aber das sind doch unsere historischen Wurzeln, ein Teil unserer Kultur, – betonte Olga Fjodorowna.

Der Workshop endete traditionell: zu aromatischem Tee und leckerem Gebäck tauschten die Großmütter Neuigkeiten aus, erzählten über ihre Pläne und fühlten sich, wie zuhause. Manchmal braucht es so wenig, um Menschen ein Stückchen Wärme und Aufmerksamkeit zu schenken.

Dmitrij Schinkarenko

Übersetzung: Philipp Dippl

Der Stärkste von allen ist der, der Gutes tut

Das Schlimmste ist die Einsamkeit. Besonders im Alter, wenn ein Mensch schwerkrank und hilflos ist. Aber es gibt gute Menschen, die jeden Tag bei jedem Wetter zu ihren Schützlingen hetzen, medizinische Hilfe leisten, warme Mahlzeiten bringen, in der Wohnung aufräumen, und außerdem noch zuhören und sich unterhalten. Für all dies sind die alten Menschen ihnen grenzenlos dankbar. Von allen bedeutenden Sozialprojekten, welche die öffentliche Vereinigung „Wiedergeburt“ Ostkasachstan in der Region Ridder durch die Unterstützung der Bundesregierung Deutschland realisiert werden, ist die wahrscheinlich gefragteste die Aktion „Pflege daheim“.

– Die spezielle Gruppe in diesem Projekt, – sagt die Koordinatorin der Sozialarbeit Olga Kloster, – sind frühere Arbeitssoldaten, alte und einsame Menschen, denen der Haushalt schwer fällt, sie können bereits nicht mehr Lebensmittel im Geschäft kaufen, ihre Körperhygiene können sie nicht mehr pflegen. Krankheiten erschweren das Leben, einige können das Haus nicht mehr verlassen, andere sind ans Bett gefesselt. In einer solchen Situation ist Einsamkeit besonders schlimm. Sie wäre unerträglich, wenn es nicht unsere Sozialarbeiter gäbe. Sie retten im wahrsten Sinne des Wortes die alten Menschen, wenn sie kommen, um ihnen zu helfen…

In der Region, die die regionale Gesellschaft Ridder umfasst, leben rund 3500 ethnische Deutsche, von ihnen sind etwa 1000 Mitglieder der Gesellschaft „Wiedergeburt“. Ihre Mitarbeiter haben eine Liste der Bürger erstellt, welche nicht ohne fremde Hilfe auskommen können und tägliche Pflege benötigen.

Das Projekt beinhaltet auch die Ausübung von sanitären, hygienischen und medizinischen Dienstleistungen (Behandlungen und Verbandwechsel, Kontrolle der Behandlung durch einen zugewiesenen Arzt), Lieferung von warmen Mahlzeiten und Ernährung von Schwerkranken. Neben dem Willen zu dieser Sache sind auch verschiedene Kenntnisse notwendig. Deshalb wurde entschieden, Tatjana Bogdaewa zur Ausbildung nach Deutschland zu schicken. Als sie zurückkam, hat sie die erlangten Kenntnisse mit den Kollegen geteilt.

Im Verlauf der Arbeit an dem Projekt haben sich zwei Gruppen von je sechs Personen gebildet. In die erste kamen Kranke, die ans Bett gefesselt sind. Mit ihnen arbeitet Tatjana Kolesnikowa. Die alten Menschen vergöttern diese Frau. Sie ist jetzt alles für sie: Krankenschwester Pflegerin, Ernährerin, Postbotin und Psychotherapeutin. Der Grund für eine solche Haltung zu sich selbst sieht Tatjana Iwanowna in der großen Liebe, die sie für ihre Schützlinge aufnimmt. Für einen alten, kranken Menschen ist es manchmal schon eine riesige Kraftaufwendung, sich selbst zu waschen. Aber wenn Tatjana auftaucht, sind alle Probleme im Nu gelöst.

Mit Herzlichkeit spricht sie von der deutschen Gesellschaft „Wiedergeburt“:

– Es ist ein Zentrum der Freundschaft, in dem es für alle warm und wohlig ist, hier wird einem alles gezeigt und beigebracht. Als ich Rentnerin wurde, bin ich durch einen glücklichen Zufall hier gelandet und habe mit der Sozialarbeit im Projekt „Ambulante Pflege“ begonnen. Das Personal ist sachkundig, die Mannschaft ist stark und steht geschlossen zusammen.  Unsere Vorsitzende Ljubow Ignatjewa ist ein kompetenter Mensch, der die Initiative ergreift. „Sie ist unser Sonnenschein!“ – sagen meine Schützlinge über sie.

– Und wer sind Ihre Schützlinge?

– Menschen im Alter von 70 bis 95 Jahren, – erzählt Tatjana, – jeder von ihnen hat eine schwere Krankheit.

In der Kindheit und Jugend haben viele Krieg und Repressionen durchlebt. Zum Beispiel wurde Tamara Andreewna Gawrilowa aus der Ukraine nach Kasachstan geschickt. Sie lebt jetzt alleine, sie hat ihren Ehemann und ihre Kinder beerdigt. Sie besticht durch Schlichtheit, Lebensfreude und Liebe zur Erde. Marija Teodorowna Sokolowa ist auch alleine, sie hat die Parkinson-Krankheit. Sie kennt ihre Muttersprache gut, die Kommunikation fällt ihr leicht. Eine strahlende Persönlichkeit ist Marija Karlowna Wagner. Sie lebt ihre Erinnerungen. SI eliebt es zu reden, und ich höre gerne zu.

– Heißt das, Ihnen ist nicht langweilig mit ihnen?

– Ach woher denn!? Wenn ich mich mit diesen wundervollen Menschen unterhalte, wenn ich sie pflege, dann lerne ich sehr viel. Glauben Sie mir, es ist eine lohnende Arbeit. Die einsamen Menschen benötigen nicht nur Lebensmittel und Reinigung, aber auch mehr Mitgefühl, Aufmerksamkeit, Aufrichtigkeit. Meine Aufgabe ist es, einem Menschen zu helfen, seine Ängste und Sorgen loszuwerden, moralisch zu unterstützen und Zuversicht in sich selbst zu geben.

Zur zweiten Gruppe des Projektes „Pflege daheim“ gehören Menschen, die teilweise in der Lage sind, sich in ihrem Haus selbst zu versorgen, aber die trotzdem Hilfe benötigen. Sie sind nicht in der Lage, den Boden zu putzen, einkaufen zu gehen oder Medizin zu kaufen. In dieser Kategorie arbeitet Tatjana Bogdaewa. Sie ist Spezialistin in der Pflege, sie begleitet diese Menschen ins Krankenhaus, geht mit ihnen spazieren und hilft ihnen beim kochen.

„Tiefe Verbeugung und vielen Dank dafür, dass Sie immer offenherzig und bereit dazu sind, zuzuhören und zu helfen!, – antworten diese weisen, alten Menschen auf die Fürsorge, sie geizen nicht mit Wörtern der Dankbarkeit, gerichtet an Ljubow Ignatjewa, Tatjana Kolesnikowa, Nadezhda Benner, Jekaterina Sitnikowa und Olga Kloster.

– Der Stärkste von allen ist der, – erklärt Tatjana, – der Gutes tut…

Andrej Kratenko

Übersetzung: Philipp Dippl

Inspiration, die zu neuen Projekten motiviert

Bereits seit 10 Jahren zieht der musikalisch-literarische Salon „Begeisterung“ im Haus der Freundschaft Pawlodar seine Stammgäste an. Er findet jedes Jahr im März statt und öffnet in Freundschaft seine Türen für alle Interessenten.

Und in diesem Jahr waren die aktivsten Teilnehmer die kreativen Gruppen der Gesellschaft der Deutschen „Wiedergeburt“ Pawlodar, die von echten Profis geleitet werden: die Theaterwerkstatt „Faden“ (Jurij Skorobogatow), die Volksgesangsgruppe „Wir“ (Nadezhda Fedkewitsch), die Tanzgruppe „Paradies“ (Nadezhda Fedosowa), die am meisten ehrenvolle und angesehene Gruppe von „Wiedergeburt“, „Nette Frauen“ (Irina Snezhkowa), sowie die Zuhörer der Deutschkurse und die Mitglieder des Seniorenvereins.

Über was könnte man sich an den ersten Frühlingstagen unterhalten? Natürlich über das Leben, die Liebe, den Frühling. Von Jahr zu Jahr bleibt diese wunderbare Tradition unverändert: das gegenseitige Schenken von musikalischen und poetischen Blumen, die sich aus poetischen Werken herausbilden, aus klassischen und schöpferischen, aus musikalischen Blüten, die von professionellen Sängern und Hobbymusikanten des Kollektivs der Gesellschaft der Deutschen „Wiedergeburt“ in Pawlodar verschenkt werden.

Das Leben. Die Liebe. Das Werk.

Diese Begriffe hängen unzertrennlich zusammen. „Wenn im Herzen Liebe lebt, kann man alles überwinden“, – teilte Marija Minz (Koren), die am Vorabend den ersten Platz in dem internationalen Wettbewerbsfestival „Dream Fest“ gewann, mit den Gästen des Salons.

Über die Liebe sangen die Frauen und Mädchen – Irina Zwonarjowa, Violetta Naklonnaja und Anastasija Minz, zauberhafte Stimmen, die buchstäblich durch den Salon schwebten und tief in die Seele und das Herz vordrangen. Es folgten ihnen die männlichen Stimmen: der saftige, faszinierende Bariton von Iwan Woronin (Die Liebe ist frei wie ein Vogel“) und Hadi Kozhechmet („Erste Liebe“). Gesungen wurde auf Russisch, Italienisch und Deutsch. Elegante Kleider unterstrichen und betonten die romantische Ausrichtung des Abends. Ein lustiges und scherzhaftes Lied wechselte sich zuweilen mit traurigen lyrischen Motiven ab.

Die Männer lasen Gedichte, und zusammen mit ihnen ertöhnten Blok, Asadow, Esenin und Majakowskij. Anna Kitschsewa führte Prosa auf und gab Marina Zwetaewa unsichtbare Präsenz (Monolog der Sonja aus „Erzählungen über Sonja“).

Viele Urheberwerke wurden vorgetragen. Das inspirierende Werk von Freunden und Bekannten teilten Walentina Schimon („Ich will einen Blumenstrauß“, Irina Samarina), und Jekaterina Obidenko („Hach, der Monat März“, Irina Iljina), Irina Zwonarjowa („Wen ich brauche“, Zlatenzija Zolotowaja) und Jaroslaw Grebjonkin („Der Sinn des Lebens steckt in den Kleinigkeiten“), Timofej Gromow („Friedhof der Rosen“), der übrigens die Zuschauer mit seiner ausdrucksstarken Vorstellung verzauberte, und Wiktor Dirksen („Blumen auf der Fensterbank“), Elena Bajbert („Das Gebet der Mutter über Düsseldorf“) und Walerij Woronin („Wir sind nicht geflogen“). Die Theaterwerkstatt „Faden“ zeigte die Kurzgeschichte „Phönix aus Papier“ von Oleg Nauman, einem Schauspieler der Werkstatt.

Die Liebe ist ein großes Gefühl, vielschichtig und allumfassend. Die Liebe zur Mutter, zu einer Frau, zu den Eltern, den Kindern, zu den Verwandten. Die Liebe inspiriert die schönsten Taten. Und deshalb teilten die Teilnehmer dieser frühlingshaften, romantischen literarischen Magie so aufrichtig ihre Emotionen.

 „Wir haben allen Spielraum gegeben. Sie haben die Aufführungen gesehen, verschiedenartig im Stil, im Genre, in den Emotionen. Heute haben wir Gedichte, Lieder, Arien und Balladen gehört, und es freut mich sehr, dass es sehr viele Autorenwerke gab. Ich danke unserer Jugend für den herzlichen, behaglichen Abend, dafür, dass er so aufrichtig im Ausdruck eurer Gefühle war. Ich wünsche mir sehr, dass sich jeder von euch selbst liebt, und dass diese Liebe hilft, diejenigen Menschen zu lieben, die euch nahe sind, die euch jeden Tag umgeben. Und wenn wir lernen, dies zu tun, wird die Welt eine bessere, eine gutherzigere sein. Heute sind unter uns nämlich nicht zufällig sowohl Kinder als auch Menschen in ehrwürdigem Alter. Wir haben scharfe Themen berührt, und bei manchen funkelten Tränen, aber dies, so bin ich mir sicher, waren Tränen einer hellen Traurigkeit. Das bedeutet, es wurden die verborgendsten Ecken der menschlichen Seele berührt. Und das ist angenehm“, – sagte Olga Litnewskaja, stellvertretende Vorsitzende der Gesellschaft der Deutschen „Wiedergeburt“ in Pawlodar, und setzte einen wunderschönen Akzent in die Arbeit des Salons, als sie die Verse ihrer Lieblingspoetin Silvia Kaputikjan „In der Kristallvase“ vorlas.

Ljudmila Bewz

Übersetzung: Philipp Dippl

Das Fest „Die Vogelhochzeit“

Den Winter lieben wir natürlich alle, besonders seinen Beginn, aber das ist alles nichts im Vergleich zur wunderschönen Ankunft des Frühlings. Und zum Erwecken der Frühlingsstimmung muss man strahlende Feste feiern, die in Erinnerung bleiben. Für das deutsche Volk ist dies die „Vogelhochzeit“. Es wird darauf geachtet, dass nach dem langen Winter die Vögel „Hochzeit feiern“, das heißt, sie flechten Nester, legen Eier, und genau in dieser Zeit werden für die Kinder lustige Feierlichkeiten veranstaltet.

Am 24. Februar haben sich in der öffentlichen Vereinigung der Deutschen „Wiedergeburt“ der Stadt Semej die Zuhörer der Sonntagsschule, der Deutschkurse für Kinder, die jungen Tänzer des Ensebles „Einheit“ zusammen mit dem Seniorenverein und dem Verein der deutschen Jugend „Glück“ in der Aula des Hauses der Freundschaft versammelt, um zusammen die Vogelhochzeit zu feiern. Olga Beder, die Kuratorin der Sprachprojekte der Gesellschaft der Deutschen „Wiedergeburt“ und die Moderatorin dieses Feiertags, hat alle mit seinen Traditionen und Bräuchen bekannt gemacht. Die Teilnehmer haben die Rätsel super gelöst. Die Vokalgruppe der Sonntagsschule „Glocken“ debütierte mit den Liedern der „Vogelhochzeit“. Wiktorija Woronika-Dalinger, die Solistin der Gesangsgruppe des Vereins der deutschen Jugend „Glück“ freute sich sehr über die Auftritte aller. Zum Ende der Veranstaltung bekamen die Kinder Süßigkeiten in Form von Vögeln, welche für sie die Vertreter der älteren Generation der Gesellschaft – der Seniorenverein – zubereitet haben.

Marija Gorbatschjowa

Übersetzung: Philipp Dippl

„Jugend und Kunst“

Die Jungs und Mädels des Vereins der deutschen Jugend „Diamant“ (Stadt Astana) Haben das Nationalmuseum der Republik Kasachstan besucht, in welchem eine Ausstellung mit dem Namen „Altes. Neues. Großartiges und Einzigartiges“ stattfindet.

Das Treffen im Museum fand im Rahmen des Projektes „Schule der freiwilligen Bildung“ der Gesellschaft der Deutschen „Wiedergeburt“ in Astana und im Gebiet Akmolinsk statt. In der Ausstellung wurden die Arbeiten von großen Künstlern und kasachstanischen Meistern vorgestellt. Dies ist ein Dialog der Genies über Jahrhunderte und Kontinente hinweg – eine einmalige Gelegenheit, ein Teil der hohen Kunst mit dem Blick durch das Prisma unserer Zeit zu werden.

Besonderes Interesse bei der Jugend haben die Arbeiten des herausragenden deutschen Malers der Epoche der Renaissance, einem der strahlenden Künstler der nordischen Renaissance, Albrecht Dürer (1471 – 1528) ausgelöst. Seinen Bildern liegt die Menschengestalt zugrunde – der Schöpfer, der Erbauer, welcher im Zentrum des Universums steht und keine Grenzen seiner Möglichkeiten sieht.

„Besonderen Dank gilt Ajman Maksutowna, welche für uns eine faszinierende Führung veranstaltet und uns mit den Arbeiten der großen Künstler bekannt gemacht hat. Besonders angenehm war es zu realisieren, dass einige unter ihnen Deutsche waren, so wie wir. Jeder von uns sah die Bilder auf eine Art und Weise, die uns zum Nachdenken veranlasst hat“, – so haben die Mitglieder des Vereins der deutschen Jugend „Diamant“ ihre Eindrücke mitgeteilt.

Alena Rener

Übersetzung: Philipp Dippl

Fotograffiti? Spielend einfach!

Angelina Golodowa hat einen Workshop für die aktiven Mitglieder des Vereins der deutschen Jugend der Stadt Almaty durchgeführt, in dem die Jungs und Mädels selbstständig ein Fotograffiti herstellen konnten. Es kamen farbenfrohe und lustige Arbeiten heraus.

Angelina lernte diese Technik auf dem Seminar „Medien in der Jugendarbeit“ (Berlin, 2018) kennen, welche vom Jugendbund djo-Deutscher Regenbogen initiiert wurde.

Wir haben gelernt, ein Portrait von uns mittels einer Schablone und Sprühdosen herzustellen. Die Jungs und Mädels zeigten Kreativität, und es war sehr interessant, sie zu beobachten. Es erzeugte große Aufmerksamkeit bei den aktiven Mitgliedern anderer Vereine. Deshalb erzählen wir, wie man einen solchen Workshop durchführt.

Schritt 1 – der Einkauf

Kaufe Leinwände, Sprühdosen, Cuttermesser, Wachstischdecken (damit der Tisch nicht eingefärbt wird), man kann auch gewöhnliches Linoleum nehmen, und Folie zum Laminieren (diese sollte dick sein für die Schablone).

Schritt 2 – Bearbeitung eines Fotos

Man kann ein Schnappschuss in schwarz/weiß umwandeln und den Kontrast auf die höchste Stufe stellen. Wenn ihr vorhabt, ein Farbbild zu machen, übermalt die Skizze mit verschiedenfarbigen Markern entsprechend eurem Geschmack. Es kommt als Resultat eine Schablone mit schraffierten oder übermalten Flächen heraus, welches ihr ausschneidet und mit Farbe ausfüllt.

WICHTIG! Bevor man die Schablone macht, muss man einige wichtige Dinge beachten, eines sind die sogenannten Brückchen. Diese halten die Inselchen fest, welche andernfalls einfach beim ausschneiden aus der Schablone herausfallen würden.

Schritt 3 – Schablone

Schneidet mit einer scharfen Haushaltsschere ordentlich kleine Stückchen Karton an den Stellen aus, wo Sie später Farbe hinzufügen möchten. Es ist immer angenehmer, zuerst die kleinen Stücke, und anschließend die größeren Fragmente auszuschneiden, weil je mehr Material ihr entfernt, desto weniger steif und desto feiner wird die Schablone, was die Arbeit daran erschwert.

WICHTIG! Haltet die Schablone fest und schneidet langsam und genau. Seied vorsichtig und haltet die Finger entfernt von den Schneidklingen der Schere. Und vergesst nicht, dies auf der Unterlage zu machen.

Schritt 4 – Vorbereitung

Befestigt die Schablone mit Tesafilm auf der Leinwand. Jetzt ist alles bereit, und wir können mit der Herstellung des Graffiti beginnen!

WICHTIG! Vergewissert euch, dass die Schablone vernünftig an der Oberfläche haftet. In Zwischenräume zwischen ihr und der Leinwand kann später Farbe gelangen, was die Darstellung verfälscht. Und denkt daran, die Farbe nur in gut gelüfteten Räumen zu verwenden.

Schritt 5 – Aufbringen der Farbe

Schüttelt die Sprühdosen, sodass ein Geräusch zu hören ist. Danach haltet die Dose in einem Abstand von 20-25 Zentimetern zur Leinwand und richtet den Strahl in geradem Winkel zur Oberfläche. Fahrt nun mit der Hand fließend von Seite zu Seite, um gleichmäßig Farbe aufzutragen.

WICHTIG! Versucht, nicht bis zum Rand der Schablone zu sprühen, sonst entstehen verschmierte Grenzen rund um das Bild, die den Eindruck des Graffiti zerstören können.

Schritt 6 – Fertigstellung des Graffiti.

Nachdem ihr über die ganze Schablone Farbe gespritzt habt, untersucht genau die gefärbten Stücke. Fügt zusätzliche Schichten Farbe auf nicht genügend eingefärbte Fragmente hinzu. Sprüht Farbe auf unscharfe Stellen, damit sie scharfe Umrisse bekommen.

Wartet ungefähr 30 Sekunden, dann kann man vorsichtig die Schablone abnehmen und sein Meisterwerk begutachten!

Übersetzung: Philipp Dippl

Wir haben noch eine Chance!

In der deutschen Gesellschaft „Wiedergeburt“ in der Stadt Kokschetau fand der Workshop des Goethe-Instituts „Gestalte deinen Stoffbeutel“ statt, und wir, der Verein der deutschen Jugend „Zodiak“ haben mit großem Vergnügen daran teilgenommen! Die Veranstaltung hat die Sprachassistentin Lilija Kirsch durchgeführt. 

Man musste uns nur anleiten, so dass wir gemeinsam und fröhlich angefangen haben, unsere eigenen Öko-Taschen herzustellen! Während wir unsere Taschen dekorierten, genossen wir die Geselligkeit und hörten gute Musik. Die Arbeiten der Jungs und Mädels fielen sehr kreativ aus. Früher hatte ich oft fragen zur Ökologie unserer Umwelt, und wusste natürlich von derartigen Problemen in Kasachstan, aber zu dieser Zeit sah ich keine konkreten Wege zur Lösung dieser Probleme. Eine Öko-Tasche erwies sich als sehr gute Möglichkeit, unserer Natur zu helfen, ich glaube, es lohnt sich absolut, sie zu benutzen! Ich habe bereits drei ähnliche Taschen, aber bis zum Workshop wusste absolut nichts über sie. So zeigte sich, dass die Geschichte ihrer Herkunft absolut lohnenswert ist. Diese Taschen wurden als Alternative zu Plastiktüten hergestellt, im Kampf gegen die Umweltverschmutzung. Wenn ich mich jetzt mit meinen Freunden treffe, die auch am Workshop teilgenommen haben, fällt mir auf, dass sie ihre Taschen aktiv benutzen. Und das bedeutet nur eins: wir haben noch eine Chance! Übersetzung: Philipp Dippl

Die Verabschiedung des Winters in der Stadt Semej

Seit der Antike haben verschiedene Völker ihre eigenen Bräuche, den Winter zu verabschieden und den Frühling willkommen zu heißen. Bei der russischen Ethnie ist dies das Maslenitza-Fest, und bei den Deutschen ist es der Fasching. In diesem Jahr hat die öffentliche Vereinigung der Deutschen „Wiedergeburt“ in der Stadt Semej zusammen mit russischen und kasachischen ethnokulturellen Zentren ein Fest organisiert.

In Deutschland werden große Feste jedes Jahr veranstaltet, genau 46 Tage vor Ostern. Am Sonntag findet in vielen Städten der Karneval statt. Jeder zählt es zu seiner Pflicht, in einem Narrenkostüm auf die Straße zu gehen und den Winter zu verabschieden. Die Mitwirkenden unserer Gesellschaft haben einen kleinen Umzug veranstaltet und sich farbenfrohe Kostüme und Masken angezogen, nach der Tradition muss man nämlich auf jeden Fall das Gesicht verbergen, damit der Winter im nächsten Jahr nicht die wiedererkennt, die ihn hinausgetrieben haben.

Olga Beder, die Betreuerin der Sprachprojekte der Gesellschaft, hat alle Bürger zum Feiertag beglückwünscht und erzählte über die Besonderheiten des deutschen Karnevals. Der Statthalter, der Moderator des Karnevals, Kirill Uwarow, benachrichtigte alle über den Beginn des Umzugs, und die Jugend zusammen mit den Kindern des Deutschkurses setzten sich mit bunten Bändern in Bewegung, um die Geister des Winters in die wohlverdienten Ferien zu verabschieden. Die Vokalgruppe des VdJ „Glück“ trug unter der künstlerischen Leitung von Oksana Fomina die Akapellaversion der Hymne Baden-Württembergs „Der reichste Fürst“ vor.

Um endgültig vom Winter Abschied zu nehmen, haben die Jugendlichen mit den Kindern verschiedene Spiele, Wettbewerbe und Späße durchgeführt. Mit allem möglichen kann man den Winter verjagen: mit Besen, mit Ruten, mit Bällen und mit Schneeschlachten. Alle winterlichen Rätsel wurden gelöst, alle Märchen erzählt, und es wurde reichlich geschrien, um vom Winter Abschied zu nehmen.

Oksana Fomina, die Leiterin der Jugend- und Kindergesangsgruppen unserer Gesellschaft, lernte mit den Jugendlichen die Feiertagslieder. Im Januar diesen Jahres nahm Oksana Jurjewna am Seminar „Von der Kenntnis zur Schöpfung“ teil, welches in Borowoje stattfand. Sie lernte dort viel über das Fest Fasching und wandte ihre Kenntnisse in der Praxis bei der Organisation des Umzugs an.

Die Veranstaltung ging mit der Verbrennung der Strohpuppe zu Ende, es wurde reichlich Blinis genascht, alle wurden nach Hause oder zum Festkonzert im städtischen Haus der Kultur geleitet, wo das Ensemble „Einheit“ mit Tanznummern teilnahm.

Alle haben den Winter mit großem Vergnügen verabschiedet, doch leider kommt er in unserer Region bereits am Anfang November zurück und geht Mitte März, wenn auch nicht immer.

Marija Gorbatschjowa

Übersetzung: Philipp Dippl

Der Feiertag „Tag der Dankbarkeit“ in Semej

Im städtischen Haus der Freundschaft fand ein Feiertagskonzert anlässlich des Tages der Dankbarkeit statt. Die ethnokulturellen Vereinigungen der Stadt haben sich gegenseitig ihre Liebe und Anerkennung zum Ausdruck gebracht. Die Gäste der Feierlichkeiten lernten das Kunsthandwerk der Zentren kennen und lauschten Liedern in verschiedenen Sprachen unseres multinationalen Staates. Die kreativen Gruppen stellten in strahlender Nationaltracht Volkstänze vor.

Von Seiten der öffentlichen Vereinigung der Deutschen „Wiedergeburt“ in der Stadt Semej richteten in deutscher Sprache die aktiven Mitglieder des Vereins der deutschen Jugend „Glück“, Sofija Beder und Kirill Uwarow allen ihre Glückwünsche zum Feiertag aus. Sofija trug das von allen geliebte und bekannte Lied „Sonnenkreis“ in vier Sprachen vor: auf Kasachisch, Russisch, Deutsch und Englisch. Sie zeigte damit, dass wir in unserem Land dank der Versammlung des Volkes Kasachstans unsere Muttersprache lernen und die Kultur, die Traditionen und die Bräuche unserer Ethnie bewahren können. Ebenfalls erfreute die Gesangsgruppe „Einheit“ alle Versammelten mit deutschen Volksliedern.

An diesem Tag fand im Zentrum der ergänzenden Vorschulerziehung „Wunderkind“ die Veranstaltung „Wir sind die Kinder eines Landes“ statt, auf welcher die Zöglinge die Geschichte des Feiertages kennenlernten, Volksspiele spielten und in einem Rundtanz der Freundschaft Lieder in verschiedenen Sprachen sangen.

Marija Gorbatschjowa

Übersetzung: Philipp Dippl

Gute Menschen unterstützten eine willensstarke Frau

Am 11. März verließ uns eines der ehrenvollsten Mitglieder der Gesellschaft der Deutschen im Gebiet Zhambyl – Paulina Konstantinowna Grundentaller.

Paulina Konstantinowna wurde am 10. Juni 1931 im Kaukasus in die Familie eines Kolchosenvorsitzenden, in welcher es vier Kinder gab, geboren. Der Vater wurde im Jahr 1936 verhaftet und als Volksfeind verurteilt. Da ihm Verrat des Vaterlandes vorgeworfen wurde, wurden die Kinder sofort von der Schule ausgeschlossen, es wurde verboten, mit ihnen zu reden oder ihnen zu helfen.

Es gab keine Arbeit, Hilfe kam nur vom älteren Bruder, der sich bemühte, den jüngeren Brüdern und Schwestern, deutsche Ordnung und Verantwortung anzuerziehen. Zum Beispiel warf er einen Beutel mit Weizen oder Mehl und rief: „Das ist eine solche Schweinerei, wie ein Schweinestall im Hof, und jetzt räumt gefälligst alles auf!“ Sie haben seit frühester Kindheit gearbeitet. Und mit Beginn des Krieges kam neues Leid – die Deportation. Die ganze Familie wurde nach Nordkasachstan gebracht.

Mit zehn Jahren lernte die kleine Paulina, selbstständig und furchtlos zu sein. Mit 12 saß sie am Steuer eines Traktors, arbeitete, wo und mit wem es nötig war, das Brot musste verdient werden. Auf den Feldern wurde die Ernte eingefahren. Im Norden Kasacshtans tritt der Herbst sehr früh ein, und in den Nächten kam der Frost. An einem dieser Tage gingen alle nach einem harten Arbeitstag nach Hause, und die kleine Paulina blieb ganz alleine in der Steppe, als Tochter eines Volksfeindes, und niemand hatte das Recht, ihr zu helfen.

In der Steppe ist es sehr kalt und dunkel, der Mond ist nicht zu sehen, nur die Sterne funkeln. Ein paar Mal fing das kleine Mädchen an, zu rennen, um warm zu werden, ist anschließend vom Kampf gegen die Kälte müde geworden, legte sich hin schaute nur noch auf die blinkenden Sternchen. Es schneite, Paulina war erschöpft, ihre Augen schlossen sich, aber plötzlich haben sie irgendwelche starken Arme aufgehoben, haben sie in einen Pelz gewickelt und sie an sich gedrückt. Als sie sich aufwärmte und die Augen öffnete, sah sie einen alten Kasachen, der sie anschaute, mit der Zunge schnalzte und den Kopf schüttelte. Und am morgen wurde ihr Retter weggeführt, irgend jemand hat ihn denunziert.

Paulina blieb in seiner Familie. Als der Sohn des Hausherren aus dem Krieg zurückkam, hat er Paulina nicht ein Mal einen Vorwurf gemacht (aus der Erinnerung von Paulina Konstantinowna)

Sie lebte auf der Kolchose Stachanow im Norden Kasachstans bis zum Jahr 1953. In 1954 ging sie nach Temirtau zu ihrem älteren Bruder, wo sie die Verwaltung von Erntetechnik erlernte. Im Jahr 1971 zog sie mit 5 Kindern an der Hand in das Dorf Druzhba (heute Mojynkum), arbeitete ohne Wochenende und Urlaub als Melkerin. Dort haben gutherzige Menschen die verantwortungsvolle, schmächtige, aber willensstarke Frau unterstützt – das waren der Direktor der Sowchose Walimamedow und der Vorsitzende des Arbeitskomitees Sadenkow. Sie haben der Mutter von vielen Kindern geholfen, auf den Beinen zu bleiben.

Paulina Konstantinowa sprach auf drei Sprachen fließend. Die beherrschte Kasachisch und Deutsch in Perfektion. Mit großer Liebe und Respekt äußerte sie sich über die Kasachen. Heute hinterlässt Paulina eine große und eng vereinte Familie: fünf Kinder, 13 Enkel und 9 Urenkel.

Die Gesellschaft der Deutschen im Gebiet Zhambyl spricht den Verwandten und Nahestehenden von Paulina Konstantinowa ihr tiefes Beileid aus.

Übersetzung: Philipp Dippl

Freude über den Frühling in Semej

Der Lieblingsfeiertag der wunderschönen Hälfte der Menschheit, der 8. März, bringt immer viel herzliches und warme Glücksgefühle mit sich. Die öffentliche Vereinigung der Deutschen „Wiedergeburt“ der Stadt Semej hat diese Seite nicht übergangen und allen Frauen gratuliert. Traditionellerweise fand die Veranstaltung im Haus der Freundschaft statt, wo die kreativsten, aktivsten und talentiertesten Männer der ethnokulturellen Vereinigungen allen mit einem Feiertagskonzert eine Freude bereiteten. Unaufhörliche Komplimente, Lieder und Tänze – alles dies wurde unseren lieben Damen gewidmet. Die Tanzgruppe „Einheit“ schenkte die Tanzkomposition „Rotkäppchen“, welche alle mit positiver Stimmung und Erinnerungen an eine wunderbare Kindheit auflud. Im Zentrum der vorschulischen Erziehung „Wunderkind“ wurde eine Nachmittagsvorstellung für Mütter organisiert. Die Jungs und Mädels haben so viele Nummern vorbereitet: Lieder, Tänze, Gedichte in deutscher Sprache und lustige Szenen aus dem Alltag einer Mutter. Die Kinder haben die Eltern mit ihren Erfolgen und Errungenschaften in den kreativen Aktivitäten erfreut, und die Mütter, zu Tränen gerührt, empfingen Glückwünsche. Auf dem Feiertagstreffen im Verein der Senioren haben die Damen ihren strahlendsten Schmuck angelegt und sind mit einem Hauch von Frühlingsgefühlen zur Feier erschienen. Swetlana Kirdjaschkina, die Leiterin des „Nordic-Walking-Clubs“, teilte mit den Versammelten einfach eund erschwingliche Geheimnisse der Schönheit. Die Vertreter des Vereins der deutschen Jugend „Glück“ führten das Spiel „Feld der Wunder“ auf, in welchem man auf einfache Fragen zum internationalen Frauentag antworten musste. Und denen, die aufgrund ihres Gesundheitszustandes das Haus nicht verlassen können, hat der Sozialarbeiter der Gesellschaft Ewgenij Timofeew persönlich eine Freude mit Frühlingsblumen und Geschenken gemacht. Walentina Irinakowa: „Ein großes Dankeschön für die Glückwünsche. Es ist sehr erfreulich, dass ihr uns nicht vergesst und besucht, wann es geht“. Wir wünschen allen lieben Damen alles Gute zum Beginn des Frühlings!

Marija Gorbatschjowa

Übersetzung: Philipp Dippl

Die Farben des Lebens und frühlingshafte Versöhnung

Die junge Künstlerin Elena Schlapak war die Preisträgerin des Wettbewerbs zum internationalen Frauentag.

Woher Elena die Leidenschaft für die Kunst hat, das weiß nicht einmal sie selbst. Vielleicht von ihrer deutschen Urgroßmutter, die eine intelligente Person war, vielleicht haben sich auch einfach nur die Sterne so entwickelt.

– Ich male seit der frühesten Kindheit. Es kommt vor, dass ich eine freie Minute habe, und dann greife ich nach dem Bleistift und nach dem Pinsel. Ich liebe auch Sprachen, Deutsch und Englisch gefällt mir besonders. Ich wollte sogar Übersetzerin werden, aber die Eltern haben sich anders entschieden und übergaben mich nach der 9. Klasse an das künstlerische Lyzeum, – sagt die junge Frau.

Zwei Jahre als „Künstlerin“ waren nicht umsonst: Elena erlernte nicht nur verschiedene Maltechniken, sondern erweiterte ihren Horizont. Besonders gefielen ihr die Arbeiten europäischer Künstler. Kurz darauf ging sie auf die Universität namens Zhubanow, wo sie den Beruf des Designers erlernte. Danach das Magisterstudium in Almaty. Und schon seit zwei Jahren unterrichtet die junge Frau an einer privaten Hochschule. Die Arbeit mit den Studenten gefällt ihr, den jungen Leuten die Liebe zu den schönen Dingen beibringen – das ist das, von was Elena geträumt hat. Sie vergisst auch nicht ihre Selbstentfaltung, probiert sich in unterschiedlichen Techniken aus.

Vor kurzem haben die Behörden von Aktöbe den traditionellen Wettbewerb zum 8. März angekündigt.  Das Thema ist für die Künstler kein neues – „Frühling. Frauen. Blumen“. Außer den anerkannten Meistern des Pinsels und der Farbe wurde entschieden, dass sich auch junge Schöpfer beweisen können. Insgesamt wurden circa 30 Bilder zum Wettbewerb eingereicht. Unter ihnen ist die Arbeit der 26 jährigen Elena Schlapak, welche sie ganz einfach „Versöhnung“ genannt hat.

– Der Name ist von selbst gekommen – er hat meine Stimmung in diesem Augenblick widergespiegelt. An dem Bild habe ich zwei Wochen lang gearbeitet. Es ist eine sehr monochrome Arbeit auf starkem Papier, auf dem ich Tusche und Liner verwendet habe. Da ich zum ersten Mal an solch einer Ausstellung teilnehme, habe ich mir große Sorgen gemacht, obwohl mir irgend etwas gesagt hat, dass ich unter den Gewinnern sein werde, – erzählt meine Gesprächspartnerin.

Und sie hat sich nicht geirrt: das Debüt verlief absolut erfolgreich – der zweite Platz und ein Preisgeld von 15.000 Tenge – ein sehr gutes Resultat in diesem Wettbewerb.

Nach den Worten Elenas möchte sie in diesem Jahr mehr über die Kultur von Deutschland herausfinden, und sie plant, einen Workshop über die Werke berühmter deutscher Künstler durchzuführen.

Dmitrij Schinkarenko

Übersetzung: Philipp Dippl

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